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Alt 11.03.2018, 10:15   #26  
EC-Fan
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Zitat:
Zitat von FrankDrake Beitrag anzeigen
Romita ist einer meiner Favoriten und natürlich Gene Colan und John Buscema. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden.
Ich hatte die Zeichner aus der Sicht der damaligen Zeit beschrieben (als wir 13-15 waren). Meine Einstellung zu den Zeichnern hat sich seitdem verändert, besonders Ditko finde ich sehr gut mit seinem besonderen Stil. Aber Romita ist natürlich auch klasse, nur bei den Fantastischen Vier fällt mir spontan niemand außer Kirby ein der diese Serie so geprägt hat.
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Alt 11.03.2018, 13:10   #27  
Peter L. Opmann
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Man kann die Pioniere schlecht mit den Zeichnern vergleichen, die kamen, als die klassischen Marvel-Helden bereits etabliert waren. John Buscema hatte eine andere Aufgabe, er führte fertig definierte Serien weiter. Er hatte ja eine Kunstschule absolviert und die besten Zeitungsstrip-Zeichner als Vorbild. Das war natürlich ein anderes Niveau als Kirby oder Ditko.

Aber mir fallen keine Heldenfiguren ein, die er erfunden oder geprägt hat - vielleicht Conan, aber bezeichnenderweise war da auch vorher ein anderer, nämlich Barry Smith. Buscema hat auch seinen Stil mehr oder weniger immer beibehalten, während Kirby immer mehr abstrahiert hat und Ditko von vorneherein sehr eigenwillig und markant zeichnete.

Williams hat versäumt zu vermitteln, daß durch den Neustart historische Comics zugänglich wurden. Aber ich fürchte, die Teenager, die damals Zielgruppe waren, hätte das kaum interessiert.
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Alt 16.03.2018, 15:51   #28  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 2

Erscheinungstermin: 1/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 1
2) Tales to Astonish # 72

Story-Titel:
1) Die Spinne – Mißgeburt! Gefahr für die Öffentlichkeit!
2) Es war einmal ein Prinz!!

Original-Storytitel:
1) Spider-Man
2) A Prince there was!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan)

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Diesmal braucht die Williams-Redaktion ein neues „Spinne“-Cover, weil die Geschichte aus ASM # 1 zweigeteilt wird. Und das Originalcover gehört zum zweiten Teil der Story. Hier wird also das Titelbild von ASM # 38 verwendet, das hauptsächlich einen Spider-Man in Pose zeigt, aber wie beim ersten Heft wird Aquarius ziemlich ungeschickt hineingeflickt. Er tritt an die Stelle von Joe, dem Bösewicht aus ASM # 38, der hier natürlich nichts verloren hat. Das Cover von „Spinne“ # 39 (= ASM # 38) muß Williams dann selbst malen, damit es nicht zum zweiten Mal erscheint.

Ich zähle acht redaktionelle Seiten: nochmal Stan Lees Vorwort, die Monatsvorschau, ein Miniposter von Ding, dazu die Werbeseite mit dem Coupon und vier Mal- und Rätselseiten, die aus britischen Marvels entnommen sein könnten und die ich entbehrlich finde. Die Checkliste fehlt. Eine zusätzliche Füllstory wie „Tales of Asgard“ in der ersten Ausgabe gibt es nicht mehr. Die Inhalte kommen also allmählich in eine gewisse Ordnung. Wäre „Amazing Spider-Man“ komplett abgedruckt worden, hätte die zwölfseitige „Submariner“-Story (plus Cover) etwas gekürzt werden müssen.

Erstaunlicherweise ist die 14seitige „Spinne“-Story handgelettert. Ansonsten hat Williams zu dieser Zeit mit einem Maschinensatz gearbeitet, der Handlettering ähnelt. Das Lettering hier ist zwar lesbar, aber recht krakelig; es wirkt wie eine Notlösung. Warum es verwendet wurde, wird wohl kaum noch zu klären sein.

Zum Inhalt: Schon im ersten Bild pfeffert Peter frustriert sein Kostüm in eine Ecke. Das werden wir noch häufiger erleben. Zwei Rückblicke erzählen die Originstory noch einmal. Hauptsächlich erlebt der Leser aber, daß die Familie Parker in Geldschwierigkeiten steckt – noch ein zentrales Motiv der frühen Serie. Kurz darauf wird Verleger J. Jonah Jameson in die Serie eingeführt, der die Spinne zum Staatsfeind erklärt, noch bevor sie richtig in Aktion getreten ist. Es wirkt ein wenig, als würde Jonah im Stil von Frederic Wertham vor Comics warnen. Kinder sollten sich lieber reale Helden zum Vorbild nehmen – wie etwa Jamesons Sohn John, der sich anschickt, Weltraumpionier zu werden (wie John Glenn in der Zeit der US-Veröffentlichung will er in einer Rakete die Erde umkreisen). John Jameson gerät auf dieser Mission in Schwierigkeiten. Die Spinne beschließt, ihn zu retten. Jetzt erinnert der Comic eher an eine „Dan Cooper“-Episode als an eine Superheldenstory. Die Spinne fliegt, auf einem Düsenjet reitend, der steuerlosen Raumkapsel hinterher, die bereits wieder in die Atmosphäre eingetreten ist, erklettert sie und löst einen Fallschirm aus.

Peter Parker denkt, er sei nun doch ein Held, aber die veröffentlichte Meinung (von JJJ) sorgt dafür, daß er weiter im Zwielicht bleibt. Am Ende ist er noch sehr unschlüssig, wohin ihn sein Weg führt. Und auch der US-Verlag Marvel war zu diesem Zeitpunkt von seinem Helden durchaus noch nicht überzeugt.

Wieder ist das alles andere als genretypisch. Es fehlt ein Superschurke, und auch die Spinne setzt ihre Kräfte eher in akrobatischer Form ein. Für Superman wäre es nichts Ungewöhnliches, ein außer Kontrolle geratenes Raumschiff zu retten, aber das wäre sicher nicht wie hier das Hauptthema einer Ausgabe – er würde das eher im Vorübergehen erledigen. Die Spinne ist dagegen damit vier Seiten lang beschäftigt. Und dann nimmt auch das Privatleben des Helden wieder breiten Raum ein. Was noch fehlt, sind die Mädels; Klassenkameradin Liz Allen hat noch keine richtige Funktion in der Geschichte. Schwer vorstellbar erscheint im Moment, daß Peter bei Jameson, der die Spinne von ihrem ersten Auftritt an mit seinem Haß verfolgt, später als freier Fotograf anheuern wird.

Alles in allem finde ich die Story, die sehr lesefreundlich in drei Kapitel eingeteilt ist, ganz lesenswert. Sie ist natürlich naiv, aber interessant ist auf jeden Fall, wie Lee und Ditko ein typisches Spinne-Motiv nach dem anderen einführen. Die Serie hat von Anfang an ein sehr durchdachtes Konzept. Ditkos Zeichnungen und das Inking sind in diesem Heft ziemlich schlecht. In „Spinne“ # 1 wirkte der Strich schon sicherer. Hier sind die Panels nun voll von Details, für die Ditko noch keine richtige Form gefunden hat. Das fällt mir insbesondere an Hochhaussilhouetten, Mauern und Fenstern auf, die für das Kletterwesen Spinne ja wichtig sind. Auch die Gestalt der Spinne hat er noch nicht richtig im Griff, aber hier sind schon gute Ansätze zu sehen, und man weiß ja, daß er dafür schnell einen überzeugenden Ausdruck gefunden hat. Jameson sieht sich selbst noch nicht besonders ähnlich, aber das ist bei einer neuen Figur normal. Wenn ich mir dieses Heft ansehe, kann ich die HIT-Comics-Fans verstehen, die sich damals über die schwachen Zeichnungen beschwerten und John Romita oder John Buscema zurückhaben wollten (aber nicht mitbekamen, daß sie es mit den allerersten Spider-Man-Abenteuern zu tun hatten).

Am Rande vermerkt: Die Submariner-Story in „Tales to Astonish“ # 71 ist ausgelassen – für HIT-Comics-Leser war es ja aber nicht ungewöhnlich, eine aus dem Zusammenhang gerissene Story vorgesetzt zu bekommen.

Geändert von Peter L. Opmann (26.03.2018 um 15:42 Uhr)
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Alt 21.03.2018, 12:48   #29  
felix da cat
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann:
Aber mir fallen keine Heldenfiguren ein, die er erfunden oder geprägt hat ...
She-Hulk und natürlich Francis, Brother of the Universe, immerhin der Erfinder von San Francisco.

Schurken:
Als schönen Kontrast zu Francis hat er den Teufel persönlich ins Marvel-Universum eingeführt: Mephisto (Silver Surfer 3).
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Alt 21.03.2018, 13:50   #30  
Peter L. Opmann
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Francis ist aber ein schlechtes Beispiel. Der ist weder Superheld, noch ist diese Figur so richtig erfunden. Und eigentlich gilt das auch für She-Hulk. Diese Figur ist sehr dem Hulk (von Jack Kirby) verpflichtet. Und Mephisto ist zumindest keine echte Serienfigur. Oder hatte er mal eine eigene Serie?
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Alt 21.03.2018, 14:51   #31  
Lothar
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Du darfst gerne bei den Abbildungen vom Guide die mittlere Bildgröße benutzen, Peter L. Opmann. Die kleinen Bildchen sieht man in deinem Text doch recht schlecht.



small / medium
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Alt 21.03.2018, 14:57   #32  
felix da cat
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Nun, Francis war als Scherz gemeint.

Und was She-Hulk angeht, es ging ja um "erfunden". Und da rechts oben steht er nun mal nach dem "created by" unter Stan Lee.
Mag keine "große" Idee sein, aber der von Buscema zu verantwortende Look ist ja auch nicht ganz irrelevant.

Mephisto hatte die Mephisto versus ... - Serie ... auch von Big John.
Natürlich ist er ein Schurke (bei dir ging es um Helden), aber immerhin einer der bedeutendsten des Marvel-Universums.
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Alt 21.03.2018, 16:49   #33  
Peter L. Opmann
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Ich möchte keinesfalls am Ruhm von Big John kratzen. Aber ich denke, man kann festhalten, daß die Pioniere des Silver Age bei Marvel einen Großteil der Figuren geschaffen haben, die bis heute Eckpfeiler des Marvel-Universums bilden.

@ Underduck: Also mittlere Bildgröße - okay.
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Alt 21.03.2018, 18:32   #34  
felix da cat
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Natürlich.
Ich wollte dir auch gar nicht widersprechen, nur ergänzen.
Comichistorisch betrachtet ist She-Hulk unbedeutend.
Aber der Mephisto ist dem guten John schon irgendwie toll gelungen.

Ich erinnere mich noch, dass ich von dem ziemlich beeindruckt war, als ich ihn in den "Silberstürmer"-back ups zum ersten mal gesehen habe.
Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich den Teufel im Comic allenfalls in Form eines optisch eher gewöhnlichen Fieslings, der einen gemeinen oder auch übermäßig ehrgeizigen Menschen verführt, irgendeinen Vertrag mit Blut zu unterschreiben.
Also die provinzielle Version des Herrn der Fliegen aus Billig-Horrorgeschichtchen.
felix da cat ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.03.2018, 16:27   #35  
EC-Fan
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Williams hat versäumt zu vermitteln, daß durch den Neustart historische Comics zugänglich wurden. Aber ich fürchte, die Teenager, die damals Zielgruppe waren, hätte das kaum interessiert.
Dies ist so nicht richtig! Ich habe mir im letzten Monat (mal wieder) die ersten Williams-Marvels rausgeholt und es wurde zumindest auf den Leserbriefseiten immer wieder darauf hingewiesen. So einige Leser beschwerten sich z.B. dass die Zeichnungen schlechter sind als in den alten Hit-Comis. Ich meine beim einjährigen Jubiläum hätte man auf dieser Seite auch noch einmal extra darauf hingewiesen. Ich war damals 14 und wir hatten einen Schulfreund der Engländer ist und der hat es uns auch erklärt was da bei den Marvel-Heften abgeht durch den Neustart.
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Alt 22.03.2018, 20:07   #36  
Peter L. Opmann
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Stimmt schon. An die Leserbriefe und die Antworten der Redaktion erinnere ich mich auch. Es gab sogar einen Leserbriefschreiber, der darauf hinwies. Vielleicht hat Williams auch in der Werbung vor dem Neustart darauf aufmerksam gemacht - das weiß ich nicht. Aber in den ersten Spinne-Ausgaben war nichts davon zu finden, und die lese und betrachte ich jetzt.

Comics waren 1974 noch nichts für die Kulturgeschichte.

Ich war da übrigens neun Jahre alt.
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Alt 23.03.2018, 05:47   #37  
Marvel Boy
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Dann sind wir schon mal ähnliches Baujahr, käme auf den Monat drauf an.
In dem Alter sind mir die Hefte am Kiosk nie aufgefallen, woran auch immer das gelegen haben mag.
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Alt 23.03.2018, 08:10   #38  
Peter L. Opmann
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Der Monat war Mai.

Mir ging's so mit den HIT-Comics. Ich habe mich schon im Lebensmittelgeschäft in meinem Dorf und an den Kiosken genau umgesehen, und ich habe mit meinen Freunden auch viel Comics hin und her verliehen, aber ich habe Marvel erst kurz nach dem Start von Williams wahrgenommen; ich gehe davon aus, daß die letzten HIT-Ausgaben (das heißt, die letzten ein bis zwei Jahre) in meiner Gegend nicht distribuiert worden sind.
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Alt 23.03.2018, 11:29   #39  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 3

Erscheinungstermin: 2/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 1
2) Amazing Spider-Man # 2
3) Tales to Astonish # 73

Story-Titel:
1) Die Spinne kontra das Chamäleon!
2) Vom bitterbösen Bastler bedroht!
3) Mit Waffengewalt!

Original-Storytitel:
1) Spider-Man vs. The Chameleon!
2) The uncanny Threat of the terrible Tinkerer!
3) By Force of Arms!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Steve Ditko
3) Adam Austin (= Gene Colan)

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee
3) Stan Lee



Offenbar hat „Die Spinne“ im Williams-Programm eine Sonderstellung eingenommen: In keiner anderen Serie wurden zu Beginn die Storys so durcheinandergewürfelt wie hier (wenn auch die Continuity einigermaßen eingehalten wird). Bei den „Fantastischen Vier“ gab es das jedoch grundsätzlich auch. Ursache dafür ist allerdings, daß in den US-Ausgaben anfangs keine 20-Seiten-Storys präsentiert wurden, sondern jeweils zwei kürzere. Das lag wiederum daran, daß man den jungen Lesern zunächst nicht zutraute, 20 Seiten durchzuhalten. Das hat sich bei Marvel jedoch schon nach kurzer Zeit geändert.

Hier haben wir es nun mit der zweiten Story aus ASM # 1 und einer von zwei Storys aus ASM # 2 zu tun. Immerhin ist es nun mit den vielen Füllseiten vorbei. Redaktionell eingefügt wurden die Checkliste (mit allgemeinen Texten, die nicht auf die neuen Hefte konkret eingehen), die Vorschau auf die dritte Produktion, die Marketingseite mit dem Sammelcoupon und daneben nur noch eine Seite Eigenwerbung für „Das Monster von Frankenstein“. Das ist fast das Normalmaß an redaktionellen Seiten.

Kommen wir zur ersten Spinne-Geschichte: Die ist leider ziemlich schwach. Lee und Ditko bringen zwei Handlungsstränge auf zehn Seiten (eigentlich nur neun Seiten plus Splahpage) unter. Obwohl mit vielen kleinen Panels gearbeitet wird, geben beide nicht viel her. Zuerst versucht die Spinne, bei den Fantastischen Vier anzuheuern – erneut in der Hoffnung auf viel Geld. In zweifacher Hinsicht geht die Aktion aber ins Leere. Zum einen kann man bei den FV nicht so einfach hineinspazieren; zum anderen gibt es bei ihnen nichts zu verdienen. Es gibt eine kurze Rangelei, dann zieht die Spinne enttäuscht ab.

Dann tritt der erste Superbösewicht auf, das Chamäleon, vielleicht von Fantomas inspiriert. Er stiehlt in verschiedenen Masken wichtige Raketenabwehrpläne. Zuletzt tritt er als Spinne auf, um die Schuld auf sie zu schieben, aber die echte Spinne macht ihm einen Strich durch die Rechnung und erkennt ihn auch in seiner letzten Verkleidung als Polizist. Weil beim Kampf die Polizeiuniform aufreißt und darunter das Spinne-Kostüm sichtbar wird, kann das Chamäleon schließlich festgenommen werden. Die echte Spinne aber muß fliehen; das Kalkül, ihr das Verbrechen anzuhängen, ist aufgegangen.

Auch wenn diese Story kaum reizvoll ist, kann man wiederum einige typische Spinne-Motive erkennen, vor allem, daß es – scheinbar – kein Happy End für diesen Helden gibt. Die Spinne setzt außerdem ihr Netz und ihren Spinnensinn ein. Was fehlt, ist das Schwingen am Netz; hier läuft sie in der Regel noch wie ein Seiltänzer auf ihrem Netzfaden.

Die zweite Geschichte ist schon interessanter, auch deshalb, weil sie recht untypisch ist. Sie gehört eher in den Bereich Mystery, was allerdings für Marvel nicht ungewöhnlich ist, da vor den Superhelden eine Reihe von Gruselmagazinen zu den Umsatzbringern gehörten (dazu zählte auch „Amazing (Adult) Fantasy“). Peter Parker hilft einem Professor bei dessen Experimenten. Als Gefälligkeit holt er auch für ihn ein repariertes Radio ab und wundert sich, daß der Bastler dafür nur einen lächerlichen Betrag verlangt. Im Spinne-Kostüm sieht er sich heimlich in seinem Keller um und stößt auf eine Verschwörung von Außerirdischen. Mit manipulierten Radios werden Staat und Militär der USA ausspioniert. Die Spinne wird von den Aliens entdeckt und beinahe besiegt. Aber als im Unterschlupf des Bastlers Feuer ausbricht, machen sie sich aus dem Staub. Schließlich hält die Spinne die Maske des Bastlers in der Hand und erkennt, daß auch er ein Alien war. Peter behält die abgewehrte Invasion für sich. Sein Professor meint zwar, er habe ein Raumschiff abfliegen gesehen, sieht aber ein, daß das zu verrückt ist, um wahr zu sein…

Ditko kann hier mit größeren Panels arbeiten, und er kann sein Talent für unheimliche Szenarien (wie später eindrucksvoller bei „Doctor Strange“ gezeigt) ausspielen. Die Story liest sich zwar nicht sensationell, aber weist doch Spannung und ein bißchen Horror auf. Außerirdische werden aber nicht zu häufig wiederkehrenden Gegnern der Spinne, und mit Gruselgestalten hat er es auch selten zu tun – obwohl: Der Grüne Kobold, die Echse, Mysterio, Dr. Oktopus, Electro, Metallo… mit etwas Nachdenken fallen mir immer mehr Gegner mit Grusel-Touch ein. Aber das Herumschleichen in düsteren Kellern wird nicht zur Spezialität der Spinne. Ditko führt hier das halbierte Parker-Gesicht ein (zur Hälfte mit der eigenwilligen Spinne-Maske bedeckt). Und hier schwingt die Spinne nun auch an ihrem Faden.

Noch ein Blick aufs Cover: Es ist das erste reguläre Spider-Man-Cover, das von ASM # 1. Auffällig daran ist, daß es offenbar neu eingefärbt wurde. Im Original sind die Farben deutlich heller. Hier treten die Kontraste deutlicher hervor; in Kauf genommen wird dabei, daß die Kulisse, die in satten Blau- und Violetttönen gehalten ist, ziemlich in den Hintergrund tritt.

Bei Aquarius (Sub-Mariner) geht’s jetzt übrigens regulär weiter.

Geändert von Peter L. Opmann (26.03.2018 um 15:43 Uhr)
Peter L. Opmann ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 23.03.2018, 11:41   #40  
FrankDrake
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Zitat:
Zitat von Peter
(dazu zählte auch „Amazing (Adult) Fantasy“)
Wie sich die Zeiten ändern, wenn heute „Amazing (Adult) Fantasy“ draufsteht ist es wahrscheinlich Schweinkram und ab 18.

Mehr als ein Westfale kann der Mensch nicht werden!
FrankDrake ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.03.2018, 13:40   #41  
Peter L. Opmann
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Alt 27.03.2018, 10:59   #42  
Peter L. Opmann
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Sieht so aus, als käme ich jetzt in den Ferien etwas schneller voran.

Die Spinne (Williams) 4

Erscheinungstermin: 2/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 2
2) Tales to Astonish # 74
3) Journey into Mystery # 99

Story-Titel:
1) Der Geier bittet zum Kampf!
2) Im Reich der Gesichtslosen
3) Surtur der Feuerdämon!

Original-Storytitel:
1) Duel to the Death with the Vulture!
2) When fails the Quest!
3) Surtur the Fire Demon!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan) / Vince Colletta
3) Jack Kirby

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee
3) Stan Lee



HIT-Comics besitze ich nur wenige. Aber ich kann doch nachvollziehen, wie sich da die Heftstruktur herausbildete, die dann bei Williams fest etabliert wurde. Zum Beispiel HIT-Comics # 71: 52 Seiten, zwei X-Men-Storys, zusätzliches Füllmaterial in Form einer Kirby-Horrorstory und einer Kurzgeschichte („Das Heilöl“). Dann HIT-Comics # 203: 36 Seiten, Hauptstory (FV), Zweitstory (Giant-Man), ein Glanzumschlag umgibt den Seitenblock. HIT-Comics # 208: Nagelneue Thor-Story plus Zweitstory Hulk (aus der TtA-Zeit), Glanzumschlag, aber diesmal gefaltet und geheftet.

Der erste Williams-Band in meiner kleinen Sammlung ist „Fantastische Vier“ # 250. Hier wurde zunächst nahtlos an die HIT-Comics angeschlossen. Gleicher Aufbau: Neue FV-Story plus ältere Hulk-Story; viel Werbung für die verbliebenen Serien, „Spinne“ und „FV“, für „Tarzan“ und den „Musik Express“ (!). Nebenbei: Das Maschinenlettering wirkt moderner als das spätere Experiment mit dem an Handlettering erinnernden Maschinensatz.

Schon bevor Williams nochmal von vorne begann, gab es also das Konzept von Haupt- und Zweitstory. Man konnte es aber speziell bei „Die Spinne“ nicht durchhalten. Im vorliegenden Heft ist die Hauptstory wieder nur 14 Seiten lang. Von „Aquarius“ wollte man offenbar nicht mehr als eine Folge auf einmal bringen. Also griff man wieder auf die „Geschichten aus Asgard“ zurück. Es gibt nun auch nochmal eine Seite mit Rätseln, aber die verschwand dann endgültig aus den Williams-Marvels. Es zeichnet sich ab, daß ein Heft auch mit 32 Seiten auskommt.

Inhaltlich haben wir es hier nach meinem Eindruck mit der ersten richtigen „Spinne“-Geschichte zu tun. Was mir aber zuerst auffällt: Steve Ditko entscheidet sich, die Häuserschluchten New Yorks ab sofort detailliert zu zeichnen und Kampfszenen durch den Blick von schräg oben in diese Schluchten hinein dramatischer zu gestalten. Vielleicht war das ein Kniff, der ursprünglich nur bei dieser Ausgabe angewandt werden sollte, Gegner ist nämlich der Geier. Die Spinne muß ihm in sein Reich der Lüfte folgen und ist ihm dadurch, daß sie sich immer in ihr Netz fallen lassen kann, dennoch ebenbürtig.

Der Geier taucht quasi aus dem Nichts auf und stiehlt alles, worauf er gerade Lust hat. Eine Origin-Geschichte hat er (noch) nicht, auch wenn er mit seinem Kopf und seinem Kostüm tatsächlich stark an einen Geier erinnert. Seine Überlegenheit scheint allein darin zu liegen, daß er fliegen kann wie der Schneider von Ulm. J. Jonah Jameson ist in diesem Heft nicht Zeitungsverleger, sondern er produziert eine Illustrierte namens „Heute Magazin“. Er braucht dringend Fotos vom Geier, und Peter Parker kommt auf die Idee, dass er diese Bilder mit seinen Spinnen-Fähigkeiten liefern kann. Seine Motive haben sich ein bißchen verändert: Er will nicht mehr viel Geld verdienen, sondern er braucht Geld, um seine arme Tante May zu unterstützen.

Die Jagd auf den Geier in der Doppelfunktion als Verbrechensbekämpfer und Fotograf überfordert ihn jedoch zunächst. Er konzentriert sich nicht genug auf die Flugmanöver des Geiers und wird von ihm in einen Wassertank geworfen. Immerhin hat er seine Fotos. Seine erste Begegnung mit Jameson verläuft für ihn sehr erfolgreich: Der Verleger zahlt – später sehr untypisch – eine hohe Honorarsumme. Peter setzt sich nun hin, um sein Kostüm zu verbessern. Für künftige Duelle braucht er mehr Netzflüssigkeit – er wandelt sich also vom Showstar zum Superhelden.

Ein großer Diamantentransport steht an, bewacht von hunderten Polizisten. Der Geier überrascht sie aber, indem er nicht aus der Luft, sondern aus der Kanalisation kommt. Die Spinne nimmt die Verfolgung auf. Erneut bringt sie zuerst ihre Kamera in Position, bevor sie den Geier stellt. Diesmal aber kämpft sie besser. Sie hängt sich an den Geier, der so nicht mehr richtig liegen kann. Er verliert die geraubten Diamanten, dann stürzt er ab. Die Spinne rettet sich mit ihrem Netz.

Jameson zahlt erneut gut für Peters Fotos. Und Tante Mays Geldsorgen sind beseitigt – allerdings nur vorübergehend, wie „Spinne“-Leser wissen. Der Geier sinnt derweil im Gefängnis auf Rache. Hier haben wir ein lupenreines Happy End. Lee und Ditko ist offenbar in diesem Fall nicht eingefallen, wie sie Peter Parker Steine in den Weg legen können.

Aber die Auseinandersetzung mit dem Geier bedeutet einen erheblichen Fortschritt der Serie. Das Kräftemessen ist bei beiden Treffen detailreich und originell geschildert. Welcher Superheld muss sich schon aus einem Wasserbehälter befreien? Und hat vorher ein Superheld schon mal seinen Gegner besiegt, indem er ihn am Fliegen hinderte? In Actionfilmen dieser Zeit (Anfang/Mitte der 1960er Jahre) hängen sich Helden häufig an Hubschrauber. Aber einen flugfähigen Gegner zu besiegen, indem man ihn behindert und abstürzen läßt, das hat es vermutlich bis dahin noch nicht gegeben. Ditko kann das noch nicht optimal visualisieren, aber gut genug, daß dem Leser beim Betrachten der Panels etwas schwindelig wird.

Zwei kurze Blicke noch auf Cover: Beim „Spinne“-Cover wird das Insert verändert. Die Geschichte mit dem Bastler ist schon veröffentlicht, also kann der Hinweis durch ein „Aquarius“-Bildchen ersetzt werden. Das „Aquarius“-Cover, das innen gezeigt wird, ist nachgezeichnet. Hier wird ein Insert für die Hulk-Story in „Tales to Astonish“ entfernt. Ob aus diesem Grund alles neu gezeichnet wurde, ist schwer zu sagen. Hinter dem Kopf des Sub-Mariners ist eine bedrohliche Krake eingefügt.
Peter L. Opmann ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 29.03.2018, 20:37   #43  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 5

Erscheinungstermin: 3/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 3
2) Tales to Astonish # 75

Story-Titel:
1) Doktor Octopus
2) Das Ende der Suche

Original-Storytitel:
1) Doctor Octopus
2) When fails the Quest!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan) / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Dies ist die erste Ausgabe mit gewohntem Aufbau: 20 Seiten „Spinne“, zwölf Seiten „Aquarius“. Und schon kündigt Remo in einem Editorial „in einigen Monaten“ eine Erweiterung des Programms an. Prinzipiell ist diese Voraussage ja eingetroffen, es dauerte nur bis zur 22. Monatsproduktion. In der Checkliste gibt es nun kurze Werbetexte für die einzelnen Heftserien. Die hinteren Umschlagseiten werden, wie gehabt, mit der Vorschau und der Coupon-Sammelaktion belegt. Remo spricht übrigens auch davon, daß die Hefte aus ihrem „Nur-Comic-Dasein“ erlöst seien und es nun auch viele Seiten mit Sammelbildern, Minipostern und Rätsel-/Bastel-Seiten gebe. Da wird etwas angepriesen, das die Welt vielleicht nicht unbedingt braucht. Was mir als Kind gefallen hat, ist die Umrahmung der Redaktionsseite mit den Signets der Serie, das heißt, den Köpfen der Helden. Das gab’s aber nur in den ganz frühen Ausgaben.

Konzentrieren wir uns auf die „Spinne“-Story. Die erste Seite nach der Splash-Page, auf der die Spinne eine Panzerknacker-Bande dingfest macht und ihr Spinnen-Signal einsetzt, fehlt leider. Grundsätzlich wird der Aufbau der „Geier“-Geschichte wiederholt: Die Spinne wird von einem neuen, ziemlich schlagkräftigen Gegner besiegt, rappelt sich aber wieder auf und bringt ihn im zweiten Aufeinandertreffen zur Strecke. Im Unterschied zum Geier wird die Genese von Doktor Octopus in allen Details geschildert. Er ist ein Wissenschaftler, der mit radioaktiven Stoffen experimentiert. Dazu müssen die Stoffe in einem abgeschirmten Raum eingesetzt werden, und die künstlichen Teleskop-Arme von Ock sind zunächst nur dazu da, daß er in diesen Raum hineingreifen kann, ohne Radioaktivität abzubekommen. Es sind offenbar deshalb vier, damit er mehrere Tätigkeiten gleichzeitig ausführen kann.

Mit seiner dicken Sonnenbrille, dem breiten, brutalen Mund und der recht häßlichen Fransenfrisur sieht er von Anfang an nicht sehr sympathisch aus. Aber er ist offenbar nur ein Forscher, der nach Erkenntnis strebt. Dann aber gerät die Radioaktivität außer Kontrolle, es kommt zur Explosion, und Ock bekommt eine enorme Dosis ab. Die Folge: Seine künstlichen Arme sind an seinem Leib festgewachsen, und seine Persönlichkeit ist verändert. Jetzt ist Ock so skrupellos, brutal und böse, wie er schon vorher aussah. Zunächst tut er eigentlich nichts Ungesetzliches – abgesehen davon, daß er das Krankenhauspersonal bedroht. Aber die Spinne spürt ihn bald auf (JJJ wollte Fotos des verunglückten Wissenschaftlers), und ein heißer Kampf entbrennt.

Die Spinne versucht, Ocks Tentakel zu bändigen, bekommt aber nicht alle vier in den Griff und wird von ihm verprügelt und dann aus dem Fenster geworfen. Das macht Peter Parker gleich wieder depressiv; er will seinen Superheldenjob aufgeben. Ock kehrt in sein Atomforschungslabor zurück, übernimmt dort die Kontrolle und schmiedet – was auch sonst? – Welteroberungspläne. Peter bläst weiter Trübsal. Aber nun setzt die Regierung die Fantastischen Vier auf Doc Ock an, und zu diesem Zweck kommt die menschliche Fackel an Peters Schule (welch Zufall), um dort mit einer Rede die allgemeine Moral zu heben. Peter fühlt sich persönlich angesprochen und beschließt, Ock in seinem Labor als Spinne anzugreifen.

Auch Peter ist ja ein kleiner Wissenschaftler. Er entwickelt ein Mittel, mit dem er die Arme Ocks miteinander verschweißen will. Das gelingt ihm beim Aufeinandertreffen aber nur mit zwei Armen; die beiden anderen genügen Ock locker, die Spinne wie schon beim ersten Mal zu dominieren. Im letzten Moment kommt sie jedoch auf einen anderen Trick: Sie verklebt seine Brille mit ihrem Netz, so daß er nichts mehr sieht (das gab es bei späteren Begegnungen noch häufiger). Während Ock ins Leere schlägt, knockt ihn die Spinne aus. Einziges Manko: Fotografiert hat Peter Parker diesmal nicht, obwohl er Jameson versprochen hatte, exklusive Bilder zu liefern.

Schlußpointe: Die Spinne besucht noch einmal die Fackel und bedankt sich für ihre Hilfe. Johnny Storm versteht nur Bahnhof. Im letzten Bild beharken sich Peter und Superheldenfan Flash Thompson noch ein bißchen. Flash himmelt ja auch die Spinne an, während er Peter verachtet und piesackt. Dieses seltsame Phänomen, das auf Peters geheimer Doppelidentität beruht (und von Superman / Clark Kent, letztlich von Zorro / Don Diego abgeschaut ist), kommt hier erstmals ausführlich zur Geltung und wird in vielen folgenden Ausgaben noch eine Rolle spielen.

Doktor Octopus ist häufig als Erzfeind der Spinne zurückgekehrt. Nicht lange danach wird er Peter im Kampf demaskieren. Einmal dreht er sogar das Spiel mit der Geheimidentität um, indem er als harmloser Professor Octavius Peters Tante May heiraten will. Und er ist für den Tod von Captain Stacy verantwortlich, des Vaters von Peters Freundin Gwen. Ock wird von Steve Ditko von Anfang an in typischen Posen gezeichnet. Sein Kampf mit der Spinne weist ebenso von Beginn an Muster auf, die Ditko und auch spätere Zeichner genauso beibehalten werden. Die Story ist in ihrer allgemeinen Struktur recht stereotyp (wie erwähnt, ähnelt sie dem vorangegangenen Kampf mit dem Geier), aber weist viele interessante Details auf.

Zum Beispiel demonstriert die Spinne hier deutlich, wie sie an Wänden emporläuft. Ock setzt seine Arme vielfältig ein. Sowohl Peters Rivalität mit Flash wird in dieser Ausgabe begründet als auch seine komplizierte Freundschaft mit Johnny Storm (es handelt sich um zwei Jugendliche im Marvel-Universum, bei denen es naheliegend erscheint, daß sie sich gegenseitig helfen, aber auch mal miteinander rangeln). Leider teilt sich die Originalität der Auseinandersetzung zwischen Spinne und Ock nicht mehr so richtig mit, nachdem man schon viele ähnliche ähnliche Kämpfe in den Comics verfolgt hat, aber ich kann mir vorstellen, daß die Geschichte auf die damaligen Leser große Wirkung hatte. Ich kann immerhin noch ihren historischen Wert anerkennen. Die Zeichnungen sind alles in allem nicht genial, aber ordentlich und schon recht Spinne-typisch.
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Alt 30.03.2018, 05:38   #44  
FrankDrake
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Doc Ock war damals endlich ein Gegner für unseren freundlichen Netzschwinger, der Geier ging für mich, ich war 12 Jahre alt, irgendwie gar nicht.

In einem späteren Heft standen Otto und May dann auf dem Cover vor dem Traualtar, das war dann der Punkt wo ich zum erstenmal dachte kann sie (May) nicht langsam den Weg alles irdischen gehen.

Mehr als ein Westfale kann der Mensch nicht werden!
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Alt 30.03.2018, 07:38   #45  
Peter L. Opmann
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Ziemlich bald kommen die Echse, Electro und der Grüne Kobold (Sandmann war dann doch eher ein Gegner der FV). Und meine erste "Spinne"-Ausgabe war die mit "Memrod dem Jäger", den ich natürlich auch ziemlich beeindruckend fand.

Also in dieser Serie tauchen wichtige Gegner schon recht früh auf und werden jeweils gleich nachhaltig eingeführt. Das war sicherlich das Können von Steve Ditko.
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Alt 31.03.2018, 10:15   #46  
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Die Spinne (Williams) 6

Erscheinungstermin: 3/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 4
2) Tales to Astonish # 76

Story-Titel:
1) Der unüberwindliche Sandmann!
2) Namor kehrt zurück!

Original-Storytitel:
1)Nothing can stop the Sandman!
2) Uneasy hangs the Head

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan) / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Mit der Serie geht es weiter bergauf. Zu diesem Urteil mußte ich mich durchringen, denn man kann auch einige Negativpunkte dieses Hefts nennen: Steve Ditko zeichnet wieder etwas krakelig (wie in ASM # 1). Für den Sandmann verwendet er einen dickeren, groberen Strich, wohl um damit seine wechselnde Körperkonsistenz auszudrücken – es sieht aber nicht gut aus. Er arbeitet mit vielen kleinen Panels, was jedenfalls nicht nach meinem Geschmack ist. Und was die Williams-Ausgabe betrifft: In diesem Heft sind mir die Probleme mit den vergrößerten Sprechblasen erstmals richtig aufgefallen. Sie erdrücken teils die Figuren und werden sehr dilettantisch größer gezeichnet. Zudem gibt es offenbar Probleme mit dem Schriftsatz. Aus irgendeinem Grund fehlen immer wieder mal Buchstaben und ganze Wörter; in einer Sprechblase wird sogar handgelettert, weil die Schrift offenbar ausgefallen ist.

Aber die Story ist gut. Sie ist nicht mehr so schematisch wie in den beiden vorausgegangenen Ausgaben. Das Duell der beiden Supertypen liest sich vielmehr sehr abwechslungsreich, und Lee und Ditko bringen auch noch ein paar Nebenhandlungen unter. Wie häufig ist die Spinne zu Beginn auf Verbrecherjagd. Die drei Gangster, die sie vom Einbruch in ein Juweliergeschäft abhalten will, wissen sich jedoch zu wehren: Sie sind ja noch nicht eingebrochen, und daß sie das vorhatten, müßte man erstmal beweisen. Außerdem rufen sie nun selbst die Polizei, weil sie sich von der Spinne bedroht fühlen. Die muß schleunigst verduften. Beim Weiterschwingen wird sie nun auf den Sandmann aufmerksam, der von der Polizei gesucht wird. Beim ersten Kräftemessen zerreißt ihre Maske, so daß sie sich zurückziehen und sie flicken muß (das kommt später noch öfter vor). Gleichzeitig wird die Entstehungsgeschichte von Sandmann erzählt: Als er sich vor seinen Häschern auf einem Atomtestgelände versteckte, bekam er Radioaktivität ab; sein Körper nahm die Eigenschaften von Sand an, auf dem er gerade stand.

Peters Klassenkameradin Liz Allen rückt erstmals in den Blickpunkt. Er hat mit ihr ein Date. Weil er aber den Sandmann verfolgen will, sagt er ihr ab – zu ihrem Ärger und Flash Thompsons Freude. Eine lange Suche ersparen Lee und Ditko der Spinne – der Sandmann will just an dieser Schule untertauchen. Der Rektor stellt sich ihm mutig entgegen, da betritt die Spinne die Szene und versucht, den Sandmann k.o. zu schlagen. Es folgen sechs Seiten Kampf. Abwechselnd rieselt der Sandmann der Spinne davon und trifft sie mit betonharten Schlägen. Es dauert eine Weile, bis die Spinne die Lösung findet: Der eben in Sandkörner aufgelöste Gegner wird einfach in einen großen Staubsauger eingesogen.

Dummerweise fällt Peter Parker jetzt erst ein, daß er für Jameson hätte fotografieren können. Kurzentschlossen greift er zu einem kleinen Trick: Er wirft Löschsand in die Luft und tut so, als ob er gerade gegen den Sandmann kämpft. Jonah legt sich derweil vor der Schule mit dem Polizei-Einsatzleiter an und fordert ihn auf, auch die Spinne zu schnappen. Der bleibt allerdings unbeeindruckt: „Die Spinne hilft uns ja!“ Sie will nun den Staubbehälter übergeben, zögert jedoch: Wenn sie dem Polizeichef und Jameson gegenübertritt, wird sie vielleicht demaskiert. Deshalb räumt sie lieber das Feld.

Der Sandmann ist so schnell unschädlich gemacht, daß Peter doch noch seine Verabredung mit Liz einhalten könnte. Die zeigt ihm nun aber die kalte Schulter. Flash spottet, und Peter ist schon nahe daran, ihm eine Abreibung zu verpassen; da fällt ihm ein, daß er Flash dabei ernsthaft verletzen könnte, und gibt klein bei. In diesem Heft taucht übrigens Jamesons Sekretärin Betty Brant erstmals richtig auf. Sie muß ihrem Chef eine neue Hose besorgen, weil er durch die Netzflüssigkeit der Spinne an seinem Stuhl festklebt – ein kleiner Streich, den sich Peter erlaubt hat. Denn Jameson erweist sich nun erstmals als knauserig. Peters Begegnung mit Betty ist jedenfalls kurz. Aber wir wissen ja: Sie wird seine erste große Liebe werden.

Lee und Ditko führen hier nicht nur einige Handlungselemente ein, die in der Folge noch wichtig werden (oder bleiben). Sie bringen auch mehrere überraschende Wendungen in der Story unter (ich habe gar nicht alle genannt), die diese frühe Geschichte durchaus zu einem Lesevergnügen machen. Zwischen Action- und Soap-Elementen besteht eine gelungene Balance.

Auf der Splashpage werden die Leser darüber informiert, daß sie die Spinne schon nach fünf Heften zu einem der beliebtesten und bekanntesten Superhelden gemacht haben. Das ist eindeutig eine Botschaft an die US-Leser. In Deutschland läuft die Serie (berücksichtigt man die HIT-Comics) schon seit acht Jahren. Aber die Mitteilung paßt der Williams-Redaktion durchaus in den Kram. Es wäre wohl zuviel verlangt, deren Herkunft klar zu kennzeichnen.

Gekürzt wurde diesmal eine Submariner-Seite, ein ganzseitiges Panel, das Prinz Namor auf dem Thron zeigt. Um das mal zu erwähnen: Auch Zeichner Gene Colan ist bei dieser Serie noch ein gutes Stück von seiner Bestform entfernt.
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Alt 01.04.2018, 22:05   #47  
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Die Spinne (Williams) 7

Erscheinungstermin: 4/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 5
2) Tales to Astonish # 77

Story-Titel:
1) In der Gewalt von Dr. Unheil
2) Reise an die Oberfläche

Original-Storytitel:
1)Marked for Destruction by Dr. Doom
2) To walk amongst Men!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan) / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Schon wieder eine redaktionelle Nachricht auf der Splashpage, die sich diesmal aber an US-Leser wie an deutsche wendet: Die Sprüche auf dem Cover seien zugegeben etwas dick aufgetragen. Und dann heißt es: Mag sein, daß es schon bessere Comics gegeben habe, aber die Redaktion könne sich das nicht vorstellen.

Die Begegnung der Spinne mit „Dr. Unheil“ gehört nun sicherlich nicht zu den absoluten Highlights im Marvel-Programm. Da man gemerkt hatte, daß „Amazing Spider-Man“ schnell zu einer sehr beliebten Serie geworden war, mußte wohl auch ein spektakulärer Gegner her, eben der Erzfeind der Fantastischen Vier. Innerhalb der Logik der Story überzeugt diese Begegnung jedoch nicht.

J. Jonah Jameson kommentiert im (eigenen?) TV eine Aktion der Spinne (sieht ein bißchen aus wie in Frank Millers „Dark Knight“). Das weckt auch die Aufmerksamkeit von Doom; er denkt sich: Zusammen mit ihr könnte ich die FV besiegen (seltsamer Gedanke, zumal die Spinne bereits einmal von den FV hochkant aus dem Baxter Building rausgeworfen worden ist). Er manipuliert eine Spinne, um die menschliche Spinne per Radiowellen (!) herbeizurufen (da dilettiert Stan Lee wieder mal als Wissenschaftler).

Sie kommt, zeigt aber wenig Lust, sich mit Doom zu verbünden. Ob der Zurückweisung entbrennt sein Zorn. Es kommt zum Kampf auf Leben und Tod, wobei die Spinne hauptsächlich den Strahlenwaffen und Fallen Dooms ausweicht. Zum ersten Mal sieht man die Spinne in verschiedenen Phasen eines Sprungs in einem Bild. Am Ende läßt sie sich so aus einem Fenster fallen, daß sie entkommen kann. Doom sprengt daraufhin sein Hauptquartier in die Luft, um keine Spuren zu hinterlassen.

Durch einen guten Einfall geben Lee und Ditko der Story wieder Schwung: Flash verkleidet sich als Spinne, um Peter Parker damit einen Schreck einzujagen. Während er seinem Opfer auflauert, wird er selbst zum Opfer von Doom, der ihn betäubt und fortschleift. Wie Fantomas schaltet er sich darauf live ins Fernsehprogramm ein und präsentiert seinen Gefangen. Er will die FV anlocken (aber würden sie wirklich die Spinne befreien?). Am Ende tauchen sie tatsächlich auf, aber bis dahin bekommt es Doom noch einmal mit der echten Spinne zu tun. Der Kampf verläuft ähnlich wie der erste: Die Spinne muß sich vor zahlreichen tödlichen Bedrohungen in Sicherheit bringen. Als sich die FV nähern, tritt aber Doom den Rückzug an – auf die Begegnung mit dem Quartett ist er (angeblich) noch nicht vorbereitet.

Die Story geht nicht auf. Im Kern ist sie ein verhindertes Duell zwischen Doktor Unheil und den FV – dabei hat die Spinne eigentlich nichts verloren. Immerhin ist die Geschichte recht abwechslungsreich und wieder mit ein paar interessanten Details angereichert. So kommt es zur ersten Annäherung von Peter und Betty Brant, als sie beide ihren gemeinsamen Chef Jameson dafür kritisieren, dass er die Spinne immer so runterputzt (wenn ich mich recht erinnere, hat Betty allerdings später für die Spinne nicht mehr Partei ergriffen).

Der Falsche im Superheldenkostüm: Das hat später auch mal Foggy Nelson in „Daredevil“ versucht. Die FV merken im Gegensatz zu Doom übrigens sofort, daß Flash nicht die echte Spinne sein kann. Peter wird von Tante May wegen Fieber ins Bett gesteckt, als er sich eben auf die Fährte von Doom setzen will. Darauf zerstört er die Hauptsicherung im Haus und wird losgeschickt, eine neue zu besorgen (was er am Ende vergißt!). Zudem vergißt er schon wieder, seinen Kampf mit Doom zu fotografieren, was ihm bei Jameson noch eine Rüge einbringt. Ganz nett ist der Schlußgag: Flash Thompson stilisiert seine Begegnung mit Doom zur Heldentat, was ihm seine Mitschüler sofort glauben – natürlich mit Ausnahme von Peter, der es besser weiß, aber nichts erzählen darf.

Ditko hat sich grafisch wieder etwas verbessert. Die Posen der Spinne sehen teils schon richtig gut aus. Doctor Doom gelingt ihm jedoch längst nicht so gut wie Jack Kirby. Man merkt auch, daß er sicher unter großem Zeitdruck gezeichnet hat. Manche Panels hätte er besser nochmal neu angelegt, und es wäre auch besser gewesen, wenn er einen sorgfältigen Inker gehabt hätte.

Williams bringt in dieser Ausgabe neun von zwölf Seiten der neuen „Submariner“-Story und macht damit zwei zusätzliche Seiten für Redaktionelles frei. Remo meldet sich wieder zu Wort und stellt die These auf, daß Jugendliche nun ernsthaft beginnen, Comics zu lesen. Jedenfalls kündigt er Zeichnerporträts, Comic-Kleinanzeigen, Leserbriefe und Hinweise auf Comicevents an, was es in den Comics bis dahin tatsächlich wenig gab und was Williams dann in der Tat kultiviert hat. Gleich daneben die erste Leserbriefseite bei Williams. Man merkt, daß die Leser überwiegend schon die HIT-Comics kannten, manche auch die US-Originalhefte. Vor allem werden Wünsche geäußert: Poster, Abziehbilder, Heftnachbestellungen.
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Alt 02.04.2018, 21:25   #48  
Peter L. Opmann
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Dies waren Spinne-lastige Osterfeiertage.

Wem die Besprechungen auf die Nerven gehen, dem kann ich versichern, daß ich in diesem Tempo nicht weitermachen werde. Wahrscheinlich schaffe ich ähnlich wie Michi Diers im Normalfall ein Heft pro Woche.

Die Spinne (Williams) 8

Erscheinungstermin: 4/1974

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 8
2) Tales to Astonish # 77/78

Story-Titel:
1) Das lebende Gehirn!
2) Der Prinz und die Puppe!

Original-Storytitel:
1)The terrible Threat of the Living Brain!
2) The Prince and the Puppet!

Zeichnungen:
1) Steve Ditko
2) Adam Austin (= Gene Colan) / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Diese Ausgabe kannte ich relativ früh durch einen Flohmarktkauf. Und es handelt sich um eine ziemlich gute Ausgabe. Allerdings hat Williams hier wieder mal die Storys auf frappierende Weise umgestellt. Zunächst mal macht die Redaktion einen Sprung nach vorn und läßt ASM # 6 und 7 aus. Das hat einen Grund: Es sind ja noch drei Seiten „Submariner“ vom letzten Mal übrig. Die werden nun untergebracht. ASM # 8 hatte die Besonderheit, daß die Hauptstory nur 17 Seiten lang ist. Deshalb wird sie vorgezogen. Beim Submariner bedient man sich eine kleinen Tricks: Die Splashpage von TtA # 78 wird vor die restlichen drei Seiten aus TtA # 77 gestellt, die nun wie ein Rückblick wirken, und dann folgt der Rest von TtA # 78.

Auf der Strecke bleibt der Rest von ASM # 8; dabei handelt es sich um eine fünfseitige Spider-Man-Story, die von Jack Kirby gezeichnet (und Steve Ditko geinkt) wurde. Ist zwar ein Kuriosum, aber inhaltlich nicht so berauschend: Die Teenager Spinne und Fackel stören sich gegenseitig beim Imponiergehabe – die Unsichtbare versöhnt am Ende die Streithähne. Diesen Fünfseiter konnte man erst im Jahrgangsschuber 1964 lesen.

Zum „lebenden Gehirn“: Mr. Petty, Mitarbeiter von „ICM“ (zweifellos eine Anspielung auf das IT-Unternehmen IBM) hat einen lernfähigen Roboter entwickelt und stellt ihn – natürlich – als erstes an Peters Schule vor. Der Blechkopf ist darüber hinaus dank der eingefütterten Daten beinahe allwissend. Die Schüler testen ihn mit der Frage: Wer ist die Spinne? und liefern noch ein paar Daten nach, die nur Fans kennen. Peter wird ausgewählt, das Ergebnis zu ermitteln und bekanntzugeben. Zum Glück für ihn spuckt der Roboter seine Antwort in einer Programmiersprache aus; er soll sie zuhause entschlüsseln.

Zwei Gauner beschließen derweil, den Roboter zu klauen, denn sie erwarten, daß er die Zukunft voraussagen kann, und wollen damit reich werden. Sie werden dabei aber vom (wie schon beim Sandmann) sehr forsch auftretenden Rektor der Schule erwischt. Beim folgenden Gerangel wird der Roboter versehentlich aktiviert und gerät außer Kontrolle. Peter liefert sich gerade mit Flash Thompson, der ihn wieder mal gehänselt und provoziert hat, einen offiziellen Boxkampf. Diesmal hat er keine Bedenken, daß er sich damit als Spinne entlarvt – er will nur ganz sanft zuschlagen. Flash, der berüchtigte Schulhofbulle, geht dabei sofort k.o., doch die Zuschauer werden gleich darauf durch die Nachricht aufgeschreckt, daß der Roboter Amok läuft.

Peter verwandelt sich in der Verwirrung in die Spinne und versucht, den Roboter zu stoppen. Erst stellt er fest, daß der Apparat ganz schön stark ist, dann, daß er sich auf seine akrobatischen Fähigkeiten einstellt und selbst Strategien entwickelt, seinen Gegner zu erledigen. Schließlich bewegt sich der Roboter auf zwei Schüler zu. Die Spinne springt auf seinen Rücken und beginnt, den Aus-Knopf zu suchen. Der Roboter nimmt ihn dabei in seinen eisernen Griff. Als er deaktiviert ist, hat er die Spinne noch immer im Griff und bricht durch ein Fenster, aber mit ihrem Netz bewahrt die Spinne beide vor dem Absturz.

Die Schlußpointe ist nicht schlecht: Flash erwacht aus seiner Ohnmacht und ist verwirrt. Während er seine Schuhbänder zubindet, fallen die beiden Gauner, die den Roboter klauen wollten, über ihn und werden so an ihrer Flucht gehindert. Flash ist wieder der große Held. Peter streut geschickt das Gerücht, Flash sei die Spinne, und lenkt den Verdacht so von sich ab. An die Lösung des Roboters, die er übersetzen sollte, denkt niemand mehr (somit bleibt offen, ob er wirklich enttarnt worden wäre).

Aus heutiger Sicht ergibt die Story beinahe mehr Sinn als 1964, als sie veröffentlicht wurde. Lernfähige Roboter gibt es heute tatsächlich, und Computer sind zwar vielleicht nicht allwissend, haben aber mehr Daten über uns gespeichert, als uns lieb sein kann. Daß auf diese Weise die Geheimidentität der Spinne aufgedeckt werden könnte, erscheint heute absolut denkbar. Die Story besticht aber auch durch ihre humoristischen Elemente. Ihren Kampf mit dem Roboter garniert die Spinne hier mit ansatzweise selbstironischen Sprüchen („Oh, du liebes Netz! Wir schwingen wieder in die gute Stube!“). Höhepunkt der Story ist aber wohl der Boxkampf von Peter und Flash („Das war ein Ulk, Flash! Du mimst den Clown, so daß Parker glaubt, er sei superstark, dann machst du ihn fertig, nicht wahr?“ – „Wie? Ach ja. Ich mach‘ erst ein paar Späßchen!“).

Ditko setzt das Ganze in ordentliche Bilder um. Da, wo die Story lustig wird, liefert er passende Karikaturen der Gesichter. Er hat die Serie nun gut im Griff. Auch Gene Colan zeichnet übrigens den Submariner nun deutlich dynamischer und entfaltet allmählich seinen eigenwilligen Stil. In dieser Spider-Man-Episode gibt es keine Auftritte von Tante May oder Jonah Jameson. Dafür fehlt der Platz. Warum sie kürzer ausgefallen ist, weiß ich nicht. Vielleicht lag in USA die Zweitstory, „Spider-Man tackles the Torch“, schon vor und sollte verwertet werden.

Noch ein Blick aufs Cover: Da hat Williams nach Condor-Art massiv eingegriffen. Die flammende Fackel wurde entfernt, dafür ein Aquarius eingefügt. Er trägt einen schwarzglänzenden Anzug, paßt also eigentlich nicht hierher. Statt der zweiten Spinne-Story (die es nicht gibt) wird sein Abenteuer in einem gezackten Textkasten groß angekündigt. Das ist für meinen Geschmack deutlich zu viel Bearbeitung.
Peter L. Opmann ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 03.04.2018, 20:07   #49  
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jakubkurtzberg ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 04.04.2018, 07:51   #50  
FrankDrake
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Jedenfalls kündigt er Zeichnerporträts, Comic-Kleinanzeigen, Leserbriefe und Hinweise auf Comicevents an, was es in den Comics bis dahin tatsächlich wenig gab und was Williams dann in der Tat kultiviert hat. Gleich daneben die erste Leserbriefseite bei Williams. Man merkt, daß die Leser überwiegend schon die HIT-Comics kannten, manche auch die US-Originalhefte. Vor allem werden Wünsche geäußert: Poster, Abziehbilder, Heftnachbestellungen.
Die Leserbriefe waren für mich genauso ein Highlight wie der Marvel-Markt.
In späteren Heften gab es ja dann auch öfter den Blick über den großen Teich zu Serien die dort gerade schwer angesagt waren.
Ich habe bis zum Schluss gehofft das Conan und Co. es zu uns als Hefte schaffen.

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