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Alt 05.12.2015, 10:24   #26  
Servalan
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Zitat:
Zitat von Detlef Lorenz Beitrag anzeigen
Danke aber fürs "mitmachen"! Gibt mir Kraft und macht Mut zum Weitererzählen und zum Diskutieren.
Zu der Zeit waren meine Eltern selber noch Kinder. Ich habe nur miterlebt, wie die Ansprüche des Publikums durch die Informationsquelle Internet gestiegen sind. Solche Klischeekataloge wie die frühen Tintin-Alben wären heute indiskutabel und würden bloß Shitstorms ernten. Diese Tendenz habe ich wohl zu vorschnell ins analoge Zeitalter verlängert.

, ich lese immer gern hier mit.
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Alt 05.12.2015, 11:26   #27  
fischerin
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Klar herrschte in den Fünfzigern noch ein ganz anderes Geschichtsbild, außerdem gehörten zu den Comics finstere Schurken und strahlende Helden. Dass aber gerade der unsägliche Cortez so glorifiziert wird, ist natürlich schon grotesk.
Ein "realistisches" Bild vom Wesen des Nero wird sich wohl nie zeichnen lassen, dafür ist die Quellenlage zu dürftig und zu widersprüchlich.
Er dürfte aber sicher in seinen letzten Jahren ein mieser Charakter gewesen sein.
Zum Foster-Plagiator Blumentritt möchte ich noch bemerken, dass er (habe gerade leider nur das Ankündigungspanel vor mir), den Centurio und den Liktor gut getroffen hat. Diese Zeichnungen gehen sicher auf irgendwelche wissenschaftli-
chen Abbildungstafeln zurück. Beim Kaiser in der Mitte hat er die bekannte Augustusstatue mit einem Hogarth-Fingerzeig versehen.
Auch die Aztekenkrieger hat er nicht nach Phantasie, sondern- da sehe ich keine großen Unterschied zu Nickel- ziemlich authentisch dargestellt.
Mein Fazit zu den ersten beiden Heften: "Historisch" schon etwas krass und bedenklich, aber zeichnerisch hätte das was werden können.
Nebenbei : Es müsste Flavisches Amphitheater heißen, denn die Antike machte zwischen den beiden Bautypen auch sprachlich einen deutlichen Unterschied.
Bin schon gespannt, was Detlef Lorenz zu den nächsten Heften auspackt!
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Alt 05.12.2015, 23:17   #28  
Detlef Lorenz
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@Hallo Fischerin: die Zeichnung Blumentritts auf dem Ankündigungsbild für das Heft 1 ist toll. Es kommt mir so vor, als ob er die Personen aus wissentschaftlichen Büchern abgepaust hat.

Die Atztekischen Krieger sind ihm natürlich authentisch gelungen, woran ich sehe, dass sie nicht purer Phantasie entsprungen sind. Auch Nickel hatte Reverenzmaterial, so das Buch "Die Eroberung von Mexiko" von Anton Hoffmann, 1919.
Nebenbei: natürlich hast du mit dem "Amphi"-theater recht und ich denke, nicht nur die alten Römer unterschieden zwischen beiden Arenen: in der einen wurde geschauspielert (und in kleineren Städten Versammlungen abgehalten), während im anderen sich die Akteure die Köpfe einschlugen.
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Alt 08.12.2015, 13:11   #29  
Detlef Lorenz
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Nummer 3: Ein Verräter trägt die Krone, Das Geheimnis vom Dürnstein.





Die brennende Burg auf dem Titelbild ist nicht der Dürnstein an der Donau. Sie ist eine beliebige englische und gehört einem Adligen, der Richard Löwenherz weiterhin die Treue hält, obwohl dieser abwesend ist und sein Bruder, Johann Ohneland, die Macht in England für sich beansprucht.

Worum geht es im Heft Nummer 3: Jeder – zumindest HIER gehe ich davon aus – kennt die Geschichte vom König Richard Löwenherz. Dieser wurde während seiner Rückkehr aus dem sogenannten Heiligen Land von Herzog Leopold von Österreich festgesetzt. Nach der Leistung des Lehneides an Kaiser Heinrich IV und Zahlung eines ungeheuren Lösegeldes, das seine Mutter Eleonore von Aquitanien aufbrachte … Stopp! war das nicht Sir Ivanhoe, der getreue Ritter, der als Sänger Blondel verkleidet, die österreichischen Lande durchstreifte, schließlich Richard in Burg Dürnstein fand, nach England zurückkehrte und mit Hilfe der dortigen Juden das Lösegeld aufbrachte (obwohl Löwenherz die Synagogen geplündert hatte um „seinen“ Kreuzzug zu finanzieren)…






Hans-Jürgen Linden, der Texter, nahm sich das von Walter Scott 1820 veröffentlichte Buch „Ivanhoe“ zum Vorbild, möglicherweise auch den Film mit Robert Taylor, Elisabeth Taylor und Joan Fontaine und schrieb daraus das Script für den Comic, der von Lothar Linkert mehr oder weniger geschickt illustriert wurde. Damit haben wir hier leider den Fall, dass das Heft in der falschen Serie auftaucht. Dem Inhalt nach gehörte es in die „Illustrierten Klassiker“ denn in die „Abenteuer der Weltgeschichte“. Vielleicht ist die Nummer 50 darin authentischer, die in ihr geht es ebenfalls um Richard Löwenherz.

Kurz und knapp zur Nummer 3: die Geschichte fängt mit der Belagerung Jerusalems während des 3. Kreuzzuges (1189-1192) an, das auf der nächsten Seite sich den Kreuzfahrern ergeben muss. Hier kann natürlich nur Akkon gemeint sein, das nach 3jähriger Belagerung erobert wird, im Gegensatz zu Jerusalem. Richard entzweit sich mit europäischen Fürsten, und dann, siehe oben. Eindeutig ist hier der erfundene Ivanhoe der Held, getreu der literarischen Vorlage. Somit stelle ich für mich fest, dieses Heft ist inhaltlich eine Fehlentscheidung für die Serie!

Zum Zeichner Lothar Linkert: sein Kürzel „Lo Li“ erscheint auf jeder Seite, so als ob der Comic eine Vorveröffentlichung von je einer Seite in einem Magazin erfahren hatte. Er soll bereits 1956 nach Kanada ausgewandert sein und dort als Cartoonist und Sketchzeichner sein Brot verdient haben. Seine Tätigkeit für den Lehning-Verlag gab er wegen der unregelmäßigen Bezahlungen seitens des Verlages auf. Jedenfalls steht es so in „Die Sprechblase“ 167 im Artikel von Kurt Jäger.

Erneut Eigenwerbung auf der letzten Umschlagseite: man war im Regentenverlag vorsichtiger geworden, statt der in den ersten beiden Heften angekündigten Titel, die nicht erschienen, zeigte man nur eine Rückschau auf Heft 1 und 2.
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Alt 14.12.2015, 22:01   #30  
Detlef Lorenz
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Nummer 4: Die Geisterreiter, Kadetten gegen Kosaken






In diesem Heft geht es um eine Episode aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-63). In endlosen Gemetzeln versuchten die europäischen Fürsten Preußen nicht auch noch zur Großmacht werden zu lassen. Es gelang nicht, die Toten, Verletzten, Verstümmelten und Traumatisierten hat keinem von ihnen so richtig interessiert, außer, sie hatten plötzlich keine oder zu wenig Soldaten. Der Großteil der Geschichte spielt in Ostpreußen, als eine Gruppe Kadetten in einer Art Partisanenkämpfen starke russische Verbände binden. Ein fieser polnischer Graf verrät den Russen schließlich die geheime Furt zur Festung (auf dem Titelbild recht anschaulich dargestellt). Überhaupt hat das Titelbild, von Lo Li gezeichnet, etwas dämonisch-diabolisches. Jedenfalls war es damals beeindruckend und verfehlt vielleicht auch heutzutage seine Wirkung nicht.

Nach dem Fall der Festung denunziert Warowski, der fiese Graf, den tapferen Rittmeister von Keith als Verräter. Im letzten Moment wird dieser rehabilitiert, und eilt mit seinen Kadetten nach Leuthen, wo er Friedrich ll., dem sogenannten Großen, leibhaftig begegnet. Mit der sogenannten schiefen Schlachtordnung besiegt Friedrich die Österreicher – natürlich tun dies seine Soldaten.

Ein ziemlich heroisches Machwerk liegt vor uns, von Blumentritt und Linkert ganz flott in Szene gesetzt. Historisch gibt es nichts auszusetzen, schließlich ist das einzig Verbürgte die Schlacht bei Leuthen, die Kadetten unter ihrem Rittmeister sind fiktiv.






Die vorliegende Innenabbildung ist von mir als Suchspiel ausgewählt worden: eines der Bilder zeigt eine typische Pose eines der Akteure, die es, mal wieder, schon bei Prinz Eisenherz gab … nur welche?

Erstmals werden auf der 3. Umschlagseite Sammelmappen angeboten. Zu diesem Thema gibt es später, zum Heft 7, noch einiges zu sagen.








Auf der 4. Umschlagseite gibt es ein Kuriosum zu Vermelden: für die Hefte 2 und 3 wird mit je 2 Abbildungen geworben, Heft 1 wird nur im Text erwähnt. Allerdings liegen mir von der Nummer 4 zwei Ausgaben vor, die jeweils unterschiedliche Bilder zeigen (siehe dazu die Beispiele). Ob es sich um verschiedene Auflagen handelt, ob während der Produktion die Bilder ausgetauscht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Hefte zeigen keinerlei Unterschiede, die Impressi sind identisch, sie besitzen dieselben Inhalte.
Detlef Lorenz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.12.2015, 22:39   #31  
Servalan
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Zitat:
Zitat von Detlef Lorenz Beitrag anzeigen
In diesem Heft geht es um eine Episode aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-63). In endlosen Gemetzeln versuchten die europäischen Fürsten Preußen nicht auch noch zur Großmacht werden zu lassen. Es gelang nicht, die Toten, Verletzten, Verstümmelten und Traumatisierten hat keinem von ihnen so richtig interessiert, außer, sie hatten plötzlich keine oder zu wenig Soldaten.
Die gemeinen Soldaten waren sowieso zwischen Baum und Borke eingeklemmt. Ohne mächtig Glück hat da keiner überlebt. Der britische Militärhistoriker John Keegan (bitte nicht verwechseln mit den US-Militärberater Robert Keegan) hat an drei verschiedenen Schlachten (Agincourt 1415, Waterloo 1815 und Somme 1916) geschildert, wie sich der Krieg aus der Froschperspektive anfühlt: The Face of Battle (Jonathan Cape 1976).

In der Ritterschlacht von Agincourt gab es die Stände des Feudalstaates: Das Fußvolk wurde verheizt, Verwundete und Gefangene wurden abgeschlachtet. Feindliche Ritter konnten in der Schlacht entführt werden. Mit ein wenig Glück saßen die in einer feindlichen Burg fest und amüsierten den Hofstaat, bis das Lösegeld eintraf (oder nicht).

Sogar ärztliche Hilfe hätte den Soldaten von Waterloo kaum etwas genützt.
Nach der Schlacht sind die Kämpfer erschöpft eingeschlafen. Wer das Pech hatte und vor dem Einpennen nicht daran dachte, irgendein Zeichen zu geben, noch am Leben zu sein, wurde später als vermeintlich tödlich Verwundeter mit dem Gnadenstoß hingerichtet.
Medizinisch sah es finster aus. Die Säftelehre war noch in vollem Schwange. Laut Keegan hätten die Ärzte mit ihrer Universalheilmethode Aderlaß mehr Schaden angerichtet als ohnehin.

In manchen Armeen stellten strafrechtlich Verurteilte einen Großteil, die zwischen Knast, Galgen oder Uniform "wählen" durften.
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Alt 15.12.2015, 01:57   #32  
Hinnerk
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Zitat:
Zitat von Detlef Lorenz Beitrag anzeigen
Die vorliegende Innenabbildung ist von mir als Suchspiel ausgewählt worden: eines der Bilder zeigt eine typische Pose eines der Akteure, die es, mal wieder, schon bei Prinz Eisenherz gab … nur welche?
Ich tippe auf das fünfte Panel, den Sprung aufs Pferd.
Du hast vergessen, zu erwähnen was es zu gewinnen gibt!
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Alt 15.12.2015, 08:05   #33  
Xury
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Es ist das zweite Panel.
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Alt 15.12.2015, 09:02   #34  
Detlef Lorenz
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Xury hat, wie so oft, recht: Blumentritt/Linkert haben aus der PE-Seite 50 vom 22.1.1938 das letzte Bild, leicht verfremdet, übernommen. Im Grunde die ganze Szene, in der Prinz Eisenherz sich auf dem Balken befindet. Wäre diesmal vielleicht nicht aufgefallen, wenn Blumentritts Eisenherz-Affinität nicht bekannt wäre.
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Alt 15.12.2015, 09:50   #35  
guenkos
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Ist das dritte Panel nicht der Szene entlehnt, in welcher der junge Eisenherz den Briten meldet, wo die Sachsen gelandet sind?
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Alt 15.12.2015, 13:24   #36  
fischerin
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Zitat von Detlef Lorenz Beitrag anzeigen
Ein ziemlich heroisches Machwerk liegt vor uns, von Blumentritt und Linkert ganz flott in Szene gesetzt.
Wenn man bedenkt, dass lediglich das Cover von Linkert ist, bleibt es ja Blumentritts Zeichenwerk, der sich ja mit dem historischen Outfit schon (für die damalige Zeit) Mühe gegeben hat.
Ich wollte aber hauptsächlich anmerken, dass es angegebene Werk von John Keegan schon viele Jahre auch auf Deutsch gibt: "Das Antlitz des Krieges". Für den militärhistorisch entwöhnten deutschen Leser entsprechend gewöhnungsbedürftig, aber lohnend allemal.
Danke nochmals an Detlef Lorenz für seine Arbeit, wenn es ja über die "Kadetten" auch relativ wenig zu sagen gab.
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Alt 16.12.2015, 03:19   #37  
FrankDrake
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Mit Heft 4 kommen die ersten Parallelen zu den IK, der Inhalt hält Zeichnerisch nicht was das Titelbild verspricht.

Mehr als ein Westfale kann der Mensch nicht werden!
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Alt 16.12.2015, 07:24   #38  
Detlef Lorenz
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Zitat:
Zitat von fischerin Beitrag anzeigen
Wenn man bedenkt, dass lediglich das Cover von Linkert ist, bleibt es ja Blumentritts Zeichenwerk, der sich ja mit dem historischen Outfit schon (für die damalige Zeit) Mühe gegeben hat.
(...) wenn es ja über die "Kadetten" auch relativ wenig zu sagen gab.
Blumentritt wird wohl über nicht unbeträchtliche historische Literatur/Bildbände verfügt haben. Er zeigt, in der Tat, für damalige (Comic-)Zeiten, recht detaillierte Darstellungen vor allem der Bekleidungen. Ob nun jeder Säbel, Schwert, Kanone, Uniformteil den tatsächlichen Zeiten entspricht, habe ich mir erspart zu recherchieren. Sein "Alter Fritz" sieht schon recht gelungen aus, man kann ihn durchaus auch ohne Text als Preußenkönig erkennen. So weit ich informiert bin, war dieser der letzte, der den Titel "der Große" verliehen bekommen hat. Den gabs wohl auch nur für Kaisers, Königs und Heerführer, und für was eigentlich ...

"Kadetten", "Kosaken": da war nicht viel zu berichten, ausführlichere Inhaltsbeschreibungen eventuell!?
Detlef Lorenz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.12.2015, 07:45   #39  
Detlef Lorenz
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Zitat:
Zitat von FrankDrake Beitrag anzeigen
Mit Heft 4 kommen die ersten Parallelen zu den IK, der Inhalt hält Zeichnerisch nicht was das Titelbild verspricht.
In der Tat vermischen sich inhaltlich die Themen bei den IK und Abenteuer der Weltgeschichte: Auch bei den IK gibt es Inhalte, die auf Grund historischer Romanadaptionen in die Reihe aufgenommen worden sind. Ich denke da an Julius Cäser, Kit Carson, Alexander der Große (auch einer der "Großen"), Die Eroberung von Mexiko, Die ersten Menschen im Mond (ach ne, das war ja eine Vorhersage). Die Abenteuer der Weltgeschichte befassen sich dagegen NUR mit Themen aus der Geschichte und übernehemen sie mehr oder weniger authentisch in eine Comicversion.
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Alt 22.12.2015, 19:19   #40  
Detlef Lorenz
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Etwas allgemeines zur Serie: in einem anderen Thread hat ein gewisser „Ivanhoe“ verblüfft angemerkt, dass in dem Heft „Ein Verräter trägt die Krone“, Nr. 3, nicht zu erkennen war, dass Sir Ivanhoe (seine Geheimidentität) eine tragende Rolle spielt; von Richard Löwenherz, dem König von England ganz zu schweigen. Selbst der Untertitel „Das Geheimnis vom Dürnstein“ ist da wenig erhellend. Die Titelauswahl der bisherigen Hefte sind insgesamt recht eigenwillig. Selbst für eine Serienfigur, sagen wir Akim, würde „Ein Verräter trägt die Krone“ passen. Akim war ein König im Dschungel, jedenfalls bei Pedrazza / Renzi, da konnte es durchaus passen. Aber für die hier aktuelle Reihe ohne durchgängigen „Helden“ kommt mir selbst „Die Verschwörer von Cartagena“ wenig aussagekräftig vor, egal ob er für ein kindliches oder erwachsenes Publikum gedacht war und ist.

Das folgende hier zu besprechende Heft macht da keine Ausnahme:

Nummer 5
Flammen über Florenz, Der junge Herzog erobert seine Stadt






... kann sonst was bedeuten. Hätte irgendetwas über die Medici verlautet, könnte man zumindest die Zeit eingrenzen, wann diese Geschichte spielt: zum Beginn der italienischen Renaissance im ausgehenden 15ten und im 16ten Jahrhundert. Die Medici und die Pazzi, reiche Handelsfamilien, stritten um die Macht in Florenz. In der Historie und im Heft ist diese Auseinandersetzung das Thema. Allerdings werden Klischees bedient, wie man am Abbild des „jungen Herzogs“ auf dem Titelbild sehen kann: gut aussehend (ahem), der Bösewicht ein typisches Schurkengesicht. Warum das hier so ist, weiß ich nicht, denn die Medici waren keine zart besaitete Familie, was die Eroberung und Verteidigung ihrer Macht anging, aber sei´s drum.

Giuliani I. de´ Medici wurde 1478 – und nicht um 1500, wie im Heft verkündet, der Pazzi-Verschwörung zum Opfer. Sein ältester Sohn, Piero di Lorenzo (!) de´ Medici anschließend der Nachfolger. Und darum geht es auch im Heft. Zwischendurch finden Fechtduelle, Brandstiftungen (daher der Titel), Angriffe der Landsknechte der Pazzi, die Flucht Pieros, usw. es ist was los. Zum Schluss läuten die Glocken und alle jubeln über den Sieg der Medicis.

Historisch hat der Inhalt natürlich schwächen, die Medici werden positiv dargestellt, was sie zumindest in der Förderung der Künste und Bauten sicherlich waren. Ihre Gegner sind die Bösen – obwohl auch sie nur von den Vorteilen der Macht profitieren wollen. Die Stadt Florenz ist oft am markanten Kuppelturm der Kirche von Santa Maria del Fiore und am Campanile des Palazzos Vecchio zu erkennen.

Erich Dittmann, ein neuer Zeichner, setzt Lindens Skript sicherlich geschickt um. Leider ist die rot-schwarze Farbgebung, wie schon bei den vorherigen Heften, unvorteilhaft. Seine Zeichnungen sind leider etwas strichig, d. H. er benötigt häufig viele Linien zur Darstellung von Personen, Gebäuden und Landschaften. Dadurch wirken die Seiten unruhig.

Hans-Jürgen Linden, der Chefredakteur, wurde auf Dittmann durch dessen grafische Veröffentlichungen aufmerksam. Er kontaktierte ihn und beide wurden handelseinig. Linden soll 20 Mark pro Seite bekommen haben, was ihm auf Dauer zu wenig war: nach nur insgesamt 3 Heften (Nr. 5, 8 und 11) kündigte er sozusagen. Nachzulesen ist das alles ausführlicher in der SP 108.
Detlef Lorenz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.01.2016, 09:47   #41  
Detlef Lorenz
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Nummer 6

Piraten der Freiheit, Rettet euch – die Geusen kommen!





Die Gebiete der heutigen Niederlande und Belgiens gehörten Mitte des 16ten Jahrhunderts zum „Heiligen Römischen Reich“. Die Kaiser stellten zu diesem Zeitpunkt die Habsburger, eine Dynastie, die ihre Stammlande im heutigen Österreich hatten. Durch hier unnötig näher zu erläuternde dynastische Erbfolgen (1556 Abdankung Karl IV) kamen die Niederlande zur spanischen Linie der Habsburger. Unter den Statthaltern Margarete von Parma, die ein Bittgesuch niederländischer Edelleute ablehnt und sie deshalb als Geusen (Bettler) bezeichnet und ihrem Nachfolger, Herzog Alba, der eine Schreckensherrschaft errichtete, erhoben sich die Niederländer. Es dauerte aber bis zum Ende des 30jährigen Krieges (1648), bis die Niederländer mit dem Ausscheiden aus dem Heiligen Römischen Reich ihre volle Souveränität erlangten.

Das vorliegende Heft enthält eine Episode aus diesen langjährigen Auseinandersetzungen. Es geht um die Befreiung Moritz´ von Oranien, der 1584 die Führung der Geusen übernimmt. Im Heft ist er bereits ein älterer Herr, also würde ich denken, die Jahre zum Beginn des 30jährigen Krieges müssen der gewählte Zeitraum sein. Geschickt hat Linden die Erzählung um den jungen Grafen Toggenburg in diese geschichtliche Epoche eingesponnen. Im Handstreich befreit dieser alleine Oranien und kapert später mit Gleichgesinnten eine spanische Flotte, um deren Baumuster für die Schiffe der Niederländer zu übernehmen. Das Heft endet nicht mit der endgültigen Vertreibung der Spanier, es bleibt inhaltlich ein Zwischenspiel, allerdings ein gelungenes, das Spaß macht zu lesen.






Zum Spaß am Text kommt ein neuer Zeichner für die Reihe zum Zuge: Herbert Hahn. Seine Zeichnungen sind klar, keine Ecken und Kanten, keine unnötigen gestrichelten Umrisse, keine erkennbare Abzeichnungen und wenn, dann sehr geschickt verborgen. Wie schon in den vorherigen Heften treffen auch hier die Accessoires, die Bekleidungen, Schiffe und andere Utensilien ziemlich genau die Zeitepoche, in der die Geschichte spielt. Einzig die vorkommenden Galeeren bereiteten mir Bedenken, denn zu diesem Zeitpunkt verschwanden sie durch umwälzende Neuerungen (weittragende Kanonen, verbesserte Takelagen) zumindest aus dem atlantischen Bereichen. Irrtum, sie gehörten noch hierher und waren auch im küstennahen Atlantik und der Nordsee gebräuchlich und den reinen Seglern im Nahkampf überlegen. Herbert Hahn gefällt mir zu diesem Zeitpunkt von allen Zeichnern am Besten. Über ihn selber habe ich im Netz nichts gefunden.

Ungewöhnlich ist diesmal die 2. Umschlagseite: bisher enthielt sie Porträts der wichtigsten Akteure mit kurzen Beschreibungen ihrer Rollen. Diesmal ist die Seite blank; weshalb, keine Ahnung. Vielleicht gingen die Zeichnungen auf dem Postwege verloren, sie wurden in der Druckerei versust, Hahn hatte gar keine geliefert, der Vermutungen sind vielfältig.

Auf der Leserbriefseite lobt Hans-Jürgen Linden den Verlag, da nun die Hefte tatsächlich im 3wöchentlichen Rhythmus erscheinen, wie beworben – es gab also vorher Unregelmäßigkeiten, die die wochengenaue Datierung in der Illustrierten Deutschen Comic-Geschichte etwas in Frage stellen könnte.
Detlef Lorenz ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.01.2016, 17:33   #42  
Servalan
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Zitat von Detlef Lorenz Beitrag anzeigen
Einzig die vorkommenden Galeeren bereiteten mir Bedenken, denn zu diesem Zeitpunkt verschwanden sie durch umwälzende Neuerungen (weittragende Kanonen, verbesserte Takelagen) zumindest aus dem atlantischen Bereichen. Irrtum, sie gehörten noch hierher und waren auch im küstennahen Atlantik und der Nordsee gebräuchlich und den reinen Seglern im Nahkampf überlegen.
Wenn meine geschichtlichen Kenntnisse nicht veraltet sind, waren Schiffe so ziemlich die teuersten Investitionen der damaligen Zeit (vergleichbar mit dem BER und der Elbphilharmonie). Solange die Schiffe seetüchtig waren, wurden sie unter Segel gesetzt, letzten Endes lief das auf eine Lebensdauer von zwanzig Jahren hinaus. Technische Neuerungen brauchten eine Menge Vorlauf, bis sie Standard wurden.
Manchmal ging der Schuß nach hinten los: Als die Schweden sich für das beste Kriegsschiff aller Zeiten entschieden, erlebten sie eine Katastrophe, die Teil der Geschichte geworden ist. Die "Wasa" sank schon beim Stapellauf in Stockholm auf Grund. Heute ist das restaurierte Wrack ein Prunkstück im Museum.
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Alt 10.01.2016, 02:03   #43  
Hinnerk
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Einzig die vorkommenden Galeeren bereiteten mir Bedenken...
In deinem Bildbeispiel ist gar keine Galeere zu sehen. Ich habe das Heft leider nicht, deshalb ist die Anmerkung mir etwas etwas unverständlich.
Hinnerk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.01.2016, 13:27   #44  
guenkos
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Zitat:
Zitat von Hinnerk Beitrag anzeigen
In deinem Bildbeispiel ist gar keine Galeere zu sehen. Ich habe das Heft leider nicht, deshalb ist die Anmerkung mir etwas etwas unverständlich.
Es handelt sich bei den abgebildeten Schiffen um Galeonen, nicht um Galeeren. Allerdings waren Galeeren auch noch im 17. Jahrhundert im Einsatz.

Geändert von guenkos (10.01.2016 um 13:41 Uhr)
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Alt 10.01.2016, 19:22   #45  
underduck
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Vielleich handelt es sich ja nicht um Galeeren, sondern tatsächlich um Galeonen. Es gab da aber auch noch Galeassen. Das war wohl ein Zwischending zwischen Segler und Ruderschiff.
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Alt 11.01.2016, 08:57   #46  
Detlef Lorenz
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Auf dieser Seite sind Galeeren abgebildet, genau genommen auf der vorherigen, die ich für das Heft verwendet hatte. Hier sieht man sehr schön, wie anstrengend das Rudern der großen Schiffe gewesen sein muss. Herbert Hahn hat auch diese Szenen sehr anschaulich dargestellt.

Die Kästen der einzelnen Bilder sind in dieser Vergrößerung sehr wellig, wie das Wasser der Nordsee. Es ist wohl keine Vermutung, dass Hahn sie freihändig gezogen hat. Im Heft selbst treten die Wellenmuster nicht ganz so deutlich zu tage.

Btw: Bis zu dieser Ausgabe sind die Seiten aller Hefte nicht nummeriert. Erst ab der nächsten Nummer wird das eingeführt.
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Alt 15.01.2016, 13:56   #47  
Detlef Lorenz
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Nummer 7 Gesprengte Ketten, Spartakus – Rebell gegen Rom: Vom Regentenverlag zum Lehning Verlag






Nach einer Pause von 11 Wochen(!) -lt. Illustrierte Deutsche Comic Geschichte- erschien die Nummer 7 im Juli 1954. Einher ging diese lange Pause mit einigen optischen Änderungen im Erscheinungsbild der Hefte. Die beim Heft 6 schon genannte Einführung einer Seitennummerierung war dabei nicht die einzige Änderung bei den Abenteuer der Weltgeschichte: Auch das Titelbild wurde leicht modifiziert, an Stelle der gekreuzten Schwerter im Kreis neben dem Titel war nun der Preis des Heftes (50Pf) zu sehen, vorher war er rechts unten, ebenfalls in einem Kreis; die gelbe Fußleiste mit den Signum des Regentenverlages (RV), die verschiedenen Preise im Saargebiet (ffrs. 50.-), Österreich (S 2.50), Luxemburg (Frs. 6.-), waren nun auf die 4. Umschlagseite ins dortige Impressum gewandert. Die Heftnummer war von unten nach oben, unter den Titel versetzt worden. Kleine Änderungen, wenig spektakulär und sicherlich den damaligen Leser kaum aufgefallen. Ich kann mich jedenfalls daran nicht erinnern. Hans-Jürgen Linden ist dagegen noch immer der verantwortliche Redakteur, die Zeichner werden allerdings nicht mehr erwähnt. Dieses letzte Detail ist ein Hinweis auf eine nicht nur erfolgte Umgestaltung des Heftes, sondern auf einen Besitzerwechsel: die Heftreihe wurde nun Walter Lehning Verlag herausgegeben (dort wurden die Zeichner in der Regel nie erwähnt). Äußerlich, neben den erwähnten Änderungen, ist die massive Werbung des Lehning Verlages ein markanter Hinweis auf den neuen Besitzer und dessen Produkte: auf der 4. Umschlagseite erscheint nun statt der Rückschau auf die vorhandenen Ausgaben eine Übersicht der Lehning Piccolo-Bilderhefte. Zu dieser Zeit lief die Piccolo Produktion auf vollen Touren, Akim, El Bravo, Jezab, Raka, Sigurd, Peterle, Der Rote Adler, Harry, zeugten von einer ersten Hochblüte dieser Formatgattung. Auf der Seite 34 wird zudem für die Serie Sheriff Teddy und dem neusten Piccolo Sonderband Der Rote Adler geworben. Lehning steigt nach der Übernahme groß ein und stellt seine Heftreihen vor.






Eigentlich ist das alles normal: ein Verlag übernimmt eine anderen, und präsentiert seine eigenen Produkte. Nun gibt es aber Gerüchte, dass hinter dem Regentenverlag von Anfang an Lehning stand. Eine in der Regel gut informierte Quelle* stellt diese Vermutung mit folgendem Hinweis vor: Die Abenteuer der Weltgeschichte sind von der Nummer 4 bis zur 20sten Ausgabe bei der Druckerei Scheiwe & Schüssler, Köln-Mühlheim hergestellt worden. In einem Gespräch der „Quelle“ mit Druckereimitarbeitern soll ihm der Lehning Verlag als Auftraggeber von Anfang an genannt worden sein. Okay, das wäre ein Indiz für seine weitere Theorie, dass Lehning vom „Schmuddelimage“ der damals – noch nicht so genannten – Comics mit einer Reihe, die historischen Themen zum Inhalt hatte, weg wollte. So ähnlich wie die Illustrierten Klassiker, nur ein anderes, ebenfalls „seriöses“, Genre halt. Zusätzlich hat bisher noch niemand etwas zu einem Regentenverlag weder in Farnkfurt noch sonst wo gefunden.

Diese Theorie könnte also durchaus passend sein, einige Fragen stellen sich mir aber trotzdem: Wenn Lehning von Anfang an dahinter steckte, wieso gab es dann bei der im Impressum geänderten Eigentümerangabe (Lehning statt Regenten) eine Pause von 11 Wochen, wenn der Hannoveraner Verleger so und so schon dahinter stand. Ein Hinweis auf eine tatsächliche Übernahme findet sich dagegen in einem Zeitungsausschnitt des Branchenmagazines „Der Neue Vertrieb“, die mir Stefan freundlicherweise zur Verfügung stellte:






Hier ist zu lesen, dass Lehning die Serie von den Frankfurtern übernommen hatte, und das ab dem 19. Juli die Nummer 7 in seinem Verlag erscheinen wird. Dieser Zeitraum stimmt auch mit den Angabe in der Illustrierten Deutschen Comic Geschichte überein. Weshalb sollte Walter Lehning in einem nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmten Fachblatt die Übernahme eines Konkurrenten veröffentlichen, wenn der Regentenverlag ihm so und so schon gehört.

Falls nun Lehning doch von Anfang an seine Finger beim Regentenverlag im Spiel hatte, könnte ich mir folgendes Szenario vorstellen: Hans-Jürgen Linden war der Verlage, vielleicht wohnte er sogar in der Frankfurter Adresse, die das Impressum und der Nachbestellservice angab (würde ich gerne mal recherchieren, jetzt wo sich mir diese Fragen stellen). Er schrieb schließlich die Storys, wie wir von Erich Dittmann wissen, nahm von den Zeichnern die fertigen Bilder/Seiten entgegen und entlohnte sie. Und zwar vom Honorar, dass er wiederrum von Lehning erhielt. Einen Anteil davon reichte er an die Künstler weiter. Die Originale wanderten nach Hannover, wo sie Druckfertig an Scheiwe & Schüssler weitergeleitet wurden.

Soweit meine Theorien und als letzter Puzzelstein fehlt jetzt nur noch die Begründung, warum Lehning die Serie direkt in sein Comic-Programm integrierte. Vielleicht der besseren, direkteren Werbung in seinen Heftserien wegen. Er erreichte damit immerhin einen sehr großen Interessentenkreis, seine Comics erschienen überall im deutschsprachigen Raum!?
Fortsetzung folgt …

*Die „Quelle“ möchte namentlich nicht genannt werden, obwohl die meisten ihn so und so kennen. Er agiert im anderen Forum unter einem Indianerpseudonym.

Geändert von Detlef Lorenz (15.01.2016 um 17:11 Uhr)
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Alt 15.01.2016, 17:05   #48  
Matthias
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Weshalb sollte Walter Lehning in einem nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmten Fachblatt die Übernahme eines Konkurrenten veröffentlichen.
Warum hätte er dies denn nicht tun sollen? Grade ein Branchenblatt ist doch für solche Mitteilungen geeignet.
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Alt 15.01.2016, 17:12   #49  
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Da hast du natürlich recht, ich habe das mal ergänzt und zwar so, wie ichs gemeint habe.
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Alt 24.01.2016, 18:59   #50  
Detlef Lorenz
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Nach wie vor funktioniert mein Mailpostfach nicht, soll aber in den kommenden Tagen wieder gehen. Deshalb folgt heute ein abbildungsloser Artikel, der sich aber mit dem selben Thema wie der vorherige Beschäftigt. Eine Abbildung erfolgt später.


Fortsetzung Abenteuer der Weltgeschichte Nummer 7


Was bisher geschah: In der vorherigen Ausgabe spekulierte ich zur - möglichen – Übernahme des Regentenverlags durch Walter Lehning. Bisher bin ich deshalb noch nicht auf den Inhalt des Heftes eingegangen. Dabei verspricht der Titel, „Gesprengte Ketten, Spartakus – Rebell gegen Rom“, einiges an Spannung. Weniger wohl wegen des Titelhelden, als wegen „Rebell gegen Rom“. Rebellionen, Aufstände gegen die antike Supermacht kommen besonders in Deutschland immer gut an, hat es doch ein sogenannter Hermann Anno 9 geschafft, die Römer dauerhaft aus Germanien zu vertreiben, mehr oder weniger. Diesem Herman ist ein eigenes Heft der vorliegenden Reihe gewidmet (Heft 36). Einem breiteren Publikum wurde Spartakus erst mit der im Dezember 1960 in Deutschland aufgeführten amerikanischen Filmproduktion gleichen Namens, mit Kirk Douglas in der Hauptrolle. Der Film schreibt seinen Namen allerdings in der lateinischen Form mit einem „c“ an Stelle des hier verwendetem „k“. Ich werde hier die Schreibweise des Comics beibehalten.


Spartakus war wahrscheinlich Thrakischer* Herkunft. Er wurde zwischen 80 und 75 v.d.Z. als Sklave nach Italien verbracht und dort in die Gladiatorenschule nach Capua geschickt. Es gelang ihm 73 zusammen mit dem Kelten Krixos und einer Anzahl weiterer Gladiatoren zu fliehen. Rasch schlossen sich ihnen weitere Sklaven an und am Vesuv wurde ein römisches Heer geschlagen. Zwei weitere Niederlagen der Römer folgten. Krixos fiel allerdings. Spartakus beabsichtigte seine Leute in ihre Heimatgebiete zurück zu führen, nach einem erneuten Sieg gegen ein römisches Heer blieben sie allerdings in Italien. Sie zogen jetzt bis in den italienischen Stiefel nach Thurii, wo sie versuchten mit Hilfe von kilikischen Seeräubern das Land zu verlassen. Dies gelang nicht und nun endlich, nach vielen Niederlagen, gelang es dem römischen Heerführer Crassus Spartakus´ Heer vernichtend zu schlagen. Spartakus fiel in der Schlacht.** Man schreibt ihm auch den Versuch von sozialen Reformen zu, aber das ist zwar ungewiss, wurde aber gerne in der Neuzeit aufgegriffen. Der Spartakusbund (deren Anhängern im Dezember 1918 die KPD gründeten) sei hier genannt und auch für die Kinder- und Jugendspartakiaden in der DDR und anderen Ostblockländern wurde der Name des Spartakus für Wettkämpfe, die dem Klassenkampf auf der sportlichen Ebene austrugen, verwendet.


So weit in Kurzform etwas zu Spartakus, der im Grunde nur nach Hause wollte. Hans-Jürgen Linden*** hat im Heft Nummer 7 einen Teil der historischen Ereignisse aufgegriffen und in freier, melodramatischer Interpretation niedergeschrieben. „Einen Teil“ deshalb, weil mitten in der Story die Geschichte endet: nach einem erneuten siegreichen Gefecht verkündet Spartakus einen Marsch auf Rom. Die nächste Seite zeigt dann überraschenderweise eine Vorschau auf das nächste Heft … ob das Skript bis zum Tode des Titelhelden weiterging, ist mir nicht bekannt. Vermuten dürfte man es allerdings.



Lothar Linkert hat das Manuskript in gewohnt mäßigen Zeichnungen ausgearbeitet. Vielleicht hat er sich für die einzelnen Szenen zu viel Platz genommen und urplötzlich waren die Seiten für den vorgesehenen Raum im Heft erreicht und er musste abbrechen. Eher könnte ich mir aber vorstellen, dass in der Redaktion (Hans-Jürgen Linden?) wegen der zweiseitigen Vorschau und der zusätzlichen Verlagswerbung gekürzt werden musste.
Zur Sklaverei, speziell im Altertum, ein paar Worte: Die Sklaverei fand im Rom der Antike statt und lange davor und selbst heutzutage noch in allen Weltgegenden. Die Germanen hielten sich Sklaven, die Indianer, die Chinesen, die Inder und selbst in Ländern, deren Menschen wohl am meisten leiden mussten, in Schwarzafrika, hielten sie es nicht anders. Auch die Ächtung durch die UN hat sie bis auf den heutigen Tag nie richtig beenden können. Im Römischen Reich besaßen die Sklaven nicht unbedingt einen menschlicheren Status als in anderen Kulturen: immerhin hatten sie aber die Möglichkeit der Freilassung – durch den Besitzer -, oder des Freikaufens mit selbst erwirtschaftetem Vermögen. Auch konnten Sklaven und Freigelassene durchaus hohe Stellungen in der Gesellschaft erreichen. Zur Kaiserzeit gab es zudem vermehrt Gesetze zur Besserbehandlung von Sklaven, wozu grade die Aufstände und ähnliche Empörungen beigetragen hatten. Philosophen, wie Seneca, erkannten das Missverhältnis von der von ihnen postulierten inneren Freiheit jedes Menschen, das sich im Standesunterschied zwischen Herren und Sklaven manifestierte. Das alles ist natürlich keine Entschuldigung oder Beschönigung, Sklaverei ist und bleibt ekelhaft!

*In etwa das Gebiet des heutigen Bulgariens.
**Womit natürlich der Haupttitel „Gesprengte Ketten“ nur sehr bedingt zutreffend ist. Vom bereits erwähnten Hermann könnte man dies eher behaupten, Spartakus dagegen erhielt die ersehnte Freiheit nie, er fand nur Kampf und Tod.
***Ich gehe mal weiter von der Storyerstellung Lindens aus, auch wenn das Impressum ab diesem Heft nichts mehr dazu aussagt.

Geändert von underduck (29.01.2016 um 12:41 Uhr) Grund: Bild nachträglich eingefügt
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