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Alt 02.08.2019, 18:09   #126  
Marvel Boy
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Nichts anderes habe ich von dir erwartet.
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Alt 03.08.2019, 09:58   #127  
Peter L. Opmann
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Bevor es weitergeht, will ich erstmal eine Zwischenbilanz von "Thor # 1 bis 33 ziehen.

Ehe ich meine „Spinne“-Hefte rauskrame, bietet es sich an, eine Zwischenbilanz der Serie zu ziehen. Was mich sehr überrascht hat, ist, wie wenig „Thor“ anfangs in Marvels Superhelden-Offensive paßt. Thor war zwar die Schlüsselfigur für die Serie „Avengers“ – Loki läßt den Hulk Amok laufen, und andere Superhelden kommen Thor zu Hilfe, um dieses Problem zu lösen, nachdem die Fantastischen Vier unabkömmlich sind -, aber in seiner eigenen Serie dauert es bis zum Auftritt der Kobra und anschließend von Mr. Hyde, bis die Serie einigermaßen im Superheldengenre angekommen ist. Vorher gehört „Thor“ in die Abteilung Mystery, das heißt, er muß gegen viele Magier, Monster und ähnliche skurrile Figuren antreten. Zwischendurch hat er es gelegentlich auch mal mit Gangstern zu tun.

Werfen wir einen Blick auf Thors Gestalt und Aussehen. Auffällige Merkmale sind sein langes blondes Haar (das war noch vor der Hippie-Zeit, und außer Thor fällt mir kein langhaariger Superheld dieser Zeit ein), sein geflügelter Helm (der eigentlich ein Merkur-Attribut ist und sich entsprechend in stilisierter Form bei DCs Flash findet), sein rotes Cape (Superman!) und sein Brustpanzer. Dieser gepunktete Panzer hebt Thors Dress auffällig heraus, wobei man sich fragt: Warum keine komplette Ritterrüstung? Seine Arme sind nackt, und untenherum trägt Thor eher ein konventionelles Superheldenkostüm (auch er trägt die Unterhose überm Beinkleid), allerdings nochmal akzentuiert durch seine weit hochgebundenen Stiefel mit Knieschutz. Das ist also ein Kostüm, das eigenwillig zusammengestellt ist, aber mehrere leicht wiedererkennbare Merkmale aufweist. Interessant auch: Anfangs ist Thor ziemlich schlank und trägt auch einen entsprechend langstieligen Hammer; später, wenn er zum echten Superhelden wird, wird sein Körper muskulöser und kompakter.

„Thor“ hat anfangs 13, später 16 (kurzzeitig 18) Seiten zur Verfügung. Das ist weniger Platz, als die anderen Superhelden haben. Als Marvel wegen seiner Vertriebsprobleme Double Features einführen muß, haben etliche Helden zwar nur noch zehn bis zwölf Seiten für ihre Abenteuer, aber „Thor“ nimmt doch eine Sonderstellung ein, weil er sich in keiner der bisher 33 Ausgaben mal auf 20 Seiten ausdehnen kann. „Journey into Mystery“ sollte wohl ein Magazin bleiben; selbst als das ganze Heft Thor gewidmet wurde, wurden die „Tales of Asgard“ eingeführt, damit das Heft nicht nur aus einer Story besteht.

Immer wieder kämpfen Lee und Kirby mit dem Problem der Unbesiegbarkeit Thors. Da bräuchte man gar nicht anzufangen, eine Story zu erzählen, denn Thor stände ja gleich zu Beginn als Sieger fest. Also wird ihm immer wieder mal von Odin ein Teil seiner Stärke genommen, oder Thor geht seines Hammers verlustig und wird nach einer Minute zu Don Blake. Manchmal ist das auch ein Ausweg für ihn, denn Fesseln, die Thor angelegt wurden, halten den schmächtigen Blake natürlich nicht. Aber die Logik muß immer wieder vergewaltigt werden, denn anfangs wurde ja festgelegt, daß sein Hammer stets zu Thor zurückkehrt.

Was sind wichtige Ausgaben der Frühzeit? Ich muß gestehen: Voll und ganz hat mir kaum ein Heft gefallen. Was ich nicht erwartet hatte. Manchmal sind die Episoden auffällig schematisch aufgebaut, zum Beispiel spielt sich Thors Kampf mit seinem Gegner immer auf den letzten vier Seiten ab. Und immer an derselben Stelle gibt es ein launiges kleines Gespräch zwischen Don Blake und Jane Foster. Wichtig ist, daß Loki als Thors Erzfeind früh eingeführt wird (# 3). Nicht so schlecht sind „Thor“ 11 und 12. Die Einführung der Kobra und von Mr. Hyde ist ein Entwicklungsschritt, ohne daß dabei aber gleich gute Storys herauskommen. Ungefähr ab „Thor“ # 19 kommt der Konflikt Thors mit seinem Vater Odin wegen seiner Liebe zu Jane Foster zum Tragen. Sein Verhältnis zu seiner Freundin weicht von dem anderer Marvel-Superhelden ab. Zwar hält auch er seine Doppelidentität vor Jane geheim, aber er ist früh bereit, sie zu lüften. Zudem bekommen seine Gegner früh spitz, daß eine Verbindung zwischen Thor und Don Blake besteht, und entführen mehrmals Jane, um Thor unter Druck zu setzen. Ihm wird aber nicht so richtig klar, daß er seine Geheimidentität besser hüten muß, um Jane vor solchen Gefahren zu bewahren. Man muß sagen: Thor ist letztlich ein Superheld ohne richtige menschliche Identität und paßt daher ins Marvel-Konzept gar nicht richtig hinein.

Hervorzuheben wäre „Thor“ # 21. Die Zauberin und der Henker sind interessante Figuren, die allerdings dem Umfeld von Loki zuzuordnen sind, und Thor beginnt hier, altertümlich zu sprechen. „Thor“ # 27 ist die erste Ausgabe, in der ein aus der Marvel-Welt bekannter Superschurke auftritt (Magneto). Vorher hatten nur die Rächer gelegentlich Cameo-Auftritte. Thors Duell mit dem Hulk in # 30 fällt aus dem Rahmen, weil hier die Story von „Rächer“ # 3 weitererzählt werden soll. Richtig gelungen ist die Episode aber nicht. Spannend wird es eigentlich erst in „Thor“ # 32 und 33, wo Thor es erstmals mit einem Gegner zu tun bekommt, der genauso stark ist wie er – dem Absorber. Gleichzeitig wird deutlich, daß das auch auf Loki zutrifft, mit dem Thor gleich ebenfalls seine Kräfte messen muß. Mit der Serie scheint es also endlich bergauf zu gehen. Außerdem beginnt hier eine längere Hintergrundgeschichte, in der Loki immer wieder Odin dazu bringt, Thor zu bestrafen und zu schwächen. Dabei verstrickt sich Thor in immer neue, wachsende Schwierigkeiten. Das ist es, was mich ursprünglich zum Wiederlesen der Serie animiert hat. Aber ob das nun endlich überzeugend rüberkommt? Wird sich erweisen.

Nachtrag: Bemerkenswert ist, daß Jack Kirby an dieser Serie ziemlich kontinuierlich arbeitet. Kurzzeitig wird er zwar von Joe Sinnott und Don Heck vertreten, aber alles in allem ist das mit seinem Run bei den "Fantastischen Vier" zu vergleichen.
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Alt 04.08.2019, 20:44   #128  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 68 und 69
(= Der mächtige Thor 34)

Erscheinungstermin: 10/1976

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 116

Story-Titel:
1) Zweikampf der Götter!

Original-Storytitel:
1) The Trial of the Gods!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Der Charakter der Serie hat sich nun völlig geändert. Durch den Wettkampf von Thor und Loki, der wie ein Gottesurteil einen Gerichtsspruch ersetzen soll, wird hier nicht eine in sich geschlossene Episode erzählt, sondern es werden die Voraussetzungen für Verwicklungen geschaffen, die noch viele Ausgaben später eine Rolle spielen werden. Offenbar war aber Stan Lee hier selbst noch nicht klar, daß er in eine lange Fortsetzungsgeschichte einstieg, denn darauf fehlt jeder Hinweis.

Odin bestimmt, daß Thor und Loki ohne Waffen nach Skornheim (ein Name, der in der germanischen Mythologie so offenbar nicht auftaucht) gebracht werden. Diese äußerst feindliche Umwelt kann laut Odin (beziehungsweise laut Marvel) auch einem Gott den Tod bringen. Wer von dort als erster nach Asgard zurückkehrt, hat das Gottesurteil für sich entschieden. Ob dieser Ort nun mythologisch korrekt ist oder nicht, dieser Kampf ist recht geschickt angelegt, denn Thor und Loki werden nicht so sehr gegeneinander kämpfen (was wir schon öfter gesehen haben), sondern gegen die vielen Gefahren von Skornheim, und Loki bekommt so erneut Gelegenheit, zu Tricks zu greifen.

Er hat nämlich, verborgen unter seiner Kleidung, Nornensteine mitgenommen (und damit das Verbot, Waffen mit sich zu führen, in gewissem Sinn mißachtet). Mit den Steinen zeigt er Thor zunächst, daß er die Zauberin und den Henker losgeschickt hat, Jane zu enführen, was freilich keine allzu originelle Taktik ist. Aber so bringt er Thor aus der Fassung, was dazu beiträgt, daß Thor in Treibsand versinkt. Er kann sich befreien, doch Loki hat einen Vorsprung gewonnen. Die Nornensteine helfen dem Gott des Bösen auch, eine Dornenwucherung zu durchqueren; mit ihnen kann er sich nämlich entmaterialisieren. Thor hingegen schützt sich mit seinem Umhang und bahnt sich mit schierer Kraft einen Weg durch das Gestrüpp.

Thor hat Loki eingeholt, aber er bekommt kaum Gelegenheit, ihn niederzuringen, denn ein riesiges Gladiatorenwesen namens Yagg tritt den beiden Göttern gegenüber, bereit, sie zu vernichten. Thors Freund Balder wendet sich inzwischen an Odin, der gerade ein Bad nimmt und eigentlich nicht gestört werden will. Er weist den Göttervater darauf hin, daß Loki falsch spielt, indem er Jane Foster bedroht. Odin hält bekanntlich wenig von der Frau, erlaubt Balder jedoch, sie vor der Zauberin und dem Henker zu beschützen. Diese Szene bauen Lee und Kirby munter aus. Zunächst wollen New Yorker Passanten die Zauberin und den Henker davon abhalten, sich an Jane Foster zu vergreifen. Dann wird auch ein Mitglied von Rick Jones‘ Teenagerbrigade auf die Gefahr aufmerksam und versucht, die Rächer, den Dämon und die Fantastischen Vier zu alarmieren – allerdings vergeblich; alle sind gerade beschäftigt. Immerhin: Hier wird das Marvel-Universum effektvoll aufgefächert. Dann aber taucht Balder auf. Indessen hat Thor Yagg besiegt. Loki ist ihm wieder enteilt, durchquert eine todbringende Wüste und sieht sich mit gefährlichen fleischfressenden Pflanzen konfrontiert. Seine Nornensteine schützen ihn jedoch. Thor folgt ihm und kommt wieder bis auf Sichtweite an ihn heran. Als Loki über einen mit Feuer gefüllten Abgrund springt, klammert sich Thor an ihm fest. Er ist aber geschwächt; so kann Loki ihn endgültig wegstoßen und die Barriere zu Asgard als erster durchqueren. Thor muß erkennen, daß Loki den Wettkampf gewonnen hat. Aber dies ist natürlich noch nicht das Ende.

Es gibt wieder ein paar seltsame Ungereimtheiten in dieser Story. Ein Gottesurteil haben einst Menschen benutzt, wenn eine Entscheidung für sie schwer zu treffen war. Warum aber sollten Götter zu einem Gottesurteil greifen? Daß niemand überprüft, ob Loki wirklich unbewaffnet ist, läßt die Asen ziemlich blöd dastehen. Und daß Odin nicht bemerkt, daß Loki Thor durch das Kidnapping von Jane Foster unter Druck setzt, stellt seiner Allwissenheit auch kein besonders gutes Zeugnis aus. Schließlich: Warum bricht Odin den Kampf nicht ab, nachdem Lokis Falschspiel aufgedeckt worden ist? All diese Fehler begünstigen aber eine ziemlich spannende Story. Ein klarer Minuspunkt ist für mich allerdings das Artwork des neuen Inkers Vince Colletta. Obwohl er ja schon einige Ausgaben lang die „Tales of Asgard“ geinkt hat, hat er immer wieder Mühe, die Figuren wiedererkennbar herauszuarbeiten. Er ist auch offenbar nicht in der Lage, Jack Kirbys Bleistiftzeichnungen hier und da noch zu verbessern, sondern sie werden allenfalls schlechter. Die Ausgabe punktet also für mich nicht als solche, sondern nur, weil sie den Auftakt zu einer, wie ich erwarte, gelungenen Saga bildet.

Anmerkung: "Die Spinne" habe ich ja schon komplett gelesen, deshalb verzichte ich auf die gesamten Angaben zu "Spinne" # 68 und 69. Siehe dort. Ich tue außerdem so, als ginge die Reihe "Thor" hier mit # 34 (und den folgenden) weiter.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2019, 01:19   #129  
jakubkurtzberg
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Die Idee, die Innen-Cover abzubilden, finde ich grandios!
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Alt 05.08.2019, 07:39   #130  
Peter L. Opmann
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Zum Cover wäre noch anzumerken, daß es von Williams bearbeitet worden ist. Auf der rechten Seite wurde einiges dazugezeichnet - warum, erschließt sich mir nicht. Den Tordurchgang und den Wächter mit der Hellebarde gibt es auf dem US-Cover nicht. Die Anstückelung ist wohl auch schuld daran, daß der Titelschriftzug "Thor" ziemlich weit nach oben rückt.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2019, 09:56   #131  
jakubkurtzberg
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Englische Vorlage:
https://www.comics.org/issue/368807/#602601

UK, FANTASTIC No. 45, IPC/Odhams Press





Geändert von underduck (05.08.2019 um 11:53 Uhr) Grund: Bilder verkleinert
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Alt 05.08.2019, 10:19   #132  
jakubkurtzberg
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Ich frage mich, ob es im Original nicht auch ein Alternativ-Cover gab, das für die tatsächliche US-Produktion überarbeitet oder angepasst wurde. Wäre bei Marvel nicht das erste Mal. Im Vergleich weichen zwischen UK (1967) und der Williams-Version nur die letzten ca. 10 mm ab. Der Ritter mit dem Schild ist etwas anders, aber die Mauersteinchen sind weitgehend identisch.
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Alt 05.08.2019, 17:34   #133  
Horatio
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Bemerkenswert ist, dass die Silhouette der Hellebarde auch auf dem US-Cover zu sehen ist, obwohl es nicht die Figur mit Schild sein kann, die sie hält (deren rechter Arm hängt herab).
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Alt 06.08.2019, 08:20   #134  
jakubkurtzberg
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Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Durchgang nachträglich entfernt wurde.
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Alt 06.08.2019, 08:36   #135  
Marvel Boy
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Schöne Gegenüberstellung der Cover.
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Alt 06.08.2019, 20:43   #136  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 70 und 71
(= Der mächtige Thor 35)

Erscheinungstermin: 11/1976

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 117

Story-Titel:
1) Schlachtgetümmel - kampfestoll

Original-Storytitel:
1) Into the Blaze of Battle!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Das war die Ausgabe, mit der ich wieder bei Williams eingestiegen bin. Ich war damals zwölf (jedenfalls, als der Phasenvertrieb in meiner Heimatstadt angekommen war) und hatte nun genug Taschengeld, um mir alle Ausgaben von „Spinne“, „Rächer“ und „FV“ (etwas später auch „Horror“ von DC) zu kaufen. Ich war schon überrascht, was sich seit den Williams-Anfangstagen alles verändert hatte – abgesehen davon, daß es einige Titel einfach nicht mehr gab. Dazu zählte auch, daß „Thor“ jetzt Zweitserie der „Spinne“ war. Und die Serie selbst hatte sich ebenfalls sehr verändert. Die für mich typische „Thor“-Ausgabe war bis dahin, sagen wir: die # 12. Was Thor im Vietnamkrieg verloren hatte, war mir völlig unklar. Und ich erfuhr auch vorerst nur, daß Thor hinter irgendwelchen Nornensteinen her war – ich wußte nur vage, was es mit ihnen auf sich hatte.

Okay, das Gottesurteil ist da. Thor kehrt erst nach Loki nach Asgard zurück, beschuldigt ihn aber sofort, regelwidrig gekämpft zu haben. Loki hat praktischerweise vorher die Steine „weggezaubert“. Im Würgegriff Thors gesteht er ihm lediglich, daß sie sich auf der Erde befinden. Ansonsten leugnet er. Odin, der „Allwissende“, weiß nun nicht, wie er in dem Streit entscheiden soll. Weil Thor aber viele Verdienste hat, erlaubt er ihm, die Steine binnen 24 Stunden als Beweis herbeizuschaffen („falls sie existieren“). Thor kehrt zur Erde zurück und trifft dort die Zauberin und den Henker an, die sich mit Balder und der Geisel Jane Foster herumplagen. Schnell lassen sie von dem Mädchen ab. Balder löscht Janes Gedächtnis, und Thor versucht, mit seinem Uru-Hammer die Nornensteine zu orten. Das führt ihn nach Vietnam, genau zu einem Stützpunkt der Vietkong, die ihn sofort unter Beschuß nehmen. Von einer Granate getroffen, wird Thor bewußtlos (daß er so leicht auszuschalten ist, läßt aufhorchen). Bei einer von den Kommunisten verfolgten Familie wacht er wieder auf. Sie hat ihn todesmutig in ihrer Hütte versteckt. Er will seine Suche sofort fortsetzen, sieht aber auch, daß er den armen Leuten helfen müßte.

Durch den dichten Dschungel kann Thor besser in Gestalt Don Blakes streifen. Er wird dabei aber ständig von Loki beobachtet, der ihm einen Trupp Vietkong sendet, der ihn festnimmt. Blake wird zum Kommandeur gebracht und verhört. Er soll vor allem sagen, wo sich Thor aufhält. Blake schweigt. Als nächste bringen die Soldaten die Familie herein, die Thor beherbergt hat. Es stellt sich heraus, daß der Kommandeur zu dieser Familie gehört, aber sie verlassen hat, nachdem er vom Kommunismus verblendet wurde. Blake nutzt die Ablenkung, um zu fliehen. Er läßt sich so auf seinen Stock fallen, daß er wieder zu Thor wird. Den Beutel mit den Nornensteinen entdeckt er auf einem großen Haufen von Artilleriegeschossen. Thor erkennt, daß dahinter Lokis Plan steht, denn wenn das Waffenlager explodieren würde, wäre es selbst um Thor geschehen (hört, hört). Es gelingt ihm, den Beutel zu nehmen, ohne daß es zur Explosion kommt. Derweil kommt es zur letzten Konfrontation des kommunistischen Kommandeurs und seiner Familie. Im Affekt erschießt er seine Mutter und seinen Bruder. Endlich sieht er seine Verirrung ein. Thor will die überlebende Schwester in Sicherheit bringen und dann zurückkehren, um den Kommandeur zu bestrafen. Aber der kommt ihm zuvor, bringt das Waffenlager zur Detonation und richtet so sich selbst.

Kein Wunder, daß mich diese Story vor 40 Jahren irritiert hat, denn sie hat nicht die gewohnte abgeschlossene Struktur. Thor hat nun die Nornensteine, aber es muß sich erst herausstellen, wozu sie ihm dienen (auch wenn das in den Zusammenfassungen in Grundzügen erklärt wird). Mir fällt auch heute eine Beurteilung der Episode schwer. Zunächst sind da wieder die Ungereimtheiten, vor allem die haarsträubende Unwissenheit Odins, dann auch die Gefahr, die Thor (einem Unsterblichen) von einem Stapel Geschosse droht. Man sieht aber auch: Je schwächer und unvollkommener die Akteure sind, desto dramatischer können die Verwicklungen sein, in die sie geraten. Es bleibt auch noch vieles offen: Wie wird nun Odin entscheiden? Hat Loki noch ein paar Ränke in Reserve (es scheint so)? Im Übrigen: Hat Loki wirklich gedacht, daß er die Steine im Chaos des Vietnamkriegs verbergen könnte? Zeittypisch ergibt sich die Botschaft, daß die Amerikaner in diesem Chaos endlich mal richtig aufräumen müssen; der Krieg ist also aus US-Sicht absolut gerechtfertigt. Thor ist dabei der idealtypische gute Amerikaner. Das war die Perspektive im Jahr 1965 – zwei bis drei Jahre später sah alles völlig anders aus. Was die Grafik betrifft, macht Vince Colletta seine Sache schon wesentlich besser als im vorherigen Thor-Heft. Ich würde aber Chic Stone als Inker nach wie vor vorziehen.


Geändert von underduck (06.08.2019 um 22:03 Uhr) Grund: Cover eingefügt
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Alt 07.08.2019, 22:29   #137  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 72 und 73
(= Der mächtige Thor 36)

Erscheinungstermin: 11/12/1976

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 118

Story-Titel:
1) Den Donnergott zu töten!

Original-Storytitel:
1) To kill a Thunder God!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Die Geschichte des Duells von Thor und Loki verwickelt sich unaufhaltsam weiter. Was ich zur letzten Ausgabe gesagt habe, gilt uneingeschränkt auch hier: Mit Logik hat das wenig zu tun (vorausgesetzt, man nimmt diesen germanischen Götterhimmel überhaupt ernst), aber spannend ist die Story ungemein. Loki will von Asgard aus zunächst verhindern, daß Thor mit den Nornensteinen zurückkehrt, die sein falsches Spiel beim Gottesurteil in „Thor“ # 34 beweisen. Nachdem er aber einen Weg gefunden hat, Thor auf der Erde festzuhalten und zu töten (durch ein ominöses Wesen namens „Vernichter“), wird ihm klar, daß ein toter Thor ihn selbst in große Gefahr bringen würde: Sollte Odin merken, daß er an diesem Tod schuld ist, wäre sein eigenes Leben in höchster Gefahr. Also versucht Loki, die Falle, die er gestellt hat, wieder zu deaktivieren. Odin müßte eingreifen, aber der liegt gerade im „Schlaf des Lebens“ und darf unter keinen Umständen aufgeweckt werden. Nun also geht es darum: Wie kann Thors Leben gerettet werden und Loki seinen Kopf aus der Schlinge ziehen? Das Epos ist noch längst nicht zuende.

Zu Beginn liefert Thor das von ihm gerettete vietnamesische Mädchen bei einer US-Einheit ab. Dann will er mit den Nornensteinen weiter nach Asgard. Loki muß das unter allen Umständen verhindern und benutzt einen bösen Jäger, um Thor aufzuhalten. Moment mal: Ein Jäger mitten im Vietnamkrieg? Und der bringt Thor mit einer Betäubungswaffe zur Strecke. Im Ernst? Der bewußtlose Donnergott wird ins Lager des Jägers gebracht. Loki lenkt seine Aufmerksamkeit derweil auf einen verborgenen Tempel. Er wurde – Zufall aber auch – vor Urzeiten von Odin geschaffen. In ihm wartet der Vernichter, eine Art Roboter, auf seine Aktivierung. Loki führt den Abenteurer durch Zauberei in den Tempel. Das Ganze ist so eingerichtet, daß der Geist eines jeden, der dem Vernichter gegenübertritt, diese Maschine mit Leben erfüllt. Der Vernichter soll eigentlich die Erde vor irgendwelchen Gefahren beschützen – vielleicht Ragnarök? Aber jeder Beliebige kann ihn zum Leben erwecken. Wie der Vernichter in Aktion tritt, wirkt somit wenig durchdacht. Doch jedenfalls: Da dieser Roboter von Odin konstruiert wurde, ist er mindestens ebenso mächtig wie Thor, kann auch dessen Hammer heben und zwingt den blonden Hünen tatsächlich in kurzer Zeit in die Knie (so wie vorher auch der Absorber).

Das kann Loki aber überhaupt nicht recht sein. Der Vernichter kann Thor töten, und in diesem Fall würde der Verdacht früher oder später auf ihn, Loki, fallen. Er will nun Odin dazu bringen, den Vernichter zu stoppen (obwohl das ebenso ein Schuldeingeständnis Lokis wäre). Wichtig ist: Offenbar hat nur Odin die Macht, dem Vernichter Einhalt zu gebieten. Aber nun schläft er, um so seine Unsterblichkeit zu wahren (auch ein seltsames Handicap für einen Gott). Loki wird nicht vorgelassen und stattdessen in eine Gefängniszelle gesteckt. Das Verhängnis scheint seinen Lauf zu nehmen. Zuerst beschädigt der Vernichter Thors Hammer. Der behilft sich mühsam mit den Nornensteinen, die er bei sich hat. Dann verflüssigt der Vernichter den Boden, auf dem Thor steht. Der sinkt ein. Sogleich verwandelt der Vernichter den Boden in Diamant. Thor ist gefangen. Und nun schleudert der Roboter einen „Blitz elementarer Vernichtungsmacht“ auf ihn. Cliffhanger.

Obwohl das alles blühender Unsinn ist, habe ich es erneut gern gelesen. Ich erinnere mich, daß mich als Jugendlicher vor allem der Schlaf Odins fasziniert hat, und mir kam kein Mittel in den Sinn, mit dem er aufgeweckt werden könnte, denn an diesem Schlaf hängt ja sein ewiges Leben. Zudem sitzt Loki nun in einer ausbruchsicheren Zelle – ohne eine Chance, an Odin heranzukommen. Loki steht in dieser Episode ziemlich im Mittelpunkt, und Jack Kirby hat ihn mit aussagekräftigen Gesichtsausdrücken ausgestattet. Inker Vince Colletta hat nach zwei Ausgaben bereits ausreichend Routine gewonnen, um Kirbys Zeichnungen zufriedenstellend zu bearbeiten. Mir gefällt aber sein Stil mit den vielen feinen Linien grundsätzlich nicht. Das wird dem expressiven Zeichenstil Kirbys in meinen Augen nicht gerecht.


Geändert von Peter L. Opmann (08.08.2019 um 16:09 Uhr)
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.08.2019, 06:01   #138  
jakubkurtzberg
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Mittlerweile kann ich mir gut vorstellen, warum Colletta (der als Schnell-Inker galt), dünne Tuschefedern genommen hat: weniger Trocknungszeit!
jakubkurtzberg ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.08.2019, 16:09   #139  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 74 und 75
(= Der mächtige Thor 37)

Erscheinungstermin: 12/1976/1/1977

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 119

Story-Titel:
1) Der Tag des Vernichters!

Original-Storytitel:
1) The Day of the Destroyer!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Es ist nun deutlich zu sehen, daß das Konzept der Serie ab „Thor“ # 32 (oder „Journey into Mystery“ # 114) völlig verändert wurde. Zum einen bekommt es Thor jetzt immer mit Gegnern zu tun, die ebenso stark – oder stärker – sind wie er. Zum anderen wird er in „Thor“ # 33 von Loki bei Odin verklagt, worauf sich eine Reihe von Auseinandersetzungen zwischen den beiden göttlichen Brüdern ergibt, worüber Göttervater Odin nur mühsam ein Urteil fällen kann und die in der aktuellen Ausgabe immer noch anhalten. So ergibt sich eine Quasi-Endlos-Fortsetzung. Die Liebe Thors zu Jane Foster war dabei der Auslöser, aber Jane spielt in den jüngsten Ausgaben nur eine geringe oder gar keine Rolle. Ich denke zwar, daß dieser Zyklus irgendwann auch mal enden wird. Zugleich ist es aber schwer vorstellbar, daß die Serie irgendwann mal zu abgeschlossenen Einzelepisoden zurückkehrt; die Geschehnisse seit „Thor“ # 32 werden sicher immer eine gewisse Rolle spielen.

Gerade als Thor von dem Elementarblitz des Vernichters getroffen zu werden droht, entmaterialisiert er sich. Für solche Fälle hat der Vernichter zwar einen Spezial-Blitzstrahl, aber Thor verdünnisiert sich durch die Wand und dann durch den Boden. Dort nimmt er seine ursprüngliche Gestalt wieder an. Er ahnt: Dahinter steckt Loki. Tatsächlich blicken wir nun wieder in Lokis Zelle in Asgard. Dort liegt er bewußtlos auf dem Boden; sein Zauberspruch hat ihn zu viel Kraft gekostet. Loki kommt wieder zu sich, und ihm ist klar: Thor ist noch nicht gerettet. Nach wie vor muß der Vernichter gestoppt werden. Dafür wendet sich Loki mental an die Nornenkönigin und fleht sie an, Odin aus seinem Schlaf des Lebens aufzuwecken. Da die beiden schon öfter zusammengearbeitet haben, tut die Zauberin ihm den Gefallen. Thor hat inzwischen selbst die Initiative ergriffen: Er packt den Jäger, dessen Geist den Vernichter zum Leben erweckt hat. Der ist nur noch eine leere Körperhülle, aber Thor hält diesen Körper als Schutzschild vor sich: Kann der Vernichter zusammen mit Thor denjenigen auslöschen, der er selbst einmal war?

Odin springt derweil aus dem Bett und betrachtet eine Art Monitor, der ihm sofort zeigt, in welcher Lage sich Thor gerade befindet. Doch Thor hat den Poker soeben gewonnen: Der Vernichter wagt nicht, auch den Jäger dahinzuraffen. Er wählt eine andere Taktik. Sein Geist kehrt in den Körper des Jägers zurück. Der reißt sich von Thor los in der Gewißheit, daß Thor ihm kein Leid zufügen wird. Dann will er wieder den Vernichter mit Leben erfüllen, aber er erreicht ihn nicht mehr rechtzeitig. Der Odin’sche Tempel, in dem sich der Vernichter befand, wird durch einen Hammerschlag Thors erschüttert und stürzt ein. Thor packt den Jäger, um ihn in Sicherheit zu bringen. Der Vernichter wird von Tonnen von Gestein begraben. Odin hat alles verfolgt und läßt Loki herbeischaffen. Dem Göttervater ist klar, daß hinter der Aktivierung des Vernichters nur eine List Lokis stecken kann. Er bestraft ihn, indem er ihn zu seinem Magier Ularic schickt, dem er fürderhin dienen soll. Thor schickt den Jäger weg und will sich nun auf den Weg nach Asgard machen, um die Nornensteine abzuliefern. Sein beschädigter Hammer bringt ihn aber nicht mehr in die Luft. Er beschließt, mit den Nornensteinen nach New York zu reisen, um dort den Hammer zu flicken. Wir erhaschen noch einen kurzen Blick auf Loki in der Werkstatt Ularics, der hier wie ein Demiurg erscheint. Loki meint nun, den perfekten Plan ersonnen zu haben, um Thor und Odin aus dem Weg zu räumen.

Sehr schade, daß die eigenständige Serie „Thor“ beinahe in dem Moment endete, als sie wirklich besser wurde. Vielleicht hätte die Konzeptänderung auch noch ein paar zusätzliche Leser gebracht, denn man muß ja nun jedes Heft lesen, um die Entwicklungen mitzubekommen. Aber so wurden „Spinne“ und „Thor“ ein ziemlich attraktives Gespann. Man muß nur „Thor“ stets eher intuitiv lesen. Daß Odin mal von nichts weiß und mal per Monitor alles mitbekommt, daß Loki mal entschlossen ist, Thor zu töten, und dann wieder davor zurückschreckt, weil nur er als Verantwortlicher in Frage kommt, und daß Thor mal in den Vietnamkrieg hineinspringt und mal in einer Urwaldkulisse steht, die eher nach (Marvel-)Afrika passen würde, das muß man schlucken und sich am besten nicht zu viele Gedanken darüber machen. Zur zeichnerischen Seite der Serie habe ich momentan alles gesagt.


Geändert von underduck (08.08.2019 um 17:34 Uhr)
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Alt 08.08.2019, 18:14   #140  
Peter L. Opmann
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Danke wieder mal fürs Einfügen des Bildes.

Was ich vergessen habe zu erwähnen: Die Idee des Vernichters ähnelt meiner Ansicht nach etwas dem Golem, einem Fabelwesen aus dem Talmud. Es handelt sich um eine Lehmfigur, die zum Leben erweckt wird, indem ihr ein Zettel mit dem Namen Gottes darauf unter die Zunge geschoben wird. Dann erwacht der Golem und ist ein sehr mächtiges Wesen. Häufig gerät er außer Kontrolle.

Sowohl Stan Lee als auch Jack Kirby dürften mit der Golem-Sage gut vertraut gewesen sein.
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Alt 09.08.2019, 07:56   #141  
Peter L. Opmann
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Kommentar:

Zitat:
Ich bin immer etwas erstaunt, wie rudimentär die Sagenelemente eingebracht sind ("Skornheim"- guter Witz). Bei Thor funktionierte für mich die Teilung in Fortsetzungen für diese Geschichten nicht so gut. Ich erinnere mich an die träge lange Rigel-Story und ähnliche Katastrophen. Dass Loki inkonsequenter als Isnogud ist, ist allerdings auch mythologisch zu erklären: Das Gut/Böse-Raster bei den Göttern ist unscharf. Einen wirklichen Teufel kennt die Edda nicht, nur gefährliche und zerstörerische Kräfte wie Feuerriesen, Eisriesen usw. Loki wird daher auch immer wieder in den Kreis der Götter aufgenommen, wohnt unter ihnen, obwohl er üble Pläne schmiedet, Monster erschafft (bzw, gebiert, das hat man bei Marvel nie thematisiert) usw. An anderen Stellen geht er mit Thor auf Riesenjagd oder in andere Abenteuer...
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Alt 10.08.2019, 08:41   #142  
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Weiterer Kommentar:

Zitat:
Bei Thor hast du absolut recht: Vince Colletta hat´s verdorben. Die Sachen wirken nicht so wuchtig wie andere Kirby-Inks und die Babygesichter passen weder zu Thor noch etwas später in die Superman-Stories, dier er für mich genauso verdorben hat...
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Alt 10.08.2019, 18:36   #143  
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Mein Freund ist im Moment sehr kommentierfreudig:

Zitat:
Du erwähntest Thors Flügelhelm - der ist natürlich auch Unsinn. Soweit ich weiß, trugen nur die Gallier Flügelhelme. Die Wikingerhörner sind ja auch ein Mythos. Eine Rüstung, wie Odin sie manchmal trägt, ist zeitlich aber auch zu fortschrittlich. Meist werden die Götter eher im Fell abgebildet. Alles zu übernehmen, also den Ziegenwagen und Thors Ehe mit Sif etc., wäre aber sicher auch nicht ratsam gewesen...

Im Übrigen hatte sich vor Lee schon ein anderer US-Trivialautor bei den Nordmännern bedient: Robert E. Howard. Da gibt es ein "Aesgard" und ein "Vanaheim". Da ist ganz munter geklaut worden.

In Alan Moores Thor-Hommage "Horus" wird auf der Leserbriefseite erwähnt, wie moralisch tricky die ägyptische Mythologie ist (Geschwisterehe und ähnliches). Ich sehe das als Anspielung auf die Probleme der Vermarktung fast jeder alten Mythologie. Bei den alten Griechen hätte man da auch seine Probleme: der Chronos, der seine Kinder frisst, Zeus´ Ehe mit Hera usw...

Die Herkules-Geschichte mag ok sein, ich habe sie aber nur als unsägliche Stückelung mehrerer Episoden in der Williams-"Spinne" gelesen. Dann kam noch Pluto dazu, der auf Filmboss machte. War etwas ermüdend...
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Alt 10.08.2019, 21:38   #144  
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Die Spinne (Williams) 76 und 77
(= Der mächtige Thor 38)

Erscheinungstermin: 1/2/1977

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 120

Story-Titel:
1) Mit dem Hammer in der Hand!

Original-Storytitel:
1) With my Hammer in Hand…!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Dies ist eine Übergangsausgabe. Hier werden einige Handlungselemente zu einem Ende geführt und neue Fäden gesponnen. Thor repariert seinen Hammer, bringt die Nornensteine nach Asgard, wobei er noch auf der Erde einen von ihnen verliert (die Konsequenzen bleiben noch im Dunkeln); Odin revidiert das Ergebnis des Gottesurteils, während Loki seinem Aufpasser, dem Magier Ularic, entflieht; Thor findet auf der Erde die Praxis seines anderen Ichs Don Blake verlassen vor (was das bedeutet, werden wir ebenfalls erst später erfahren); Loki aktiviert den Absorber, mit dessen Hilfe er nun Thor endgültig vernichten will. Erst beim nächsten Mal wird es also mit Thors Duell mit dem Absorber richtig weitergehen.

Es ist eine Episode, die ihre Wirkung aus kleinen Details bezieht. Thor sucht ein Stahlwerk in Pittsburgh auf, um seinen beschädigten Hammer zu richten. Kirby arbeitet hier mit einer Fotomontage. Später, bei Odin, legt Thor ein gutes Wort für Loki ein: er könne nicht anders, als böse zu sein. Dennoch soll Loki bei Ularic bleiben, er setzt den Magier jedoch mit einem Betäubungsgas außer Gefecht, das er heimlich zusammengebraut hat. Wir sehen aber nun nicht gleich, daß Loki seinen nächsten heimtückischen Plan in die Tat umsetzt, sondern verfolgen Thor, der, zurück auf der Erde, darüber rätselt, warum seine Praxis verschlossen und seine Sprechstundenhilfe Jane Foster verschwunden ist. Zu allem Überfluß taucht sein Vermieter auf und fordert die rückständige letzte Monatsmiete – ein Stück Marvel-Realismus.

Thor will die Rächer um Hilfe bitten, stellt aber fest, daß seine Kumpels Eiserner, Gigant und Wespe gar nicht mehr dabei sind. Den Neuen, Falkenauge, Quecksilber und Scharlachhexe, traut er nicht so recht und läßt nur Grüße an Captain America ausrichten. Parallel zu dieser „Thor“-Ausgabe erschien Williams-„Rächer“ # 20. Kurz bekommen wir eine erblondete Jane Foster zu sehen, die in einem Zimmer irgendwo in New York offenbar festgehalten wird. Ein unbekannter Mann legt ihr die Hand auf die Schulter und fordert sie auf, Don Blake zu vergessen. Durch einen Zauber bringt Loki inzwischen den Absorber, der als Heliumwolke durchs Weltall wabert (siehe "Thor" # 33), auf die Erde zurück. Thor überlegt gerade, ob er durch einen Fernsehauftritt Jane auf sich aufmerksam machen oder ihren Aufenthaltsort herausfinden könnte. Da fällt eine gelbe Kugel vom Himmel – Thor direkt vor die Füße. Heraus kommt der Absorber und greift Thor sofort an – Cliffhanger.

Obwohl diese Ausgabe, wie gesehen, kein richtiges Thema hat, ist sie spannend. Stan Lee hätte hier die Auseinandersetzung zwischen Thor und Loki vorläufig beenden können, aber Loki ist inzwischen als Figur aufgebaut, die unablässig daran arbeitet, Thor zu Fall zu bringen und den Thron von Asgard zu besteigen. Eigentümlich ist nur, daß all die Skrupel, die ihn beim Vernichter befallen haben (daß nämlich beim Tod Thors der Verdacht auf ihn fallen und er ebenso mit dem Tod bestraft werden könnte) hier keine Rolle zu spielen scheinen. Nun vertraut er offenbar darauf, daß niemand darauf kommen wird, daß er für die Rückkehr des Absorbers verantwortlich ist. Vielleicht hat Thor auch deshalb Odin erklärt, daß Loki einfach böse sein muß. Na, mal sehen, wie die Sache weitergeht. Zugunsten von Inker Vince Colletta wäre zu sagen, daß er weiter besser wird. Trotzdem kommt er an gute Kirby-Inker wie Chic Stone oder Joe Sinnott nicht heran.


Geändert von Peter L. Opmann (11.08.2019 um 07:34 Uhr)
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Alt 11.08.2019, 21:02   #145  
jakubkurtzberg
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Thor von Kirby/Sinnott wäre sicherlich der ober-HAMMER gewesen. Mit Vince kann und muss man (bzw. ich) leben. Aber er hat die Optik geprägt. Es sieht auch oft nicht so schlecht aus, außer wenn man Kirbys Pencils im direkten Vergleich sieht.
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Alt 11.08.2019, 22:52   #146  
Peter L. Opmann
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Als Junge haben mich die Inks von Colletta auch überhaupt nicht gestört. Man muß mit der Marvel-Optik gut vertraut sein und oft auch gut hinsehen, damit man zu einem nicht so positiven Urteil über ihn kommt.
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Alt 11.08.2019, 23:30   #147  
Horatio
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In der engl. Wikipedia heißt es, die Kirby/Colletta-Phase sei ein grafischer Höhepunkt der Thor-Serie. Und dass die Qualität von Collettas Tuscherei von der zur Verfügung stehenden Zeit abhing. Er hat wohl mit seiner Schnelligkeit und Zuverlässigkeit so manchen Drucktermin gerettet. Das ging dann schon mal zu Lasten der Detailarbeit.

Wenn mich etwas an Collettas Tuschearbeiten gestört hat – und das nicht erst heute, sondern auch schon früher –, dann, dass die Figuren bei ihm zuweilen aussahen, als ob sie schielen, weil die Augen irgendwie unterschiedlich getuscht waren.
Aber z. B. das Gespann Schaffenberger/Colletta bei DC, u. a. bei Jimmy-Olsen-Geschichten, hat mir gut gefallen. (Schaffenberger solo fand ich allerdings noch besser ...)
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Alt 12.08.2019, 22:21   #148  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 78 und 79
(= Der mächtige Thor 39)

Erscheinungstermin: 2/3/1977

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 121

Story-Titel:
1) Die Kraft! Der Zorn! Der Stolz!

Original-Storytitel:
1) The Power! The Passion! The Pride!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



In dieser und der vorherigen Ausgabe erkenne ich erstmals bei „Thor“ ein Muster wieder, das gelegentlich auch bei „Amazing Spider-Man“ der Silver-Age-Phase auftaucht: Hin und wieder wird in einem Heft nur eine Story vorbereitet, vielleicht außerdem eine frühere Handlung abgeschlossen. Dann folgt eine sehr actionbetonte Episode. Die Vorbereitungen fanden beim letzten Mal statt, und hier prallen nun Thor und der Absorber in typischer Kirby-Actionmanier aufeinander. Kurz wird nebenbei noch einmal die gefangene Jane Foster gezeigt; da wird offenbar schon ein weiterer Handlungsstrang angelegt, der erst nach Abschluß der Absorber-Geschichte wichtig werden wird. Implizit wird damit schon angedeutet, daß Thor den Absorber besiegen wird und sich dann wohl daran macht, Jane Foster zu befreien.

Eine Actionhandlung zu beschreiben, finde ich ja eigentlich nicht so reizvoll. Es fällt aber auf, daß es hier wieder mal um den Verlust des Hammers geht. Wie wir schon erfahren haben, kann der Absorber an Kraft mit Thor gleichziehen und ihm so den Hammer entwinden. Allerdings kehrt er nach kurzer Zeit wieder zu dem Gott zurück (hieß es nicht einmal, daß das nur geschieht, wenn Thor ihn wegschleudert?). Der Absorber wirft ihn deshalb mit seinem erfrischend unkonventionellen Kampfstil auf Thor (um ihm zu demonstrieren, „wie es am anderen Ende aussieht“). Thor bringt den Absorber darauf einem K.o. nahe, weil er ein geborener Kämpfer und viel erfahrener und gewandter als sein Gegner ist. Der Absorber reagiert darauf, indem er aus der Umgebung so viel Energie aufsaugt, daß er zum Riesen wird. Versehentlich berührt er eine Glasscheibe und bekommt so einen gläsernen Körper. Doch Thor tut einem Menschen kein Leid an und versäumt es daher, den Kampf für sich zu entscheiden. Am Ende bringt ein Zwischenfall dem Absorber den entscheidenden Vorteil: Thor trägt ein Kind aus der Kampfzone zu seiner Mutter und wird dabei von hinten von der Stahlkugel des Absorbers getroffen. Er wird bewußtlos – das Duell scheint entschieden.

Zwischendurch passieren noch einige Dinge, die ich kurz festhalten will: Balder sieht nach Loki, bemerkt aber nicht, daß der seinen Wächter Ularic aus dem Weg geräumt hat. Etwas später bereitet Loki einen teuflischen Schachzug im bis dahin völlig friedlichen Asgard vor – wie der aussieht, erfahren wir noch nicht. Wie erwähnt, sehen wir die gefangene Jane Foster; erstmals können wir auch einen Blick auf ihren mutmaßlichen Entführer werfen: einen Mann mit einer schwarzen Kapuzenmaske. Ich habe vorerst keine Idee, wer das sein könnte. Außerdem wird noch einmal kurz an den Nornenstein erinnert, den Thor kürzlich auf dem Weg nach Asgard verloren hat. Auch darin steckt eine mögliche eigene Story.

Für sich genommen macht diese Episode nicht viel her, es sei denn, der Leser ist ein ausgesprochener Actionfan. Die Handlung lebt jedoch sehr stark von vielen vorher geschilderten Ereignissen und natürlich von der Ungewißheit, wie das Kräftemessen mit dem Absorber ausgeht. Thor ist der versiertere und leidenschaftlichere Kämpfer, der Absorber dagegen ist völlig skrupellos und unberechenbar. Und was geschieht mit Jane Foster? Wer wird den Nornenstein finden, und was wird er dann mit ihm anstellen? Der Leser muß also dranbleiben.


Geändert von underduck (13.08.2019 um 13:07 Uhr) Grund: Cover eingefügt
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Alt 14.08.2019, 08:03   #149  
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Kommentar:

Zitat:
Die sofortige Rückkehr des Absorbers hat nich damals auch eher gelangweilt. Ich habe durch die britischen Marvels ja viele Geschichten in Fortsetzungs-Schnipseln mitbekommen, unter anderem auch Warlock oder Sergeant Fury. Bei Thor hat mich das aber besonders gestört.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.08.2019, 10:37   #150  
Phantom
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Komme gerade von einem mehrwöchigen Asgard-Aufenthalt zurück. Bevor ich versuche, im Schnelldurchgang die Thor-Lektüre aufzuholen, ein paar half-off-topic Beobachtungen:

1) In Asgard habe ich den vielgelobten Roman "The Nickel Boys" von Colson Whitehead erstanden (bin aber noch nicht durch). In Kapitel 2 (das Anfang der 60er Jahre spielt) wird "Journey into Mystery" erwähnt:
Zitat:
On Vincent's last day, Elwood dawdled at the comics rack, as he did most afternoons. He had a curious habit where he read every comic front to back before he bought it, and he bought every one he touched. Mr. Marconi asked why go through all that if he was going to buy them whether they were good or not, and Elwood said "Just making sure." The shopkeeper asked him if he needed a job. Elwood closed the copy of "Journey into Mystery" and said he'd have to ask his grandmother.
(Richtig off topic: hätte ich als Kind nie gemacht, die Sachen durften erst zu Hause gelesen werden, wenn die Zimmertür geschlossen war und ich feierlich die erste Seite umblätterte.)

2) Im Flugzeug habe ich mir, um mitreden zu können, Avengers: Endgame angesehen. Technisch natürlich unglaublich gut, auch ein paar witzige Szenen dabei (z.B. Thor besoffen mit Bierbauch). Alle Hintergründe habe ich nicht verstanden, weil ich seit Iron Man 1 keinen Marvel-Film mehr gesehen habe, aber das Wichtigste versteht man auch ohne Vorkenntnisse. Über drei Stunden, zweimal wäre ich fast eingeschlafen. Mein Fazit: ja, ist ganz nett, wenn man wirklich auf der Leinwand (bzw. dem Display auf dem Vordersitz) sehen will, wie Superhelden die Welt retten. Aber das soll jetzt der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten sein? Das verstehe ich dann doch nicht so recht.

3) Beim jüngsten Taschen SALE habe ich mir nun endlich auch "The Marvel Age of Comics" bestellt (von jakub vor zwei Jahren hier besprochen). Ich hatte gezögert, weil ich dachte, da stünde sicher nichts drin, was ich nicht irgendwo anders auch schon mal gelesen hätte. Und so ist es eigentlich auch, trotzdem ist es ein tolles Buch. In genau dieser Aufmachung hätte ich von Taschen gern das Buch "The Williams Age of Marvels".
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