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Alt 05.01.2012, 00:36   #12  
zwergpinguin
Moderator Tessloff Verlag
 
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Standard Couch Fiction

„Wie eine Psychotherapie funktioniert“ ist der Untertitel dieses Bandes und genau das wird in diesem 162-seitigen Buch beschrieben.
Die Autorin dieses Buches die 1957 geborene Britin Philippa Perry, selbst über zwanzig Jahre als Psychotherapeutin tätig, hat die Frage warum sie dieses Buch geschrieben hat, im Vorwort beantwortet „…, weil ich zeigen wollte, wie das Leben als Therapeut/in und als Klient/in sein kann“.
„Kann“, da es in keiner Weise als Handbuch der Therapie zu betrachten ist, wie Andrew Samuels, Professor der Analytischen Psychologie an der University of Essex in seinem Nachwort noch einmal deutlich machte.

Anhand der zwei Probanten Pat der Therapeutin und James ihres Klienten soll verdeutlicht werden, wie eine Psychotherapie funktionieren kann.
„Ich habe Inhalte aus den Träumen tatsächlich existierender Personen mit deren Erlaubnis verwendet, aber abgesehen davon ist diese Geschichte frei erfunden. Obwohl keine der in ihr vorkommenden Personen je gelebt hat, ist sie ein typisches Beispiel für eine psychotherapeutische Fallstudie, ...“
In dieser Geschichte geht es um James, ca. 35 und Rechtsanwalt, der zu Pat kommt, um mit ihrer Hilfe seiner Kleptomanie beizukommen. Angefangen mit dem Aufbau der für die Therapie wichtigen Beziehung Therapeut-Klient, seiner Kindheit, seiner Freundin, zu den auslösenden und prägenden Ereignissen die ihn zum Dieb werden ließen und bis zu den Erkenntnissen die ihn zu „einem Anderer“ werden lassen.
Auf diesem Weg begleitet der Leser Pat und James. „Erlebt“ was in ihnen vorgeht, welche Erfolge aber auch welche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen.

Interessant ist, dass Philippa Perry die ganze Geschichte noch einmal untertitelt hat. Und zwar gibt sie unter dem Strip ergänzende Hinweise zur Therapie. Warum ist Pat jetzt nicht so vorgegangen, was soll es bewirken wenn sie dies fragt/hinterfragt, warum hat gerade dies in James diese Reaktion ausgelöst. Auch werden dabei die verschiedenen Richtungen der Psychotherapie erwähnt und kurz gegeneinander gestellt. Auch um zu Verdeutlichen warum Pat in dem Moment diesen Weg gewählt hat. Gerade diese zusätzlichen Erklärungen haben für mich den besonderen Reiz ausgemacht.
Wer sich etwas genauer mit den Bildern beschäftigt, wird an dem Bild im Hintergrund stets Veränderungen bemerken. Je nach Verlauf der Therapie.
Wer schon immer wissen wollte wie so eine Therapie ablaufen kann und dabei direkt in die Köpfe der beiden Protagonisten schauen will, kann es in dem Buch tun.

Das was mich nicht überzeugt hat sind die Zeichnungen. Sie wirken auf mich wie bessere Fan-Zeichnungen.
Die Zeichnerin Junko Graat wurde in Japan geboren, hat dort Design studiert, kam zum Studium der Europäischen Gartenarchitektur nach England und ist heute als Landschaftsgärtnerin und Illustratorin tätig.

Erschienen im Verlag Antje Kunstmann

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