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Alt 13.07.2018, 18:23   #226  
EC-Fan
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
...und soweit ich das mitbekommen habe, hat Norman Osborn hier seinen ersten Auftritt. Laut Marvel.wikia war der erste Auftritt in ASM # 14, aber dort wird das im wikia nicht erwähnt.
Der erste Auftritt des Green Goblin ist in Amazing Spider-Man 14,allerdings achtet Ditko darauf dass man das Gesicht nach der Demaskierung nicht zu sehen bekommt und der Name Norman Osborn fällt auch nicht! Tatsächlich wird Norman Osborn erstmals mit Namen hier erwähnt.

Geändert von EC-Fan (13.07.2018 um 18:29 Uhr)
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Alt 13.07.2018, 18:45   #227  
underduck
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Alt 13.07.2018, 19:04   #228  
EC-Fan
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Zitat von underduck Beitrag anzeigen
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In Spinne 38 (Williams),das letzte Heft hier im Thread!
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Alt 13.07.2018, 19:33   #229  
Peter L. Opmann
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Danke für die Erläuterungen.

Nach meinem Eindruck wird Norman Osborn hier schon "aus dem Hut gezaubert". Er hat einen gewissen Bezug zur Serie durch seinen Sohn Harry (der allerdings als Studienkollege von Peter Parker bisher keine sehr markante Rolle gespielt hat), aber in gewissem Sinn ist er auch ein Unbekannter. Vielleicht war das ein Kompromiß zwischen Lee und Ditko.

Also man kann Norman Osborn in dieser Ausgabe schon neu einführen. Aber er hätte nach meinem Geschmack zunächst ein bißchen vorgestellt werden sollen. Das gilt noch mehr für Professor Stromm. Man nimmt an seinem Tod nur Anteil, wenn man ihn etwas kennt. Aber man weiß weder, warum er im Knast saß, noch wie seine Feindschaft mit Osborn begründet wurde - generell ist unklar, was diesen Mann eigentlich antreibt. Wenn das aber ein "Mann ohne Eigenschaften" ist, dann ist sein Tod ohne Belang.
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Alt 13.07.2018, 19:55   #230  
Horatio
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Tatsächlich taucht Norman Osborn schon vorher in der Serie auf, als Mitglied in dem Club, dem auch Jonah Jameson angehört (und als Anzeigenkunde des Daily Bugle). Aber eben inoffiziell, denn er ist dort noch nicht als Osborn identifiziert:

http://www.thegreengoblinshideout.co...-norman-osborn
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Alt 14.07.2018, 18:09   #231  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 39

Erscheinungstermin: 8/1975

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 38
2) Tales to Astonish # 101

Story-Titel:
1) Ein Kerl namens Joe!
2) …und Unheil wird winken!

Original-Storytitel:
1) Just a Guy named Joe
2) …and Evil shall beckon!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Gene Colan / Dan Adkins

Text:
1) Stan Lee
2) Archie Goodwin



Ich nehme mal an, daß Steve Ditko noch nicht wußte, als er diese „Spider-Man“-Ausgabe zeichnete, daß es seine letzte war. Ob er möglicherweise dachte: Hoffentlich kann ich nach diesem Heft endlich aufhören, oder ob Stan Lee dachte: Wenn er noch einmal so einen Mist anschleppt wie ASM # 37, dann werfe ich ihn endgültig raus – das weiß wohl niemand ganz genau. Es ist erneut eine von einigen Superhelden-Mustern abweichende Geschichte, und ich bezweifle, daß es für Marvel gut gewesen wäre, wenn Ditko in dieser Art weitergemacht hätte.

Hätten wir die Originalausgabe vor uns, dann könnten wir den Epochenwechsel schon am Cover sehen. Denn es handelt sich um ein lediglich collagiertes Motiv, wahrscheinlich stand Ditko, als es produziert wurde, schon nicht mehr zur Verfügung. Eine Spinne-Figur aus dem Comic ist großgezogen, und unten sind drei Panels aus dem Comic ergänzt, die Spider-Man im Kampf mit „Joe“ und mit Gangstern zeigen. Williams hatte dieses Cover aber schon bei „Spinne“ # 2 verwendet und ließ daher ein neues zeichnen. Das ist nicht schlecht gemacht. Als Junge fiel mir das nicht auf, und heute bemerke ich es zumindest nicht auf den ersten Blick. Es ist ein nachgezeichnetes Panel, aber anatomisch wird Ditkos Version sogar verbessert. Nur werden, wie beim nachgezeichneten Cover von „Spinne“ # 30, Muskeln kaum hervorgehoben.

Dann überrascht, daß Ditko hier auf eine Splashpage verzichtet. Dafür habe ich keine Erklärung. Der Gegner der Spinne wird hier ausführlich vorgestellt. Joe Smith träumt davon, Boxchampion zu werden, ist aber wohl zu untalentiert. Sein Manager vermittelt ihm darauf eine dümmliche Filmrolle: In einem Fantasiekostüm soll er Amok laufen. Joe zertrümmert aus Frust die Kulissen so gründlich, daß eine Filmlampe umkippt und er einen gewaltigen Stromschlag abkriegt. Darauf ist er benommen, hat aber plötzlich Superkräfte. Nun kann er auf den New Yorker Straßen richtig Amok laufen. Die Spinne greift ein, wird aber von Joe locker aus dem Weg geräumt. Sein Manager kommt dazu und hilft ihm, erstmal unterzutauchen. Joe sieht immer noch Sterne und kann nicht richtig denken. Aber er bleibt nur kurz unter Kontrolle. Der Frust muß raus, und Joe will nun richtig losprügeln.

Die Spinne wird zur gleichen Zeit von einigen Ganoven angegriffen, nachdem ein Unterweltboß dem, der sie erledigt, 100 000 Dollar versprochen hat. Während sie ihre Gegner reihenweise umhaut, entdeckt sie Joe in seinem früheren Boxstudio, wo er gerade unter seinen früheren Sportfreunden aufräumt. Sie mischt sich ein, und Ditko läßt zehn Panels Prügelei ohne Dialoge folgen. Am Ende hat Joe einige schwere Treffer der Spinne abbekommen, die eine unerwartete Wirkung entfalten: die Benommenheit ist weg; Joe ist wieder normal. Alle sind glücklich. Joe kann nun Schauspieler werden und den angerichteten Schaden mit seinen Gagen problemlos bezahlen. Die Spinne zieht sich zurück, muß sich aber noch einmal mit den Gaunern befassen, die sich auf sie gestürzt hatten. Die erledigt sie nun gewissermaßen im Vorbeigehen endgültig. Aber zufrieden ist sie mit diesem Erlebnis keinesfalls.

Joe ist eine zwiespältige Figur. Daß jemand ungewollt zum Bösewicht mutiert, finde ich keine schlechte Idee. Das wurde später mit dem „Strolch“ („Prowler“) noch einmal durchexerziert. Aber daß einer durch einen Stromschlag superstark wird, halte ich für ein Indiz dafür, daß Ditko auf das Superheldenkonzept keine Lust mehr hatte. Er hätte die Spinne sicher lieber als Gegenspieler der Unterwelt gesehen. Und anscheinend war er ein Fan von Boxen und Wrestling. Aber für den Leser ist die Story ziemlich unbefriedigend. Joe, der zur Abwechslung mal ein gewisses Profil bekommt, hätte wohl zu einer interessanten Figur ausgebaut werden können, taucht aber offenbar erst spät wieder im Marvel-Universum auf.

Aber es tut sich auch wieder einiges in Peter Parkers Privatleben. Bei Jameson kündigt bereits die zweite Sekretärin (vielleicht auch die dritte, denn die im letzten Heft sah etwas anders aus). Peter begegnet in der Redaktion Ned Leeds. Er dachte, Leeds ist mit Betty an die Westküste gereist, aber es stellt sich heraus, daß auch Leeds nicht weiß, wo Betty steckt. Peter bleibt bei seiner Strategie, die Verbindung zu Betty durch Arschloch-Verhalten zu beenden (weil die Spinne zwischen ihnen steht). Leeds empfindet das als Herzlosigkeit. An der Uni stößt Peter auf demonstrierende Studenten. Hier sind sie noch keine Helden; Peter distanziert sich von ihnen, was ihn allerdings in den Verdacht bringt, Parteigänger von Richard Nixon zu sein (1966 war er noch nicht US-Präsident, hatte aber anscheinend schon einen schlechten Ruf). Jedenfalls: Zu diesem Zeitpunkt war die Protestkultur noch im Zwielicht.

Nachdem Joe seinen Frust los ist, geht er offenbar auf die Spinne über. Aus Wut auf Leeds versetzt sie einer auf der Straße herumstehenden Schaufensterpuppe einen Schlag. (Manche glauben, die Schaufensterpuppe sollte in Wirklichkeit Stan Lee darstellen.) Dann taucht noch Mary Jane Watson bei Tante May auf. Wir sehen von ihr praktisch nur ihren voluminösen Busen und ihre Wespentaille. Als Peter nach Hause kommt, braust sie gerade in einem Sportwagen davon. Er ist enttäuscht, aber nur deshalb, weil er gehofft hatte, es sei Betty. Im Fernsehen wird gemeldet, daß Joe Smith von Hollywood einen hochdotierten Vertrag bekommen hat. Dazu wird verbreitet, daß er die Spinne im Kampf besiegt habe. Peter ist endgültig bedient. Nächste Ausgabe: „Die größte Überraschung der Saison“ – ich glaube, damit ist nicht der neue Zeichner John Romita gemeint.

Im redaktionellen Teil lernen wir den dritten „Leser des Monats“ kennen. Werner ist wiederum ein älterer Marvel-Leser und vertritt die willkommene These, daß Comics nicht Schund, sondern gute Unterhaltung sind. Recht hat er immerhin mit der Behauptung, die Jugendlichen seiner Generation würden als Eltern einmal aufgeschlossener sein. Interessanter ist die Leserbriefseite, aber vor allem die Antworten der Redaktion. Zum einen geht es um die ausgelassene Ausgabe mit dem Skorpion; da wird wahrheitswidrig behauptet, bei dem ausgefallenen Abenteuer hätten die Amerikaner einen Fehler gemacht. Außerdem teilt die Redaktion mit, man wolle in jeder Produktion die Leserbriefe nur einmal pro Serie abdrucken. Deshalb gebe es in „Spinne“ und „FV“ nur alle zwei Ausgaben eine Leserbriefseite. Es gibt immer noch Leser, die nicht verstehen, daß Williams ältere Marvels bringt als zuvor der bsv. Hier heißt es nun seitens der Redaktion lapidar, die Zeichner wechselten in USA öfters, und Williams habe darauf keinen Einfluß.

Letzte Bemerkung: Wieder mal wird eine Episode des „Submariner“ ausgelassen, ausgerechnet „Tales to Astonish“ # 100 mit einem 20 Seiten langen Duell von Aquarius und Hulk. Dafür gibt es nun einen neuen Zeichner, der mir immer gut gefallen hat: Gene Colan.

Geändert von Peter L. Opmann (14.07.2018 um 18:17 Uhr)
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Alt 14.07.2018, 19:34   #232  
Peter L. Opmann
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Was mir noch in den Sinn kam: Vielleicht hat Williams "Tales to Astonish" # 100 bewußt ausgelassen und für die "Hulk"-Serie aufsparen wollen. Die letzte Ausgabe des "Hulk" brachte die Episode aus "TtA" # 95; in "Hulk" # 38 hätte also diese Story gebracht werden können, die ja nicht nur in der Continuity des "Submariner" lag, sondern auch in der von "Hulk". Bekanntlich endete Williams-"Hulk" bereits mit # 33.
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Alt 15.07.2018, 12:43   #233  
thetifcat
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Nun ist die Steve Ditko Zeit zu Ende und die Zeit von John Romita beginnt. Für mich ist John Romita der Mann der auf den Grund soliderem Fundament von Steve Ditko den Spider Man kreiert hat, den ich bis heute liebe. Auch was die Spannung und Entwicklung der Figuren angeht, so im Besonderen des Grünen Kobolds und SM/Peter selbst und seine Freunde, machten fasst alle einen großen Sprung bei Romita. Auch nach erneuten Lesen hat mich keiner der Grünen Kobold-Hefte überzeugt. Im Gegenteil ich fand diese durchweg langweilige. Peters Hauptgegner war bei Steve ganz klar Doc Octopus. Das sollte sich unter Romita ganz schnell ändern.
Ich habe ja Peters Reise durch Die Spinne Hefte der Williams zum Anlass genommen mitzulesen. Wie schon einmal gezeigt, nutze ich dies auch um meine persönliche Best of Liste zu erstellen. Vor dem Lesen hätte ich die ersten 10 Nummern wohl höher gewertet.
Hier meine 10 best of und das Ende der Liste
1) 33 W34 Doktor Octopus
2) 32 W33 Doktor Octopus
3) 31 W32 Doktor Octopus/Patch
4) 18 W20 Sandman
5) 12 W14 Doktor Octopus
6) 9 W11 Elektro
7) 6 W 9 Echse
8) 29 HIT 1 Skorpion (nicht bei Williams ers.)
9) 25 W27 Spencer Smythe / JJJ
10) 24 W26 Mysterio

34) 38 W39 Joe
35) 36 W37 Looter
36) 30 W31 Cat Burglar
37) 10 W12 Die Vollstrecker / Big Boss
38) 5 W 7 Doktor Doom
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Alt 15.07.2018, 14:12   #234  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Die Geheimnisse der Spinne habe ich im Spinne-Schuber in ASM # 1 und 2 entdeckt. Die Startseite, die auch ein Miniposter sein könnte, habe ich nicht gefunden. Im Annual # 1 gibt's nochmal eine ähnliche Erklärseite.
Sind die Panini-Ausgaben denn wirklich originalgetreu? Alle Comic-Datenbanken im Netz, auch die von Maxi, sagen, dass es in ASM #1 und #2 keine zusätzlichen Seiten (wie "Geheimnisse des Spinnennetzes") gab und alles aus dem Annual #1 stammt. Aber ist natürlich auch nicht so wichtig.
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Alt 15.07.2018, 14:40   #235  
Peter L. Opmann
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Man könnte es wohl nur mit den Originalen wirklich feststellen.

Die Panini-Ausgaben bringen auf jeden Fall Anzeigen- und Leserbriefseiten, die nicht in die jeweiligen ausgaben gehören, aber die Comics werden sonst eigentlich schon vollständig und richtig abgedruckt.

Ein Fazit des Ditko-Runs will ich auch noch ziehen. Das dauert aber mindestens bis heute abend.
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Alt 15.07.2018, 14:43   #236  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 39
Das ist wieder eine Ausgabe, die ich nie auf Deutsch gelesen habe, daher kann ich zur Williams-Ausgabe nichts sagen. Bei manchen Gesichtern hat sich Ditko offenbar keine große Mühe gegeben, insgesamt ist das zeichnerisch kein Höhepunkt. Was mich hier wieder wahnsinnig langweilt, sind die Szenen, in denen die Gangster einer nach dem anderen ohne jegliche Waffen in Faustkämpfe mit der Spinne marschieren (und natürlich verlieren). Diese Szenen muss man wohl als Kind gelesen haben, um sie interessant zu finden.

Zitat:
Peter distanziert sich von ihnen, was ihn allerdings in den Verdacht bringt, Parteigänger von Richard Nixon zu sein (1966 war er noch nicht US-Präsident, hatte aber anscheinend schon einen schlechten Ruf)
Hier wird Ditko ja nachgesagt, sein konservatives Weltbild in die Spinne-Story eingebracht zu haben, denn die Szene ist für die weitere Handlung völlig überflüssig. Die Studenten werden als Protestierer um des Protests willen gezeigt (und um eine Ausrede zu haben, nicht in die Vorlesungen zu gehen). Ich oute mich und gestehe, dass ich hier auf Peters (und Ditkos) Seite bin. Als ich damals an die Uni kam, war ich wahnsinnig dankbar, dass mir der Staat eine kostenlose akademische Ausbildung ermöglichte. Zu meiner Zeit gab es noch die Marxistisch-leninistische Hochschulgruppe, die alle Institute mit Flugblättern überschwemmte und zum Kampf gegen das System aufruf, gegen das Prüfungswesen, für Gleichheit zwischen Studierenden und Professoren usw. Ich habe damals nicht kapiert, wo denn das Problem lag; ich wollte nie gegen das System protestieren, ich fand das System gut, ich wollte einfach nur viel von meinen Professoren lernen. Wäre ich wie Peter Parker in eine Protestgruppe geraten, hätte ich wohl ähnlich reagiert wie er.

Aber die Sache mit Richard Nixon muss Hartmut Huff erdacht haben. Im Original ist von Nixon keine Rede, da wird nur Lawrence Welk erwähnt, der damals eine Fernsehshow hatte, die offenbar für junge Leute als verstaubt galt.

Sowohl der Grüne Kobold als auch Mary Jane wurden ja mehrmals von Ditko so gezeichnet, dass ihre Köpfe verdeckt waren. Vom Kobold behauptet Ditko, er hätte ihn von Anfang an als Norman Osborn geplant; dann ist klar, dass es die Spannung erhöht, sein Gesicht zunächst nicht zu zeigen. Aber was hatte Ditko mit Mary Jane vor? Sollten wir nur neugierig darauf sein, wie sie denn aussieht? Oder sollte es auch eine Überraschung sein, d.h. sollte es eine Frauenfigur sein, die schon mal unter anderem Namen vorkam (oder noch hätte vorkommen sollen)? Ich behaupte mal, hübsche Frauen zu zeichnen, war nicht die größte Stärke Ditkos; also wie hätte MJ aus seiner Feder denn ausgesehen?
Phantom ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.07.2018, 15:32   #237  
Phantom
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Zitat von thetifcat Beitrag anzeigen
Nun ist die Steve Ditko Zeit zu Ende (...)
Ja, sogar in zweifachem Sinne. Ich will da auch nochmal kurz innehalten. Es geht ja bei diesem Thread auch darum, das eigene Erleben der Williams-Hefte mit dem heutigen Leseerlebnis zu konstrastieren. Ich habe einige Ditko-Stories vor etwa 40 Jahren bei Williams gelesen, die restlichen dann vor etwa 20 Jahren (zum Teil oberflächlich) in den Essentials. Jetzt habe ich zum ersten Mal alle Geschichten chronologisch und tatsächlich gründlich gelesen. Können wir uns schon mal verabreden, in 20 Jahren alles noch einmal von vorne durchzugehen? Vielleicht haben wir bis dann ja schon alles vergessen und können "neue" Ditko-Geschichten genießen.

Weil ich erst mit Band 12 in die Sammelbände eingestiegen war, hatte ich als Kind sehr wenige Ditko-Hefte gesehen, bis es mit Romita losging. Romita hatte ich dann parallel in den Sammelbänden und den "aktuellen" Einzelheften am Kiosk verfolgt. Ganz selten bekam ich noch alte Ditko-Hefte in die Sammlung. Ich glaube, ich fand als Kind die Zeichnungen von Romita schon schöner, aber die Ditko-Ausgaben waren geheimnisvoller und (wegen der Seltenheit) für mich wertvoller. Dass ich ausgerechnet mit Spinne 34 als zweitem Heft, also (für mich und viele andere) dem Höhepunkt der Ditko-Ära einstieg, kam noch dazu. Ich hatte gedacht, dass die mir noch fehlenden Hefte genauso toll sind (was sich später als falsch herausstellte).

Eine nüchterne Einordnung des Ditko-Runs fällt mir nicht ganz leicht. Ditko ist bei mir einfach mit Williams verbunden, mit dem Geruch und dem Gefühl des rauen Papiers, mit der einzigartigen persönlichen Ansprache durch die Redaktion, mit dem Hochgefühl, an irgendeinem Kiosk in der Provinz einen alten Marvel Superband mit neuen alten Heften entdeckt zu haben.

Aus "erwachsener" Sicht ist da zum einen die große Leistung, zusammen mit Lee einen Superhelden mit ungewöhnlichen Charakteristika geschaffen zu haben, der die Jahrzehnte überdauert hat. Zum anderen sind manche Geschichten aus heutiger Sicht doch recht hausbacken mit immer gleicher Storyline (irgendjemand bekommt durch Zufälle Superkräfte, beschließt sofort, die Welt erobern zu wollen, trifft auf Spider-Man und wird besiegt). Ich bin froh, mich durch diesen Thread aufgerafft zu haben, den kompletten Ditko-Spider-Man am Stück zu lesen, aber bis auf einzelne Geschichten (wie Williams 34) könnte ich einem absolutem Comic-Neuling das Lesen nicht unbedingt empfehlen. Das ist einfach wie mit vielen Schwarz-Weiß-Gangsterfilmen, die den heutigen Sehgewohnheiten auch nicht mehr standhalten können, aber von den Leuten, die sie damals als Kind oder Jugendlicher gesehen haben, für immer wertgeschätzt werden (Dritter Mann, irgendwer?).
Phantom ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.07.2018, 18:13   #238  
Peter L. Opmann
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So, hier mein Fazit des Stan Lee/Steve Ditko-Runs:

Als Kind habe ich keine Zeichenstile verglichen. Mir wäre nie in den Sinn gekommen zu fragen, ob Steve Ditko besser war oder die Zeichner, die nach ihm kamen. Aber die Williams-Marvels waren vor 1980 die einzigen Comics, in denen Autoren und Zeichner so augenfällig angegeben waren. Es wurde ja ein Kult daraus gemacht. Und mir fiel irgendwann, schon als Jugendlichem, auf, daß die verschiedenen Marvel-Zeichner jeweils ihre eigenen Kennzeichen hatten, etwa Hand-Haltungen, Posen, Faltenwürfe, Arten von Gesichtern. Das half mir, selbst Zeichner zu werden; ich lernte, wie man solche Dinge im Comicstil zeichnet. Der eigenwilligste Stil war der von Jack Kirby, aber ähnlich fiel mir auch Ditko auf.

Wie schon erwähnt, ist Ditkos großes Verdienst, daß er die Spinne mit ihrem drahtigen Körper, ihrer Akrobatik und dem aus dem Rahmen fallenden Kostüm (der Maske mit den leeren Riesenaugen) entwarf. Er hat nach dem Debüt in „Amazing Fantasy“ noch Details hinzugefügt, aber er mußte das endgültige Erscheinungsbild der Figur nicht erst über mehrere Ausgaben hinweg finden. Bei Jack Kirby dagegen haben sich Figuren im Lauf der Zeit manchmal sehr verändert (etwa Ding von den FV).

Ditko war aber ein Zeichner aus den 1950er Jahren. Er hatte bei „Amazing Spider-Man“ wohl das Pech, daß sich die Mode Mitte der 1960er Jahre ziemlich wandelte, er aber nur mühsam und schleppend darauf einging. Peter Parker war zu Beginn ein überzeugender Teenager, schon um Ausgabe # 25 aber nicht mehr. Erst zum Ende hin hat Ditko ihn etwas lässiger gemacht. Mit Jugendkultur hatte er sicher nicht viel Berührung. Es wäre aber wirklich visionär gewesen, wenn Ditko ihm schon 1965/66 lange Haare und Schlabberlook verpaßt hätte. Sehr gut gefallen mir Ditkos Splash-Pages. Die sind ein Markenzeichen von ihm und sind immer sowohl grafisch ansprechend als auch dekorativ. Seine Cover sind dagegen mal gut, mal weniger.

Ditkos Storytelling finde auch ich nicht so gut. Ich möchte behaupten, Stan Lee hätte das besser hingekriegt, wenn er Zeit gehabt hätte, die Episoden richtig zu schreiben und nicht nur zu texten. Anfangs richtet sich die Serie noch an jüngere Leser, ich würde sagen: Zwölfjährige. Auf sie sind die Storys zugeschnitten. Sie sind nicht sehr intelligent gemacht, aber das war wohl Absicht. Man muß „Spider-Man“ zugute halten, daß das Privatleben des Helden eine so große Rolle spielt wie in keiner anderen Marvelserie damals. Aber ich vermute, das war Stan Lees Idee. Ditko kann wohl damit nicht allzu viel anfangen, denn er läßt Peters Beziehungen – zu Betty, zu Liz, zu seiner Tante, zu Flash, zu Jameson – mal in die eine Richtung, mal in eine andere gehen. Manchmal haben diese Figuren eindrucksvolle Auftritte, aber Ditko verfolgt das meistens nicht weiter. Er hatte wohl die Vorgabe, daß sie alle möglichst immer wieder vorkommen mußten, und er ließ sie irgendwie vorkommen, ohne sich gründliche Gedanken darüber zu machen. Meistens waren ja auch die Hefte in sich abgeschlossen; das behinderte die planvolle Entwicklung der Handlung.

Die Gegenspieler: ich stimme zu, daß Doc Ock der eindrucksvollste unter ihnen ist, aber er ist in meinen Augen auch später noch ein Schurke der Spitzenklasse. Ock zog bei Tante May ein, und er verschuldete den Tod von Captain Stacy. Häufig waren die Superschurken in „Spider-Man“ zu Ditkos Zeiten aber tatsächlich nicht so aufsehenerregend. Er hatte eher einen Hang zu verrückten – oder verantwortungslosen – Wissenschaftlern und zu Verbrecherkönigen. Aber ihm ist weder eine Figur wie der verrückte Denker noch jemand wie Kingpin eingefallen. Ich glaube, er dachte wohl, Spider-Man ist ein so ungewöhnlicher Superheld, daß er keine Superschurken braucht. Aber auch hier gilt: Der Held gewinnt Kontur durch die Qualität seiner Gegenspieler.

Seltsam irgendwie: Ich hatte jetzt beim chronologischen Lesen den Eindruck, daß die Qualität der Ditko-Ausgaben sehr schwankt. Ich möchte jetzt zwar keine Favoritenliste aufstellen, aber ich sehe Williams-„Spinne“ # 33 und 34, 25, 13 und 14, 17, 20, 26 und von den frühen Ausgaben die # 8 als die wohl besten an. Dazwischen gibt es auch einige sehr schwache Episoden. Ditko gelingt es einfach nicht, der Serie richtige Kontinuität zu geben (nehmen wir mal an, daß er wirklich immer auch geplottet hat). Man ist versucht zu sagen: Er kann es doch, warum also die Durchhänger? Vielleicht hat es mit seiner Arbeitsweise zu tun – vielleicht hat er „Spider-Man“ mal mehr und mal weniger Priorität gegeben. Kirby dagegen hat sich in die Serien, die er gerade betreut hat, immer voll reingehängt. Aber vielleicht war es auch ganz anders…

Mir fällt gerade noch ein, daß Reinhold Reitberger Ditko zusammen mit Stan Lee im Comics-Handbuch auf Platz 50 der besten Comickünstler (aller Zeiten) sah; Wolfgang J. Fuchs setzte ihn sogar auf Platz 41, aber nur für seine Arbeit an „Doctor Strange“.

Geändert von Peter L. Opmann (15.07.2018 um 19:33 Uhr)
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.07.2018, 20:08   #239  
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Peter Parker war zu Beginn ein überzeugender Teenager, schon um Ausgabe # 25 aber nicht mehr. Erst zum Ende hin hat Ditko ihn etwas lässiger gemacht. Mit Jugendkultur hatte er sicher nicht viel Berührung. Es wäre aber wirklich visionär gewesen, wenn Ditko ihm schon 1965/66 lange Haare und Schlabberlook verpaßt hätte.
Warum war Peter Parker kein überzeugender Teenager? Er war eben ein guter, interessierter Schüler und später ein guter, interessierter Student. So etwas soll vorkommen. Ich war (20 Jahre später als Peter Parker) als Schüler und Student auch so, ich hatte auch nie lange Haare und hatte mit Jugendkultur, was das auch immer ist, ebenfalls keine Berührung. Für mich war und ist dieser Peter Parker der Ditko-Ära völlig überzeugend.
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Alt 15.07.2018, 20:24   #240  
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Warum war Peter Parker kein überzeugender Teenager? Er war eben ein guter, interessierter Schüler und später ein guter, interessierter Student. So etwas soll vorkommen. Ich war (20 Jahre später als Peter Parker) als Schüler und Student auch so, ich hatte auch nie lange Haare und hatte mit Jugendkultur, was das auch immer ist, ebenfalls keine Berührung. Für mich war und ist dieser Peter Parker der Ditko-Ära völlig überzeugend.
Also für mich wirkte er zu alt, vor allem als High-School-Schüler. Klar, soviel ich weiß, liefen 17- oder 18-Jährige auch bei uns damals mit Anzug und Krawatte herum und die Mädels mit Kostümen oder Etuikleidern. Aber Ditko war kein so guter Zeichner, daß er hätte verhindern können, daß die Schüler wie mindestens Mitte/Ende 20 aussahen. Das besserte sich etwas mit der gelben Weste, die Peter verpaßt bekam. Aber bei John Romita sah er dann eindeutig jünger aus, obwohl er immer noch ziemlich adrett gekleidet war.

Allgemein hatte ich immer wieder den Eindruck, daß Ditko eine Welt der 50er Jahre zeichnete.
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Alt 19.07.2018, 21:37   #241  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 40

Erscheinungstermin: 8/1975

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 39
2) Tales to Astonish # 101

Story-Titel:
1) Mein Kobold war so grün!
2) ohne Titel (…und Unheil wird winken!)

Original-Storytitel:
1) How green was my Goblin!
2) …and Evil shall beckon!

Zeichnungen:
1) John Romita / Mickey Demeo (= Mike Esposito)
2) Gene Colan / Dan Adkins

Text:
1) Stan Lee
2) Archie Goodwin



Irgendwo habe ich mal gelesen, daß John Romita „Amazing Spider-Man“ anfangs wie Steve Ditko zeichnen mußte. Das ist natürlich Unsinn. Von meiner heutigen Warte aus kann ich Romitas Strich so deutlich erkennen, daß ich mich wirklich wundere, daß Jack Kirby in dieser Williams-Ausgabe als Zeichner angegeben ist. Von Kirby ist hier weit und breit nichts zu sehen. Wie kam man darauf? Wurde der Fehler vielleicht aus der US-Ausgabe übernommen?

Was ich aber beim chronologischen Lesen bemerke, ist, daß hier einige Storyelemente auftauchen, die für die Ditko-Phase typisch waren. Zum Beispiel kämpft die Spinne hier gegen eine Gangsterbande – mit dem Unterschied, daß die Gangster es diesmal schaffen, sie mit einem eigenartigen Gas halb zu betäuben. Ein wiederkehrendes Motiv ist, daß Peter Parker gedankenverloren durch die Uni läuft und von seinen Kommilitonen für arrogant gehalten wird. Neu: Auch Harry Osborn hat große Sorgen, und Peter und Harry schütten einander ihr Herz aus; dadurch erfährt auch Gwen den Grund für Peters Verhalten.

Genau wie bei Ditko ist eine Begegnung von Peter mit Jameson gestaltet. Er hat Fotos vom Kampf der Spinne gegen die Gangster – Jonah will erst später zahlen. Da droht der Fotograf, die Bilder an den Globe zu verkaufen, worauf JJJ lamentiert, er werde von allen ausgeplündert. Wieder zahlt er einen relativ geringen Preis, aber er fragt nicht groß nach, wie Peter an die Fotos gekommen ist. Neu: Peter trifft auch wieder Ned Leeds, und sie versöhnen sich. Peter wünscht ihm, daß er Betty Brant bald findet. Und schließlich wird auch das Ditko-Motiv aufgenommen, daß sich Tante May auf keinen Fall aufregen darf. Nun findet aber direkt vor ihrem Küchenfenster das tödliche Duell mit dem Grünen Kobold statt.

Diese wiederkehrenden Motive werfen für mich Fragen auf: Hat Ditko wirklich seine Storys weitgehend selbst geschrieben? Hat also Stan Lee ihn hier nachgeahmt, oder hatte er an den vorherigen Storys auch immer einen gewissen Anteil? Man kann vermuten, daß Lee die Storyelemente bewußt einsetzt, damit sich der Leser in der Serie weiter heimisch fühlt. Aber es gibt keine erkennbaren Probleme, damit den Ditko-Touch der Serie herzustellen. Mir fällt außerdem auf, daß die Dialoge jetzt umfangreicher und interessanter sind – was wieder eher dafür spricht, daß Lee jetzt mehr für die Serie tut als bisher. Romita hat sicher nur gezeichnet, was ihm Lee vorgab, und selbst das Inking einem Spezialisten überlassen. Dafür sieht sein Artwork um einiges souveräner aus als bei Ditko. Ich will damit nicht sagen, daß Ditko ein schlechterer Zeichner war, aber Romitas Zeichnungen haben Zeitungscomics-Qualität, und er steigert den Realismus der Zeichnungen ein gutes Stück. Bei Ditko war man doch in gewissem Sinn in einer Traumwelt.

Nun, worum geht’s genau in diesem Heft? Der Kobold macht sich auf, die Spinne endgültig zu besiegen. Derweil hat sie ein kleines Problem: einen Schnupfen (das bedeutet hier aber noch nicht, daß sie ihre Kräfte verliert). Beim Hausarzt erfährt Peter, daß es Tante May längst noch nicht so gut geht, wie er glaubte. Zuvor kam Peter aus einer Besenkammer, denn er ist übers Dach ins Haus gestiegen, was den Hausmeister sehr wundert. Es schließt sich die Szene an der Uni an, in der Gwen Peter plötzlich in neuem Licht sieht. Dann kommt die Spinne zu einem Banküberfall und beginnt, die Bande zu verdreschen. Dabei bekommt sie das Gas ab, das ihre Spinnensinne so sehr dämpft, daß sie nicht mehr bemerkt, daß sie vom Grünen Kobold beobachtet und verfolgt wird – auch als sie in einem abgelegenen Winkel ihr Kostüm ablegt. Den Bankraub hat der Kobold vortäuschen lassen; ihm ging es nur darum, die Spinnensinne zu betäuben. Er sieht zunächst verblüfft, daß die Spinne nur ein Halbstarker ist.

Dann folgt er Peter zum Daily Bugle, worauf er sich keinen Reim machen kann, aber er erfährt dabei mithilfe eines Abhörmikrofons seinen Namen. Vor Tante Mays Haus greift er dann Peter an, der völlig überrascht ist (er hatte vorher nur ein unbestimmtes ungutes Gefühl). Hier ist ein kleiner logischer Fehler in der Story: Der Kobold will eigentlich alles über Peter erfahren. An dem Haus überzeugt er sich aber nicht mehr davon, daß das Peters Wohnung ist. Er hätte ja auch einen Freund besuchen können. Peter hat jedenfalls keine Chance, sein Kostüm anzulegen; damit fehlen ihm im Kampf auch seine Netzdüsen. Er darf außerdem nicht richtig kämpfen, damit nicht Tante May einen Schock bekommt. Er wird betäubt, gefesselt und vom Kobold durch die Luft davongezerrt (siehe auch das eindrucksvolle Cover, wo übrigens erstmals nicht nebenbei noch für Aquarius Werbung gemacht wird). Im Schlupfwinkel des Kobolds erfährt dann auch Peter dessen geheime Identität. Es ist Norman Osborn, der Vater seines Studienkollegen Harry.

Irgendwie ist das nicht eben der Knaller, denn Norman Osborn hatte ja erst in „Spinne“ # 38 seinen ersten Auftritt und ist dem Leser noch kaum bekannt. Aber Ditko hatte ja bekanntlich vor, einen völlig Unbekannten als Kobold zu präsentieren, und im Vergleich dazu ist diese Lösung schon etwas besser. Später macht Peter bei Norman Osborn ein Praktikum und kommt mit ihm in näheren Kontakt. Es wäre sicher besser gewesen, wenn es diese Verbindung schon hier gegeben hätte, aber wer sonst hätte der Kobold sein können? Jonah? Leeds? Einer der Wissenschaftler und Roboterkonstrukteure, mit denen die Spinne schon zu tun hatte? Die hatten ja alle schon eigene Funktionen. Die Figur Norman Osborn mußte nun also nachträglich noch ein bißchen ausgebaut werden.

In diesem Heft gibt es noch ein Info-Miniposter, das das Innere von Tante Mays (und Peters) Haus zeigt. Weil es nur eine Seite ist, habe ich es oben nicht mit angegeben. Nicht zum ersten Mal sehen wir eine Werbeseite von Frobenius, auf der Herstellungsleiter Kurt Rebischke („Rebi“) aus einer „geheimen Marvelkonferenz“ kommt und verraten möchte, welche neuen Titel demnächst erscheinen werden. Die Pranke des Ding hält ihn jedoch davon ab. Im Hintergrund sehen wir Dr. Strange und den Eisernen angedeutet – keine Grüne Laterne, keine Affen.
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Alt 20.07.2018, 12:38   #242  
Rusty
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Diese wiederkehrenden Motive werfen für mich Fragen auf: Hat Ditko wirklich seine Storys weitgehend selbst geschrieben?
Ich dachte immer der Produktions-Prozess lief so ab,
daß Stan Lee den Zeichnern eine Story immer grob vorgeben hat,
also mit einer ungefähren Beschreibung was auf den Seiten stattfinden
muss damit die Story funktioniert
Dann setzen sich die Zeichner an's skizzieren der Seiten,
die Bildaufteilung blieb ihnen überlassen.
Diese skizzierten Seiten gingen wieder an Stan Lee, wurden z.T.
zeichnerisch korrigiert und dann textete Lee die Sprechblasen zu
den Bildern.

Kann mich natürlich auch irren, aber meine das mal so gelesen
zu haben. So würden sich auch die wiederkehrenden Motive
erklären, oder?
Rusty ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.07.2018, 13:23   #243  
Peter L. Opmann
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Das gilt allgemein schon. Aber bei "Spider-Man" hatte der Zeichner Steve Ditko möglicherweise einen noch größeren Anteil an der Story. Er selbst behauptete, er habe den Plot fast allein erdacht - auch weil Lee wenig Zeit hatte und ihm freie Hand ließ. Er wurde in vielen Ausgaben auch ausdrücklich als "Plotter" angegeben.

Man könnte es sich also so vorstellen, daß Lee und Ditko vielleicht kurz das Thema der Story absprachen, dann Ditko sie in den Einzelheiten allein entwickelte und zeichnete und Lee hinterher nur die Dialoge schrieb. Später kam es dann offenbar zum Streit zwischen Lee und Ditko, weil Lee mit manchem im Storyablauf nicht einverstanden war (etwa daß maskierte Bösewichter sich als bis dato völlig unbekannte Figuren herausstellten, was Ditko für "realistisch" hielt). Aber wie es wirklich war, weiß wohl niemand.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.07.2018, 14:26   #244  
Rusty
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Man könnte es sich also so vorstellen, daß Lee und Ditko vielleicht kurz das Thema der Story absprachen, dann Ditko sie in den Einzelheiten allein entwickelte und zeichnete und Lee hinterher nur die Dialoge schrieb.
Klingt plausibel und so wird es vermutlich auch gewesen sein.
Ich bin bzgl. Marvel ja aus der HIT-Comics-Generation.
Da ist bei mir heute noch einiges durcheinander.
Rusty ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.07.2018, 15:01   #245  
Peter L. Opmann
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Tja, ich war etwas zu jung für Williams. Ich habe diese Ausgaben zwar so ziemlich von Anfang an mitbekommen, hatte aber zu wenig Taschengeld, um sie mir zu kaufen. Das kam erst so etwa 1977.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.07.2018, 11:19   #246  
jakubkurtzberg
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Manchmal sagte Stan wohl auch nur, welcher Schurke in der nächsten Ausgabe auftauchen sollte und ließ die Künstler wie Jack Kirby uns Steve Ditko einfach machen. Die "Marvel-Methode" eben.
jakubkurtzberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.07.2018, 21:45   #247  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 41

Erscheinungstermin: 9/1975

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 40
2) Submariner # 1

Story-Titel:
1) Spinne rettet den Tag: Das Ende des Grünen Kobolds!
2) Jahre des Ruhmes… Tag des Untergangs!

Original-Storytitel:
1) The End of the Green Goblin!
2) Years of Glory… Day of Doom!

Zeichnungen:
1) John Romita / Mickey Demeo (= Mike Esposito)
2) John Buscema / Frank Giacoia

Text:
1) Stan Lee
2) Roy Thomas



Während es in der vorherigen Ausgabe darum ging, möglichst bruchlos an die Ditko-Ära anzuschließen, wird nun im Seriengefüge gründlich aufgeräumt. Wer ist eigentlich Norman Osborn? Wie kam es zur Feindschaft mit Prof. Stromm (siehe „Spinne # 38)? Wie stabil ist die Gesundheit von Tante May? Und wo steckt eigentlich Betty Brant? Diese offenen Fragen werden nun endlich beantwortet. Daher muß Stan Lee eines der dümmsten Superheldenklischees auswalzen: Der Superschurke hält dem gefangenen Helden einen Vortrag, während der die Zeit nutzen kann, sich zu befreien und zurückzuschlagen.

Lee muß allerdings ein Problem klischeefrei lösen: Was wird aus dem Grünen Kobold? Er und die Spinne kennen nun gegenseitig ihre Geheimidentitäten. Wie läßt sich verhindern, daß sie ausgeplaudert werden? Muß der Kobold sterben und Peter Parkers Geheimnis mit ins Grab nehmen? Der Titel deutet darauf hin: „Das Ende des Grünen Kobolds“. Wobei Williams ja auf dem Cover die differenziertere Aussage wählt: „Der Grüne Kobold kommt zu Fall“. Das ist auch das, was zu sehen ist: Der Kobold liegt wie George Foreman vor Muhammad Ali auf den Brettern. Sehr ungewöhnlich, daß nicht gezeigt wird, wie der Schurke den Helden bedroht oder schon fast besiegt hat. Das ist nur möglich, weil es um das Problem geht: Der Kobold mag ausgeschaltet sein, aber wie geht es mit ihm weiter?

Zunächst wird also alles erklärt: Osborn gesteht, daß er für Harry ein schlechter Vater war. Als Kobold hat er wieder mal eine recht fragwürdige Entstehungsgeschichte (wie „Joe“ zuvor). Hier stiehlt Osborn zunächst seinem Mitarbeiter Prof. Stromm eine Erfindung – eine grünliche Flüssigkeit, von der wir nicht erfahren, wozu sie eigentlich gut sein soll. Sie explodiert und verletzt Osborn. Er überlebt, hat bei dem Unfall allerdings wohl seinen Verstand verloren und verwandelt sich in den Grünen Kobold. Seine Stärke liegt hauptsächlich oder allein in allerlei technischen Gadgets (wie seinem Jetbesen, den Bomben, metallenen Fledermäusen und ähnlichem). Man kann sich vorstellen, daß diese Hilfsmittel dem Hirn eines Irren entsprungen sind, aber warum der Kobold böse ist, läßt sich höchstens dadurch erklären, daß seine Schuld, die Familie vernachlässigt zu haben, schwer auf ihm lastet.

Und dann sehen wir kurz Betty. Sie befindet sich im Mittleren Westen, hat aber inzwischen Heimweh nach New York, will in ihren alten Job zurück und Peter wiedersehen (an Ned Leeds, der ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, verschwendet sie merkwürdigerweise keinen Gedanken). Aber sollte Peter irgendetwas mit der Spinne zu tun haben, fügt sie in prophetischer Weise hinzu, könnte sie es niemals ertragen. Der Kobold blickt inzwischen auch noch auf seine früheren Begegnungen mit der Spinne zurück. Damit reicht die Zeit für die Spinne, ihre stahlverstärkten Fesseln zu zerreißen. Es folgt ein Kampf, der anders als bei Ditko nicht bloß eine Prügelei ist; vielmehr setzt der Kobold seine vielfältigen Waffen ein. Schließlich gelingt es der Spinne, ihn gegen eine Stromleitung und Chemikalien zu schubsen, was noch einmal eine gewaltige Explosion ergibt, die den Kobold wieder zur Vernunft bringt. An seinen Kobold-Auftritt erinnert er sich nicht mehr – das Problem, wie Peters Geheimidentität gewahrt werden kann, ist also gelöst.

Dann gibt es jedoch einen Rückschlag: Peter kommt nach Hause und trifft auf den Hausarzt. Der macht ihm heftige Vorwürfe, weil er weg war, ohne Bescheid zu sagen, wo er steckt. Das habe Tante May so aufgeregt, daß sie beinahe gestorben wäre (so klingt’s jedenfalls). Etwas von ihrer verzweifelten Suche nach ihrem Neffen haben wir am Anfang der Story schon mitbekommen. Ich finde diese Reaktion von Dr. Bromwell dennoch ziemlich seltsam. Peter erhält keine Chance, sich zu rechtfertigen. Zudem haben einen Arzt die Umstände, unter denen jemand einen Herzkasper erleidet, nicht zu kümmern. Zu allem Überfluß ist Tante May kurz darauf wieder putzmunter. Aber die nächste Gesundheitskrise kommt bestimmt…

In diesem Heft wird ein Miniposter von Prinz Namor präsentiert, gezeichnet von Jack Kirby (ungenannt). Der Aquarius zeigt einige spektakuläre Unterseefunde vor. "Submariner" wird übrigens ab sofort von John Buscema gezeichnet. Auf der Leserbriefseite finden sich wieder mal ein paar interessante Informationen. Veronika aus Bremen moniert, daß Frauen in den Superheldenserien eine zu passive Rolle haben. Das finde ich gut beobachtet. Die Redaktion weicht aus mit dem Hinweis, Liebesgeschichten (mit Frauen in klassischer Rolle) seien doch gar nicht so schlecht, und dann gebe es ja auch starke Frauen wie Wanda, die Scharlachhexe, oder Madame Medusa. Außerdem verkündet sie, „in zirka drei Monaten“ würden die neuen Serien „Eiserner“, „Doktor Strange“, „Planet der Affen“ und „Grüne Laterne“ (DC) erscheinen. Auf der Vorschauseite tauchen die aber bereits auf – „die Zwei von DC“, „Grüne Laterne“ und „Horror“ werden allerdings vorerst nicht beworben. Schon jetzt hat das Heft ein etwas größeres Format.

Geändert von Peter L. Opmann (28.07.2018 um 09:41 Uhr)
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Alt 27.07.2018, 15:52   #248  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 42

Erscheinungstermin: 9/1975

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 41
2) Submariner # 1

Story-Titel:
1) Rhino rast rum!
2) ohne Titel (Jahre des Ruhmes… Tag des Untergangs!)

Original-Storytitel:
1) The Horns of the Rhino!
2) Years of Glory… Day of Doom!

Zeichnungen:
1) John Romita / Mickey Demeo (= Mike Esposito)
2) John Buscema / Frank Giacoia

Text:
1) Stan Lee
2) Roy Thomas



Dies scheint mir noch einmal eine Ausgabe zu sein, die nahe an der Ditko-Welt angesiedelt ist. Im Kern tritt hier wieder mal ein physisch ziemlich starker Gegner der Spinne auf, nämlich Rhino, der beim Kräftemessen dann aber doch in die Knie geht. Vorbereitet wird ein Duell mit John Jameson, dem heldenhaften Sohn Jonah Jamesons, der hier plötzlich aus der Versenkung auftaucht (in „Spinne“ # 2 haben wir ihn schon einmal erlebt). Privat stellt Peter Parker fest, daß ihn Betty Brant nach längerer Abwesenheit nun überhaupt nicht mehr anmacht. Und Tante May, eben von einer tödlichen Herzkrankheit genesen, hat nichts eiligeres zu tun, als ihn endlich mit Mary Jane Watson zu verkuppeln. Aber Gwen Stacy spielt auch eine gewisse Rolle.

Was gleich an Steve Ditko erinnert, ist die Splashpage, wo Rhino im Zentrum eines riesigen Spinnennetzes steht und die Spinne von hinten auf ihn zukrabbelt. Ein reines Schmuckbild also, wie es Ditko bevorzugte. Peter kauft sich zu Beginn ein Motorrad – sicher ein Versuch, ihn weiter zu verjüngen; ein Motorrad ist zu dieser Zeit ein wichtiges Utensil eines Halbstarken. Das heißt, er kauft es nicht, sondern schließt einen Ratenvertrag ab, also braucht er einen Bürgen, und da fällt ihm Jonah ein. Dem liegt zwar nichts ferner, als für irgendwen zu bürgen, aber er denkt sich: Damit habe ich Parker in der Hand und kann ihn für mich schuften lassen – was aber dann nicht so kommt.

Jameson hat zufällig gerade seinen Sohn John zu Besuch. Über die Spinne haben sie konträre Ansichten – John erinnert daran, daß die Spinne ihn einst bei einer Erdumrundung in einer Raumkapsel rettete. Aber John hat vor allem eine Neuigkeit für seinen Vater: Bei seinem Flug wurde er mit Weltraumsporen kontaminiert; niemand weiß, was sie bewirken, aber bisher hatten sie wohl keine Wirkung auf ihn. Unvermittelt wird nun auf Rhino übergeblendet, der irgendwo in der Wüste („an der Südgrenze der USA“) Amok läuft. Er brabbelt etwas von einem „Auftrag“. Nach seiner enttäuschenden Begegnung mit Betty wird Peter auf dieses brachiale Wesen aufmerksam. Während er überlegt, wie er dort hinkommen soll, wo Rhino wütet, kommt der nach New York, und nicht nur das: Er will ausgerechnet zu Vater und Sohn Jameson und nimmt den sporenverseuchten Sohn mit.

Nun ist es Zeit für Action. Wie bei Ditko prügeln Rhino und die Spinne lediglich aufeinander ein (viel mehr kann Rhino aber auch nicht). Die Spinne weicht immer wieder blitzschnell aus. Mit einer Art Judogriff bringt sie ihren Gegner schließlich zu Fall, und er ist erledigt. Jonah erscheint und will die Spinne sofort als Betrüger verhaften lassen. John ergreift wieder Partei für sie. Peter fällt inzwischen ein, daß er vergessen hat, Fotos von Rhino zu machen (was ihm JJJ aufgetragen hatte), aber sein neues Motorrad läßt ihn das schnell vergessen. Peter knattert zur Uni, wo Gwen aber von der Maschine wenig begeistert scheint. Gegenüber Flash verteidigt sie ihn aber weiter. Und dann versucht Tante May, endlich Peters erstes Date mit Mary-Jane festzuklopfen. Laut Vorankündigung wird sie im kommenden Heft nun erstmals richtig auftreten.

Es fehlt ein Hinweis auf das Woher und Wohin und den Auftrag von Rhino. Diese Dinge bleiben aber wohl auch in der nächsten Ausgabe ziemlich im Dunkeln. Das ist der Schwachpunkt dieser Episode. Rhino ist ein ziemlich austauschbarer Superschurke ohne Profil und ohne Motivation. Wir haben die Vorbereitung der Auseinandersetzung mit John Jameson und diverse Anekdoten aus Peters Privatleben. Diese Dinge bleiben aber so bruchstückhaft, wie sie es schon zu Ditkos Zeiten oft waren. Man muß wohl zugestehen, daß Lee und Romita das Konzept der Serie nicht innerhalb von drei Ausgaben völlig umkrempeln konnten. Später werden solche Leerstellen in der Story durchaus vermieden (wenn ich mich recht erinnere).

Redaktionelles fehlt hier. Da sich „Submariner“ in USA nun auf 20 Seiten ausbreitete, wurden hier acht Seiten plus collagiertes Titelbild für den „Helden von Atlantis“ verbraten. Da blieb gerade noch Platz für die Checkliste und die Monatsvorschau.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2018, 16:43   #249  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 43

Erscheinungstermin: 10/1975

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 42
2) Submariner # 1

Story-Titel:
1) Geburt eines Superhelden!
2) ohne Titel (Jahre des Ruhmes… Tag des Untergangs!)

Original-Storytitel:
1) The Birth of a Super-Hero!
2) Years of Glory… Day of Doom!

Zeichnungen:
1) John Romita
2) John Buscema / Frank Giacoia

Text:
1) Stan Lee
2) Roy Thomas



In dieser Ausgabe spielt eine Überlegung eine Rolle, die zum Marvel-Konzept der Superhelden eigentlich sehr gut paßt – leider aber nur am Rande. Marvel-Superhelden erhalten ihre besonderen Kräfte oft wider Willen und leiden darunter, anders als die anderen zu sein. So ist das auch bei John Jameson, der in der vorigen Ausgabe bereits auftauchte. Die Art, wie er zum (allerdings namenlosen) Supermenschen wurde, erinnert an die Infektion mit einer bösartigen Krankheit: Im All kam er mit Weltraumsporen in Kontakt, die ihn zu einem superstarken Hünen gemacht haben. Er will aber lieber ganz normal Soldat und Raumfahrer bleiben. Und vor allem für seinen Vater, J. Jonah Jameson, ist es ein schwerer Schlag, daß sein Sohn zum Supertypen wurde, eine der Gestalten, gegen die er täglich in seiner Zeitung zu Felde zieht. Also bekommt John Jameson einen Spezialanzug verpaßt, der ihm Bewegungen erschwert und ihn fest auf dem Boden hält. Seine Kräfte werden neutralisiert.

Diese Idee verfolgen Lee und Romita aber nur ein paar Seiten lang. Dummerweise wurde auch Johns Gehirn angegriffen (er ähnelt darin dem Supertypen Joe aus „Spinne“ # 39, der letzten Ditko-Ausgabe). Also ist er nicht zu halten und will – quasi aufgehetzt von seinem Vater – die Scheiße aus der Spinne herausprügeln. Damit kehrt die Story schnell in die altvertrauten Bahnen zurück. Genau wie bei Joe und ähnlich auch beim Grünen Kobold schafft es die Spinne, John einen schweren elektrischen Schlag zu verpassen. Danach ist er wieder normal, und seine Superkräfte sind verschwunden. Happy End. Die Spinne-Geschichten um # 40 sind sich in Bezug auf die Super-Duelle ziemlich ähnlich; das sehe ich erst jetzt.

Immerhin beginnt die Story etwas ungewöhnlich: Die Spinne klaut (anscheinend) eine Geldtasche aus einer Bank. Sofort heißt es: Wir haben es doch immer gewußt, daß sie böse ist. Von der Queensboro Bridge wirft sie die Tasche ins Wasser und entschärft damit eine Bombe. Aber auch John Jameson glaubt mit seinem benebelten Hirn nun plötzlich, daß er die Spinne bekämpfen muß. Außerdem schauen wir noch einmal kurz bei Rhino vorbei, der im Gefängnis kaum zu halten ist. Will er ausbrechen, so kann er mit einem Betäubungsgas gestoppt werden – aber wie lange noch? Auf dieses Thema wird das folgende Heft zurückkommen.

Im Privatleben von Peter Parker geht auch nicht so recht etwas voran. Betty Brant kehrt nun nach New York zurück, im Schlepptau ihren Beinahe-Bräutigam Ned Leeds, der in der letzten Ausgabe bereits vergessen schien. Der Spinne gegenüber ist Betty diesmal wieder positiv eingestellt und ist eine der wenigen, die an den Verdacht des Bankraubs nicht glauben. Man hat fast den Eindruck, daß Lee und Romita zu dieser Zeit noch nicht nachgesehen haben, wie sie ihre Figuren zuvor angelegt hatten. Peter, der Betty diesmal nicht begegnet, wird von Gwen zu einer Party eingeladen, muß aber absagen, weil er sich zur selben Zeit – seiner Tante zuliebe – mit Mary-Jane treffen soll. Gwen ist zwar sauer, läßt aber nicht zu, daß Peter von Flash heruntergemacht wird. Am Ende taucht dann Mary-Jane auf, und wir sehen erstmals, daß sie ausnehmend hübsch ist – was auch Peter niemals erwartet hätte.

Die Prinz-Namor-Episode ist diesmal mit dem Originalcover von „Submariner“ # 1 ausgestattet. Auf Redaktionelles wie eine Leserbriefseite müssen wir wieder verzichten, weil aus gegebenem Anlaß zwei Eigenanzeigen eingeklinkt werden: eine bewirbt „Doktor Strange der Magier“, die andere „Planet der Affen“ („Millionen haben die Filme gesehen, Millionen die Romane gelesen. Höhepunkt ist aber das Marvel Comic“.) Die Redaktion war, wie wir gesehen haben, über die neuen Titel nicht gut informiert, und die Werbung kommt nun eigenartigerweise auch in letzter Minute.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.07.2018, 17:08   #250  
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Spinne (Williams) 43

Erscheinungstermin: 10/1975

Auf Redaktionelles wie eine Leserbriefseite müssen wir wieder verzichten, weil aus gegebenem Anlaß zwei Eigenanzeigen eingeklinkt werden: eine bewirbt „Doktor Strange der Magier“, die andere „Planet der Affen“ („Millionen haben die Filme gesehen, Millionen die Romane gelesen. Höhepunkt ist aber das Marvel Comic“.) Die Redaktion war, wie wir gesehen haben, über die neuen Titel nicht gut informiert, und die Werbung kommt nun eigenartigerweise auch in letzter Minute.
Das sehe ich etwas anders, Produktionsvorlauf war immer 6-8 Wochen, in der 20. Produktion vom August 1975 wurde indirekt bei der Werbung : HIER SPRICHT DAS MMT auf den Eisernen und Dr. Strange hingewiesen, diese Anzeige wurde ca. während der 18. Produktion also im Juni 1975 erstellt.
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