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Alt 29.03.2018, 16:58   #82  
Servalan
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I Shot Andy Warhol (USA 1996, BBC Arena, Playhouse International Pictures und Killer Films), Drehbuch: Mary Harron und Daniel Minahan frei nach The Letters and Diaries of Candy Darling (1992) von Jeremiah Newton, Regie: Mary Harron, Musik: John Cale, 103 min, FSK: 16

Nachdem sie am 3. Juni 1968 versucht hat, Andy Warhol (1928 - 1987) sowie dem Kunstkritiker und Kurator Mario Amaya (1933 - 1986) im seinem Studio The Factory zu erschießen, wird Valerie Solanas (1936 - 1988) von der New Yorker Polizei verhört.
Sie hat es in ihrer schweren Kindheit gelernt, sich durchzuschlagen. Als sie vor ihrem Vater und ihrem Großvater floh, der seine Enkelin mißbrauchte, floh, lebte sie auf der Straße. Sie will Schriftstellerin, schreibt sich für Psychologie an der Universität ein. Wenn Geld knapp war, bettelte sie oder prostituierte sich. Trotz des rauen Klimas in den 1950ern lebte sie offen als Lesbe.
Durch ihren Freund Stevie lernt sie Candy Darling (1944 - 1974) aus der Factory kennen, die sie Warhol vorstellte. 1967 bat sie Warhol, sich eines ihrer Theaterstücke, Up Your Ass, durchzulesen. Wegen seiner expliziten Filme hatte Warhol Schwierigkeiten mit der Polizei und vermutete eine Falle.
Unterdessen lernt Solanas Maurice Girodias kennen, der in seinem Verlag Olympia Press vorwiegend pornographische Titel veröffentlicht. Er schließt mit ihr einen Vertrag über einen pornographischen Roman ab. Solanas traut dem Braten nicht, wird mißtrauisch und glaubt, Warhol und Gorondias würden sie kontrollieren. Dann verliert ihr Mentor Warhol, der ihr Theaterstück produzieren soll, auch noch das Manuskript und speist sie mit 25 Dollars ab.
Sie besorgt sich eine Waffe und marschiert in die Factory.

Seit dem Mordversuch lebt Warhol in Angst, denn er befürchtet, Solanas werde es ein zweites Mal versuchen.
Solanas pornographischer "Roman" war das brühmt-berüchtigte radikalfemnistische SCUM Manifesto - Society for Cutting Up Men (Selbstverlag 1967, Olympia Press 1968), das in Männer und dem Patriarchat eine Herrschaft des Abschaums (englisch Scum) sieht.

Desweiteren treten auf: Viva (Jahrgang 1938), Jackie Curtis (1947 - 1985), Ondine (1937 - 1989), Paul Morrissey (Jahrgang 1938), Tom Baker (1940 - 1982), Brigid Berlin (Jahrgang 1939), Rotten Rita und Ultra Violet (1935 - 2014)

In den 1990er Jahren wurden im Indepentkino mehrere Filme über Künstlerinnen produziert, wobei das Spektrum von Camille Claudel bis zu Artemisia Gentileschi reichte. Bei den Vorführungen im Arthouse konnte das Publikum ernsthafte Künstlerinnen kennenlernen, die sich gegen gesellschaftlichen Widerstand durchsetzen konnten. Historische Kostümfilme betonten dabei den Einfluß wohlwoillender Mentoren und Förderer, häufig Väter oder Liebhaber. Das Biopic über Valerie Solanas entzieht sich einer Vorlage, bei der sich das Publikum mit der Heldin identifizieren und mitkämpfen kann.
Obwohl nur noch wenige der Dargestellten lebten, erlaubt der Film einen Vergleich zwischen der Gegenwart in den 1990ern und den 1960ern auf der Leinwand. Der konzentrierte Blick auf entscheidende Schlüsselmomente in Solanas' Leben vermeidet den klassischen Lebenslauf in Rückblenden.

Weltpremiere feierte das prominent besetzte Biopic in der Reihe Un Certain Regard bei dem Filmfestspielen von 1996. Lili Taylor wurde beim Sundance Film Festival 1996 für ihre Verkörperung der Valerie Solanas ausgezeichnet.
Zur 30-Jahr-Feier des LGBT-Preises Teddy lief er bei der 66. Berlinale 2016.
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