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Alt 28.08.2015, 15:22   #26  
Servalan
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Ein dröges Thema, ich weiß. Wer aber mehr als hobbymäßig schreibt, sollte seine oder ihre Rechte und Pflichten kennen und zur Not wissen, wo etwas nachgeschlagen werden kann.
Sobald wieder eine technische Neuheit auf den Markt, mußte das Urheberrecht ergänzt und den neuen Umständen angeglichen werden: Das war beim Radio so, beim Fernsehen, den Tonbändern, den Audio-Leerkassetten, den Videocassetten ... grob gesagt, wird eigentlich ständig über Verbesserungen und Modernisierungen gefachsimpelt. Die Gesetze werden jedoch nicht täglich überarbeitet, sondern in größeren Abständen.

Deshalb bieten auch Vorträge, die einige Jahre alt sind, Nicht-Juristen einen ersten Überblick und Einblick in die Materie. Hier einige online-Tipps:
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Alt 02.09.2015, 14:20   #27  
Servalan
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Standard Selbstverlag

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Außerdem kann ich mir vorstellen, daß Autoren, die das Kleine Einmaleins beherrschen, mit den Rahmenbedingungen unzufrieden sind. Das Manuskript liefert die Initialzündung des Verlagsprozesses und stellt ungefähr 30 % des fertigen Buches dar. Wer dafür als Debütant mit mageren 5-8 % von den Nettoeinnahmen abgespeist wird, kann sich über den Tisch gezogen fühlen. Die fehlenden 20-25 % sollten in einem fairen Vertrag zumindest mittelfristig über andere Wege (Lesungen, Vorträge, Preise) hereinkommen.
Lange Zeit galt es als literarischer Selbstmord, seine Manuskripte im eigenen Verlag unter die Leute zu bringen. Kritik und Feuilleton ignorierten solche Werke konsequent, weil es keinen Lektoren, Herausgeber oder Verleger gab, der als unbeteiligter Dritter für die Qualität (oder den Erfolg beim Publikum) bürgte.
Wer den Band von Carla Berling gelesen hat, wird erfahren haben, daß früher dabei gemauschelt wurde - und in der Weltliteratur findet sich auch der eine oder andere Fall, der das Gegenteil beweist.

Mittlerweile haben sich die Verhältnisse gebessert, so daß ein Selbstverlag (Book-on-Demand, Kickstarter und andere) als bessere Alternative erscheint. Vorsicht! Geschenkt wird niemandem etwas. Und wer sein Manuskript selbst verlegt, von dem werden dieselben Fähigkeiten gefordert wie von jedem anderen Verlag auch. Bis das Buch angeboten werden kann, wird ein gewisser Einsatz an Geld und Zeit gefordert, der in der Folge beim Schreiben fehlt.
Gerade wegen des wachsenden Angebotes wird auch hier Professionalität verlangt, und das Publikum erwartet ein Produkt, das auf dem Markt konkurrieren kann. Bevor das eBook freigeschaltet wird oder das Buch in den Handel kommt, werden auch im Selbstverlag etliche Wochen oder Monate vergehen. Ein überhasteter Schnellschuß mit dem erstbesten Cover kann das Buch leicht ins Abseits befördern, wo es vergessen wird.

Deshalb beginnt der Weg zum selbstverlegten Buch meist mit einem Grundlagenseminar (meist ein Tagesseminar von 7-8 Stunden). Etwas Nachhilfe in Sachen Recht und Steuern wird in der Regel nötig sein.
Dann müssen professionelle freie Mitarbeiter geworben und entlohnt werden. Der Rattenschwanz an notwendigen Tätigkeiten wird länger und länger ... und ob die Rechnung aufgeht, steht in den Sternen.

Der goldene Mittelweg besteht in einer gesunden Mischung beider Welten. Wer schreiben will, informiert sich über neue Möglichkeiten. Wer jedoch die Wahl hat, überläßt den leidigen Papierkrieg und das mühselige Tagesgeschaft den Agenturen, den Verlagen und dem Buchhandel.

Falls etwas mit Herzblut der Schere zum Opfer fällt, bleibt immer noch der Selbstverlag als Ergänzung für treue Fans. Ein berühmtes Beispiel ist Marc Degens' Debütroman Vanity Love (1997). Der Alkyon Verlag verlangte von ihm damals, ein Kapitel seines Romans zu kürzen, sonst gäbe es keine Veröffentlichung. Degens ließ sich darauf ein, brachte das übergangene Kapitel jedoch unter dem Titel Hure Liebe. Verschwiegene Wahrheit (1997) in eigener Regie heraus. Durch diese Stategie fällt er in die Kategorie Hybrid-Autor, die bessere Verhandlungsmöglichkeiten eröffnet.
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Alt 14.09.2015, 14:22   #28  
Servalan
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Standard Literaturagenturen

Heute weiß wohl jeder, was damit gemeint ist.
Wer schreibt, will sich am liebsten auf die Geschichte und auf die Sprache konzentrieren. Weitere Verpflichtungen lenken ab, kosten Zeit und außerdem sind die wenigsten Autoren geschickt genug, um das Beste für sich in Verhandlungen einfordern zu können. Dazu gibt es die Hilfe von Profis - wie eben den Literaturagenturen.

Diese Agenturen bieten einen gewissen Service, und dafür verlangen sie ihr Stück vom Kuchen (im allgemeinen 15-20% des Autorenhonorars) - aber zum Tanz gehören zwei. Nicht jeder Autor braucht eine Agentur, und gute Agenturen drängen sich nicht auf. Deshalb gelten für eine Agentursuche ähnliche Kriterien wie für eine Verlagssuche.
Häufig werden Agenturen von ehemaligen Mitarbeitern aus Verlagen oder dem Buchhandel betrieben. Alte Kontakte spielen eine wichtige Rolle, deshalb haben sich die meisten Agenturen auf Genres oder Themen spezialisiert. Wer sucht, sollte das Profil der Agentur mit dem eigenen vergleichen.

Verträge laufen über einen längeren Zeitraum, das heißt: Auch die Autorinnen und Autoren verpflichten sich zur Mitarbeit. Die Chemie zwischen beiden Vertragspartnern muß stimmen.
Wer bloß "den Einen Großen Roman" in der Schublade hat, sollte sich die Suche lieber verkneifen (und den lieber im Selbstverlag oder BoD herausbringen).
Das Arbeitsverhältnis ist auf Dauer angelegt.
Die Agentur muß ständig publizierbare Mauskripte haben, um verhandeln zu können. Deswegen muß stetig Nachschub produziert werden.
Wenn die Manuskripte allerdings bei der Agentur verstauben und irgendwo in einer Schublade liegen, kommt der Dienstleister seinen Pflichten nicht nach. Das sollte am besten schriftlich abgemahnt werden. Falls sich dann immer nichts ändern sollte, folgende weitere Abmahnungen. Nach einer Frist kann der Vetrag dann vorzeitig gelöst werden.

Listen von Literaturagenturen online:Im Literaturcafé befinden sich zwei nützliche Beiträge, die schon ein paar Tage alt sind:
- Wolfgang Tischer: So erkennen Sie dubiose Literaturagenten, Literaturagenturen und Zuschussverlage (19. Februar 2008)
- Wolfgang Tischer: Welche Verlage und Literaturagenten wir Ihnen empfehlen können (23. Januar 2009)

Geändert von Servalan (14.09.2015 um 20:24 Uhr)
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Alt 14.09.2015, 15:11   #29  
Peter L. Opmann
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Weiß jemand, inwieweit im Comicbereich Agenten notwendig/üblich/im Kommen sind? Bei Graphic Novels könnte ich mir das vorstellen, vielleicht auch bei Werbecomics, aber ich weiß ehrlich gesagt nichts darüber.
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Alt 14.09.2015, 20:22   #30  
Servalan
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Wenn ich den Eintrag im ersten ICOM-Handbuch (1995, Seite 147) zurate ziehe, finde ich dort ein buntes Sammelsurium, das von klassischen Syndikaten für Zeitungscomics (King Features Syndicate, Bulls Pressedienst) über das ICOM-Zeichnerarchiv bis zu Agenturen im engeren Sinne (Becker! International, Contours Derouet/von Lonski) reicht. Von daher würde ich sagen, daß der Agenturbegriff im Comicbereich weiter gefaßt ist als in der Belletristik.

Solange Comicautoren exklusiv für ihren Hausverlag arbeiteten (wie Franquin für Dupuis oder Hergé für Casterman) waren Agenturen überflüssig. Wegen des "hire and fire" liegen die Anfänge in den USA sicher früher. Denis Kitchen gehört wohl zu den berühmtesten Comicagenten.
Welche Rolle Comicfestivals (Lucca, Angoulême und Erlangen) oder Workshops dabei spielen, das wäre sicher einen Forschungsbeitrag wert.
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Alt 14.09.2015, 22:10   #31  
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Auch im ICOM-Honorare-Ratgeber könnte was drinstehen. Allerdings habe ich meine Comicsammlung nicht zur Hand, sondern einige Kilometer entfernt in einem Keller deponiert.

Ich hatte gehofft, jemand schreibt hier vielleicht mal: Ich habe einen Agenten und gute Erfahrungen gemacht. Oder: Brauche ich nicht, und ich kenne auch keinen Zeichner, der einen Agenten hat.
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Alt 15.09.2015, 11:24   #32  
Servalan
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Die sind wohl zu beschäftigt, um überhaupt hierher zu finden.
Stell die Frage im alten CGN (unter "Comics allgemein", "Comicforschung" oder "Künstlerforen") noch einmal, dann wirst du eher Resonanz bekommen.
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Alt 16.09.2015, 06:54   #33  
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Weiß jemand, inwieweit im Comicbereich Agenten notwendig/üblich/im Kommen sind? Bei Graphic Novels könnte ich mir das vorstellen, vielleicht auch bei Werbecomics, aber ich weiß ehrlich gesagt nichts darüber.
In D, A und CH ist der Comicbereich so überschaubar wie die Auflagenhöhen. Da braucht man keinen Agenten. Auch nicht für Graphic Novels.

Werbecomics dagegen laufen meist über Illustrations-Agenten wie Hartmut Becker http://becker-illustrators.de/ oder Paul Derouet http://www.contours-art.de/ und Co.

Geändert von G.Nem. (16.09.2015 um 07:01 Uhr) Grund: Links eingefügt
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Alt 16.09.2015, 07:34   #34  
Peter L. Opmann
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Ah, danke. Becker und Derouet sind ja bekannt - aber die scheinen demnach Ausnahmeerscheinungen zu sein.

Bleibt das Problem, daß der Comiczeichner dann selbst mit dem Verlag verhandeln muß, auch wenn er von Honorarpolitik und ähnlichem keine Ahnung hat.

Demnächst werfe ich wieder mal einen Blick in den Honorareratgeber.
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Alt 16.09.2015, 08:22   #35  
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
(...) aber die scheinen demnach Ausnahmeerscheinungen zu sein.(...)
Nein, die beiden sind im Illustrationsbereich für Werbung etc. keine Ausnahmeerscheinungen. Es gibt in D,A und CH viele Illustrationsagenten (kann ich hier aber nicht alle listen )
Die Spezialität der Beiden ist aber, dass sie sich gleichzeitig auch mit dem regulären Comic-Markt im Ausland auskennen und da als Vermittler schon tätig waren.
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Alt 16.09.2015, 08:29   #36  
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
(...)
Bleibt das Problem, daß der Comiczeichner dann selbst mit dem Verlag verhandeln muß, auch wenn er von Honorarpolitik und ähnlichem keine Ahnung hat. (...)
Über Standard-Buch-Verträge, die auch für den Comic-Bereich gelten kann man sich auch als Anfänger vorher im Netz informieren.

Sehr brauchbar (auch für Profis) ist z.B. der Börsenverein des deutschen Buchhandels unter diesem Link > http://www.boersenverein.de/de/158329
Dort findet sich reichlich Material zum downloaden.
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Alt 16.09.2015, 08:39   #37  
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Zitat:
Zitat von Servalan Beitrag anzeigen
(...)
Mittlerweile haben sich die Verhältnisse gebessert, so daß ein Selbstverlag (Book-on-Demand, Kickstarter und andere) als bessere Alternative erscheint. (...)
Der Rowohlt-Verlag bietet jetzt seit 2 Jahren ein reines Ebook-Label an, in der auch junge Nachwuchsautoren Platz finden.
Infos siehe z.B. unter > http://www.boersenblatt.net/artikel-...ly.623654.html
Gilt bis jetzt allerdings nur für Belletristik (also die reinen Schreiberlinge) und nicht für Graphic-Novels (wenn ich das richtig sehe).
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Alt 30.09.2015, 14:14   #38  
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Standard eBook-Veröffentlichung

Völlig kostenlos kann man jetzt sein Manuskript als eBook für den Tolino-Reader publizieren.

Details unter > https://www.tolino-media.de/de/Vorte...olino/So-gehts


...

Geändert von G.Nem. (19.10.2015 um 09:54 Uhr) Grund: Schreibfehler korrigiert
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Alt 05.11.2015, 15:11   #39  
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Standard Forensische Linguistik

Wer professionell arbeitet, muß in Übung bleiben. Blicke über den Tellerrand können sehr aufschlußreich sein.
Auf den ersten Blick richtet sich die Antrittsvorlesung des forensischen Sprachwissenschaftlers Professor Malcolm Coulthard neben seinem studentischen Publikum an Leute, die Krimis schreiben oder die einige Szenen im Gerichtssaal spielen lassen wollen.

Dabei widmet er sich folgenden Themen: Wieviele SMS brauche ich, um ein Profil erstellen zu können? Wieviele Worte braucht ein Satz, um einmalig zu werden? Wie funktionieren Plagiate? Wie können Plagiate aufgedeckt werden? Wie bringe ich das, was ich sagen will, ins Gespräch, wenn mein Gegner gar nicht an meinen Erkenntnissen interessiert ist?

Wer sich für Sprache interessiert, wird hier Material in verdichteter Form finden, das zu weiteren Überlegungen anregt. Coulthard geht über die verbale Sprache hinaus und erläutert, wie sich die Rolle als Zeuge (bzw. als Gutachter), die Architektur des Gerichtssaales, die erlaubten Mittel, um die Beweise zu erklären usw., auf das eigene Gesprächsverhalten niederschlagen.

Lohnt sich.

Forensic Linguist As Detective & Expert Witness: an Inaugural Lecture by Professor Malcolm Coulthard (2008, seit 2010 online - knapp 64 min) - Leider nur auf Englisch.
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Alt 07.11.2015, 18:13   #40  
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Standard eBook: Ein Format in den Kinderschuhen

Selbst das beste Manuskript verwandelt sich nicht automatisch zum Roman, wenn es simpal als pdf formatiert wird. Wie im klassischen Literaturbereich bleiben Marketing, Vertrieb und Distribution die kritischen Punkte, die gemeistert werden müssen, wenn ein Publikum angesprochen werden soll.
Denn das Publikum kann nur entdecken, was es weiß: Es muß zumindest vom Titel gehört haben. Eine Empfehlung aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis wäre natürlich besser. Solange sich noch keine festen Strukturen etabliert haben, bleibt das Buhlen um neue Fans und Leserschichten die Hauptsache. Dabei bieten digitale Formate Chancen, die bislang ungenutzt bleiben, weil niemand das Risiko wagt. Was sich als Marketingschnickschnack anbiedert, kann zwar kurzfristig Aufmerksamkeit bekommen - allerdings verpufft die ebenso rasch wieder.

2013 wagten Andreas Winkelmann und der Rowohlt Verlag mit Deathbook ein spartenübergreifendes Experiment, bei dem das eBook als zehnteilige monatliche Serie bloß Teil eines größeren Ganzen war. Selbstverständlich wurden fb, Twitter und Blogs eingebunden, die von Autorinnen und Autoren betreut wurden, die Winkelmann vorher ausgewählt und gebrieft hatte.

"Enhanced Books" mit QR-Codes, die auf dem Smartphone oder ähnlichen Geräten zusätzliche Gimmicks bieten, können nicht das Ende der Entwicklung sein. So wie ein Film kein aufgezeichnetes Theater ist, sondern ein eigenes Medium, wird sich in den nächsten Jahrzehnten hier etwas entwickeln, das sämtliche klassischen Grenzen sprengen wird. Egal, ob es sich um Texte, Bilder, Videos, Grafiken oder Games handelt, für die Prozessoren sind das allesamt Datensätze.

Wie lange diese Entwicklung dauern wird, und wie sie sich entfaltet, darüber kann ich nur spekulieren. Aber die nachwachsenden Generationen gehen ziemlich unbefangen und spielerisch mit den Medien um.

Warum muß ein eBook auschließlich aus Text bestehen? Ich kann mir Werke vorstellen, in denen bestimmte Passagen nur als (Motion) Comic oder Audio existieren. In Joseph Conrads berühmten Roman Nostromo findet sich eine Passage, die in stockfinsterer Nacht spielt. Geister (Frankfurter Verlagsanstalt 2008) von Thomas von Steinaecker wird durch Comics von Daniela Kohl unterbrochen.

Außerdem stellt der gedruckte Text nicht immer ein Endprodukt dar, das so bleibt, wie es zum ersten Mal erschienen ist. Einige Autorinnen und Autoren verändern ihre Werke immer wieder, so daß letztlich keine Fassung der anderen gleicht. Der gemeinsame Titel täuscht also über Wechselbälge hinweg. Ein prominenter Vertreter dieser Arbeitsweise war Ernst Jünger, dessen In Stahlgewittern (die erste der zwölf Fassungen erschien 1920) von Klett Cotta 2013 mit einer historisch-kritischen Ausgabe gewürdigt wurde.
Eine digitale Fassung könnte dem Publikum von vornherein eine Wahl bieten: Willst du die jeweils aktuelle Fassung (mit oder ohne Updates)? Willst du Zugriff auf alle Endfassungen? Willst du eine Ausgabe mit Ergänzungen (Interviews, Berichte, Werkstattberichte, verworfene/gekürzte Stellen)?

Hier wäre noch vieles möglich.

Geändert von Servalan (07.11.2015 um 18:19 Uhr)
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Alt 08.11.2015, 13:56   #41  
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Standard SLAM 2015 - die deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften

http://www.slam2015.de/

Wie bei jeder sportlichen Angelegenheit, gibt es auch beim Poetry Slam Meisterschaften: EinsPlus präsentiert heute zur besten Sendezeit um 20:15 - 21:45 Uhr (also gegen den neuesten Thiel/Boerne-Tatort) das Finale. Keine Sorge, wer die Sendung verpaßt hat, für den gibt es Wiederholungen.
Zitat:
"PULS" präsentiert: Slam 2015 - den größten Dichter-Wettkampf dieser Art im deutschsprachigen Raum. Rund 180 der besten Slammer/innen aus Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz treten bei den 19. deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften 2015 an. Slam 2015, der größte Dichter-Wettkampf dieser Art im deutschsprachigen Raum, wird vom 3. bis 7. November in Augsburg ausgetragen. In Vorrunden und Halbfinals kämpfen sich die Poetinnen und Poeten in das Finale vor. Neben dem Einzelwettbewerb gibt es einen gesonderten Teamwettbewerb. Beim Einzelfinale am 7. November buhlen die neun besten Slammerinnen und Slammer aus den Vorrunden um die Gunst der Publikumsjury. Wer wird der oder die beste Slammer/in Deutschlands 2015? Die von "PULS", dem jungen Programm des BR produzierte, 90-minütige Highlight-Sendung wird es klären.
09.11.2015 | 02:00 Uhr | EinsPlus
SLAM 2015 - die deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften
Das Finale im Einzelslam aus Augsburg

09.11.2015 | 18:45 Uhr | EinsPlus
SLAM 2015 - die deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften
Das Finale im Einzelslam aus Augsburg

09.11.2015 | 22:30 Uhr | Einsfestival
SLAM 2015 - die deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften
Das Finale im Einzelslam aus Augsburg

27.11.2015 | 01:00 Uhr | Einsfestival
SLAM 2015 - die deutschsprachigen "Poetry Slam"-Meisterschaften
Das Finale im Einzelslam aus Augsburg

Geändert von Servalan (08.11.2015 um 15:06 Uhr)
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Alt 20.11.2015, 19:11   #42  
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Standard Die zwei Stimmen des Erzählens

Geschichten können auf vielerlei Weisen in die Binsen gehen. Letztlich hilft da nur ständige Übung. Fehler zu machen, ist keine Schande; wer jedoch daraus lernt, vermeidet sie beim nächsten Mal.

Besonders Anfänger können ihre eigenen Werke kaum einschätzen. Ein richtiges Probepublikum, das hilfreiche Anmerkungen und Kommentare gibt, kann dabei helfen. (Freunde, Verwandte und Bekannte dürften in den wenigsten Fällen geeignet sein: Entweder loben Alles über den grünen Klee oder sie sind nie zufrieden zu stellen.)

Wer sich bestimmter Grundlagen bewußt ist, kann besser einschätzen, wie eigene Texte wirken. Geschichten sind nämlich spezielle Texte. Und die ersten Versuche dürften bei den meisten kläglich scheitern. (Später berühmt gewordene Autorinnen und Autoren bilden keine Ausnahme.) Was ist das Besondere am Erzählen?

Jede Geschichte hat zwei Ebenen. Bei den Genres historischer Roman oder Science Fiction und Fantasy sticht das geradezu ins Auge.
Aber die Regeln gelten für alle erzählten Werke: Auf der obersten Ebene spricht die Autorin (oder der Autor) zu seinem Publikum, auf der Ebene darunter sprechen und handeln die Figuren in ihrer Welt. Beide Ebenen müssen ins Gleichgewicht gebracht werden, damit das Publikum bei der Stange bleibt.
Eine reale Geschichte aus dem antiken Ägypten oder von einer Nicht-menschlichen Spezies wäre unverständlich, einfach weil das fremde Welten sind. Beim Schreiben sind gewisse Kompromisse unvermeidlich, wenn das Werk verständlich bleiben soll. (Große Sprachkünstler dürfen weniger Rücksichten nehmen. Dennoch sollten die Regeln bekannt sein, bevor sie bewußt gebrochen werden.)

Wenn jemand mit Verve begeistert eine Zeile nach der anderen zu Papier (oder auf den Monitor) bringt, heißt das noch lange nicht, daß das Publikum diese Begeisterung auch spürt.
Ein anderer Fehler besteht darin, sich in die erzählte Welt zu verlieben und sie so detailreich zu schildern, daß das Publikum sich irgendwann gelangweilt ausklinkt.

Der Kulturwissenschaftler Walter Ötsch hat 2012/2013 am ICAE in Linz eine Einführungsveranstaltung über "Welt-Bilder" von der Antike bis in die Gegenwart geliefert. Sie liefert gute Anhaltspunkte für eigene Gedanken.

Geändert von Servalan (19.02.2017 um 15:43 Uhr)
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Alt 25.11.2015, 16:51   #43  
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Standard "Wie im echten Leben!"

Bei meinen Lesungen wunderte ich mich des öfteren, wie wenige Andeutungen genügten, um das Publikum vom "Realismus" der Geschichte zu überzeugen.
Punkt, Punkt, Komma, Strich - das reichte vollkommen aus, schon entdeckten die meisten Zuhörer ein Gesicht.

Wer zuviel erklärt, langweilt das Publikum oder verärgert es sogar. Lesen (und Zuhören) ist etwas Aktives, und das Publikum will sich beteiligen, weil es sich die Story auf diese Weise aneignet und so zu seiner eigenen macht.

Menschliche Wahrnehmung ist eine kompexe Sache, die für Laien ziemlich kompliziert werden kann. Dennoch sind gewisse Grundlagen für Autorinnen und Autoren unvermeidlich, zumal die dann mehrfach zum eigenen Vorteil eingebracht werden können.
  • Es liefert eine Richtschnur dessen, was bei der Bearbeitung des Manuskripts als überflüssig gestrichen und gekürzt werden kann.
  • Wenn jemand mit Agenturen, Verlagen, Redaktionen und Herausgebern arbeitet, hilft dieses Wissen, eigene Gefühle mit stichhaltigen Argumenten zu unterfüttern. Im Vordergrund steht dabei die Gestaltung des Produkts Roman (Cover, Typographie, Seitenlayout usw.).
  • Wenn jemand im Eigenverlag all diese Kosten vorsteckt, kann die Qualität der Mit- und Zuarbeiter besser beurteilt werden. Es schützt davor, von Fachleuten aus dem Bereich über den Tisch gezogen zu werden.
Natürlich muß niemand zum Experten (oder zur Expertin) werden, ein Crashkurs am Wochenende reicht allemal. Wer mehr wissen möchte, wird sich früher oder später sowieso aktuelle Fachbücher (Design, Werbung, Marketing und PR) besorgen - oder sie aus einer Bibliothek ausleihen.

Als Schnupperkurs biete ich eine Vorlesungsreihe von Dr. Falk Richter an, der 2015 für ein Fernstudium entstanden ist:Sowie:
Unimedizin Mainz 2014: Kunst und Wahrnehmung - Wahrnehmungsvorgänge (1:37 Stunden)

Geändert von Servalan (26.11.2015 um 15:52 Uhr)
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Alt 01.12.2015, 15:47   #44  
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Standard Do-It-Yourself: Den eigenen Verlag gründen

Wer sein eigenes Ding unter Kontrolle behalten will und bestimmte Vorstellungen hat, wie das fertige Buch aussehen soll, kann mittlerweile alles selbst machen. Inzwischen hat der Eigenverlag, Selbstverlag bzw. das Self-publishing den Ruch verloren, ein skurriles Hobby für hoffnungslose Dilettanten und Amateure zu sein, die bestenfalls mitleidig belächelt werden. Allerdings werden dann auch professionelle Standards verlangt.

Wolfgang Tischer bietet beispielsweise regelmäßige Seminare zu dem Thema an.
http://www.literaturcafe.de/e-book-seminar-stuttgart/

Irgendwie muß das Buch in die Hände des Publikums gelangen. Konkrete Tipps und Ratschläge sind wesentlich hilfreicher als die hippen Plastikwörter des Marketing-Sprech. Der Weg zum eigenen Verlag führt deshalb über mehrere Stationen und verlangt etliche Qualitäten jenseits des Schreibens, die andernfalls von Agenturen und Verlagen eingebracht werden. Etliche Teile sind gesetzlich und vertraglich geregelt.

Zunächst sollte kalkuliert werden, ob sich der Aufwand für das geplante Manuskript überhaupt lohnt. Diverse Seiten erläutern die einzelnen Schritte und helfen bei der Kalkulation:
  • Börsenverein des deutschen Buchhandels: Verlagsgründung mit Linkliste zum Download (Link)
  • Heike Thormann: In 10 Schritten einen Selbstverlag gründen (12. Oktober 2012)
  • Handelskammer Hamburg: Existenzgründung und Unternehmensförderung. Gründung eines Verlages (HK Hamburg)
  • Charlotte Schmidt (Haus der Literatur): "Kapitel 4 - Selbstverlag: Von Nutzen und Nachteil des eigenen Unternehmens", aus: Wissen kompakt für Autoren: Verlagssuche. Alles, was Sie zum Thema Schreiben und Veröffentlichen wissen müssen (2007)
  • Buchwerft: Wissen für Selbstverleger: Wie gründe ich meinen eigenen Verlag? (26. März 2014)

Einfach schnell geht das nicht.
Sehr wahrscheinlich dauert der gesamte Prozeß fast so lange (oder länger) wie die Suche nach einer Agentur und/oder einem Verlag, bei dem beide Parteien zufrieden und glücklich sind.
Wer hier pfuscht, landet unsanft auf dem Boden der Tatsachen.

Nach solch einem Seminar werden die Illusionen verflogen sein. Und wer sich danach entscheidet, von solch einem Unternehmen die Finger zu lassen, wird den Anteil der übrigen Helfershelfer im Buchhandel (Agentur, Verlag, Lektorat, Grossist und Buchhandel) am Erfolg des Werks besser zu schätzen wissen.
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Alt 13.12.2015, 15:32   #45  
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Standard Klein, aber fein: Zines

Bei all der Begeisterung für die (neuen ?) digitalen Formate darf eines nicht übersehen werden: Technisch beschränkt sich der Handel auf einen höchst individualisierten Zugang (Access), also muß das Publikum das Buch ausdrücklich anfordern. Und selbst dann besteht die Gefahr, daß der Vertriebspartner plötzlich den Access unterbindet und die Datei löscht.
Als Amazon 2009 ohne Vorwarnung George Orwells 1984 vom Kindle löschte, rauschte es im Blätterwald und Jeff Bezos mußte sich entschuldigen.

Durch diese rechtliche Zwangslage, bei der das Publikum noch nicht einmal Sicherheitskopien für den eigenen Gebrauch anfertigen darf, verlieren vor allem nicht-etablierte Autorinnen und Autoren klassische Möglichkeiten, bekannt zu werden:
Verliehene Bücher kommen in den seltensten Fällen zurück.
Außerdem können Exemplare verschenkt, gespendet, vererbt oder irgendwo vergessen werden (Buchtauschringe).
Für eBooks gibt es bestenfalls eine Art lebenslanges Leasing.

Im angelsächsischen Bereich floriert eine bunte Zine-Kultur: Lose erscheinende Zeitschriften, Künstlerbücher und Magazine in winziger Auflage bilden einen Grauen Markt, teilweise unter dem Radar des etablierten Marktes. Ein Privatdruck kann so als Visitenkarte fungieren und zum Beispiel anderen Leuten in der Literaturbranche zeigen, daß jemand sein Handwerk versteht. Wenn das Konzept überzeugt, findet sich womöglich ein Mäzen oder Sponsor.

Beiträge für Zines lassen sich innerhalb einer Community tauschen, so daß ein weiteres Erscheinen gesichert werden kann. Zu den unschlagbaren Vorteilen der marginalen Werke gehört der Papiercharakter: sie können signiert werden, zum Beispiel bei Lesungen oder Workshops. Wenn eine Gruppe gemeinsam eines oder mehrere Zines hergestellt, kann das Ereignis für ein Event genutzt werden und als kleines Festival oder im Beiprogramm einer größeren Veranstaltung (wie zum Beispiel Ladyfest oder Konzerte) eine Bühne bieten.

Wer Englisch kann, findet etliche Ratgeber für diese kleine Nische:
  • Aimee Cliff: "How To Make A Zine For The Internet Age", in: The Fader (2015)
  • Patrick Ilagan: "7 Reasons Why You Should Make A Zine", in: ucreative (2015)
  • Emma Dajska: "How to Make a Zine. Zine-making isn’t about rules or knowledge; it’s about freedom and POWER", in: RookieMag (2012)
  • Corinna Kirsch: "What You Need to Know about Comics and Zine Self-Publishing", in: The L Magazine (2012)
  • ZineWiki: http://zinewiki.com/Zine
Siehe auch:
  • Jens Neumann (Hg.): Fanzines. Wissenschaftliche Betrachtungen zum Thema, Ventil Verlag 1997
  • Jens Neumann (Hg.): Fanzines 2. Noch wissenschaftlichere Betrachtungen zum Medium der Subkulturen, Ventil Verlag 1999
Wenn alles geklappt hat, können sich Zines wie (gutartige) Viren verbreiten.
Viel Spaß!
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Alt 13.12.2015, 16:12   #46  
Peter L. Opmann
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Hatten wir hier schon das Thema "Heftromane" (also "Groschenromane")? Ich bin vor ein paar Tagen mit dem Thema unversehens in Berührung gekommen (nicht zum ersten Mal freilich). Es ist vielleicht nicht ganz uninteressant, denn im Gegensatz zur "gehobenen" Literatur kann das häufiger ein Broterwerb sein. Und man hat deutlich mehr Leser, denn Heftromane werden tatsächlich gekauft, um gelesen zu werden - nicht um sie ins Regal zu stellen. Allerdings wirft man sie oft auch nach dem Lesen weg...

Im Zuge meiner Beschäftigung mit dem Thema bin ich auch auf einen Ratgeber für angehende Heftromanschreiber gestoßen: "Heftromane schreiben und veröffentlichen" von Anna Basener (2010). Das gilt wohl als Standardwerk, wobei die Autorin selbst sowas schreibt und zwar wohl schwerpunktmäßig Liebesromane. Ihre Tips sollen aber auf Krimis, Western, Science Fiction oder Gruselromane grundsätzlich übertragbar sein.

Das ist ihre website: www.heftromaneschreiben.de
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Alt 15.12.2015, 13:49   #47  
Servalan
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Nur zu, mich interessiert das Thema auch.
Leider habe ich keine Aktien in Sachen Heftromane, und ohne Erfahrung fehlt mir da die Expertise. Ich könnte nur aus zweiter Hand referieren (zum Beispiel die Uschtrin-Empfehlungen wiederkäuen), also lasse ich das lieber.

Wenn ich Tipps und Ratschläge gebe, speise ich meine eigenen Erlebnisse und Kenntnisse aus der Literaturszene ein. Nach Möglichkeit aktualisiere ich mein Wissen und passe es an die jetzigen Anforderungen an.
Ich möchte die Rubrik nicht mit Bullshit vollmüllen, sondern lieber gezielt vorgehen. Ich bin nicht allwissend, und Spam es schon genug.
Solange es keine neuen Entwicklungen gibt, lasse ich den Thread lieber ruhen. Dadurch wird wohl zeitweise der Eindruck entstehen, die Rubrik wäre eingeschlafen. Aber das halte ich für die bessere Alternative.

Außerdem kann jeder etwas beitragen, der andere an seinen Freuden und Leiden teilhaben lassen will. Das ist ein offenes Forum, und ich höre gern zu (bzw. lese mit), wenn ich etwas lernen kann.
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Alt 15.12.2015, 15:44   #48  
Peter L. Opmann
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Ich muß gestehen, ich bin auch nicht so der Heftroman-Leser. Ich habe schon einiges über "Perry Rhodan" gelesen, zuletzt "Perry Rhodan. Analyse einer Science-Fiction-Romanserie" von Claus Hallmann (1979; wohl eine Doktorarbeit). Aber zu der Serie selbst habe ich nie recht einen Zugang gefunden.

Das Jerry-Cotton-Buch von Martin Compart (2010) fand ich auch sehr interessant. Cotton-Romane kenne ich zumindest etwa eine Handvoll, aber ich denke mitreden kann man erst, wenn man zumindest ein paar Dutzend gelesen hat.

Ein bißchen Erfahrung habe ich mit "Dämonenkiller", "Mythor" und "Maddrax" (daran schreiben Leute, die ich kenne, mit). Aber die Betonung liegt auf "ein bißchen".

Die meisten Heftromane sind wohl in sich abgeschlossen. Man hat es also wohl potentiell mit der ewigen Wiederkehr des Immergleichen zu tun. Das gilt aber für "Rhodan" offenbar nicht, sondern der bietet eine eigene Welt, die sich ständig verändert und entwickelt. Aber wie ich höre, braucht man hier auch eine Weile, bis man sich eingelesen hat - die Geduld hatte ich nicht.
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Alt 15.12.2015, 16:57   #49  
Servalan
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Standard Wichtig: Umgang mit Kritik

Sobald ein Werk ein veröffentlicht ist, fängt es ein eigenes Leben an. Dabei ist es schnurz, ob es sich um eine Kurzgeschichte, einen Roman oder ein Sachbuch handelt. Wenn es vekauft oder verschenkt worden ist, entgleitet es den Händen des Autors. Später können diese Werke an den unmöglichsten Stellen auftauchen.

Bei uns gilt die Kunst- und Meinungsfreiheit. Wer will, kann die abstrusesten und bizarrsten Bücher fabrizieren. Vielleicht findet sich ein Publikum, vielleicht auch nicht. Und wer ein Buch erworben oder geschenkt bekommen hat, kann damit machen, was er oder sie will: Es lesen, es nicht-lesen, mit ihm ein Regal schmücken oder es als Keil für wacklige Möbel nutzen.
Außerdem besitzt das Publikum das Recht, das Buch nicht zu mögen oder es zu hassen. Kein Autor hat das Recht, ein bestimmtes Verständnis seines Werkes einzuklagen. Wer krampfhaft versucht, sein Publikum zu kontrollieren, macht sich bestenfalls zur Witzfigur. Schlimmstenfalls geht die Reputation baden, und die Karriere verschwindet im Orkus.

Niemand kann gute Rezensionen einklagen. Verrisse sind Berufsrisiko.
Wer wie John Asht (Twin-Pryx-Trilogie beim Roder Verlag) 2012 eine bösartige Verschwörung eines ominösen Rezensenten-Kartells wittert, wird zum Gespött.
Vorsicht, die Branche hat ein langes Gedächtnis.

Jede hinterlistige Manipulation fliegt früher oder später auf. Wer Empfehlungen auf A***** oder Follower bei T****** kauft, wird irgendwann ertappt. Dann fühlt sich das Publikum zurecht über den Tisch gezogen, und die gutgemeinten Tricks und Kniffe richten beträchtlichen Schaden an.
Spätens nach dem eigenen Tod verliert auch der erfolgreichste Schriftsteller (wie zum Beispiel Günter Grass) die Definitionshoheit über sein Werk.

Das Beste ist, gute Miene zum gemeinen Spiel zu machen und zu schweigen.
Wer will, denkt sich ihren oder seinen Teil.
Ich habe mich manchmal gewundert, was Rezensenten in meinen Werken alles entdeckt haben. Und wenn mich jemand aus der Literaturszene parodiert hat, habe ich das als Ehre empfunden und nicht tränenreich ob meiner verletzten Eitelkeit geschmollt.

Der größte Teil des Veröffentlichten wird glücklicherweise vergessen.
Klassiker sind rar und kostbar.
Ein kleiner Trost: Gute Werke können wiederentdeckt werden.
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Alt 17.12.2015, 08:32   #50  
michidiers
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Interessantes Thema, das ich soeben erst hier gefunden habe!

Ich freue mich schon auf weitere, lehrreiche Aspekte hinsichtlich der Buchveröffentlichung.
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