Abgebrochene Frankobelgier: En detail

  • Wer in den 1960er und 1970er Jahren "Fix und Foxi" gelesen hat, kennt sie: Tony und Firlefanz. In den diversen Kauka-Publikationen wurden über die Jahre verteilt ein paar Mini-Bücher der Serie sowie einige wenige Kurzgeschichten im Heftformat veröffentlicht.

    http://www.kaukapedia.com/index.php?title=Firlefanz

    Während sich die Serie in "Spirou" aber immer weiter entwickelte, kam in "Fix und Foxi" irgendwann nichts mehr. Damit fehlen uns auf deutsch insbesondere die drei albenlangen Geschichten, die ab Ende der 1970er Jahre in "Spirou" erschienen. Es sind:


    • Emilius le terrible, 44 Seiten in Spirou 2157 - 2177


    • L’île de Nivapapapa, 44 Seiten in Spirou 2230 - 2242


    • Le flagada et le martin–bêcheur, 42 Seiten in Spirou 2319 - 2329

    "L’île de Nivapapapa" ("Die Insel Nivapapapa") hatte ich gerade das Vergnügen zu lesen. Degotte zeichnete zu der Geschichte auch ein Cover für "Spirou".

    http://www.bedetheque.com/Revue_2230.jpg

    Man sieht auf dem Cover, wie Tony und Firlefanz, beide grimmig schauend, die Insel betreten. Ihnen zur Seite flattert der Kormoran Emile. Der guckt eher etwas abwesend. So ist er immer.

    Die Insel ist gefährlich. Auf ihr haust Dr. Cyborg. Der kreuzt als Hobby Menschen mit Tieren. Sein Hauptforschungsgebiet ist aber ein Bakterium, das den Alterungsprozess beschleunigt. In einer alptraumhaften Szene, die Degotte auf fast zwei Seiten ausbreitet, wird gezeigt, wie ein süßes, süßes Bärenjunges innerhalb von zwei Minuten zu einem meterhohen Bären heranwächst und dann an Altersschwäche stirbt. Nicht auszudenken, wenn dieses Bakterium auf die Welt losgelassen würde.

    Auch andere Szenen sind starker Tobak. So landen mitten in der Geschichte ein Gangster und zwei Söldner auf der Insel. Da sie aber Unruhe stiften, werden sie von einem Riesenkaninchen - einer weiteren Schöpfung von Dr. Cyborg - zertrampelt (zu deutsch: dem Tode zugeführt). Zeichnerisch ist dies alles sehr kompetent und detailliert umgesetzt. Man spürt förmlich, welchen Spaß es Degotte bereitet hat, all diese Monstrositäten, die sich auf der Insel finden, umzusetzen.

    Der Kleinverlag "Coffre à BD" widmet Firlefanz gerade eine Gesamtausgabe. Diese wird insgesamt acht Bände umfassen.

    https://coffre-a-bd.com/515-flagada

    Edited 2 times, last by arne: Link aktualisiert (June 28, 2020 at 5:17 PM).

  • An die beiden kann ich mich noch erinnern, aus der Zeit als ich als Kind noch Fix&Foxi gelesen habe. Fand ich damals immer doof und habe seitdem auch nie mehr was davon gelesen. Vielleicht ging´s anderen damals ja genauso und die Resonanz auf die Veröffentlichungen in FF war eher verhalten, so daß man da dann nichts mehr von veröffentlicht hat.

  • Manchmal lohnt ein zweiter Blick. Gerade hatte ich Spirou Sammelband 167 in der Post. Darin befindet sich die letzte lange Story "Le flagada et le martin–bêcheur". Degotte hat hier auf ein dreizeiliges Layout umgestellt. Bei manchen Panels kann es einem kalt den Rücken runter laufen, so erschreckend wirken manche Szenen.

    Irgendwie erinnert mich das an die Serie "Sibylline" von Macherot. Die wurde zum Ende hin auch immer düsterer. Dementsprechend brachte Dupuis die späten Geschichten von "Sibylline" auch nie als Album heraus. Von "Firlefanz" gab´s bei Dupuis überhaupt nie ein Album.

  • Jetzt, wo Salleck erfreulich zügig mit der Veröffentlichung von "Kai Falke" voranschreitet, sei hier an eine andere Serie von Raymond Reding erinnert, die leider auf deutsch nur ein kurzes Gastspiel hatte: "Section R". Lediglich vier Kurzgeschichten erschienen vor knapp vierzig Jahren in "Zack". Die ersten vier? Nicht ganz. Zur Übersicht liste ich hier mal die ersten acht im belgischen "Tintin" erschienenen Kurzgeschichten auf:


    • 26/71 Mais qu’est–ce qui fait plonger Sophie?, 8 Seiten
      Auf deutsch in Zack 1/73


    • 40/71 Le 25? Pas question!, 8 Seiten


    • 45/71 (ohne Titel), 8 Seiten
      Auf deutsch in Zack 46/72: "Eine mysteriöse Krankheit"


    • 2/72 (ohne Titel), 7 Seiten
      Auf deutsch in Zack 18/72: "Harter Job für Doppelgänger"


    • 6/72 (ohne Titel), 8 Seiten
      Auf deutsch in Zack 22/72: "Erpresser leben gefährlich"


    • 18 + 23/72 Le "Sophar", 16 Seiten


    • 29/72 (ohne Titel), 8 Seiten


    • 33/72 La baraka, 8 Seiten

    Bei der Zuordnung der Geschichten half mir felix da cat! :top:

    Obwohl erst an dritter Stelle erschienen, ist m. E. die Geschichte aus Tintin 45/71 (= Zack 46/72) chronologisch gesehen die erste. Denn hier werden im Text der Geschichte sowohl die Namen der Hauptfiguren Sophie Ravenne und Django Riva vorgestellt als auch der Name der Serie erläutert.

    http://bdoubliees.com/tintinbelge/series5/sectionr.htm

    Ich persönlich würde "Section R" gerne mal wieder im "Zack" sehen. Aber das sind wohl Wunschträume.

    Edited once, last by arne (August 22, 2012 at 8:24 PM).

  • Sind es, denn Material dieses Alters soll es im "Zack"-Magazin eigentlich nicht mehr geben.

    Wenn überhaupt wäre "Section R" wohl als Gesamtausgabe denkbar,
    vielleicht in er Form wie kürzlich "Roderic" von Vance.

  • Hi Arne,

    die erste in Tintin erschienene Story ist die mit dem Schwimmer, die dritte ist die mit dem Tennisplatz. Habe ich die auf meiner Liste den falschen ZACK-Nrn. zugeordnet?
    Ich war ein bisschen verunsichert, weil ich die Tennisplatz-Geschichte - entgegen dem, was auf meiner Liste steht -eigentlich in der Nr. 1/1973 wähnte.

    Sorry für die Konfusion.
    (ich kann leider nicht vergleichen, da sich meine ZACK-Sammlung etwa 7 km von mir entfernt befindet :floet:)

    Die anderen Geschichten stimmen 100 Pro, da ich den Inhalt der ersten ZACK-Hefte noch im Kopfstand und nach 72 Stunden Schlafentzug auswendig aufsagen kann. :D

  • Die Tennisplatz-Geschichte ist in Zack 46/72. Stimmt also alles. :wink:

    Sind es, denn Material dieses Alters soll es im "Zack"-Magazin eigentlich nicht mehr geben.


    Der in diesem Jahr abgedruckte Battaglia stammt aus den 1970er Jahren - dem Jahrzehnt von "Section R"!


    .

    Edited 3 times, last by arne (July 3, 2011 at 4:31 AM).

  • Dann muss ich da widersprechen:

    Quote

    Zitat von Arne:
    Obwohl erst an dritter Stelle erschienen, ist m. E. die Geschichte aus Tintin 45/71 (= Zack 46/72) chronologisch gesehen die erste.


    Lies Dir mal die Schwimmer-Story durch. Sophie & Django sind noch ganz normale Sportjournalisten für eine Wochenzeitschrift (Seite 2, 1. - 6. Bild).
    Seite 8, vorletztes Bild unterbreitet Django den Vorschlag, sich selbständig zu machen, hierfür ein eigenes Büro zu gründen und das ganze Section R zu nennen (ich meine mich erinnern zu können, dass das in ZACK anders übersetzt wurde). Eine echte "Origin-story" also - ganz ohne Gamma-Strahlen. :D

    In der Tennisplatz-Story ist das Section R-Büro (mit dem großen "R" auf dem Fußboden) erstmals zu sehen.
    In der zwischen den beiden Geschichten erschienenen Story aus Tintin 40/1971 (Thema: Basketball) ist von diesem Büro noch nichts zu sehen. Offenbar sitzt man in zwei, drei Panels in der Privatwohnung einer der beiden Helden.

  • Dann ist das im Zack falsch übersetzt. Die Origin Story kam da ja als letzte. Auf Seite 2 heißt es dort in Panel 5: "Meine liebe Sophie! Will "Section R" den Auftrag nun haben oder nicht?" Und auf Seite 8, vorletztes Panel, gibt es nicht den Vorschlag, ein eigenes Büro zu gründen.

    Dank Dir wissen wir jetzt also nach knapp 40 Jahren endlich auch in Deutschland, wie alles wirklich abgelaufen ist. :top:

  • arne:
    Offensichtlich hält der Chefredakteur den Zeichenstil von Battaglia also für moderner/zeitloser als den der francobelgischen Klassiker. Denn von dieser Art südeuropäischer Comics möchte er ja sogar gerne mehr bringen
    (mein Fall sind sie eher nicht).

    Aber vielen Dank, durch diesen Thread hab ich mir die "Section R" aus Zack jetzt mal wieder rausgesucht. Mochte ich damals eigentlich auch recht gerne.
    Wobei: Ich mochte da ja sogar "Kommissar Spada" ;)

  • Vor einiger Zeit hatte ich mir mal Yps 409 und 410 besorgt, um mal wieder "Arthur, das Gespenst" zu lesen. In "Yps" gab es ja eine ganze Menge Kurzgeschichten.

    http://www.ypsfanpage.de/comics/arthur.php

    Inzwischen ist es mir auch gelungen, die beiden "Arthur"-Geschichten den Originalen zuzuordnen. Und zwar wie folgt:


    • Yps 409 "Das Wunder-Parfüm des Professors" = Pif Gadget 325 "Arthur est au parfum"


    • Yps 410 "Heiße Musik und eiserne Gäste" = Pif Gadget 319 (Im Original ohne Titel)

    "Das Wunder-Parfüm des Professors" findet sich unter dem Titel "Arthur und die Wunderkühe" auch in Felix Sonderheft Ostern 1978. Der Professor heißt im Original Professeur Mathanstoc. Sein erster Auftritt im Original war in Vaillant 822 (1960). Da hatte er gerade eine Zeitmaschine erfunden, mit der Arthur dann in die Urzeit (V 830 - V 875) und dann in die Asterix-Zeit (V 876 - V 911) reiste. In "A la recherche du chercheur" (V 912 - V 942) wurde er schließlich von einem anderen "Professeur" entführt. Diese schönen langen Stories erschienen leider nie auf deutsch.

    Edited 2 times, last by arne (February 4, 2018 at 9:25 AM).

  • Quote

    Zitat von Arne:
    Da hatte er gerade eine Zeitmaschine erfunden, mit der Arthur dann ... in die Asterix-Zeit (V 876 - V 911) reiste.

    Was hier geschehen ist.

    Von Arthur war ich zu Felix-Großband-Zeiten nie sonderlich begeistert (Yps habe ich kaum gelesen). Das lag wohl daran, dass die dort veröffentlichten Geschichten neueren Datums sind. In einem französischen Sekundärband habe ich dann den "alten Arthur" entdeckt und fand das richtig gut.

  • Ein paar Bemerkungen zur französischen Albengeschichte von "Arthur". In den 1960er Jahren brachte Vaillant drei Alben heraus.

    http://www.bedetheque.com/Arthur-le-fantome.html

    Das erste, "Pistoles en stock", enthält die Seiten aus Vaillant 451 - 520, wobei auf den ersten 13 Seiten ein Teil des Materials weggekürzt wurde. In ihrer ursprünglichen ungekürzten Form findet man diese 13 Seiten in dem Album von Vents d'Ouest (1996).

    http://www.bedetheque.com/Arthur-Vents-d-Ouest.html

    Das zweite Album, "Sur la mer calmée", enthält die Seiten aus Vaillant 521 - 581. Arthur trifft hier auf Dumas´ Musketiere (V 521 - 551) und schlägt sich mit Piraten herum (V 552 - 581).

    Das dritte Album schließlich, "Le départ des revenants", enthält die Seiten aus Vaillant 582 - 640. Hier finden wir Arthur in Schottland (V 582 - 619) und in Holland (V 620 - 640).

    Edited once, last by arne (December 16, 2017 at 8:15 AM).

  • Eine andere Cézard-Serie, die einen gewissen Bekanntheitsgrad bei uns haben dürfte, ist "Joker contra Tröpfe" (im Original: "Les Rigolus et les Tristus"). Davon gibt´s im Original eine ganze Menge:

    http://bdoubliees.com/vaillantpif/series5/rigolus.htm

    Eingeführt wurden diese merkwürdigen Figuren in der Serie "Arthur", als nämlich das Gespenst einen "Trip zum Kicherstern" (so der Titel der Geschichte im Felix Grossband Weihnachten 1973) unternahm. Im Original findet sich diese Geschichte in Pif 13.

    Es könnte sein, dass die Serie "Les Rigolus et les Tristus" demnächst bei Taupinambour chronologisch nachgedruckt wird. Eine Ankündigung hierzu habe ich jedenfalls schon gesehen.

  • Ich habe mir gerade mal folgende Geschichte zu Gemüte geführt:


    • La marque du Condor (10 Seiten) in Pif Gadget 670 (1982)

    Es handelt sich hierbei um die letzte von André Juillard gezeichnete Geschichte des "Roten Falken". Diese wurde auf deutsch nicht veröffentlicht und auch in Frankreich nie nachgedruckt. Warum?

    Bei "La marque du Condor" handelt es sich um die Urfassung des Duells zwischen Ariane und ihrem Vater. Dieses findet sich, wesentlich ausgebreiteter, auch in Band 7 der Reihe "Die sieben Leben des Falken". Allerdings findet Ariane in der Urfassung noch nicht ihren (vermeintlichen) Tod. Die Urfassung endet mit dem Bad des Kondors in der Seine. Amüsante Abweichung in der Handlung: Während in der späteren Fassung Richelieu den Kondor dem König auf dem Hof vorstellt (Carlsen 7 Seite 18), sitzt der König in der Urfassung im Waschzuber.

    Wollte man die Saga um die Falken und Ariane chronologisch lesen wollen, müsste man dies wohl wie folgt tun:

    - Die sieben Leben des Falken, Bände 1 - 6

    - Der Rote Falke, Bände 7 - 10. Hier wird erzählt, wie Ariane in die Rolle des Roten Falken hineinwächst. Die Bände 8 - 10 fehlen allerdings auf deutsch.

    - Der Rote Falke, Bände 1 - 3. Die Bände enthalten mehr oder weniger vollständig die ersten 15 von Juillard gezeichneten Geschichten (s. die Liste in REDDITION 30). Es fehlen u. a. die jeweils letzten Seiten der Stories 1 und 6 und die jeweils ersten Seiten der Stories 11 und 12.

    - Der Rote Falke, Bände 4 - 6

    - "La marque du Condor" bzw. Die sieben Leben des Falken, Band 7

    - Wie eine Feder im Wind, Bände 1 - 4. Parallel dazu laufen die Geschehnisse der Serie "Coeur brûlé" ab, die auf deutsch nicht erschienen ist.

    Edited once, last by arne (August 13, 2011 at 6:15 PM).

  • - Der Rote Falke, Bände 4 - 10. Hier wird erzählt, wie Ariane in die Rolle des Roten Falken hineinwächst. Die Bände 8 - 10 fehlen allerdings auf deutsch.

    Keine Bange - nicht mehr lange. :D

    Wir (Finix Comics) veröffentlichen Band 8 im Januar 2012 - Band 9+10 jeweils im Abstand von ca. 3 Monaten.

    Band 1-3 werden wir bei genügend Interesse, als Hardcover-Album nachdrucken, damit die Sammler einheitliche Alben ins Regal bekommen und gleichzeitig Neukunden nicht von den horrenden Preisen der alten Schlabber-Softcover vom Feest-Verlag, abgeschreckt werden und sich auch noch diese schöne Serie kaufen können.

  • Die Reihe "Attilas Abenteuer" (bzw. bei Bastei: "Attila der Meisterdetektiv") ist auf deutsch bisher unvollständig. Denn es fehlt der letzte Band "Bak et Flak étonnent Attila".

    Interessant ist aber noch ein anderes Detail. Wer Band 3 aufmerksam liest, wird im letzten Panel feststellen, dass alle Figuren den gerade zur Tür hereinkommenden Professor Seiler zu kennen scheinen. Wieso eigentlich?


    :xtree:


    Die Antwort findet sich in Spirou 1601. Da wurde, zeitlich vor Band 3, die Kurzgeschichte "Le réveillon d’Attila" (Attilas Weihnachten) abgedruckt. Kurzinhalt:

    Attila, Plätzli, Oliver, der Oberst und sein Adjutant sitzen in Olivers Schloss am heiligen Abend zu Tisch. Da erscheint als Überraschungsgast Professor Seiler. Nur der Oberst kennt ihn. Der Oberst zu Attila: "Das ist der Mann, der das Serum erfunden hat, mit dem Du sprechen lerntest." Man will sich gerade zu Tisch setzen, als ein Stein durchs Fenster fliegt. Gangster verlangen die Herausgabe des Professors.

    Natürlich kann Attila die Gangster ausschalten, so dass pünktlich gegen Mitternacht die Weihnachtstorte angschnitten werden kann. Auch die Gangster bekommen ein Stück ab.

    Eine weitere Kurzgeschichte findet sich in Spirou 1682. Sie spielt zeitlich zwischen Band 3 und 4. Oliver soll mal wieder entführt werden. Aber Attila und Z 14 können das verhindern.


  • Der deutsche Leser hatte wenig Gelegenheit, sich mit Marc Wasterlains erster Hauptserie "Doktor Poche" vertraut zu machen. Von den neun Bänden, die von 1978 bis 1990 bei Dupuis erschienen, kamen lediglich die ersten beiden vor nunmehr 20 Jahren bei Feest heraus.

    Warum die Serie anschließend von Dupuis zu Casterman wechselte, ist mir nicht bekannt. Fakt ist, dass die Serie dort ein bisschen verniedlicht wurde. Hier das erste Casterman-Cover:

    http://www.wasterlain.be/images/obj/32g.gif

    Wir sehen vorneweg fliegend Gromo, den Zwerg. Der ist in allen fünf Casterman-Alben dabei. Hinter ihm fliegt Mademoiselle Zoé, die zu Beginn des Albums auf Zwergengröße verkleinert wird. Auch in den folgenden Alben ist sie überwiegend im Zwergenformat dabei.

    Ab Band 2 tauchen als regelmäßige Nebenfiguren auch Kinder auf. Ab Band 2 das Mädchen Mimi. Ab Band 3 ihr Freund Nicolas. Beide Kinder sind auf dem Cover von Band 3 zu sehen:

    http://www.wasterlain.be/images/obj/34g.jpg

    Der Verniedlichung der Figuren entspricht die Verniedlichung der Handlung. In Band 1 rettet Poche das Weihnachtsfest, in Band 2 das Osterfest. Danach geht´s handlungsmäßig wirklich in den Keller: In Band 3 rettet Poche Gartenzwerge, in Band 4 Marienkäfer. Dass ich mir die Bände dennoch weiterhin holte, lag ausschließlich an den weiterhin exzellenten Zeichnungen. Aber Band 5 lag dennoch 10 Jahre ungelesen bei mir rum. Zu Unrecht!

    Der Vertrag zwischen Wasterlain und Casterman umfasste fünf Bände. Und in Band 5 zog Wasterlain noch mal alle Register seines Könnens. Band 5 ist der beste Band der zweiten Serie und einer der besten Bände der Poche-Reihe insgesamt.

    Der Titel lautet: "Doktor Poche und die verzauberten Kürbisse". Diese Kürbisse sieht man auch auf dem Cover, zusammen mit einer bösen Hexe.

    http://www.wasterlain.be/images/obj/36g.jpg

    Thema des Bandes ist Halloween. Und die Hexe ist eine Nachfahrin von Jack O´Lantern. Jack O´Lantern wird von Wasterlain als Silhouette dargestellt. Er hat dieselbe Statur wie die Hexe, ist aber ansonsten pechschwarz. Der Teufel hat ihn zu einem Leben als Schatten verdammt. Erlöst wird er nur, wenn ein Kind an Halloween seinen Namen ruft.

    Die Hexe und Jack O´Lantern sammeln zu Halloween also fleißig Kinder ein und verfrachten sie auf eine Insel. Anschließend flößt ihnen die Hexe einen Zaubertrank ein, die Kürbisse machen Musik und die Kinder tanzen in Trance singend um ein Feuer: "Jack O´Lantern, Jack O´Lantern, lalala ...". Gewitter zieht auf und der Teufel erscheint. Der will die Kinder schon einsacken, als in letzter Sekunde Doktor Poche auftaucht.

    Doktor Poche beschuldigt Jack O´Lantern des Betruges. Die Kinder würden nicht freiwillig singen. Der Teufel beschließt: Jack O´Lantern und Doktor Poche sollen sich duellieren. Der Preis: Die Kinder. Das Duell beginnt. Und dann zerstört Marc Wasterlain seine Hauptfigur.

    Display Spoiler

    Der Kampf wogt unentschieden hin und her. Mit dem Strahl einer Taschenlampe kann Poche den Bösewicht schließlich festnageln. Da graut der Morgen. Anstatt seine Niederlage anzuerkennen, stürzt sich Jack in einen Sonnenstrahl und löst sich, da er ein Schatten ist, auf.

    Da mithin der Kampf unentschieden blieb, verlangt der Teufel für das Leben der Kinder ein anderes Opfer. Doktor Poche soll den Platz von Jack einnehmen. Der Teufel kommandiert einen Blitz herbei. Der Blitz schlägt in Doktor Poche ein und verwandelt ihn in einen Schatten. Auf ewig verdammt muss Doktor Poche jetzt als Schatten durch die Welt ziehen.


    In einem bewegenden Schlusswort verabschiedet sich Wasterlain von allen Lesern, die ihm bis jetzt die Treue gehalten haben. "Je vous aime tous!"

    Edited 2 times, last by arne: Links aktualisiert (June 12, 2016 at 8:43 PM).

  • Valhardi & Co. 15


    Als letzten Band der Valhardi-Reihe brachte Carlsen 1992 die Geschichte "Der Tempel der Vat-Fenh-Ling" (hier). Chronogisch gesehen ist diese Story vor Band 1 einzuordnen. Weitere von Paape stammende Valhardi-Stories, die noch früher einzuordnen sind, hat auch Dupuis bisher nicht als Album herausgebracht.

    Als das Original zu Band 15 1987 von Dupuis herausgebracht wurde (hier), war das Geschrei groß. Denn das Album enthält nur die ersten 41 Seiten der insgesamt 59 Seiten langen Story.

    Diese "Verkürzung" bemerkt man beim Lesen eigentlich gar nicht. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Valhardi & Co. gehen in den Dschungel. Valhardi & Co. werden gefangen genommen. Valhardi & Co. verlassen den Dschungel wieder. Die Bösewichte sind tot.

    Im nächsten Beitrag werde ich darstellen, wie die Geschichte weitergeht. Wer es nicht wissen will: Bitte nicht weiterlesen!

  • Der Tempel der Vat-Fenh-Ling: Seiten 42 - 59


    Die Chefin der Banditen hat den Brand überlebt und ist zurück in Bangkok. Dort schart sie eine neue Gangstertruppe um sich, denn sie braucht Leute, um das Gold aus dem Dschungel herauszuholen. Vorher will sie aber wissen, ob Valhardi & Co. den Behörden von dem Tempel der Vat-Fenh-Ling erzählt haben und gibt daher den Auftrag, die drei zu entführen.

    Die Handlanger erwischen aber nur Jacquot und den Professor und schaffen die beiden in das neue Hauptquartier der Chefin, das unter einem Tempel am Rande Bangkoks liegt. Die Chefin ist sauer und gibt nunmehr den Befehl, Valhardi zu beseitigen. Das Risiko sei zu groß, dass Valhardi wegen des Verschwindens seiner Freunde zur Polizei gehe.

    In der vielleicht besten Szene des "zweiten Teils" isst Valhardi im China-Hotel eine vergiftete Suppe, springt dann in einem dieser großen Panels auf, fasst sich an den Hals und stürzt tot zu Boden. Natürlich hat er seinen Tod nur vorgetäuscht. Heimlich folgt er dem Attentäter und zwingt ihn, das Versteck seiner Freunde zu verraten. Dort kommt er gerade rechtzeitig an, denn Jacquot und der Professor sollen soeben hingerichtet werden.

    :bomb:

    In dem nun folgenden Feuergefecht fällt Valhardi seine Sten Gun zu Boden. Diese beginnt von selbst zu schießen und trifft zufällig nur die Bösewichte. Schwer verletzt liegen die Gangster am Boden. Einer kann jedoch unbemerkt davonkriechen und sich in der Kommandozentrale einschließen. Dort gibt es einen fatalen Hebel. Die am Boden liegende Frau kichert: "Gleich fliegt alles in die Luft!" (In Comics muss am Ende immer alles in die Luft fliegen.) Valhardi & Co. rennen wie der Blitz aus den unterirdischen Gängen heraus, bevor alles in die Luft fliegt. Jetzt ist die Chefin wirklich tot.

  • Hier mal ein Überblick über die Valhardi-Geschichten von Eddy Paape, die noch einer deutschen Veröffentlichung harren. Sie entstanden alle vor "Der Tempel der Vat-Fenh-Ling".


    • Les Rubens, 35 Seiten in Spirou 429 - 463


    • Les diamants artificiels, 26 Seiten in Spirou 464 - 488
      Fortsetzung zu "Les Rubens"


    • Sur le rail, 15 Seiten in Spirou Almanach 1947


    • Valhardi et Jacquot détectives, 86 Seiten in Spirou 489 - 574


    • Le roc du diable, 26 Seiten in Spirou 575 - 600


    • A la poursuite de Max Clair, 12 Seiten in Spirou 601 - 612
      Fortsetzung zu "Le roc du diable"

    Eine ganze Menge Material also (insgesamt 200 Seiten). Was mir angenehm auffällt, ist die Verschiedenheit der Storylängen. Man hat damals offenbar einfach drauf los fabuliert, ohne an eine spätere Albenveröffentlichung zu denken.

    Gerüchteweise arbeitet Dupuis an einer Herausgabe der alten Paape-Stories. (Die alten Jijé-Stories von 1941 - 1944 hat man bereits für die Reihe "Tout Jijé" restauriert.) Falls das tatsächlich mal wahr wird, könnte natürlich ein deutscher Verlag da zuschlagen.

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