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Alt 03.06.2019, 19:08   #51  
thetifcat
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
...

"Planet der Affen" und "Kung Fu" habe ich nicht mit in den Blick genommen.

...
Habe ich auch fälschlich in den Kontext dargestellt.
PdA war wie Deadly Hands of Kung Fu (Kung Fu) im Format wie Silver Surfer und Savage Sword of Conan. Deadly Hands of Kung Fu wie PdA als Magazin also mit Artikeln.
Bei PdA war die Filmadaption drum herum. So das der Mittelteil wie eine williammische "Zweitstory" vorkam.
Williams veröffentlichte in den 6 TB Chronologisch. Und konnte durch das Format DHoKF 1-9 komplett, 10-12 teils veröffentlichen. Das letzte TB 6 gehörte den Söhnen (leider) alleine. Ich nehme an Williams wusste das sie die Serie einstellen. Die letzte Nummer 6 besteht aus 11,12 und 16 einziger Sprung. Wegen eines guten Abschluss. Das nehme ich ebbenfalls an.

Shang-Chi und die Söhne des Tigers teilten sich das Magazin. Die Söhne erschienen erst auf den 3 Cover von Deadly Hands of Kung Fu.
Was also überwiegt liegt wohl im Auge des Betrachtes. In Deutschland rein an veröffentlichen Geschichten sind es die Söhne des Tigers.
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Alt 03.06.2019, 19:28   #52  
Peter L. Opmann
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Bei "Planet der Affen" kann ich Deine sichtweise schon nachvollziehen. Außen eine einfach gezeichnete Filmadaption von George Tuska, innen tolle Schwarz-weiß-Comics von Mike Ploog...
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.06.2019, 21:38   #53  
Peter L. Opmann
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Diese Mithilfe bei einem Film wirkt wirklich, als habe jemand abgelegte Superman-Scripts verwurstet. Wer weiß...?
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Alt 04.06.2019, 17:36   #54  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 11

Erscheinungstermin: 11/1974

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 93
2) Silver Surfer # 4

Story-Titel:
1) Der mächtige Thor gegen den mysteriösen Radioaktiven
2) ohne Titel (Das Gute, das Böse und das Unheimliche!)

Original-Storytitel:
1) The mysterious Radio-Active Man!
3) The Good, the Bad and the Uncanny!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Dick Ayers
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee / R. Berns
3) Stan Lee



Dieses Heft habe ich relativ früh gelesen, allerdings in einem Superband. Ich glaube inzwischen, daß Band 12 meine erste „Thor“-Ausgabe war, ich aber gern schon eher ein Heft gekauft hätte (siehe „Thor“ # 7). An der Ausgabe fällt das eine oder andere auf. Zunächst mal kehrt Jack Kirby mit Dick Ayers noch einmal als Zeichner zurück, dann folgen wieder ein paar Ausgaben, die Joe Sinnott gestaltet hat. Wir sind hier wieder im Kalten Krieg und in gewissem Sinn innerhalb der Doktrin der atomaren Abschreckung. Die Story ist einmal mehr ziemlich naiv, aber doch deutlich komplexer als die, die wir zuletzt gelesen haben. Der Radioaktive hat bei mir als Kind durchaus Eindruck hinterlassen. Er hat jedenfalls mehr von einem Superschurken als die Figuren, mit denen es Thor bisher zu tun hatte.

Alles ist auf die Konfrontation des Radioaktiven mit Thor konzentriert. Er bekommt eine Origin-Story, und die ist eingebettet in einen Konflikt von Indien mit einem kommunistischen fernöstlichen Land, das hier Tyrannia getauft wird (und dessen Bewohner eindeutig wie Chinesen aussehen). Man kann an den Kaschmir-Konflikt denken. Dr. Don Blake fordert, daß sich die USA außer mit Waffenlieferungen auch mit humanitärer (medizinischer) Hilfe engagieren müssen. Vorerst wehrt Thor aber einen Panzerangriff von Tyrannia ab, wie wir das ähnlich in Thor # 2 und 5 schon gesehen haben. Schließlich verschließt Thor einen Gebirgspaß und schickt ein Unwetter, das die tyrannische Armee schwer trifft.

Der „große Boß“ (vielleicht Mao Tse Tung) beauftragt darauf einen Wissenschaftler, Thor zu vernichten. Der ist bereits vorbereitet. Er hat eine Menge radioaktiver Experimente angestellt, um einen unbesiegbaren Kämpfer zu schaffen. Im letzten Moment beschließt er, selbst dieser Kämpfer zu werden. Hier sehen wir die typische Marvel-Formel, daß Superhelden durch Einwirkung radioaktiver Strahlung entstehen. Die Umwandlung glückt; der Radioaktive (ganz grün und von gedrungener Gestalt, erinnert ein bißchen an den Hulk) reist in einem U-Boot nach New York, um dort Thor herauszufordern. Aber Thor kommt nicht. Don Blake ist wegen einer schwierigen Operation verhindert (bisher hatte ich ihn eher als eine Art Hausarzt gesehen). Dann kann er sich endlich vom Krankenhaus loseisen und dem Radioaktiven gegenübertreten. Doch sein Hammer prallt wirkungslos von ihm ab, Blitze können ihm ebenfalls nichts anhaben. Der Radioaktive hypnotisiert dagegen den Donnergott (eine eigenwillige Wirkung von Radioaktivität).

Wie befohlen, wirft der willenlose Thor seinen Hammer weg – weit weg. Eine kleine witzige Szene: Der Radioaktive schimpft Thor aus, weil er nun den Hammer suchen muß. Kaum ist er weg, verwandelt sich Thor in Blake und wird von der Hypnose frei. Der Radioaktive kommt noch einmal vorbei, aber Blake schickt ihn auf den Holzweg. Mithilfe eines Röntgenapparats (!) findet Blake den Hammer, der nicht zum Stock geworden ist, im Hudson River wieder. Er fährt hin und taucht. Die Luft in seiner Lunge muß nur bis zum Grund reichen, dort wird er wieder zu Thor. Er kehrt zum Radioaktiven zurück, erzeugt einen Wirbelsturm und schickt seinen Gegner damit nach China. In einem Gebirge läßt er ihn wie eine Atombombe detonieren (Nonsense, aber doch irgendwie beeindruckend). Das letzte Bild bringt den üblichen Dialog zwischen Blake und Jane Foster.

Immerhin ist das mal wieder eine Thor-Story, die ganz ihrem Konflikt gewidmet ist – ohne unsinnige Nebenhandlungen. Ärgerlicherweise wird das verbrecherische Regime von Tyrannia mit dem ganzen Volk gleichgesetzt; es ist eben eine stramm ideologische Geschichte. Der Radioaktive ist ein recht respektabler Thor-Gegner. Da er aber erstmal eingeführt werden muß, läuft der Kampf nur auf den letzten vier Seiten ab. Dabei gerät mit Radioaktivität und Hypnose einiges durcheinander, aber ein kindlicher Leser kennt sich mit diesen Dingen ja auch nicht aus. Jack Kirbys Zeichnungen gefallen mir recht gut. Unerklärlicherweise verwendet er hier meist nicht sein Standard-Seitenlayout. Vielleicht hat er sich damit an Joe Sinnott angeglichen, vielleicht hat Sinnott sogar noch erste Entwürfe gemacht. Fazit: Nach mehreren ziemlich schlechten Thor-Episoden ist diese – trotz einiger Mängel – nicht ganz so schlecht ausgefallen.
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Alt 05.06.2019, 18:23   #55  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 12

Erscheinungstermin: 12/1974

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 94
2) Silver Surfer # 4

Story-Titel:
1) Thor und Loki bedrohen die Erde!
2) ohne Titel (Das Gute, das Böse und das Unheimliche!)

Original-Storytitel:
1) Thor and Loki attack the human Race!
3) The Good, the Bad and the Uncanny!

Zeichnungen:
1) Joe Sinnott
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee / R. Berns
3) Stan Lee



Generell ändert sich am bescheidenen Qualitätsniveau nichts, aber wenn Thor einer List von Loki zum Opfer fällt, wird es doch ein bißchen interessant, und insofern liest sich auch diese Episode – mutmaßlich mein erstes „Thor“-Heft – ganz nett. Zudem wissen auch die Zeichnungen von Joe Sinnott wieder zu gefallen.

Eine amerikanische Atomrakete gerät im Weltraum außer Kontrolle und droht, auf die Erde zu stürzen. Ein Fall für Thor. Nach kurzer Zeit erfahren wir Leser außerdem, daß es sich um eine Falle für Thor handelt. Denn es war Loki, der die Rakete umgelenkt hat. Während sich das Geschoß bereits der Erde nähert, schleudert Thor seinen Hammer nach ihm und bringt es noch in ausreichender Höhe über dem Boden zur Explosion. Loki, festgekettet in Asgard, zaubert weiter: Er läßt einen riesigen Drachen vor Thor auftauchen. Der ist abgelenkt und achtet nicht auf seinen zurückkehrenden Hammer. Der trifft Thor am Hinterkopf, an der Stelle seiner „Chromosomdrüse“ (die der Medizin unbekannt ist). Dadurch verliert Thor sein Gedächtnis und wird von Lokis Befehlen abhängig. Natürlich beordert er seinen Bruder sofort nach Asgard und läßt sich von ihm befreien.

Die Götter merken rasch, daß sich die Persönlichkeit von Thor verändert hat. Er steht nun auf der Seite von Loki. Da Thor der stärkste aller Götter ist, können sie nichts dagegen tun. Thor und Loki sind ebenso mächtig wie alle übrigen Götter. Loki will nun die Herrschaft über Asgard. Da Odin ablehnt, droht er, stattdessen die Erde heimzusuchen. Tatsächlich entfesselt Thor in verschiedenen Weltgegenden gewaltige Unwetter. Er schlägt den Eiffelturm in Stücke, kippt den schiefen Turm von Pisa um, und Loki läßt sogar Häuser und Dinosauriermodelle lebendig werden und Chaos anrichten. Die Menschen bitten Loki darum, im UN-Gebäude mit Asgard weiterzuverhandeln, worauf er sich einläßt. Dort fällt Thor jedoch durch eine Falltür. Sein Hammer folgt ihm und trifft ihn an derselben Stelle am Kopf wie vorher. Plötzlich hat er seine alte Natur wieder. Die Menschen, die wie UN-Abgeordnete aussahen, nehmen ihre Masken ab. Es sind die nordischen Götter, die nun Loki mit seinen eigenen Waffen schlagen. Thor wirft Loki seinen Hammer an den Hinterkopf, was aber diesmal nicht dazu führt, daß Loki seinen Charakter ändert, sondern daß er bewußtlos wird und wieder gebunden werden kann. Thor entschuldigt sich bei den Menschen, aber Odin löscht lieber ihre Erinnerung an die Geschehnisse. In dieser Ausgabe fehlt nicht nur das schon gewohnte Schlußpanel mit Don Blake und Jane Foster; Jane tritt diesmal überhaupt nicht auf. Man konnte zu diesem Zeitpunkt mit ihr offenbar nicht sehr viel anfangen.

Mir scheint, daß Thor hier in geringem Umfang mit seiner altertümlichen Sprache begonnen hat: "Das tat er, der Arge?" - "Niemand hebe eine Hand gegen Loki, solange Thor lebt!" - "So sei es." Vor allem die Idee, Thor auf der Erde Chaos stiften zu lassen, finde ich ganz reizvoll. Der kleine Aufstand bei den germanischen Göttern ist witzig in Szene gesetzt. Wie „Thor“ # 11 finde ich auch diese Ausgabe nicht so schlecht. Mir gefällt vor allem auch, daß die Götter Loki so hereinlegen, wie sie zuvor hereingelegt worden sind.

Dennoch gilt nach wie vor: Eine richtige Superheldengeschichte ist das nicht. Und man sollte auch nicht zu eingehend darüber nachdenken. Warum kann Loki nicht einfach Thor sich durch Zauberei gefügig machen? Und überhaupt: Was nützt es, wenn er an eine Wand gekettet ist, wenn er doch durch Magie weiter wirken kann? Warum machen die Götter immer so einen hilflosen Eindruck, wenn Loki wieder mal gerickst hat? Und zudem muß man auch einfach schlucken, daß Thors Persönlichkeit durch den Schlag auf den Hinterkopf so einfach verändert werden kann (eine ziemlich große „Achillesferse“). Daß die nächste Ausgabe am Ende angekündigt wird, bleibt vorerst die große Ausnahme – auch in diesem Heft fehlt sie. Man war offenbar stets vorbereitet, im nächsten Heft ganz andere Mystery-Storys zu bringen und Thor in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Geändert von Peter L. Opmann (08.06.2019 um 07:50 Uhr)
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.06.2019, 21:42   #56  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Der mächtige Thor (Williams) 11

(...) die ist eingebettet in einen Konflikt von Indien mit einem kommunistischen fernöstlichen Land, das hier Tyrannia getauft wird (und dessen Bewohner eindeutig wie Chinesen aussehen). Man kann an den Kaschmir-Konflikt denken.
Im Original steht gleich auf der ersten Seite "out of the sinister, scientific laboratories of Red China". Bei Williams nur "in den Laboratorien von Tyrannia". Der indisch-chinesische Grenzkrieg war im Oktober/November 1962, JiM 93 hat Coverdatum Juni 1963, erschien also ein paar Monate vorher, d.h. hier wurde ganz aktuelle Politik verarbeitet (natürlich mit platten Klischees). Im Text kommt auch Peking explizit vor. Mao Tse Tung wird im Original nicht namentlich erwähnt, nur mit "great one" angesprochen.

Ich finde diese Story auch ganz ok. Im Gegensatz zum folgenden Heft Thor 12, das ist ja wieder ganz furchtbar. Der Schlag auf den Hinterkopf, der die Persönlichkeit ändert. Die ganzen Bauwerke, die Thor zerstört (Pyramiden, Eiffelturm, Turm von Pisa,...), und am Ende sagt er nur "sorry, aber keine Angst, das wird alles von uns Göttern wieder repariert". Diese ständigen lächerlichen Kämpfe zwischen Loki und Thor nerven mich ja jetzt schon. Geht das in den nächsten Heften so weiter?
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Alt 06.06.2019, 07:45   #57  
Peter L. Opmann
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Williams hat wohl auch wieder militärische Abzeichen der Chinesen entfernt.

Bei "Thor" # 12 macht sich bei mir bestimmt bemerkbar, daß ich das Heft schon als Kind gelesen habe. Da fällt eine distanzierte Betrachtung schwer.

Ich weiß nicht, wo genau und wie oft Loki in den kommenden Ausgaben auftaucht, aber er war öfters vertreten. Und ich finde auch, als Trickster macht er seine Sache meistens nicht schlecht.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.06.2019, 19:18   #58  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 13

Erscheinungstermin: 1/1975

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 95
2) Silver Surfer # 5

Story-Titel:
1) Der Teufelsduplikator!
2) …und wer wird um ihn weinen?

Original-Storytitel:
1) The Demon Duplicators!
3) …and who shall mourn for him?

Zeichnungen:
1) Joe Sinnott
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee / R. Berns
3) Stan Lee



Diese Ausgabe, die ich ebenfalls aus einem frühen Superband kenne, verspricht mehr, als sie halten kann. Das Cover sah für mich als Junge spektakulär aus: Thor kämpft gegen einen zweiten Thor, der augenscheinlich aber noch stärker ist als er. Dahinter verbirgt sich aber eine zwar verwickelte, doch wenig fesselnde Story (ich bin versucht zu sagen: „in Superman-Manier“, aber für einen Vergleich kenne ich „Superman“ zu wenig, und ganz so bescheuert dürften ältere Superman-Geschichten dann doch nicht gewesen sein).

Eingefügt ist das Ganze in eine kleine Rahmenhandlung. Asgards Götter, die nun schon durch so manche Unzulänglichkeiten aufgefallen sind, leiden unter großer Trockenheit. Thor kommt zu Hilfe und läßt es sieben Tage lang regnen. Wenn es keinen spezialisierten Wettergott gäbe, müßten die Götter wohl gar verhungern und verdursten. Thor macht sich auf zur nächsten edlen Tat auf der Erde, die ein bißchen kompliziert zu erklären ist. Don Blake ist nicht nur Arzt, sondern – wie viele andere Marvelhelden auch – zugleich genialer Wissenschaftler; er hat einen super-intelligenten und unzerstörbaren Androiden konstruiert. Er soll Prototyp einer amerikanischen Super-Armee werden (beklemmende Vorstellung). Thor soll helfen, ihn zu testen. Da damit Blake nicht selbst auftreten kann, hat er einen gewissen Dr. Zaxton gebeten, ihn zu vertreten. Alles geht glatt, bis der Android selbst darauf hinweist, daß er versehentlich kurzgeschlossen wurde und gleich explodieren wird. Thor schleudert ihn hoch in die Luft, wo die Explosion keinen Schaden anrichten kann.

Nun wird’s etwas kompliziert. Zaxton ist nämlich nicht nur Präsentator, sondern selbst auch Wissenschaftler, aber vom Typ Eierkopf (er steckte nämlich hinter der Explosion des Androiden). Er hat einen Duplikator gebaut, der aber noch nicht richtig funktioniert. Er nimmt Jane Foster als Geisel und zwingt Blake, die Maschine fertigzubauen. Was er auch tut. In einem günstigen Moment verwandelt er sich in Thor, aber Zaxton reagiert blitzschnell und dupliziert Thor. Nun stellt sich eine bisher verborgene Eigenschaft des Duplikators heraus: Er gibt dem Duplikat die entgegengesetzten Charaktereigenschaften des Originals. Thors Duplikat ist also böse. Wir sind inzwischen schon wieder auf Seite 10. Für den Zweikampf der Thors bleibt also nicht viel Platz, wobei Zaxton mit seinem Duplikator auch noch unfair in das Duell eingreift und dem bösen Thor etwa einen zweiten Hammer gibt. Thor (der echte) wird gestellt. Das Duplikat wirft seine beiden Hämmer auf ihn. Aber wundersamerweise geschieht Thor nichts. Dem Duplikat mangelt es an Durchschlagskraft, weil es nicht würdig ist, den Hammer zu besitzen. Thor kann seine Kopie mühelos besiegen. Dann wendet er sich Zaxton zu, der gerade auf einer Brücke steht. Der Forscher macht schnell ein Duplikat von sich selbst, damit es Thor schwerer fällt, ihn am Kragen zu packen. Da entgleitet ihm jedoch seine Maschine. Er selbst stürzt von der Brücke – in den Tod. Der Clou: Das übriggebliebene Duplikat Zaxtons hat die entgegengesetzten Eigenschaften, ist also ein guter Wissenschaftler. Thor befreit rasch Jane und eilt dann nach Asgard, denn dort muß er nun den Regen abstellen, bevor die Asen absaufen.

Hier haben wir also noch einmal einen „Carbon Copy Man“ wie in „Thor“ # 8. Ich vermute, daß Robert Bernstein die vielen Wendungen in die Story eingebaut hat, denn das sieht Stan Lee nicht ähnlich. Aber sie verbessern den Plot sicherlich nicht. Insgesamt ist das erneut eine Mystery-Story mit Wissenschaft als moderner Magie. Zwar verliert Thor seinen Hammer diesmal ausnahmsweise mal nicht, aber wieder dreht sich alles um ihn. Nach wie vor ist das kein typischer Superhelden-Stoff. Man könnte sich hier auch Dr. Strange in der Hauptrolle vorstellen, aber nicht Iron Man, bei dem Wissenschaft und Technik auch eine große Rolle spielen, aber doch sozusagen handfester. Zeichner Joe Sinnott macht seine Sache übrigens weiterhin gut und zeigt keine Ermüdungserscheinungen.

Geändert von Peter L. Opmann (08.06.2019 um 07:50 Uhr)
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2019, 15:12   #59  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Der mächtige Thor (Williams) 13
Das früheste Williams-Heft von Thor, das ich besitze. Das Cover wurde von Williams leicht verändert, die Thor-Figuren wurden etwas vergrößert, so dass vom Gebäude im Hintergrund weniger zu sehen ist als im Original. Warum wohl dieser Aufwand getrieben wurde?

Der deutsche Letterer war in Eile; statt "J. Sinnott" wird "S. Sinnott" als Zeichner angegeben, Zaxton wird auch einmal als Zaxon bezeichnet. Und auch an den Koloristen hätte ich ein paar Fragen, z.B. warum Jane im vorletzten Panel eigentlich steingraue Haare hat.

Blake ist also nicht nur Arzt und manchmal Thor, sondern hat in seiner Freizeit auch noch einen Androiden konstruiert. Come on. Den Duplikator kann ich auch schwer schlucken; ruckzuck wird da ein fliegendes Flugzeug verdutzendfacht. Aber gut, das sind eben Märchen.

Ärgerlich wird es aber, wenn innerhalb der eigenen Märchenlogik auch Löcher zu finden sind. Mir ist jetzt, beim chronologischen Wiederlesen, noch immer nicht klar, welche speziellen Superkräfte Thor eigentlich haben soll. Was aber bisher klar zu sein schien: Thor kann nicht fliegen, er kann nur seinen Hammer mit großer Kraft in eine Richtung werfen, und weil er den Hammer nicht loslässt, wird er von diesem eben "mitgezogen", so dass es für Beobachter wie Fliegen aussieht. Das war jedenfalls die Erklärung in den ersten Thor-Heften. In der vorliegenden Story kann er aber plötzlich abbremsen; wie soll das funktionieren, wenn er doch nur "am Hammer hängt"? Und noch seltsamer, er kann sogar - in der Luft schwebend - seinen Hammer werfen und darauf warten, dass er wieder zurückkommt. Nur nicht zu genau darüber nachdenken, sondern die Story am besten gleich wieder vergessen.
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Alt 09.06.2019, 16:22   #60  
Peter L. Opmann
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@ Phantom:

In "Stan's Rants" hat sich Stan Lee mal gebrüstet, das Fliegen von Thor sei logischer als das von Superman, da er die Fliehkraft des Hammers nutzt, während Superman bloß den Arm hochhebt und wegfliegt. Wobei ja Superman anfangs auch nicht fliegen, sondern nur sehr hoch springen konnte. Da sollte man nicht zu streiten anfangen, denke ich, was logischer ist...
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.06.2019, 19:11   #61  
Marvelianer
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Ich fing bei Thor mit den sw Hit Comics an und war dann im Jan. 1974 bei Williams Thor mit der Nummer 1 dabei, dass aber nur wegen des Silver Surfers.
Ich denke viele Leser haben Thor nur wegen des Silver Surfers gekauft.
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Alt 09.06.2019, 19:17   #62  
Peter L. Opmann
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Ich war damals zehn Jahre alt, und für mich war "Thor" in der Anfangszeit spannend genug. Aber aus heutiger Sicht fällt deutlich auf, daß die Serie bis dato noch nicht im Silver Age angekommen war.
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Alt 11.06.2019, 20:53   #63  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 14

Erscheinungstermin: 2/1975

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 96
2) Silver Surfer # 5

Story-Titel:
1) Thor kämpft gegen die Magie des verrückten Merlin!
2) ohne Titel (…und wer wird um ihn weinen?)

Original-Storytitel:
1) Defying the Magic of… mad Merlin!
3) …and who shall mourn for him?

Zeichnungen:
1) Joe Sinnott
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee / R. Berns
3) Stan Lee



Dies ist vorerst die letzte von Joe Sinnott gezeichnete Ausgabe. Ich nehme an, jetzt folgt ein langer Jack-Kirby-Run, aber ganz sicher bin ich mir nicht, ob es doch noch mal eine Unterbrechung gab, also abwarten. Wir haben bei der Story wieder exakt dasselbe Strickmuster wie in den vorherigen Ausgaben – beinahe bin ich geneigt zu sagen: wie in allen bisherigen „Thor“-Folgen. Ich sehe lediglich kleine Ansätze, Jane Foster und ihre Beziehung zu Don Blake und Thor etwas mehr in den Fokus zu rücken. Und John F. Kennedy hat einen eigenwilligen Cameo-Auftritt. Leider kann man nicht erkennen, welchen Anteil an der Story Stan Lee hat und welchen Robert Bernstein. Die Dialoge sind zwar meist solide (mitunter allerdings recht naiv), aber in den großen Linien ist sie wie gehabt Mumpitz,

Die Splashpage zeigt nun nicht mehr einen Höhepunkt, sondern den Anfang der Story. Thor beobachtet die Ankunft von Merlins Sarg im New Yorker Hafen. Er soll hier wissenschaftlich untersucht werden. Wie in den letzten Episoden folgt nun aber zunächst eine kleine Rahmenhandlung. Thor ist auf dem Rückweg in Blakes Praxis, weil er mal eben die Passagiere eines in den Fluß gestürzten Busses retten mußte. Inzwischen sind alle seine Patienten gegangen, und Jane Foster regt sich gehörig darüber auf, daß Blake sich – vorgeblich – ohne Entschuldigung in sein Labor zurückziehen mußte. Blake nimmt es gleichmütig hin, daß er Jane nicht klarmachen kann, daß es um Leben und Tod ging. Inzwischen wird Merlins Sarg geöffnet. Darin liegt der sagenhafte Zauberer – tot, aber völlig unverwest. Die Wissenschaftler verlassen den Raum, um darüber zu diskutieren, wie das Phänomen zu erklären ist. Merlin erhebt sich aus dem Sarg – er war etwa 1000 Jahre lang nur scheintot. Für die amerikanischen Leser wird darauf kurz die Artus-Legende und Merlins Rolle darin erläutert.

Dann erklärt Merlin den Lesern noch in einem Monolog, daß er kein Zauberer ist, sondern über die Gabe der Teleportation verfügt. Um wieder ins Geschäft zu kommen, will er gleich eine startende Weltraumrakete von ihrem Kurs abbringen, was ihm auch gelingt. Thor erfährt jedoch aus dem Radio, daß das Experiment in Gefahr ist, und verwandelt sich flugs in Thor, um den Raketenkurs zu korrigieren. Merlin taucht derweil in einer Polizeistation auf und versetzt sich dann, als er dort nicht ernst genommen wird, ins Washingtoner Regierungsviertel. Er verlangt, den König – nun offenbar Präsident genannt – zu sprechen. Wieder wird er abgewiesen. Er sieht sich jedoch im Weißen Haus um und entdeckt Kennedy und seine Tochter. Der ist freilich für einen König viel zu jung, weshalb Merlin wieder geht. Da mischt sich Thor ein.

Erneut spielt sich der Showdown auf den letzten vier Seiten ab, was den Eindruck verstärkt, daß die Story völlig schematisch aufgebaut ist. Merlin läßt Thor wie angewurzelt stehen und will ihn mit dem Washington Monument erschlagen. Thor befreit sich jedoch und bringt den Obelisken an seinen Platz zurück. Merlin läßt ein massives Gebäude auf Thor stürzen, was stark an den Zauberer Sandu in „Thor“ # 9 erinnert. Schließlich erweckt Merlin die riesige Statue von Abraham Lincoln zum Leben und will Thor von ihr zertreten lassen. Mit Luftdruck von dem rotierenden Hammer (quasi mit Superpuste) platziert Thor die Statue an ihren Platz zurück. Um in die Offensive zu kommen, täuscht Thor nun Merlin, indem er sich in Blake verwandelt. Dem Zauberer macht er weis, er könne sich in jede beliebige Gestalt verwandeln und ihn so mit links besiegen. Merlin ist beeindruckt und gibt auf. Er muß in seinen Sarg zurück und sich wieder in Schlaf versetzen. Das schon gewohnte Schlußpanel: Nach einer erfolgreichen OP wird Blake von Jane Foster gelobt, er sei ein Zauberer. „Daran ist etwas Wahres“, denkt Blake und lächelt verschmitzt.

Das Storymuster hat sich totgelaufen. Die Handlung ist ein wenig besser sortiert als bisher, und es gibt ein paar ganz amüsante Einfälle wie den mit Präsident Kennedy (der nur noch kurz zu leben hatte). Dafür werden bereits Ideen recycelt. Nach wie vor ist das keine richtige Superheldenstory. Zeit für eine gründliche Überarbeitung der Serie.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.06.2019, 10:09   #64  
Phantom
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Der mächtige Thor (Williams) 14
Auf dem Cover wurden wieder die beiden Hauptfiguren (Merlin und Thor) vergrößert, so dass man weniger von den Menschen im Hintergrund und vom Kapitol sieht. Auf dem Vorschaubild einen Monat zuvor sah das Cover noch wie im Original aus. Wie lief das eigentlich ab damals ohne Computer? Ich habe keine Ahnung von diesen Dingen, stelle mir das ganz naiv in etwa so vor: Vorlage größer kopieren, Figuren in der Vorlage und in der vergrößerten Kopie ausschneiden, vergrößerte Figuren auf die ursprüngliche Vorlage kleben, dann die noch vorhandenen "Löcher" von einem Grafiker "vollzeichnen" lassen. Das ist doch ein großer Aufwand, warum macht man das?

Als Übersetzer ist Rainer Mittwoch angegeben; ich glaube gelesen zu haben, dass es sich da vermutlich um ein Pseudonym von Hartmut Huff handelt (wobei Rainer Donnerstag noch passender für Thor gewesen wäre), aber sicher weiß man es wohl nicht. Jedenfalls war der Übersetzer mit dem Verb "to fluoroscope" (eine bestimmte Art, Bilder durch Röntgenstrahlen zu erzeugen; ich denke, es gibt dafür keine eigenes Wort im Deutschen, also einfach mit "röntgen" zu übersetzen) überfordert. Blake sagt auf Seite 2 "(...) als im Radio durchgegeben wurde, ich hätte einen Patienten fluoresziert". Natürlich ist das eine Erfindung des Übersetzers (auch in New York wird wohl nicht immer im Radio gemeldet, dass ein Arzt gerade sein Röntgengerät verwendet). Im Original wurde im Radio statt dessen der Busunfall gemeldet, gerade als Blake einen Patienten röntgen wollte. Zwei Panels weiter sagt Blake "ich kann immer noch den fluoreszierten Menschen retten". Der arme Mensch! Aber zum Glück steht im Original einfach "ich kann den Mann später immer noch röntgen".

Jane Foster scheint die Fähigkeit zu haben, ihre Haarfarbe spontan ihren Gefühlen anzupassen. Vorletztes Panel auf Seite 2: orange. Letztes Panel auf Seite 2: brünett. Letztes Panel auf Seite 4: rosa.

Auf Seite 5 wird der Sarkophag Merlins in einem nicht näher bezeichneten Museum in New York geöffnet. Es kann sich eigentlich nur um das Metropolitan Museum handeln, und da steht dann sicher auch Helmut Nickel außerhalb des Bildausschnitts und sieht zu. (Gerade heute kommt die traurige Nachricht von seinem Tod. Ein gelungenes Leben!)

Auf Seite 9 kommt neben JFK und seiner Tochter noch eine reale Person vor: Pierre Salinger, damals Pressesprecher ("press secretary") von JFK. Fun fact: Salinger hat die letzten Jahre seines Lebens in der Provence gelebt, und zwar in dem Dörfchen "Le Thor". Da gibt es sogar ein kleines Museum zu Salinger und JFK.

Die Story ist natürlich Unsinn, aber mir hat damals als Kind die Figur Merlin gefallen, besonders die Großaufnahmen von seinem Auge. Wenn man das heute wieder liest, bemerkt man die Wiederholungen (Teleportationen gab es auch schon mehrmals) und lächerlichen Wendungen: Es ist nur noch eine Seite Platz, und ausgerechnet da gibt Merlin auf, nur weil Thor sich in Blake verwandelt und behauptet, er könne sich auch in jede beliebige Figur verwandeln. Warum genau ist das nochmal ein Grund, sich zu ergeben, außer wegen der Tatsache, dass nur noch fünf Panels zur Verfügung stehen?
Phantom ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.06.2019, 11:13   #65  
Peter L. Opmann
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@ Phantom:

Danke für die Beobachtungen. Wer der Mann im Weißen Haus ist, habe ich mich auch gefragt, es stand aber nirgends.

Die Sache mit dem "Fluoreszieren" habe ich ohne englisches Original natürlich nicht mitbekommen. Das war aber auch knifflig für den Übersetzer, denke ich.
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.06.2019, 15:25   #66  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 15

Erscheinungstermin: 3/1975

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 97
2) Silver Surfer # 5

Story-Titel:
1) Thor bekämpft den Lavamann
2) ohne Titel (…und wer wird um ihn weinen?)

Original-Storytitel:
1) The Lava Man
3) …and who shall mourn for him?

Zeichnungen:
1) Jack Kirby/Don Heck
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee
3) Stan Lee



Stan Lee und Jack Kirby sind zurück. Nun erleben wir nicht sofort einen Epochenwandel. Auch diese Thor-Story hat einige Schwächen. Aber es ist zu erkennen, daß melodramatische Elemente eingeführt werden und ein Konflikt aufgebaut wird, der über viele Ausgaben hinweg tragen kann. Zudem wird das bisher starr verfolgte Schema durchbrochen. Der neueste Gegner Thors taucht bereits auf Seite 7, strenggenommen sogar auf Seite 6 auf, und dem Zweikampf wird deutlich mehr Raum gegeben. Die Auflösung des Konflikts erscheint eher enttäuschend, aber es geht bergauf mit der Serie. Dieses Heft habe ich ziemlich früh gelesen, vielleicht schon bei Erscheinen, ich bin aber nicht ganz sicher. Daß es sich von den vorhergehenden in mancher Hinsicht unterschied, habe ich damals aber nicht mitbekommen.

Wieder gibt es eine Rahmenhandlung, die aber mehr Gewicht hat als bisher. Zunächst rettet Thor einen bewußtlosen Piloten aus seinem Düsenjet; das Flugzeug läßt er ins Meer stürzen. Diese einleitende Aktion kontrastiert aber mit dem Folgenden: Thor geht nun ein deutlich größeres Wagnis ein. Er will Jane Foster endlich seine Liebe gestehen und ihr gleichzeitig offenbaren, daß Thor und Don Blake zwei Identitäten einer Person sind. Blake betritt die Praxis und spricht Jane an, besinnt sich dann aber, daß er ihr nichts erzählen darf, bevor er Göttervater Odin um Erlaubnis gebeten hat. Sie ist sich ziemlich sicher, was ihr Doktor sie fragen will (eine Frau fühlt so etwas), und ist sehr enttäuscht, als er ihr sagt, er müsse nur noch eine Sache erledigen, bevor er sich mit ihr aussprechen kann.

Thor nimmt mental mit Odin Kontakt auf. Dessen Reaktion ist klar und eindeutig: „Hast du den Verstand verloren? Die Bitte ist abgelehnt!“ Thor ist ein gebrochener Mann. Nun wendet sich Jane Foster an Don Blake; sie eröffnet ihm, daß sie kündigt, weil sie sein ewiges Lavieren und Ausweichen nicht mehr ertragen kann. In Asgard wittert der gefangene Loki seine Chance. Vor einiger Zeit hat er den Lavamann durch einen Vulkanausbruch an die Oberfläche geholt. Jetzt wird der für ihn Thor besiegen, denkt er sich. Thor hat wegen seines Liebeskummers gar nicht bemerkt, daß in New York beträchtliche Aufregung herrscht, weil der Lavamann bereits auf die Stadt zumarschiert und die Nationalgarde ihn nicht stoppen kann. Er zerschmilzt einfach jede Waffe, die auf ihn gerichtet wird. Ganz New York wird evakuiert. Wie wir nebenbei erfahren, gibt es eigentlich ein Volk von Lavamännern, das keine Lust mehr hat, unter der Erde zu leben, und nun die Welt erobern will. Thor kommt wieder zu Sinnen – ein Kampf wird ihn von seinem Kummer ablenken.

Nun folgt der reine Actionteil. Zunächst geht der Lavamann in Deckung und verschwindet im Erdboden. Thors Hammer treibt ihn jedoch wieder nach oben. Nun schließt der Lavamann Thor in heißem Gestein ein. Dann wird er zu einem Lavaklotz und will Thor plätten (da erinnert er ein bißchen an Thors späteren Erzfeind, den Absorber). Aber der läßt seinen Hammer den Klotz davontragen und in den nächsten Vulkan versenken. Thor verschließt den Krater und löst das Problem damit endgültig – in „Rächer“ # 5 kehrt das Lavavolk jedoch noch einmal so richtig zurück; bei Williams ist das schon früher erschienen. Doch Thor hat nun noch eine große Bewährungsprobe vor sich. Motiviert durch seinen Sieg will er als Don Blake Jane dazu bringen, bei ihm zu bleiben. Doch er kommt zu spät: In Begleitung eines anderen Arztes verläßt sie seine Praxis (schon damals herrschte offenbar großer Mangel an medizinischem Personal). Sie wirft ihm vor, sie nicht aus der Stadt gebracht zu haben, und sieht das als endgültigen Beweis, daß er ein Schwächling ist. Blake steht am Ende ebenso frustriert da wie Peter Parker.

Während die (vorerst) gescheiterte Liebesgeschichte durchaus zu Herzen geht, ist die Invasion der Lavamänner nicht richtig durchdacht. Warum ziehen sie die Invasion nicht richtig durch? Warum fühlt sich Thors Gegner so siegessicher, da dem die Lava überhaupt nichts anhaben kann? Und wird irgendein Problem gelöst, indem Thor einen einzigen Vulkan verschließt? Davon abgesehen macht dieser Gegner aber schon etwas her. Für einen richtigen Kampf fehlt lediglich der Platz. Insgesamt schlagen Lee und Kirby hier den richtigen Ton an, um Thor zu einem typischen Marvelhelden zu machen und mit Odin. Jane und Loki einen Grundkonflikt aufzubauen, der die Serie noch lange bestimmen wird. Die Grafik sagt mir auch zu. Don Heck gelingt es hier, als Inker seinen eigenen Stil durchscheinen zu lassen, ohne daß das Artwork von Jack Kirby verfälscht wird. Beide Zeichner kombinieren ihre Stärken. In der nächsten Ausgabe, so wird angekündigt, wird Thor eine „schicksalhafte Entscheidung“ treffen.

Letzte Anmerkung: In der US-Ausgabe beginnen hier die „Tales of Asgard“. Das ist für mich noch einmal ein Indiz, daß Thor jetzt als wichtige Figur im Marvel-Universum gesehen und „Journey into Mystery“ zunehmend auf ihn zugeschnitten wird.
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Alt 14.06.2019, 16:51   #67  
Hinnerk
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Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
Jedenfalls war der Übersetzer mit dem Verb "to fluoroscope" (eine bestimmte Art, Bilder durch Röntgenstrahlen zu erzeugen; ich denke, es gibt dafür keine eigenes Wort im Deutschen, also einfach mit "röntgen" zu übersetzen) überfordert.
Für das Wort gibt es eine deutsche Entsprechung: Fluoroskopie oder Durchleuchtung. Gemeint ist die kontinuierliche Betrachtung per Röntgenstrahlung im Gegensatz zum einzeln aufgenommenen Röntgenbild.
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Alt 15.06.2019, 19:15   #68  
Peter L. Opmann
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Zitat:
Die Thor-Besprechungen bestärken mich momentan darin, dass ich bei den alten Heften nicht viel verpasst habe. Das Thor-Zitat: „Das habe ich gebraucht! Action! Kampf! Einen Feind, den ich vernichten kann! Was nützen mir die romantischen Gefühle der Menschen? Zum Kampf bin ich bestellt, zum Zermalmen, Zerschlagen!“ passt eher zum Hulk. Natürlich ist der mythologische Gott Thor auch ein Kriegsgott, aber das hat man in dieser Fassung ja nie betont...

Es ist überhaupt erstaunlich, über wie viele Stellen der alten Marvels man sich hier in den frühen 70ern noch aufgeregt hat: Indizierungsversuche zu einem FV-Band mit Bezügen zur Apokalypse (okay, war schon Condor), das "Feindbild" in den ohnehin schon abgeschwächten wenigen Russen-Episoden...
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.06.2019, 19:49   #69  
Phantom
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Der mächtige Thor (Williams) 15
Dieses Heft ist nicht in meiner Williams-Sammlung, ich habe die Story in den Essentials gelesen. Dort fiel mir auf, dass auf dem Original-Cover zu lesen ist: "Lee and Kirby combine talents to bring you the mighty Thor", d.h. Lee und Kirby werden auf dem Cover als Kaufanreiz genannt. Zumindest bei Journey into Mystery ist das das erste Mal, auch sonst war das doch sehr ungewöhnlich, dass Autor und Zeichner auf dem Cover genannt wurden. Offenbar waren die Verkaufszahlen bis dahin nicht so der Hit.

Zur Story kann ich keine neuen Gedanken beitragen. Ich finde sie auch schon besser; Don Heck ist nicht schlecht, aber ich sehe in vielen Panels zu wenig Kirby "durch".

Ein netter Patzer noch: auf Seite 4 verlässt Jane frustriert die Praxis von Don Blake. Da sieht man, dass auf der Eingangstür "Dr. Don Drake" steht. Stammt das von Don Heck, der noch nicht so sehr mit den Namen seiner Figuren vertraut war? Oder hatte jemand (Lee?) gerade Arnold Drake im Kopf und war abgelenkt?
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Alt Gestern, 09:35   #70  
Peter L. Opmann
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Der mächtige Thor (Williams) 16

Erscheinungstermin: 4/1975

Originalausgabe:
1) Journey into Mystery # 98
2) Silver Surfer # 6

Story-Titel:
1) Die Herausforderung der Kobra!
2) Welten ohne Ende!

Original-Storytitel:
1) Challenged by the Human Cobra
3) Worlds without End

Zeichnungen:
1) Don Heck
3) John Buscema / Sal Buscema

Text:
1) Stan Lee
3) Stan Lee



Diese Episode ist ein überraschender Tiefschlag. Nachdem die Lavamann-Story zumindest gute Ansätze gezeigt hatte, ist dieser Band so bescheuert wie kaum einer davor und darüber hinaus teilweise unfreiwillig komisch. Hier wird viel erklärt, um eine Story, die keinen Sinn ergibt, einigermaßen in den Bahnen der Logik zu halten. Dabei ist die Kobra wohl der erste richtige Superschurke, gegen den Thor antritt. Hier zeigt sich aber so deutlich wie kaum zuvor, daß Thor selbst als Superheld noch kaum durchdacht ist. Welche schicksalhafte Entscheidung hier getroffen wird (siehe Ankündigung im vorigen Heft), erschließt sich mir nicht. Das Melodram mit Jane Foster trägt vielmehr einiges zur hanebüchenen Handlung bei. Ohne Jack Kirby, der sich nun drei Ausgaben lang durch Don Heck vertreten läßt, geht es offenbar nicht.

Dieses Heft hat mir lange in der Sammlung gefehlt. Es hat also keinen Jugenderinnerungs-Bonus. Mir widerstrebt es regelrecht, die zusammengeschusterte Story nachzuerzählen. Thor ist verzweifelt, weil Jane Foster die Praxis verlassen hat. Odin ruft ihn zu sich und legt ihm nahe, die Krankenschwester zu vergessen, aber Thor kann nicht. Nun erleben wir die Entstehung der Kobra: Es ist ein unzufriedener und neidischer Assistent namens Klaus eines gütigen Wissenschaftlers – zudem akademischer Lehrer von Don Blake. Beide forschen an einem Universal-Gegengift gegen Schlangenbisse. Klaus schmiedet den teuflischen Plan, seinen Chef zu beseitigen, indem er ihn von einer Schlange beißen läßt, bevor das Serum fertig ist. Damit kein Verdacht auf ihn fällt, will er sich selbst auch beißen lassen, aber er besitzt doch ein Gegenmittel, das er seinem Opfer jedoch vorenthalten will (ich merke, man muß leider die hirnrissige Idee ausführlich nacherzählen).

Alles läuft wie geplant, aber die Kobra, die den tödlichen Biß anbrachte, ist radioaktiv. Klaus verwandelt sich in den Superschurken Kobra. Thor erfährt vom „Unfall“ seines wissenschaftlichen Lehrers und eilt kurz vor dessen Exitus an sein Totenbett. Die Kobra plant derweil bereits die Übernahme der Weltherrschaft. Gegen Thor kämpft sie mit allerlei Giftpfeilen und –dämpfen. Thor wird gefesselt und muss sich wieder mal befreien, indem er zu Don Blake wird. Nebenbei wird erklärt, daß sein Hammer nur zu ihm zurückkehrt, wenn er ihn wirft, nicht wenn er ihn fallenläßt. Wäre das also auch mal geklärt. Die Kobra gerät ausgerechnet in die Praxis von Jane Fosters neuem Chef. Der schlottert vor Angst, während sie gekidnappt wird, worauf sie beschließt, ihn schnurstracks zu verlassen und wieder zu Don Blake zurückzukehren. Thor besiegt die Kobra am Ende einfach, indem er überraschend um eine Ecke eines Wolkenkratzers kommt und sie aus großer Höhe abstürzen läßt. Jane ist glücklich, von Thor gerettet zu werden, und kehrt reuig zu Blake zurück. Die Kobra hat dagegen ihren Sturz überlebt und will Thor sogleich zur Revanche herausfordern.

Mehr muß man zu dieser Geschichte wirklich nicht sagen. Die Zeichnungen von Don Heck wirken sehr unausgewogen. Manchmal bringt er seinen eleganten, illustrativen Stil zur Geltung (schöne Frauen gelingen ihm auch gut), manchmal aber schludert er Panels und auch ganze Seiten hin, und er schafft es auch nicht, den recht ausführlich gezeigten Kampf Thors gegen die Kobra spannend zu inszenieren. Als Lettererin ist in diesem Heft Uschi Kedrom angegeben.
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