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Alt 07.05.2021, 19:48   #1  
Uhrviech
Digedags-Spezialist
 
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Ort: im windigen Norden
Beiträge: 42
gold01 Mosaik Sammelband 001 - Aufruhr in Ragusa

Aufruhr in Ragusa erschien in der 1. Auflage im Oktober 2001 und umfasst die Hefte

1/76 - Das Geheimnis der Grotte
2/76 - Die Türkenschlacht
3/76 - Das Mühlenschiff
4/76 - Die gestohlene Muskete




Die ersten 2 oder 3 Hefte hatte ich mir 1976 noch beschafft obgleich ich wohl wusste, dass nach dem Abschied der Digedags Comics für „Geschichte“ waren. Mein Abo hatte ich zum Jahresende 1975 gekündigt, nachdem sich auf dem Backcover der 228 die drei Wildschwein-Reiter ankündigten. Allerdings gehört zu dieser Wahrheit auch, dass ich das Mosaik von Hannes Hegen ebenfalls gekündigt hätte, wenn es sich 1976 inhaltlich in der Qualität der Orient-Serie fortgesetzt hätte.
An das miese Papier waren wir ja bereits gewöhnt, doch nun kam mit den Abrafaxen ein noch leichteres und damit reißfreundlicheres Etwas daher, dem im Umfang 4 Seiten und in der Höhe 5mm fehlten. In meiner Voreingenommenheit redete ich mir ein, dass auch die Farbqualität vermindert war. Doch ich glaube, dem war vermutlich nicht so – das habe ich mir wohl selbst eingeredet um die Distanz zum neuen Mosaik zu vergrößern.

Den Sammelband 1 (bis 11) habe ich mir erst 2003 beschafft. Danach immer zum Jahresende die Bände, die neu herausgekommen waren. Bis zur Eröffnung dieses neuen Forums war ich mir nicht sicher, ob ich die Sammelbände jemals lesen werde, oder ob sie eher so etwas wie ein Nachlass für Enkel oder Urenkel sein würden. Einzig den redaktionellen Teil habe ich mir jeweils durchgelesen und für interessant befunden. Auch fiel mir schon in Band 1 auf, welch positive Wirkung auf mich ein vernünftiges weißes Papier - auf dem die Farben frischer und kräftiger zur Geltung kommen – hat.

Nun hatte mich die Digedags-Orientserie inhaltlich bereits ziemlich enttäuscht. Ich war immer eine Fan der Weltraum- und Erfinderserie gewesen, der die Runkel-Hefte gerne las weil sie für mich altersgerecht waren. Amerika schloss sich an, aber 1969 war ich schon so in den Leistungssport eingebunden und manchmal monatelang nicht zu Hause. Dann hatten sich mehrere Hefte angesammelt und oft überflog ich sie nur noch flüchtig.

Dann also am Kiosk besorgt: Heft 1-3/76. Da glaubte ich fast nichts in der Hand zu haben für seine 60 Pfennige. So habe ich auch den Beginn der Harlekin-Serie betrachtet. Die Reimerei und Schützenregeln gingen mir auf den Wecker wie auch die Belanglosigkeit der Geschichten. Physikalischer Nonsens wie das Mühlenschiff hätte ich ja als Gegenpol zum Hegen-Zirkusschiff aus den Anfängen des Mosaik noch durchgehen lassen – wäre da nicht die Erfinderserie gewesen, die ich abgöttisch liebte…

Aber nun – im Alter – versuche ich es wieder mit den Augen des Kindes zu betrachten. Durch die frischen Farben sehe ich in Sammelband 1 Details in den Panels, die mir damals gar nicht aufgefallen sind.
Der Schweinegalopp, den Califax im 4. Heft (Die gestohlene Muskete) absolviert hat mich natürlich sofort an das Schinkel-Sonderheft erinnert. Gags bei sich selbst zu klauen ist legitim. Aber ich überlege mir so, wie es wohl Hannes Hegen erging, als er die ersten Hefte des neuen Mosaik in der Hand hatte. Und damit komme ich auch schon zur zum redaktionellen Teil des ersten Sammelbandes.

Zunächst wird die Entstehungsgeschichte des neuen Mosaik umrissen. Bemerkenswert ist für mich schon, dass dabei Hannes Hegen und sein Digedags-Mosaik keine direkte Erwähnung findet. Aber immerhin erfährt der Leser, der sich keine zusätzlichen Informationen zu den Hintergründen beschafft, dass Lothar Dräger bereits 1 ½ Jahre vor dem Heft 1 der Abrafaxe kräftig am neuen Konzept arbeitete.
Interessant auch die frühen Entwürfe für die neuen Helden des Mosaiks. Ich finde es schade, dass sich Horst Boche mit seinen magischen Figuren und bärtigen Zauberern nicht durchsetzen konnte. Vielleicht hätte das vielen Geschichten inhaltlich und optisch eine neue Richtung verleihen können und nicht ständig an einen Digedags-Ersatz erinnert. Und schließlich habe ich mich auch bei den Digedags manchmal gefragt, warum sich die „Leute“ (vom Kaiser bis zum Wissenschaftler) sich von diesen Dreikäsehoch-Knipsen etwas sagen ließen. Doch andererseits ist das nicht die Betrachtungsweise der kind- und jugendlichen Zielgruppe. „Forever Young“ ist mit zeitlosen Knollen- und Zwiebelköpfen viel besser darzustellen.
Immer wieder schön anzusehen – Skizzen von Coverentwürfen. Entwurf und fertiges Cover von Heft 3 liegen sehr nah beieinander. Bei Heft 4 hätte ich etwas in Art des Entwurfs bevorzugt. In der verwendeten Fassung bewegen sich die Schweine eher wie tatsächliche Reittiere.

Vorstellung der Begleiter… Was ich bei der Vorstellung Harlekins und seine Gefährten der italienischen Komödie nicht wusste war, dass diese Figuren nur Rollen oder Charaktere waren. Historische Bilder von Watteau und Somov (18./19. Jh.) hatte ich schon einmal flüchtig gesehen und ein Bezug auf reelle Personen des Mittelalters war für mich im Bereich des Möglichen. Hier klärt die „Welt der Abrafaxe“ auf und beschreibt den Wandlungsprozess Harlekins von einem dämonischen Bösewicht des 14. Jahrhunderts bis zu seinem Auftritt als Spaßmacher im Mosaik. Sehr praktisch bei der Vorstellung bei der Beschreibung der Protagonisten: Die Tabelle ihrer Auftritte im Mosaik.
Der nächste Beitrag (Republik Ragusa) erklärt den Titel des Sammelbandes. Die Stichworte „Ragusa“, „Dalmatien“ und Google genügen zwar um mehr über den Handlungsort des ersten Sammelbandes zu erfahren. Neben dem Capitano Spavento, der ebenfalls eine Figur der italienischen Commedia dell’arte ist, scheint den Machern des redaktionellen Teils das Eichhörnchen besonders am Herzen gelegen zu haben. Begründet wird es zwar anders – aber ich sage nur - Tierversuche im Mosaik – und das bereits im ersten Heft! Initiis resistere ;-) Eng damit im Zusammenhang stehend wird auch die verwendete Medizin „Rosmarinextrakt“ näher vorgestellt und erwähnt wo es in der Folge mehr mehr als mehr weniger erfolgreich zum Einsatz kommen wird.

Eine Seite mit Verlagswerbung gönnt sich schließlich der Steinchen-Verlag auch noch. Diesmal für „Schuldig ist schließlich jeder“ - auf dieses Buch wurde auf der ersten Seite des redaktionellen Teil Bezug genommen – sowie „Das Jürgen-Kiesler-Buch“ für die Freunde der Non-Mosaik-DDR-Comic-Szene.

Geändert von Uhrviech (07.05.2021 um 21:52 Uhr) Grund: Tippfehler 1976
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Alt 07.05.2021, 20:38   #2  
Nante
Eckensteher
 
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Ort: Nürnberch, Frangen
Beiträge: 557
Wieder eine solide ausführliche Darstellung. Typisch Uhrviech würde ich sagen. Kann man kaum noch was ergänzen.
Zum ersten Teil halte ich mich sowieso zurück, nachdem eine flapsige Bemerkung von mir zu dieser Thematik vor ein paar Monaten wieder mal eine neue Schlacht im jahrzehntelangen Glaubenskrieg ausgelöst hat.
Der redaktionelle Teil kriegt von mir auch höchstes Lob. Vor allem damals, als ich Mosapedia noch nicht kannte, waren das viele Hintergrundinformationen, die teilweise ein neues Licht auf das Dorf und die Figuren der Commedia dell’arte warf.
In einem allerdings bin ich komplett anderer Meinung: Ich behaupte jetzt mal, daß die Figuren, wie sie in diesem Boche-Entwurf erscheinen, bei mir und meinen Alterskameraden ein Flop gewesen wären.
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