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Alt 30.05.2021, 21:18   #1  
Kain
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gold01 Die große Jim-Starlin-Thanos-Retrospektive

Eigentlich habe ich dafür keine Zeit und wird wohl Jahre dauern, bis ich das abschließen kann. Aber warum nicht.

Wie vermutlich ziemlich viele junge Leser, habe ich als Kind nie wirklich darauf geachtet, wie die Namen der Autoren und Zeichner sind und mich mehr für die Figuren interessiert. Sei es Spider-Man (oder die Spinne, damals), Superman oder Batman (die drei mit denen ich angefangen habe). Geändert hat sich das mit Warlocks "kosmischem Suizid" im Finale der Geschichte, die heute von manchen als "Thanos War 2" bezeichnet wird. Rückblickend weiß ich, dass die Szene hundsmiserabel übersetzt wurde. Das wirft die Frage auf, wie ich in diesem Alter auf eine passende Übersetzung reagiert hätte. Gleichzeitig hat mich auch die Figur des Adam Warlock nachhaltig beeindruckt. Von dem gab es damals nicht so unheimlich viel. Schon gar nicht in Deutschland während der Condor-Ära. Im Grunde waren es die beiden Hefte, die den zweiten Thanos-Krieg beendet haben. Und eine Geschichte mit Spider-Man aus "Marvel Team-Up", hier in "Die Spinne" # 18 erschienen.

Warum also keine Jim-Starlin-Warlock-Retrospektive wenn Warlock doch zumeist der Titelheld (und vor allem Der Held! war)? Weil der ältere Kain erkannt hat, dass es Starlin in der Hauptsache um den Titanen ging. Der macht unheimlich viel Entwicklung durch. Warlock bleibt dagegen nahezu konstant. Warum das so ist wird sich zeigen. Einige der Entwicklungen hängen mit den verschiedenen Phasen in Jim Starlins Leben zusammen (wird Zeit für eine Biographie).

Je nach Zählweise unterteilt sich Starlins Schaffen an Thanos in vier oder fünf Phasen. Die letzten beiden könnte man zusammenfassen, da der zeitliche Abstand vergleichsweise gering ist. Anhand dieser ist die Frage zu klären, was hierfür zu lesen ist (und in welche Reihenfolge).

Phase 1

Diese umfasst Thanos' ersten Auftritt in "Iron Man" Vol. 1 # 55, Starlins Run an "Captain Marvel" (Vol. 1 # 25 - 34) und "Marvel Feature" Vol. 1 # 12. Diese Geschichten sind allesamt in der schwarzen Sammlung von Hachette als "Leben und Tod von Captain Marvel" in zwei Bänden erschienen. Zusätzlich gibt es das von Steve Englehart verfasste Tie-in aus "Avengers" Vol. 1 # 125.

Dem folgt Starlins Strecke an Warlock ("Strange Tales" Vol. 1 # 178 - 181, "Warlock" Vol. 1 # 9 - 15, "Avengers Annual" Vol. 1 # 7 und "Marvel Two-in-One Annual" Vol. 1 # 2. Das ganze ist wiederum in zwei Bänden in der schwarzen Hachette-Sammlung enthalten. Zusätzlich gibt es das oben angesprochene Team-Up mit Spidey.

Abgeschlossen wird die erste Phase von der Graphic Novel "The Death of Captain Marvel", enthalten im zweiten Band über den Captain bei Hachette.

Phase 2

Von den 70ern geht es in die frühen 90er. Starlin kehrt zu Marvel zurück - und holt Thanos aus der Mottenkiste. Dies ist letztlich die umfangreichste Phase. Und die mit den wenigsten deutschen Publikationen.

Los geht diese Phase mit "Silver Surfer: Rebirth of Thanos". Dieser Band enthält "Silver Surfer" Vol. 3 # 34 - 38 und "Thanos Quest" Vol. 1. Außerdem eine Kurzgeschichte mit Thanos und Drax die weder von Starlin noch hierfür sonderlich wichtig ist. Auf deutsch sind nur die beiden Teile von "Thanos Quest" in der "Superschurken-Sammlung" von Hachette erschienen. Die sind allerdings erst etwas später zu lesen.

Dem folgen "Silver Surfer" Vol. 3 # 40 - 43. Hier versucht Thanos, den Surfer vorzeitig durch einen geschickten Trick aus dem Spiel zu nehmen. Starlin wird dabei von Ron Starlin jr. (Ron Marz) unterstützt.

Weiter geht es mit der schon erwähnten "Thanos Quest".

Daraufhin folgen wieder einige Hefte aus der Reihe "Silver Surfer", die Thanos bereits mit dem Handschuh zeigen (Ausgaben 44 - 48, 50, die ersten beiden davon gibt es bei Panini).

Darauf folgt "Infinity Gauntlet". Mehrfach von Panini gebracht und auch bei Hachette in der schwarzen Sammlung zu finden.

Das ganze geht dann nahtlos in "Warlock and the Infinity Watch" über. Hier wird es dann etwas unübersichtlich. Zunächst sind die ersten 6 Nummern dieser Reihe dran. Die Reihe stellt insofern ein kleines Problem dar, als dass Thanos nicht in jedem Heft auftritt bzw. manchmal im Hintergrund agiert. Der Einfachheit halber nehme ich mal alle mit auf.

Darauf folgt dann "Infinity War" zusammen mit WatIW # 7 - 10 (die Tie-ins nur bei Hachette. Außerdem Kurzgeschichten aus "Marvel Comics Presents" Vol. 1 108 - 111 (ebenfalls bei Hachette enthalten).

Daraufhin folgt die nicht auf deutsch vorliegende Kurzgeschichte aus "Marvel Holiday Special (1992)" bevor es mit WatIW # 11 - 17 weitergeht.

Nun kommt das Finale der ersten "Infinity-Trilogie". Das wäre also "Infinity Crusade" und die Tie-ins aus WatIW 18 - 22 und "Warlock Chronicles" Vol. 1 1 - 5. Davon ist nicht alles bei Hachette erschienen.

Alle nun folgenden Ausgaben sind noch nie auf deutsch erschienen. Direkt nach "Infinity War" gibt es ein Crossover mit "Thor" und "Silver Surfer". Beide Reihen wurden damals von Ron Marz verfasst. Namentlich sind das "Thor" Vol. 1 # 468 - 471, "Silver Surfer" Vol. 3 # 86 - 88, WatIW Vol. 1 # 23 - 25 und "Warlock Chronicles" Vol. 1 # 6 - 8.

Und abgeschlossen wird Phase 2 mit "Warlock and the Infinity Watch" Vol. 1 # 26 - 31. Der Rest der Serie wurde nicht mehr von Starlin geschrieben. Leider blieb seine aktuelle Handlung unvollendet bzw. Aspekte davon wurden fallengelassen und der Hauptstrang von John Arcudi beendet.

Hierfür nicht relevant ist die Mini "Silver Surfer/Warlock: Resurrection" und ihr Vorgänger "Silver Surfer: Homecoming".

Phase 3

Der große Retcon bestehend aus drei Sechsteilern. Alle drei sind in der Reihe "Marvel Exklusiv" erschienen. Es handelt sich um:

- Infinity Abyss
- Marvel Universe: The End
- Thanos Vol. 1 # 1 - 6

Phase 4/4a

Hier ist zunächst die Reihenfolge zu klären. Ich halte mich an eine Aussage, die Starlin mal auf Facebook getätigt hat und beginne mit "Thanos vs. Hulk". Erschienen ist es eigentlich später. Vom Lesefluss macht es keinen Unterschied. Alle folgenden Ausgaben sind auf deutsch in der Reihe "Marvel Exklusiv" erschienen.

- Thanos vs. Hulk
- Thanos: The Infinity Revelation
- Thanos: The Infinity Relativity
- Thanos: The Infinity Entity
- Thanos: The Infinity Finale

Phase 5/4b

Und dann die letzten drei. Alle bei Panini.

- Thanos: The Infinity Siblings
- Thanos: The Infinity Conflict
- Thanos: The Infinity Ending
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Alt 30.05.2021, 21:52   #2  
excelsior1166
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Alt 30.05.2021, 22:08   #3  
Parker's Paul
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Klasse!! Danke dafür!
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Alt 31.05.2021, 05:48   #4  
Marvel Boy
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Schönes Projekt, ich freue mich!

KEEP CALM AND DON'T SMASH!
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Alt 31.05.2021, 22:34   #5  
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Klingt gut!
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Alt 01.06.2021, 23:49   #6  
Kain
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Ich habe es tatsächlich geschafft, mit der Sache anzufangen. Meine ungelesenen Sachen werden sich zurecht beklagen … Wenn ich Aussagen von Starlin zitiere oder paraphrasiere, dann werden die sämtlich aus "Jim Starlin: A Life in World and Pictures" (2010).

Daher gleich ein paar Worte zum Hintergrund. "Iron Man" Vol. 1 # 55 war Starlins erster vollständiger Comic. Davor hat er z. B. Cover gezeichnet oder mal eine Geschichte in einem Magazin wie "Savage Tales" (vgl. die erste "Savage Sword of Conan Classic Collection"). Der reguläre Zeichner, George Tuska, ist ausgefallen und er war gerade im Büro von Marvel, als ein Ersatz gesucht wurde. Wie es der Zufall will, wohnten und der Autor der Reihe - Mike Friedrich - damals zusammen. Sie verständigten sich darauf, einen Plot zu entwickeln. Als Friedrich in der WG ankam, hatte Starlin schon drei Seiten fertiggestellt. So wurden Drax und Thanos geschaffen. Von letzterem sagt Starlin, dass er seine populärste Schöpfung ist und sich dies wohl nicht ändern werde. Er bezeichnet das so, dass er seine Karriere auf ihrem Gipfel begonnen hat und sich seitdem auf dem absteigenden Ast befindet.

Alles was mit Thanos folgt, wollte er ursprünglich in "Iron Man" bringen. Die nächste Ausgabe - zusammen mit Autor Steve Gerber - war der Versuch, etwas Lustiges zu machen. Stan Lee hat das gar nicht gefallen und die beiden wurden vom Titel gefeuert. Während Starlin eine Mappe für DC zusammenstellte, wurde ihm "Captain Marvel" angeboten. Ebenfalls mit Mike Friedrich als Autoren an der Seite. Nun war es so, dass "Captain Marvel" schlecht lief und schon einmal eingestellt wurde. Der Titel erschien zu Starlins Zeiten also nur alle zwei Monate. Friedrich betreute noch mehrere andere Serien. Er und Starlin hatten also die Vereinbarung getroffen, dass Starlin auch den Plot liefert. Friedrich (und später Steve Englehart) half ihm dann beim Feinschliff. An der Serie hatte er dann mehr oder weniger freie Hand. Kontakt mit Redakteur Roy Thomas bestand nur zwischen Tür und Angel. Was in einer vor der Einstellung stehenden Serie passiert, war diesem wohl nicht wichtig. Aber dann sind die Verkäufe nach oben gegangen. Daher wurde Starlin angeboten, "Marvel Two-in-One" zu übernehmen bzw. sogar zu starten. Auch ein dauerhafter Platz an "Master of Kung Fu" stand im Raum. Diese Reihe hat er zusammen mit Englehart aus der Taufe gehoben. Starlin wollte dem Captain aber treu bleiben.

Gestört hat ihn nur, dass er keinen festen Inker hat. Als die Verkäufe nach oben gingen, hat zunächst darum gebeten, dass sich das ändert. Klaus Janson war angedacht. Ausgabe 34 wurde dann jedoch von Jack Abel geinkt. Und Starlin wurde nichts gesagt. Er war sauer und hat Art Director John Verpoorten gesagt, dass man entweder seiner Forderung nach einem festen Inker nachkommt oder er gehen werde. Verpoorten hat ihm die Tür gezeigt und Starlin hat einige Ausgaben für Mike Friedrichs Indy-Magazin "Star*Reach" gestaltet (bzw. Geschichten darin).

Da ich nun zu Bett muss, sage ich zum Inhalt in den nächsten Tagen etwas. Mit etwas Glück morgen.
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Alt 07.06.2021, 20:02   #7  
Kain
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Dann fangen wir mal an, etwas zu den bisher gelesenen Ausgaben zu sagen:

Kleine Warnung vorab. Die Geschichten sind alt. Ich werde in keiner Weise auf Spoiler achten.

Iron Man 55

Der Einstand. Wie die folgenden Ausgaben noch mit Unterstützung von Mike Friedrich. Man merkt, dass es ein Frühwerk ist und Starlin noch nicht so recht weiß wo er hin will. Der Einfluss von Metron auf Thanos ist deutlich zu sehen. Später wird er optisch an Darkseid angepasst. Dass Freuds Theorie der psychosexuellen Entwicklung/Psychoanalyse einen Einfluss hatte, ist natürlich schon an den Namen Thanos (Thanatos - Todestrieb) und Eros (Sexual- oder Lebenstrieb) zu merken. Hier stellt sich die Frage, ob Eros ursprünglich der Gegenspieler des Titanen hätte sein sollen und Captain Marvel und Warlock dann nur Notlösungen waren. Unterm Strich wurde Starfox von seinem Schöpfer kaum je in einer wichtigen Rolle eingesetzt.

Interessant am Hachette-Band ist, dass man sich an die ursprüngliche VÖ in den Heften hält. Daher sind Eros und Mentor in der Rückschau mit lila Hautfarbe zu sehen. Für spätere Nachdrucke und Paperbacks wurden sie weiß dargestellt.

Hier geht es zunächst nur um einen Welteneroberer mit Hang zu wissenschaftlichen Kapriolen (wie der Roboter zeigt). Alles weiter kann man sich aus den Namen zusammenreimen. Die Verbindung zum Tod wurde noch nicht etabliert.

Die Blood Brothers die hier ebenfalls ihren Einstand geben, wurden von Starlin ebenfalls sehr stiefmütterlich behandelt. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sie dann nur noch in der Geschichte mit Ben Grimm aus "Marvel Feature" verwendet. Danach hat er sie erst wieder für "Thanos Annual" aus Phase 4/4 a verwendet. In Deutschland waren sie zum ersten mal in einem TB der Rächer zu sehen. Im Kampf gegen die beiden ging Herkules' Röckchen kaputt. Daraufhin erhielt er eine schicke grüne Badehose und einen Brustharnisch, der keine Funktion hat, außer eine stilisiertes "H" zu bilden.

Auch Drax der Zerstörer gibt seinen Einstand. Ich kann mich ad hoc nicht daran erinnern, wer seinen Hintergrund weiter ausgeführt hat. Mag sein, dass es später in diesem Run angesprochen wird. Hier wird man leicht in die Irre geführt, da Drax als ein Titan dargestellt wird. Kann natürlich sein, dass er das zu diesem Zeitpunkt wirklich dachte.

Für sich stehend wäre die Geschichte nichts besonderes.

Zwischenfrage: Ist jemand an einem flotten Exkurs in Freuds Psychoanalyse interessiert? Falls ja, kann ich das gerne einfügen.

Captain Marvel 25

Der gute Captain, relativ kurz nach den Ereignissen des Kree-Skrull-Kriegs, wird von einigen früheren Widersachern angegriffen. Einige Totgeglaubte darunter. Wie sich herausstellt, stecken zwei Skrull hinter diesen Angriffen. Der allseits beliebte Super-Skrull und der bis dahin unbekannte Skragg. Das ganze soll den guten Captain gewissermaßen brechen. Man merkt, dass Starlin irgendwas im Sinn hat. Der Drahtzieher ist dabei noch nicht zu erkennen. Eine gute Action-Ausgabe.

Captain Marvel 26

Wer sich das Titelbild genau ansieht, ist dem Drahtzieher mittlerweile auf die Schliche gekommen. Neben diesem steht eine maskierte Gestalt. Im Heft setzen die Skrulls ihr Verwirrspiel fort. Dadurch kommt es zu einer Konfrontation mit dem Ding. Ein weiterer Verbündeter hat zudem dafür gesorgt, dass der "Masterlord" Kontrolle über Rick Jones' Freundin Lou-Ann Savannah hat. Thanos offenbart sich. Die Gestalt in der Kapuze bleibt einstweilen still. Die Verbindung zum Tod wird zumindest angedeutet. Und Skragg wird zur Statue. Außerdem wissen wir nun, dass Thanos irgendwas von Mar-Vell will von dem er sich einiges verspricht.

Captain Marvel 27

Statt den Blood Brothers gehören jetzt u. a. ein Badoon, ein Sagittarian, ein Rigelianer und ein Aakon zu Thanos' Helfershelfern. Die Kapuzengestalt weicht nicht von Thanos' Seite, es gibt eine optische Anspielung auf Freud und wir erfahren, dass der Titan den Kosmischen Würfel sucht. Weiterhin gibt es Hintergründe zum Titan und Eros und Mentor erscheinen erstmals mit weißer Hautfarbe. Die Titanen beweisen ihre Macht und Super-Skrull ist anschließend für eine Weile unter den Toten. Lou-Ann involviert in der Zwischenzeit die Rächer. Es geht also in eine größere Richtung.
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Alt 08.06.2021, 00:53   #8  
Chrisionvision
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Zwischenfrage: Ist jemand an einem flotten Exkurs in Freuds Psychoanalyse interessiert? Falls ja, kann ich das gerne einfügen.
Wenn es dir Spaß macht: Gerne! Ich fände es auf jeden Fall interessant.
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Alt 08.06.2021, 21:04   #9  
Lizard_King
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Aber komme mir jetzt nicht mit ,,Ich“, ,,Es“ und ,,Über-Ich“
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Alt 16.06.2021, 19:29   #10  
Kain
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Doch, darauf läuft es letzten Endes hinaus.

Ich werde mich hier in der Hauptsache auf Fissenis "Persönlichkeitspsychologie" in der 5. Auflage beziehen (S. 31 ff.). Sollte ich noch eine andere Quelle hinzuziehen, werde ich die einzeln aufführen.

Freuds Theorien sind heute nicht unumstritten. Z. T. hat das seine Berechtigung. Aber oft wird auch übersehen, dass die Psychologie eine Wissenschaft wie jede andere ist. Man musste irgendwo mal anfangen. Dass spätere Entwicklungen Änderungen nötig machen, ist dabei eigentlich normal. Die größten Schwächen an Freuds Theorie der psychosexuellen Entwicklung: Er bedient traditionelle Geschlechterrollen. Das ist aber typisch für sein zeitliches Umfeld. Weiterhin ist seine Theorie auf ein westeuropäisches Umfeld zugeschnitten. In diesen Breitengraden kann man, mit Abstrichen, also durchaus mit der Theorie arbeiten. Je nach Ausgangslage und Ziel. Für alles andere gibt es das relativ junge Feld der kulturvergleichenden Psychologie.

Freud wird trotz aller Kritik noch heute gelehrt. Im Studium natürlich aufgrund des historischen Kontexts. Die psychosexuelle Entwicklung nach Freud gehört aber auch zur Ausbildung der Heilerziehungspflege. Hier ist sie ein Werkzeug, das dem HEP helfen soll, manche Verhaltensweisen bei seinem Klientel zu erklären. Das ist auch ein probates Mittel bei Menschen, die oft stark von ihren Trieben kontrolliert werden. Freuds Modell ist jedoch nicht das einzige Mittel, das HEP-Schülern beigebracht wird. Das führt dann zwangsläufig zur Erkenntnis, dass Freuds Theorie in den 70ern, als diese Geschichten entstanden sind, eigentlich schon veraltet war. Andere Psychoanalytiker wie Erik Erikson und Margaret Mahler haben Freuds Ansätze weiterentwickelt. Um mal nur zwei zu nennen.

Freud deckt weiterhin nur einen relativ überschaubaren Teil der menschlichen Entwicklung ab. Er verfolgt das ganze etwa bis zum 12. Lebensjahr. Erikson hingegen sieht Entwicklung als lebenslange Aufgabe und hat seine eigene Theorie entsprechend formuliert. Starlins Faszination dürfte also klar an den zugrundeliegenden Trieben und ihren Bezeichnungen liegen - Thanatos, der Todestrieb und Eros, der Lebenstrieb. Freuds Nachfolger bieten solche, für die Fiktion geeigneten, Konzepte freilich nicht.

Im Endeffekt ist Thanos also ein unzufriedener 12jähriger.

Zunächst geht Freud von drei Grundannahmen aus:

1. Triebtheorie: Es gibt den Lebens- oder Sexualtrieb (Eros) mit der Energie Libido. Dem gegenüber steht der Todes- oder Aggressionstrieb (Thanatos) mit der Energie Destrudo.

2. Psychischer Determinismus: Jedes Verhalten ist demnach seelisch bedingt.

3. Unbewusste Motivation: Die meisten seelischen Vorgänge bleiben dem Bewusstsein verborgen.

In Starlins Fall:

Der Champion des Todes tritt gegen den Champion des Lebens an. Die zweite Rolle nahm letzten Endes Adam Warlock an. Die Namen legen aber Nahe, dass diese Rolle wohl eigentlich Eros/Starfox zugedacht war. Starlin verwendet hier also zunächst die Gegenüberstellung der beiden fundamentalen Triebe.

Die Punkte 2 und 3 gehen ineinander über. Thanos wurde aufgrund seines Aussehens gemieden, gehänselt, vernachlässigt. Die Mutter wollte ihn, je nach Version der Entstehungsgeschichte, schon nach der Geburt töten. Das hat seelische Spuren hinterlassen, über die sich der Patient nicht zwangsläufig im Klaren ist. Die Motivation bleibt also ohne Aufarbeitung verborgen. Sie bestimmt aber Thanos' Rolle als Champion des Todes. Etwas vereinfacht ausgedrückt.

Zurück zu Sigi:

Freud geht davon aus, dass im Menschen drei psychische Instanzen existieren.

1. Es/Id: Das ES ist angeboren. Es steht für Primärprozesse und damit für das Vitale, Triebhafte. Freud beschreibt hier das Streben des ES nach sofortiger Befriedigung der elementaren Triebe und Bedürfnisse. Man spricht auch vom Lustprinzip.

Das lässt sich an Kleinkindern beobachten, die sofort anfangen zu schreien, wenn sie z. B. Hunger haben. Sie können ihr Bedürfnis nicht aufschieben. Die Logik hinter einem solchen Vorgang ist ihnen noch nicht bewusst.

2. Ich/Ego: Das ICH entwickelt sich aus dem ES und steht für Sekundärprozesse. Hier wird die Art beschrieben, wie man fühlt, denkt oder Situationen bewertet. Man spricht vom Realitätsprinzip. Dies bildet ein Paar mit dem Lustprinzip und damit der komplementäre psychische Wirkmechanismus zu diesem. Das Realitätsprinzip modifiziert das Lustprinzip. Das bedeutet, dass die Befriedigung der Bedürfnisse nach dem Lustprinzip den Erfordernissen der Umwelt (Realität) angepasst wird. Wir lernen also z. B., unseren Hunger aufzuschieben, wenn wir in einer Situation sind, in der es nicht angebracht wäre, das Pausenbrot auszupacken.

3. Über-Ich/Super-Ego: Das ÜBER-ICH steht für das Gewissen und das Ich-Ideal. Das Gewissen wird mit Schuldgefühlen assoziiert während das Ich-Ideal für Eigenliebe oder Stolz steht. Es ist damit der Antagonist der elementaren Triebe des ES und enthält die moralischen Normen und Wertvorstellungen der kulturellen Umgebung in der ein Mensch aufwächst. I. d. R. also jene der Eltern (bzw. des direkten Umfelds). Die enthaltenen Wertvorstellungen werden als die ureigenen wahrgenommen.

Diese drei Instanzen stehen in Wechselwirkung zueinander. Daher Psychodynamik. Die Psychoanalyse ist eine psychodynamische Theorie. Das heißt also, dass das ÜBER-ICH die Wünsche des ES bewertet. An das ICH geht dann die Anweisung, ob ein Bedürfnis befriedigt wird oder nicht. Das ICH überprüft die Realität (ob das Pausenbrot ausgepackt werden darf) und ist damit der Mittler zwischen ÜBER-ICH und ES. Das ES kündigt Wünsche/Bedürfnisse beim ICH an (z. B. Hunger).

Das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung ist ein starkes Ich (Ich-Stärke). Dies kann z. B. durch einen autoritativen Erziehungsstil erreicht werden. Eine zu autoritäre Erziehung führt zu einem starken ÜBER-ICH während ein Erziehungsstil nach laissez-fair zu einem zu starken ES führt. In diesen Fällen spricht man von einer Ich-Schwäche.

Diese ist gegeben, wenn die einzelnen Instanzen mit der Realität in einem Ungleichgewicht stehen. Das ES, das ÜBER-ICH oder die Realität siegen in diesem Fall über das ICH.

Ein Beispiel für ein zu starkes ÜBER-ICH sind Menschen, die Schwierigkeiten habe, Entscheidungen zu fällen. Sie denken zu sehr an mögliche Folgen. Nicht unbedingt für sich selbst sondern auch für ihr Umfeld. Sie haben quasi schon Gewissensbisse bevor überhaupt etwas passiert ist.

Menschen mit zu starkem ES sind eher rücksichtslos. Dafür könnte man solche Menschen als Beispiel heranziehen, die so ziemlich alles dafür tun, um in ihrem Beruf weiterzukommen. Die über Leichen gehen, wenn man so will. Den einen wurden zu viele Grenzen gesetzt weshalb sie sich nicht entfalten konnten, den anderen zu wenige oder sogar keine.

Freud hat die Entwicklung der drei Instanzen anhand eines Libidomodells erklärt (anale Phase usw.). Das können wir uns an dieser Stelle erstmal sparen. Sollte ein Punkt auftauchen, an dem ich darauf näher eingehen muss, reiche ich das gerne nach.


Thanos ist anhand von Freuds Theorie eine Person, bei der das ES zu stark ausgeprägt ist. Genauer lässt sich das nur schwer analysieren, da verschiedene Versionen und Überarbeitungen seiner Hintergrundgeschichte existieren. Selbst Starlin hat sich im Laufe der Jahre da ein wenig verrannt. Weiterhin ist auch fraglich, ob Thanos' Entwicklung nach "Infinity Gauntlet" - ohne jede Therapie - tatsächlich Sinn ergibt. Aber da wir uns in einem fiktiven Umfeld bewegen, ist das wohl nicht so wichtig.

Starlin geht letztlich eher einen philosophischen als einen psychologischen/psychoanalytischen Weg. Die Psychoanalyse hat ihm nur ein Konzept geliefert, auf dem er letzten Endes aufbaut. Die (mal mehr mal weniger) latente Religionskritik in seinem Werk, die ständige Auseinandersetzung mit Fragen zu Leben und Tod gehen über psychologische Vorgänge hinaus. Mal mit mehr Erfolg, mal mit weniger.
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Alt 18.06.2021, 20:34   #11  
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Da es (noch) keine Like-Funktion gibt, kommt hier eines:

Zum Thema selbst kann ich nichts beitragen, finde deine Ausführung aber sehr interessant.
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Alt 18.06.2021, 22:59   #12  
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Lernt man in der HEP-Ausbildung. Und ein bissel Psychologie studiere ich seit einer Weile auch nebenher. Habe ja noch nicht genug zu tun.
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Alt 14.07.2021, 15:33   #13  
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Captain Marvel 28

Das Heft ist in drei Kapitel aufgeteilt. Wie üblich wird Starlin von Mike Friedrich unterstützt. Allerdings zum letzten Mal. Zudem hat er das zweite Kapitel erstmals komplett ohne Hilfe geschrieben. Merkt man auch sofort, da es hier ein bisschen psychedelischer zugeht.

Der Controller wird hier als ein Helfer des Titanen präsentiert. Achtet mal auf die Ähnlichkeit ihrer Outfits. Man könnte meinen, dass die Figur für diese Rolle erfunden wurde. Allerdings ist Basil Sandhurst schon ein paar Jahre zuvor eingeführt worden und hatte seinen ersten Auftritt in "Iron Man" # 12. Zuvor war er etwas drei Jahre nicht in Erscheinung getreten (letzter Auftritt war in "Iron Man" # 28 von 1970).

Ab hier zieht die Angelegenheit dann etwas an.

Captain Marvel 29

Ab hier dann alleine am Steuer. Und es wird philosophisch angehaucht. Der gute Captain muss den Soldaten - und damit ein Sinnbild des Todes - hinter sich lassen und zum Beschützer werden. Dafür muss auch seine inneren Dämonen überwinden, die ihm quasi in Form von sich selbst begegnen. Das Motiv wird später in "Warlock" wieder aufgegriffen, als Adam dem Madness Monster gegenübertritt. Mit anderem Ende.

Ein anderes bei Starlin oft zu findendes Motiv ist die deutliche Antikriegseinstellung. Die sehen wir nicht nur in Mar-Vell personifiziert. Sie wird auch in Bildern und (Eons) Worten relativ deutlich ausgesprochen. Das ist zweifellos von Starlins Erfahrungen in Vietnam geprägt. In Kampfhandlungen war er meines Wissens nicht verstrickt, da er von der Navy als Photograph eingesetzt wurde. Aber die Gräuel des Krieges sind sicher nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Das spiegelt sich auch in seinem persönlichsten Werk - "'Breed" wider.

Nebenbei gibt es die Entstehung der Titanen. Bei Hachette in der ursprünglichen Version mit Zeus statt Zuras als Mentors Bruder. Zwischenzeitlich wurde das angepasst. Eigentlich ganz gut, da die Geschichte um Chronos wie sie hier erzählt wird, nicht so ganz zu der Gestalt aus den Sagen passt.

Kirby- und besonders Ditko-Einflüsse kommen in dieser Ausgabe besonders zur Geltung.

Captain Marvel 30

Das ist im Grunde eine Action-Ausgabe. Mar-Vell schlägt zurück und kümmert sich um den Controller. Der wähnt sich weiterhin überlegen. Eigentlich bis zum Schluss. Seine bevorstehende Niederlage erkennt er erst, als sein Herr und Meister ihn darauf hinweist. Marvs Art zu kämpfen hat sich grundlegend geändert. Andere Autoren sind darauf nie zurückgekommen. Wohl mit ein Grund, weshalb die Serie nach Starlins Abgang wieder an Erfolg eingebüßt hat.

Marvel Feature 12

Letzte Ausgabe der Serie, nebenbei. Dies und das Heft davor waren Team-Ups für Ben Grimm. Das war wohl recht erfolgreich und wurde dann in "Marvel Two-in-One" fortgesetzt. Autor ist Mike Friedrich.

Eine recht unbedeutende Ausgabe. Iron Man und das Ding prügeln sich mit den Blood Brothers die hier scheinbar sterben. Sollte auch einige Jahre dauern, bis die wieder für eine Ausgabe der Rächer ausgebuddelt wurden. Woraufhin sie gleich wieder in der Versenkung verschwanden. Die Idee, sie zu Weltraumvampiren zu machen, finde ich etwas albern. Kann mich auch nicht daran erinnern, dass man das später wieder aufgegriffen hätte. Dadurch, dass noch andere Figuren involviert werden, wirkt die gesamte Angelegenheit des "Thanos War" natürlich etwas größer. Und man geht den bekannten Marvel-Weg zu zeigen, dass sich das alles in einer Welt abspielt. Ist eine nette Ergänzung zum Band. Und wir lernen, dass Joe Sinnott kein guter Tuscher für Jim Starlins Zeichnungen ist. Warum auch immer.

Band 1 von Hachette wäre damit durch. Auf dem Rücken dieses Buches ist übrigens ein Fehler enthalten. Demnach wäre das letzte Heft aus der Serie "Captain Marvel" die 29.
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