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Alt 07.10.2017, 17:30   #51  
Servalan
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Die Kanzlei Staffel 1 Episode 8 (Folge 8) "Der nächste Zug" (Deutschland, Letterbox Filmproduktion GmbH für Das Erste 2015), Drehbuch. Thorsten Näter, Regie: Stephan Rick, 48 min, FSK: 6

Die Kanzlei ist keine eigenständige Serie, sondern eine direkte Fortsetzung von Der Dicke um den Hamburger Anwalt Gregor Ehrenberg, der in der Tradition seines Berliner Kollegen Robert Liebling kleine Leute in Strafsachen berät, auch wenn sich das nicht rechnet.
Wäre Hauptdarsteller Dieter Pfaff (geb. 1947) nicht am 3. März 2013 seinem Lungenkrebs erlegen, wäre das die 5. Staffel geworden - und die 8. Episode dann die 60. Folge der Serie.
Creator und Headwriter Thorsten Näter spinnt die ersten sechs Folgen der Nachfolgeserie um das merkwürdige Verhalten des abwesenden Gregor Ehrenberg herum. Die Episoden 5 und 6 mit der Todesnachricht und Ehrenbergs Begräbnis bilden insofern den Staffettenwechsel zum neuen Team mit den Rechtsanwälten Isabel von Brede und Markus Geffert. Yasmin Meckel, geborene Ülküm, Gudrun Wohlers und Hund Teddy sorgen für Kontinuität.

Der anerkannte Maler Lutz Siebholz hat Selbstmord begangen, indem er vor einen fahrenden Zug gelaufen ist. Zugführer Lutz Markwart hat seitdem ein Trauma und ist arbeitsunfähig geschrieben. Die Witwe Michaela Siebholz will jedoch den Suizid nicht wahrhaben und hat die Bahn verklagt. Ihr Mann wäre auf die Gleise geraten, weil kein Warnschild vorhanden gewesen sei, behauptet sie. Frau Markwart trifft sich mit Isabel von Brede, weil sie die Wtwe verklagen möchte.

Geändert von Servalan (07.02.2018 um 22:06 Uhr)
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Alt 19.10.2017, 15:41   #52  
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Ich und Kaminski (Deutschland 2015, ED Productions Sprl, Potemkino, Velvet Films und X Filme Creative Pool), Drehbuch: Thomas Wendrich, Wolfgang Becker und Achim von Borries nach dem gleichnamigen Roman (Suhrkamp 2003) von Daniel Kehlmann, Regie: Wolfgang Becker, 124 min, FSK: 6

Danel Kehlmann weiß, wovon er schreibt, denn er stammt aus einer Künstlerfamilie: Seine Mutter Dagmar Mettler ist Schauspielerin, sein Vater Michael Kehlmann Regisseur und dessen Vater (also Kehlmanns Großvater väterlicherseits) war der expressionistische Schriftsteller Eduard Kehlmann (1882 - 1955).
Während Kehlmann seine überhebliche Hauptfigur gnadenlos scheitern läßt, gelang ihm mit diesem Roman, seinem fünften Werk und seinem dritten Roman, der Durchbruch. Mit seinem Nachfolger, Die Vermessung der Welt. Roman (Rowohlt Verlag 2005) über die deutschen Geistesgrößen Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855) und Alexander von Humboldt (1769 – 1859), etablierte er sich als internationaler Bestsellerautor.

Der Regisseur und Co-.Drehbuchautor Wolfgang Becker gehört zu den Köpfen der 1994 gegründeten Filmproduktionsgesellschaft X Filme Creative Pool. Becker selbst lockte das Publikum mit seinen Erfolgen Das Leben ist eine Baustelle (1997) nicht nur auf die Berlinale und mit Good Bye, Lenin! (2003) ins Kino. Das Unternehmen von den Regisseuren Tom Tykwer, Dani Levy und Wolfgang Becker sowie dem Produzenten Stefan Arndt wurde zum Synonym für ein junges, deutsches Kino mit spannenden Geschichten aus dem Alltag.
Eine internationale Resonanz gelang X Filme mit Tom Tykwers Lola rennt (1998), der die Kritik begeisterte und 22,9 Millionen Dollar weltweit einspielte. Angeregt vom Schmetterlingseffekt der Chaostheorie wird Lolas verzweifeltes Rennen gegen die Zeit fünfmal mit kleinen Variationen durchgespielt. Jeder neue Lauf beginnt mit einer Trickfilmsequenz (Studio Film Bilder von Thomas Meyer-Hermann und Gil Alkabetz), damals ein außergewöhnliches visuelles Konzept.

Becker nutzt diese Erfahrungen und setzt Animation ziemlich souverän ein, so daß der Realfilm teilweise bruchlos in Animationssequenzen übergeht. Ergänzt wird das Konzept durch einen ironischen Point-of-View: Wenn der eitle Sebastian Zöllner sich mal wieder aufregt und am liebsten jemanden umbringen möchte, dann sehen wir das - erst dann geht der Film mit den realen Gegebenheiten weiter.
Damit die Fiktion über (den ausgedachten) Maler Manuel Kaminski glaubwürdig wirkt, bringen (Kehlmann und) Becker zunächst anerkannte Größen der internationalen Kunstgeschichte ins Spiel: Pablo Picasso, Henri Matisse und Claes Oldenburg. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr steht Kaminski im Mittelpunkt, dessen fiktives Umfeld eine eigene Dynamik gewinnt.
Obwohl die Verfilmung kleine Längen hat (die Road-Movie-Sequenz), bietet er optisch Leckereien auf (die Angelsachsen nennen das eye-candy), die den Film zu einem Genuß machen.

Nach dieser Satire besteht der gesamte Kunstbetrieb aus zynischen Spitzen, Sottisen und Aperçus, die ein Eigenleben gewinnen. Denn jeder manipuliert jeden anderen und versucht, den größten Vorteil für sich selbst herauszuschlagen.
Bei Kaminskis erster großer Ausstellung im Big Apple mokiert sich Kollege Claes Oldenburg über den "Blind Painter", weshalb sich dieser spöttische Zusatz über Nacht zu Kaminski Markenzeichen entwickelt. Wenn der nun im Alter wirklich erblindet, ist das ein sarkastischer Witz der Kunstgeschichte.

Geändert von Servalan (27.11.2017 um 01:27 Uhr)
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Alt 19.10.2017, 19:13   #53  
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Taxi (Deutschland 2015, B&T Film mit Zinnober Film, Schubert International Filmproduktion, cine plus Filmproduktion und Apollomedia in Zusammenarbeit mit Arte und WDR, gefördert von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), Film- und Medienstiftung NRW, Nordmedia, Deutscher Filmförderfond (DFFF), der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie Filmförderungsanstalt (FFA)), Drehbuch: Karen Duve nach ihrem gleichnamigen Roman (Eichborn 2008), Regie: Kerstin Ahlrichs, 94 min, FSK: 6

Karen Duve hat sich mittlerweile im Literaturbetrieb etabliert. Dabei reicht ihr Spektrum von Romanen und Kurzgeschichten über Kinderbücher bis zu Essays, Kurzgeschichten und Beiträgen für Anthologien.
Szenisches Schreiben scheint ihr eher weniger zu liegen, denn für Film und Theater oder die Audioversion im Hörspiel oder Feature findet sich bei ihr kaum etwas. Das Drehbuch zu ihrer Romanverfilmung Taxi ist bis heute bezeichnenderweise ohne Folgen geblieben.

Was sich auf Papier gut lesen läßt, muß auf der Leinwand noch lange nicht funktionieren: Die Kombination aus einem Dreiecksmelodram und episodischen Geschichten aus dem Alltag (hier zu nächtlichen Zeiten) hängt auf der Leinwand ein wenig durch.
Angeregt wurde Karen Duve ihre eigenen Erfahrungen als weibliche Taxifahrerin (diese Tatsache wird im Roman und im Film betont), die Hamburg bei Nacht erlebt.
Mit dem Game of Thrones-Idol Peter Dinklage findet sich ein internationaler Star unter den Hauptrollen.

Das Plaudern aus dem eigenen Nähkästchen wirkt jedoch nicht glaubwürdig, denn schon der Vorspann erinnert mich unwillkürlich an eine klassische US-Serie, die auch im ZDF lief: Die Sitcom Taxi (ABC und NBC 1978-1983, 5 Staffeln mit 114 Episoden) heimste damals 18 Emmy Awards ein.
Denn in beiden heißt die Hauptfigur Alex: Bei der Sunshine Cab Company in Manhattan steuert der männliche Alex Reiger durch den Verkahr, bei Duve chauffiert die weibliche Alexandra Herwig ihre Gäste durch die Metropole. Auch der persische Besitzer des Taxiunternehmens, Mergolan, kann gewisse Ähnlichkeiten mit dem Besitzer des Unternehmens, dem cholerischen Louie De Palma, nicht verleugnen.
Skurrile Figuren geben in jeder Folge ihr Gastspiel. Außerdem spielen sowohl die US-Serie als auch der deutsche Film in den 1980ern, die Fernsehserie am Anfang der Dekade, die Verfilmung gegen Ende des Jahrzehnts.

Zu ihren Kollegen bei Mergolan gehört Dietrich, den ihre ausschlißlich männlichen Kollegen für etwas Besonderes halten. Dietrich verschafft Alex eine Wohnung und erlaubt es Alex so, sich vom spießigen Elternhaus abzunabeln. Und die liegt zufälligerweise direkt unter Dietrichs Bude, der sich in Gemälden selbstverwirklicht, aber den richtigen Durchbruch noch nicht geschafft hat. In ihrer Freizeit steht Alex dem Künstler Dietrich Modell.

Geändert von Servalan (22.10.2017 um 17:55 Uhr)
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Alt 27.10.2017, 15:20   #54  
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Tatort (Folge 471) "Totenmesse" (Deutschland 2001, Mitteldeutscher Rundfunk MDR für Das Erste), Drehbuch: Andreas Pflüger und Pim Richter, Regie: Thomas Freundner, 88 min, FSK. 12

Nach 21 Fällen in Dresden ist dies der fünfte Fall für die Kommissare Ehrlicher und Kain in Leipzig. Während die Kommissare erst in der Schlußphase an Beliebtheit, aber ansonsten zum guten Mittelfeld zählten, erhielt dieser Fall aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität erstaunlich positive Kritiken.

Der Schauplatz der Episode findet sich in der Alten Messe Leipzig, die ziemlich heruntergekommen ist und nach einem Konzept generalüberholt werden soll. Der Kreis der Verdächtigen rekrutiert sich deswegen zum einen aus den Managern eines millionenschweren Investitionskonzerns sowie der Architektenszene im engeren Sinne und der kreativen Szene im weiteren Sinne.
Bruno Ehrlicher hängt dabei sentimentalen Erinnerungen nach, als die Leipziger Messe noch das internationale Aushängeschild der Deutschen Demokratischen Republik war.

Die Urban Invest AG hat einen internationalen Architekturwettbewerb für die Leipziger Messe ausgeschrieben, die für 800 Millionen Euro saniert werden soll.
Der in Leipzig ansässige Architekt Martin Frings mit seinem Büro rechnet sich als obligatorischer "Quotensachse" bloß geringe Chancen aus. Außerdem ist er von den nie zufriedenen Managern Hagen Peukert und Caspar Freyberg genervt, die immer neue Wünsche anbringen. Deswegen muß er die teuren Modelle der Bauten ständig umbauen.
Weiteren Ärger verursacht ihm die Steuerfahndung.
Der Sieg des Wettbewerbs bringt dem Gewinner eine Prämie von neun Prozent der Bausumme. Kain sieht in 70 Millionen Euro (mathematisch sind das sogar 72 Millionen) ein Motiv, das für einen Mord reicht.

Die Kamera lenkt das Auge auf folgende Baudenkmale:
  • Sie fliegt in einer Acht durch das Logo, das Doppel-M für „Messamt für die Mustermessen“. Entworfen wurde es vom Grafiker Erich Gruner (1881 - 1966), eingeweiht wurde es bei der Herbstmesse 1917 im Ersten Weltkrieg.
    Zitat:
    Ursprünglich gab es vier Doppel-M, welche die vier Hauptzugänge auf das Alte Messe Gelände markierten. Das Letzte ist mit einer Höhe von 27 Metern, einer gestreckten Länge der beiden M von 42 Metern und einer Gesamtfläche der Alu Profile von 1.125 m² schon von Weitem ersichtlich. Nach dem Umzug der Messe auf das neue Messegelände im Norden der Stadt Leipzig blieb das Doppel-M der Alten Messe erhalten.
  • Häufigster Schauplatz ist die Messehalle 12, offiziell Achilleion Leipzig, von Ehrlicher jedoch nur Sowjetischer Pavillon genannt. In den 1920er Jahren sollte Leipzig eine neue Sporthalle erhalten, für die eine Halle umgebaut werden sollte, die 1913 für die Internationale Baufach-Ausstellung errichtet worden war. Nach dem Entwurf der Architekten Oskar Pusch (1877 - 1970) und Carl Krämer wurde 1923-1924 das Achilleion gebaut. Durch Luftangriffe wurde die Halle im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1950 als Sowjetischer Pavillon neu eröffnet.
Das war nicht der erste Tatort, und der letzte wird es auch nicht sein. Wenn ich es recht überschlage, dürften so an die zehn Episoden zusammenkommen ...

Geändert von Servalan (27.10.2017 um 19:37 Uhr)
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Alt 30.10.2017, 14:31   #55  
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Wholetrain (Deutschland / Polen, Goldkind Filmproduktion und Aerodynamic Film für ZDF - Das kleine Fernsehspiel 2006), Drehbuch und Regie: Florian Gaag, 89 min, FSK: 12, JMK: 14

In den meisten Filmen kommen Graffiti-Sprayer schlecht weg, weil sich deren Kunst meist im Illegalen bewegt. Mittlerweile bietet die Kunstszene Freiflächen für legale Pieces, häufig Auftragsarbeiten mit entsprechendem Werbewert oder als touristisches Lockmittel. Bei ihren häufig nächtlichen Aktionen versehen Sprayer allein oder in Gruppen öffentliche und private Oberflächen mit ihren Tags und Pieces. Rechtlich gesehen handelt sich in Hausfriedensbruch in Tateinheit mit Sachbeschädigung, die häufig mit Sozialstunden, der zwangsweisen Entferunung der Graffiti und Schadensersatzforderungen geahndet werden.
Die Subkultur wehrt sich durch einen eigenen Slang, der für Laien kryptisch bleibt. So bezeichnet der "Wholetrain" eine Aktion, bei der ein kompletter Zug in einem Rutsch komplett als Bildfläche genutzt wird.
Da die Unternehmen die Flächen rasch reinigen, dolumentieren die Writer und Sprayer ihre Pieces selbst. Allerdings müssen sie ihre Dokumentationen sorgfältig verstecken, weil sie sich sonst selbst überführen könnten.

Auf der Leinwand mischen sich Spielfilm und Dokumentarfilm. Während die klassischen Werke schon in den 1980er Jahren in den USA entstanden, findet das Writing von Tags und Pieces erst in Nuller Jahren Resonanz in der deutschen Filmlandschaft. Die Pioniere hinter der Kamera wie Frank Lämmer oder Florian Gaag stammen aus der Szene, der sie vor allem über die Musikproduktion weiterhin verbunden bleiben.
Wholetrain ist ein Autorenfilm im engsten Sinne: Vom Regisseur Florian Gaag stammt nicht nur das Drehbuch, mit seiner Firma Aerodynamic Film fungiert er darüber hinaus als Co-Produzent und hat den Soundtrack produziert. Weil er sich in der Szene auskennt und die Kamera Writer und Sprayer in Aktion zeigt, suchte er Schauspieler mit entsprechenden Erfahrungen. Ergänzt wurde das Casting durch erfahrene Writer aus der Szene: Cemnoz, Neon, Won, Ciel, Mons und Pure.

So viel Lebensnähe hält den Film quicklebendig, zugleich bereitet er Mühe, sobald es um Drehgenehmigungen auf dem Bahngelände geht. Bei der Deutschen Bahn wurde höflich angefragt, doch die lehnte nicht nur erbost ab, vielmehr setzte sie alles daran, das Filmproijekt europaweit zu stoppen. Die polnische Bahngesellschaft Rozkład jazdy PKP sagte dennoch zu.
Einige Szenen wurden (aus Trotz oder Rache?) in München gedreht.

Die beiden Berliner Graffiti-Crews KSB und ATL sind einander in herzlicher Feindschaft verbunden und messen ihre Kätfte und Künste miteinander. Wer zuerst einen Wholetrain vorweisen kann, dessen Crew hätte gewonnen.
Im Mittelpunkt stehen der Autolackierer Elyas (gespielt von Elyas M’Barek, bekannt durch Türkisch für Anfänger und die Fack ju Göhte-Trilogie), der Schüler Achim und Tino, der trotz seines Sohnes Kenny ein chaotisches Leben führt. Leader of the Pack ist David.
Weil David, Elyas und Tino schon mehrmals erwischt worden sind, kennt die Polizei ihre Adressen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich aus Schulden (wegen des Schadenersatzes), der Kontrolle durch Bewährungshelfer, der Flucht vor der Polizei und der Fehde mit der ATL-Crew.
David möchte wegen seiner Schulden aussteigen, und sein Bewährungshelfer empfiehlt ihm einem Kunstprofessor, bei dem er sich vorstellen soll ...

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Alt 14.11.2017, 18:25   #56  
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Michael (Deutschland 1924, Erich Pommer für Universum-Film AG (UFA), Abt. Decla-Bioscop), Drehbuch: Thea von Harbou und Carl Theodor Dreyer nach dem Roman Mikaël (1904) von Herman Bang, Regie: Carl Theodor Dreyer, 1.935 Meter ~ ca, 90 min stumm

In der Stummfilmzeit besaß das skandinavische Kino einen guten Ruf, teilweise wurde in deutschen Ateliers gedreht. Das Spektrum reichte dabei von Kimokerduos wie Pat und Patachon (eigentlich Fyrtaarnet og Bivognen, also Leuchtturm und Sozius) bis hin zu ernsten Dramen.

Vor allem mit seiner Verfilmung der Leidensgeschichte der Jeanne d’Arc, Die Passion der Jungfrau von Orléans (Frankreich 1928), hat sich Carl Theodor Dreyer einen festen Platz in der Filmgeschichte erobert.
Zu Lebzeiten wurde er von Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau geschätzt, später beeinflußte er Robert Bresson, Ingmar Bergman, Andrei Tarkowski | Андрей Арсеньевич Тарковский und den lautstarken Provokateur Lars von Trier.

Der Künstlerroman des Dänen Herman Bang wurde auf diese Weise zweimal auf die Leinwand gebracht, das erste Mal vom Entdecker Greta Garbos, dem Schweden Mauritz Stiller, in Vingarne (Schweden 1916).
Carl Theodor Dreyers Kammerspiel schildert ein Dreiecksverhältnis, in dem sich der alternde Maler Claude Zoret zwischen seinen biden jungen Modellen Eugène Michael und der verarmten russischen Fürstin Lucia Zamikow verzehrt und zerrieben wird.
Weil Bang homosexuell war, läuft der Stummfilm heutzutage auch in LGBT-Filmreihen. Allerdings halten sich Thea von Harbou und Dreyer in ihrer filmischen Bearbeitung stark zurück: Ohne ein gewisses erotisches Interesse kann hier kein künstlerisches Werk gelingen. Zoret scheint jedoch in erster Linie die Vitalität seiner Modelle zu reizen, während der alte Mann durch seine Kunst zu einem körperlosen, reinen Kopfwesen geworden ist. Eine fast drei Meter hohe Skulptur eines Kopfes drängt sich wiederholt ins Bild.

Zoret ist ein Malerfürst, der von seiner Entourage bewundert wird. Von allen wird er ehrfurchtsvoll Meister genannt und entsprechend gehandelt. Dabei verbindet Zoret ein besonderes Schicksal mit Michael, der vor vier Jahren anklopfte, um vom Meister das künstlerische Handwerk zu erlernen. Von seinen Werken hielt Zoret nichts, dennoch fragt seinen abgewiesenen Schüler, ob der ihm nicht Modell stehen könne.
Erst nach dieser Begegnung gelingt Zoret der Durchbruch in den Olymp der Kunstwelt. Obwohl der Markt für seine algerischen Skizzen von Michael schon 30.000 Dollar geboten hat, will er sich nicht von ihnen trennen.
Der Meister residiert auf einem stattlichen Anwesen und leistet sich einen Majordomus. Der Journalist Charles Switt leistet ihm freundschaftlich Gesellschaft und notiert erbauliche Tischgespräche für eine Biographie, die nach dem Tod des Meisters erscheinen soll.
Michael hat freien Zugriff auf das Konto des Meisters, und nachdem er sich in Gräfin Zamikow verguckt, bedient er sich ein wenig zu schamlos. Zorets Bankier will Zahlungsschwierigkeiten vorbeugen, deshalb unterrichtet er den Meister. Der läßt daraufhin ein eigenes Konto für Michael einrichten.


Zoret zeichnet realistisch und figürlich, seine Motive nutzen jedoch biblische, historische ("Cäsar und Brutus") und mythologische Elemente.
Die Szene ist erkennbar in der jüngeren Vergangenheit, Frankreich um 1900, angesiedelt, weshalb er dem Symbolismus und der Dekadenz zugeordnet werden kann.

Über das reale Vorbild Zorets sind sich die Exegeten nicht einig: Die italienische Wikipedia verweist nur auf Auguste Rodin (1840 - 1917), die französische Wikipedia auf Rodin und Claude Monet (1840 - 1926).

Geändert von Servalan (27.02.2018 um 18:11 Uhr)
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Alt 16.11.2017, 13:44   #57  
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Großstadtrevier Staffel 20 Episode 15 (Folge 239) "Fenstergespenster"
(Studio Hamburg für Das Erste 2006), Drehbuch: Jan Schröter, Regie: Miko Zeuschner, 48 min

Alfred Hitchcocks Klassiker Rear Window | Das Fenster zum Hof (USA 1954) nach der Kurzgeschichte "It Had to Be Murder" von Cornell Woolrich erfreut sich auch unter Filmschaffenden hoher Beliebtheit.
Deswegen finden sich Hommagen in der Form einzelner Episoden in etlichen Fernsehserien, besonders seit Jahrzehnten laufende Serien bieten sich als Varianten an - siehe zum Beispiel den Berliner Tatort "Hitchcock und Frau Wernicke" (Folge 764, 2010) mit den Kommissaren Till Ritter und Felix Stark.

Der verletzte Dirk Matthies beobachtet gelangweilt, was sich in der Umgebung seines Hauses tut und ruft im Ernstfall seine Kollegen. In der Nacht sieht er im Hinterhof, wie sich eine Mann und Frau streiten. Kurz darauf werden die Fenster geschlossen und das Licht gelöscht.
Als die Kollegen von der Streife die Wohnung im Erdgeschoß kontrollieren, die den Schwestern Vera und Lara Tanner gehört, wiegeln diese ab. Es wäre überhaupt kein Mann in ihrer Wohnung. Der übereifrige Matthies habe Gespenster gesehen.
Matthies läßt nicht locker und schickt seine Partnerin Katja Metz los, da die Wohnungstür unten wegen der Katze Minka bloß angelehnt sei. Bei ihrer heimlichen Recherche hört sie eine männliche Stimme.
Die anerkannte Kunstmalerin Lara Tanner sitzt im Rollstuhl und hat im Souterrain ihr großes Atelier, in dem sie Landschaften und Porträts anfertigt.

Geändert von Servalan (16.11.2017 um 16:06 Uhr)
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Alt 16.11.2017, 17:22   #58  
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Tatort (Folge 567) "Der vierte Mann" (ProVobis Film im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) für Das Erste 2006), Drehbuch: Hartmann Schmige, Regie: Hannu Salonen, 88 min, FSK: 12

Obwohl Harald "Harry" Wolter, gespielt von Stargast Jürgen Vogel, gerne ein ehrliches Leben führen will, weil er nur so seinen Sohn Andreas öfter sehen kann, wird er vom LKA Berlin als Einbrecher und Mörder gejagt. Die Kommissare Ritter und Stark sind sich sicher, ihn erkannt zu haben, als er aus der Wohnung des Restaurators Lohmeyer vor der Polizei flüchtete.
Wegen Graffiti und Einbrüchen ist Wolter einschlägig vorbestraft, so daß er ziemlich rasch gefaßt wird. Im Verhör bestreitet Wolter, den Mord begangen zu haben, allerdings kannte er Lohmeyer. Wolter bringt das Duo dazu, sich den Tatort ein zweites Mal anzusehen. Prompt nutzt er diese Gelegenheit zur Flucht und taucht in Berlin unter.
Bei ihrem Lokaltermin entdecken Ritter und Stark ein verstecktes Gemälde aus dem deutschen Impressionismus, das von Max Liebermann (1847 - 1937) stammt. Geschätzter Wert: 10 Millionen Euro.

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Alt 24.11.2017, 19:37   #59  
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Heiter bis tödlich: Akte Ex Staffel 1 Episode 5 (Folge 5) "Schweinkram" (Deutschland 2012, Saxonia Media Filmproduktion GmbH für MDR und Das Erste), Drehbuch: Stefan Dauck, Regie: Jorgo Pappavasilliou, 48 min, FSK: 12

Verglichen mit anderen Regionalkrimis aus der Reihe Heiter bis tödlich befindet sich diese Serie im passablen Mittelfeld. Die Chemie des Ensembles stimmt, die Krimis haben ein gewisses Tempo, während der Humor trotz des kalauernden Serientitels wohldosiert eingesetzt wird. In Sachen Screwball unterliegt die Serie Alles Klara, bleibt jedoch wie diese bei aller Kriminalität familientauglich.
Die Serie läuft noch. Bislang liegen 24 Episoden in 3 Staffeln vor.
Den Schauplatz gibt die Kulturmetropole Weimar im ländlichen Thüringen. Im Heiter bis tödlich-Vorspann weichen Goethe und Schiller auf ihrem Denkmalssockel einer fliegenden Kugel aus.

Die erste Staffel bestimmt ein biographischer Spannungsbogen: Vor 13 Jahren ließ sich die heutige Hauptkommissarin Kristina Katzer aus Weimar bei ihrer Klassenfahrt nach Berlin auf einen verlängerten One-Night-Stand mit dem Frauenhelden Lukas Hundt ein. Neun Monate später brachte sie ihre Tochter Jule auf die Welt.
In der Pilotfolge erhält sie zu ihrer Überraschung Hauptkommissar Lukas Hundt aus Berlin als neuen Vorgesetzten bei der Kriminalpolizei Weimar. Der ahnt nichts von seinem Vaterglück, und Kristina überlegt, ob sie ihm diese Tatsache überhaupt verklickern soll - und wenn ja, bei welcher Gelegenheit?
Kristina und Jule wohnen auf dem Weingut von Elli Katzer, Kristinas Mutter, die gut über Klatsch und Tratsch in Weimar unterrichtet ist - und auch mal eine Leiche findet.

Der fünfte Fall beginnt mit einem toten Metzgermeister.
Helmut Lehmann war mit seinem Konkurrenten Maik Schluchtenberger überkreuz, dem Besitzer eines Bio-Supermarkts. Deswegen wollte Lehmann sein Geschäft zu einer Wurstboutique modernisieren.
Nachdem die Kinder des Metzgerehepaares flügge geworden waren, entdeckte seine Gattin Sybille vor drei Jahren ihren Sinn für moderne Kunst. Ihr Alibi besteht denn auch in einer schlaflosen Nacht, die sie wegen einer anstehenden Vernissage mit der Hängung der Kunstwerke verbracht hatte.
Allerdings mißfiel es Metzgermeister Lehmann, daß Sybille junge Künstler aus der Region finanziell förderte. Weil der Müller-Thurgau vom Weingut Katzer ihr auf einmal nicht mehr gut genug, zerbrach ihre alte Feundschaft mit Elli Katzer.
Im Rahmen ihrer Ermittlungen stoßen Katzer und Hundt auf den Stipendiaten Tobias Krüger, den Sohn eines Schweinezüchters, der ihm seinen Hof vererben möchte. Aber Tobias hat sich der Kunst, "oder was er dafür hält" (so sein Vater), verschrieben.

Geändert von Servalan (24.11.2017 um 22:12 Uhr)
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Alt 27.12.2017, 20:57   #60  
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The Chief Staffel 5 Episode 6 (Folge 34) "Internal Affairs" (Großbritannien 1995, Anglia Television Entertainment Programme für ITV), Drehbuch: Susan Wilkins, Regie: Tom Cotter, 52 min

Im Mittelpunkt der Serie steht der Chief Constable (entspricht dem Polizeipräsidenten) der fiktiven "Eastland Constabulary" in Mittelengland. Deswegen hat die Serie gewisse Ähnlichkeiten mit der 3. und 4. Staffel von The Wire, zumal auch hier ein Polizeioffizier versucht, Drogen zu legalisieren, und sich Leichen ohne Kopf und Hände finden. Unterstützt von seinem Deputy versucht der Chief Constable, das Verbrechen zu bekämpfen, während Lokalpolitiker und das Innenministerium ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen.
Wie in The Wire entpuppt sich der höchste Rang in der Hierarchie als explosiv, so daß es in der 3. Staffel (Folge 14) einen Wechsel gibt. Chief Constable John Stafford (gespielt von Tim Pigott-Smith) muß wegen Korruption gehen, weil einige seiner Polizisten nicht verurteilte Verbrecher eigenmächtig zu Krüppeln geschlagen oder ermordet haben.
Dank Alan Cade (dargestellt von Martin Shaw) von der MET, also der Mordkommission, wird Stafford überführt und muß seinen Hut nehmen. Cade soll ihn zunächst nur ersetzen, bis die Polizeikommission einen Nachfolger ernannt hat, und plant einen Umzug mit seiner mondänen französischen Freundin. Als er den Posten regulär annimmt, zieht seine Freundin enttäuscht vondannen: "London und Paris, das sind Städte. Das hier nicht."

Chief Constable Cade findet sich zwischen Baum und Borke wieder: Für seine Tochter ist er ein zynischer Reaktionär, während Politiker, Prominente und hohe Beamte in ihm eher einen Liberalen, manche sogar einen radikalen Linken sehen. Die Serie thematisiert häufig politische Konflikte: Evangelikale Abtreibungsgegner, Proteste gegen Immobilienspekulation, eine Sitzblockade samt Camp vor einem Atomkraftwerk und wütende Gewerkschafter, die eine Ölbohrplattform besetzen.

Die vorletzte Folge verknüpft (ähnlich wie die Tatort-Folge 290 "Mord an der Akademie", 1994) die beiden Themen Kunst und schwule Szene.
Der 17 Jahre alte Jamie Brewster begeistert sich für Kunst, malt und zeichnet gern, außerdem hat er sich in Simon Marriott verliebt. Sein Vater Tom, ein angesehener Lokalpolitiker, erwischt ihn beim Kiffen und sorgt für eine Razzia in Rensleigh Park, wo der Kunsthändler Archie Camfield gerade eine seiner berüchtigten Partys veranstaltet. Die verläuft im Sande.
Weil Jamie Brewster minderjährig ist, läuft ein Verfahren an, und er wird verhört. Cade gefällt das gar nicht. In diesem Moment wird er von der Regional Crime Squad (in etwa das LKA) angesprochen, weil Camfield verdächtigt wird, mit seinen Kunstwerken Geld für die Mafia zu waschen.

Geändert von Servalan (28.12.2017 um 15:10 Uhr)
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Alt 15.01.2018, 19:15   #61  
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[Die] Fernfahrer Staffel 3 Episode 1 (Folge 9) "Spezialtransport" (Bundesrepublik Deutschland 1967, Süddeutschen Rundfunk für ARD), Drehbuch: Rolf Defrank, Regie: Theo Mezger, 51 min schwarzweiß

Die Serie schildert den Alltag von Fernfahrern in den 1960er Jahren, wobei die Touren allerdings selten ins Ausland führen. Die Länge der 12 Folgen, die zwischen 1963 und 1967 gesendet wurden, schwankt stark zwischen 30 und 62 Minuten. Während die ersten beiden Staffeln mit je vier Folgen im Jahresrhythmus aufeinander folgten, liegt vor der neunten Folge eine Funkstille von dreieinhalb Jahren.
Obwohl der Faden weitergesponnen wird, knüpft Folge 9 an Folge 1 an, denn in beiden steht eine Fehde zwischen zwei Fernfahrerduos in Mittelpunkt.

Bei der Premiere 1963 ist der frischgebackene Kleinunternehmer Martin Hausmann aus Neustadt a.B. stolz wie Bolle auf seinen ersten eigenen Lastzug, den er von seinem verstorbenen Chef Stadler übernommen hat. Der Büssing 8000 war in den 1950er Jahren modern, also mußte er ihn gründlich reparieren, bevor er mit seinem Beifahrer Philip Müdel die erste Tour annimmt.
Als größter Konkurrent erweist sich der großmäulige Kerrer, der sich den modernsten Lastkraftwagen gegönnt hat, einen Magirus-Deutz Pluto-Frontlenker, fabrikneu und blitzblank. Kerrers Beifahrer Bosk tritt ebenso großspurig auf wie sein Chef.

Folge 9 beginnt mit einem leisen Triumph Hausmanns. Kerrer und Bosk glauben, daß die Kiste, die sie in der Fernfahrerkneipe von Latzke öffnen, teuren schottischen Whisky enthält. Stattdessen packen sie nur Ziegelsteine und ein Stück Eisenbahnschwelle in Packpapier aus.
Kerrer schwört Rache und schanzt Hausmann über seinen Komplizen Cuno einen fingierten Auftrag zu: Hausmann soll eine Plastik einer Ziege aus der Kunstakademie in Wuppertal zum Haus eines Professors in Oberberg bringen. Dafür wird ein Honorar von 300 Mark vereinbart.
Hausmann und Müdel brechen um 5 Uhr morgens auf. Als sie in der Kunstakademie ankommen, hängt die 300 Zentner schwere Metallskulptur an einem mobilen Flaschenzug. Der Hausmeister der Kunstakademie ist froh, das sperrige Gebilde losgeworden zu sein.
Der Sockel paßt zwar auf die Ladefläche, allerdings ragt der hohe Kopf darüber hinaus und wackelt während der Fahrt. Hausmann und Müdel ernten Spott und Hohn von Autofahrern und Kollegen.
Als sie am Ziel ankommen, stehen sie jedoch vor einem geschlossenen Tor. Hausmann ruft von einem Nachbarn aus an, aber niemand ist da. Weil die schwere Skulptur noch auf der Ladefläche steht, muß er am nächsten Morgen auf eine geplante Tour verzichten.

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Alt 25.01.2018, 19:53   #62  
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Gerhard Richter – Painting (Deutschland 2011, zero one film in Koproduktion mit Terz Film, WDR, MDR in Zusammenarbeit mit ARTE mit Unterstützung von MEDIA, FILMSTIFTUNG NRW, BKM, DFFF), Drehbuch und Regie: Corinna Belz, 2. Kamera: Gerhard Richter, 97 min, FSK: 0

Auf den ersten Blick ähnelt das Konzept dieses Dokumentarfilms Henri-Georges Clouzots Le Mystère Picasso | Picasso (Frankreich 1955- siehe oben #9 in diesem Thread): Das Publikum schaut in die Werkstatt eines berühmten Malers und darf zusehen, wie Gemälde live entstehen. Leider täuscht der erste Eindruck.
In gewisser Weise gehen Picasso und Gerhard Richter diametral entgegengesetzt zu Werke: Picasso fabriziert seine 20 Gemälde (fast wie bei Ford am Fließband) in Serie - und verwirft keines. Richter hat dagegen bloß einen Auftrag für zwei abstrakte Gemälde angenommen, aber die verschwinden zum Schluß unter Deckweiß, weil sie ihn nicht zufriedenstellen.

Angenehmerweise verzichtet der Film auf einen platten Lebenslauf, statt dessen sind zu Beginn prägnante Szenen auf zwei früheren Dokumentationen eingestreut.
Gerhard Richter mag es nicht, wenn ihm jemand bei der Arbeit über die Schulter schaut (mir geht es ähnlich). Die erste Sequenz zeigt deshalb als Mini-Making-of, wie er die zweite Kamera auf einen Stativ befestigt.
Obwohl ihn andere Künstler beneiden, weil ihm der Durchbruch gelungen ist und er mit seinem Atelier quasi einen mittelständischen Betrieb erfolgreich führt, wird sein künstlerischer Zwiespalt deutlich. Bei einer Pressekonferenz bedauert er nämlich, daß ihm durch seine Verpflichtungen im Rampenlicht Zeit zum Malen verlorengeht.

Um sofort loslegen zu können, beschäftigt er zwei Assistenten in seinem geräumigen Atelier: Norbert Arns und Hubert Becker. Während die Ateliersekretärin Konstanze Ell seine Termine koordiniert und ihn von der Büroarbeit entlastet, sorgen Arns und Becker dafür, das sich Gerhard Richter nur noch mit der vorbereiteten Leinwand befassen muß. Alle möglicherweise lästigen Schritte wie den Bau der Leinwand, das Filtern der Farbe sowie die Dokumentation der Werke, teilweise in Modellen der jeweiligen Museums- und Galeriesäle, werden ihm abgenommen.
Trotz seiner Unmittelbarkeit wirkt der Film kontemplativ, ohne sich bei seinem Publikum irgendwie anzubiedern. Je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr beschleicht mich das Gefühl, daß es vielleicht diese Abkürzung ist, die Richter eher schadet als nützt. Viele Leute werden ja gerade bei Routinearbeiten (Staubsaugen, Geschirr abwaschen oder im Garten arbeiten) oder beim Spazieren in der Natur kreativ ...

Geändert von Servalan (26.01.2018 um 17:28 Uhr)
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Alt 29.01.2018, 16:08   #63  
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Inspector Morse Staffel 5 Episode 3 (Folge 18) "Who Killed Harry Field?" (Großbritannien 1991, Zenith Productions für Central Independent Television, Independent Television - ITV), Drehbuch: Geoffrey Case, Regie: Colin Gregg, 104 min

Im September 2017 lief der Prequel-Spin-off Endeavour | Der junge Inspektor Morse auf zdf_neo an. Die zweite Spin-off-Serie hingegen bildet ein lückenloses Sequel: Lewis | Lewis – Der Oxford Krimi, und das lief meines Wissens bisher vollständig über deutsche Bildschirme.
In der letzten Folge von Inpector Morse muß Lewis nämlich hilflos zusehen, wie sein Vorgesetzter auf dem College plötzlich leblos zusammenbricht - und stirbt, bevor der Verdächtige überführt werden kann.

Bei der Originalserie Inspector Morse | Inspektor Morse, Mordkommission Oxford wird es jedoch kompliziert, denn soweit ich weiß, wurden nur 18 der 33 regulären Folgen synchronisiert - von den 5 Specials ganz zu schweigen.
Deshalb habe ich oben auf den deutschen Serientitel verzichtet.
Wie Midsomer Murders | Inspector Barnaby (siehe oben) begann diese Serie, indem eine bestehende Reihe von Kriminalromanen für das Fernsehen bearbeitet wurde. Die Vorlage lieferte Colin Dexter (1930 - 2017), bald wurden jedoch eigene Stoffe für neue Episoden entwickelt.
Darüber hinaus gibt es ein kurioses Feedback: In den ersten Büchen fährt Morse einen Lancia, aber die Produzenten wollten, daß er ein britisches Auto fährt - seither fährt Morse seinen Jaguar in allen Romanen der Reihe.

Wie sein schwedischer Kollege Wallander mag DCI Morse Opern und genießt Hochprozentiges. Beide sind melancholische Grübler. Die Fernsehserie zeigt einen zahmeren Morse als in den Romanen. Dennoch ist der von Fernsehlegende John Thaw (Redcap, The Sweeney | Die Füchse, Kavanaugh QC) verkörperte Morse ein spleeniger Denker, der kein Blut sehen kann, extrem mißtrauisch ist und den einfachsten Lösungen aus dem Weg geht.
Die Serie zählt zu den Klassikern des britischen Fernsehens und hat im angelsächsischen Sprachraum eine große, treue Fanbase. 2013 veranstaltete die University of Oxford einen Crime Fiction Day, auf dem auch Colin Dexter sprach (ca. 66 min).

Der kultivierte Morse verfügt nicht nur über ein breites kulturelles Wissen, er weiß auch, wen er fragen muß, wenn ihm die Antworten fehlen.
Obwohl sich der Fall im Künstlermilieu durch eine liebevolle Produktion auszeichnet und bei vielen Fans unter den Top Ten rangiert, schwächelt er deutlich in der zweiten Hälfte auf der kriminalistischen Ebene.

Unterhalb eines Viadukts wird die Leiche eines Motorradfahrers gefunden, während die Maschine fehlt. Morse und Lewis finden heraus, daß es sich bei dem Toten um Harry Field handelt, einem Künstler und Lebemann.
Die Kriminalisten nehmen sein Umfeld näher unter die Lupe: seine Witwe und ehemalige Muse Helen Field, seine beiden Mäzene: Den Weinhändler Freddie Mortimer und den Schulleiter Tony Doyle. Fields jüngste Muse, die alleinerziehende Mutter und Schülerin Jane Mariott, spürt Lewis auf.
Im Laufe der Ermittlungen stoßen weitere Verdächtige hinzu: Der Adlige Paul Eirl, für den Field ein Wappen entwerfen sollte, besitzt nahebei ein Landhaus mit einer großen Kunstsammlung, und der Vater des Toten, der Kunstfälscher Harry Field Senior.
Harry Field Junior beherrschte das handwerkliche Können, aber der große Durchbruch als ernsthafter Künstler blieb ihm versagt. Morse staunt, als er seine Bilder im Atelier betrachtet, denn dabei handelt es sich fast ausschließlich um Pastiches: Field hat berühmte Meisterwerke nachgemalt und die porträtierten Frauenakte durch seine Musen, die junge Helen Field und Jane Marriott, ersetzt.
Morse wittert einen Fall von Kunstfälschung und holt sich Rat sowohl bei seinem Freund, Professor Ian Matthews in Oxford, als auch am College of Arms in London, Spezialisten für Heraldik.

Unter anderem werden folgende Gemälde neu interpretiert:
- Jean Auguste Dominique Ingres (1780 – 1867): "La Grande Odalisque | Die große Odalike" (1814), Louvre, Paris
- Francisco Goya (1746 – 1828): "La Maja Desnuda | Die nackte Maja" (1795 - 1800),.Museo del Prado, Madrid
- Edouard Manet (1832 – 1883): "Olympia" (1863), Musée d’Orsay, Paris
- René Magritte (1898 – 1967): "Les Liaisons dangereuses | Gefährliche Liebschaften" (1926), County Museum of Art, Los Angeles, der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Roman (1782) von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos
- Henri Matisse (1869 – 1954): "Carmelina" (1903), Museum of Fine Arts, Boston
- James Abbott McNeill Whistler (1834 – 1903): "Caprice in Purple and Gold, The Golden Screen" (1864), Freer Gallery of Art, Washington DC
- Rembrandt van Rijn (1606 – 1669): "Zelfportret met twee cirkels | Selbstporträt" (1665 - 1669), Kenwood House, London
- Sir Joshua Reynolds (1723 – 1792): "George IV when Prince of Wales" (1785), Royal Collection Trust, Tate Britain - National Gallery of British Art, London
- Zur Abwechslung finden sich auch Nachahmungen ohne Vorbild wie Albrecht Dürers (1471 – 1528) "Porträt von Giovanni Bellini" (Bellini lebte von 1430 – 1516). Dabei handelt es sich um ein Pastiche von Albrecht Dürers (1471 – 1528) "Der Apostel Jakob" (1516), Uffizien, Florenz
- eine Zeichnung von Giovanni Battista Tiepolo (1696 – 1770)
- Paul Cézanne (1839 – 1906): "Château Noir" (1900 - 1906), u.a. Museum of Modern Art, New York City, das Motiv ist Montagne Sainte-Victoire
- Paul Cézanne (1839 – 1906): "La Route tournante à Montgeroult | Straßenkurve in Montgeroult" (1898), Museum of Modern Art, New York City
- Giovanni Bellini (1430 – 1516): "Giovane donna nuda allo specchio" (1515), Kunsthistorisches Museum, Wien
- Henri Matisse (1869 - 1954): "Grand nu couché | Reclining Nude aka Pink Nude" (1935), Baltimore Museum of Art, Baltimore
- Pierre Bonnard (1867 – 1947): "Nu à contre jour" (1908), Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel
- Giovanni Bellini (1430 – 1516): "Madonna di Alzano aka Madonna col Bambino" (ca. 1480 - 1490), Accademia Carrara, Bergamo

Regisseur Colin Gregg und Kameramann Paul Wheeler nutzen zahlreiche Außenaufnahmen, um klassische Landschaftsgemälde von Turner, Whistler und anderen anklingen zu lassen.

Geändert von Servalan (08.02.2018 um 14:27 Uhr)
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Alt 05.02.2018, 13:32   #64  
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Ein Fall für zwei Staffel 14 Episode 3 (Folge 116) "Tod eines Künstlers" (Deutschland 1994, Odeon Film GmbH für ZDF), Drehbuch: Volker A. Zahn und Eva Zahn, Regie: Dagmar Damek, 58 min, FSK: 12

Zuletzt gelang es dem international anerkannten Künstler Rainer Maria Hagen, ein Kunstwerk, das Laien als Nagelbrett bezeichnen, für eine Million DM an einen französischen Sammler zu verkaufen. Kurz darauf wird er mit drei Schüssen in seiner Wohnung ermordet. Weil diw Waffe seinem Galeristen Karl März gehört, gerät der ins Visier der ermittelnden Beamten.
Dank seines Anwalts Dr. Franck bleibt der angesehene Kunsthändler zunächst auf freiem Fuß. Aber Dr. Franck glaubt, sein Mandat verschweige ihm etwas, und bittet deshalb Matula, sich in der Kunstszene umzuhören.
Hagen produzierte sich gern vor Publikum, provozierte lustvoll und stieß Leute vor den Kopf, um im Mittelpunkt zu stehen. Nach und nach finden der Anwalt und der Detektiv heraus, wie sich Privates und Berufliches dabei verzwirbelt haben.
Die Ehefrau des Galeristen, Greta März, war zuerst mit Hagen zusammen. Sie traut sich zu. selbst eine Galerie zu leiten, und ist ziemlich oft mit Fenninger zusammen, März' Geschäftsführer und Kompagnon.
In dessen Räumen stellt auch Hagens Konkurent Gussmann aus, der bei weiten nicht so erfolgreich war. Gussmann bildet sich etwas darauf ein, sich dem Zeitgeist nicht angebiedert zu haben. Gussmann und Hagen sind der gleiche Jahrgang. Hagen spielt mit Paloma, Gussmanns Tochter, die ihm hörig ergeben ist, obwohl Hagen sie mies behandelt.

Zeitgenössische Kunst wird hier als teures Ambiente für die gehobenen Kreise in Szene gesetzt, während das einzelne Kunstwerk dezent im Hintergrund bleibt. Hagen wie Gussmann sind eher unangenehme Zeitgenossen, denen häufig das Temperament durchgeht. Im Gegensatz zur feinen Galerie sind die Künstler jedoch eigenwillige Handwerker, die im Schweiße ihres Angesichts arbeiten und keine Berührungsängste zu Arbeitern und kleinen Leuten haben.
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Alt 23.02.2018, 17:30   #65  
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Zur Abwechslung mal ein kurzer Klassiker:

Un chien andalou | Un perro andaluz | Ein andalusischer Hund (Frankreich 1929), Drehbuch: Luis Buñuel und Salvador Dalí, Regie: Luis Buñuel. 16 min bzw. 21 min schwarzweiß

Von dem surrealistischen Klassiker gibt es verschiedene Fassungen, während die ursprüngliche Fassung als verloren gilt. Am geläufigsten sind die rekonstruierten Fassungen von 1961 und Maurico Kagels von 1981.

1925 gründeten die beiden Schauspieler Armand Tallier und Laurence Myrga in der 107 Meter langen Rue des Ursuline Nr. 10 ihr Kino Studio des Ursulines, das bis heute als Kino überlebt hat. Spezialisiert auf Avantgardefilme war es das erste Arthouse-Kino. François Truffauts Ménage à trois trifft sich in Jules et Jim zufällig vor diesem Kino.
1928 prügelten sich André Breton und Louis Aragon, als dort Germaine Dulacs Film The Seashell and the Clergyman (nach einer Story von Antonin Artaud) aufgeführt wurde. Tallier unterbrach zwar die Aufführung, unterließ es jedoch, die Polizei zu verständigen. Wenige Wochen später wurde Dulacs Film jedoch ohne weiteren Skandal gezeigt.

Die beiden spanischen Künstler in Paris, der Katalane Salvador Dalí und der Aragonese Luis Buñuel (die Geburtsorte liegen nur gut 400 Kilometer voneinander entfernt), müssen etwas Vergleichbares im Sinn gehabt haben. Buñuel füllte bei der Premiere am 6. Juni 1929 seine Hosentaschen mit Steinen, die er zur Not gegen das aufgebrachte Publikum werfen wollte.
Seine Furcht erwies sich als unbegründet, denn der Film wurde ein voller Erfolg. Dalí und Buñuel wurden von Bréton als erste Filmkünstler bei den Surrealisten aufegnommen.

Der andalusische Hund läßt jeden erzählerischen Ansatz ins Leere laufen. Auf der Grundlage ihrer Träume bastelten Dalí und Buñuel mit der Methode des Cadavre exquis (des automatischen Schreibens) einen Kurzfilm, bei dem jede Konvention gebrochen wird:
Plötzlich zieht ein Mann ein Klavier und zwei gefesselte Seminaristen hinter sich her. Obwohl eine Szene bruchlos fortgeführt wird, erscheint der Zwischentitel "x Jahre später". Ein Mann wird in einem Zimmer erschossen und seine Leiche fällt auf eine Wiese.
Im Prolog zerschneidet ein Mann einer Frau mit einer Rasierklinge den Augapfel - diese Szene ist zu einer Ikone der Filmgeschichte geworden. Wenn das Kribbeln in einer Hand durch krabbelnde Ameisen gezeigt wird, dürfte das heute nur ein müdes Lächeln hervorrufen.

Die meisten Szenen werden einem jungen Publikum heute überlang vorkommen. Dieser Klassiker zeigt, wie sich das Kino in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. Was früher experimentell war, ist mittlerweile erzählerischer Standard in modernen Produktionen geworden.
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Alt 23.02.2018, 18:06   #66  
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Le Sang des bêtes | Das Blut der Tiere (Frankreich 1948, Forces et Voix de France), Drehbuch und Regie: Georges Franju, 21 min schwarzweiß

Der Dokumentarfilm entstand 1948 in den Schlachthöfen von la Villette und Vaugirard am Canal de l'Ourcq, auf der Île-de-France mitten in Paris. In seinem ersten Film zeigt Franju mit einem klinisch-unterkühlten Blick, wie Rinder, Schafe und Pferde geschlachtet werden. Bewußt tonlos und flach berichten Georges Hubert und Nicole Ladmiral von der täglichen Arbeit. Verfaßt wurde der emotionslose Text von Jean Painlevé.
Wenn das frische, warme Blut der geschlachteten Tiere abwärts rinnt und sich zu einem trägen Strom vereingt, kann das schon Gänsehaut verursachen. Ich habe den Film vor Jahren im Rahmen eines zweitägigen Filmfestivals im Kommunalen Kino in der Pumpe gesehen, wo er unter Kriegsfilmen, zum Beispiel aus dem Kongo, lief. Damals hat er seine Wirkung bewiesen.

Franju hatte eigentlich keine Absicht, eine Dokumentation zu drehen. Weil er aber unbedingt debütieren wollte, willigte er ein. Ästethisch hebt er das Filettieren und Zerschneiden der dampfenden Leiber auf eine höhere Ebene, so daß er Realismus und Surrealismus miteinander verschmelzen läßt.
Der Dokumentarfilm findet sich als Bonus auf der DVD-Ausgabe (The Criterion Collection) seines Klassikers Les Yeux sans visage | Augen ohne Gesicht bzw. Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff (Frankreich / Italien 1960, 90 min, FSK: heue 16, früher 18), einem Klassiker des Horrorfilms. Der Thriller gilt heute als einer der ersten Gore-Filme, und zu Franjus Bewunderer gehören George A. Romero und John Carpenter.
Franju beruft sich unter anderem auf die Tradition des Grand Guignol, steht mit Judex (Frankreich / Italien 1963) aber auch in der Nachfolge der Genreserien von Louis Feuillade.

Geändert von Servalan (23.02.2018 um 20:37 Uhr)
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Alt 25.02.2018, 15:28   #67  
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Sånger från andra våningen | Songs from the Second Floor (Schweden / Dänemark / Norwegen / Frankreich / Deutschland 2000, Danmarks Radio, Easy Film A/S, Nordisk Film- & TV-Fond, Norsk Rikskringkasting, Roy Andersson Filmproduktion, SVT Drama und Svenska Filminstitutet), Drehbuch, Regie, Schnitt und Produzent: Roy Andersson, 90 min, FSK: 16

Die Uraufführung fand 2000 auf dem 53. Filmfestival in Cannes statt, wo das Werk mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde. In den folgenden Monaten tourte Roy Anderssons absurdes Miniaturenkabinett auf weiteren Filmfestivals durch Europa, Asien, Nord- und Lateinamerika. 2002 brachte der Verleih Rapid Eye Movies den bitterbösen Film in deutsche Arthousekinos, so daß ihn der eine oder die andere den Film kennen kann.

Die "Lieder aus der zweiten Etage" wirken am besten auf einer großen Leinwand, weil sie aus einer Reihe langer statischer Einstellungen bestehen, in denen meist kaum etwas passiert. Die einzelnen Szenen sind nur locker miteinander verbunden, hie und da taucht mal eine der gewöhnlichen Figuren wieder auf. Auf Handlung im klassischen Sinne wird verzichtet.
Dadurch wird Songs from the Second Floor zu einer Serie von Tableaux vivants, lebendig gewordenen Gemälden. Anderssons Konzept steht in der surrealen Tradition des späten Luis Buñuel (Der diskrete Charme der Bourgeoisie, Das Gespenst der Freiheit, Dieses obskure Objekt der Begierde). Alltägliche Situationen laufen ins Leere oder spitzen sich auf groteske Weise zu. Manchmal besteht die Pointe darin, eine erwartete Pointe zu verweigern. Zumal sämtliche Figuren zum Scheitern verurteilt sind.

Weiteren Kitt liefern gut formulierte Kalenderweisheiten, die als Leitmotiv von verschiedenen Figuren ausgesprochen werden. Die Sprüche verstärken die kafkaeske Atmosphäre, stammen jedoch vom peruanischen Dichter César Vallejo (1892 - 1938), der zu den wichtigsten Erneuerern der Poesie im 20. Jehrhundert gezählt und mit Dante verglichen wird.
Wer André Franquins Idées noires | Schwarze Gedanken und Miguelanxo Prados Quotidiania delirante | Der tägliche Wahn mag, könnte auf den Geschmack kommen. Der berühmte Kritiker Roger Ebert meinte, das sei kein Film, den man mag, aber vergessen könnte man ihn nicht.

Was im kommerziellen Kino funktioniert, wird auch im Arthousekino benutzt: Roy Andersson hat Songs from the Second Floor in den nächsten anderthalb Jahrzehnten zu einer Trilogie ausgebaut.
Die beiden Fortsetzungen heißen Du levande | Das jüngste Gewitter (Schweden / Frankreich / Deutschland / Dänemark / Norwegen 2007, 95 min) und En duva satt på en gren och funderade på tillvaron | Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach (Schweden / Norwegen / Frankreich / Deutschland / Dänemark 2014, 101 min, FSK: 12).

Geändert von Servalan (25.02.2018 um 15:43 Uhr)
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Alt 27.02.2018, 14:10   #68  
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Koyaanisqatsi: Life Out of Balance | Koyaanisqatsi (USA 1982, Institute for Regional Education und American Zoetrope für Island Alive und New Cinema), Drehbuch: Ron Fricke, Michael Hoenig, Godfrey Reggio und Alton Walpole, Produzent und Regie: Godfrey Reggio, Musik: Philip Glass und Michael Hoenig, 85 min bzw. 82 min, FSK: 6

Franjus bewußt verstörender Dokumentarfilm über die Schlachthöfe in Paris (siehe # 66) lief damals auf einen Filmfest der Kunsthochschule vor Ort. Der handelsübliche Dokumentarfilm nimmt sein Publikum meist brav in die Hand und sorgt peinlich genau dafür, daß ja keine Mißverständnisse aufkommen und die Botschaft klar herüberkommt.
Die Blockbuster unter den Dokumentarfilmen der letzten 20 Jahre gehen noch weiter, indem sich der Autor und Regisseur als Figur stilisiert und seinen (politischen) Standpunkt deutlich vertritt. Michael Moore, Errol Morris und Morgan Spurlock aus den USA oder Erwin Wagenhofer aus Österreich sind prominente Vertreter, deren Werke mit Erfolg in Kinos llaufen.

Einen radikal anderen Ansatz nutzten Godfrey Reggio und sein Kameramann Ron Fricke. Doch der entwickelte sich allmählich über ein knappes Jahrzehnt.
Reggio stammt aus einer alten und wohlhabenden Familie aus Louisiana, die Wurzeln im italienischen Adel hat. Er engagierte sich zuerst ehrenamtlich in kommunalen Projekten und sozialen Bewegungen, vor allem in der Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU).
1972 arbeitete er in Albuquerque, New Mexico, im Büro des Institute for Regional Education (IRE). Zusammen mit der ACLU konzipierte er eine Medienkampagne gegen die Technisierung des Privatlebens und die subtile Kontrolle der gewöhnlichen Menschenmassen.
Anfangs nutzte er 30 Werbetafeln. Reggio war frustriert, weil die Resonanz ausblieb. Deswegen wandelte er sein Konzept ab und engagierte den Kameramann Ron Fricke. Auf diese Weise entstanden kurze Spots, die zwei Jahre lang zur besten Sendezeit liefen und bald recht populär wurden. Als die Kampagne aus finanziellen Gründen abrupt eingestellt wurde, überlegte Reggio, was er aus dem vorhandenen Material machen konnte.
Daraus entstand die Idee eines einstündigen Dokumentarfilms, an dem Reggio und Fricke seit 1975 werkelten. Obwohl es ein 35mm-Film werden sollte, wurde wegen des knappen Budgets eine 16mm-Kamera eingesetzt. Als Reggio 1981 in der Postproduktion saß, bat der neugierige Francis Ford Coppola darum, sich den unfertigen Film ansehen zu dürfen.

Seine Premiere feierte Koyaanisqatsi im April 1982 auf dem Santa Fé Film festival, im August und September desselben Jahres lief er beim TellurideFilm Festival und dem New York Film Festival über die Leinwand. Reggio schlug das Angebot eines großen Verleihs aus, weil er die Kontrolle über sein Werk behalten wollte.
Koyaanisqatsi hatte einen Nerv getroffen und wurde zum Kultfilm der ökologischen, technologiekritischen Bewegung der 1980er Jahre. Der Filmkritiker James Monaco zählte ihn damals zu den fünf wichtigsten Filmen der Gegenwart.
Dennoch wurde es in den 1990er Jahren still um das Werk. Die Rechte für die weitere filmische Auswertung gingen durch etliche Hände, so daß die IRE vor Gericht zog, weil Reggio seine Rechte zurückhaben wollte. Der regional eingeschränkte Verleih durch Reggio hielt sich eine gewisse Zeit, obwohl der Preis für die DVD eine Spende von mindestens 180 US-Dollar an die IRE war.
2014 ehrte das Museum of Arts and Design in New York City Godfrey Reggio mit einer Retrospektive.

Natürlich gibt es auch Text in Koyaanisqatsi, aber der erklingt als Choral zur minimalistischen Musik von Philip Glass in der Sprache der Hopi. Bei ausgewählten Kinoaufführungen verteilte Reggio Pamphlete, auf denen unter anderen die drei Prophezeiungen der Hopi über ein apokalyptisches Zeitalter übersetzt worden waren.
Reggio und Fricke verdeutlichen schleichende Prozesse durch Zeitraffer und Zeitlupe, hinzu kommen ungewöhnliche Perspektiven beispielsweise aus einem Helikopter. Das eigene Material wurde durch Found Footage aus Archiven ergänzt.
Fundamental beruht das Konzept auf einer ausgefeilten Montage, die sich an den Theorien, Experimenten und Filmen der (sowjet-) russischen Pioniere Sergej Eisenstein, Dziga Wertow und Lew Kuleschow orientiert. Unsichtbares wirs sichtbar, weil das Publikum zwischen Einstellungen Bedeutungen ergänzt und sich den Sinn zusammenreimt.
Die reine Kombination von Musik und visuellen Eindrucken kann natürlich auch rauschhaft erfahren werden.

Reggio setzte seinen Erfolg mit zwei weiteren Filmen fort, die die Qatsi-Trilogie ergeben: Powaqqatsi: Life in Transformation | Powaqqatsi (USA 1988, 99 min, FSK. 6) und Naqoyqatsi: Life as War | Naqoyqatsi (USA 2002, 89 min, FSK. 6).

Wer will, kann mittlerweile zahlreiche Anspielungen auf die Koyaanisqatsi in der populären Kultur entdecken, von den Simpsons und den Gilmore Girls bis zu Grand Theft Auto.
Vince Gilligans Breaking Bad spielt in Albuquerque, New Mexico, und besitzt als eines der Trademarks der Serie Stadt- und Landschaftsaufnahmen im Zeitraffer. Ich kann mir schon vorstellen, warum ihm das gefallen hat.

Geändert von Servalan (27.02.2018 um 19:24 Uhr)
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Alt 27.02.2018, 16:08   #69  
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Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (Deutschland 1927), Drehbuch: Karl Freund, Carl Mayer und Walther Ruttmann, Schnitt und Regie: Walther Ruttmann, ursprüngliche Fassung: 1.466 Meter, restaurierte Fassung: 1.446 Meter ~ 64 min

Durch die DJ-Kultur und den Techno-Boom rund um die Love Parade (personifiziert durch DJ Motte und Rainald Goetz) gingen Begriffe wie Loop, Remix und Mashup in die Alltagssprache ein. Sogar die billigsten Handys erlauben jederzeit Fotos, Filme und akustische Aufnahmen, die später neu geschnitten werden können.
Diese Entwicklungen begannen im 19. Jahrhundert. Während die ersten Fotografien eine lange Belichtungszeit, für die Porträtierten eine anstrengende Prozedur, kompliziertes Material (Glasplatten) und eine diffizile Entwicklung mit giftigen Chemikalien in der Dunkelkammer erforderten, konnte sich wenige Jahrzehnte später fast jeder ein Porträtfoto leisten. Zunächst geriet dadurch die Kunst realistischer Ölmalerei in Bedrängnis. Was beim Salon des Refusés noch Hohn und Spott erntete, entwickelte sich in den nächsten 50 Jahren zu einer Abfolge immer neuer Avantgarden in der Bildenden Kunst.
Bald kamen Film (ein teures Hobby für reiche Leute), Grammophon, Tonband und Radio hinzu. Künstler testeten die Möglichkeiten der neuen Medien aus und veränderten dabei die Ästhetik, die Wahrnehmung des gewöhnlichen Publikums eingeschlossen. Falls sich eine Neuerung durchsetzte, wurde sie rasch zum Standard, der im Gegenzug dann auch in der Unterhaltung erwartet wurde.

Walter Ruttmann (1887 - 1941) hatte Kunst und Architektur studiert. Mit Viking Eggeling (1880 - 1925), Hans Richter (1888 - 1976) und Oskar Fischinger (1900 - 1967) bildete er die experimentelle Avantgarde des abstrakten Films bzw. des absoluten Films. Dabei wurde der unbelichtete Film direkt bearbeitet, häufig durch abstrakte Muster oder indem die Filmrolle mit Hammern und Nägeln malträtiert wurde. Die meist kurzen Werke des Cinéma pur sollten zeitliche Verläufe und räumliche Wahrnehmung bewußt machen.
Weitere bedeutende Pionierleistungen schuf Ruttmann mit Deutscher Rundfunk, dem ersten abendfüllenden deutschen Tonfilm, der auf der 5. Großen Deutschen Funkausstellung 1928 seine Premiere feierte, und 1930 mit seiner Tonmontage Weekend, einem Meilenstein in Hörspielgeschichte.
Böse Kratzer erhält sein künstlerischer Rang, weil er sich seit 1933 bei den Nationalsozialisten anbiederte. Für die schuf er Propagandawerke wie den sogenannten Kulturfilm Blut und Boden (1933).

Angelehnt an das Prinzip einer musikalischen Symphonie zeigt der Film ohne Handlung und ohne Hauptfiguren, wie ein gewöhnlicher Tag in einer modernen Metropole abläuft. Und diese Millionenstadt ist das quirlige Berlin der Weimarer Republik.
In der Frühe läuft ein Schnellzug in den Anhalter Bahnhof ein. Morgens füllen sich die Straßen. Busse, U- und S-Bahnen nehmen Pendler auf, andere gehen zu Fuß durch die immer voller werdenden Straßen. Nach und nach verdichtet sich der Rhythmus. Die Turmuhr des Roten Rathauses sorgt für eine Zäsur zwischen den einzelnen Sätzen. Nach der Mittagspause wird weiter gewerkelt und gearbeitet. Danach mischen sich die Heimkehrenden mit Leuten, die in ihrer Freizeit unterwegs sind. Langsam leeren sich die Straßen. Das Schlußbild liefert das kreisende Licht des Berliner Funkturms (im Westend) am dunklen Nachthimmel.

Das Werk besitzt eine frappierende Ähnlichkeit mit Frans Masereels Meisterwerken Mon Livre d'Heures | Mein Stundenbuch (Kurt Wolff Verlag 1920) und La Ville | Die Stadt (Kurt Wolff Verlag 1925). Obwohl Masereel (siehe "Kunst machen in Comics" # 32) in der Kunstszene der Weimarer Republik bekannt war, läßt sich keine Verbindung zwischen den Werken nachweisen.
Außerdem findet sich immer jemand, der schon vorher die gleiche Idee hatte. Das erste abendfüllende Stadtportät der deutschen Filmgeschichte hat nämlich Adolf Trotz geschaffen. Sein 85-minütiger Klassiker Die Stadt der Millionen. Ein Lebensbild Berlins (Universum-Film AG (UFA) 1925) steht im Windschatten von Ruttmanns übermächtigem Berlin – Die Sinfonie der Großstadt und wurde erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt.

Geändert von Servalan (27.02.2018 um 22:35 Uhr)
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Alt 01.03.2018, 15:18   #70  
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Minder | Der Aufpasser Staffel 3 Episode 3 (Folge 27) "Rembrandt Doesn't Live Here Anymore | Rembrandt? Kenn' ich nicht!" (Großbritannien 1982, Euston Films, a subsidiary of Thames Television für ITV), Drehbuch: Dave Humphries, Regie: Tom Clegg, 52 min

Mit insgesamt 106 regulären Episoden in 10 Staffeln, zwei abendfüllenden Specials, die als Doppelfolgen ausgestrahlt wurden, sowie zwei zusätzlichen Episoden außerhalb des Kanons zwischen 1979 und 1994 gehört die Serie zu den Erfolgen der 1980er Jahre. Ursprunglich schuf Leon Griffiths die Serie speziell für Dennis Waterman, nachdem die Krimiserie The Sweeney | Die Füchse eingestellt worden war, der Waterman seinen Ruhm verdankte. Dennoch stieg Waterman nach der siebten Staffel aus.
2009 lief das Revival auf Channel 5, produziert von Talkback Thames, über den Bildschirm. Es blieb bei der einen Staffel mit 6 Episoden.
In Deutschland lief Minder zunächst in der ARD, bevor die Serie in den Dritten Programmen versendet wurde. Diese Episode konnte das deutsche Publikum erst im Juli 1997 bei BR puls TV sehen.

Dennis Waterman spielt in Minder den vorbestraften Ex-Profiboxer Terry McCann, der dem halbseidenen Gauner und Geschäftsmann Arthur Daley zur Seite steht. Terry McCann ist wesentlich mehr als ein Leibwächter, denn Daley versucht überall, Profit herauszuschlagen, meist an der Grenze des Legalen. In der Pilotfolge holt der eine Generation ältere Daley McCann ab, als der aus Wormwood Scrubs entlassen wird, so daß die beiden eine Art Onkel-Neffe-Verhältnis haben.
Die beiden sympathischen Ganoven haben einiges auf dem Kerbholz und sollten nicht unterschätzt werden. Aber häufig geraten sie an gefährlichere Gangster aus dem Rotlichtmilieu und der Organisierten Kriminalität. Wie Henry Slesars Ruby Martinson aus Chicago oder Donald Duck und seine Neffen Tick, Trick und Track müssen sie meistens froh sein, mit heiler Haut ohne größere Blessuren davongekommen zu sein. Als Vorbilder sind auch die Trickbetrüger Henry Gondorff und Johnny Hooker aus dem Filmklassiker The Sting | Der Clou (USA 1973, Regie: George Roy Hill) zu erkennen.
Minder Terry redet Arthur meist schon im Vorfeld zu und versucht, ihn vor Schlimmerem zu bewahren. Doch der kann keiner Versuchung wiederstehen und landet ziemlich sicher in der Bredouille. Meist wird Terry zum mehr oder minder freiwilligen Komplizen, der mit seinen Fäusten die Lage rettet und ihnen die Flucht erlaubt.

Der Charme der Serie liegt in zwei Faktoren: Den Hauptschauplatz bldet das leicht verkommene Soho mit seinen Nachtclubs, Sexshops und billigen Restaurants sowie die angrenzenden Wohnbezirke. Zahlreiche Außenaufnahme verbreiten heute ein nostalgisches Flair.
Während die ersten Staffeln die Komödie über den Krimi stellen, werden spätere Staffel düsterer. Die Kleinkriminellen stammen aus dem Milieu der Arbeiter und der kleinen Angestellten, wodurch sich der lokale Cockney mit dem Gaunerslang der damaligen Zeit vermischt.
Wer es sich zutraut, sollte Minder unbedingt im Original genießen. Lieber zweimal schauen, statt sich mit einer halbgaren Synchronfassung zufriedengeben.
Kalauer und Anspielungen prägen darüber hinaus die Episodentitel. (Hier: Alice Doesn't Live Here Anymore | Alice lebt hier nicht mehr, USA 1974, Regie: Martin Scorsese)

Terry verdient sich seinen Lebensunterhalt im Nachtclub New Rockinham Club, aus dem ihn Arthur abholen will. Auf diese Weise entdeckt Arthur seinen alten Kumpel Frank Downing, der gerade ein freizügiges Wandgemälde pinselt. Obwohl er handwerklich einiges auf dem Kasten hat, gibt er Arthur offenherzig zu, daß er den gesamten Kunstbetrieb für eine Abzockerbude hält. Deshalb hat sich Downing darauf spezialisiert, Werke in der Manier berühmter Maler zu produzieren und über die Atelierwohnung MM Studio seiner Freundin Monica Mason zu verscheuern.
Arthur wird neugierig und läßt sich von Frank Downing zeigen, wie der Kunstmarkt funktioniert, zuerst in einer Galerie, danach auf einer Auktion. Dort entdeckt Arthur unter den Bietenden Rory Quinn, einen Buchmacher aus Fulham, dem er allzu gerne eins auswischen will.
Altklug liest sich Arthur etwas Grundwissen über Kunst an. Terry rät ihm davon ab, weil er sich nur blamieren kann. Aber Arthur bleibt stur und spaziert in die edle Peter Sergeant Fine Art Gallery im teuren Burlington Gardens, Westminister. Arthur will dem Galeristen eine Downing-Fälschung als gefundenes Gemälde vom Dachboden unterjubeln. Sergeant merkt schon beim Smalltalk, daß Arthur von Kunst nicht die geringste Ahnung hat. Er lockt Arthur mit 600 Pfund, weil er wissen will, wie der Fälscher heißt.
Frank Downing hat sich unterdessen mit der Künstlerin Monica Mason verkracht, weil der sich ihrer Meinung nach unter Wert verkauft und mit seinen unsignierten Fälschungen zuviel riskiert. Sie traut Downing einen Durchbruch als echter Künstler zu und ist zutiefst enttäuscht über seine Feigheit.

Die ersten zehn Minuten nutzt die Episode, um ausführlich die Kunstwelt an Gemälden aus zahlreichen Epochen zu zeigen, von Alten Meistern bis hin zu Zeitgenössischem. Mehrere Besucher werden gezeigt, wie sie kritisch die ausgestellten Werke mustern, bevor sie überhaupt einen Kauf in Betracht ziehen. Die Kunstszene wird als Welt mit eigenen Gesetzen inszeniert, die Laien skurril und bizarr anmuten, mit denen aber nicht zu spaßen ist.

Kunsthistorisch verengt sich das Geschehen allmählich auf frühviktorianische Malerei.
  • Eine Großaufnahme bekommt in Arthurs Vademecum das schwarzweiß reproduzierte Landschaftsgemälde "Whitby by Night" (1878) von John Atkinson Grimshaw (1836 - 1893) inklusive Bildunterschrift.
  • Den McGuffin für die Episode liefert ein Tiergemälde, das die englische Atmösphäre verstärkt, weil es einen Jockey samt Roß zeigt, der ein berühmtes Derby gewonnen hat: John Frederick Herring, Sr. (1795 - 1865) zählt zu den berühmtesten Tiermalern und wird heute unter anderem in der Tate Gallery, London, ausgestellt. Zeitweise arbeitete er als Nachtkutscher, weswegen er den Spitznamen "artist coachman" (in etwa "Kunstkutscher") erhielt. Er malte Schilder für Pubs, Wappen für Kutschen und war äußerst produktiv. Unter anderem porträtierte er die Sieger, Jockey und Pferd, von 33 St. Ledger Derbys und 21 Rennen des Epsom Derbys.
    Arthur handelt mit dem Sieger des 1821 St. Ledger Derby.
    Herring Sr. hatte vier Söhne, allesamt Maler, und zwei Töchter, die namhafte Maler heirateten. Einer seiner Söhne heißt John Frederick Herring Jr. (1820 - 1907) und war gleichfalls ein berühmter Tiermaler. Bei seinem Hausbesuch reibt Galerist Sergeant Arthur dieses Detail genüßlich unter die Nase.

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Alt 02.03.2018, 18:11   #71  
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Der Staatsanwalt Staffel 5 Episode 4 (Folge 18) "Fluch der Bilder" (Deutschland 2011, Odeon Film AG für ZDF), Drehbuch: Mike Bäuml, Regie: Michael Kreindl, 58 min, FSK: 12

Die Krimiserie startete 2005 mit einer Staffel aus lediglich zwei Episoden und wurde erst 2007 fortgesetzt. Obwohl die kurzen Staffeln meist aus vier bis sechs Episoden bestehen, selten bis zu acht, liegen inzwischen 69 Folgen in 13 Staffeln vor. Die Serie läuft noch.
Hauptfigur ist Oberstaatsanwalt Bernd Reuther, der lange in Berlin gearbeitet hat und nun in seine alte Heimatstadt Wiesbaden zurückkehrt. Sein Sohn Thomas Reuther ermittelt in der hessischen Landeshauptstadt als Kriminalhauptkommissar. In dieser Folge ist er meiner seiner Partnerin, der Kriminalhauptkommissarin Kerstin Klar verheiratet, verheiratet. Eine familiäre Atmosphäre mit sämtlichen Höhen und Tiefen unterfüttert so die einzelnen Fälle.

Die Serie besitzt ein deutliches Faible für Kunst und verbindet auf diese Weise Elemente aus Hunolds alter Rolle als Rechtsanwalt Dr. Franck (siehe oben # 64) mit der persönlichen Biographie des Schauspielers.
Denn Hunold studierte von 1969 bis 1972 an der Hochschule für Künste in Braunschweig Malerei und Bildhauerei. 2003 präsentierte er erstmals eigene Werke in einer Ausstellung. Teilweise versteigert er seine Holzskulpturen zugunsten des Vereins SOS Kinderdörfer, für den er auch als Botschafter unterwegs ist. Bei Auktionen erzielen seine Werke Preise bis zu 4.000 Euro.
Zitat:
"Das beharrliche, tausendfach reproduzierte Einschlagen der Kupfernägel generiert Schutz. Schutz, der durch das gewählte Material ebenso entsteht wie durch künstlerisches Schaffen." Michael Heindorff, London
Sowohl privat wie beruflich finden sich bei Oberstaatsanwalt Reuther Kunstwerke. Das Innere seines Büros wird standesgemäß in den Räumlichkeiten des Landesamts für Denkmalpflege im Schloss Biebrich, der barocken Residenz der Fürsten und späteren Herzöge von Nassau am Rheinufer, inszeniert.
Reiche Kunstsammler, die unter seltsamen Umständen ableben, kommen häufiger vor. Daß sich Oberstaatsanwalt Reuther in der örtlichen Kunstszene auskennt, wird meist en passant durch kleine Szenen in Galerien, auf Ausstellungen oder im Kreis anderer Kunstkenner eingestreut. In dieser Folge steht die Kunst im Mittelpunkt.

Als der leere Wagen des Galeristenehepaares Anke und Heinrich Lippert aus dem Rhein gefischt wird, bildet sich Reuther schnell ein vorläufiges Urteil. Denn der Ast im Fond deutet auf ein Verbrechen hin. Reuther hat in der Galerie, die sich auf englische Romantik, vor allem Graphiken und Aquarelle, spezialisiert hat, vor kurzen eine Constable-Graphik für sein Wohnzimmer gekauft.
Umgehend suchen Vater und Sohn die Räume der Galerie in Wiesbaden auf. Obwohl das Geschäft leergeräumt ist, treffen sie dort den Angestellten Leland von Brühl an, der ihnen von der drohenden Insolvenz erzählt. Weil sämtliche Konten gepfändet sind, liegen die Graphiken und Aquarelle bei dem Hauptgläubiger, der Hausbank.
Dort trifft Thomas Reuther seine ehemalige Klassenkameradin Julia Teerjung wieder - und muß zweimal hinschauen. Aus dem pummligen Mädchen, das auf der Schule böse gemobbt wurde, ist eine ranke, schlanke Femme Fatale geworden.
Die Kunsthistorikerin Teerjung hat sich auf Englische Romantik spezialisiert, die im Auftrag der Bank den Wert der beschlagnahmten Kunstwerke schätzt.
Kurz darauf taucht Anke Lippert am Rheinufer auf - erschossen. Und mit zwei falschen Pässen.

Als Blickfänger wird einmal Joseph Mallord William Turners (1775 - 1851) "Falls of the Rhine at Schaffhausen | Der Rheinfall von Schaffhausen" (1841) eingesetzt.

Geändert von Servalan (03.03.2018 um 17:58 Uhr)
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Alt 03.03.2018, 17:06   #72  
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Mordkommission Istanbul Folge 4 "Die steinernen Krieger" (Deutschland 2010, Regina Ziegler-Filmproduktion für ARD Das Erste), Drehbuch: Jörg Lühdorff, Regie: Michael Kreindl, 88 min, FSK: 12

Das Konzept der Serie basiert auf den Kriminalromanen von Hülya Özkan und nutzt nur die Figuren, während die ersten drei Folgen auf den literarischen Vorlagen basieren. Gedreht wurde vor Ort in Istanbul an Originalschauplätzen, wobei die Metropole am Bosporus als moderne Großstadt mit historischer Vergangenheit in Szene gesetzt wird.
Drehbuchautor Lühdorff nutzt die Chance eines freien Stoffes, indem er Kommissar Mehmet Özakıns Ehefrau Sevim Özakın, einer Lehrerin, eine wichtige Rolle im Hintergrund zukommen läßt.

Morgens entdeckt die Putzfrau den angesehenen Kunsthändler Alpay Ertem im Magazin seiner Galerie. Bei der Besichtung des Tatorts entdeckt Kommissar Özakin in einem Gully ein zerstörtes antikes Steinrelief.
Während Özakin und sein Assistent Mustafa Tombul Indizien sammeln, ist für die Schwiegereltern der Fall klar: Die böse Schwiegertochter Leyla Ertem muß ihren Sohn gemeuchelt haben, weil sie es auf sein Geld und die Kinder abgesehen hat.
In der Forensik wurde das Puzzle der Steinbrocken wenigstens soweit gelöst, daß ein Foto des rekonstruierten Reliefs erstellt werden konnte. Um mehr zu wissen, konsultiert Özakin den jungen Wissenschaftler Erhan Akalin, der im İstanbul Arkeoloji Müzesi | Archäologischen Museum Istanbul angestellt ist.
Vom bestallten Gutachter Dr. Bulut erfährt Özakin, daß es sich um "Die steinernen Krieger" handelt, ein wertvolles Relief aus dem 6. Jahrhundert, das in Antalya ausgegraben wurde. Dr. Bulut weist Özakin darauf hin, daß ein solches Fundstück ins Archäologische Museum gehöre und legal auf dem freien Markt nicht verkäuflich sei. Als Hehlerwäre wäre es Millionen Wert.
Daraufhin prüft Özakin, ob das Relief möglicherweise aus dem Museum gestohlen wurde, und trifft dort Erhan Akalin wieder an. Auf dem Weg ins Lager kommt ihnen der Direktor in die Quere, der um den Ruf des Museums besorgt ist, weil er politische Ambitionen als Kulturminister hegt.
Sein Vorgesetzter Yilmaz sähe es am liebsten, wenn Özakin den Fall als Eifersuchtsdrama rasch abschließen würde, doch der bleibt hartnäckig. Da erfährt er von Dr. Bulut das Gerücht, vor Jahren wären im Museum Artefakte verschwunden und durch billige Kopien ausgetauscht worden.

Eigentlich verweise ich am liebsten auf konkrete Künstler und Werke. Diese Krimiserie bleibt jedoch im Vagen, zudem gibt es eine große Überschneidung mit dem Sammelgebiet Antiquitäten. Der zweite Kunstfall, Folge 10: "Die zweite Spur" (2014), vertieft diesen Eindruck. Denn auch der spielt wieder im Archäologischen Museum Istanbul, wobei es diesmal um gefälschte Fayencen geht, also antike Keramiken (Sammelgebiete Antiquitäten bzw. Porzellan).
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Alt 15.03.2018, 18:04   #73  
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Tatort (Folge 920) "Im Schmerz geboren" (Deutschland 2014, Hessischer Rundfunk für Das Erste, ORF und SRF), Drehbuch: Michael Proehl, Regie: Florian Schwarz, 89 min, FSK: ohne

Innerhalb der Reihe Tatort wird die Serie um Kriminalhauptkommissar Felix Murot als Experimentierfeld genutzt. Wie bei anderen Teams üblich, hat Murot zwar eine Dienstelle (beim LKA Hessen in Wiesbaden) und eine Assistentin (Magda Wächter), allerdings bietet die Whodunit nur den Hintergrund für freies Fabulieren in eindrucksvollen Bildern. Der Freifahrtschein gilt jedoch nur für eine Folge pro Jahr; und 2012 wurde kein Murot-Tatort gesendet.
Dem Publikum wurde Murot 2010 nämlich als jemand vorgestellt, der unter einem Hirntumor leidet und deswegen eine teilweise verzerrte Wahrnehmung bewältigen muß. Deswegen konnten die Zuschauern nur spekulieren, ob Murots Schlußfolgerungen echte Indizien lieferten - oder ob er halluzinierte oder unter Paranoia litt. Der sprechende Name seiner Assistentin verstärlt den leicht psychedelischen Effekt.
Die Episode hatte ihre Erstaufführung am 28. Juni 2014 auf dem 32. Filmfest München, wo sie mit dem Bernd-Burgemeister-Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Aufführungen vor der Fernsehpremiere fanden auf dem 10. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen und dem Fernsehfilmfestivals Baden-Baden 2014 statt. 2015 wurde sie mit zwei Goldenen Kameras und dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

In dieser Folge trifft Murot auf seine Vergangenheit. Auf der Polizeischule bildete er mit seinem Kollegen Robert Harloff und Mariella eine Ménage à trois im Stile des Klassikers Jules und Jim. Der Schwerenöter Harloff, dem Murot alles zutraut, wurde als verdeckter Ermittler im Drogenmilieu eingesetzt. Bei diesem Einsatz verschwand er plötzlich - und Mariella ebenso. Murot verdächtigt Harloff, er habe eine größere Menge Marihuana unterschlagen und sich abgesetzt.
"Im Schmerz geboren" strotzt nur so vor literarischen, filmischen, musikalischen und eben auch künstlerischen Verweisen. Bildungsbürger können die Episode als postmodernen Rebus genießen, der munter und unbefangen Klassiker der Hochkultur mit Kultwerken des Entertainment mischt. Diese Folge vielfach detailliert besprochen worden, weshalb auf eine Wiederholung verzichtet wird.

Der Kriminelle Robert Harloff hat das Stendhal-Syndrom und nutzt es wie eine Droge, um seinen Größenwahn zu puschen und sich an seiner Allmacht zu berauschen. Dabei hilft ihm der Killer David, der ihm aus Frankreich ein besonderes Gemälde mitgebracht hat: Vincent van Goghs (1853 - 1890) "De sterrennacht | Sternennacht" (1889).

Geändert von Servalan (15.03.2018 um 19:36 Uhr)
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Alt 15.03.2018, 18:45   #74  
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Großstadtrevier Staffel 31 Episode 9 (Folge 415) "Drah di ned um"
(Letterbox Filmproduktion GmbH für Das Erste 2018), Drehbuch: Guntmar Lasnig und Balthasar von Weymarn, Regie: Nina Wolfrum, 48 min

Bei Familie Herder in Hamburg-Othmarschen wird eingebrochen. Das Trio Ivo, Goran und Branko wird jedoch schon von der Polizei erwartet, denn Major Prechtl aus Wien hat sich auf die Spur der Gangster gesetzt und seine Kollegen vom PK14 via Interpol um Amtshilfe gebeten. Bei ihrem nächtlichen Einsatz kommt es zu einem sprachlichen Mißverständnis, so daß Piet Wellbrook und Paul Dänning den flüchtigen Goran stellen und verhaften.
Weil die Villa keine Einbruchsspuren zeigt und Goran bald wieder freigelassen werden muß, kocht Prechtl vor Wut. In letzter Minute meldet "der kleine Anwalt" Jonas Herder dem Kommissariat den passenden Einbruch. Seine Tochter Janinia sollte mit ihrer Freundin Elsa Kühne das Haus hüten, weil er untwegs war und seine Frau, die das große Geld verdient, gerade beruflich in Asien weilt. Janina und Elsa sagen, sie hätten sich auf dem Kiez vergnügt.
Vermißt wird neben der Designerkleidung seiner Frau und zwei Uhren eine Metallskulptur. Die Edelstahltitte von Berti Bernetti aus den 1990er schätzt Herder auf 500.000 Euro.
Zivilfahnderin Harry Möller wird jedoch stutzig, weil Janinas Tränen nach Zwiebeln gerochen haben. Über Posts im Internet kommen sie einer Einbruchsserie auf die Spur, bei der teure Markenklamotten gestohlen wurden - wie in Sofia Coppolas The Bling Ring (USA 2013). Am nächsten Morgen nehmen Harry Möller und Nina Sieveking die verdächtigen Schülerinnen Janina und Elsa ins Visier.

Namenspaten des fiktiven Künstlers Berti Bernetti sind die beiden Musiker Andrea Berti (Schlagzeug) und Luca Bernetti (Bass) der italienischen Bluesband The Big Blue House. Ästhetisch erinnert das Objekt der Begierde an Jeff Koons" (Jahrgang 1955) Werkserie "Made in Heaven" (1990), die mit der italienischen Pornodarstellerin und Politikerin Ilona Staller aka Cicciolina entstand.

Geändert von Servalan (16.03.2018 um 00:15 Uhr)
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Alt 19.03.2018, 16:00   #75  
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La Jetée | Am Rande des Rollfelds (Frankreich 1962, Argos Films), Kamera: Jean Chiabaut und Chris Marker, Drehbuch und Regie: Chris Marker, 28 min bzw. 26 min schwarzweiß, FSK: nicht geprüft

Abgefilmte Fotografien werden in gewöhnlicheen Filmen eher selten eingesetzt. Meist werden Requisiten und Accessoirs in den persönlichen Räumen einer Figur gezeigt, um sie in einer bestimmten Weise zu charakterisieren und um auf einen Zustand hinzuweisen.
Zyklen von Fotografien nach gesetzten Themen oder mit einem bewußten Fokus werden in Ausstellungen und Fotobänden präsentiert. Der nächste Verwandte hingegen, der Fotocomic, gilt als künstlerisches Leichtgewicht, zumal er in erster Linie als fortgesetzte Fotoromanze in Jugendzeitschriften (Bravo) oder als leicht verderbliche, satirische Collage eingesetzt wird.
Der Fotofilm bewegt zwischen all diesen Positionen, und La Jetée dürfte der berühmteste Vertreter dieser Gattung sein. Am häufigsten wird er als Inspiration für Terry Giliams Dystopie Twelve Monkeys | 12 Monkeys (USA 1999, FSK: 16) erwähnt. Terry Gilliam sagt, er habe Chris Markers La Jetée erstmals bei der Premiere seines Films gesehen.

Chris Marker (Jahrgang 1921) wuchs dreisprachig auf, studierte zunächst Philosophie und hinterließ dann ein vielfältiges Werk, das von Gedichten, Übersetzungen und Kritiken über Illustrationen und Multimedia-Projekten bis zu Romanen und Filmen reicht.
Dadurch hat er mit zahlreichen berühmten Persönlichkeiten zusammengearbeitet: von Costa-Gavras bis zu Alain Resnais, von Jorge Semprun bis zu Akira Kurosawa, von Joris Ivens bis zu William Klein.
Marker begeisterte sich für den Kommunismus und drehte im Auftrag der UNESCO Reisefilme. Sein Hauptwerk besteht aus bis zu dreistündigen Essayfilmen, die sich kommunistischen Entwicklungen in einzelnen Ländern (Kuba, China) widmen.
Verglichen damit ist La Jetée ein verspieltes Kleinod.

Am Rande des Rollfelds des Pariser Flughafens von Orly erzählt ein namenloser Mann von seinen Erinnerungen: Das einzige Fragment seiner Kindheit bildet eine Szene auf dem Flughafen, wo er eine geheimnisse Frau gesehen hat. Kurz darauf brach der Dritte Weltkrieg aus.
Die Überlebenden verschanzen sich in Katakomben, während Wissenschaftler den Krieg durch eine Zeitreise verhindern wollen. Der Erzähler ist eines der Versuchskaninchen, die in die Vergangenheit geschickt werden sollen. Dabei wird mit dubiosen Seren experimentiert ...
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