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Alt 06.04.2019, 20:30   #601  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 131

Erscheinungstermin: 2/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 130
2) Mighty Thor # 147

Story-Titel:
1) Verrat!
2) Der Zorn des Odin!

Original-Storytitel:
1) Betrayed!
2) The Wrath of Odin!

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia / Dave Hunt
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Die Story wird nun richtig dünn. Ein Gespräch zwischen Schakal und Hammerkopf, ein Aufeinandertreffen von Hammerkopf und Spinne, und dann der Clou: Die Spinne kommt überraschend zur Hochzeitszeremonie von Tante May und Doktor Octopus in dessen Anwesen in Westchester hinzu. Platz beanspruchen daneben das Spinnen-Mobil, das jetzt fertig ist und gleich seinen ersten Einsatz erlebt, eine weitere Annäherung von Peter und Mary-Jane und eine Art Running Gag: Jonah Jameson will sich großzügig zeigen und schenkt Peter zu Weihnachten eine Zigarre.

Statt einer fortlaufenden Story gibt es eigentlich nur noch Motive, die angetippt werden. Vieles bleibt dabei im Dunkeln, wenngleich es natürlich sein kann, daß die Auflösung in späteren Ausgaben folgt. Etwa: Wer ist der Schakal? Was genau hat Hammerkopf vor (er erwähnt hier immerhin Kingpin, den er stürzen will, was ich vorher immer vermißt habe)? Was sind andererseits die Pläne von Ock? Und wie geht die Spinne dagegen vor? In diesem Heft prügelt sie sich nur mit Hilfstruppen von Hammerkopf, wobei einem Gangster, den die Spinne gefangen hat, das Hirn aus dem Schädel gebrannt wird (wohl ferngesteuert von Hammerkopf). Ein grausames Detail, das sich Stan Lee sicher gespart hätte.

Die Leserbriefe scheinen fürs erste veröffentlicht zu sein. Nur der Marvel Mini Markt taucht noch einmal auf. Anzeigen fehlen. Eine Checkliste mit Inhaltsangaben von nur drei Heften wäre wohl recht sinnlos. Die Vorschau auf den nächsten Monat (mit diesmal drei „Spinne“-Ausgaben) ist dagegen wieder dabei. Den übrigen Platz füllt die Redaktion nun mit zwei Minipostern: Ein Blick in die Redaktion des Daily Bugle (wohl von Romita) und ein Porträt des Zirkus des Grauens (von Ditko).

Geändert von Peter L. Opmann (07.04.2019 um 16:55 Uhr)
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Alt 06.04.2019, 21:35   #602  
guenkos
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Zitat:
Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
... (Und was ist eigentlich ein Erschütterungsgewehr? Bitte so erklären, dass ich Ex-Zivi das auch verstehe.)
...
Steht im Original vielleicht "shock gun"?
Dann könnte es ein Gewehr sein, das elektrische Ladungen verschießt, die den Gegner kampfunfähig machen können, ohne ihn gleich umzubringen. Würde zu dem futuristischen Aussehen der Waffe passen.

Zitat:
Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
… Nachdem die Spinne durchs Fenster in ein Büro kracht, das mit weiblichen Angestellten besetzt ist, heißt es: "irgendwie schafft unser Held es, der weiblichen Hysterie zu entkommen". So einen Satz könnte Conway heutzutage auch nicht mehr ungestraft texten.
Wieso? Wäre Spidey in ein Büro mit männlichen Angestellten geplatzt, wäre es eben männliche Hysterie gewesen.
guenkos ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.04.2019, 22:03   #603  
Peter L. Opmann
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Kommentar (zu "Spinne" # 131):

Zitat:
Den Schakal fand ich arg lahm, und er blieb ja so, bis in die 90er, wo er auch noch Gwen klonte...
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Alt 07.04.2019, 15:07   #604  
Phantom
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Zitat:
Zitat von guenkos Beitrag anzeigen
Steht im Original vielleicht "shock gun"?
Im Original heißt das "concussion rifle". Wenn man danach googelt, bekommt man viele Links zu Star-Wars-Fanseiten (da gibt es offenbar auch eine concussion rifle). Aber was das eigentlich sein soll, finde ich nicht.

Zitat:
Zitat von guenkos Beitrag anzeigen
Dann könnte es ein Gewehr sein, das elektrische Ladungen verschießt, die den Gegner kampfunfähig machen können, ohne ihn gleich umzubringen. Würde zu dem futuristischen Aussehen der Waffe passen.
Könnte sein. Andererseits: wird der Punisher nicht als jemand dargestellt, der seine Gegner erbarmunglos tötet und sie nicht erst kampfunfähig machen will? Na ja, nicht so wichtig.
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Alt 07.04.2019, 15:27   #605  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 131

Original-Storytitel:
1) Betrayal!
Kleine Korrektur: die Story heißt "Betrayed!"

Ich finde dieses Heft auch ziemlich lächerlich, vor allem natürlich das Zwischenspiel mit dem Spinnenmobil. Alles ist ziemlich unklar: was wollen Hammerheads Leute in diesem Wolkenkratzer? Nur einen Brief, wie Peter vermutet? Warum gibt sich Hammerhead eigentlich mit dem Schakal ab? Wann liest Peter eigentlich Sartre und Camus (und C.G. Jung, was im deutschen Text unterschlagen wird)? Warum übersetzt Kirsten Isele "terrific" schon seit Dutzenden von Heften beharrlich mit "grausam", auch wenn das offensichtlich überhaupt nicht in den Dialog passt? Warum siezt die Fackel die Spinne im zweiten Panel von Seite 10?

Hammerhead erinnert in manchen Bildern an eine Karikatur, die Gesichter von Tante May und auch von Peter sehen manchmal sehr seltsam aus (keine Ahnung, ob das an Andru oder Giacoia liegt).

Während der Christmas-Eve-Party sagt MJ zu Peter "ich hab hier etwas für dich" und "komm doch endlich mit"; es wird leider gar nicht klar, was das soll. Im Original will MJ Peter unter den Mistelzweig zerren und ihm dort "etwas geben", einen Kuss natürlich. (Aber dieser Brauch wäre mir als Kind völlig unbekannt gewesen.)
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Alt 07.04.2019, 15:53   #606  
jakubkurtzberg
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Zitat:
Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
Warum übersetzt Kirsten Isele "terrific" schon seit Dutzenden von Heften beharrlich mit "grausam", auch wenn das offensichtlich überhaupt nicht in den Dialog passt?
Vielleicht mit "terrifying" oder "terrible" verwechselt...
jakubkurtzberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.04.2019, 16:55   #607  
Peter L. Opmann
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Danke für die Korrektur. Flüchtigkeitsfehler...
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Alt 09.04.2019, 22:32   #608  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 132

Erscheinungstermin: 2/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 131
2) Mighty Thor # 147

Story-Titel:
1) Mein Onkel… mein Feind?
2) ohne Titel (Der Zorn des Odin!)

Original-Storytitel:
1) My Uncle… my Enemy?
2) The Wrath of Odin!

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia / Dave Hunt
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Es gibt nun doch wieder eine richtige Story, aber eine ziemlich hanebüchene. Tante May hat ein privates (!) Atomkraftwerk geerbt (von wem, bleibt offen). Sowohl Hammerkopf als auch Doc Ock wollen dort „furchtbare Waffen“ produzieren. Deshalb will Ock Tante May heiraten, und Hammerkopf möchte ihm die „Mitgift“ wieder abjagen. So wird nachträglich auch der Mord an dem kanadischen Notar Rimbaud („Spinne“ # 120) erklärt. Er hatte vor den Machenschaften der beiden Gangster warnen wollen. Das Cover ist wieder mal falsch: Nicht die Spinne unterbricht die Hochzeitsfeier, sondern Hammerkopf. Beide Bösewichte (Ock mit Tante May unterm Arm) jagen zu dem AKW auf einer kleinen kanadischen Insel – die Spinne im Schlepptau. Der Dreikampf dort endet mit der Explosion des AKW. Conways Plot wäre wohl damit zu entschuldigen, daß zu dieser Zeit noch nicht einmal der Zwischenfall in Harrisburg stattgefunden hatte.

Man muß sagen: Tante May macht in dieser Ausgabe schon einiges mit. Zum Schluß sitzt sie zusammen mit der Spinne (!) in einem Hubschrauber. Schon erstaunlich daß ihre äußerst labile Gesundheit das alles durchhält. Eine größere Rolle spielt in dieser Episode auch Mary-Jane, die sich nun ernsthaft über ihre Gefühle für Peter Parker klarwerden will. Ansonsten möchte ich anmerken, daß Andru, Giacoia und Hunt weiter einen ordentlichen grafischen Standard halten. Bei DC hätte sich Andru sicher auch nicht erlauben können, Ausgabe für Ausgabe allmählich immer schlechter zu zeichnen. Wir haben wieder ein Miniposter im Heft (die Lokalisierung wichtiger Spinne-Schauplätze in New York), den Mini Markt und die Monatsvorschau.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2019, 10:22   #609  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 132
Ich glaube, das ist die unsinnigste Story, die je in einer Williams-Spinne abgedruckt wurde. Wir sollen glauben, dass die zerbrechliche, alte Tante May, die (zur Ditko-Zeit) keinerlei Aufregung mehr erleiden durfte, weil das ihren Tod bedeutet hätte, einerseits Doc Ock heiraten will, ohne dass sie das Peter oder Mrs. Watson vorher mitgeteilt hätte, und andererseits den Hochzeitstag mit allerlei Schusswechseln, Hubschrauberattacken, Flugreisen nach Kanada etc. problemlos übersteht? Dann die Sache mit der Erbschaft einer Insel mit privatem AKW aus dem Nichts; Ock und Hammerkopf haben offenbar beide keine Ahnung, was ein AKW ist, wollen aber trotzdem unbedingt die Insel besitzen (warum?), wobei Hammerkopf ja nicht mal etwas von der Insel weiß, sondern nur einfach das haben will, hinter dem Ock her ist. Die Spinne kann (laut vorherigen Heften) keine hundert Meter weit unfallfrei mit dem Auto fahren, kann jetzt aber problemlos ein Flugzeug starten und fliegen. Das AKW fliegt in die Luft (was ist das eigentlich für ein AKW, das "bei kleinster Erschütterung" explodiert), aber das hat keine Auswirkungen auf ein Flugzeug in unmittelbarer Nähe. Come on. Klar, Superhelden-Comics sind per se unrealistisch, aber das ist jetzt doch zuviel hanebüchener Unsinn.

Zitat:
Ansonsten möchte ich anmerken, daß Andru, Giacoia und Hunt weiter einen ordentlichen grafischen Standard halten.
Das kann ich eigentlich nicht unterschreiben. Ich finde manche Zeichnungen richtig misslungen. Tante May zeigt auf Seite 6 das Bein einer 20jährigen. Doc Ock sieht in manchen Bildern aus wie eine Karikatur aus einem Mad-Heft (z.B. Seite 7, viertes Panel; die ganze Seite 19 wirkt auch sehr unfertig). Alles, was mit der Spinne, Hubschraubern oder Flugzeugen zu tun hat, ist dagegen recht gut gestaltet.

Auf dem Cover hat Williams eine Textbox unvollständig gelassen. Es heißt da "und das, Freunde, ist erst der" - und dann war es das. Da hätte wohl noch jemand in größeren Buchstaben "Anfang" ergänzen sollen, aber das wurde verschusselt. Man wundert sich, dass so etwas auf einem Titelblatt niemandem auffällt, bevor gedruckt wird. Auf dem Vorschaubild von einem Monat zuvor ist übrigens noch alles in Ordnung.

Außerdem wurde die Coverzeichnung von Williams am linken Rand um ca. 1 cm ergänzt. Deswegen ist im Hintergrund ganz links ein Kopf zu sehen, der eigentlich gar nicht wie ein Kopf aussieht. Anscheinend hat sich kaum jemand noch große Mühe gemacht, weil das Ende der Spinne wohl schon absehbar war.

Die Übersetzerin hat auch wieder in die Schublade der abgegriffensten Fehler gegriffen. Jameson erzählt auf der Party vom Mayor (Bürgermeister), im Deutschen wird daraus ein Major. Ned Leeds lästert über Jameson "I still can't believe one man can hold so much hot air" (also frei übersetzt: wie kann ein Mann nur soviel Dampf plaudern), bei Williams heißt es "bin immer noch überrascht, dass ein Mann soviel Gestank verbreiten kann"

Auf der letzten Seite sieht man das Zifferblatt einer Kirchturmuhr. Die 4 auf dem Zifferblatt wird da durch das römische IV dargestellt. Hat jetzt gar nichts mit der Story zu tun, mir ist das trotzdem aufgefallen, denn bis auf einige Ausnahmen (z.B. Big Ben in London) wird die 4 auf Zifferblättern mit römischen Ziffern fast immer durch IIII dargestellt, auch auf den New Yorker Kirchturmuhren. Aber gut, in einer Story mit einem vererbten privaten Atomkraftwerk muss man nicht darüber grübeln, ob es in Manhattan überhaupt so ein Zifferblatt gibt.
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Alt 10.04.2019, 10:58   #610  
Peter L. Opmann
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Mit meiner Bemerkung über den Zeichenstil meinte ich etwas anderes. Klar, Tante May im Hochzeitskleid sieht oft ziemlich bizarr aus. Und die Wiedererkennbarkeit mancher Figuren hält sich in Grenzen. Aber generell hat das Trio Andru, Giacoia und Hunt wohl gut zusammengearbeitet. Die Hintergründe sind immer wieder gut ausgearbeitet, die beiden Hubschrauber sehen ganz gut aus, es wird auch nicht mit großen Gesichtern in großen Panels gearbeitet, um mit einer Seite schnell fertig zu sein. Bei Romita und Gil Kane kam das durchaus vor. Romita litt vor allem unter wechselnden Inkern, man sah seinen Zeichnungen aber mitunter auch den Zeitdruck an. Kane begann mit einer toll gezeichneten Ausgabe und wurde dann selbst immer schludriger.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2019, 12:22   #611  
jakubkurtzberg
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Mir gefallen Deine Bemerkungen zu den Übersetzungsfehlern gut. Schön auch immer mit Originalzitat. Hast Du diese Sachen irgendwo notiert - und falls ja, hast Du das für die ganze Serie gemacht? Das wäre sehr reizvoll für den Nuff-Blog, finde ich.
jakubkurtzberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2019, 16:01   #612  
Hinnerk
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen


Wir haben wieder ein Miniposter im Heft (die Lokalisierung wichtiger Spinne-Schauplätze in New York), ...
Das stammt aus The Amazing Spider-Man Annual 5.
Hinnerk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2019, 18:11   #613  
Peter L. Opmann
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Romita-Zeichnungen collagiert mit einer New-York-Karte.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.04.2019, 18:21   #614  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 133

Erscheinungstermin: 3/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 132
2) Mighty Thor # 148

Story-Titel:
1) Metallos Meisterplan!
2) Das Chaos!

Original-Storytitel:
1) The Master Plan of the Molten Man!
2) Let there be… Chaos!

Zeichnungen:
1) John Romita / Paul Reinman / Tony Mortellaro
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Kurz vor Toreschluß (bei Williams) kehrt John Romita zurück, aber nur als Urlaubsvertretung. Und mit ihm taucht eine Figur aus der Ditko-Ära wieder auf: Metallo. Seit „Spinne“ # 36 war von ihm nichts mehr zu sehen. Ich finde die Story ganz ansprechend. Aus Metallos Auftritt wird ein hübsches Rätsel gemacht, und daneben haben Conway und Romita noch ein paar weitere Rätsel hineingepackt. Der glühende und geschmolzene Fußabdrücke hinterlassende Metallo erinnert mich an die biologisch veränderten Gestalten in „Iron Man 3“, also aus dem Marvel Cinematic Universe. Was mit Metallo geschehen ist, muß man allerdings abwarten. Diese Episode hat einen zweiten Teil. Vorerst stürzt Metallo auf einen Hydranten, der ihn spürbar abkühlt.

Das Duell der Supertypen ist ziemlich konventionell: Metallo bedrängt die Spinne hart, das Duell endet unentschieden, aber die Spinne ist schwer mitgenommen. Am Ende bricht Peter Parker völlig entkräftet zusammen, und es stellt sich die Frage, ob er wieder mal von einer Grippe außer Gefecht gesetzt ist. Außerdem: Liz Allen taucht wieder auf und hat offenbar große Probleme. Und Peter spürt Metallo zusammen mit seinem Redaktionskollegen Ned Leeds hinterher, wobei Leeds anscheinend ebenfalls schwer verletzt wird. Hoffen wir auf Aufklärung im zweiten Teil.

Die Grafik von Romita finde ich doch deutlich attraktiver als die von Andru. Als ich mir 1979 das Heft kaufte, hat er mir sicher auch besser gefallen, aber richtig Lust auf die Serie hätte ich wohl nur wieder bekommen, wenn sich Gil Kane wieder ans Zeichenbrett gesetzt hätte. Die Qualitäten von Romita sind mir erst viel später wirklich aufgefallen. Interessant aber: Romita hat damals sein eigenes Inkerteam mitgebracht, dabei den Veteranen Paul Reinman. Das Cover kommt mir verdruckt vor – viel zu dunkel. Der Heftaufbau bleibt gleich: Zwei Füllseiten mit einem Mad-artigen Beitrag: Wie sähe die Spinne von anderen Künstlern gezeichnet aus (unter anderem eine dicke Spinne in Superman-Pose)? Ein Marvel Mini Markt und die Monatsvorschau, die letzte vor der Einstellung des Titels.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.04.2019, 08:31   #615  
Peter L. Opmann
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Hat mich jetzt doch interessiert, wie die Story ausgeht.

Spinne (Williams) 134

Erscheinungstermin: 3/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 133
2) Mighty Thor # 148

Story-Titel:
1) Metallo bricht aus!
2) ohne Titel (Das Chaos!)

Original-Storytitel:
1) The Molten Man breaks out!
2) Let there be… Chaos!

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia / Dave Hunt
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Am Ende platzt Metallo wie eine Seifenblase. Wieder geht es hier um Radioaktivität – das scheint Anfang der 70er Jahre ein großes Thema gewesen zu sein. Die Rätsel der vorherigen Ausgabe werden einigermaßen schlüssig aufgeklärt. Metallo sammelt also Isotope ein, mit denen er hofft, den Zersetzungsprozeß, den seine goldene Haut durchmacht, stoppen zu können (fragt sich nur: Warum hat all die Zeit, in der er im Gefängnis saß, niemand versucht, ihm zu helfen?). Die Story bleibt auch durchaus spannend. Der Umgang mit der Figur Metallo gefällt mir nicht. Denn er kämpft letztlich darum, von den Veränderungen seines Körpers nicht vernichtet zu werden, wird aber wie ein 08/15-Superschurke behandelt und stirbt am Ende, ohne daß ihm irgendwer eine Träne nachweint. In meinen Augen behandelt Conway Metallo wie den Vampir Morbius; er hätte aber eine einfühlsamere Verwendung verdient gehabt. Der Wolfsmensch wurde ja auch von seinem Leiden kuriert – hinter dem verbirgt sich aber eine wichtige Nebenfigur, John Jameson.

Ross Andru ist wieder da und liefert wieder – zusammen mit seinen Inkern – solides Handwerk ab. Das Cover ist erneut von Romita, und dieser Kampf auf dem Dach der S-Bahn hat mich ein bißchen an „Spider-Man 2“, den Blockbuster von Sam Raimi, erinnert, wenngleich Spidey hier nicht die Bahn mit seinem Netz vor dem Absturz bewahren muß. Der redaktionelle Teil ist nach wie vor unverändert. Auf zwei Sonderseiten wird uns diesmal ein „Blick in Peters Bude“ gewährt, gezeichnet in einem an Romita erinnernden Stil von Larry Lieber, Stan Lees jüngerem Bruder.
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Alt 14.04.2019, 16:36   #616  
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Zitat von jakubkurtzberg Beitrag anzeigen
@Phantom:
Mir gefallen Deine Bemerkungen zu den Übersetzungsfehlern gut. Schön auch immer mit Originalzitat. Hast Du diese Sachen irgendwo notiert - und falls ja, hast Du das für die ganze Serie gemacht? Das wäre sehr reizvoll für den Nuff-Blog, finde ich.
Nein, ich habe das leider weder für die ganze Serie gemacht noch mir weitere Sachen notiert. Alles, was mir interessant schien, habe ich hier gepostet.

Vor knapp 20 Jahren, als ich die ersten Marvel Essentials bekam und die Marvels aus den 60ern zum ersten Mal im Original lesen konnte, wollte ich die Williams-Hefte mit den Original-Heften vergleichen, vor allem, was die Zeichnungen anging (gab es Retuschen, wurden Seiten weggelassen etc.). Die Texte habe ich erst im zweiten Schritt verglichen, eher stichprobenartig. Einige der gefundenen Stilblüten hatte ich mir notiert; diese Notizen habe ich vielleicht sogar noch, aber im Moment weiß ich nicht, wo ich danach suchen sollte.

Für diesen Thread habe ich - wenn Zeit war - meine (nicht kompletten) Williams-Hefte und die Originale noch einmal gelesen. Mittlerweile kann ich beim genauen Lesen der deutschen Hefte schon recht gut prognostizieren, wo da in der Übersetzung wohl etwas schief gegangen ist; wenn die Figuren im Deutschen scheinbar aneinander vorbeireden, liegt das meist an der Übersetzung.

Ich habe ja auch immer ein leicht schlechtes Gewissen bei der Auflistung. Es ist natürlich einfach, sich über Fehler anderer lustig zu machen, wenn man nicht genau weiß, wie stressig das damals zugegangen ist. Das waren ja wohl alles Leute Ende 20 damals und keine ausgebildeten Übersetzer, die haben das eben so gut gemacht, wie sie es konnten. Ich hätte mit Ende 20 jedenfalls diese ganzen Slang-Ausdrücke auch nicht alle gekannt. Was ich nur nicht verstehe: es hätte doch zumindest auffallen müssen, wenn manche Dialoge im Deutschen keinen Sinn ergeben.

Ich habe noch nie irgendetwas professionell und zu dem Zweck übersetzt, dass andere das dann lesen können; ich habe daher keine Ahnung von den Rahmenbedingungen. Weiß irgendjemand, wieviel Zeit und/oder Geld die Übersetzung einer 20seitigen Story bedeutete? Wir sprechen von den Siebzigern, da gab es keine Computer. Ich vermute, die Übersetzungen wurden erst handschriftlich gemacht, vielleicht überarbeitet (die Übersetzungen müssen ja auch in den vorhandenen Sprechblasenplatz passen) und dann mit der Schreibmaschine abgetippt, bevor sie zu den Letterern gingen. Wie lange durfte die Übersetzung (einschließlich Abtippen) einer Story dauern? Ich würde für mich wohl mit einem Arbeitstag rechnen. Ist das realistisch oder hatten die Leute damals vielleicht viel weniger Zeit?
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Alt 14.04.2019, 16:54   #617  
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 133
Ich teile alle Deine Einschätzungen. Die Story ist ganz ok, die Zeichnungen sind auch in Ordnung. Dass mit Liz Allen eine fast vergessene Figur wieder eingeführt wird, hat mir damals gut gefallen.

An Ungenauigkeiten von Williams fällt mir auf: Paul Reinman wird als "Paul Reiman" bezeichnet, in den Credits steht "P. Goldberg Tusche", aber Petra Scotese (Pseudonym Petra Goldberg) war Colorist, nicht Inker (im Original steht das auch korrekt). Ein Übersetzungsfehler für den New-York-Insider: auf Seite 6 steht bei Williams "Lower East Side nahe 9. Avenue"; die 9th Avenue liegt aber im Westen Manhattans (geht u.a. durch Hell's Kitchen), es müsste also "lower west side" heißen.
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Alt 14.04.2019, 17:27   #618  
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 134
Mit diesem Post möchte ich an Herrn Hilpert erinnern. Ihr kennt Herrn Hilpert nicht, aber wenn Ihr in den 60er oder 70er Jahren aufgewachsen seid, kanntet Ihr sicher Euren eigenen Herrn Hilpert, der nur anders hieß. Herr Hilpert ist seit mindestens 25 Jahren tot, er führte mit seiner Frau ein winziges Zeitschriften- und Schreibwarengeschäft, nur fünf Minuten von meiner Grundschule entfernt. Bei ihm kauften wir meine Schulhefte, bei ihm gab es im Sommer selbst gemachtes Eis (Vanille, Schoko und Aprikose; mehr Auswahl gab es nicht, aber die haben wir auch nicht vermisst; 30 Pfennige die Kugel, später 40, 50 und [Skandal!] sogar 60 Pfennige) und das ganze Jahr über Süßigkeiten (Lakritz, Saure Drops, Zuckererdbeeren) einzeln (5 Pfennige das Stück) im Papiertütchen. Und ich kaufte dort (oder ließ mir kaufen) einen großen Teil meiner Comics im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Der Laden war so klein, dass er gar nicht alle Comics führte, die es damals gab (die Bastei-Sammelbände gab es z.B. nur bei Condi [beim "Konsum", wie alle im Dorf sagten]). Aber ich war - trotz beschränkter Finanzmittel - einer seiner besten Comic-Kunden, und so schenkte mir Herr Hilpert ab und zu ein Comic-Heft, das er nicht mehr verkaufen oder zurückgeben konnte.

Warum schreibe ich das hier? Weil ich von ihm damals "Die Spinne 134" geschenkt bekam. Eigentlich war damals gerade eine frühere Spinne (wohl 15 oder 20 Nummern früher) in der Auslage, die ich mir auch kaufen wollte. Herr Hilpert erzählte mir, dass in der Lieferung seltsamerweise auch ein einziges Exemplar mit Nummer 134 war. Er könne sich das nicht erklären, könne dieses eine Heft aber schlecht verkaufen, und so dürfe ich das umsonst mitnehmen. (Ich erkläre mir das heute so, dass Bayern im Phasenvertrieb ganz am Ende dran war und deshalb mit den Spinne-Heften um einige Nummern hinter Hamburg hinterherhinkte, aber dieses eine "aktuelle" Heft wohl aus Versehen mit nach Bayern geschickt worden war.) Ich war natürlich überglücklich, zwei Spinne-Hefte zum Preis von einem, noch dazu offenbar ein Heft aus der Zukunft. Nicht nur deswegen werde ich immer an Herrn Hilpert denken; was wäre meine Kindheit ohne ihn und seine Comics gewesen.

Wegen dieser besonderen Erinnerung mag ich über das Heft nichts Negatives sagen. Ich finde Ross Andrus Zeichnungen hier auch gar nicht schlecht. Die Story ist zumindest durchschnittlich, wenn auch über die Auswirkungen von Radioaktivität arg naiv berichtet wird (nach einiger Zeit scheint sie wie bei einer überstandenen Grippe schon nicht mehr so schlimm zu sein).
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Alt 19.04.2019, 08:58   #619  
Peter L. Opmann
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(Williams) 135

Erscheinungstermin: 3/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 134
2) Mighty Thor # 149

Story-Titel:
1) Gefahr ist ein Mann namens… Tarantula!
2) Wenn ein Held fällt!

Original-Storytitel:
1) Danger is a Man named… Tarantula!
2) When falls a Hero!

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia / Dave Hunt
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Die Ausgaben der jüngsten Zeit erschienen in USA, als Williams in Deutschland gerade startete. Zwei bis drei Jahre später hätte man bei gleichem Veröffentlichungsrhythmus die US-Veröffentlichungen eingeholt. Stattdessen war hier wohl wirklich schon das Ende bei Williams abzusehen. Die Miniposter ersetzen den redaktionellen Teil, für den keine Notwendigkeit mehr bestand oder zumindest die Kapazitäten fehlten. Richtige Auflösungserscheinungen sind nicht zu sehen; mir blieb mit 13 Jahren verborgen, daß es nun bald aus war mit „Die Spinne“. Immerhin erschien „Horror“ noch eine ganze Weile lang weiter, von jeher aber ohne redaktionelle Bestandteile.

Ich kann mich noch erinnern, daß Tarantula in diesem Heft die Spinne mit seinen spitzen Stiefeln trifft. Auch daß der Bestrafer wieder mitmischt, war mir noch dunkel im Gedächtnis. Es handelt sich erneut um den Auftakt eines Zweiteilers – das scheint sich in dieser Zeit zum Standard entwickelt zu haben. Und wie in vielen Fällen ist er recht gut gelungen. Peter Parker macht mit Flash, Liz und Mary-Jane eine Schiffsrundfahrt auf dem Hudson River. Dabei wird das Schiff von Tarantula und seinen Komplicen Juan und Hidalgo gekidnappt. Die drei sind eindeutig südamerikanisch charakterisiert. Peter greift zwar als Spinne ein, merkt aber, daß ihm die Netzflüssigkeit ausgeht, und deshalb kehrt er kurz in sein Apartment zurück, um Nachschub zu holen, entert dann wieder das Schiff, wird aber von Tarantula zweimal gestochen, weil sich Flash ungeschickt in den Kampf einmischt. Ein Gift beginnt, ihm das Bewußtsein zu rauben; in diesem Moment taucht unversehens der Bestrafer auf und will – natürlich – die Spinne exekutieren.

Inhaltlich habe ich an der Episode nichts auszusetzen – allerdings wissen wir noch nicht, woher Tarantula kommt, wer er ist und was er mit der Schiffsentführung bezweckt – vom Punisher, der erstmal nur für den Cliffhanger gebraucht wird, ganz abgesehen. Auch das Zeichnerteam hält weiter seinen Qualitätsstandard. Diesmal drei Miniposter: Spinne und Kraven (Ditko) sowie Thor (Kirby).
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Alt 21.04.2019, 16:53   #620  
Peter L. Opmann
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Benutzerbild von Peter L. Opmann
 
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Beiträge: 2.462
(Williams) 136

Erscheinungstermin: 4/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 135
2) Mighty Thor # 149

Story-Titel:
1) Schüsse im Central Park!
2) ohne Titel (Wenn ein Held fällt!)

Original-Storytitel:
1) Shoot-out in Central Park!
2) When falls a Hero!

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Dies ist zwar erst die vorletzte Williams-„Spinne“, aber die Redaktion läßt uns schon hier in einem kurzen Editorial wissen, daß dieser Titel nun auch eingestellt wird und über neue Titel „noch nichts Konkretes“ mitgeteilt werden kann. Mich hat das damals nicht so getroffen, jedenfalls nicht so sehr wie der Tod von Gwen Stacy, weil ich mit Ross Andrus Zeichnungen, wie erwähnt, aber etwas zu Unrecht nicht zufrieden war. Kam da eigentlich nochmal was, oder blieb es bei 65 weiteren Ausgaben „Horror“ und „MAD“? Der Großteil dieser Seite wird mit Kleinanzeigen aufgefüllt, „die in den vergangenen Tagen auf unseren Tisch flatterten“. Auf dem Backcover begegnen wir den drei Hexen aus DCs „Witching Hour“, die uns um Mitternacht zum Kiosk einladen – natürlich um das neue „Horror“ zu kaufen.

Die Auflösung der Tarantula-Story reißt mich nicht vom Hocker. Der Bestrafer, der erkannt hat, daß die Spinne wohl doch nicht schuldig ist, hat die Vergangenheit des Südamerikaners recherchiert, und da versammeln sich die üblichen Südamerika-Klischees: Revolution, Militärjunta, Diktatorenpläne. Schließlich reist Tarantula illegal nach New York und will mit dem entführten Ausflugsdampfer einfach ein bißchen Lösegeld erpressen. Vereint können die Spinne und der Bestrafer ihn, Juan und Hidalgo außer Gefecht setzen. Und der Bestrafer will seine eigene Geschichte der Spinne ein andermal erzählen.

Flash schöpft derweil Verdacht, was es bedeuten könnte, daß Peter Parker genau in dem Moment vom Schiff verschwand, als die Spinne auftauchte. Peter gibt vor, er sei über Bord gegangen, was eigentlich gar nicht eine so schlechte Ausrede ist. Am Ende findet Harry Osborn in Peters Zimmer ein Spinne-Kostüm und verschwindet finsteren Blickes in dem Lagerhaus, das seinem Vater als Hauptquartier diente, wenn er der Grüne Kobold war. Außerdem in diesem Heft: Eine Doppelseite, die darüber spekuliert, was Peter mit seinen Spinnenkräften tun könnte, wenn er Baseball- oder Footballspieler oder Weitwerfer wäre. Ich vergaß übrigens zu erwähnen, daß die Spinnen-Storys seit einiger Zeit nur noch 18 Seiten lang sind.
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Alt 22.04.2019, 14:33   #621  
Phantom
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
(Williams) 135
Noch ein paar Bemerkungen von mir. Das Cover ist wieder eine kleine Lüge. Man sieht zwei Polizisten auf dem entführten Schiff; allerdings sind (in der Story im Heftinneren) ja überhaupt keine Polizisten an Bord.

Auf Seite 4 sieht man im zweiten Panel im Hintergrund ein halb verdecktes Schild "BACKG.. HU.." Dave Hunt tritt also in die Fußstapfen von Tony Mortellaro. Das Schiff, das dann entführt wird, trägt laut Seite 4 unten den Namen "Benjamin", das ist der Name von Dave Hunts Sohn.

Die vielen Mini-Poster in Williams' Endzeit sind mir damals negativ aufgefallen; die Redaktion wusste wohl nicht, was man sonst mit den Seiten machen sollte, die wegen der kürzeren Spinne-Geschichten frei wurden.

Jameson telefoniert mit Abe Beame, der 1974 tatsächlich Bürgermeister von New York wurde. Weil Beame ihn zur Bereitstellung des geforderten Lösegelds zwingt, sagt Jameson im Original "John Lindsay, wo bist du, wenn ich dich brauche". Lindsay war Beames Vorgänger im Amt. (Bei Williams heißt es "lieber Gott, wo bist du, wenn ich dich brauche"; klar, niemand hätte diese Anspielung auf reale Personen verstanden.)
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Alt 22.04.2019, 15:20   #622  
Peter L. Opmann
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Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
Die vielen Mini-Poster in Williams' Endzeit sind mir damals negativ aufgefallen; die Redaktion wusste wohl nicht, was man sonst mit den Seiten machen sollte, die wegen der kürzeren Spinne-Geschichten frei wurden.
Ja, ging mir auch so. Diese Miniposter stammten erkennbar aus einer längst vergangenen Zeit und waren um 1974 bei Marvel wohl nicht mehr üblich. Aber was hätte die Redaktion mit den Seiten machen sollen? In der Williams-Frühzeit wurde da ja Erfreuliches geleistet: Seiten übers Lettern, über interessante bis skurrile US-Neuveröffentlichungen, über politische Aspekte von Comics und so weiter. Es wurde ja bis zum Schluß darüber geredet, daß angeblich neue Titel geplant waren, aber da keine Einblicke in die US-Produktion mehr gewährt wurden, war das höchstens eine vage Idee, wenn es auch lizenztechnisch vielleicht gegangen wäre. Aber unter den schlechten Möglichkeiten, die Seiten zu belegen, waren die alten Miniposter vielleicht noch die beste.
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Alt 22.04.2019, 19:59   #623  
Phantom
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(Williams) 136
Am Cover fällt auf, dass Robertson einen seltsam schmalen Kopf hat (was daran liegt, dass der linke Zentimeter der Zeichnung wieder von Williams ergänzt wurde), dass Mary Jane grüne Haare hat und dass sich der Teil mit dem Bestrafer vom Original unterscheidet: im Original tritt Mündungsfeuer aus dem Maschinengewehr, dieses Mündungsfeuer fehlt bei Williams. Sollte das Cover entschärft werden? Im Internet habe ich aber das Cover einer italienischen Version gefunden, wo das Mündungsfeuer auch fehlt. Ist das also doch nicht von Williams entschärft worden, sondern kam schon so aus USA? Falls das so war, wo wurde in den USA die entschärfte Version veröffentlicht? Wird kaum noch zu klären sein.

Die Auflösung dieser Story überzeugt mich heute auch nicht. Zum einen: wie konnte der Bestrafer denn unerkannt auf das Schiff kommen, und wie konnte ihm entgehen, dass die Spinne offensichtlich nichts mit den Entführern zu tun hatte? Zum anderen ist die dicke Dosis politische Moral über südamerikanische Diktatoren und Verräter von Revolutionen schon etwas zuviel. Aber es gab auch schon schlechtere Conway-Andru-Geschichten.

Klitzekleine Nörgelei noch zur Übersetzung: zum Museum im Fort-Tryon-Park sagt die Spinne "das ist ein uraltes Kloster". Man kann sich einerseits fragen, was in Manhattan denn überhaupt "uralt" sein kann, aber da haben die Amerikaner natürlich ein anderes Zeitgefühl als Europäer. Aber im Original steht auch nichts von "uralt" und eigentlich auch nichts von einem Kloster; das Museum heißt "The Cloisters", gehört zum Metropolitan Museum und zeigt mittelalterliche Kunst und Architektur, u.a. mehrere Kreuzgänge, die aus französischen Klöstern zusammengeklaubt und nach New York verschifft wurden. Aber das muss Peter Parker als Naturwissenschaftler natürlich nicht so genau wissen.

Die Ankündigung, dass die Spinne eingestellt wird, hat mir damals nicht gefallen. Ich habe dann Horror aus alter Verbundenheit bis fast zum Ende weitergekauft. Als Condor später das Spinne-Heft wiederbelebte, war ich wieder dabei, auch am Anfang bei den ganzen Taschenbüchern. Aber das gute alte Marvel-Gefühl wollte sich nicht mehr einstellen; es lag an der Condor-Aufmachung, klar, aber sicher auch daran, dass ich einfach älter geworden war. Barks, Gottfredson, Franquin, Giraud, Raymond, Foster, Williamson, das waren jetzt meine Helden, da kamen Superhelden-Comics mit ihrem einfachen Strickmuster einfach nicht mehr mit (ist natürlich nur meine persönliche Meinung).
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Alt 22.04.2019, 20:40   #624  
Peter L. Opmann
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"Die Ankündigung, daß die Spinne eingestellt wird, hat mir nicht gefallen" klingt ja nicht sehr emotional aufgewühlt. Aber bei mir war's ähnlich. Wenn ich das große Titelsterben nach der 33. Produktion mitbekommen hätte, hätte mich das sicher geschockt, aber sowohl "Spinne" als auch "Rächer" und "Fantastische Vier" endeten bei Williams, als die Silver Age-Phase gerade vorüber war. Deshalb hatte ich mich von diesen Serien gerade so etwas gelöst.

Auch ich habe Condor dann noch eine Weile weitergelesen, aber daß das nicht mehr dasselbe war, lag vor allem daran, daß es keine Kontinuität mehr gab. Soweit ich mich erinnere, waren die ersten Condor-Taschenbücher schon am Kiosk, als die letzten Williams-Ausgaben rauskamen (jedenfalls an meinem Kiosk). Es war irgendwie seltsam: Bei "Rächer" und "Fantastische Vier" wurden ja anfangs einige der ersten Hefte nachgedruckt. Da wußte ich nicht so recht, was ich davon halten sollte. Ich hatte damals längst noch nicht alle diese Ausgaben, aber das Miniformat störte. Bei der "Spinne" wurde einfach mitten hineingesprungen (teils mit "Team up"- oder "Spectacular Spider-Man"-Ausgaben). Da war also die Kontinuität gleich im Eimer.

Die frankobelgischen Alben hatte ich vorher via "Zack" schon ein bißchen mitgelesen. Das große neue Ding waren für mich etwas später "Schwermetall" und "U-Comix". Die habe ich mir wieder regelmäßig gekauft, ebenso "Pilot" und "Vampirella".
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Alt Gestern, 22:11   #625  
Peter L. Opmann
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(Williams) 137

Erscheinungstermin: 4/1979

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 136
2) Mighty Thor # 150

Story-Titel:
1) Der Grüne Kobold lebt wieder!
2) Selbst im Tod…

Original-Storytitel:
1) The Green Goblin lives again!
2) Even in Death…

Zeichnungen:
1) Ross Andru / Frank Giacoia / Dave Hunt
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Das ist eine bemerkenswerte letzte Ausgabe. Ich wußte ja schon seit # 136, daß dies das Ende war, und ich habe das Heft daher zweifellos mit besonderen Augen gesehen. Der Einstieg in die Story war für mich irritierend. Man sieht Peter und Mary-Jane in New York flanieren, und zwar vor einer ziemlich künstlich wirkenden Kulisse, auch wenn Kenner vielleicht sogar erkennen können, wo sie sich befinden. Auch der Blick auf das Paar ist ungewöhnlich. Nie haben wir so lange zugesehen, wie Peter und Gwen einen freien Nachmittag verbracht haben. Als sie Peters Apartment betreten wollen, fliegt die Tür in die Luft. Peter rettet MJ möglicherweise, indem er sie vor der Detonation mit seinem Körper abschirmt. Aber sie ist bewußtlos und muß ins Krankenhaus. Die Wohnung ist verwüstet. Weil er weiß, daß gleich die Polizei kommt, läßt Peter eben noch seine Spinne-Ausrüstung verschwinden. Dann begleitet er MJ in die Klinik. Er erinnert sich an Gwens Tod, und sein Verdacht wächst, daß der Grüne Kobold (jetzt verkörpert von Norman Osborns Sohn Harry) hinter dem Anschlag steckt. Er sucht das Lagerhaus auf, in dem der Kobold sein Versteck hatte. Tatsächlich taucht sein alter Feind nach einiger Zeit dort auf. Peter weiß, daß es Harry ist, und Harry hat inzwischen ebenso erkannt, daß Peter hinter der Maske der Spinne steckt. Peter ist davon überzeugt, daß Harry durchgedreht ist. Nach etwa vier Seiten Klopperei setzt der Kobold die Spinne durch Betäubungsgas außer Gefecht und will sie mit einem Energiestrahl aus seinen Handschuhen töten, aber der Saft ist alle. Der Kobold springt auf seinen Jetbesen und verschwindet.

Man kann den Eindruck gewinnen, das sei wirklich das Ende der Geschichte, obwohl man später bei Marvel Deutschland nachlesen konnte, daß die Spinne sich an die Fersen des Kobold heftet und es zum – vorläufig – finalen Duell kommt. Aber es fehlt hier alles, was an einen Cliffhanger erinnern könnte. Stattdessen wird eine kleine Szene angehängt, die wie etwas schief angeklebt wirkt, wie eigens für das letzte Heft ausgesucht (die aber wirklich hierher gehört). Peter kommt aus dem Büro von Jonah Jameson. Er hat um Urlaub gebeten, aber keinen bekommen (wieso will er plötzlich Urlaub?). Nun ist er entschlossen zu kündigen. Betty Brant, Jonahs altgediente Sekretärin und einst Peters Freundin (lang ist’s her), versucht, ihn zu beruhigen. Er antwortet: „Vergiß es! Ich habe genug von Leuten, die sich in meine Angelegenheiten einmischen! Von jetzt an macht Peter Parker es allein… und glaub‘ mir, Betty… ich will es auch nicht anders.“ Damit verläßt er das Büro – gewissermaßen endgültig. Und nun fügt die Williams-Redaktion einen kleinen Text an, der sich garantiert in der US-Ausgabe nicht findet: „Harte Worte… aber leider sind sie wahr. Und auch wir müssen uns von der Spinne verabschieden, denn, wie der Grüne Kobold schon sagte: Dies ist das Ende der Spinne! Die Spinne ist hiermit eingestellt; ihr haltet das letzte Heft in den Händen. Näheres ist auf der Leserbriefseite zu erfahren. Adieu, Marvelianer!“

Damit ging mir die Einstellung des Magazins dann doch etwas an die Nieren. In diesem Heft werden keine Miniposter mehr untergebracht; vielmehr bringt die Redaktion noch soviel „Thor“, wie möglich – elf Seiten. Hier wird allerdings mitten in der Handlung abgebrochen. Thors Gefährte Balder ist in die Hände von Trollen gefallen, während Thor selbst sogar gestorben ist und noch nicht erfaßt hat, daß er als Geist seinem Gegner, dem Zerstörer, nichts mehr anhaben kann. Auch hier eine letzte Bemerkung der Redaktion: „Auch von Thor und seinen Freunden müssen wir uns für immer verabschieden, Freunde! Seid nicht traurig, vielleicht kommt er eines Tages wieder! Trotz allem… wir vergessen euch bestimmt nicht! Adieu! MMT!“ Ein Epitaph mit kleinen stilistischen Schwächen, aber was soll’s. Thor – und auch die Spinne – kam ja tatsächlich recht bald zurück. Aber die Williams-Ära der Marvels war damit zuende. Und ich sage noch heute, 40 Jahre später: Schade eigentlich.
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