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Alt 08.11.2018, 22:07   #401  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 81

Erscheinungstermin: 4/1977

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 80
2) Journey into Mystery # 122

Story-Titel:
1) Auf der Fährte des Chamäleons!
2) ohne Titel (Wo Sterbliche vor Furcht zittern!)

Original-Storytitel:
1) On the Trail of the Chameleon!
2) Where Mortals fear to tread!

Zeichnungen:
1) John Buscema / Jim Mooney
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



Mit den sehr großformatigen Zeichnungen von John Buscema ist es nun wieder vorbei. Er bleibt zwar nach Möglichkeit bei zwei Panelreihen, aber statt vier gibt es jetzt meist fünf bis sechs Bilder pro Seite. Die Story gehört eigentlich in den Krimibereich – es wird ein raffinierter Räuber enttarnt. Die Lösung des Rätsels ist nicht sehr intelligent, wird aber gut verkauft, da sie direkt mit der Spinne zu tun hat. Die Episode ist jedenfalls verwickelter als die vorherigen Zweiteiler mit der Echse und dem Strolch. Als Kind hat mir das Heft nicht so gut gefallen, weil die Zeichnungen nicht mehr so bombastisch sind. Heute ist das natürlich nicht mehr das entscheidende Kriterium für mich. Auch diese Ausgabe ist sehr gut gezeichnet. Aber ich finde es bemerkenswert, wie gut man die Veränderung des Konzepts erkennt: Abgeschlossene Story statt Mehrteiler, kleinteiligere Zeichnungen.

Peter Parker wird wieder mal von seinem Zimmerkumpel Harry Osborn überrascht, während er gerade an seiner Spinne-Ausrüstung arbeitet. Diesmal schafft er es aber gut, sein Equipment rechtzeitig zu verstecken. Als er sieht, daß Flash Thompson mitgekommen ist (der ihm anscheinend Gwen ausgespannt hat), geht er sofort in die Offensive und droht ihm Prügel an. So offen hat Peter noch nie gezeigt, daß er vor Flash kein bißchen Angst hat. Der klärt alles auf. Peter muß sich nun bei Gwen entschuldigen, der er in der vorherigen Ausgabe ja schon eine Szene gemacht hat. Sie telefonieren und verabreden sich in einer Kunstausstellung, die von ihrem Vater, Captain Stacy, bewacht wird (er muß sich also zur Rente wohl noch etwas dazuverdienen).

Peter und Gwen söhnen sich aus und wollen sich eben küssen, als Captain Stacy direkt vorbeigeht und den Tresorraum ansteuert. Er scheint die beiden aber nicht zu bemerken, was Peter sehr seltsam vorkommt. Zudem klingelt sein Spinnensinn. Kurz darauf sind wertvolle Gemälde aus dem Tresorraum verschwunden. Peter begleitet Gwen (zusammen mit Jonah Jameson, der ebenfalls unter den Ausstellungsbesuchern war) nach Hause. Dort treffen sie einen benommenen Captain Stacy an, der betäubt wurde und so sein Amt gar nicht ausüben konnte. Was ist passiert? Dieses Geheimnis wird gleich darauf gelüftet: Wir sehen das Chamäleon (hatte zuvor Auftritte in „Spinne“ # 3 und 17), das sich gerade die Maske von Stacy abstreift.

Nach einigem Nachdenken kommt Peter Parker darauf, daß das Chamäleon hinter der Sache stecken könnte. Nun müssen die Spinne und ihr Gegner wieder zusammenkommen (ein Problem, das in etlichen früheren Ausgaben auch schon aufgetreten ist). Die Spinne bringt Joe Robertson, den Lokalchef des Daily Bugle, dazu, einen großen Bericht über eine Sitzung zu bringen, bei der ein sehr großes Aktienpaket veräußert werden soll. Das soll der Köder für das Chamäleon sein; wenn es nach den Aktien greift, will die Spinne zuschlagen. Sie schleicht sich durch Lüftungsschächte an den Konferenzraum an, platzt in das Treffen und versucht, den Wirtschaftsmagnaten nacheinander die Maske vom Kopf zu reißen – aber vergeblich; das Chamäleon ist offenbar nicht gekommen.

Die Polizei kommt mit Jameson im Schlepptau. Die Spinne muß fliehen. JJJ verlangt, daß die Spinne sofort verhaftet wird, aber die Polizisten lassen sich von ihm nicht beirren. Einer läßt Jameson die Luft raus: "Sie sind ein großmäuliger, spatzenhirniger, feiger Dummschwätzer, und das ist erst der Anfang, Sie Flachkopf!“ Die Aktien sind noch da, die Spinne ist dennoch überzeugt, daß auch das Chamäleon da war. Und dann stürzt sie sich auf einen jungen Mann, dem sie sofort ansieht, daß er eine Maske tragen muß: Es handelt sich um Peter Parker. Der wirft eine Granate und versucht, mit einem Auto abzuhauen. Die Spinne läßt ihn aber nicht entkommen und zieht ihm die Maske herunter. Jameson ist argwöhnisch: „Moment, woher wußtest du, daß Peter Parker nicht Peter Parker war?“ Die Spinne antwortet cool: „Das ist mein Geheimnis, Herzchen!“

Naja, so ganz geht diese Geschichte nicht auf. Das Chamäleon tarnt sich nicht als jemand, der sich das Aktienpaket greifen kann. Es verschwindet, bevor es seinen Raub ausführen kann. Natürlich kann die Spinne aber sofort erkennen, daß dieser Peter Parker nicht der echte sein kann. Komisch nur, daß weder Jameson noch jemand anders darauf kommt, warum das so ist. Lassen wir mal unberücksichtigt, daß ein Raub von Aktien nur Sinn ergibt, wenn man annimmt, daß es sich wirklich um reale Papiere handelt, was eher im 19. Jahrhundert der Fall war. Inzwischen dürfte ein Raub von Aktien praktisch unmöglich sein (vielleicht auf digitalem Weg...). Trotz dieser Fehler und Kurzschlüsse ist die Story schwungvoll und auch leidlich spannend erzählt.

John Romita bleibt im Spiel: Er hat erneut das Cover gezeichnet und wird ansonsten in den Credits als „Oberaufsicht“ genannt. Die Checklist wird, offenbar auf Leserforderungen hin, noch einmal geändert. Zuletzt hatte die Redaktion ja Originalnummer und –titel der Ausgaben angegeben. Jetzt wird neben der Originalnummer wieder eine kurze Inhaltsangabe der Hauptstory eingeführt, was für alle Marvel-Fans, die die Originale nicht kannten und nicht so leicht kaufen konnten, auch absolut sinnvoll war.
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Alt 10.11.2018, 17:34   #402  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 82

Erscheinungstermin: 4/1977

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 81
2) Journey into Mystery # 123

Story-Titel:
1) Jetzt hüpft das Känguruh!
2) Und ein Universum zittert

Original-Storytitel:
1) The Coming of the Kangaroo!
2) While a Universe trembles!

Zeichnungen:
1) John Buscema / Jim Mooney
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) John Romita / Stan Lee
2) Stan Lee



In den deutschen Credits wird es nicht deutlich, aber laut Marvel.wikia ist John Romita an dieser Ausgabe als Co-Autor beteiligt. Stan Lee sorgt dafür, daß man das nicht gleich merkt, aber es ist doch eine relativ schwache Story, was von einem schwachen Gegner der Spinne herrührt. Das Känguruh erinnert mich in manchem an Ka-Zar – ein Naturbursche, der sich Känguruhs zum Vorbild nahm, lernte, wie sie zu springen und zu boxen und im Outback von Australien zu überleben (die Zeit der radioaktiven Unfälle scheint vorbei zu sein). Eines macht das Känguruh aber ungeahnt modern: Nachdem es beim Boxen seinen Gegner schwer verletzt hat und in den Knast wandern soll, wandert es stattdessen heimlich in die USA ein, wird von der Einwanderungsbehörde geschnappt, schafft es aber trotzdem, illegal im Land zu bleiben und wird zum kriminellen Migranten (die AfD würde sagen: Was sonst?).

Schon wieder einer, der durch sein Dschungeltraining normalen Menschen überlegen ist, aber damit noch lange kein Gegner für die Spinne, was sich am Ende der Geschichte auch bestätigt. Die Story beginnt mit einem ganz netten Gag: Die Spinne seilt am Büro von Jonah Jameson vorbei, der sie sogleich aus dem Fenster heraus übel beschimpft. Dabei fällt ihm seine teure Zigarre aus dem Mund und in die Tiefe. Die Spinne ist auf dem Weg zur Central Station, um (natürlich als Peter Parker) Tante May abzuholen, die von ihrem Florida-Urlaub zurückkehrt. Im selben Zug sitzt der namenlose Australier, der das Känguruh ist und gerade abgeschoben werden soll. Die Bundespolizisten, die ihn begleiten, bedauern ihn (das waren noch Zeiten), berufen sich aber auf die Gesetze. Doch blitzschnell macht das Känguruh sie fertig und hüpft davon. Peter und Tante May, auf dem Bahnsteig nur wenige Meter entfernt, bekommen es unmittelbar mit. Sie schleppt ihren Lieblingsneffen aber erstmal mit sich nach Hause. Eingeschoben wird hier die Entstehungsgeschichte des Känguruh – immerhin: Superkräfte sind nicht ausgeschlossen. „Vielleicht war was in der Luft, die ich atmete, oder in dem Wasser, das ich trank“, mutmaßt der Bösewicht. Stan Lee betreibt wieder mal Naturwissenschaft.

Wird Zeit, daß die Story in Gang kommt. Das Känguruh beschließt, einen Transport zu überfallen, um an Geld zu kommen. Was es da aber an sich bringt, ist eine Probe „tödlicher Bakterien“. Es weiß es nur nicht. Peter Parker sieht die Meldung im Fernsehen und verläßt unbemerkt als Spinne Tante Mays Haus. Es folgt – wir ahnen es – die Suche nach dem Schurken. Diesmal sucht die Spinne mal wieder so lange, bis sie ihn gefunden hat. Das Känguruh platzt gerade in eine Dachterrassenparty, um die Gäste auszurauben. Die Spinne will mit ihm reden, ihm klarmachen, daß es zu seiner eigenen Sicherheit die Bakterien-Phiole herausrücken muss. Doch das Känguruh geht sofort zum Angriff über. Als die Spinne reagiert, ist bei ihm schnell der Ofen aus. Sie bringt die Phiole an sich und läßt das Känguruh auf der Dachterrasse zurück. Hier fehlt der endgültige K.o. für das Känguruh. Es fehlen nämlich in dieser Geschichte zwei Seiten. Williams hat offenbar die Originalseiten nicht bekommen, nur einen gekürzten Reprint.

Die Spinne bringt die Bakterienprobe zurück und macht sich auf den Heimweg zu Tante May. Hier wird noch ein kleiner Twist eingebaut: Sie hat nämlich das Haus doch nicht so unbemerkt verlassen, wie sie dachte. Als Tante May Peter Medizin bringen wollte, hat sie bemerkt, daß nicht er im Bett liegt, sondern eine Netzpuppe. Darauf ist sie wie die Großmutter im Räuber Hotzenplotz in Ohnmacht gefallen. Wie dort kommt sie aber schnell wieder zu sich. Peter muß sie freilich davon überzeugen, daß sie sich die Netzpuppe nur eingebildet hat. Das bereitet ihm heftige Gewissensbisse. Er blickt äußerst besorgt in die Zukunft: Wann wird der Schatten der Spinne ihn und all seine Lieben endgültig vernichten (Originalzitat)?

Eine routinierte bis enttäuschende Story. Das Känguruh überzeugt mich überhaupt nicht. Damit der Leser Mitleid mit ihm hat, hätte es wohl einen Zweiteiler wie beim Strolch erfordert, aber das wollte Marvel damals wohl auf jeden Fall vermeiden. Wegen der auf 18 Seiten verkürzten „Spinne“-Story bleibt Platz im Heft für eine Leserbriefseite (über den Fall Der Rote Wächter – mit einer Wortmeldung von Gerhard Förster) sowie für eine Infoseite über Maske und Kostüm der Spinne aus einem wohl älteren Annual. Wer die Seite gezeichnet hat, kann ich nicht genau erkennen, tippe aber auf Steve Ditko.
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Alt 12.11.2018, 23:08   #403  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 83

Erscheinungstermin: 5/1977

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 82
2) Journey into Mystery # 123

Story-Titel:
1) Und dann kam Electro!
2) ohne Titel (Und ein Universum zittert!)

Original-Storytitel:
1) And then came Electro!
2) While a Universe trembles!

Zeichnungen:
1) John Romita / Jim Mooney
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee



John Romita kehrt als Zeichner zurück, und sofort nimmt die Episode einen völlig anderen Charakter an – auch was die Story betrifft. Romita zeichnet mit bis zu neun Panels pro Seite. Die großformatigen Bilder, die John Buscema fast durchgehend verwendet, sind hier auf die Momente beschränkt, in denen der Schurke dieser Ausgabe, Electro, auftritt. Es handelt sich nun nicht um eine Geschichte mit Anspruch und Esprit, aber es sind doch einige attraktive Ideen und Wendungen eingebaut. Was bedeutet: Entweder liegt das am Marvel Touch, und Romita setzt eben eine von Stan Lee nur grob skizzierte Story anders um als Buscema, oder Buscema hat auf solche kleinen Gags und Szenen in Lees Skript verzichtet, um die Story geradliniger umsetzen zu können. Insgesamt gefällt mir die Electro-Story ziemlich gut, weil der Action-Teil und die Soap-Elemente sich die Waage halten und der Rahmen – die Spinne tritt in einer Fernsehshow auf – auch ganz gut gelungen ist.

Das Motiv „Spinne im Fernsehen“ ist nicht ganz neu; das gab es gleich in der allerersten Folge, als sich die Spinne schon als kommender Fernsehstar sah und versäumte, den Banditen aufzuhalten, der kurz darauf seinen Onkel Ben ermordete. Neu ist nun, daß Marvel die Realitätsnähe recht weit treibt und einen echten TV-Entertainer der 1960er Jahre auftreten läßt, nämlich Merv Griffin (er moderierte auch das Original-„Glücksrad“). Electro ist kurz nach dem Chamäleon die zweite Figur, die ganz aus den Anfängen der „Spider-Man“-Serie stammt. Für mich ist das ein Indiz, daß man zu dieser Zeit nicht genau wußte, wohin sich die Serie entwickeln soll. Wenn keine uralten Feinde der Spinne auftauchen, dann sind es neuentwickelte Supergegner, die aber in der Regel nicht richtig überzeugen. Jedenfalls wird es mit den abgeschlossenen Geschichten bald wieder vorbei sein.

Zum Inhalt: Peter wälzt seine vielen Probleme. Aus seiner Depression holen ihn zunächst Anna Watson, die vorzeitig aus Florida zurückgekehrt ist, weil sie gehört hat, daß es Tante May nicht gut geht, und Gwen, die Peter zu einer Party mit Flash Thompson einlädt. Peter will als Spinne wieder mal ein paar Fotos für den Daily Bugle machen. Dabei schwingt sie aber über einen sehr rußigen Schornstein und schmutzt ihr Kostüm gehörig ein. Dann kommt ihr aber eine Idee: Beim Fernsehsender TVC (in Wirklichkeit: CBS) schlägt sie vor, in einer Show aufzutreten, um auf diese Weise an Geld zu kommen. In dem Büro, in das sie sich hineingleiten läßt, tagen tatsächlich gerade die Programmverantwortlichen, die das für eine sehr gute Idee halten.

Weiter hinten im Studio arbeitet gerade ein neu eingestellter Elektriker namens Max Dillon. Der Spinne kommt der Name irgendwie bekannt vor, aber ein TV-Boß meint, sie verwechsle ihn mit Matt Dillon aus der TV-Serie „Pulverrauch“ (gemeint ist „Rauchende Colts“). Dillon seinerseits weiß genau, wer die Spinne ist, will aber in aller Ruhe auf die beste Gelegenheit warten, die Spinne zu besiegen. Er steht gerade unter Bewährung. Zuhause hört er im Fernsehen einen Kommentar von Jonah Jameson, der sich über den geplanten TV-Auftritt der Spinne aufregt und dazu aufruft, sie einzusperren. Dillon kommt ein Gedanke: Jameson würde bestimmt viel Geld dafür bezahlen, wenn er das übernehmen würde.

Electro verschafft sich Zugang zu JJJs Büro und bringt ihn dazu, ihm 5000 Dollar für den Job zu versprechen. Jonah ist insgeheim selig: Für ihn war das wieder mal ein Schnäppchen, denn er hätte auch 20 000 Dollar bezahlt. Jameson lädt Joe Robertson und Captain Stacy zu der Fernsehshow ein – sie sollen Zeugen seines Triumphs über die Spinne werden. Er verrät ihnen freilich noch nicht, warum er plötzlich zum Fan von Fernsehunterhaltung geworden ist. Peter Parker muß inzwischen erstmal sein rußiges Kostüm reinigen, und zwar im Waschsalon. Er benutzt dafür nicht sein Zweitkostüm, sondern zieht sich eine Papiertüte über den Kopf, während die anderen Salonbesucher staunen.

Die Spinne kommt in die gerade laufende Show, die offenbar auch live übertragen wird. Das dürfte in der Wirklichkeit so nicht funktionieren, erhöht aber die Spannung. Griffin plaudert mit ihr im Stil von Letterman oder Leno. Aber nach wenigen Minuten schlägt Electro zu. Im Studio bricht Panik aus. Jonahs Begleiter sind entsetzt, daß er diese große Gefahr heraufbeschworen hat, aber er zuckt nur die Schultern. Die Spinne hat alle Mühe, den Elektroblitzen auszuweichen, kommt aber doch bald darauf, wie sie Electro stoppen kann. Mit ihrem Netz bindet sie ihm Hände und Füße zusammen und erzeugt so bei ihm einen Kurzschluß. Es gibt noch einmal eine gewaltige Stromentladung, die auch die Spinne voll erwischt. Electro wankt ohne Energie davon, und auch die Spinne ist nicht mehr kampffähig. Sie hat Verbrennungen erlitten. Das muß man wohl als ein Unentschieden ansehen.

Nachzutragen ist die Party mit Peter, Gwen und Flash. Gwen macht in jedem Moment deutlich, daß sie nur Peter liebt. Flash als möglicher Nebenbuhler ist nicht mehr aktuell. Aber er verspottet den „putzigen Parker“. Gwen kann beide nur knapp von einer Rauferei abhalten. Peter verläßt die Party. Gwen geht ihm nach und erfährt endlich einen (wenn auch nicht den) Grund für seine Niedergeschlagenheit: Peter hält sich für zu arm, um mit Gwen zusammensein zu können. Das bestreitet sie heftig. Der Gedanke verfolgt, wenn ich mich recht erinnere, ihn aber noch länger.

Nicht übel. Der Kurzschluß von Electro überzeugt mich zwar nicht so recht, aber sonst habe ich an dieser Ausgabe nichts weiter auszusetzen. Die Hefte, die Buscema zeichnete, fand ich damals zwar auch nicht schlecht, aber Romita scheint sich doch mit „seiner“ Serie eindeutig mehr Mühe zu geben. Kuriosum am Rande: Laut Marvel.wikia stammt das Cover von Marie Severin. In dem Heft findet sich eine weitere Leserbriefseite – noch zwei längere Briefe zum „Fall Der Rote Wächter“, einer davon stammt von Hajo F. Breuer.
Peter L. Opmann ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 17:11   #404  
Peter L. Opmann
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Spinne (Williams) 84

Erscheinungstermin: 5/1977

Originalausgabe:
1) Amazing Spider-Man # 83
2) Journey into Mystery # 124

Story-Titel:
1) Intrigo!
2) Die Pracht und die Herrlichkeit!

Original-Storytitel:
1) The Schemer!
2) The Grandeur and the Glory!

Zeichnungen:
1) John Romita / Mickey Demeo (= Mike Esposito)
2) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee
2) Stan Lee

- An die URL des Covers komme ich hier wieder nicht ran. -

Jetzt kommt also der Mann mit dem trickreichen Kontrollpult. Ich würde ihn vielleicht eher als „Strippenzieher“ bezeichnen, aber „Intrigo“ (also „Intrigant“) ist schon ein griffiger Name. Mit dem Mann hat es seine Bewandtnis – man konnte nicht gleich seinen wahren Namen nennen. Aber in dieser Ausgabe tut er nicht viel mehr, als finster dreinzublicken und verborgene Knöpfe zu drücken. Aber wir Leser sollen denken, er sei ein mächtiger Unterweltboß, dem Kingpin – der hier wieder aus der Versenkung auftaucht – mindestens ebenbürtig.

Jedenfalls ist der Kingpin keine Figur für 20seitige Geschichten. Jetzt kommt wieder mal ein Mehrteiler (drei Teile scheinen es zu sein). Letztes Mal waren es Kingpin und Silbermähne, jetzt sind es Kingpin und Intrigo. Diesmal wird Kingpin aber bis zum Schluß auf der Bühne bleiben. Stan Lee und John Romita scheinen ein Faible für Gangsterbanden-Storys gehabt zu haben. Wieder geht es im Kern darum, welcher Pate New York beherrscht, und der Spinne wird nur eine kleine Nebenrolle zugestanden, was sich aber als Irrtum erweisen dürfte.

Ach ja, das Traumduo John Romita und Jim Mooney ist hier schon wieder nicht am Werk. Man meint, sie hätten einen langen Run zusammen gehabt, aber das stimmt gar nicht. Entweder läßt sich Romita von Don Heck oder John Buscema helfen oder gar vertreten, oder es muß ein anderer Inker einspringen. Hier kehrt Mike Esposito zurück, der sich gegenüber seinen letzten Arbeiten (zuletzt war er in „Spinne“ # 65 am Werk) aber erfreulich gesteigert hat.

Zur Story: Intrigo will Kingpin aus dem Geschäft drängen und läßt Anschläge auf seine Männer verüben. So bekommt auch der New Yorker Passant Peter Parker etwas von seinen finsteren Plänen mit, wird zur Spinne und mischt seinerseits Intrigos Leute auf. Endlich hat er wieder mal daran gedacht, seine Kamera zu postieren, aber Jonah Jameson ist von Motiven, wie die Spinne Gangster vermöbelt, nur mäßig begeistert. Schließlich läßt er sich dazu herab, de Fotos für fünf Dollar pro Stück zu nehmen. Peter braucht aber mehr Geld, vor allem für seine schwerkranke Tante, aber auch für Gwens Geburtstag, zu dem er ihr am liebsten die ganze Welt schenken möchte.

Zwischendurch ist eine bedeutsame Szene eingeblendet, die in Kingpins privatem – ziemlich luxuriösem – Domizil spielt. Wir sehen hier erstmals seine Frau Vanessa, die ihm eine interessante Facette hinzufügt. Eine Frau, die überlegter und vielleicht ein bißchen moralischer agiert als er. Allerdings hat man den Eindruck, daß sie ihren Einfluß auf ihr gemeinsames Heim und die Familie beschränkt und ihm in seinen Gangsterjob nicht viel hineinredet. In ihrem Gespräch geht es um ihren gemeinsamen Sohn Richard, der verschollen ist. Kingpin hält ihn für einen Schwächling, Vanessa dagegen ist überzeugt, daß Kingpin ihn mit seinem rohen Wesen vertrieben hat. Kingpin stürmt wütend aus dem Zimmer.

Schwenk zu Peter Parkers Privatleben. Flash Thompson wird verabschiedet, er kehrt an die Front in Vietnam zurück. Anlaß wie gehabt für kleine Eifersüchteleien mit Gwen und Mary-Jane. Erstmals hört man hier aber kritische Töne über den Vietnamkrieg. Peter überlegt, ob es schlimmer ist, zuhause bleiben zu müssen, wenn die patriotische Pflicht ruft, oder – man höre – in einem sinnlosen Krieg zu kämpfen. Wobei er da wohl etwas schief liegt: Es war sicher nicht so, daß die USA diesen Krieg nicht wollten und daß es gegen Feinde ging, die sie nicht hassen. Aber immerhin!

Nun werden wieder Peters Privatleben und seine Existenz als Spinne miteinander verknüpft: Während er mit Gwen vom Flughafen nach Hause geht, wird ein Transporter – vermutlich im Kingpin-Intrigo-Krieg – abgedrängt und kippt auf sie. Peter schirmt Gwen mit seinem Rücken ab (während sie das Bewußtsein verliert – klar, denn sonst wäre es aus mit seiner Geheimidentität). Er rammt eine zerstörte Parkuhr in den Boden, damit es so aussieht, als hätte sie verhindert, daß der Lastwagen auf Peter und Gwen stürzt. An den Wagen, der den Unfall verursacht hat, klebt er einen Spinnenspürer. Gwen wird von Sanitätern ins Krankenhaus gebracht. Glücklicherweise hat sie nur Quetschungen und einen Schock erlitten.

Die Spinne folgt dem Auto und stößt auf das Hauptquartier von Intrigo. Zwar hat sie mit den Gangstern nicht viel Mühe, obwohl sie auf sie schießen. Aber Intrigo verfügt über Geschütze in seinem Kontrollpult. Die Spinne weicht aus, springt Intrigo an, aber da verwandelt sich das Pult in eine Art Schrottpresse. Mit letzter Kraft gelingt es der Spinne zu verhindern, daß sie zerquetscht wird. Das Pult explodiert, von Intrigos Zentrale bleiben nur rauchende Trümmer. Er selbst verschwindet. Peter eilt nun zu Gwen ins Krankenhaus. Aber dort redet ihn ihr Vater so an, als ob er nahe daran wäre, ihn als Spinne zu enttarnen. Und Gwen ist ungnädig, weil er nicht die ganze Zeit an ihrer Seite war. Am Ende sehen wir Peter also mal wieder mit einem Haufen Problemen. Cliffhanger fehlt, aber in der nächsten Folge wird Kingpin zuschlagen, wie wir erfahren. Na dann…

Diese Eröffnung ist nicht so gut gelungen, wie wir das bei Stan Lee schon erlebt haben. Daß Peter so häufig mit dem Unterweltboß Intrigo und indirekt auch mit Kingpin in Kontakt kommt, ist mal wieder reichlich unglaubwürdig. Daß Intrigo bis jetzt nur ein nichtssagendes Abziehbild ist, habe ich schon erwähnt. Aber ich finde zumindest die Mischung von Action und Soap in dieser Episode wieder ausgewogen. Und ich gestehe, als Zwölfjähriger habe ich nicht gemerkt, wie dünn die Story bisher eigentlich ist.
Peter L. Opmann ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt Gestern, 18:09   #405  
thetifcat
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Wer die Daredevil Serie sieht - die aktuelle dritte (obwohl mit Defenders eigentlich schon vierte). Sieht dort einen Fisk und eine Vanessa die schon ziemlich viele Anleihen aus diesen Kingpin nehmen und sehr wenig aus den späteren. Zum Glück.
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