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Alt 08.02.2019, 20:57   #501  
Peter L. Opmann
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Hey, das 500. Posting (liegt hinter uns). Jetzt geht's um

Spinne (Williams) 114

Erscheinungstermin: 6/1978

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 113
2) Mighty Thor # 138

Story-Titel:
1) Man nennt den Doktor… Octopus!
2) ohne Titel (Die Flammen des Kampfes!)

Original-Storytitel:
1) They call the Doctor… Octopus!
2) The Flames of Battle!

Zeichnungen:
1) John Romita / Tony Mortellaro / Jim Starlin
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Gerry Conway
2) Stan Lee



Gerry Conway zieht neue Saiten auf. Er führt Neuerungen in der Handlung ein – mir sind zwei Dinge aufgefallen: Die Spinne wird zu einem gehandicapten Helden; wie sich herausstellt, hat Peter Parker ein Magengeschwür, das ihm vor allem im Kampf kaum erträgliche Schmerzen bereitet. Vorher hatte er immer nur Schnupfen und Grippe, die ihm seine Spinnenkräfte raubten. Der gehandicapte Held erinnert mich an die großen Western von Howard Hawks, vor allem „Rio Bravo“. Und ein Zweites: Erstmals wird in dieser Ausgabe ein Gangster im Rahmen eines Bandenkriegs erschossen. Das ist ein Motiv aus dem Genre der Hard-boiled-Krimis und kam in Marvel-Comics bisher nicht vor. Conway repräsentiert also eine neue Autorengeneration, die die Grenzen des bisher Möglichen verschieben möchte. Vielleicht ist diese Episode ein erster Schritt hin zum Tod von Gwen Stacy.

Trotz der etwas brutaleren Gangart ist das insgesamt ein konventionelles Spinne-Abenteuer. Es gibt auch Elemente, die man gut kennt, etwa die Probleme von Peter mit seinem Spinne-Kostüm (Doc Ock hat ihm die Maske vom Kopf gerissen, seine wahre Identität aber doch nicht zu sehen bekommen, und Peter muß sich nun mit einer Maske aus dem Kostümverleih behelfen) oder der Konflikt zweier Gangsterbosse, die beide die Oberherrschaft in New York anstreben (Ock und Hammerkopf – ich frage mich wieder: Wo bleibt da Kingpin?). Zeichner John Romita erreicht trotz Unterstützung durch zwei Inker wieder nicht die Klarheit und Brillanz wie beim Gibbon-Zweiteiler, aber ich habe an seiner Grafik nichts wirklich auszusetzen. Auffällig ist, daß er sehr stark mit der Größe der Panels variiert. Manchmal verwendet zehn Panels auf einer Seite, dann wieder nur drei.

Sobald Ock aufgetaucht ist, sucht eine rätselhafte Schwäche die Spinne heim, wodurch sie sich seines Angriffs nur mühsam erwehren kann. Das wird erst im Nachheinein erklärt, nämlich durch das Magengeschwür. In dem Moment, als sie demaskiert wird, verklebt sie Ock die Brille, so daß sie unerkannt flüchten kann. Ock schleudert die Maske wütend weg. Ausgerechnet Randy Robertson findet sie und bringt sie natürlich seinem Vater beim Daily Bugle. Jetzt kommt die Szene, in der einer der Gangster dran glauben muß. Ock hatte ihn beauftragt, einen Nachtclub auszuspähen, der mit dem neuen Gangsterkönig Hammerkopf (der Name spielt tatsächlich auf seine Kopfform an) in Verbindung steht. Hammerkopf läßt den gegnerischen Spion von einem seiner Leute abknallen; es wird deutlich, daß er Ock eine Falle stellen will.

Dr. Octopus stattet Hammerkopfs Leuten in dem Club einen Besuch ab, mischt sie auf und zeigt Hammerkopf, daß ihn die Falle kein bißchen beeindruckt. Peter Parker schleppt sich inzwischen nach Hause, träumt von Tante May (die ja immer noch verschwunden ist) und wird von Gwen geweckt. Harry Osborn hat bereits einen Arzt geholt, den schon lange bekannten Dr. Bromwell, der zielsicher das Magengeschwür diagnostiziert – vom Spinnenkostüm, das Peter unter seinem Hemd trägt, bekommt er dagegen nichts mit. Bromwell verordnet zunächst Tabletten. Wie oft, wenn er den Grund seiner Schlappheit kennt, rappelt sich Peter wieder auf und entwickelt die Fotos, die er von seinem Kampf mit Ock gemacht hat. Jonah Jameson ist zufrieden. Er zeigt Peter die Spinnenmaske und sieht darin das Zeichen, daß die Spinne am Ende ist.

Peter trifft Betty Brant und Ned Leeds; Ned erzählt, Tante May sei bei einem Dienstbotenservice an der Lower East Side aufgetaucht. Peter macht sich sofort auf den Weg. Dabei wird er aber, natürlich in Gestalt der Spinne, wieder von Doc Ock angegriffen. Wieder kann sich die Spinne wegen des Magengeschwürs kaum wehren. Sie lockt Ock aber an einen bestimmten Ort. Dort befindet sich die Apparatur, die am Ende des letzten Hefts einer von Ocks Leuten trug und seine Kärfte vervielfachte. Als die Spinne sie angelegt hat, kann sie Ock k.o. schlagen. Das bringt sie aber selbst an den Rand ihrer Kräfte. Da erscheint Hammerkopf mit zwei Bandenmitgliedern auf der Bildfläche.

Das Cover dieser Ausgabe erfaßt man nicht auf den ersten Blick. Wir sehen die Spinnenmaske, vermutlich im Büro von Jonah Jameson an die Wand gepinnt, und davor einen Zeitungsausriß, in dem es um den Kampf zwischen Spinne und Ock geht. Nichtsdestotrotz ein ungewöhnliches und wirkungsvolles Motiv. Der Spider-Man-Film von 1977 wird nun nicht mehr beworben. Es ist also Platz für ein Doc-Ock-Miniposter aus Ditko-Zeiten, eine Kleinanzeigen-Seite und wieder mal für die Sea-Monkeys-Werbung.

Geändert von Peter L. Opmann (12.02.2019 um 22:44 Uhr)
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Alt 09.02.2019, 09:12   #502  
jakubkurtzberg
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Das Cover wurde übrigens nachträglich (in den USA) bearbeitet. In der Ursprungsversion grinst Doc Ock, siehe Hit Comics Die Spinne Nr. 250.
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Alt 09.02.2019, 10:03   #503  
Peter L. Opmann
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Alt 10.02.2019, 08:56   #504  
Peter L. Opmann
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Ein Kommentar zu Spinne # 114:

Zitat:
Deine Spidey-Rezi läuft ja ein bisschen über von "New Hollywood"-Anspielungen. Die Idee mit der Plastikmaske fand ich ganz nett. Das hatte es in ähnlicher Weise aber schon mal mit einer Papiertüte (!) gegeben.
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Alt 10.02.2019, 14:03   #505  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Spinne (Williams) 114
Das Cover mit dem Zeitungsausschnitt und der Spinnenmaske finde ich auch sehr gelungen. Wie überhaupt John Romita in dieser Phase meist noch sehr effektvolle Cover zeichnet. Leider erkennt man die Maske in der Williams-Fassung erst auf den zweiten Blick, weil der Zeitungsausschnitt etwas größer ist als im Original und die Augen der Maske weiter verdeckt. Bei der Kolorierung wurde auch etwas geschlampert; links oben neben dem Logo gibt es eine gelbe Ecke, die rot sein müsste, rechts neben dem grünen Kreis gibt es eine rote Ecke, die gelb sein müsste. Unten gibt es auch ein paar gelbe Striche, die da nichts zu suchen haben. Na gut, das ist vielleicht etwas pingelig.

Zitat:
Jetzt kommt die Szene, in der einer der Gangster dran glauben muß. Ock hatte ihn beauftragt, einen Nachtclub auszuspähen, der mit dem neuen Gangsterkönig Hammerkopf (der Name spielt tatsächlich auf seine Kopfform an) in Verbindung steht. Ock verspricht dem Spion eine „Belohnung“, die ihm ein anderer Gangster in Form einer Bleiladung zukommen läßt. Eine äußerst zynische Vorgehensweise von Ock, die etwas verschenkt ist, weil niemand weiß, warum er so handelt. Er ist einfach der Abgebrühteste.
Da muss ich jetzt aber Doc Ock verteidigen. Nicht Ock lässt den Gangster erschießen, sondern Hammerkopf. Ocks Gefolgsmann Bernie wurde von Hammerkopfs Bande überredet (mit Geld oder Zwang), Ock in eine Falle zu locken; nachdem Bernie das gemacht hat, wird er erschossen. Diese drei Panels gefallen mir in der Story eigentlich am besten; die Kaltblütigkeit wird souverän verdeutlicht. Und andererseits zeigt diese Szene, wie unrealistisch diese Superheldensachen damals waren (kann sich natürlich etwas geändert haben; ich verfolge seit über 30 Jahren keine Superheldencomics mehr): gegen die Spinne wurde fast immer mit Fäusten (oder Tentakeln) gekämpft, also ein bisschen wie am Schulhof, wo doch auch damals New York schon mit Schusswaffen überflutet war. Wenn dann mal Realität durchblitzte, war das gleich schockierend.

Noch ein paar Nachlässigkeiten bei der deutschen Bearbeitung: auf Seite 19 bleibt in Panel 3 eine Sprechblase leer. Auf Seite 5 in Panel 3 ist nach dem Wort "Schutzschild" ein Sternchen, es gibt aber keine Auflösung dazu (im Original ist am unteren Rand des Panels ein Hinweis auf die vorherige Ausgabe). Und auf Seite 22 im letzten Panel sagt Spidey "oboy", das wurde mit "O Mutter" übersetzt, wie kann man denn darauf kommen? Oder hat man das in den Siebzigern im vornehmen Hamburg so gesagt, wenn man bei uns in Franken "Schei*e" rief?
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Alt 10.02.2019, 14:53   #506  
thetifcat
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Stimmt. Da war DC weniger zimperlich. Da mordete sich Batman und Superman schon in ihrer Anfangszeit durch die Verbrecher. Und die Verbrecher waren gegenseitig noch weniger christlich. Da tötete Joker, Fragezeichenmann und der Pinguin monatlich. War also schon mal was Besonderes in einem Marvel Heft. Marvel wurde da erst mit Conan Anfang der 70er und dem Punisher erwachsen.

PS: Für alle mit schwachen Magen - die zweite Punisher Serie ist das brutalste was je marvelig lief (Stichwort Gym-Szene). Von solchen ungeschnittenen Szenen konnten wir in den 80er und auch 90er nur träumen oder bootlegen.
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Alt 10.02.2019, 16:39   #507  
EC-Fan
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Zitat:
Zitat von thetifcat Beitrag anzeigen
Stimmt. Da war DC weniger zimperlich. Da mordete sich Batman und Superman schon in ihrer Anfangszeit durch die Verbrecher.Da tötete Joker, Fragezeichenmann und der Pinguin monatlich.
Da hast du meiner Meinung nach aber ein "Zeitproblem" ,in den 60iger und 70iger Jahren war DC sehr harmlos.
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Alt 10.02.2019, 17:58   #508  
Peter L. Opmann
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Tut mir leid, wenn ich die Gangster-Szene falsch interpretiert habe. Ich habe mich stark an Ocks Aussage aufgehängt: "Du bekommst eine Belohnung." Jedenfalls gab es einen solchen amoralischen Mord vorher in der Serie nicht.

Ich denke auch, daß Marvel damit DC in dieser Phase voraus war. Marvel war der Tabubrecher - das Kino war freilich damals schon viel weiter. Die ersten harten Krimis neuer Machart kamen etwa 1966/67. Es ist klar, daß sich die Comicredaktionen an sowas nicht rantrauten, da der Wertham-Skandal ihnen noch in den Knochen steckte.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2019, 19:11   #509  
Horatio
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Zitat:
Zitat von EC-Fan Beitrag anzeigen
Da hast du meiner Meinung nach aber ein "Zeitproblem" ,in den 60iger und 70iger Jahren war DC sehr harmlos.
Mir kommt hier spontan eine Batman-Story von Neal Adams in den Sinn, bei Ehapa Anfang/Mitte der Siebziger erschienen, die mit einigen grinsenden Leichen beginnt. Ich glaube, der Joker hatte da unter anderem einen Verräter und seine komplette Familie hingemacht, oder so. Fand ich gar nicht harmlos.
Horatio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.02.2019, 20:13   #510  
Peter L. Opmann
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Kommt drauf an, ob es Anfang oder Mitte der 70er Jahre war. Bei ASM sind wir jetzt im Jahr 1972. Natürlich hat DC sofort nachgezogen, wenn Marvel etwas Neues machte.

Allerdings: Grinsende Leichen kann es in "House of Mystery" oder "Ghosts" auch vorher schon gegeben haben. Bei der Szene, über die wir gerade reden, geht es darum, wie ein Mord inszeniert wird. Wenn bisher in Superheldencomics jemand starb, war es tragisch oder verdient. Hier stirbt jemand aus nichtigem Anlaß.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.02.2019, 22:49   #511  
Peter L. Opmann
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Leider hatte ich die letzten Tage nicht so viel Zeit, aber jetzt habe ich mir die Szene mit dem Gangster, der skrupellos erschossen wird, nochmal angesehen. Die Dialoge, die einen "Mister H." - also Hammerkopf - ins Spiel bringen, zeigen, daß ich hier wirklich falsch lag. Daher habe ich meine Besprechung etwas verändert.

Witzig: Man erwartet als Leser von heute, der einiges mehr gewohnt ist als der Leser von 1972, eine noch zynischere Wendung in der Story, als Marvel damals tatsächlich bot.
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