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-   -   Pioniere des Comic / Kunsthalle Schirn, Frankfurt - 23.06. - 18.09.2016 (https://www.sammlerforen.net/showthread.php?t=38216)

Pickie 23.06.2016 13:29

Pioniere des Comic / Kunsthalle Schirn, Frankfurt - 23.06. - 18.09.2016
 
Durch eine Verschiebung von Forenbeiträgen in dieses Thema kommt es zu diesem vorgesetzten Beitrag, der forentechnisch leider nicht gelöscht werden darf. Das Thema beginnt mit Beitrag 2.

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Zitat:

Zitat von 74basti (Beitrag 524091)
(...) man das Thema nicht aus den Augen verlieren sollte.

Zitat:

Zitat von Pickie (Beitrag 520691)
Diese Ausstellung in der SCHIRN http://www.schirn.de/ausstellungen/2...ere_des_comic/ könnte ebenfalls Interesse fördern.

Zitat:

Zitat von underduck (Beitrag 520701)
(...) gehört eher in das Forum der Comicforschung.

Da ist es jetzt. Und die Ausstellung hat heute eröffnet. Schon die Pressemitteilung (-> Webseite) kann sich sehen lassen und macht Appetit. Passend zum Thema und den Ausstellungsstücken mal dieser Auszug:

"Engagierte Privatsammler erkannten rechtzeitig – entgegen der öffentlichen Meinung – die künstlerische Wertigkeit."

Hallöchen! :top:

underduck 25.06.2016 11:53

Pioniere des Comic / Schirn, Frankfurt - 23.06. - 18.09.2016
 

http://www.sammlerforen.net/_bilder/...schirn2016.jpg
Ein Klick aufs Bild bringt euch zur Webseite


Unser Pickie war gestern in Frankfurt und hat uns die Bilder von dieser Comicausstellung geschickt.

http://www.sammlerforen.net/_bilder/...rt/p152757.jpg

underduck 25.06.2016 14:32


underduck 25.06.2016 14:33


underduck 25.06.2016 14:35


underduck 25.06.2016 14:36


underduck 25.06.2016 14:38


falkbingo 25.06.2016 14:59

Von mir auch vielen Dank Pickie !!

FrankDrake 25.06.2016 15:04

Gibt es dazu einen Katalog?

zwergpinguin 25.06.2016 15:19

JA
http://www.schirn.de/ausstellungen/2...comic/#katalog

FrankDrake 25.06.2016 15:23

Der Zugriff auf die Webseite wird mir verweigert, egal schau ich in 3 Wochen noch einmal.

falkbingo 25.06.2016 16:43

@FrankDrake
Der Katalog kostet an der Kasse 30€ und im Buchhandel 35€

FrankDrake 25.06.2016 17:46

Danke

Pickie 26.06.2016 10:15

Zitat:

Zitat von underduck (Beitrag 524777)

Original-Sonntagsseite


Zitat:

Zitat von underduck (Beitrag 524776)

Abbildung im Ausstellungskatalog


Wie man sieht, ist die Katalog-Abbildung etwas blasser.

Interessant ist am Original vor allem auch, wie stark die Ränder schon gealtert/verloren, die Farben aber die reinsten Knaller sind!

Pickie 26.06.2016 10:29

Die Ausstellung ist im wahrsten Sinne des Wortes wundervoll.

Das ist aber keine neutrale Bewertung, da die Materie - in die ich selbst noch gar nicht so tief eingestiegen bin - zu meinen Lieblingsthemen zählt.

Vielen Dank an underduck für das Arrangement der Fotos!

Brisanzbremse 26.06.2016 10:42

Von wann sind denn die hier gesehenen Beispiele von "Polly and Her Pals"? Sollten die aus den 1910er bis 30er Jahren stammen, war der Zeichner seiner Zeit aber sowas von voraus. :reib:

Pickie 26.06.2016 13:40

Geschichte mit den vertauschten Brillen: 1926
Sam als Jäger: 1927
Frühlingsszene (mit Flora, der Blütengöttin): 1935

Pickie 26.06.2016 13:46

Im Ausstellungskatalog findet sich noch folgender

"HINWEIS:
Die Abbildungen der Zeitungsseiten in diesem Buch erheben nicht den Anspruch, farbgetreue Faksimiles des Ist-Zustandes zu sein. Vielmehr wurde die Tönung des Papiers korrigiert, um die Seiten wieder ihrer ursprünglichen Erscheinungsweise anzunähern."

Aaricia 26.06.2016 17:10

Dazu der passende Artikel der FAZ

FAZ

Zitat:

Hier liegt die Zukunft vor uns

Eine Ausstellung in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle würdigt die frühe amerikanische Comic-Avantgarde. Sie präsentiert Originale und Erstdrucke in einer Form, die sich nicht um kunstgeschichtliche Vorurteile schert.

24.06.2016, von Andreas Platthaus
© Katalog Schirn Kunsthalle Frankfurt

Im Jahr 1944 bescherte das MoMA in New York dem dreiundsiebzigjährigen Lyonel Feininger eine große Ausstellung. Das war der museale Ritterschlag zum Heros der modernen Kunst für den 1937 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in sein Heimatland zurückgekehrten Künstler (dessen Frau Julia Jüdin war). Und wie es das Museum bei einem solchen Anlass erwartete, machte der so Geehrte dem Haus ein großzügiges Geschenk für dessen Sammlung. Feininger übergab dem MoMA aber keines seiner Gemälde, die ihn seit 1910 bekannt gemacht hatten, auch kein Konvolut der berühmten Graphiken aus seiner Zeit als Bauhausmeister von 1919 bis 1933, sondern eine Sammlung von Zeitungsseiten der „Chicago Tribune“. Das waren die Belegexemplare zweier Comic-Serien, die Feininger 1906 für die amerikanische Zeitung gezeichnet hatte. Beim Publikum der „Tribune“ hatten sie sich als Flops erwiesen, doch Feininger waren sie wichtig genug, dass er sie über fast vierzig Jahre aufbewahrte und nun dem MoMA als besonders aussagekräftiges Zeugnis seiner künstlerischen Arbeit übereignete.

Kein Wunder. Wenn man sich die ganzseitigen, also extrem großformatigen Episoden von Feiningers „The Kin-der-Kids“ und „Wee Willie Winkie’s World“ ansieht, die jetzt in der von der Frankfurter Schirn veranstalteten Ausstellung „Pioniere des Comics – Eine andere Avantgarde“ hängen, dann sieht man Feiningers ästhetische Zukunft schon vollständig vor sich. Da sind die thüringischen Dörfer und die Küstenpartien der Ostsee, der Kirchturm von Gelmeroda, die Wolken, Schiffe, Aquädukte, Bäume – alles Motive aus den „Naturnotizen“ des damals noch reinen Zeichners Lyonel Feininger, die dann auch zum Material seiner Malerei werden sollten, von dem er ein Künstlerleben lang zehrte, auch noch in seinen letzten zwei Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten.
Nicht selten hatte der Comic die Nase vorn

Die Comics waren aber nicht nur eine frühe Summa seiner Faszinationen, sie machten Feininger auch erst zum Künstler. 1887 als Sechzehnjähriger zur Ausbildung nach Deutschland gekommen, hatte er sich zur Jahrhundertwende in Berlin als Karikaturist für die wichtigsten dort erscheinenden humoristischen Blätter etabliert. Doch das war Auftragsarbeit, und die Comics für die „Chicago Tribune“ versprachen freie Themenwahl. Und gute Vorschüsse, die es Feininger ermöglichten, nach Paris zu übersiedeln, wo er dann die Comics zeichnete und jene Begegnungen mit moderner Kunst machte, die in ihm den Entschluss reifen ließen, selbst Maler zu werden. Ohne die Erfahrung der selbständigen Arbeit an den Comics und die finanzielle Unabhängigkeit, die sie ihm verschaffte, kennte die Kunstgeschichte heute einen meisterlichen Karikaturisten, aber nicht den Avantgardekünstler, der als erster Amerikaner überhaupt an der Spitze der Moderne mitmarschierte.

Die Ausstellung der Schirn weist an Feininger und fünf weiteren amerikanischen Zeichnern aus der Frühzeit des Comics (der sich erst am Ende des neunzehnten Jahrhunderts als eigene Form entwickelt hatte) nach, wie intensiv der Wettlauf von Kunst und Zeitungscomic gewesen ist – und nicht selten hatte der Comic die Nase deutlich vorn. So wird am Werk von Winsor McCay und dessen beiden seit 1904/05 laufenden Serien „Little Nemo in Slumberland“ sowie „Dreams of a Rarebit Fiend“ offensichtlich, dass hier ein Surrealist avant la lettre arbeitete, die enge Verwandtschaft seiner Bilderwelt mit der Freudschen Traumdeutung ist evident.

Der Kurator der Ausstellung, Alexander Braun, weist darauf hin, dass McCay zwanzig Jahre vor André Bretons „Surrealistischem Manifest“ arbeitete, aber in Thematik und Phantasie schon vorwegnahm, was dann in Frankreich die Kunst umstürzen sollte. Er hat recht, doch muss man einschränken, dass McCay die 1899 erschienene „Traumdeutung, die für Breton zentral werden sollte, 1905 noch gar nicht kennen konnte, denn sie wurde erst später ins Englische übersetzt. Und dass nicht „Little Nemo“ zur Initialzündung einer kunstgeschichtlichen Revolution wurde, sondern die Arbeit der Surrealisten, lag daran, dass sie in der damaligen Herzkammer der Moderne wirkten, in Paris. New York war noch ästhetische Provinz.

Bruch Mitte der Zwanziger Jahre

Das änderte sich 1913 mit der Armory Show, als erstmals die europäische Avantgarde, vor allem Kubismus und Abstraktion, in Amerika auftrat. Braun hat bei seinen Recherchen eine verblüffende Entdeckung gemacht: Der 1883 geborene Comiczeichner Cliff Sterrett verbrachte in den zwanziger Jahren seine Sommerferien in Ogunquit, einem bevorzugten Badeort der New Yorker Intelligenzia. Dort lernte er Walt Kuhn kennen, den Organisator der Armory Show von 1913, in dessen Gesprächskreisen es um die neuesten künstlerischen Errungenschaften ging. In Sterretts bereits 1911 begonnener Comicserie „Polly and Her Pals“ kommt es Mitte der zwanziger Jahre zu einem Bruch: Plötzlich werden Bilder und Seitenarchitekturen expressionistisch, es kommt zur Explosion abstrahierter Formen und Zeichen. Und nach zwei, drei Jahren ist dieser schöne Spuk auch schon wieder vorbei. Braun liefert die erste plausible Erklärung für diese legendäre kurze Blüte eines stets höchst amüsanten, aber sonst recht häufig in Manierismen erstarrten Comic-Strips.

In ständiger stilistischer Wandlung begriffen war dagegen „Gasoline Alley“, eine Serie, die Frank King von 1918 bis in die späten fünfziger Jahre zeichnete. Ihre Besonderheit besteht darin, dass darin von 1921 an in Echtzeit erzählt wurde: King ließ die Protagonisten dem Verlauf des täglichen Abdrucks entsprechend altern. „Gasoline Alley“ ist so zur langlebigsten und zur genauesten Chronik der amerikanischen Gesellschaft im zwanzigsten Jahrhundert geworden.
Das öffnet uns die Augen

An einer langen Wand in der Schirn werden 27 Strips aus den Jahren von 1920 bis 1956 aneinandergereiht, bei deren Abschreiten man den Figuren beim Älterwerden zusehen kann. Und zugleich Kings Meisterschaft bei der Adaption verschiedenster Stile bewundern, denn er passte seine Zeichnungen den jeweiligen Moden, aber auch Inhalten seiner großen Saga an. Als etwa einer seiner Helden in den Zweiten Weltkrieg zieht, benutzt King die mit Pinsel getuschte, schwarzgesättigte Darstellungsweise, die sein Kollege Milton Caniff für den Abenteuercomic etabliert hatte. Wenn McCay seiner Zeit permanent voraus war, war King ihr permanent auf der Spur – ästhetisch wie kulturgeschichtlich. Auch das ist eine einmalige Leistung.

George Herrimans fulminante Serie „Krazy Kat“, erschienen von 1913 bis 1943, ist längst ein Klassiker der Comicgeschichte und auf dem besten Wege, auch einer der Kunstgeschichte zu werden. Hier hat die Ausstellung denn auch eine besonders reiche Auswahl an Originalzeichnungen zu bieten, während es von Charles Forbells nur achtzehnmal erschienener Serie „Naughty Pete“ über einen ungehorsamen kleinen Jungen kein einziges erhaltenes Original gibt. Dafür ist es Braun gelungen, dreizehn der achtzehn Zeitungsseiten aus dem Jahr 1913 zusammenzutragen, was eine Sensation ist, denn solche ehedem in Hunderttausenden Exemplaren gedruckten Comics sind heute kaum noch zu finden, weil schlechtes Papier und ein Jahrhundert Missachtung die Bestände minimiert haben.

Mit Forbell bietet die überreiche Ausstellung einen neuen Klassiker an. Die anderen fünf sind unter Kennern längst bekannt, doch was in der Schirn zu sehen ist, wird auch sie begeistern. Allemal aber jene Besucher, die dergleichen noch nie gesehen haben. Diese Schau öffnet uns die Augen. Und lässt nur eine Frage offen: Warum hat man für die Präsentation zu Feiningers Comicschaffen nicht die Zeitungsseiten aus dem MoMA entliehen? Ob das Haus sie überhaupt bis heute bewahrt hat?


Aslak 27.06.2016 10:02

@ Pickie

Vielen, vielen Dank für die Bilder.
Bin gerade ganz neidisch! ;)
Hoffentlich finde ich noch die Zeit selber mal die Ausstellung zu besuchen.

Gruß,
Nils

eck@rt 06.07.2016 12:44

Zitat:

Zitat von Pickie (Beitrag 524703)
"Engagierte Privatsammler erkannten rechtzeitig – entgegen der öffentlichen Meinung – die künstlerische Wertigkeit."

Der Sammler wohl, aber Max Hollein von der Schirn und David Carrier zeigen deutlich, wes Geistes Kind sie sind. Deren Beiträge zum Katalog sind haarsträubend und schwanken zwischen Borniertheit und Ahnungslosigkeit. Enttäuschend aber auch A. Brauns Text zu Feininger: In Deutsche Comicforschung 2015 hätte er einiges gefunden, was seinen Horizont hätte erweitern können.

Aber das ist ein anderes Thema und sollte in diesem Thread nicht ausgewalzt werden.

eck:floet:rt

underduck 06.07.2016 16:09

Wo bitteschön, denn dann sonst? :weissnix:

Für uns Fans/Sammler/Comicologen ist das schon ein wichtiges Thema, was mit der deutschen Comicgeschichte und seinen dann noch verbliebenen "Originalen" mal passiert! :floet:

Pickie 06.07.2016 16:28

Zitat:

Zitat von eck@rt (Beitrag 525294)
(...) Max Hollein von der Schirn und David Carrier zeigen deutlich, wes Geistes Kind sie sind. Deren Beiträge zum Katalog sind haarsträubend und schwanken zwischen Borniertheit und Ahnungslosigkeit. Enttäuschend aber auch A. Brauns Text zu Feininger: In Deutsche Comicforschung 2015 hätte er einiges gefunden, was seinen Horizont hätte erweitern können.

Aber das ist ein anderes Thema und sollte in diesem Thread nicht ausgewalzt werden.

Puh, harte Worte. Mir fehlt im Moment der Hintergrund, um auch nur zu verstehen, was Du meinst ("wes Geistes Kind" ...!) und weshalb es im Katalog so eine Rolle spielen sollte ... Habe sowohl das Geleitwort von Max Hollein als auch den Essay von David Carrier durch und bin derzeit im Kapitel Feininger. Fand das alles recht ansprechend. Sicher gäbe es etliche Diskussionsansätze, aber das gehörte in der Tat nicht hier hin (und vielleicht auch nicht in den Thread über die Ausstellung, solange diese nicht von weiteren Usern gesehen und kommentiert worden ist; wenn nichts dazwischen kommt, werde ich Ende nächster Woche die dortigen "Pretiosen" noch mal in aller Ruhe betrachten können - und darum geht es ja eigentlich ... ;)).

eck@rt 06.07.2016 17:22

Zitat:

Zitat von underduck (Beitrag 525302)
Für uns Fans/Sammler/Comicologen ist das schon ein wichtiges Thema, was mit der deutschen Comicgeschichte und seinen dann noch verbliebenen "Originalen" mal passiert!

Halloho! Aufwachen! Gemeint war die Diskussion über die Ausstellung! Und das gilt auch für Pickie, sorry. Hier geht es nur um die Podiumsdiskussion und das dort behandelte Thema Sammlungsarchivierung.

eck:glubsch:rt

Pickie 08.07.2016 14:02

@Aslak: Die Zeit solltest Du Dir auf jeden Fall nehmen! Und dann werde ich Dich beneiden. Denn ich wollte eigentlich noch einmal reingehen, um mir viele weitere Details anzuschauen (habe natürlich längst nicht alles fotografiert, sondern es bleibt genug für eigene "Entdeckungen"). Der "Live-Eindruck" ist sehr stark. Zudem sind dort Sachen versammelt - und teilweise überhaupt erstmals öffentlich zu sehen -, die so schnell nicht wieder zusammenkommen dürften (wenn überhaupt). Die einzige weitere Gelegenheit, die sich mir aus anderem Anlass nächste Woche geboten hätte (ich komme sonst nicht nach Frankfurt), ist aber gerade geplatzt. Wie ich das Comic-mäßig kompensiere, darüber denke ich gerade nach ...


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