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Alt 27.09.2019, 16:36   #1  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 98 und 99
(= Der mächtige Thor 49)

Erscheinungstermin: 11/12/1977

Originalausgabe:
1) The mighty Thor # 131

Story-Titel:
1) Sie kommen aus dem All!

Original-Storytitel:
1) They strike from Space!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Als ich das 1977 oder eher 1978 (wegen des Phasenvertriebs) las, war ich schon ein bißchen mit Science Fiction vertraut. Was wir vor uns haben, kann man dem Subgenre der intergalaktischen Invasion zuordnen. Der klassische Invasionsroman ist wohl „The War of the Worlds“ von H. G. Wells. Solche Stoffe leben von der tief in uns sitzenden Angst vor dem Fremden. Aber obwohl ich solchen Geschichten zugetan war und obwohl Lee und Kirby ihre Variante mit der Figur Tana Nile (ein Name, der wohl nur fremdartig klingen soll und sonst keine Bedeutung hat) gut vorbereitet hatten, erinnere ich mich, daß mich diese Invasion dann eher enttäuscht hat.

Schauen wir uns diese Story an. Thor begleitet Herkules zurück auf den Olymp, verabschiedet sich aber bald, weil er keinen Wert auf Konflikte mit griechischen Göttern legt. Jane Foster befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Bus auf der Reise nach irgendwo, nachdem Tana Nile die geistige Kontrolle über sie übernommen und sie weggeschickt hat. Nun sehen wir, wie sich die rätselhafte Frau verwandelt, und zwar in einen extravagant gekleideten Schwellkopp. Tana Nile beansprucht einen Claim auf die Erde, ein Vorgang, der Amerikanern aus ihrer Besiedlungsgeschichte wohlbekannt ist, für mich aber eher befremdlich war. Ein Raumschiff macht sich darauf „in einer weit entfernten Galaxis“ auf den Weg zur Erde. Daß es gar nicht so einfach ist, gleich, mit welcher Technologie, von Galaxie zu Galaxie zu gelangen, wußte ich damals sicher noch nicht. Es geht aber wohl ziemlich schnell. Thor kann sich zwischendurch eben noch mit seinem Vater Odin treffen, der plötzlich bereit ist, zu Thors Verbindung mit Jane Foster seinen Segen zu geben. Etwa aus Dankbarkeit für den abgewendeten Umsturzdurch den abgefeimten Seidring? Odin will es eher so sehen, daß ihn Thors Hartnäckigkeit, mit der er stets an Jane festhielt, überzeugt hat.

Thor kehrt zur Erde zurück und will Jane die frohe Nachricht überbringen. Aber ein Energiestrahl hält ihn davon ab, ihre Wohnung zu betreten. Er verschafft sich Zutritt, indem er die Wand einreißt. Tana Nile und zwei Begleiter zwingen ihn per geistigen Befehl in die Knie, und sie enthüllt ihm, daß sie die Weltherrschaft an sich reißen will und die Macht hat, die Erde aus ihrer Umlaufbahn zu bringen, falls sich die Menschheit widersetzen sollte. Anschließend wird Thor in einen Käfig aus Protonenstrahlen gesperrt. Die Kolonisatoren beginnen mit ihrer Arbeit. Die Erde wird unter „Raumverschluß“ gehalten. Thor wird in seinem Käfig in das Raumschiff gebracht, mit dem die Kolonisatoren gekommen sind. Tana Niles Begleiter wollen jetzt zu ihrer eigenen Welt zurückkehren. Sobald sie gestartet sind, befreit sich Thor jedoch. Er hat die Außerirdischen getäuscht, um zu erfahren, was sie vorhaben. Er will die Invasion auf ihrem Heimatplaneten stoppen. Mit Hammerschlag setzt er die beiden Aliens außer Gefecht. Das Raumschiff kommt, wie sich inzwischen herausgestellt hat, vom Stern Rigel (770 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt). Thor bleibt nur zu warten, bis es angekommen ist…

Das ist eine so krude zusammengeschusterte Story, daß ich das offenbar schon vor 40 Jahren gemerkt habe. Warum tarnt sich Tana Nile zunächst als Mensch, wenn sie so mächtig ist? Warum schlüpft sie ausgerechnet bei Jane Foster unter? (Halt, ich weiß: Damit sie ohne Umstände mit Thor konfrontiert werden kann.) Enttäuschend finde ich auch, daß Thor das Problem wieder mal allein durch Draufhauen lösen will. Lassen wir mal Kleinigkeiten beiseite wie das Phänomen, daß sich Wesen vom Rigel problemlos mit Menschen auf Englisch unterhalten können. Denken wir lieber nicht weiter darüber nach, was die Rigelianer überhaupt auf der Erde wollen. Da finde ich Galactus schon überzeugender, der Planeten für sein eigenes Überleben einfach aussaugt. Grafisch ist dieses Heft leider auch nicht so richtig gut geworden – Vince Colletta ist eben kein Joe Sinnott. Die Rigelianer sehen mir aber auch zu sehr wie Klischee-Außerirdische (wie auch in „Unheimliche Begegnung der dritten Art“) aus: kleiner, spindeldürrer Körper und überdimensionierter Kopf mit riesigen Augen (wenn auch hier schlitzförmig). Gelungen finde ich dagegen das Cover. Auch wenn es ziemlich einfach aufgebaut ist. Tentakel greifen nach Thor, der ihnen furchtlos gegenübersteht und zugleich die Erde hinter sich beschützt. Damit ist das Wesentliche treffend auf den Punkt gebracht.


Geändert von underduck (27.09.2019 um 16:40 Uhr) Grund: Cover eingefügt
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Alt 03.10.2019, 09:14   #2  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 100 und 101
(= Der mächtige Thor 50)

Erscheinungstermin: 12/1977;1/1978

Originalausgabe:
1) The mighty Thor # 132

Story-Titel:
1) Rigel – Wo selbst Götter sich fürchten!

Original-Storytitel:
1) Rigel – Where Gods may fear to tread!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta



Das Konzept, die „Thor“-Episoden zu einer Endlosfortsetzung zu verschränken, wird immer durchschaubarer. In diesem Heft bannt Thor eine Gefahr für die Erde, nur um zu erfahren, daß es eine noch viel größere Bedrohung dahinter gibt. Jane Foster, die von der Rigelianerin Tana Nile auf eine Reise ins Unbekannte geschickt worden ist, lernt dabei jetzt einen seltsamen glatzköpfigen Mann kennen, hinter dem sich ein weiterer Handlungsstrang verbergen dürfte. Das alles ist aber nicht eben kunstvoll verknüpft. Thor wird mit einer Herausforderung konfrontiert, hämmert sie zusammen und erblickt dahinter gleich die nächste tödliche Gefahr. Was mir an dieser Ausgabe positiv aufgefallen ist: Vince Colletta strengt sich offenbar mehr an. Es könnte allerdings auch sein, daß Williams lediglich bessere Druckvorlagen bekommen hat.

Kurz vor seiner Ankunft auf dem Stern Rigel, von dem aus die Erde kolonisiert werden soll, passiert Thor eine Raumstation, die als Grenzwache fungiert. Rigelianer betreten sein Raumschiff und bringen den „Unzerstörbaren“ mit. Wie man sich denken kann, ist das alles aber kein Problem für Thor und seinen Hammer. Er zerstört den Roboter mit dessen eigener „ultimativer Waffe“. Der Rigel-Oberkommandeur beobachtet das Herannahen Thors und erwähnt, er sei fast so beunruhigt, wie die „schwarze Galaxis“ ihn mit Furcht erfülle. So stimmen Stan Lee und Jack Kirby ohne größere Umstände auf das Thema der nächsten Ausgabe ein. Thor betriff den Lebensraum Rigel, richtet dort noch ein bißchen Zerstörung an, bevor er dem Oberkommandeur gegenübertritt und von ihm in das Geheimnis der schwarzen Galaxis eingeweiht wird. Genauer gesagt: Die Rigelianer haben Angst vor etwas Unbestimmten, denn was sich in dieser Galaxis verbirgt, weiß noch niemand. Jedenfalls wird die Erde auch von dort bedroht, wie Thor erfährt. Also muß er, begleitet von einem Humanoiden, dorthin vordringen.

Auf den ersten Seiten ist ein Auftritt von Tana Nile eingefügt, die sich bei den Vereinten Nationen zur Kaiserin der Erde ausrufen lassen will. Ein Polizist hält sie für eine Verrückte, erbietet sich jedoch, sie in seinem Dienstwagen mitzunehmen. Ich bringe diese Frau in ihrem Karnevalskostüm am besten zum nächsten Revier, dann können die Kollegen sich mit ihr herumärgern, denkt er sich. Am Ende folgt die eben schon erwähnte kurze Szene mit Jane Foster und dem geheimnisvollen Mann, der neben ihr im Flugzeug sitzt. Beide Szenen wirken reichlich aufgesetzt. In der Haupthandlung setzt sich Thor mal wieder mit roher Gewalt durch. Insgesamt ist das eine enttäuschende Ausgabe – mit der Einschränkung, daß die Zeichnungen nun plötzlich besser wirken. Kirby macht ja seine Sache schon seit längerem gut, er ist hier auf dem Höhepunkt seiner klassischen Phase. Aber Colletta scheint seine Sache, wie erwähnt, besser als bisher zu machen.

Versäumt habe ich zu erwähnen, welche Bedrohung in der schwarzen Galaxis lauert. Kirby endet hier mit einer ganzseitigen Collage, bei der er wohl den Kopf einer antiken oder vor-antiken Statue verwendet. Thor bekommt es mit dem „lebenden Planeten“ zu tun, der von sich selbst sagt: „Ich bin Ego.“ Na dann…

Geändert von underduck (03.10.2019 um 12:20 Uhr)
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Alt 08.10.2019, 20:54   #3  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 102 und 104
(= Der mächtige Thor 51)

Erscheinungstermin: 1/2/1978

Originalausgabe:
1) The mighty Thor # 133

Story-Titel:
1) Sieh… der lebende Planet!

Original-Storytitel:
1) Behold… the Living Planet!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Dies ist eine bei Williams, aber auch im Original in ein paar Punkten vom Üblichen abweichende Episode. „Thor“ wurde als „Spinne“-Zweitserie für eine Ausgabe unterbrochen; das war „Spinne“ # 103, die im Original und somit auch in Deutschland einen erweiterten Umfang aufwies (um die Leser an die Preiserhöhung von 15 auf 20 Cent pro Heft zu gewöhnen). Weil die Spinne-Episode auch in „Spinne“ # 104 noch 22 Seiten hatte, war bei Williams erstmals kein Platz für die „Thor“-Coverabbildung. Bei dem Cover verpassen wir aber nichts Herausragendes. Thor rennt da gegen den „lebenden Planeten“ an, der wie eine personifizierte Gewitterwolke aussieht. Darunter ist eine Horde kriegerischer Körperzellen zu sehen, am rechten Bildrand beobachtet der Humanoide, den Thor von Rigel mitgenommen hatte, das Geschehen. Er versteht sich als Chronist, ähnlich wie der Beobachter aus „Fantastic Four“. Festzuhalten ist zudem, daß Jack Kirby in dieser „Thor“-Ausgabe erstmals mit ungewöhnlich großen Panels arbeitet. Es gibt ein doppelseitiges Panel, ein ganzseitiges, eine Seite mit zwei und drei mit drei Panels. Das hat inhaltlich damit zu tun, daß der Zeichner die Größe und fantastische Struktur des Planetenwesens Ego zum Ausdruck zu bringen versucht. Er zeichnet fantasiereiche Körperwelten, die zwar nicht an die mystischen Settings von Steve Ditko bei „Doctor Strange“ heranreichen, doch man kann sagen, der Zeitersparnis beim Zeichnen werden die großen Panels wohl nicht gedient haben. Leider büßt das Inking von Vince Colletta in meinen Augen wieder etwas an Qualität ein.

Vorbild dieser Episode dürfte der Richard-Fleischer-Film „Die phantastische Reise“ gewesen sein, der im selben Jahr ins Kino kam und die Reise eines Mini-Raumschiffs mit entsprechender Besatzung durch einen menschlichen Körper zeigt. Dieser Streifen gewann 1967 den Oscar für Spezialeffekte. Hier landet Thor mit seinem Begleiter auf einem Planeten, der sich als lebendiger Organismus entpuppt und gerät – eher unfreiwillig – in dessen Inneres. Der lebende Planet erzeugt ein Abbild von sich in normal großer Menschengestalt, um mit Thor kommunizieren zu können. Er enthüllt ihm, daß er schon lange auf einen Reisenden wie ihn gewartet hat. Er will herausfinden, ob er Thor überwinden kann. Wenn ja, will er zahlreiche Abbilder von sich selbst in den Weltraum senden, um Planeten wie die Erde zu erobern (wie das zuvor auch Rigel vorhatte).

Hier packt nun Thor nicht sogleich den Hammer aus, sondern muß sich auf dem und im Inneren dieses „Körpers“ erstmal zurechtfinden. Zusammen mit dem Humanoiden übersteht er dann jedoch alle Angriffe. Am Ende schaffen es die beiden, den Körper unbeschadet wieder zu verlassen – für den lebenden Planeten ist damit die Niederlage besiegelt. Er gibt alle Eroberungspläne auf. Thor kehrt mit dem Humanoiden im Schlepptau zur Erde zurück. Allerdings ist das wieder mal nicht das Ende der Geschichte. Inzwischen ist die Nebenhandlung mit Jane Foster so weit vorangetrieben, daß wir annehmen können, daß dies die nächste große Herausforderung für Thor wird. Der Glatzkopf, den Jane im Flugzeug kennengelernt hatte, bringt sie zu einem bärtigen alten Mann namens Tagar, der offenbar mit ihr bizarre genetische Experimente anstellen will (nächste Ausgabe: „Die Menschenzüchter“). Außerdem begegnen wir noch einmal Tana Nile, der Rigel-Kolonisatorin, die sich bereits als Kaiserin der Erde betrachtet hatte. Die Menschen nehmen sie nach wie vor nicht ernst. Während sie versucht, sich bei der Polizei Respekt zu verschaffen, bekommt sie eine Nachricht von Rigel, daß die Kolonisation der Erde abgeblasen ist und sie schleunigst nach Hause zurückkehren soll. Für sie ein peinlicher Karriereknick, denn dies wäre ihre erste Kolonisation gewesen.

„Lebende Planeten“ waren in den 60er Jahren sicher auch ein gängiges Motiv in der Science Fiction. Mir fällt allerdings gerade kein einschlägiger Roman ein. Dagegen erinnere ich mich an die „Valerian“-Kurzgeschichte „Tsirillitis, der Asteroid“, die aber erst nach „Der lebende Planet“ entstanden sein kann. Allerdings wird da eine ähnliche Story mit erheblich mehr Charme erzählt. Ich finde diese „Thor“-Episode nicht so schlecht wie die vorherige, aber es fällt wiederum auf, daß Lee und Kirby eher grelle Effekte aneinanderreihen, als der Geschichte eine folgerichtige Struktur zu geben oder sie mit humorvollen Untertönen zu versehen. Wir sind nach wie vor weit von der Erde und dem Alltag der menschlichen Identität des Helden entfernt, was für Marvel eher untypisch ist. Ich halt dies also nach wie vor nicht für eine gute Ausgabe. Aber vielleicht wird die Serie ja so allmählich wieder besser.



Geändert von underduck (08.10.2019 um 21:08 Uhr) Grund: Cover eingefügt
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Alt 09.10.2019, 07:13   #4  
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
„Lebende Planeten“ waren in den 60er Jahren sicher auch ein gängiges Motiv in der Science Fiction. Mir fällt allerdings gerade kein einschlägiger Roman ein.
Kein Planet, aber immerhin ein lebender Ozean fällt mir ein, der fast einen ganzen Planeten bedeckt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Solaris_(Roman)

Interessanterweise erzeugt auch dieser Ozean menschlich aussehende Abbilder.
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Alt 09.10.2019, 07:52   #5  
Peter L. Opmann
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Danke für den Hinweis. Ich habe gestern ein bißchen in "Der Sternenschöpfer" von Olaf Stapledon geblättert. Aber eigentlich habe ich nach einem Pulp-Roman gesucht, der das Motiv des lebenden Planeten verarbeitet. Jedenfalls: So etwas wird es sicher gegeben haben.
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Alt 11.10.2019, 12:07   #6  
Phantom
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Zitat:
Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Die Spinne (Williams) 102 und 104
(= Der mächtige Thor 51)
Kirby zeichnet ein paar wirklich schöne Bilder, z.B. das ganzseitige Panel auf Seite 27 in Spinne 104 mit der riesigen Horde Antikörper. Mit der Story kann ich nichts anfangen, aber ich bin auch kein Science-Fiction-Fan. Was soll ein lebender Planet sein (lebt unser Planet wohl nicht?), ein "multiple virus living matter", ein Bioversum, lebende Luft? Warum gehorchen (laut Williams) Thor "die Elemente eines ganzen Universums"? Nein, not my cup of tea.

Ein paar Schludrigkeiten von Williams: Auf Seite 30 (Spinne 102) erzählt uns Thor, dass er auch ein Physiker sei. Ganz was Neues! Stimmt nur leider nicht, im Original steht "physician" (Arzt) und nicht "physicist" (Physiker). Und "cosmic history" wird mit "Comic-Geschichte" übersetzt.
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Alt 11.10.2019, 12:58   #7  
Peter L. Opmann
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Zitat von Phantom Beitrag anzeigen
Was soll ein lebender Planet sein (lebt unser Planet wohl nicht?)
Ich denke schon, daß es 1966 nicht im allgemeinen Bewußtsein war, daß ein Planet - jedenfalls die sehr dünne Biosphäre - ein lebendiger Organismus ist. Ein Himmels"körper" mit Blutkreislauf, verschiedenen Arten von Zellen und einem eigenen Bewußtsein war da nicht mehr als eine ziemlich abgefahrene fantastische Idee.
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Alt 12.10.2019, 22:02   #8  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 105 und 106
(= Der mächtige Thor 52)

Erscheinungstermin: 2/3/1978

Originalausgabe:
1) The mighty Thor # 134

Story-Titel:
1) Die Menschenzüchter!

Original-Storytitel:
1) The People Breeders!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Jetzt wird’s wieder ziemlich abenteuerlich – in der übertragenen Bedeutung dieses Wortes. Nachdem Thor die Rigelianer und den lebenden Planeten abgefertigt hat, kommt er nun, vermittelt durch die verschwundene Jane Foster, mit dem Hohen Entwickler in Kontakt. Ich stelle mir vor, daß Stan Lee wohl große Mühe hatte, sich angemessene Gegner für den unbesiegbaren Thor auszudenken. Das wird nun eine Schöpfung des Entwicklers sein, die „Menschen-Bestie“, die genau besehen ein Werwolf-artiges Mischwesen ist – und vielleicht in gewissem Sinn ein Vorläufer des Man-Thing. Lee und Kirby stückeln die Episoden weiter sehr nachlässig zusammen; da war „Fantastic Four“ zu dieser Zeit doch deutlich sorgfältiger geschrieben. Vince Colletta inkt hier wieder mal ziemlich schludrig – damit konnte Jack Kirby sicher nicht zufrieden sein, der seinerseits nach wie vor mit fantastischen Figuren aufwartet.

Die Story des lebenden Planeten endet mit einem sauberen Schnitt. Letztes Mal hat der schon hoch und heilig gelobt, nie wieder eine Invasion zu planen. Die Rigelianer versprechen ihm nun, die Erde künftig in Ruhe zu lassen. Im Weltraum gilt das Wort ganz offenbar noch etwas! Tana Nile wird losgeschickt, eine ganze Galaxie zu kolonisieren – glücklicherweise nicht die unsrige… Überraschend kommt Galactus beim Sternsystem Rigel vorbei, der gerade wieder mächtig Kohldampf schiebt. Dieser kurze Handlungsstrang wird aber wohl nicht weiterverfolgt. Vielleicht dachte man, es wäre an der Zeit, eine Verbindung zum übrigen Marvel-Universum herzustellen. Später werden noch zwei weitere Gaststars einen kurzen Auftritt haben.

Der Fokus muß sich nun auf Jane Foster richten, die für Thor die Verbindung zu den seltsamen Menschenzüchtern herstellen wird. Es stellt sich heraus, daß der Mann namens Tagar ein Adliger aus der alten Welt (Europa) ist. Der Glatzkopf ist sein Fahrer, möglicherweise auch sein Diener. Man fragt sich, was er allein in dem Flugzeug zu suchen hatte, wo er Janes Bekanntschaft machte. Mehr noch fragt man sich, was Graf Tagar mit ihr vorhat. Zumindest für mich ist auch nicht ganz klar geworden, ob er der Hohe Entwickler ist. Thor hat von den Rigelianern ein „Seelensuchgerät“ bekommen, mit dem er Jane schnell auffinden kann. Mit dem handyartigen Apparat kann ihre „Lebensaura“ geortet werden. So trifft auch Thor kurz darauf in Europa ein, wo er jedoch von den „Rittern von Wundagore“ (sie erinnern entfernt an die Ritter der Tafelrunde) in Empfang genommen und eingefangen wird. So trifft Thor nun auch auf die Menschenzüchter. Der Name ist irreführend, denn was die züchten, sind Kreuzungen von Menschen und Tieren – was freilich aus mythologischen Zusammenhängen nicht unbekannt ist.

Als Thor auf den Hohen Entwickler trifft, kommt es zu einer kleinen Konfrontation, denn Thor ist von dessen genetischen Experimenten alles andere als begeistert. Jane hat hier übrigens bereits eine Aufgabe übernommen, und zwar, diesen Mischwesen das Erdenleben zu erklären. Der Entwickler läßt daraufhin sein jüngstes Experiment mit einem Wolf für einen Moment unbeaufsichtigt. Und so kommt diesmal eine besonders wüste und wilde Kreatur heraus, die Menschenbestie, die sich sofort auf Thor und Jane stürzt. Cliffhanger.

Also die bizarren Figuren, die Lee und Kirby hier auftreten lassen, finde ich durchaus ganz reizvoll. Aber ganz offensichtlich wurden zuerst diese Gestalten ersonnen, und dann haben Lee und Kirby mühevoll versucht, sie in eine halbwegs sinnvolle Geschichte einzubinden. Mit wenig Erfolg. Von der Menschenbestie kann man sich außerdem wohl nicht viel erwarten. Mit ihr wird Thor wohl ebenso kurzen Prozeß machen wie mit dem Monster, das sich vor einigen Ausgaben den Nornenstein unter den Nagel gerissen hatte (er nannte sich „Dämon“). Aber abwarten.

Die Serie hat jedenfalls seit # 32, als die kunstvoll verwobenen Handlungsstränge zunächst ihren Reiz hatten, sehr an Attraktivität verloren. Man will wohl keinesfalls zu abgeschlossenen Abenteuern zurückkehren, aber die Fäden immer weiterzuspinnen, fällt Lee und Kirby sichtlich schwer. Ursprünglich gab es ja ein übergeordnetes Thema, das alles zusammenhielt, nämlich Thors Wunsch, Jane Foster zu heiraten, was ihn unweigerlich in Konflikt mit seinem Vater Odin brachte. Und auch Loki hatte daran einen großen Anteil, weil er Thor immer wieder an dieser Achillesferse zu treffen versuchte. Jetzt ist Loki weg, Odin scheint versöhnt, und in der Beziehung Thors zu Jane knistert nicht mehr viel. Darüber hinaus fehlen der Serie einfach die Probleme des Helden mit seiner Doppelidentität. Wenn ich mich recht erinnere, hat Thor Jane verraten, daß er mit Don Blake, dem Arzt, identisch ist. Auch dies hat seit einigen Ausgaben keine nennenswerten Konsequenzen mehr. Bin gespannt, ob es Lee und Kirby nochmal schaffen, das Ruder herumzureißen.

Nachtrag: Der erwähnte zweite Gastauftritt ist der von Quecksilber und der Scharlachhexe von den Rächern. Auch sie treiben sich in der Nähe der Menschenzüchter herum. Eine direkte Verbindung zu dieser Story wird aber – vorerst – nicht hergestellt.

Geändert von Peter L. Opmann (12.10.2019 um 22:15 Uhr)
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Alt 14.10.2019, 16:59   #9  
Peter L. Opmann
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Die Spinne (Williams) 107 und 108
(= Der mächtige Thor 53)

Erscheinungstermin: 3/4/1978

Originalausgabe:
1) The mighty Thor # 135

Story-Titel:
1) Grauenvoll! Gefährlich! Die Super-Bestie!

Original-Storytitel:
1) The maddening Menace of the Super-Beast!

Zeichnungen:
1) Jack Kirby / Vince Colletta

Text:
1) Stan Lee



Jack Kirbys DC-Arbeiten wie „New Gods“ und „Forever People“ kenne ich nur wenig, aber ich könnte mir vorstellen, daß manches, was er dort gemacht hat, in dieser Thor-Episode von Ende 1966 bereits anklingt. Den Reiz der Story macht die Beschreibung einer bizarren Gesellschaft von Mensch-Tier-Wesen in einer abgelegenen Gebirgsgegend in Europa aus. Der Plot dagegen ist ziemlich simpel, weshalb ich annehme, daß Stan Lee an dieser Ausgabe nur wenig beteiligt war – vielleicht hat er sich ganz auf das Schreiben der Dialoge beschränkt. Ohne Kirby-Fans zu nahe treten zu wollen, muß ich sagen, daß das Gesamtergebnis enttäuschend ausfällt.

Die Handlung dieser Ausgabe kann man recht kurz wiedergeben. Die „Menschen-Bestie“ will, kaum ihrer Retorte entstiegen, Thor das Licht ausblasen. Sie behauptet, in der Evolution so weit avanciert zu sein, daß sie ihn mit Leichtigkeit besiegen kann – was sich aber (natürlich) als Trugschluß erweist. Der Hohe Entwickler betritt mit seinen Rittern (übrigens alle Mensch-Tier-Wesen) die Szene, um die Menschen-Bestie zu töten – witzigerweise bringt er sie zunächst mit einer Hundepfeife aus der Fassung. Der Menschenwolf flieht und hindert seine Verfolger mit einer Barriere daran, ihn zu erreichen. Allerdings besitzt der Entwickler ein wunderliches Gerät, mit dem er die Barriere durchbrechen kann. Als seine Leute und Thor nachrücken, werden sie von einer ganzen Horde von evolvierten Mensch-Tier-Kreaturen angegriffen. Nun greift auch Tagar, bewaffnet mit „Kathoden-Handschuhen“, ins Geschehen ein. Am Rand des Getümmels macht Thor dem Menschenwolf endgültig den Garaus. Die anderen von ihm erzeugten Superwesen ziehen sich zurück und starten mit einer „Sternenkammer“ ins All, um sich in einer „weit entfernten Galaxie“ einen neuen Lebensraum zu suchen.

Der Hohe Entwickler erzählt seine Geschichte. Er ist ein Wissenschaftler, dessen Versuche mit der evolutionären Weiterentwicklung von Tieren und Menschen von Fachkollegen nicht ernst genommen wurden, weshalb er sich nach Wundagor zurückzog. Nun will er seine Experimente beenden. Es wird deutlich, dass Wundagor in Wirklichkeit ein Raumschiff ist. Auch er reist nun damit zu einem unbewohnten Planeten. Wie er dort seine Experimente weiter betreibt, wollen wir uns lieber nicht genauer vorstellen. Hier haben wir nun einen Schluß, der die bisherigen Handlungsstränge tatsächlich abschließt. Weder Galactus noch Quecksilber und die Scharlachhexe haben sich noch einmal in die Story eingemischt. Fürs nächste Heft wird angekündigt: „Jane wird unsterblich!“

Hier sind uns eine Menge von Figuren präsentiert worden, die alle bizarr aussehen, aber als Charaktere kaum plastisch werden. So ist die gesamte Story ziemlich platt und einfallslos. Vielleicht hat das auch Stan Lee erkannt und damals lieber einen Neuanfang der Serie gewagt. Um ihn wieder ins Gedächtnis zu rufen, hatte Göttervater Odin in diesem Heft noch einmal einen kurzen Auftritt. Im nächsten Heft wird er wohl wieder eine wichtigere Rolle spielen. Von Don Blake ist nach wie vor nirgends etwas zu sehen, doch vielleicht kehrt auch er ja nächstes Mal zurück.


Geändert von underduck (14.10.2019 um 19:34 Uhr) Grund: Cover eingefügt
Peter L. Opmann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.10.2019, 11:17   #10  
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Zitat von Peter L. Opmann Beitrag anzeigen
Die Spinne (Williams) 100 und 101
(= Der mächtige Thor 50)
Die Story war mir nicht vollständig in Erinnerung, aber immerhin zwei Sachen: Ohne Ahnung von Astronomie zu haben, war ich als kleines Kind verwirrt vom Namen "Rigel" - warum hieß das denn nicht "Riegel"? Und die letzte Seite mit der großen Collage und dem Satz "Ich bin Ego" habe ich auch ungläubig betrachtet.

Aus heutiger Sicht finde ich die Story auch sehr schwach. Die fremde Welt von Rigel wird kaum näher beleuchtet, es wird gleich zur nächsten Bedrohung übergeleitet. Die drei Panels mit Jane und dem Glatzkopf sind ja auch ganz übel, man erkennt gar nicht, dass das Kirby gezeichnet haben soll (aber vielleicht hat Colletta das auch verpfuscht). Aber diese Collage ganz am Schluss ist schon eine sehr gute Idee und ein schöner Cliffhanger.

Die einzige Schwierigkeit für die Übersetzung war der von Lee und/oder Kirby erfundene "Mind Thrust", also eine Art Telekinese. Das wurde bei jedem Vorkommen anders übersetzt, im letzten Heft als "geistiger Befehl", hier einmal mit "Hirnstoß", später mit "Hirnstrom". Na ja.
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Alt 11.10.2019, 09:53   #11  
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Nach mehreren Wochen mit intergalaktischen Reisen versuche ich, Zeit für die restlichen Williams-Thor-Geschichten zu finden. Ich überspringe mal die Herkules-Sachen und steige mit Tana Nile wieder ein.

Thor "re"-visited passt für mich jetzt nicht mehr so ganz; ich glaube, ich habe in dieser späten Williams-Phase die Zweitgeschichten mit Thor gar nicht mehr gelesen. Ich kann also nicht mehr vergleichen, wie die Story als Kind auf mich gewirkt hat und wie ich sie heute sehe. Vielleicht bin ich deswegen auch zu kritisch, aber mir fällt immer mehr auf, welch ein blasser Charakter dieser Thor ist: ausschließlich gut, unendlich körperlich stark, ohne jeden Fehler, ohne Selbstironie, also todlangweilig. Die Auflösungen verlaufen auch immer gleich: Kirby tobt sich aus bei der Erfindung neuer Welten, es wird irgendein Konflikt konstruiert, Thor schaut sich das ein paar Seiten lang an und dann setzt er seine Körperkraft oder seinen Uru-Hammer ein und besiegt alle anderen. Öde. Und diese Jane Foster wird auch immer abtörnender, die Love-Story deswegen immer uninteressanter. Die Zeichnungen von Kirby sind dagegen manchmal schon eine Wucht, gerade die großen ein- oder zweiseitigen Bilder.

Zitat:
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Die Spinne (Williams) 98 und 99
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Ich habe von Williams nur die zweite Hälfte der Story. Auf Seite 25 wurden deutsche Texte vertauscht: unten links sieht man eine erhitzte Erde, im Text liest man von "Eiszeit"; im nächsten Panel sieht man Eis und Schnee, im Text steht etwas von "einer unvorstellbaren Hitze". (Am Klimawandel ist also Tana Nile schuld, das ist vielen Wissenschaftlern wohl noch unbekannt.) An den Übersetzungen fällt mir nichts auf.

Auf Seite 29 in Spinne 99 hat Kirby eine seiner für diese Zeit typischen Collagen eingefügt. In schwarz/weiß hätte die aber besser gewirkt; so richtig viel kann man nicht erkennen. Das wird in der nächsten Story besser.
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Alt 11.10.2019, 11:05   #12  
Peter L. Opmann
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Danke für die Anmerkungen. Du kannst ruhig weitermachen - es ist nicht zwingende Voraussetzung, daß man das in der Kindheit schon gelesen hat.

Zitat:
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Thor ist: ausschließlich gut, unendlich körperlich stark, ohne jeden Fehler, ohne Selbstironie, also todlangweilig.
Erinnert einmal mehr sehr an Superman.
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