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Alt 03.07.2021, 01:29   #26  
LaLe
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Die Nachricht haben wohl einige hier bekommen.
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Alt 09.07.2021, 20:46   #27  
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Starman 10 - The Day Before the Day to Come.



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: August 1995



Auch dieses Heft ist wieder pickepackevoll mit vielen vermeintlichen Nebenhandlungen, tatsächlich baut Robinson hier aber den nächsten großen Schlag auf. Der wird allerdings nicht vom hier erstmals namentlich erwähnten Merritt (in der #6 wurde der Name den Lesern noch verheimlicht) kommen sondern von Nash, die nun endgültig in die Fußstapfen ihres Vaters tritt.

“A drama is beginning. The players are gathered. And everyone will have a role to play. Tomorrow. On a day unlike any other.

When what makes a hero will be defined in the thoughts and actions of each soul shown here. Or what makes a villain…

What makes a villain …
… and an enemy for life.”



Sorry, aber das ist für mich (auch ein wenig im Wissen darum was da noch alles kommt) Gänsehaut pur.

Schön auch die Begegnung mit Sadie Falk. Die ersten Gedanken von Jack zu diesem wundervollen Beginn einer Beziehung sind doch vielversprechend.

“Man, oh man. What a bitch. I hope that was some menstrual thing. I hope to god that was it. Man, if that was her on a good day, then one week in the month, hell is seriously a-poppin.”

Jade erwähnt im Telefonat mit Jack Probleme mit dem Team Blood Pack. Zu diesem gab es eine vierteilige Miniserie über die ich so gar nichts weiß.

Mit Solomon Grundy wächst die Knight´sche Hausgemeinschaft weiter an und hat mit den weiteren Verbündeten Ausmaße eines der obskureren Heldenteams des DCU. Neben drei (!) Starmen währen das der Schattenmagier The Shade, die Hellseherin Charity und das Monster Solomon Grundy. Dazu eine Polizistenfamilie.

Bevor aber zum ganz großen Schlag ausgeholt wird, mit der #12 beginnt ein Fünfteiler, der für den Run essentiell ist, geht es nochmal in die Vergangenheit und wir werfen mit The Shade einen Blick darauf, was Ted Knight und Co. einst mit Ragdoll anstellten.

Die Leserbriefseite kommt diesmal erst spät ins Laufen, da James Robinson zunächst zweier von ihm geschätzter Künstler gedenkt, die verstarben während er den zweiten Auszug aus The Shades Journal schrieb.

Frank Robbins war ein Zeichner von Comicstrips, bekannt insbesondere für die Geschichten um einen Abenteurer namens Johnny Hazard. Teile davon erschienen in den 80ern bei Carlsen und Feest.

Woody Strode war ein Schauspieler, der mir vom Namen her so gar nichts sagt, der aber in Filmen wie “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Spartacus” oder “Der Mann, der Liberty Valance erschoss” mitspielte. Bekannter ist er aber wohl dafür, dass er 1961 in “Der schwarze Sergeant”, die erste Hauptrolle eines Afroamerikaners in einem Western spielte.

Für drei kurze Briefe war dann noch Platz. Der erste von einem Tim Burgard, einem Künstler, mit dem Robinson hofft, eines Tages wieder zusammenarbeiten zu können. Darauf werden wir viel später nochmal zurückkommen.

Der zweite erwähnt eine Con, auf der Künstler des Golden Age anwesend waren und es wird ein wenig die Wertschätzung für Clark Ashton Smith und Lord Dunsany geteilt.

Der dritte Schreiber kann sich für die vielen fiktiven Städte des DCU begeistern und findet großen Gefallen an der Idee, die Helden aus Opal City (Starman) und Fawcett City (Captain Marvel a.k.a. Shazam) zusammenzubringen. Was denkt Robinson darüber? Er bringt den Brief weil er gerade an einem Crossover zwischen “Jack and the Big Red Cheese” herumdenkt.

Erstmals gibt es am Ende der Leserbriefseite einen Ausblick auf die folgende Ausgabe, die dann von Matt Smith gezeichnet wird.

Bezahlte Werbung gab es für das Computerspiel SuperKarts, Fleer Cards von MTV Animation, Musicland (Radiohead, Our Lady Peace), Live from the House of Blues auf TBS und den Film Species.

Hauseigene Werbung wurde geschaltet für Batman/Judge Dredd - The Ultimate Riddle, Green Arrow - Where Angels Fear to Tread, Batman: Faces, DC Comics Online und zwei Year One Annuals zu Flash (Waid und Peyer) und Deathstroke (Wolfman).

Geändert von LaLe (10.07.2021 um 00:32 Uhr)
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Alt 10.07.2021, 15:44   #28  
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Starman 11 - 13 Years Ago: Five Friends



Autor: James Robinson
Zeichner: Matt Smith, Gregory Wright
Erschienen: September 1995



Die Erzählung in diesem Heft ist in den Rahmen von The Shades Journal gesetzt, der zu der Zeit häufiger mal abkömmlich war. Das wird noch Thema in den DC Showcase ´95 und DC Showcase ´96-Heften, die Eingang in den zweiten Omnibus fanden und von mir daher erst nach der #16 besprochen werden. Und so ist die Geschichte etwas spekulativer abgefasst als die Aussagen von Ted Knight in der #9. Fakt ist aber, die Helden versuchten Ragdolls Flucht zu verhindern und in Folge dessen starb der Schurke.

Anders als man anhand des Covers annehmen könnte, sind die Zeichnungen nicht vom Stammteam sondern von Matt Smith und Gregory White. Den Wechsel erkennt man auch auf Anhieb. Smith zeichnet sehr viel kantiger, schafft es mit den dargestellten Perspektiven aber gut Stimmung und Dynamik zu vermitteln. Schön geht anders, schlecht aber auch.

Auf den Leserbriefseiten geht es wieder in die Vollen. Themen sind Slurpee Cups mit den Konterfeis der JSA (Slurpee ist so etwas wie Slush), 3-D View-Master (again), die alten Meister (Rubens, Dali), dem Sammeln von Fotos mit Autogrammen, Spielzeugautos, Schallplatten und James Robinson-Comics.

Andere Themen sind der früher erwähnte Leserwunsch, Jack Knight möge doch homosexuell sein und ganz viel Lob zu den bisherigen Heften. Speziell genannt werden hier die #5 - Talking with David und der Auftakt-Vierteiler.

Abgeschlossen wird mit einer ganzen Reihe an Danksagungen.

Willkommen auf den Werbeseiten. Hier treffen wir diesmal Musicland mit Alben von Catherine Wheel und Massive Attack, Videos von MTV, Comics von White Wolf (The Splendour Falls und Breathe Deeply), erneut das House of Blues und Mega City´s Most Wanted Actionfiguren.

An eigenen Publikationen werden beworben Batman: Manbat von Jamie Delano, eine New Gods Ongoing von Tom Peyer, Year One Annuals zu Green Lantern von Ron Marz und Hawkman von Messner-Loebs, The Lobo Gallery (!) und dem Darkseid vs. Galactus Crossover.

Und demnächst geht es hier weiter mit “A Day in the Opal” times five.
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Alt 11.07.2021, 16:20   #29  
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Starman 12 - Sins of the Child, Part One: Jack's Day (The First Half)



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Oktober 1995



Das ist also der Auftakt zur Storyline, deren Impakt sich über den gesamten Run bemerkbar machen wird. In diesem Heft wird der “Tag der Entscheidung” aus der Sicht von Jack geschildert, der diesen nach einem brauchbaren Start wohl nicht zu den besseren zählen wird.

Das Vorgehen von Nash wirkt bislang noch völlig erratisch und von Wahnsinn getrieben. Letzteres spielt sicher eine Rolle, schnell wird sich aber zeigen, dass sie einen Plan verfolgt. Aufklären wird sich zum Beispiel wie die Mordopfer ausgewählt wurden.

Spannend fand ich einen kleinen Textkasten, in dem die Rede von vier Dingen war, deren Anblick Jack immer in Erinnerung bleiben werden. Neben dem speziellen Blick auf Opal City an diesem Tag sind dies diese zukünftigen Ereignisse
- die Geburt seiner Tochter (seines zweiten Kindes)
- ein Geschenk seines toten Bruders David
- der Blick auf die Sonne aus der Nähe des Jupitermondes Callisto.

Im folgenden Heft wird der Tag aus der Sicht des totgesagten Ted Knight geschildert und wo Mikaal Tomas und Solomon Grundy abgeblieben sind erfahren wir auch noch.
Die Leserbriefseite fällt diesmal aus, da sich James Robinson etwas ausführlicher über sein neues Projekt, eine vierteilige Miniserie am Golden Age Charakter Vigilante, auslässt. Dürfte eines von vielen Frühwerken Robinsons sein, das es hierzulande nicht gibt. Er verweist dazu auf seinen Erstkontakt zu diesem Charakter über das Cover von Justice League of America #78, das bleibenden Eindruck bei ihm hinterließ.

Seine Story spielt im Las Vegas der 40er und Gegner ist der berühmt-berüchtigte Bugsy Siegel. Geplant hatte er eine solche Serie schon länger, ließ sie angesichts des angekündigten Verfilmung mit Warren Beatty (für “Bugsy” gab es zwei Oscars) aber in der Schublade liegen.

Kommen wir zum abschließenden Werbeblock. Im Angebot diesmal die Verfilmung von Clive Barkers “Lord of Illusions”, Musicland mit Alben von Hum und Korn, dem Film “The Prophecy” mit Christopher Walken, drei Publikationen von White Wolf (Moorcocks Eternal Champion Vol. 4, dem auf dem Vampire-TCG basierenden On a Darkling Plain und der Horror-Anthologie Borderlands 4), dem TCG Vampire: The Eternal Struggle himself und erneut den potthässlichen Actionfiguren aus der Reihe Mega Citys Most Wanted.

DC-relevante Werbung gibt es zu Star Trek TNG - Ill Wind, Sovereign Seven von Claremont, zwei weiteren Year One Annuals, diesmal zu Superboy (B. und K. Kesel) und Green Arrow (Chuck Dixon) und der Underworld Unleashed Miniserie. Von der ist übrigens auch das kommende Starmanheft betroffen.

Geändert von LaLe (15.07.2021 um 01:16 Uhr)
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Alt 12.07.2021, 16:28   #30  
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Starman 13 - Sins of the Child, Part Two: Ted's Day



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: November 1995



Spannend fand ich die kurzen Einblicke in Ted Knights Trophäenraum. Dort fanden sich diverse Starman-Kostüme, ein JSA-Poster, ein Prototyp seines Helmes von 1937 ein Fluggerät und viele Trophäen. Spezielle Handschuhe von Mr. Fingers, das Gebiss von Dr. Fang, ein Halsband von Dog Boy, die Überreste von Pink Eye, ein Schlagring von Big Fist, ein Blaster mit dem Captain Rat besiegt wurde, eine Kette von Link, eine Maske von Ragdoll und eine Pfeife von Pit Boss. Ich muss mir unbedingt die Golden Age Comics von Starman holen.

Highlight waren für mich aber die Handschuhe von Carole Lombard, die diese trug als Starman sie aus den brennenden Gladstone Towers rettete (siehe den zweiten Auszug aus The Shades Journal) sowie ein Porträt des Stars mit Starman mit persönlicher Widmung: “Undying Gratitude”.

Mir hätte die Schauspielerin nichts gesagt, aber in den Dreißigern und Anfang der Vierziger war sie in Hollywood wohl eine Riesennummer. Verheiratet war sie unter anderem mit Clark Gable bis sie bei einem Flugzeugabsturz 1942 ums Leben kam.

Der Kampf gegen Dr. Phosphorus erinnerte mich dann an eine Aussage von The Shade im ersten Auszug seines Journals. Dort spekulierte er darüber, dass Starman ein Wissenschaftler sein müsse, da er seine Gegner häufig mit entsprechenden Kenntnissen besiegt.

Im letzten Panel kann man einen kleinen Blick in Ted Knights Aufzeichnungen zu den Tests mit Mikaal Tomas werfen.

Die Leserseite beginnt James Robinson mit einem Nachruf auf Mort Meskin. Dessen Tod traf ihn insofern als der Schöpfer der Figur Vigilante nun nicht mehr erleben würde, wie die von Robinson geschriebene Miniserie über diesen Charakter veröffentlicht würde. Darüber schrieb er erst sehr ausführlich im letzten Heft.

Einen Schwerpunkt der Leserbriefe bildet dann die Auseinandersetzung mit dem ersten Times Past-Heft und speziell dem dort auftauchenden Oscar Wilde. Dass real existierende Figuren in den Times Past-Heften auftauchen und derer vielleicht noch mehr folgen, wird außerordentlich begrüßt. Aber auch die Hoffnung, dass es beizeiten eine ausführlichere Schilderung der Origin von The Shade geben würde, wird vorgetragen und Robinson stellt eine solche in Aussicht. Bei den Danksagungen plaudert Robinson dann noch aus woher er die Kenntnisse über die Phos-Girls hat, die er im ersten Auszug aus dem Journal beschrieb.

Ein wenig Kritik gibt es an der einseitigen Schilderung der Bewohner von Turk County in der #7. Die ging ja ein wenig in Richtung Bier saufender Waffennarren, die keine Ahnung von den Schätzen hätten, die in ihren Scheunen lagern.

Eine Reaktion gibt es auch auf den in der #6 veröffentlichten Leserbrief, der Sammler mit Serienmördern verglich. Ich bin wohl nicht der einzige, der diesen Vergleich ein wenig seltsam fand.

Dann gibt es zum zweiten Mal einen Ausblick auf das kommende Heft sowie DC Showcase ´95 #12. In letzterem wird geschildert was The Shade trieb nachdem er sich in der #9 verabschiedet hatte. Da spielt dann Neron eine Rolle. Underworld Unleashed hinterlässt also weitere Spuren im Starman-Kosmos.

Und als Bonus gibt es ein alternatives Cover der #13, das nicht zum Zuge kam.

Kommen wir abschließend wieder zu den Commercials. Geworben wird für ein Atmosfear Brettspiel, das Debutalbum der Bloodhound Gang, den Film Strange Days, Musicland mit Alben von den Goo-Goo Dolls und Pretty and Twisted, Helloween - The Curse of Michael Myers, X-Files Trading Cards, dem Storytelling-Game Changeling und dem Comic Ill Met in Lankhmar von White Wolf und einer neuen Serie der Macher der X-Files - Space: Above and Beyond.

Verlagseigene Werbung gibt es etwas weniger. Batman: The Ultimate Evil und Star Trek TNG: Ill Wind.

Anmerkungen

Anders als im Auszug aus dem Journal wird der Vorname des Filmstars hier konsequent mit Carol geschrieben. Allerdings taucht der hier nicht im Text sondern in den Bildern auf.

Geändert von LaLe (12.07.2021 um 20:50 Uhr)
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Alt 14.07.2021, 18:34   #31  
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Starman 14 - Sins of the Child, Part Three: The Opal´s Day. The O´Dare´s Day



Autor: James Robinson
Zeichner: Tommy Lee Edwards (1, 14, 19), Stuart Immonen (2, 3, 10), Tony Harris (4-6), Chris Sprouse (7-9), Andrew Robinson (11-13), Gary Erskine (15-18), Amanda Conner (20-22), Wade von Grawbadger (1-14, 19-22)
Erschienen: Dezember 1995



Den Kommentar zu diesem Heft will ich einmal nutzen um einen Punkt anzusprechen, den ich eingangs dieses Threads mal erwähnte. James Robinson versteht es in nahezu unvergleichlicher Weise selbst den unbedeutend anmutenden Nebenfiguren Leben einzuhauchen.

Hier sind es auf den von Tony Harris gezeichneten Seiten 4-6 die Bewohner eines brennenden Hauses. Tony Florence hat kürzlich erst seine Frau verloren und muss nun viele Erinnerungen an seine Frau zurücklassen. Dennoch rettet er den ihn ewig nervenden Papagei der einsamen alten Mrs. Lowe. Was ich irgendwie nicht ganz einordnen kann ist im letzten Bild der Hintergrund.

Das sieht irgendwie wie ein UAZ-Logo Mitte der 50er bis Anfang der 60er aus.
https://i.pinimg.com/originals/d6/75...7d0a507066.jpg

Ich dachte erst an Austin Mini, aber da sind es vier Federn in den Flügeln. Vielleicht hat wer eine andere Idee?

Chris Sprouse zeigt uns auf den Seiten 7-9 die von Nash erschossene Altenpflegerin Lucy Collins, die daheim einen sechs Monate alten Sohn hat, dessen Vater starb bevor er geboren wurde. Ihr Fehler war, das eigentliche Opfer, den ehemaligen Police Commissioner Red Bailey, zu pflegen.

Aber auch die vielen O’Dares werden kurz charakterisiert. Auf dem Cover sieht man Matt, Clarence und Hope. Die Explosion im Chandler Building, bei der Barry O`Dare anwesend ist, taucht hier übrigens zum dritten Mal in Folge auf. Was es damit auf sich hat, erfahren wir im kommenden Heft. Wie auch was mit Mikaal und Solomon passiert ist.

Ansonsten vermittelt dieses Heft einen starken Eindruck vom durch Nash inszenierten Chaos, bringt bei Matt O`Dare eine interessante Entwicklung auf den Weg und mit der Rückkehr von The Shade womöglich die Wende. Man erinnere sich an sein Mitwirken im Eröffnungsvierteiler.

Die Leserbriefseite kommt erneut schwer in Fahrt, da James Robinson vor einem persönlichen Anliegen noch einen Continuity-Bock eingestehen muss, den er geschossen hat. In der #9 ließ er die Mitglieder der JSA Batman Bruce Wayne und Flash Barry Allen erwähnen. Da die Handlung im Jahr 1982 spielte, traten die lt. Crisis on Infinite Earths in diesem Jahr aber noch gar nicht in Erscheinung.

In seiner Kindheit in Australien hat er eine ganze Reihe japanischer Animes gesehen an die er sich teils dunkel erinnert. Er ruft dazu auf sich bei ihm zu melden so man zu diesen nähere Informationen hat. Interessant finde ich den direkten Vergleich mit den Hanna-Barbera-Zeichentrickfilme derselben Zeit. Da liegen wohl in der Tat ganze Welten zwischen.

Im ersten abgedruckten Brief echauffiert sich eine Leserin am Ende leicht darüber, dass der erste Leserbrief einer Leserin in einem der Hefte zuvor eine gesonderte Erwähnung wert war. Ja, war er, da er durchaus eine Seltenheit ist.

Im zweiten Brief geht es um Äußerlichkeiten und darum ob Jacks Ziegenbart und die Ohrringe ernsthaft die Generation der in den Jahren ´65 bis ´70 Geborenen repräsentieren soll. Ist nicht so gemeint und Robinson verweist darauf, dass ihm und Tony Harris ein solcher ebenfalls regelmäßig wächst wie er wieder entfernt wird. Daneben enthält der Brief ein Lob dahingehend, dass Starman am Stück gelesen erst so richtig seine Großartigkeit entfaltet. Würde ich so unterschreiben wollen.

Der abschließende dritte Leserbrief geht auf den “blauen” Starman ein und freut sich darüber, dass sich Robinson an diesen erinnerte und ihn in seinen Run einbaute. Hinterfragt wird dessen unverständliche Aliensprache, da er bei seinem ersten Auftritt in First Issue Special durchaus des Englischen mächtig war. Das wird Robinson in einem Times Past Heft erzählen, das bereits fertiggestellt ist.

Arbeit für mich hätte die Ankündigung bedeutet, dass die nächste Leserbriefseite wegen des dritten Teils aus The Shades Journal entfallen wird. Dazu kam es dann aber nicht.

Die Werbung. William Baldwin und Cindy Crawford spielen in Fair Game, Dark Destiny 1 ist eine Anthologie von White Wolf an der u. a. Nancy Collins, nicht ganz unumstrittene Autorin an Swamp Thing, beteiligt ist, erneut Ill Met in Lankhmar und zum dritten Mal White Wolf mit dem Vampire: Eternal Struggle TCG. Dazu Mad.TV, Musicland mit Alben von Heather Nova und The Charlatans sowie einem Aliens Game.

DC ist vertreten mit den Year One Annuals zu den Sovereign Seven von Claremont und Lobo von - klar - Alan Grant sowie drei Underworld Unleashed One-Shots zu Batman, Sentinel (Green Lantern Alan Scott) und Oracle (die Barbara Gordon gerne hätte bleiben dürfen).

Anmerkungen

Ab dieser Ausgabe fehlt die Preisangabe für Großbritannien.

Geändert von LaLe (18.07.2021 um 21:56 Uhr)
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Alt 15.07.2021, 12:04   #32  
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Starman 15 - Sins of the Child, Part Four: Mikaal´s Day



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Januar 1996



In diesem Heft erfahren wir also, was mit Mikaal Tomas und Solomon Grundy passiert ist. Und ein Stück weit wird am Schicksal der beiden deutlich, dass Nash trotz ihres völlig unstrittigen Wahns durchaus in der Lage ist, zu planen und ein ganzes Orchester an Teilplänen zu dirigieren und zu dem einen Ziel hinzuführen, das sie verfolgt. Dazu bedient sie sich nicht nur ihrer neu gewonnenen Kräfte sondern auch der Hilfe anderer. Ob nun Dr. Phosphorus, den sie auf Ted Knight ansetzt oder eben Frankie Soul, der eine Handvoll übelster Sadisten um sich versammelt um seiner persönlichen Rache an Mikaal eine ganz handfeste Note zu verpassen.

Und wenn einer seiner Helfershelfer darüber fabuliert, dass er hofft, Grundy hält das Feuer länger aus als der letzte Mann, den er verbrannt hat, was ihm viel zu schnell ging, dann haben wir hier einen Grad an Gewaltlevel erreicht, den ich in dieser Intensität bei einem “normalen” DC-Titel für eher ungewöhnlich halte. Da wird auch nichts durch Humor oder ähnliche Stilmittel abgefedert.

Ähnlich ist es mit Nash, die sich durch ein deutliches Maß an Sadismus auszeichnet und mit ihrer Mordserie eine Schneise des Todes zieht und dabei keinerlei Milde walten lässt. Über ihre Motive werden wir noch mehr im abschließenden fünften Teil erfahren. Damit ist dann aber noch lange nicht Schluss. Um es mal deutlicher zu formulieren, ich kenne eigentlich keinen grausameren und perfider planenden Villain als sie. Die bringt auch im weiteren Serienverlauf noch Nummern bzw. brachte die bereits (wir wissen das nur noch nicht), die den Joker in jeder seiner Inkarnationen wie einen albernen Clown aussehen lassen.

Starman ist kein Titel, der üblicherweise genannt wird, wenn die Sprache auf das Dark Age of Comics kommt. Aber was man hier bislang zu lesen bekam ist alles andere als grellbunter Superheldenstoff. Das ist schlicht düster. Und dieses Heft führt das dem Leser sehr deutlich vor Augen.

Kommen wir zur Leserbriefseite, die Robinson mit einer Entschuldigung einleitet. Er hat das Ausmaß der eingehenden Post völlig unterschätzt und ist entgegen seiner einst erklärten Absicht weit davon entfernt alle Leserbriefe bringen zu können. Vor Allem hängt er bei der Einzelheftkritik inzwischen deutlich zurück und kündigt daher an, Briefe nur noch auszugsweise zu bringen.

Erste Kritik zur Story “A (K)night at the Circus” betrifft das erstaunlich kurz geratene Finale. Die Frage danach ob die Freaks weitere Auftritte haben werden bleibt unbeantwortet.

Die Frage nach Will Payton hingegen wird damit beantwortet, dass sich Jack in einem Jahr auf die Suche nach ihm begeben wird.

Positive Resonanz gab es auf die #9 und abschließend erzählt Robinson wie sehr ihm Preacher von “that drunken an far too talented” Garth Ennis gefällt. Ganz am Ende der viel zu kurz geratenen Leserbriefseite (diesmal war es nur eine) steht dann ein kleiner Ausblick auf die folgende Ausgabe und das Finale der Story.

Damit sind wir schon wieder bei der Werbung angelangt. Musicland wirbt für Alben von Blur und The Rentals. Gesondert beworben werden zwei von mir durchaus geschätzte Alben mit Stomp 442 von Anthrax und dem selbstbetitelten Abschiedsalbum von Alice in Chains, die glücklicherweise wiederkamen. White Wolf ist vertreten mit Elric: Song of the Black Sword und The Immortal Eyes Chronicles (World of Darkness). Mit Hexen ist ein Computerspiel dabei.

DC-relevantes sind zwei Crossover zwischen Green Lantern/Silver Surfer und Lobo/Judge Dredd (gibt es als DC gegen Marvel #14 und #25 auch auf Deutsch), einer DC Anthologie von Les Daniels “DC Comics: Sixty Years of the World's Favorite Comic Book Heroes“, einem Batman-Roman von Andrew Vachss “The Ultimate Evil” und DC Comics Online.

Geändert von LaLe (15.07.2021 um 12:11 Uhr)
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Alt 18.07.2021, 19:21   #33  
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Starman 16 - Sins of the Child, Part Five: Jack´s Day (The Second Half)



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Februar 1996



Das war also das Finale der Story, die Auswirkungen bis zum Ende des Runs haben wird und deren hier begründete bzw. gefestigte Erzfeindschaft zwischen Jack und Nash der rote Faden der Serie ist. Bis zum großen Finale werden wir noch häufiger Gelegenheit haben zu sehen wie sich Nash “weiterentwickelt”.

Um diesen Grund zu legen nahm sich Robinson 17 Ausgaben lang Zeit. Welcher Autor bekommt diese Zeit heute noch? Das ist auch eine der ganz großen Stärken der Serie. Robinson hat viel Zeit um die Dinge aufzubauen und nutzt diese weidlich.

Man könnte sagen, dass mit der #16 ein erster großer Arc abgeschlossen wurde. Tatsächlich liegen aber unzählige lose Fäden aus, die sich nicht nur auf die Visionen von Charity beschränken. Die Jagd nach Merritt oder Jacks Reise zu den Sternen auf der Suche nach Will Payton sind Dinge, die ich noch nicht kenne und auf die ich mich richtig freue.

Gegen Ende erfahren wir, dass Mikaal und Solomon die Explosion im Chandler Building verletzt überlebt haben, The Shade mit den O’Dares Pläne entwickelt, die sich schon in der folgenden Ausgabe bemerkbar machen werden, Dr. Phosphorus einsitzt, Jackie Soul und sein Kumpan die Stadt verlassen wie auch eine blonde Frau, die ich gar nicht zuordnen kann. Das könnte allerdings Nash in Maske sein.

Redaktionelles gibt es diesmal leider nicht, dafür folgt dann in der #17 der bereits angekündigte Auszug aus The Shades Journal.

Damit kommen wir direkt zur Werbung. Eine Variante von Doom, dem Computerspiel, wird angepriesen, Musicland wirbt mit Alben von No Doubt und den Cartoons Greatest Hits, Interplay mit dem Spiel Loaded für die PS und White Wolf erneut mit Elric: Song of the Black Sword. Sony wirbt doppelseitig für Extreme Games für die PS, ein Alien Adventure Game kommt von Mindscape, White Wolf hat wieder einige Titel zu den The Immortal Eyes Chronicles am Start und Mortal Kombat 3 fordert die Leser auf dem Gegenüber Wirbelsäule und Innere Organe aus dem Leib zu reißen. Wohl bekomms.

Weil das alles zwar viel ist aber noch nicht ausreicht um den Verzicht auf einen redaktionellen Teil zu erklären, gibt es noch DC-Werbung. Diesmal geht es erneut um Batman: The Ultimate Evil, Kingdom Come, DC versus Marvel Trading Cards und den Start von Batman: Contagion.

Und weil wir mit diesem Heft an dem Punkt angelangt sind, wo die besprochenen Hefte komplett im ersten Omnibus enthalten sind, werde ich im nächsten Beitrag ein wenig dazu schreiben.

Geändert von LaLe (18.07.2021 um 21:58 Uhr)
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Alt 20.07.2021, 14:23   #34  
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Starman Omnibus Volume 1
(enthält US-Starman Vol. 2 #0, 1-16)



Wie angekündigt, will ich an dieser Stelle ein paar Worte zur Omnibusausgabe verlieren, da wir bei den Einzelheftbesprechungen an dem Punkt angelangt sind, dass die hier enthaltenen Hefte allesamt besprochen wurden. Auf die will ich nur ganz kurz mit einem Spoiler eingehen und mich anschließend dem redaktionellen Teil, der durchaus umfangreich ausfällt, widmen.



Soviel zur Handlung, die im Prinzip nichts anderes als ein siebzehn Hefte andauernder Prolog ist und “nebenbei” ein geradezu faszinierendes Worldbuilding betreibt. Bis zu diesem Punkt kannte ich sie schon, da ich vor wenigen Jahren die Softcovervariante des Omnibus geschenkt bekam. Das Hardcover konnte ich kürzlich für kleines Geld in der Bucht erstehen.

Kommen wir zu den Extras. An Zahl sind das gar nicht so viele. Es gibt ein Vorwort, zwei Nachdrucke der redaktionellen Teile der Hefte 0 und 1 und ein Nachwort, das sehr speziell geraten ist. Das gilt insbesondere auch für den Umfang.

Zu den nachgedruckten Teilen will ich gar nichts groß schreiben, da ich die in den Einzelheftbesprechungen bereits erwähnte und sich deren Inhalt auch in den Nachworten wiederfinden dürfte.

Kommen wir also kurz zur Einleitung.

Knapp die erste der beiden Seiten nutzt James Robinson um zu erklären warum das Vorwort nicht so ausfiel wie er sich das gedacht hatte. Da waren nämlich die Mächtigen bei DC davor.

“Are you insane?” the powers at DC screamed. “The thing weighs in at thirteen odd pages and you aren´t even half done. And,” they added, I thought overly cruelly, “they were very odd pages indeed.”

Also fing er alternativ mit seiner Jugend in England an und erzählte wie er sturzbetrunken einen Blick gen Himmel tat und womöglich die ersten Ideen von Jack Knight in seine Vorstellungswelt gepflanzt wurden.

Die sieben Jahre an Starman sind Teil seines Lebens geworden (wie könnten sie auch nicht) und ihm ist wichtig zu sagen, wie groß der Anteil von Tony Harris daran war, dass die Serie zu dem wurde was sie ausmacht. Alles was noch an “Piraten” kommen wird ist auf dem Mist des Zeichners gewachsen wie auch Solomon Grundy als Hauptnebenfigur, die, anders als vom Autor angedacht, mehr als nur einen Auftritt bekam. Und das seien lediglich Beispiele.

Dankbar ist er den treuen Fans, die es möglich machten diese Geschichte über mehr als 80 Ausgaben zu erzählen und dass diese nun ergänzt um alle Nebenserien und Tie-ins in einer sechsbändigen Kollektion neu aufgelegt würde.

Nun ist er nicht mehr der junge Trunkenbold, sondern einer, der sich das Taxi leisten kann. Und zusammen mit dem Smog von L. A. sorgt das dafür, dass er die Sterne nur noch selten zu sehen bekommt. Aber er erinnert sich.

Ich hoffe, das kommt im Compendium zum Abdruck. Das liest sich echt schön.

Damit wären wir beim Nachwort, das ursprünglich das Vorwort hätte werden sollen. Sinnigerweise läuft dies unter dem Titel “Times Past - an ongoing afterword”. Pun intended.

Das sind diesmal 12 Seiten, immer wieder durch Zeichnungen und Skizzen aufgelockert.

James Robinson beginnt erst einmal bei sich und damit, dass er damals weit davon entfernt war, der Mann zu sein, der er heute (2008) ist. Alles was er vorweisen konnte waren übertriebene Ambitionen dahingehend in der Comicszene wahrgenommen werden zu wollen und anderen die ihnen zuteil werdende Aufmerksamkeit zu neiden. Was ihn rettete war die Unterstützung von Archie Goodwin zu Beginn.

Er war gar nicht einmal darauf aus unbedingt Starman schreiben zu wollen. Was er wollte, war, einen Comic zu schreiben wie sie in den späten 80ern und frühen 90ern aufkamen. Comics, die das Naiv-kindliche hinter sich ließen, das Fantastische mit der Realität verbanden und “erwachsener” waren. Und er führt dann fleißig Beispiele an, allen voran natürlich Alan Moore und Frank Miller mit ihren Werken.

Dann bekam er einen Job bei Titan Books, die Gaimans Frühwerk Violent Cases vertrieben. Und jedesmal, wenn er den damals noch unbekannten Dave McKean traf, kam ihm die Sache mit dem Neid in die Quere und er schnitt ihn sobald er ihm über den Weg lief. Tatsächlich hielt er dessen Arbeit für großartig.

Dann wird es langsam unübersichtlich und man versteht was die Mächtigen bei DC meinten. James Robínson erzählt etwas sprunghaft davon welche Begebenheiten und Personen ihn letzten Endes in die Staaten verschlagen haben bevor er von seinem großen Idol Grant Morrison berichtet.

Die Rede ist von seinen ersten Arbeiten mit Zeichner Paul Johnson an der Serie London´s Dark und von Mike Lake, Teilhaber bei Titan Books, der die Schuld daran trägt, dass Robinson als Autor ins Comicgeschäft einstieg.

Eine Ausgabe dieser Serie las US-Autor Matt Wagner, der Robinson anbot ihn an der Serie Grendel zu ersetzen. Und der Kontakt zu Mark Badger brachte ihm dann von Mark Waid himself den Auftrag, eine Folge der Secret Origins zu schreiben, einer nach der Crisis on Infinite Earths gestarteten Reihe. Tim Burgard, den Robinson auf der Leserseite der # 10 bereits erwähnte, zeichnete nach seinem Skript zu “The Secret Origin of Dinosaur Island.”

Und dann bot ihm Mike Lake an ihn bei der Eröffnung eines Comicshops in Los Angeles zu unterstützen. So landete Robinson in den Staaten und bei Morrison.

Als dieser die Doom Patrol übernahm, kamen die beiden zusammen und Morrison erzählte wie er gerade die vielen surrealen und verrückten Elemente der Serie schätzte und vorhatte diese für einen Mainstreamcomic ungewöhnliche Ausrichtung beizubehalten. Und kaum hatte er den ersten Arc abgeschlossen passierte das, was Robinson als Initialzündung der erwachsenen Comics bezeichnet. DC brachte Vertigo an den Start.

Robinson beschreibt wie aus seiner Sicht die Welt der Comics begann sich in zwei Welten aufzuteilen. Superhelden auf der einen und Vertigo auf der anderen Seite. Was er zu dieser Zeit vermisste war das Mittelding, das beide Welten wieder vereinte. Zu dieser Zeit, zeichnete Archie Goodwin für eine Reihe von Miniserien verantwortlich und so kamen er, Robinson und Paul Smith zusammen. Ergebnis war The Golden Age, das Autor und Zeichner eine Nominierung für den Eisner Award einbrachte und ein weiterer wichtiger Schritt zum Starman Run wurde.

Und dann hoffte Robinson auf seine monatliche Serie. Er entwickelte Konzepte und stellte diese Karen Berger bei Vertigo (etwas um Jason Woodrue herum) und auch Marvel (eine Neudefinition von Doc Samson) vor. Zum Zuge kam er jedoch nicht.

Zu der Zeit schaute er sich die Serien noch einmal an, die von sich reden machten (Millers Daredevil, Moores Swamp Thing, Morrisons Doom Patrol) und stellte fest, dass es keine Neuentwicklungen waren sondern dass sich ein Autor einer präfinalen Serie annahm und diese zu neuem Leben erweckte. Und dann fiel sein Blick auf Starman, zu der Zeit in der Will Payton-Inkarnation. Eine Serie, die sich aus Gründen, die Robinson nicht nachvollziehen konnte, schlecht verkaufte.

Was ihm auffiel war, dass alle bisherigen Starmen in keinerlei Verbindung zueinander standen. Anders als andere Superhelden bei denen ganze Generationen miteinander agierten. Beispielsweise der Flash, wo Jay Garrick, Barry Allen und Wally West gemeinsame Auftritte hatten. Und so entwickelte er Pläne wie Will Payton und die Knights zusammenkommen könnten an einem extra dafür geschaffenen Ort und erzählte Archie Goodwin davon. Die Resonanz war überschaubar. Und dann wurde die Serie abgesetzt und Will Payton starb. Letzteres geschah in der Miniserie Eclipso: The Darkness Within.

Robinson war aufgeregt und rief Goodwin an er möge den Charakter für ihn reservieren. Wie sich herausstellte hatte er dies aber bereits getan. Angedacht war eine vierteilige Miniserie (der Storyarc “Sins of the Father”) und sollte sich die verkaufen eine Ongoing. Archie Goodwin brauchte dazu das Go eines zweiten Verantwortlichen. Den fand er in Mike Carlin, der gleich das Okay für eine Ongoing gab.

Dann brauchte es noch einen Zeichner. Robinson hatte zwei Anforderungen.

Erstens müsste er mit Schatten und Dunkelheit arbeiten können, da Starman als Held der Nacht konzipiert und von Jack Burnley und Mort Meskin im Golden Age entsprechend gezeichnet wurde. Möglicherweise ein Grund weshalb Will Payton nicht funktionierte, der eher wie die bunten Superhelden gestaltet wurde.

Zweitens müsste er in der Lage sein monatlich zu liefern. Und so kam man auf Tony Harris. Damit trafen zwei nicht ganz einfache Charaktere aufeinander aber irgendwie fanden sie einen Weg ihr gemeinsames Baby zu dem zu machen, was es letztendlich wurde. Und es war beider Baby.

Die Times Past Hefte (zwei davon hatten wir bereits) baute Robinson in seinen Run ein um zum einen Opal City zu dem historischen Ort zu machen, der die Stadt von Beginn an war und um Tony Harris Spielraum zu geben sich künstlerisch auszutoben.

Und so entstand die Serie, die Robinson immer schreiben wollte und von der er glaubte, dass DC sie bräuchte. Und es steckt eine ganze Menge von ihm selbst mit drin, nicht zuletzt sein Vintage-Faible, das er mit Jack Knight teilt.

Hier betont er dann noch einmal wie wichtig ihm die Ausgestaltung von Opal City als einem fiktiven Ort war. Und wie stolz er darauf ist, dass Grant Morrison und Mark Millar dies nach ihm mit Vanity, Oregon für Aztek taten.

Für diesmal beendet er sein Nachwort mit einer Danksagung an alle Menschen, die ihm in der Zeit an Starman begegneten und diesen sieben Jahre andauernden Run möglich gemacht haben.

Aufgelockert wird dieser ausschweifende Monolith von einem Nachwort durch viele Zeichnungen. Darunter alternative Cover und Konzeptzeichnungen zu Jack, The Shade, Nash, Kyle, The Black Pirate (der kommt noch), Ted Knight, Bliss, Crusher, Ragdoll und Babaloo, dem Dämonenaffen.

Der Omnibus selbst ist auch im Hardcover angenehm zu lesen. Mit 17 Heften ist der weit von den Handgelenke brechenden Kloppern entfernt, die sonst so unter dieser Bezeichnung laufen und unter dem Schutzumschlag findet man das Cover nochmal ohne Schriftzüge. Sehr schön.

Und damit bin ich am Ende des ersten von geplanten sieben Meilensteinen angelangt und werde eine kleine Pause einlegen. Auch weil die DC Showcase Ausgaben noch nicht angekommen sind, die im zweiten Omnibus enthalten sind. Zu lang wird die aber nicht werden, da ich kaum erwarten kann Neuland zu betreten. Den ersten Omnibus kannte ich schon, der zweite ist mir komplett unbekannt.

Bis dahin versuche ich mich vielleicht an Aztek oder Kid Eternity von Grant Morrison.

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Alt 02.11.2021, 09:58   #35  
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Showcase ´95 12 - Incident in an Old Haunt



Autor: James Robinson
Zeichner: Wade von Grawbadger
Erschienen: Dezember 1995



Endlich geht es hier weiter, nachdem ich dieses Heft im zweiten Anlauf erfolgreich habe erwerben können. Der erste Versuch endete leider mit einer Rückabwicklung.

The Shade wird abseits der Starman-Serie in die Ereignisse um das Event "Underworld Unleashed" verwickelt und trifft dabei auf Neron, die Kraft hinter der entfesselten Hölle. Eigentlich diente sein Ausflug jedoch Recherchen zu einem Sachverhalt, der uns in künftigen Heften weiter beschäftigen wird. Die Suche nach dem Dämon, der mittels eines Plakats immer wieder Menschen entführt und tötet. Hiervon berichtete er Jack in US-Starman 10.

Die Handlung spielt inmitten der Ereignisse des Fünfteilers "Sins of the Child" in dessen Verlauf The Shade gerade rechtzeitig zurückkehrte um Hope O`Dare zu retten (US-Starman 14) und ergänzt diese gut. Dass die in den Omnibussen zu Beginn des zweiten Bandes angeordnet wird passt insofern ganz gut, als hier die Story um den Dämon Merritt erst so richtig beginnt und gleich in US-Starman 17 fortgesetzt wird.

Ansonsten bietet diese Ausgabe der Antholoigiereihe DC Showcase, die es in den Jahrgangsausgaben ´93 bis ´96 auf 48 Hefte brachte, Storys über Supergirl und die mir bis dato völlig unbekannte Figur Maitresse.

Die Geschichte um Supergirl wurde von Charles Moore geschrieben und Phil Jimenez gezeichnet und erzählt wie Kara mit den Hinterlassenschaften einer außerirdischen Invasion kämpft. Dabei gewinnt die noch unsichere Superheldin die Sympathien der Bewohner der Stadt Charlotte und wählt diese als Heimat.

Chris Claremont und Alan Davis zeichnen für die Story um Maitresse verantwortlich, eine Figur, die der Autor für seinen Run an den Sovereign Seven entwickelte. In der hier enthaltenen Geschichte erfüllt sie eine alte Verpflichtung indem sie Darkseid aus dem Quellenwall befreit. Wenn ich das richtig weiß, der letzte Auftritt dieser Figur. Die Story ist dem 1994 verstorbenen Neal Pozner gewidmet (siehe auch den Beitrag zu US-Starman 0).

Ansonsten bietet der Band neben der Leserseite nicht mehr viel. Product Placement gibt es für Advanced Dungeons & Dragons, Automobilmodelle von Monogram mit einem limitierten Batmancomic, das Spawn Videogame, den Nintendo Gameboy und Nerf, die Plastikballergerätschaften.

DC-relevante Werbung gibt es für die Folgeserie Showcase ´96, das Pinky and the Brain Christmas Special sowie ein Batman Forever Game namens "Double Disc of Doom" von Tiger Electronics.

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Alt 04.11.2021, 16:11   #36  
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Starman 17 - Encounters



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: März 1996



Dieses Heft nutzte James Robinson um ein wenig aufzuräumen und ganz viel an schon begonnenen Handlungsfäden aufzugreifen und auch neue zu beginnen. Auf die Fortsetzung der Jagd auf den Plakatdämon werden wir aber noch ein wenig warten müssen. Der Gang durch das Plakat ist ein kleiner Cliffhanger.

Neben dieser größeren Handlung sind es aber die vielen Kleinigkeiten, die sich in wenigen Panels oder Seiten zeigen, die diese Ausgabe zu einer sehr lesenswerten und stimmungsvollen machen. Nehmen wir einmal Jacks Liebesleben. Die erstmals auftretende Lucy beendet ihre On-Off-Beziehung mit Jack, Charity zeigt wenig Interesse an einer amourösen Beziehung zu ihm und zufällig stolpert er mal wieder über Sadie Falk, die Dame, von der er hofft, sie möge regelmäßig ihre Tage haben wenn er auf sie trifft, in der Hoffnung, er erwische sie in ihren schlechten Phasen.

Dann geht es um die O´Dares ebenfalls weiter. Neben der Zusammenarbeit mit The Shade wird Clarence vom neuen Commissioner Woo zum Superheldenbeauftragten ernannt. Sein Ziel ist, mit Starman zusammenzuarbeiten wie Gordon in Gotham mit Batman.

Erstmals aktiv wird der Black Pirate, ein Charakter, den Robinson aus den Untiefen des Golden Age gehoben hat und den Jack erstmals in US-Starman 7 in einer Vision sah. Der wird uns noch ein wenig erhalten bleiben.

Charitys Blick in die Zukunft wiederholt vieles, das wir schon einmal gehört haben. Jack wird zu den Sternen gehen weil er eine Bitte nicht abschlagen kann und er wird einen Sohn haben. Die Begegnung mit dem geflügelten Mann wird womöglich nicht zustande kommen und an zwei Zeitpunkten könnten falsche Entscheidungen seinerseits letale Folgen haben. Ansonsten solle er mehr in sich hineinhören.

Bevor es aber wieder richtig in die Vollen geht, stehen uns erst einmal ein weiteres Times Past-Heft und ein Talking with David-Heft ins Haus.

Kommen wir zum Drumherum. Anstelle der Leserseite gibt es mal wieder einen Auszug aus The Shades Journal. Da arbeite ich gerade an der Übersetzung.

Bleibt für diesen Beitrag also nur die Werbung für Ckive Barkers “Lord of Illusions” als VHS, Ministrys “Filth Pig” (großartiges Album), Musicland, Hellraiser Bloodline und Loaded für die Playstation.

An DC-relevanter Werbung gab es welche für die Batman Master Series Trading Cards von SkyBox, Batman Forever als Pay per View, Simon and Kirby Collections zu Fighting American und Boys´ Ranch, Kingdom Come und die Batman and Robin Adventures.

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Alt 11.11.2021, 17:41   #37  
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Aus The Shades Journal

Am heutigen Abend steht das Licht wie ein liebliches Seufzen über Opal. Ich weiß nicht ob das, was ich hier beschreibe, den Tatsachen entspricht oder ob es nur meine Stimmung ist, die mir die Nacht derart erscheinen lässt. Früher am Tage hatte ich aus dem Fenster geschaut und eine tote Drossel auf der Leiste liegen sehen. Zunächst wirkte es auf mich als würde sie schlafen, die Art und die süße Stellung in der sie dort lag, die so nur Babies und kleinen Tieren zu eigen ist. Bis zu dem Zeitpunkt da dieser Eindruck zu lange währt und dem Betrachter klar wird, dass das kleine Ding tot ist und kein Gott und kein verrückter Wissenschaftler etwas daran ändern kann.

Einst verabscheute ich Tiere. Als ich noch sterblich war, taugten sie bestenfalls dazu von mir verspeist zu werden. Rinder, Igel, Schafe, Pferde und Hühner waren feine Sachen, auf dem Teller, aber solange sie lebten - und mithin stanken - fand ich sie abstoßend. Sofern ich sie nicht gar fürchtete. Speziell Hunde empfand ich als ungenießbare und dumme Kreaturen, die man besser mied. Katzen waren nicht so lästig aber nicht weniger abscheulich. Einst las ich von dem großen Katzenmassaker in Paris, einige Jahrzehnte vor der Französischen Revolution. ich erinnere mich wie ich Charles darauf ansprach ob man derartiges nicht in London wiederholen könnte.

Ich weiß nicht, wann sich meine Sicht auf diese Dinge änderte. Bin ich bösartig? Ich frage mich das weil sich diese beiden Pfadfinder, Barry und Jay, einmal derart äußerten. Die beiden haben allerdings nicht die geringste Vorstellung von den vielen Graustufen, die das Leben auszeichnen. Für sie war jeder, der sich nicht wie ein Weißer der 40er und 50er Jahre verhielt, jemand, der außerhalb des gesellschaftlichen Konsens stand und damit per se "böse" war. Als ich dann mit meinen Raubzügen begann, entschieden sie, dass dies auch auf mich zutraf. Erst Garrick und dann sehr viel später Barry. Ich war mir meiner Boshaftigkeit nie so sicher, sagte mir dann aber wenn die beiden das so sehen...

"Also gut, wenn ihr das sagt, dann will ich der Indianer in eurer Wildwest-Geschichte sein. Wie es euch beliebt."

Ich erinnere mich an eine Begegnung mit einem anderen Helden, Tarantula, Jonathan Law. Er schrieb an einem Buch über uns, die wir über besondere Kräfte verfügten. Ganz ohne Hintergedanken und mit erhobenem Olivenzweig bat er mich um ein Treffen.

Und wir redeten.

Jonathan Law war ein besessener Zeitgenosse mit einer geradezu finster anmutenden Ausstrahlung. Seine Freundin hatte ihn gerade verlassen, so vermutete ich, und er ließ sich gehen. Es ging mit ihm offenkundig zu Ende und die Arbeit an dem Buch war alles, das ihn noch bei Verstand hielt.

Und wir redeten.

Dann fing er an über unmoralisches Verhalten zu reden. Ich war ... bin weder gut noch böse. Ich stehe über diesen Dingen, jenseits der Moral Sterblicher. Das mag ein wenig selbstgefällig klingen. Womöglich wirkt dies wie eine Art Rechtfertigung oder Entschuldigung. Ich bin mir sicher, die Hälfte der Verrückten und Verbrecher, die dingfest gemacht werden, behaupten von sich dasselbe. Machte mich meine Unsterblichkeit zu etwas Besserem als diese Sterblichen, lange tot, an deren Grundsätze sich die Gesellschaft noch immer klammerte? Das fragte ich Jonathan Law im Gegenzug. Rein rhetorisch. Ich bin mir nicht sicher ob ich die Antwort hierauf weiß und ich bezweifle, dass ich mich mit dieser Frage länger und intensiver beschäftigen sollte. Sein wie ich bin. Leben wie ich lebe. Und sollte ich Gott ein zweites mal treffen, dann soll sein Urteil über mich ausfallen wie es ihm gefällt.

Jetzt, in meiner unsterblichen Form, habe ich den Tod vieler Menschen herbeigeführt. Bin ich dessen aber schuldig? Ich denke nicht. Einige von ihnen - ich würde so weit gehen zu behaupten die meisten - waren bösartig und verdienten was ihnen zustieß. Einige wenige nicht. Manche waren unschuldig. Nachtwächter. Polizisten. Der Bäcker mit den "erotischen" Küchlein. Ein Archäologe, der mich 1905 vom Schatz des Pharao fern halten wollte. Und ja, es gab da den Mord an Louis B. Mayer, bedrängt von Hollywood und der L.A. Police und schon lange überfällig. Egal. Es war Rache für das was er meinem alten Freund John Gilbert angetan hatte.

Und wie oft ich es auch tat, ich habe es nicht einmal auch nur im Ansatz bedauert oder gar bereut. Ein Tier habe ich hingegen noch nie getötet. Als ich noch sterblich war, hasste ich sie, doch irgendwas an meiner Transformation zu dem Unsterblichen, der ich heute bin, änderte meine Sicht auf die Vierbeiner. Im Fernen Osten gibt es Religionen, die behaupten, Tiere seien weniger wert weil sie Gott ihr Hinterteil zuwenden. Nachdem ich ihn einmal getroffen habe würde ich diese These bestreiten wollen.

Hinzu kommt, das Tier, das ich einst am meisten verabscheute, der Hund, ist mir nun die liebenswerteste Kreatur. Ich glaube, dass Hunde Gottes Weg sind uns zu zeigen, dass er ... sie ... es wirklich existiert. Wenn etwas fehlerbehaftetes wie die Evolution etwas ebenso fehlerbehaftetes wie den Menschen hervorbringt, dann kann allein eine höhere Macht so etwas Reines und Perfektes erschaffen wie den Hund.

Es gibt diesen alten Mythos, der besagt, dass Mensch und Tier einst eins waren. Dann wurde offensichtlich, dass der Mensch nicht wie die anderen Tiere war und diese wandten sich gegen ihn. Eine Linie wurde gezogen und auf der einen Seite fanden sich die Tiere, auf der anderen der Mensch.

"Du bist anders als wir und kannst nicht Teil unserer Gemeinschaft sein." sagte der König der Tiere.
"Du kannst niemals sein wie wir. Und kein Tier wird dir beistehen, denn sollte es dies tun würde es ebenfalls aus der Gemeinschaft der Tiere ausgestoßen und müsste das Schicksal des Menschen teilen. Es müsste beim Menschen leben und hätte mit seinen früheren Gefährten nichts mehr gemein."

Es herrschte Stille und die Worte lagen schwer in der Luft. Ein solches Schicksal fürchteten alle Tiere und niemand würde dieses auf sich laden wollen. Die Stille hielt eine Weile an, dann trat ein Tier hervor, überschritt die Linie um sich zum Menschen zu gesellen und wich seither nicht mehr von seiner Seite.

Es war der Hund und niemand, der je die Liebe eines Hundes erfahren hat, wird ernsthaft bezweifeln, dass es sich einst genau so zugetragen hat.

Gerne hätte ich einen Hund gehabt, doch ihre Lebensspanne ist zu kurz bemessen und ich lebe ewig. Der Gedanke daran, diese reine Freundschaft nur für kurze Zeit zu erfahren, ist selbst für mich zu düster. Und das will etwas heißen. Kipling schrieb einst, dass einen Hund zu haben bedeute, dass man eines Tages weinen werde. Ein Freund wäre nicht mehr an deiner Seite und hinterließe eine Leere. Ich könnte eine solche Leere nicht ertragen. Ich kann mich nicht mehr erinnern wie es ist zu weinen und bin herzlich abgeneigt diese Erinnerung aufzufrischen.

Die Tränen und die Liebe überlasse ich gerne anderen und erfreue mich an ihnen aus der Ferne. Und Gnade denen, die in meiner Gegenwart Hunde misshandeln. Ich habe in der Anwendung meiner Schattenkreaturen eine derartige Meisterschaft entwickelt, dass die spanischen Inquisitoren angesichts der andauernden Qualen, die von Inspiration und quälender Wildheit meiner Kunst zeugen, vor Neid erblassen würden. Aber selbst das wäre nur ein schwacher Abglanz davon, was denen widerführe, die einen Hund misshandeln.

Das bringt mich zurück zu der Drossel auf dem Fenstersims. Es war kein Hund, doch der Vogel war tot und das machte mich auf eine Weise traurig, die ich jetzt erst, wo ich dies schreibe und darüber nachdenke, so richtig verstehe.

Und so wirkte der Tag auf mich verzerrt und auf eine Art müde als er in eine lustlose Nacht überging.

Wie auch immer Jack, wenn du das hier liest und es dir wie ausschweifendes und zielloses Geschreibsel vorkommt, kann ich dir nur beipflichten. Ich habe aber auch nie behauptet, dass meine Aufzeichnungen eine Anhäufung aufregender Geschichten seien, oder?

Gedankenspiele sind Gedankenspiele, manche bringen großartige Gedanken hervor, andere nicht.

Jetzt aber!

... Wenn du etwas Lesenswertes haben möchtest. Ich werde etwas darüber erzählen wie ich einst für Howard Hughes arbeite. Das war 1943 und es begann in Hollywood. Ich kehrte gerade aus London zurück, wo ich Captain X, einen jungen amerikanischen Fliegerhelden, unterstützt hatte. Zurück in Opal sah ich mich mit fünf von Hughes´ Männern konfrontiert, die versuchten mich zu entführen. Unglücklicherweise waren sie ähnlich ungeschickt darin ihr Begehren vorzutragen wie ich schnell darin war eine fatale Fehlentscheidung zu treffen.

Drei von ihnen starben bevor mir der vierte erklären konnte, dass Hughes meine Hilfe benötigte und nicht vorhatte mir irgendwie zu schaden. Er bezahlte gut und so entschied ich mich ihm zu folgen. Hin zum Smog, den Palmen und den Wellen des Pazifiks.

Für Hughes begann alles damit, dass ein Greif versuchte ihn zu verschlingen. Einer seiner Angestellten hatte dann das zweifelhafte Vergnügen an seiner Statt als Mahlzeit für das Fabelwesen herzuhalten. Der Vorfall war für Hughes aber aufregend genug um auch ihn zum Zittern zu bringen.

Wenige Tage später war Hughes erneut Ziel einer solchen Attacke. Diesmal versuchte ihn ein riesiges weißes Kaninchen vom Himmel zu holen als er einen Testflug absolvierte. Hughes konnte ihm gerade noch ausweichen und nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass der Angreifer eine nicht weniger gigantische Uhr an einer Kette bei sich trug.

Merkwürdig und merkwürdiger höre ich dich murmeln.

Dasselbe sagte ich mir mehrfach als ich mit meinen Nachforschungen begann, als ich Zeuge eines Pistolenduells zwischen Micky Cohen und einem verrückten Hutmacher wurde oder als ich Ava Gardner vor zwei psychopathischen Zwillingen beschützte ...




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Alt 12.11.2021, 15:38   #38  
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Starman 18 - First Joust



Autor: James Robinson
Zeichner: John Watkiss
Erschienen: April 1996



Dieses Heft ist eine weitere Times Past-Erzählung, die über die Aufzeichnungen von The Shade wiedergibt wie Starman Ted Knight und The Mist erstmals aufeinander trafen und zu den Erzfeinden wurden, deren Auseinandersetzung sich über Jahrzehnte hinzog und schließlich auf ihre Nachkommenschaft übersprang. Da wird ein schöner Bogen nicht nur in die Historie des DCU geschlagen sondern auch zum Beginn von Robinsons Run, dem Auftaktvierteiler "Sins of the Father" und der Storyline "Sins of the Child". Das schafft insbesondere das letzte Panel in dem Ted Knight seine fünf Unterstützer, Captain Red Bailey, Cardiff Mayhew, Dr. Bill Delaney, Wilson May und Sam Doonie in einen Unterschlupf von The Mist führt und dessen Errungenschaften vorzeigt. Die fünf Unterstützer, die Nash auf der erfolglosen Suche nach dem Orden ihres Vaters 50 Jahre später allesamt tötete.

Ich finde es immer wieder spannend zu lesen wie Robinson mit vielen kleinen Anspielungen, die nach und nach ineinander greifen, einen Kosmos aufbaut, der völlig neu ist, dabei aber mit einer Leichtigkeit den Eindruck erweckt etwas seit Dekaden andauerndes wiederzugeben, so dass es eine wahre Freude ist. Insofern freue ich mich auch schon auf das kommende Heft, das zweite "Talking with David".

In der Einleitung erwähnt The Shade noch einmal seine Erlebnisse mit Captain X während des zweiten Weltkriegs in England, etwas, das gerade erst in seinem Tagebuchauszug in der vorherigen Nummer zur Sprache kam. Er klärt dabei auch gleich auf, warum er früher im ersten uns bekannten Tagebuchauszug (US-Starman 7) schrieb, dass er London bereits 1891 endgültig den Rücken kehrte. Er schämt sich seines früheren Patriotismusses. Und es tauchen noch viele Anspielungen mehr auf, so z. B. auf Sandman Wesley Dodds, der in Kürze auch eine Rolle spielen wird.

Interessant fand ich auch die Erwähnung, dass Ted Knight in jungen Jahren eine auch physisch stark beeindruckende Erscheinung gewesen ist und seine Auseinandersetzungen mit Schurken aller Couleur nicht nur mit Köpfchen bestritt. Etwas, das man sich kaum vorstellen kann wenn man den alten Ted Knight sieht.

Die Zeichnungen von Watkiss, der Harris eine kleine Verschnaufpause verschafft, fügen sich gut in die Geschichte ein und kommen kantiger daher als die des Stammzeichners.

Kommen wir zur Leserseite "Lost in the Stars". die leitet Robinson mit einem schönen Satz ein: "I have no questions about Japanese animation, or eulogies for dead actors this issue...".

Es folgen dann auch fünf Leserbriefe von denen sich der erste überwiegend mit den Leiden eines Sammlers befasst, der in jungen Jahren das Geld brauchte und nun wieder dabei ist sich zum zweiten mal eine Sammlung aufzubauen.

Die weiteren Leserbriefe befassen sich dann mit den Heften bis US-Starman #11 und äußern sich durchweg lobend über die bisherige Entwicklung der Serie. Nicht ohne auch ganz persönliche andere Dinge der Schreiber zur Sprache zu bringen.
Ob es nun eine Teddy Pendergrass-Referenz ist, die mir entging, Leseempfehlungen für u. a. "The King in Yellow", Fu Manchu oder Romane von James Baldwin oder geeignete Hintergrundmusik von Björk, eine Ansicht, die Robinson nicht ganz teilt.

Damit ist dann aber auch schon wieder Schluss und in der Folgenummer geht es schon wieder mit The Shade`s Journal weiter...

Werbung wurde geschaltet für Paradise Losts Album "Draconian Times", das ich einst wegen des Covers kaufte und das mich mit dem ersten Hören für die Band begeisterte, Musicland mit Alben von Ruby und Stabbing Westward, erneut Simon & Kirby The Legend, die Comic Buyer´s Guide Fan Awards 1996 und das Game Vampire: The Dark Ages.

DC-relevantes wurde beworben mit Kingdom Come, Batman Forever im Pay-TV, New Gods #7 von Rachel Pollack (?), den Start von Hitman, Batman - Shadow of the Bat #50 und einer Ankündigungsseite für Neuerungen nach dem Amalgamuniversum.

Geändert von LaLe (12.11.2021 um 20:39 Uhr)
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Alt 15.11.2021, 14:36   #39  
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Starman 19 - Talking with David, ´96



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Juni 1996



Dies war die zweite Geschichte um ein Treffen zwischen Jack und seinem verstorbenen Bruder David nach der ersten Begegnung in US-Starman 5. Dank der Annäherung und Aussprache beim letzten Treffen gehen die beiden gleich ganz anders miteinander um. Abseits der Spielereien wird aber wieder deutlich, dass diese Treffen auch einen Zweck verfolgen, der Jack in die Lage versetzen soll seine künftigen Aufgaben besser angehen zu können. Hier ist es die ominöse Andeutung darauf, dass ihn das Piratenspiel auf etwas Kommendes vorbereiten soll. Ein Zusammenhang mit dem Auftauchen des Black Pirate in US-Starman 17 dürfte offensichtlich sein.

Die Stunde mit der verstorbenen Mutter rührte mich ähnlich stark an wie seinerzeit im Kino die entsprechende Szene in "A. I.". Das ist für mich emotionales Gefühlskino in Reinkultur und wen so etwas kalt lässt, der ist tot. Im Übrigen dürfte das die Erfüllung einer Vision von Charity aus US-Starman 12 sein (ein Geschenk des verstorbenen Bruders).

Damit sind die Aufräumarbeiten nach dem Fünfteiler "Sins of the Child" beendet und die Figuren für Kommendes aufgestellt. Es folgt nämlich die preisgekrönte Storyline "Sands and Stars" auf die ich mich schon richtig freue. Vorher biegen wir aber nochmal zu The Shade ab, der ein gemeinsames Abenteuer mit Dr. Fate bestreiten wird. Obwohl ich den zweiten Teil nicht im Originalheft vorliegen habe, werde ich dort wohl keine Pause einlegen. Über den zweiten Omnibus und das Compendium liegt mir der Zweiteiler komplett vor. Zum zweiten Teil werde ich dann das ganze Drumherum später nachpflegen, wenn ich Showcase ´96 5 mal in die Finger bekommen sollte.

Die in der letzten Ausgabe eingeführte Seite "Watch this Space" wartet diesmal mit Berichten /Ankündigungen auf zur Comic Con in New York, kommenden Gastzeichnern für einzelne Cover wie z. B. Frank Miller, ein besonderes Geschenk für Neil Gaiman anlässlich der Veröffentlichung der finalen Nummer von Sandman sowie spannendes Zungenzählen bei der Legion (fragt ruhig).

Die Leserseite entfällt wieder, dafür gab es erneut einen Auszug aus The Shade´s Journal (Übersetzung folgt).

Kommen wir zum Kommerz. Beworben werden das Spiel Descent II für die Playstation, die neue Staffel Tales from the Crypt, Musicland mit Alben von Jewel und Bad Religion, der Cult Craze Studio Store mit Merchandisingartikeln wie T-Shirts, Mousepads und Tassen sowie The Crow: City of Angels. Massig Erinnerungen kommen mir bei der ganzseitigen Werbung für Middleearth The Wizards auf, ein Trading Card Game, das ich einst recht exzessiv gespielt habe, diverse Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften inklusive wo ich mich auch mit späteren Weltmeistern messen durfte. Legendär waren meine Decks zum König unterm Berg und den gefallenen Zauberer Saruman.

Beworbene Eigenprodukte sind die neue Ongoing zu Takion (von Paul Kupperberg und Aaron Lopresti), drei 96er Annuals zu Supergirl, Robin und Green Lantern unter dem Banner von Legends of the Dead Earth und Starman himself.

Geändert von LaLe (07.12.2021 um 13:01 Uhr)
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Alt 27.11.2021, 20:46   #40  
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Aus The Shades Journal

"Was machen Sie denn für ein langes Gesicht, Mr. Black?"

Spencer Kilne sprach mich eines Wintermorgens derart an. Wir begegneten uns auf der Dart Street, einer engen Gasse, die sich den Vorwurf der dreisten Kühnheit gefallen lassen müsste, sollte sie je auf die Idee kommen sich als mehr denn das zu sehen. Irgendein Stadtplaner muss während einer Weihnachtsfeier zu tief ins Glas geschaut haben, als er auf den Gedanken verfiel, die Dart Street als Straße zu bezeichnen. Aber dort waren wir nun. War ich. Wir schrieben das Jahr 1943.

"Ein langes Gesicht? Das muss mir bislang entgangen sein," antwortete ich mit einem leichten Fingerspiel um das Kinn herum. "jedenfalls soweit ich etwas derart beschreiben würde. Sollten sie damit also auf meine Gesichtsanatomie anspielen wollen, so muss ich sagen, dass mein Einfluss darauf denkbar gering ist."

Ich lächelte leicht, gleichwohl mir Kilne herzlich gleichgültig war. Sein Atem roch nicht wirklich angenehm und genauer als mit dieser vagen Umschreibung kann ich es nicht benennen. Ich konnte dem von ihm ausgehenden Odeur zumindest keine Mahlzeit zuordnen und hatte auch keinerlei Interesse dem weiter nachzugehen. Es war schlicht unangenehm diesem ausgesetzt zu sein, erst recht in einer solch engen Gasse wie der Dart Street, ohne große Ausweichmöglichkeiten. Oder gar vor dem ersten Kaffee, den ich im Französischen Viertel einzunehmen gedachte. Aber ähnlich einem Hahnrei oder schlecht rasiertem Mann fehlt denen mit schlechtem Atem das Gespür für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Spencer hatte mich am Wickel und hegte keinerlei Absicht seine Gesellschaft zu einer für mich positiven Erfahrung zu machen.

“Sie wirkten bedrückt, war alles was ich damit sagen wollte”, und mit diesen Worten trat er unglücklicherweise noch dichter an mich heran.

“Ich bin noch nicht lange wieder in der Stadt und versuche erst einmal anzukommen. Ich war wohl tief in Gedanken versunken.” Ich nahm an Spencer mit einer solchen Aussage über ihm sicher fremde tiefergehende Gedankengänge abwimmeln zu können.

“Sie haben doch genug Geld.” Er sagte das so als meinte er, Geld würde einen davon abhalten tiefergehende Gedanken zu hegen - und auf ihn, dessen Familienname ihm einen Platz in der ersten Reihe des gesellschaftlichen Rankings von Opal verschaffte, traf dies sicher zu.

Ich hatte mit seiner Familie geschäftlich zu tun und seine Eltern hielten es für hilfreich ihn mit diesen zu betrauen damit der Idiot etwas halbwegs sinnvolles mit seiner Zeit anzufangen wüsste. Seine größte Leistung war bis zu diesem Tag allerdings das Nacktbad mit Mimzi Gadaton - dem ebenfalls idiotischen Spross einer anderen von Opals angesehensten Familien.

Während der jährlichen Regatta, ausgerichtet von den Chumleys, einer weiteren einflussreichen Familie, sprangen die beiden in die Fluten der Seven Colors. Mit nichts als einer Champagnerflasche zwischen sich, deren Inhalt das unerschrockene Pärchen im Wasser zu sich zu nehmen gedachte, gaben die beiden ein starkes Statement für die Mode. Die Zuschauer jubelten gleichwohl sie Spencers aschfahlen und wenig strammen Bauches angesichtig wurden wie auch Mimzis mit denselben Eigenschaften versehenen Hintern.

“Wie verrückt die beiden doch sind”, riefen die Zuschauer. “Wie sportlich.” “Diese Kinder.” “Das gehört in jede Zeitung, haha.”

Dort landete das dann auch und nicht nur in den Klatschspalten. Das unerschrockene Duo hatte bei seiner Wahnsinnstat das ein oder andere außer Acht gelassen. Zunächst einmal hatten wir Herbst und die nächtlichen Wasser der Seven Colors befanden sich nahe dem Gefrierpunkt. Dann waren die Seven Colors für ihr kabbeliges Wasser bekannt. Mimzi mag eine ganz passable Plantscherin im öffentlichen Schwimmbad sein, einer Esther Williams würde sie aber wohl kaum das Wasser reichen können. Und schlussendlich ist eine Champagnerflasche etwas, das sich aufgrund seines Gewichtes hervorragend dazu eignet von einem wild um sich rudernden Spencer dazu zweckentfremdet zu werden sich selbst bei dem Versuch Mimzi über Wasser zu halten, auszuknocken.

Die Wasserschutzpolizei wurde gerufen und alles schien sich in Wohlgefallen aufzulösen - abgesehen von Mimzis Tändelei mit einem der Polizisten, die Wochen später bekannt wurde und Oatsie Van Kleet, einen weiteren Sprössling einer reichen Familie, dazu veranlasste, mit gebrochenem Herzen auf das Chandler Building zu steigen und ausgestattet mit einem Revolver und reichlich Brandy zu versuchen sich das Hirn wegzublasen. Wenig erfolgreich übrigens. Der arme Junge kam mit einem über Wochen anhaltenden Klingeln im rechten Ohr davon.

Wie auch immer, Spencer stand nun vor mir mit der erkennbaren Absicht mir weiter meine Zeit zu stehlen obwohl ich erkennbar mit den Füssen scharrte und einen leichtsinnigen Versuch unternahm ihm deutlich zu machen, dass ich andere Pläne hatte.

“Ich weiß wie wir sie aufmuntern können,” sagte er, alles ignorierend was ich ihm über meinen Gemütszustand mitzuteilen versucht hatte. “Karten.”

“Karten?” antwortete ich.

“Eine Runde Rommee.”

“Nein. Nicht zu dieser Tageszeit. Da nehme ich normalerweise meinen Kaffee zu mir. In diesem Augenblick wird vermutlich gerade das spezielle Aroma ziehen meiner Tasse ziehen und sich der Eigentümer des Ladens wundern wo ich denn bleibe.”

Hast du je den Wunsch verspürt, Worte seien wie billige Perlen, die von einem kaputten Armband rutschen, du aber noch die Gelegenheit hast sie aufzufangen? Mit Worten, erst einmal ausgesprochen, ist das einzige das bleibt, dieses schlechte Gefühl im Magen, das sich auch jetzt einstellte als ich sah, wie sich Spencers Augen weiteten. Diesmal hatte er verstanden.

“Kaffee?”

“Ja.”

“Kaffee, Kaffee, Kaffee.” Er wiederholte es ständig, ganz so als müsste er es für einen späteren Vortrag auswendig lernen. “Wir sollten diesen Kaffee gemeinsam genießen, Mr. Black. Es ist kalt um diese Jahreszeit und wir sollten dafür Sorge tragen, dass es uns wieder warm um Wange und Herz wird.”

Es war die pure Gier, die in diesem Augenblick Spencers Leben rettete, denn wie ich schon sagte, geschäftlich war ich mit seiner Familie verbunden. Spencers Unfähigkeit auf diesem Gebiet war für mich sehr einträglich, sehr viel einträglicher als noch zu den Zeiten, da ich diese mit seinem Vater, ein ernsthafter Konkurrent im Geschäftsleben, tätigte. Ich mag mir nicht vorstellen, was ich sonst getan hätte. Mord ist Mord, oder? Aber verdammt, Kaffee ist Kaffee, und diesen in Verbindung mit hohlem Gewäsch zu sich zu nehmen sollte mit dem Tode bestraft werden. Liege ich da falsch? Bin ich zu hart? Vielleicht.

Aber an diesem Tag hatte Spencer einen Schutzengel, selbst in der verlassenen Dart Street. Und so stieß ich einen Seufzer aus und begann mich in Richtung des bald bedauernswerten Franzosen mit den großartigen Kaffeebohnen zu bewegen als…

… ich die Stimme des Mannes vernahm, den ich als Sam Mild kennenlernen sollte.

“Wir haben sie gesucht, Black. Sie kommen jetzt mit uns.”

Spencer und ich drehten uns um und sahen uns fünf Männern gegenüber. Sie waren alle gut gekleidet, wenngleich nicht gut aussehend … ausgenommen vielleicht Mild selbst, der über eine kantige Art verfügte, die manche Frauen reizvoll finden mögen. Die Schuhe waren geputzt und blitzten, alle trugen Fedorahüte in Varianten von dunkelgrau und dunkelbraun. Und sie alle trugen Revolver. Glänzend. Neu.

Ich hob eine Augenbraue als ich sie sah. Spencer gab ein Geräusch von sich wie ein kleines Kind, dem man mit dem dunklen Keller drohte.

“Und mit wem habe ich das Vergnügen”, fragte ich ruhig.

“Das soll sie nicht kümmern. Steigen sie in das Auto.” Mild deutete mit dem Kopf hinter sich wo ein sechster Mann am Ende der Dart Street stand, neben sich die offene Tür eines schwarzen Ford.

Das war der Augenblick als Spencer auf die Knie ging und sein Gesicht einen länglich wirkenden Ausdruck bekam. “Tun sie uns nichts! Entführer! Mörder! Ich habe Geld! Meine Eltern haben Geld! Töten sie uns nicht!”

Ich würde lügen, gäbe ich nicht zu Kilnes Gebaren als feige und widerlich empfunden zu haben. Mild, dem es wohl ähnlich ging, sah mit einem höhnischen Grinsen auf einen von Opals feinsten Söhnen herab.

“Von dir wollen wir nichts. Also sei still.”

Einer von Milds Männern schnappte sich Kilne, stellte ihn auf die Füße und verpasste ihm einen heftigen Tiefschlag. Wie tief? Nun, so tief, dass allein die Vorstellung schmerzt.

Ich war versucht zu lachen. Kilnes Gesichtsfarbe wechselte in rasantem Tempo von rot zu blau zu grün. Seine Lippen waren in einer Weise aufeinander gepresst als wollten sie verzweifelt einen Rülpser zurückhalten. Das Wasser schoss ihm in die Augen. Zum Schluss gab er ein angestrengt gemurmeltes hohes Kieksen von sich. Ich bin Männern jeglicher Herkunft begegnet. Dämonen. Ich bekam es mit vergessenen Kreaturen zu tun, die man nur aus Mythologien kennt, doch nie hörte ich etwas ähnliches wie das Geräusch, das Spencer Kilne an diesem Wintermorgen in der Dart Street von sich gab. Er sank zu Boden und sein Peiniger verpasste ihm einen weiteren Schlag, der ihn das Bewusstsein verlieren ließ.

Dann wandten sich die fünf Anzüge mir zu. Ich lächelte wie ich es mitunter in dieser Art von Situation zu tun pflegte. Und die Schatten kamen.

Zwei Angreifer fanden sich in der Luft wieder. Den einen zerriss es während der andere seinen Kopf verlor.

Mild, schnell und geschmeidig, entging einem weiteren meiner Geister in dem er sich zur Seite rollte.

“Verschwendet keine Kugeln! Jeder Schuss auf sie ist nutzlos!” rief er während er einem zweiten Geist auswich dabei aber unglücklich mit einer Wand kollidierte. Ich hörte wie in seinem Arm etwas riss.

Dann hörte ich ein lauteres Reissen als ein weiterer seiner Männer hochgehoben, sein Rückgrat gebrochen und die Überreste beiseite geworfen wurden.

Zu diesem Zeitpunkt war auch Mild gefangen worden und bereits auf dem Weg nach oben. Der Ruhe in seiner Stimme tat dies keinen Abbruch. “Wir sind nicht hier um ihnen etwas zu tun, Black. Wir benötigen ihre Hilfe. Mein Auftraggeber benötigt ihre Hilfe.”

Mit einem Schnipsen meiner Finger verschwanden die Schatten. Mild fiel zu Boden. Der letzte der fünf, den zuvor eine Schattenkreatur würgte, brach zusammen während er sich an den Hals griff und nach Luft schnappte.

“Warum sagen sie das nicht gleich?” entgegnete ich als ich auf Mild zutrat und ihm auf die Füße half.

Er nannte mir seinen Namen während er seinen gebrochenen Arm versorgte und immer wieder leicht zusammen zuckte.

“Nun, Mr. Mild, ich denke sie haben noch zu lernen, dass ein zivilisiertes Auftreten sehr viel zielführender sein kann. Worum geht es nun? Wer ist ihr Auftraggeber? Warum braucht er mich? Und wo wir schon einmal dabei sind, woher wissen sie so viel über mich, dass ihnen klar war, dass ihre Kugeln gegen meine Schattenkreaturen wirkungslos sind?”

“Mein Chef bezahlt mich gut dafür, dass ich meine Hausaufgaben mache.” Mild ging zu dem Mann, dem meine Geister das Rückgrat gebrochen hatten. Leicht niedergekauert hielt er ihm seine Waffe an die Schläfe. Der Mann stöhnte und schloss seine Augen.

“Entschuldige Eddie.” Mild flüsterte als er den Schlagbolzen zurückzog.”Du weisst wie wir die Dinge regeln.”

“Ich weiß.” flüsterte dieser zurück. “Wir sehen uns Sam.”

Mild erschoss ihn.

Dann wendete er sich mit einer Kaltschnäuzigkeit ab, die selbst mich beeindruckte. Er wirkte als hätte er gerade die Post in Empfang genommen oder ein Spinnennetz aus der Küchenecke entfernt.

“So sind die Regeln. Unser Boss mag es nicht wenn Dinge unerledigt bleiben. Was waren noch gleich ihre Fragen? Ach ja, da war dieser Kerl in St. Paul, Hubert Mason. Er hat diese verrückten Vorstellungen über sie und diese neue Brut an Superhelden und Superschurken, die überall im Land auftauchen. Flash und Human Bomb und Mr. Terrific. Wissen sie? Mason glaubt, sie alle seien ein Zeichen dafür, dass der Teufel von der Nation Besitz ergreift. Er hält sie alle für Agenten des Satans.”

“Da könnte Mr. Mason richtig liegen.” sagte ich mit einem Lächeln.

“Ja, wenn ich mir anschaue was sie gerade getan haben, dann könnte er tatsächlich richtig liegen. Aber mich damit zu befassen war gar nicht meine Aufgabe. Das waren die Informationen, die Mason über sie und die anderen zusammengetragen hatte. Er hatte vor durchs Land zu reisen und sie einen nach dem anderen zu töten. Er hatte gerade den Helden Clock getötet als ich ihn einholte und The Whip sollte der nächste sein.

Ich lächelte erneut. Mild tat es mir nach. Wir brachen beide in Gelächter aus. “Ja,” Mild setzte seinen Vortrag fort”ich denke er wollte erst einmal klein anfangen und sich dann zu den schweren Kalibern vorarbeiten. Wie auch immer, im Sammeln von Informationen war er jedenfalls richtig gut. Fragen sie mich nicht wie er das alles über sie herausfinden konnte aber er wusste eine Menge. So auch, dass ich gegen ihre Schattendämonen mit Kugeln nichts ausrichten würde. Dass ich sie nicht würde besiegen können.”

“Und wo ist Mason nun?”

“Er schlief mit einer brennenden Zigarette ein und verbrannte.” Mild lächelte erneut und zuckte leicht wegen seines gebrochenen Armes zusammen. “Natürlich rauchte er nicht bis ich ihn dazu brachte.”

“Und ihr Auftraggeber?”

“Er ist ein großes Tier in Hollywood. Sein Leben ist in Gefahr. Angriffe bizarrer übernatürlicher Kreaturen. Er braucht ihre Hilfe um dem ein Ende zu machen. Und er zahlt gut.”

“Zahlt? Mild, ist ihnen klar, dass, wenn sie sich nur die Mühe gemacht hätten ein paar Worte zu sagen, ich das Leben ihrer Männer verschont hätte?”

Mild zuckte. “Mein Auftraggeber ist Howard Hughes.”

“Howard Hughes also. Hmmm. Nun, ich war noch nie in Hollywood und wollte das schon längst einmal ändern.”

Mild nickte dem letzten verbliebenen seiner Männer zu. “Dan, nimm die Papiere der Männer an dich. Wir wollen nicht, dass sie identifiziert werden.”

“Was ist mit dem Fettsack?” fragte Dan als er zu Spencer ging und ihn mit dem Fuß anstieß.

Mild sah mich an. Er wirkte etwas verlegen. “Mr. Hughes wünscht keine Zeugen.”

Nun war es an mir kurz zu zucken. “Ich nehme an, Mr. Hughes bekommt üblicherweise was er will”, sagte ich und versuchte ob der sich abzeichnenden Entwicklung verärgert zu wirken.

Mild und ich gingen los und ließen Dan mit gezogener Waffe neben Spencer kniend zurück. Wir saßen im Ford als wir den Schuss hörten. Dan kam einen Moment später aus der Dart Street gelaufen, ein wenig von Spencers Blut am Hosenbein und sprang ins Auto.

“Ist es um diese Jahreszeit eigentlich warm in Los Angeles?” fragte ich.

“Wärmer als hier”, erwiderte Mild.

“Gut”, sagte ich und lehnte mich zurück. “Dann werde ich das Wetter genießen wenn auch sonst nichts.”




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Alt 29.11.2021, 11:59   #41  
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Showcase '96 4 - Day & Night, Night & Bright Part One



Autor: James Robinson
Zeichner: Matt Smith
Erschienen: April 1996



Soweit der Auftakt dieses kleinen Zweiteilers, der den Schleier um die Origin von The Shade ein wenig lüftet. Auf die im zweiten Teil folgende Konfrontation bin ich schon gespannt, wie auch darauf zu erfahren warum die hier geschilderten Ereignisse Einfluss auf die kommende Handlung der Hauptserie haben werden.

Als Zeichner ist Matt Smith wieder mit an Bord, der schon für US-Starman 11 verantwortlich zeichnete, die Geschichte, in der die JSA Ragdoll tötete. Sein sehr kantiger und düsterer Stil passt hier wieder richtig gut.

Hauptstory dieser Ausgabe ist ein Teamup zwischen Guardian (für mich eine Kopie von Captain America, der Kopie von The Shield) und Firebrand, einem Helden, dessen Optik m. E. völlig verunglückt ist. Autor ist Brian Augustyn, den Zeichenstift schwingt Scot Eaton und für die Tusche ist Prentiss Rollins zuständig. Nicht gerade Nonames und letzterer hängt mit einem Werk gar bei mir an der Wand. Macht die Story aber nicht wirklich besser.

Die abschließende Geschichte widmet sich einer Auseinandersetzung zwischen Jason Blood und Etrigan. Letzterer hat einen Weg gefunden seinen Wirt auch dann zu kontrollieren wenn er gerade nicht "dran" ist, was diesem wiederum so gar nicht gefällt. Jim Higgins als Autor und Christian Alamy als Zeichner sagten mir so gar nichts, machen hier aber einen guten Job.

Bonus sind die beiden Leserseiten, die sich im Wesentlichen der ersten Ausgabe widmen und die "Watch This Space"-Seite, die deckungsgleich mit der in US-Starman 18 ist. Da ging es um DC vs. Marvel und einige kommende Serien.

Werbung gab es für Simon & Kirby - The Legend und Wing Commander - The Price of Freedom, einen interaktiven Film.

DC-relevantes wurde beworben mit der Storyline "Road Trip" zur Serie Sovereign Seven, Kingdom Come, Batman Forever im Pay-TV, New Gods #7, Batman - Shadow of the Bat #50, Batman & Robin Adventures und einer neuen Serie zu Mister Miracle.

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Alt 06.12.2021, 12:19   #42  
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Showcase '96 5 - Day & Night, Night & Bright Part Two

Autor: James Robinson
Zeichner: Matt Smith
Erschienen: Mai 1996



Dieser zweite Teil ließ mich doch ein wenig ratlos zurück. Passiert ist nicht wirklich viel (es sei denn mir entging dies) und inwieweit die Geschehnisse dieses Crossovers noch Auswirkungen auf den Verlauf der Hauptserie haben werden, ist mir (noch) ein Rätsel. Aber da vertraue ich mal auf die Aussage von The Shade zu Beginn des Zweiteilers und das mit viel gutem Willen als offen zu bezeichnende Ende.

Den "Endkampf" habe ich nicht wirklich als solchen wahrgenommen und insbesondere The Shade hat wohl auch nur die Hälfte mitbekommen. Völlig irritiert war ich aber ob der Unterhaltungen der Elitekrieger, die sich inmitten des Kampfes gegen zwei der mächtigsten Magier über Beziehungsgeschichten unterhalten. Das kam ziemlich weird und creepy rüber.

Das US-Heft enthält zwei weitere Storys. Ein Teamup zwischen Green Arrow (Connor Hawke) und Thorn, geschrieben von Darren Vincenzo, gezeichnet von Steve Erwin und Gerry Fernandez und eine Geschichte um Lightray von Rachel Pollack, Jason Armstrong und Brian Garvey. Zu denen kann ich aber leider nichts schreiben, da mir das US-Heft nicht vorliegt. Drum entfällt auch das Drumherum. Gelesen habe ich die Story in der Fassung des US-Omnibus Vol. 2. Da ist nicht einmal das Titelbild enthalten. Muss aber auch nicht, da dort Green Arrow und Thorn abgebildet sind.

Thorn meine ich aus irgendeiner deutschen Publikation zu kennen. Ich kann mich aber beim besten Willen erinnern welche das sein soll.

Als nächstes steht nun ein preisgekrönter Vierteiler an auf den ich schon mächtig gespannt bin. "Sand and Stars" führt Jack mit Wesley Dodds, dem ersten Sandman, zusammen. Der Fanboy in mir ist etwas aufgeregt.

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Alt 07.12.2021, 13:01   #43  
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Starman 20 - Sand and Stars, Part One



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Juli 1996



So weit Teil 1, der Robinson wieder reichlich Gelegenheit bot, Rückgriffe auf das Golden Age zu tätigen und dieses mit Leben zu füllen.

Großartig die parallele Schilderung von Ted Knight und Wesley Dodds über ihre gemeinsame Zeit bei der Society, die deutlich macht, dass sie ihr Verhältnis zueinander durchaus unterschiedlich beschreiben und offensichtlich auch wahrgenommen haben. Klasse auch, wie Dodds Jack deutlich zu verstehen gibt, dass er keinen Mist erzählen soll wenn er behauptet wegen ihm so gerne nach New York gekommen zu sein. Er wisse was der Sohn Ted Knights über kostümierte Helden denkt. Das tölpelhafte Verhalten (toll auch von Tony Harris dargestellt) gegenüber Dian Belmont, einer Figur, die es bereits in den 40ern gab, ist dem alten Mann nicht entgangen. Schön auch wie die Auswirkungen der Zero Hour auf Dodds thematisiert werden, der deutlich stärker gealtert ist als Ted Knight.

Und so entsteht wieder diese erzählerische Dichte und das Gefühl von Vertrautheit mit den Figuren und ihrer Geschichte, das ich an dieser Serie so schätze. Da ist es fast schon lästig diese Rezension zu schreiben, hält die mich doch davon ab einfach weiterzulesen (die drei Folgehefte liegen schon bereit...).

Kommen wir zur Leserseite. James Robinson stellt zum wiederholten Male fest, dass er nicht hinterherkommt, schon gar nicht wenn ihm nur eine Seite zur Verfügung steht oder er einen Teil von The Shade´s Journal unterbringen kann/muss/will. Und so tut er, was ich für gewöhnlich mit seinen Leserseiten tue, er fasst einfach zusammen was ihn so erreicht hat und bringt ansonsten nur ganz kleine Highlights. Das ist in diesem Fall gar nicht so verkehrt, kommen die Reaktionen auf US-Starman 11-16 so recht komprimiert und angesichts des damit abgedeckten Fünfteilers "Sins of the Child" finde ich das alles andere als schlecht. Besser jedenfalls als wenn sich des Autors Reaktionen darauf über ein halbes Jahr ziehen. Okay, wäre für mich jetzt kein Problem, für die Leser in den 90ern war es das aber allemal.

Erstaunlich fand ich wie viele Leser sich mit dem Dialog der Mobster in US-Starman 14 befasst haben. Da ging es um die Frage welches Werk von Stephen Sondheim das bedeutendste sei. Robinson wollte dies als Reminiszenz an Tarantinos Reservoir Dogs verstanden wissen, manche Leser hielten das für eine dreiste Kopie. Zu einer ähnlichen Thematik sah sich Robinson veranlasst klarzustellen, dass Jacks Ansichten und Präferenzen nicht zwingend auch die seines Schöpfers sind.

Wenig überraschend gab es auch teilweise negatives Feedback, speziell zu drei Ausgaben/Sachverhalten.

Mit US-Starman 11 haderten Leser, die die Darstellung der alten Society als Mörder von Ragdoll so gar nicht verknusen konnten. Dazu muss man sagen, dass es Robinson bislang vermieden hat, die Ereignisse, die zum Tod Ragdolls führten, so ausführlich und neutral zu beschreiben, dass man dies als einen gesicherten Fakt hinnehmen kann. The Shade bleibt in seinen Aufzeichnungen sehr vage (schließlich war er nicht dabei) und auch Ted Knights Aussagen dazu sind nicht sehr konkret. Und der weiß es eventuell gar nicht besser. Für mich überraschend kam dann an dieser Stelle die Aussage von Robinson, dass sich die Kritiker noch gedulden sollten, der Vorfall würde noch einmal aufgegriffen und aufgeklärt.

Weitere Kritik gab es an der Darstellung von Dr. Phosphorus, der nach seinem Upgrade durch Neron vom alten Ted Knight in US-Starman 13 besiegt werden konnte. Aber auch hierzu verspricht Robinson, dass das Thema noch einmal aufgegriffen wird.

Harsch fiel die Kritik dann zu US-Starman 15 aus. Hier erregte das Gewaltlevel Anstoß (die Misshandlung von Grundy und Mikaal Tomas) und teilweise wurde gar mit einem Ausstieg "gedroht". Das tat Robinson einerseits leid, andererseits würde er sich für die an dieser Stelle getroffene künstlerische Entscheidung nicht entschuldigen. Die Story "Sins of the Child" habe er ganz bewusst so angelegt, dass jedes der fünf Hefte, die einen denkbar schlimmen Tag aus unterschiedlichsten Perspektiven immer wieder neu erzählen, einen anderen Ton und Aufbau habe. Ihm sei beim Schreiben der #15 bereits klar gewesen, dass es darauf nicht nur positive Reaktionen geben würde.

Dazu stellt er noch einmal grundsätzlich klar, dass seine Intention mit Starman nicht die sei, einen Standard-Superheldencomic zu schreiben. Im direkten Vergleich mit den von ihm sehr geschätzten Mark Waid und Kurt Busiek könne er da nur den kürzeren ziehen. Deshalb hatte er sich entschieden die Serie ganz anders aufzuziehen und dazu gehört eben auch, dass er Dinge (be-)schreibt, die in einem "normalen" Superheldencomic nicht auftauchen und von Teilen der Leserschaft nicht gut aufgenommen werden. In Summe hoffe er aber, dass sein Starman gerade wegen dieser Andersartigkeit überwiegend positiv aufgenommen wird.

Daran schließt sich dann eine ganze Latte (Seite) an Danksagungen an und zum Ende hin bittet Robinson noch einmal darum zahlreich zu schreiben. Dass die Leser in den letzten Ausgaben so wenig Platz bekommen hatten sei nicht dahingehend zu verstehen, dass deren Feedback nicht erwünscht sei und gar nicht gelesen würde. Ganz im Gegenteil.

Die Seite Watch This Space wird mit einem Fan eingeleitet, der aus Kabelbindern Superheldenfiguren konstruiert. Die abgebildeten Charaktere sehen überwiegend richtig gut aus. In der Folge werden andere Figurenkünstler erwähnt und abschließend wird die Frage beantwortet was in den Konferenzen bei DC so passiert. Angeteasert wird Batman: Contagion, hierzulande bekannt als Der Fluch.

Beworben werden Musicland mit Alben von Hog (?) und Love and Rockets, Simon & Kirby The Legend, The Big Book of Little Criminals von Paradox Press, einem DC-Imprint bekannt für A History of Violence und Road to Perdition und zum Schluss der Film Twister.

Reines DC-Zeug, das angepriesen wird, sind ein Batman: Dark Legends Trade, Green Lantern und Green Arrow: Hard-Travelling Heroes: The Next Generation, Martian Manhunter Special 1, Arsenal Special 1, Catwoman Annual 3, Adventures of Superman Annual 8 (die beiden Annuals unter dem Legends of the Dead Earth-Banner) sowie Kingdom Come.

Geändert von LaLe (07.12.2021 um 22:34 Uhr)
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Alt 09.12.2021, 15:42   #44  
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Starman 21 - Sand and Stars, Part Two



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: August 1996



Neben der reinen Handlung überzeugt diese Nummer wieder mit Innenansichten von Jack. Der macht sich in dieser Ausgabe Gedanken über das Altern als Held und hat dabei Wesley Dodds vor Augen. Der ist körperlich weit von seiner alten Form entfernt und auf ein Hörgerät und einen Gehstock angewiesen. Andeutungen über das frühere Sexleben von Dodds und Belmont oder gar eine Affäre seines Vaters mit Diana Lance (Black Canary) machen es nicht besser und Jack hofft, zumindest im Geiste jung zu bleiben selbst wenn der Körper eines Tages nicht mehr will.

Wesley Dodds erinnert sich auf dem Weg zum Firmensitz an eine Begebenheit aus dem Jahr ´44 bei der er Ted Knight in einer misslichen Lage vorfand. Aus dem was ich zu den Adventure Comics dieser Zeit herausfinden konnte (dort erschienen die Abenteuer von Sandman und auch Starman), hat dieses Ereignis keine Entsprechung in irgendeinem der alten Hefte, so dass dies wohl eine Erweiterung von Robinson ist.

Highlight für Jack ist in dieser Ausgabe neben den neuen Erkenntnissen über seinen Vater und die Justice Society allerdings der Umstand, dass er die Maske von Wesley Dodds bei seinem Einbruchsversuch benutzen darf (und auch benötigt).

Ansonsten ist dies eine schön aufgebaute Detektivgeschichte mit erwartbarem Cliffhanger, auf deren Fortsetzung ich schon gespannt bin.

Die Leserseite gibt es anstelle des angekündigten Auszuges aus The Shade´s Journal, der auf die kommende Ausgabe verschoben wurde. Die Geschichte um Howard Hughes soll über die kommenden 18 Monate weitererzählt werden (*gulp*)...

Sorgen bereitet Robinson, dass das Aufkommen an Leserpost dramatisch zurückgegangen ist und selbst ein Dauerschreiber wie Charles J. Sperling seit einem Monat nichts mehr von sich hat hören lassen. Er fühlt sich deshalb ein wenig unsicher und ungeliebt.

Der erste von vier in Auszügen veröffentlichten Briefen kommt von einem The Mystery Machine und äußert sich neben anderen Aspekten insbesondere zum Worldbuilding der Serie sehr positiv. Hervorgehoben wird dabei The Shade´s Journal, das Robinson sowohl als Narrator innerhalb der Hefte als auch über die Journalseiten selbst nutzt um eine Historie zu entwickeln und auszubauen. Das kann ich nur unterschreiben.

Der zweite Leser begeistert sich für die vielen Anleihen aus dem Golden Age und wünscht sich deren mehr. Der dritte berichtet über Gerüchte die Einstellung der Serie betreffend. Die dementiert Robinson deutlich. Und ein Chris Clay lobt die Figur The Shade über alle Maßen und fragt zaghaft an ob man sich Hoffnungen auf eine Miniserie mit diesem Charakter machen könne. Die Hoffnung nimmt ihm Robinson indem er berichtet bereits an der Story des ersten Teils einer vierteiligen Miniserie zu The Shade zu schreiben. Die bespreche ich voraussichtlich nach US-Starman 29. Als Künstler der Miniserie werden Gene Ha, J. H. Williams, Bret Bevins und Michael Zulli gespoilert. Auf die beiden erstgenannten freue ich mich schon.

In einem fünften Leserbrief gab es Kritik an der Vigilante-Serie über die sich Robinson auf den Leserseiten von US-Starman 12 und 13 ausgelassen hatte. Die Kritik mochte er nicht teilen (Überraschung!). Ich werde mir demnächst selbst ein Bild davon machen können, denn aktuell sind die vier Hefte zusammen mit US-Starman Secret Files and Origins 1 auf dem Postwege zu mir.

Gegen Ende gibt es dann noch eine "Diskussion" darüber welche Musik zur Starman-Lektüre passt und die Ansichten der vielen Leser, die sich dazu äußern, und Robinson selbst gehen ordentlich auseinander. Angekündigt wird vom Autor dann noch die Veröffentlichung seiner Graphic Novel "Bluebeard" in der es - Fables-Leser werden nicht sonderlich überrascht sein - um einen Frauenmörder geht.

Die Seite Watch This Space wartet neben viel Blabla zur Vielfalt der DC Comics und Redaktionssitzungen mit der Nachricht auf, dass es mit der Reihe DC Archive weitergeht. Beispielhaft wird Ausgabe 1 des Silver Age Flash benannt, die es auch auf deutsch gibt. Mit Nummer 8 war dies die letzte bei Dino erschienene Ausgabe bevor es bei Panini weiterging.

Werbung gibt es für Musicland mit Alben von Gravity Kills und Lush, dem Film Ace Ventura als Pay per View, den beim Label Paradox Press veröffentlichten Manga Gon um einen fiesen kleinen Saurier (auf deutsch zuletzt bei Carlsen in sieben Bänden) und den Film Kingpin von den Machern von "Dumm und dümmer".

DC-relevantes wird beworben mit der neuen Serie Aztek, The Ultimate Man von Grant Morrison (die hier auch noch darauf wartet gelesen zu werden), Batman Legacy (deutsch: Der Fluch), einen Dreiteiler um den Eradicator, einen Batman/Demon Oneshot, die Batman: GCPD Miniserie, The Flash Archives Vol. 1 und Flash - The Return of Barry Allen.

Anmerkung:
Editor Archie Goodwin kommt in diesem Heft zu Ehren. Jack erwähnt ihn im Zuge eines Vergleichs, in dem er sich als Wesley Dodds´ Watson bezeichnet während Dodds "Archie Goodwin" sei. Woraufhin dieser fragt: "Who?".

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Alt 10.12.2021, 16:58   #45  
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Starman 22 - Sand and Stars, Part Three



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger, Guy Davis
Erschienen: September 1996


So viel passiert hier gar nicht, dafür legt Robinson wieder Wert darauf, das Golden Age aufleben zu lassen indem er die Episode aus dem Jahr 1944, die im letzten Heft nur kurz angerissen wurde, über die Hälfte dieser Ausgabe auserzählt. Die ist eine kleine Detektivgeschichte und wird optisch von Guy Davis gestaltet, der einen - wie ich finde - sehr einfachen Stil pflegt, der sich deutlich von dem der Gegenwartshandlung abhebt.

Mir gefiel, wie erneut ein Blick in das Innenleben von Dodds gewährt wurde, der angesichts seines Alters hadert und sich fragt ob er noch der Richtige ist um sich in derart gefährliche Situationen zu bringen. Aus den schwer greifbaren Ikonen der 40er macht Robinson so immer wieder Menschen, die alles andere als unfehlbar sind. Und damit wertet er sie keinen Deut ab sondern ihm gelingt das Kunststück diese Figuren, die in der Zeit ihres Entstehens häufig nur rudimentär ausgearbeitet waren (wenn überhaupt), mit Leben zu erfüllen. Für mich immer wieder ein Vergnügen solche Stellen zu lesen.

Anstelle der Leserseiten gibt es wieder einen Auszug aus The Shade´s Journal und auch die Watch This Space-Seite fehlt diesmal.

Damit kommen wir direkt zur Werbung, die erstaunlich redundant ausfällt. Beworben werden diverse Filme wie "Escape from L. A." mit Kurt Russell, The Frighteners und The Crow - City of Angels (beide doppelt), Joe´s Apartment, Ace Ventura und Kingpin.

Dazu kommen Anzeigen für das Album Mata Leão von Biohazard, Musicland mit Alben von Hayden und Beck und doch noch etwas DC-relevantes mit der TV-Serie "The Superman Batman Adventures".

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Alt 13.01.2022, 17:40   #46  
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Aus The Shades Journal

"Wohin fahren wir?"

Ich fragte dies, während die Sonne in den Studebaker schien, so dass ich mich zur Seite wenden und meine dunklen Gläser aufsetzen musste um meine Haltung zu bewahren.

“Hollywood”, antwortete Sam Mild schlecht gelaunt. Ich gewann den Eindruck, dass Mr. Mild für diese Angelegenheit, wie vermutlich jede andere Angelegenheit auch, den nötigen Sinn für Humor vermissen ließ.

“Hollywood? Ich nahm an dort wären wir bereits.”

Wir fuhren am Greenman’s Chinese Theater vorbei. Die Menge lief umher um Tickets zu erwerben oder ihre Füße mit den Abdrücken der Stars zu vergleichen. Ich nickte leicht bei deren Anblick.

“Oder wurde Greenman’s nach Santa Fé verlegt?”

Milds wenig begeisterte Reaktion auf meinen versuchten Scherz machte auf mich beinahe den Eindruck als hätte ich ihn beleidigt.

“Hollywoodland”, antwortete er mit einem Seufzen und abweisender Geste. “Oben in den Hügeln. Eine Canyon-Community.”

Milds Kumpan Dan beschloss sich an unserer Konversation zu beteiligen und blickte vom Fahrersitz her zu uns.

“Schöne Gegend” murmelte Dan. “Ich wünschte, ich hätte genug Geld um dorthin zu ziehen.”

Mild blickte nun mit einem spöttischen Grinsen zu Dan. Er schlug eine Zigarette aus der Packung, nahm sie in den Mund und sah nach vorn zu Dan, den Blick auf ein rosig leuchtendes Furunkel in seinem Nacken konzentriert.

“Yeah. Und dann heiratest du eine schöne Frau, bekommst gut geratene Kinder. Vielleicht einen Hund. Träum weiter, du bist genauso ein mieser Schläger wie ich. Du arbeitest jetzt für Hughes. Später vielleicht für einen der großen Studiobosse. Oder John Dragna… bei den wirklich bösen Jungs. Mild zündete seine Zigarette an um einen ersten Zug zu nehmen bevor er fortfuhr. “Aber mach dir nichts vor, du wirst immer jemand anderes verprügeln.”

Dan zuckte kurz. “So ist das wohl. Und in diesem Augenblick lebe ich in einem miesen Schuppen in Los Feliz.” Mild zeigte mit der Zigarette auf Dan. “Und heute, morgen oder in einer Woche endest du mit einem Kopfschuss nach einem Job und dein Vermieter wird deine miese Absteige räumen und all deinen Plunder auf die Straße schmeißen.”

Ich war fasziniert. Ich räusperte mich um Milds Aufmerksamkeit zu erregen.

“Sie haben einen recht ... nüchternen Blick auf ihr Leben.”

“Mein Vater fuhr Trucks für John Kennedy. Schmuggelte Alkohol von Kanada. Tötete rivalisierende Schläger wenn er musste. Oder Cops. Und dann kam er heim, küsste Mutter und wollte seine Suppe… er liebte Suppe, mein Vater. Dann setzte er sich, hörte Radio und las seine Zeitung, ganz so als käme er aus dem Büro oder der Fabrik.” Milds Gesichtsausdruck hellte sich auf. “Als er mich dann einführte, verstand ich. So ist halt das Leben und ich akzeptierte das. Als mein Vater an einer Straßensperre erschossen wurde, hasste ich niemanden deswegen. Ich rannte nicht los um Polizisten zu töten. Es war ein normaler Teil meines Lebens.”

"An ihnen ist ein Philosoph verloren gegangen", sagte ich mit einem Lächeln. "Ich denke, die Franzosen hätten Gefallen an ihnen gefunden, Mr. Mild."

"Ich verstehe nicht."

"Die großen Denker der Geschichte", erklärte ich, "preisen ihre Überlegenheit. Sie häufen Wissen an und lassen dies jeden wissen. Die Helden der Franzosen hingegen kommen von der Straße. Sie hören nicht zu, solange die Person, die etwas zu sagen hat, nicht nach Wein und Staub riecht oder nach der Frau, mit der sie die letzte Nacht verbracht haben."

Milds Gesicht verdüsterte sich. "Was wollen sie damit sagen? Dass ich schlecht rieche?"

"Nein. Sie sind ein einfacher Mann, der redet wie diejenigen, die er anspricht. Sie vermitteln trefflich die Poesie, die in einer leeren Flasche liegt oder dem Aufwachen in einem fremden Bett. Oder dem Töten eines Gegenspielers. Nicht weniger jedenfalls als im Komponieren schöner Sonette."

Währenddessen überquerten wir Highland, bogen links auf die Glover ab, rechts auf die Franklin. Als ich die Straßenschilder so sah, kam mir ein weiterer Gedanke.

"Ihr Benjamin Franklin war auch von dieser Art. Ein regelrechter Zotenreißer, dem kein schmutziger Witz fremd oder peinlich war. Er trank und furzte. Dennoch war er ein großer Amerikaner und trotz all seiner Schwächen ein starker, weiser Mann."

"Hörst du das, Sam", sagte Dan mit einem Lachen, "du bist wie Benjamin Franklin."

"Sei bloß still", sagte Mild mit einem Knurren. Aber als er aus dem Fenster sah, bemerkte ich ein feines Lächeln.

Wir bogen links auf die Beachwood ab. Ich konnte sehen wie wir uns auf eine Gruppe Anwesen zubewegten, die das Grün der Hügellandschaft säumten. Etwas weiter vorn und ein Stück höher gelegen konnte man den "Hollywoodland"-Schriftzug sehen, dessen hellweiße Buchstaben sich vom Dunkelgrün und Braun des Hügels, auf dem sie errichtet worden waren, abhoben. Ich war ein wenig schockiert als ich des Zustandes des Wahrzeichens gewahr wurde. Selbst aus einiger Entfernung war dessen Verfall erkennbar. Insbesondere das "H" in Hollywood sah mehr nach moderner Kunst aus, denn nach einem Buchstaben des Alphabets.

Ich lehnte mich zurück und fragte mich ob der Zustand des Wahrzeichens ein Omen für den Fortgang dieser Angelegenheit sein könnte.

---

Ich erinnerte mich an den Flug nach Los Angeles. Der war eine Aneinanderreihung vieler kürzerer Flüge quer durchs Land gewesen bevor wir endlich Glendale erreichten. Ich muss sagen, dass ich von der Art der Anreise ein wenig enttäuscht war. Für einen Mann mit den Mitteln eines Howard Hughes hätte es - insbesondere angesichts eines derart gewichtigen Problems, das meine Aufmerksamkeit erforderlich machte - ein leichtes sein müssen einen Direktflug zu organisieren.

Glendale war der Flughafen der Stars und gerade als wir landeten, sah ich die ewig jung wirkende Judy Garland neben einem sehr alten John Barrymore.

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich mich zu der Zeit nicht in der Weise kleidete, die man gewöhnlich mit meiner Erscheinung verbindet. Sicher, farblich war alles im gewohnten Schwarz gehalten aber ich trug einen zeitgenössischen Zweireiher und einen schwarzen Fedora. Zu anderen Zeiten trug ich gewöhnlich die Kleidung in der ich mich am wohlsten fühle - das, was man zu der Zeit trug, aus der ich stamme. In Zeiten wie diesen aber war es durchaus angezeigt nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig zu erregen und so kleidete ich mich zeitgemäß.

Dann tauchten wir in die sonnigen Straßen von Glendale ein. Ich nahm einen tiefen Atemzug um den süßen Duft der pazifischen Luft in mich aufzunehmen und befand ihn sehr aromatisch. Ich hustete. Ein laut krächzendes, keuchendes Husten aus den Tiefen meiner Lungen.

"Yeah", kommentierte Mild mit leichter Verächtlichkeit für meine Anfälligkeit. "Es ist etwas stickig heute. Atmen sie flacher."

Der Studebaker stand außerhalb des Flughafens. Niemand saß drin und erwartete uns. Kein Fahrer. Mild blickte wie jemand auf der Flucht nach allen Seiten als er mich drängelte einzusteigen.

Ich erwachte mit einem heftigen Zusammenzucken außerhalb eines großen Anwesens in Beverly Hills. Mild stieg gerade wieder in den Wagen als ich die Augen öffnete.

"Sind wir da?" fragte ich.

"Nein. Während wir unterwegs waren, gab es einen weiteren Angriff. Sie wissen was eine Scheinschildkröte ist?"

"Sicher, eine Suppe. Und eine ... imaginäre Kreatur aus den Alicegeschichten."

"Nun, eine nicht so imaginäre Scheinschildkröte griff Mr. Hughes hier vor zwei Tagen an. Die Kreatur war groß und bösartig. Sie tötete drei seiner Leibwächter bevor die anderen ihn in Sicherheit bringen konnten."

"Eine Scheinschildkröte", sagte ich vorsichtig. "In der Tat, sehr..."

"Wenn sie seltsam sagen wollen", unterbrach mich Mild, "muss ich handgreiflich werden. Jeder, der das Buch gelesen hat und von diesen Vorfällen hört, sagt genau das. Und das in einer unerträglichen Art als wären sie zum König oder zur Königin der Klugscheißerei ernannt worden und die ersten, die auf die Idee kamen diese ungeheuerliche Erkenntnis auszusprechen. Kürzlich musste ich mich zusammenreißen, dass ich der Hepburn nicht ins Gesicht trete als sie den Mund nicht halten konnte."

"Nun, ich war im Begriff zu sagen, wie einzigartig."

"Lobet den Herrn", antwortete Mild. "Ein wahrer Freidenker."

Ich lächelte. Abgesehen von seiner hart wirkenden Schale begann ich Mild zu mögen.

"Wo sind wir nun?" , fragte ich.

"Das werden sie schon noch sehen."

Dan schaute mit einem Lächeln nach hinten. "Nicht mehr lang."

Der Wagen fuhr los. Ich sah die Straße von Palmen gesäumt, braun und vertrocknet ließen sie ein wenig Grün vermissen.

"Gibt es viele Palmen in Kalifornien?"

"Oh ja", sagte Mild etwas mürrisch. "Das ist sicher."

---

So waren wir nun also auf dem Weg nach Hollywoodland um Mr. Hughes zu suchen. Als wir dort ankamen, egal ob das nun ein gutes oder schlechtes Omen war, ich war auf Anhieb davon überzeugt, dass gute Architekten und Stadtplaner enorme Reichtümer und jede Auszeichnung verdienten, während den schlechten Vertretern ihrer Profession allein der Strang gebührte. Wie ich später erfuhr wurden die Häuser Hollywoodlands nach den individuellen Wünschen ihrer Erbauer in den 1920ern errichtet. Eine der Regeln, zu deren Einhaltung man sich bei Erwerb eines Grundstücks verpflichtete, war, dass man bei der Gestaltung der Gebäude völlig freie Hand hatte sofern man sich an einem beliebigen europäischen Baustil orientierte.

Tudor, mediterran, französische Normandie, spanisch, all das war vertreten und vermischte sich entlang der Straßen. Ich bin sicher, dass es vielen ein Vergnügen war. Auf mich wirkte der Ort wie von den Machern der Universal Horrorstreifen erdacht, Schlösser und Straßen, die europäisch wirkende Baustile vereinten, deren Bandbreite jedoch beim besten Willen nicht zusammenpassen wollte. Das war also Hollywoodland, wo Tudormauern und -türme weiß zugespachtelt oder von roten spanischen Fliesen bedeckt waren.

"Ist doch schön hier", sagte Dan.

Ich schaute hinaus und begann Opal City zu vermissen.

"Und weshalb sind wir nun hier", fragte ich "und nicht im Büro von Mr. Hughes?"

Mild sah mich an. "Er ist etwas .. besorgt. Das ist alles. Aber das wird er ihnen gleich selbst erklären."

"Und wo genau geht es jetzt hin?"

"Wie ich schon sagte, nach..."

"Hollywoodland? Ein bisschen genauer darf es schon sein. Welches Haus ist nun unser Ziel?", fragte ich mit etwas mehr Nachdruck, da ich Milds Geheimniskrämerei langsam überdrüssig wurde.

"Hier", sagte Mild mit einer vagen Geste zur Straße hin. "Genau hier."

Der Wagen bog in Richtung einer spanischen Hütte im Woodhaven Drive ab.

Mild fuhr fort zu reden als wir ausstiegen. "Mr. Hughes mag seine Frauen und er hat genug Geld um sich in dieser Frage mit Qualität und Quantität zu umgeben. Orte wie diesen hat er überall in der Stadt und in jedem ein anderes Mädchen. Wird er einer Frau überdrüssig, zahlt er sie aus, setzt sie vor die Tür und holt sich die nächste."

"Wir haben dafür einen Namen", ließ sich Dan vernehmen. "Wir nennen sie "Matratzen"."

"Charmant", entgegnete ich als ich dem Weg aus Terrakottafliesen zur Eingangstür folgte. Einer schönen Tür. Spanisch mit üppigen maurischen Verzierungen.

Mild durchsuchte seine Taschen nach dem Schlüssel. "Aktuell ist hier kein Vögelchen untergebracht. Das letzte Mädchen wurde Mr. Hughes zu fett und so hat er sie vor die Tür gesetzt." Mild fand den Schlüssel und öffnete. "Bis Mr. Hughes ein neues Betthäschen gefunden hat nutzt er diesen Ort als Versteck."

"Versteck?", fragte ich. "Vor wem versteckt er sich?"

"Wie ich schon sagte, Mr. Hughes wird ihnen das persönlich beantworten."

"Ich kann es kaum erwarten", sagte ich den untauglichen Versuch startend nicht allzu sarkastisch zu klingen.

Wir gingen durch die maurisch wirkende Empfangshalle zum zentralen Wohnbereich, der durch eine geschnitzte Tür abgetrennt war.

"Treten sie ein", sagte Mild als er sie öffnete, "ich darf ihnen..."

Mild verstummte als wir beide in den Raum starrten und Zeugen einer einzigartig seltsamen Szene wurden. Hughes Leibwächter waren ausnahmslos tot und boten einen äußerst blutigen Anblick. Howard Hughes selbst lag auf einem Sofa während ein Mann versuchte ihn zu erdrosseln. Gekleidet in übertrieben grellen viktorianischem Stil mit einem lächerlich großen Hut auf dem Kopf sah er auf und uns mit wildem Blick an.

"Warum ist ein Rabe wie ein Schreibtisch?" fragte er.

Er war offensichtlich verrückt wie ein Hutmacher.


--- Fortsetzung folgt ---

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Alt 14.01.2022, 15:01   #47  
LaLe
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Starman 23 - Sand and Stars, Part Four



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Oktober 1996



Das war also das actionreiche Finale des Vierteilers, der im folgenden Heft ein kleines und besonderes Nachspiel haben wird. Die eigentliche Handlung kommt recht konventionell daher und ist nichts, das man auf vier Hefte hätte aufteilen müssen. Für die Rückgriffe auf das Golden Age und die Charakterdarstellung bzw. die Beziehung der Figuren zueinander war das aber genau richtig. Und das ist auch der Aspekt, der mich begeistern konnte. Und das so stark, dass ich große Lust hätte mir die Serie Sandman Mystery Theatre zuzulegen, die ähnlich wie Robinsons Starman einen Golden Age-Helden komplett neu definierte.

Ob es für diesen Vierteiler einen Eisner hätte geben müssen, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. "Sins of the Father" in Starman 0-3 oder "Sins of the Child" in Starman 12-16 gefielen mir beispielsweise besser. Aber "Sand and Stars" ist für sich schon recht stark und sollte der Preis eine Konzessionsentscheidung für verpasste Preisverleihungen in der Vergangenheit gewesen sein, wäre das für mich auch in Ordnung. Denn überfällig war der Eisner.

An Drumherum gab es neben dem nächsten Beitrag aus The Shade´s Journal (dazu hoffentlich in Kürze mehr) die Seite Watch This Space mit belanglosem Geschreibe zur Superman Animated TV Show, einem Hund sowie der Soap Seinfeld.

Beworben wurden Crash Bandicoot für die Playstation, Musicland mit Alben von The Why Store (Who?) und Screaming Trees, der Filmklassiker Heat als Pay per View und Alice in Chains bei MTV Unplugged.

Eigene Werbung gab es für die neuen Teen Titans von Dan Jurgens (in der deutschen JLA-Serie bei den Dinos ab der #5 enthalten), Nightwing von Chuck Dixon, DC vs Marvel als Trade, die Lobo-Mini Death & Taxes und Bloody Mary - World War III von Ennis/Ezquerra.

Anmerkungen:

Dieser Storyarc bildete die Grundlage für insgesamt fünf Eisner-Nominierungen.

Als beste fortlaufende Serie zog man den kürzeren gegen Kurt Busieks Astro City, als bester Autor musste sich Robinson Alan Moore für From Hell geschlagen geben, das Zeichnerteam kam gegen Charles Vess nicht an (u. a. Sandman 75) und Tony Harris unterlag als Coverkünstler Alex Ross (Kingdom Come). Was für eine Konkurrenz.

Gewonnen wurde allerdings der Eisner Award als Best Serialized Story und auch da war die Konkurrenz mit Geschichten aus beispielsweise Astro City oder Usagi Yojimbo recht namhaft.

Besser lief es für Robinson mit einer anderen Serie. Leave it to Chance war insgesamt dreimal nominiert und konnte zwei Awards (beste neue Serie und beste Publikation für jüngere Leser) einheimsen.

Geändert von LaLe (15.01.2022 um 11:10 Uhr)
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