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Alt 20.07.2021, 13:23   #34  
LaLe
Dr. Znegilletnirepus
 
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Starman Omnibus Volume 1
(enthält US-Starman Vol. 2 #0, 1-16)



Wie angekündigt, will ich an dieser Stelle ein paar Worte zur Omnibusausgabe verlieren, da wir bei den Einzelheftbesprechungen an dem Punkt angelangt sind, dass die hier enthaltenen Hefte allesamt besprochen wurden. Auf die will ich nur ganz kurz mit einem Spoiler eingehen und mich anschließend dem redaktionellen Teil, der durchaus umfangreich ausfällt, widmen.



Soviel zur Handlung, die im Prinzip nichts anderes als ein siebzehn Hefte andauernder Prolog ist und “nebenbei” ein geradezu faszinierendes Worldbuilding betreibt. Bis zu diesem Punkt kannte ich sie schon, da ich vor wenigen Jahren die Softcovervariante des Omnibus geschenkt bekam. Das Hardcover konnte ich kürzlich für kleines Geld in der Bucht erstehen.

Kommen wir zu den Extras. An Zahl sind das gar nicht so viele. Es gibt ein Vorwort, zwei Nachdrucke der redaktionellen Teile der Hefte 0 und 1 und ein Nachwort, das sehr speziell geraten ist. Das gilt insbesondere auch für den Umfang.

Zu den nachgedruckten Teilen will ich gar nichts groß schreiben, da ich die in den Einzelheftbesprechungen bereits erwähnte und sich deren Inhalt auch in den Nachworten wiederfinden dürfte.

Kommen wir also kurz zur Einleitung.

Knapp die erste der beiden Seiten nutzt James Robinson um zu erklären warum das Vorwort nicht so ausfiel wie er sich das gedacht hatte. Da waren nämlich die Mächtigen bei DC davor.

“Are you insane?” the powers at DC screamed. “The thing weighs in at thirteen odd pages and you aren´t even half done. And,” they added, I thought overly cruelly, “they were very odd pages indeed.”

Also fing er alternativ mit seiner Jugend in England an und erzählte wie er sturzbetrunken einen Blick gen Himmel tat und womöglich die ersten Ideen von Jack Knight in seine Vorstellungswelt gepflanzt wurden.

Die sieben Jahre an Starman sind Teil seines Lebens geworden (wie könnten sie auch nicht) und ihm ist wichtig zu sagen, wie groß der Anteil von Tony Harris daran war, dass die Serie zu dem wurde was sie ausmacht. Alles was noch an “Piraten” kommen wird ist auf dem Mist des Zeichners gewachsen wie auch Solomon Grundy als Hauptnebenfigur, die, anders als vom Autor angedacht, mehr als nur einen Auftritt bekam. Und das seien lediglich Beispiele.

Dankbar ist er den treuen Fans, die es möglich machten diese Geschichte über mehr als 80 Ausgaben zu erzählen und dass diese nun ergänzt um alle Nebenserien und Tie-ins in einer sechsbändigen Kollektion neu aufgelegt würde.

Nun ist er nicht mehr der junge Trunkenbold, sondern einer, der sich das Taxi leisten kann. Und zusammen mit dem Smog von L. A. sorgt das dafür, dass er die Sterne nur noch selten zu sehen bekommt. Aber er erinnert sich.

Ich hoffe, das kommt im Compendium zum Abdruck. Das liest sich echt schön.

Damit wären wir beim Nachwort, das ursprünglich das Vorwort hätte werden sollen. Sinnigerweise läuft dies unter dem Titel “Times Past - an ongoing afterword”. Pun intended.

Das sind diesmal 12 Seiten, immer wieder durch Zeichnungen und Skizzen aufgelockert.

James Robinson beginnt erst einmal bei sich und damit, dass er damals weit davon entfernt war, der Mann zu sein, der er heute (2008) ist. Alles was er vorweisen konnte waren übertriebene Ambitionen dahingehend in der Comicszene wahrgenommen werden zu wollen und anderen die ihnen zuteil werdende Aufmerksamkeit zu neiden. Was ihn rettete war die Unterstützung von Archie Goodwin zu Beginn.

Er war gar nicht einmal darauf aus unbedingt Starman schreiben zu wollen. Was er wollte, war, einen Comic zu schreiben wie sie in den späten 80ern und frühen 90ern aufkamen. Comics, die das Naiv-kindliche hinter sich ließen, das Fantastische mit der Realität verbanden und “erwachsener” waren. Und er führt dann fleißig Beispiele an, allen voran natürlich Alan Moore und Frank Miller mit ihren Werken.

Dann bekam er einen Job bei Titan Books, die Gaimans Frühwerk Violent Cases vertrieben. Und jedesmal, wenn er den damals noch unbekannten Dave McKean traf, kam ihm die Sache mit dem Neid in die Quere und er schnitt ihn sobald er ihm über den Weg lief. Tatsächlich hielt er dessen Arbeit für großartig.

Dann wird es langsam unübersichtlich und man versteht was die Mächtigen bei DC meinten. James Robínson erzählt etwas sprunghaft davon welche Begebenheiten und Personen ihn letzten Endes in die Staaten verschlagen haben bevor er von seinem großen Idol Grant Morrison berichtet.

Die Rede ist von seinen ersten Arbeiten mit Zeichner Paul Johnson an der Serie London´s Dark und von Mike Lake, Teilhaber bei Titan Books, der die Schuld daran trägt, dass Robinson als Autor ins Comicgeschäft einstieg.

Eine Ausgabe dieser Serie las US-Autor Matt Wagner, der Robinson anbot ihn an der Serie Grendel zu ersetzen. Und der Kontakt zu Mark Badger brachte ihm dann von Mark Waid himself den Auftrag, eine Folge der Secret Origins zu schreiben, einer nach der Crisis on Infinite Earths gestarteten Reihe. Tim Burgard, den Robinson auf der Leserseite der # 10 bereits erwähnte, zeichnete nach seinem Skript zu “The Secret Origin of Dinosaur Island.”

Und dann bot ihm Mike Lake an ihn bei der Eröffnung eines Comicshops in Los Angeles zu unterstützen. So landete Robinson in den Staaten und bei Morrison.

Als dieser die Doom Patrol übernahm, kamen die beiden zusammen und Morrison erzählte wie er gerade die vielen surrealen und verrückten Elemente der Serie schätzte und vorhatte diese für einen Mainstreamcomic ungewöhnliche Ausrichtung beizubehalten. Und kaum hatte er den ersten Arc abgeschlossen passierte das, was Robinson als Initialzündung der erwachsenen Comics bezeichnet. DC brachte Vertigo an den Start.

Robinson beschreibt wie aus seiner Sicht die Welt der Comics begann sich in zwei Welten aufzuteilen. Superhelden auf der einen und Vertigo auf der anderen Seite. Was er zu dieser Zeit vermisste war das Mittelding, das beide Welten wieder vereinte. Zu dieser Zeit, zeichnete Archie Goodwin für eine Reihe von Miniserien verantwortlich und so kamen er, Robinson und Paul Smith zusammen. Ergebnis war The Golden Age, das Autor und Zeichner eine Nominierung für den Eisner Award einbrachte und ein weiterer wichtiger Schritt zum Starman Run wurde.

Und dann hoffte Robinson auf seine monatliche Serie. Er entwickelte Konzepte und stellte diese Karen Berger bei Vertigo (etwas um Jason Woodrue herum) und auch Marvel (eine Neudefinition von Doc Samson) vor. Zum Zuge kam er jedoch nicht.

Zu der Zeit schaute er sich die Serien noch einmal an, die von sich reden machten (Millers Daredevil, Moores Swamp Thing, Morrisons Doom Patrol) und stellte fest, dass es keine Neuentwicklungen waren sondern dass sich ein Autor einer präfinalen Serie annahm und diese zu neuem Leben erweckte. Und dann fiel sein Blick auf Starman, zu der Zeit in der Will Payton-Inkarnation. Eine Serie, die sich aus Gründen, die Robinson nicht nachvollziehen konnte, schlecht verkaufte.

Was ihm auffiel war, dass alle bisherigen Starmen in keinerlei Verbindung zueinander standen. Anders als andere Superhelden bei denen ganze Generationen miteinander agierten. Beispielsweise der Flash, wo Jay Garrick, Barry Allen und Wally West gemeinsame Auftritte hatten. Und so entwickelte er Pläne wie Will Payton und die Knights zusammenkommen könnten an einem extra dafür geschaffenen Ort und erzählte Archie Goodwin davon. Die Resonanz war überschaubar. Und dann wurde die Serie abgesetzt und Will Payton starb. Letzteres geschah in der Miniserie Eclipso: The Darkness Within.

Robinson war aufgeregt und rief Goodwin an er möge den Charakter für ihn reservieren. Wie sich herausstellte hatte er dies aber bereits getan. Angedacht war eine vierteilige Miniserie (der Storyarc “Sins of the Father”) und sollte sich die verkaufen eine Ongoing. Archie Goodwin brauchte dazu das Go eines zweiten Verantwortlichen. Den fand er in Mike Carlin, der gleich das Okay für eine Ongoing gab.

Dann brauchte es noch einen Zeichner. Robinson hatte zwei Anforderungen.

Erstens müsste er mit Schatten und Dunkelheit arbeiten können, da Starman als Held der Nacht konzipiert und von Jack Burnley und Mort Meskin im Golden Age entsprechend gezeichnet wurde. Möglicherweise ein Grund weshalb Will Payton nicht funktionierte, der eher wie die bunten Superhelden gestaltet wurde.

Zweitens müsste er in der Lage sein monatlich zu liefern. Und so kam man auf Tony Harris. Damit trafen zwei nicht ganz einfache Charaktere aufeinander aber irgendwie fanden sie einen Weg ihr gemeinsames Baby zu dem zu machen, was es letztendlich wurde. Und es war beider Baby.

Die Times Past Hefte (zwei davon hatten wir bereits) baute Robinson in seinen Run ein um zum einen Opal City zu dem historischen Ort zu machen, der die Stadt von Beginn an war und um Tony Harris Spielraum zu geben sich künstlerisch auszutoben.

Und so entstand die Serie, die Robinson immer schreiben wollte und von der er glaubte, dass DC sie bräuchte. Und es steckt eine ganze Menge von ihm selbst mit drin, nicht zuletzt sein Vintage-Faible, das er mit Jack Knight teilt.

Hier betont er dann noch einmal wie wichtig ihm die Ausgestaltung von Opal City als einem fiktiven Ort war. Und wie stolz er darauf ist, dass Grant Morrison und Mark Millar dies nach ihm mit Vanity, Oregon für Aztek taten.

Für diesmal beendet er sein Nachwort mit einer Danksagung an alle Menschen, die ihm in der Zeit an Starman begegneten und diesen sieben Jahre andauernden Run möglich gemacht haben.

Aufgelockert wird dieser ausschweifende Monolith von einem Nachwort durch viele Zeichnungen. Darunter alternative Cover und Konzeptzeichnungen zu Jack, The Shade, Nash, Kyle, The Black Pirate (der kommt noch), Ted Knight, Bliss, Crusher, Ragdoll und Babaloo, dem Dämonenaffen.

Der Omnibus selbst ist auch im Hardcover angenehm zu lesen. Mit 17 Heften ist der weit von den Handgelenke brechenden Kloppern entfernt, die sonst so unter dieser Bezeichnung laufen und unter dem Schutzumschlag findet man das Cover nochmal ohne Schriftzüge. Sehr schön.

Und damit bin ich am Ende des ersten von geplanten sieben Meilensteinen angelangt und werde eine kleine Pause einlegen. Auch weil die DC Showcase Ausgaben noch nicht angekommen sind, die im zweiten Omnibus enthalten sind. Zu lang wird die aber nicht werden, da ich kaum erwarten kann Neuland zu betreten. Den ersten Omnibus kannte ich schon, der zweite ist mir komplett unbekannt.

Bis dahin versuche ich mich vielleicht an Aztek oder Kid Eternity von Grant Morrison.

Geändert von LaLe (20.07.2021 um 23:52 Uhr)
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