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Alt 07.12.2021, 12:01   #43  
LaLe
Dr. Znegilletnirepus
 
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Starman 20 - Sand and Stars, Part One



Autor: James Robinson
Zeichner: Tony Harris, Wade von Grawbadger
Erschienen: Juli 1996



So weit Teil 1, der Robinson wieder reichlich Gelegenheit bot, Rückgriffe auf das Golden Age zu tätigen und dieses mit Leben zu füllen.

Großartig die parallele Schilderung von Ted Knight und Wesley Dodds über ihre gemeinsame Zeit bei der Society, die deutlich macht, dass sie ihr Verhältnis zueinander durchaus unterschiedlich beschreiben und offensichtlich auch wahrgenommen haben. Klasse auch, wie Dodds Jack deutlich zu verstehen gibt, dass er keinen Mist erzählen soll wenn er behauptet wegen ihm so gerne nach New York gekommen zu sein. Er wisse was der Sohn Ted Knights über kostümierte Helden denkt. Das tölpelhafte Verhalten (toll auch von Tony Harris dargestellt) gegenüber Dian Belmont, einer Figur, die es bereits in den 40ern gab, ist dem alten Mann nicht entgangen. Schön auch wie die Auswirkungen der Zero Hour auf Dodds thematisiert werden, der deutlich stärker gealtert ist als Ted Knight.

Und so entsteht wieder diese erzählerische Dichte und das Gefühl von Vertrautheit mit den Figuren und ihrer Geschichte, das ich an dieser Serie so schätze. Da ist es fast schon lästig diese Rezension zu schreiben, hält die mich doch davon ab einfach weiterzulesen (die drei Folgehefte liegen schon bereit...).

Kommen wir zur Leserseite. James Robinson stellt zum wiederholten Male fest, dass er nicht hinterherkommt, schon gar nicht wenn ihm nur eine Seite zur Verfügung steht oder er einen Teil von The Shade´s Journal unterbringen kann/muss/will. Und so tut er, was ich für gewöhnlich mit seinen Leserseiten tue, er fasst einfach zusammen was ihn so erreicht hat und bringt ansonsten nur ganz kleine Highlights. Das ist in diesem Fall gar nicht so verkehrt, kommen die Reaktionen auf US-Starman 11-16 so recht komprimiert und angesichts des damit abgedeckten Fünfteilers "Sins of the Child" finde ich das alles andere als schlecht. Besser jedenfalls als wenn sich des Autors Reaktionen darauf über ein halbes Jahr ziehen. Okay, wäre für mich jetzt kein Problem, für die Leser in den 90ern war es das aber allemal.

Erstaunlich fand ich wie viele Leser sich mit dem Dialog der Mobster in US-Starman 14 befasst haben. Da ging es um die Frage welches Werk von Stephen Sondheim das bedeutendste sei. Robinson wollte dies als Reminiszenz an Tarantinos Reservoir Dogs verstanden wissen, manche Leser hielten das für eine dreiste Kopie. Zu einer ähnlichen Thematik sah sich Robinson veranlasst klarzustellen, dass Jacks Ansichten und Präferenzen nicht zwingend auch die seines Schöpfers sind.

Wenig überraschend gab es auch teilweise negatives Feedback, speziell zu drei Ausgaben/Sachverhalten.

Mit US-Starman 11 haderten Leser, die die Darstellung der alten Society als Mörder von Ragdoll so gar nicht verknusen konnten. Dazu muss man sagen, dass es Robinson bislang vermieden hat, die Ereignisse, die zum Tod Ragdolls führten, so ausführlich und neutral zu beschreiben, dass man dies als einen gesicherten Fakt hinnehmen kann. The Shade bleibt in seinen Aufzeichnungen sehr vage (schließlich war er nicht dabei) und auch Ted Knights Aussagen dazu sind nicht sehr konkret. Und der weiß es eventuell gar nicht besser. Für mich überraschend kam dann an dieser Stelle die Aussage von Robinson, dass sich die Kritiker noch gedulden sollten, der Vorfall würde noch einmal aufgegriffen und aufgeklärt.

Weitere Kritik gab es an der Darstellung von Dr. Phosphorus, der nach seinem Upgrade durch Neron vom alten Ted Knight in US-Starman 13 besiegt werden konnte. Aber auch hierzu verspricht Robinson, dass das Thema noch einmal aufgegriffen wird.

Harsch fiel die Kritik dann zu US-Starman 15 aus. Hier erregte das Gewaltlevel Anstoß (die Misshandlung von Grundy und Mikaal Tomas) und teilweise wurde gar mit einem Ausstieg "gedroht". Das tat Robinson einerseits leid, andererseits würde er sich für die an dieser Stelle getroffene künstlerische Entscheidung nicht entschuldigen. Die Story "Sins of the Child" habe er ganz bewusst so angelegt, dass jedes der fünf Hefte, die einen denkbar schlimmen Tag aus unterschiedlichsten Perspektiven immer wieder neu erzählen, einen anderen Ton und Aufbau habe. Ihm sei beim Schreiben der #15 bereits klar gewesen, dass es darauf nicht nur positive Reaktionen geben würde.

Dazu stellt er noch einmal grundsätzlich klar, dass seine Intention mit Starman nicht die sei, einen Standard-Superheldencomic zu schreiben. Im direkten Vergleich mit den von ihm sehr geschätzten Mark Waid und Kurt Busiek könne er da nur den kürzeren ziehen. Deshalb hatte er sich entschieden die Serie ganz anders aufzuziehen und dazu gehört eben auch, dass er Dinge (be-)schreibt, die in einem "normalen" Superheldencomic nicht auftauchen und von Teilen der Leserschaft nicht gut aufgenommen werden. In Summe hoffe er aber, dass sein Starman gerade wegen dieser Andersartigkeit überwiegend positiv aufgenommen wird.

Daran schließt sich dann eine ganze Latte (Seite) an Danksagungen an und zum Ende hin bittet Robinson noch einmal darum zahlreich zu schreiben. Dass die Leser in den letzten Ausgaben so wenig Platz bekommen hatten sei nicht dahingehend zu verstehen, dass deren Feedback nicht erwünscht sei und gar nicht gelesen würde. Ganz im Gegenteil.

Die Seite Watch This Space wird mit einem Fan eingeleitet, der aus Kabelbindern Superheldenfiguren konstruiert. Die abgebildeten Charaktere sehen überwiegend richtig gut aus. In der Folge werden andere Figurenkünstler erwähnt und abschließend wird die Frage beantwortet was in den Konferenzen bei DC so passiert. Angeteasert wird Batman: Contagion, hierzulande bekannt als Der Fluch.

Beworben werden Musicland mit Alben von Hog (?) und Love and Rockets, Simon & Kirby The Legend, The Big Book of Little Criminals von Paradox Press, einem DC-Imprint bekannt für A History of Violence und Road to Perdition und zum Schluss der Film Twister.

Reines DC-Zeug, das angepriesen wird, sind ein Batman: Dark Legends Trade, Green Lantern und Green Arrow: Hard-Travelling Heroes: The Next Generation, Martian Manhunter Special 1, Arsenal Special 1, Catwoman Annual 3, Adventures of Superman Annual 8 (die beiden Annuals unter dem Legends of the Dead Earth-Banner) sowie Kingdom Come.

Geändert von LaLe (07.12.2021 um 21:34 Uhr)
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