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Peter L. Opmann 17.12.2020 14:59

Mit "Superman - der Film" ist das so eine Sache. Ich mag ihn auch sehr, man kann aber nicht behaupten, daß da die Tricktechnik plötzlich perfektioniert war. Sicher, es war ein Kinofilm mit einem ungleich höheren Budget als "Spider-Man" oder "Hulk". Aber der fliegende Superman sieht aus heutiger Sicht ulkig aus, und auch er war eigentlich körperlich wesentlich schwächer als in den Comics. Aber der Film als Ganzes nimmt den Zuschauer gefangen; er ist doch in sich stimmig. Christopher Reeves und auch Margot Kidder waren eine Traumbesetzung. Das sage ich als jemand, den Superman sonst ziemlich kalt läßt.

Die Tricktechnik ist nicht alles. Bestes Beispiel ist für mich "Blade Runner", der allein mit Matte-Technik, Spezialbauten und Modellen - und für relativ wenig Geld - gemacht wurde. Ohne jegliche Computertechnik ist die Optik des Films völlig überzeugend.

Phantom 17.12.2020 17:34

Ich liste mal ein paar Sachen auf, die mir bisher aufgefallen sind:

Hulk #1: Trotz mancher Ungereimtheiten und Zufälle schon eine packende erste Story, bei der ziemlich viel passiert. Aber die Verwendung der Radioaktivität ist - wie oft bei Marvel in der Anfangszeit - ziemlich naiv. Die Gamma-Bombe explodiert, und nur Bruce Banner wird in Mitleidenschaft gezogen; Rick Jones bekommt nichts ab, weil er in einen Graben fällt. Hm. Umgekehrt kann der Gargoyle durch Anwendung von Radioaktivität sofort wieder "normal" gemacht werden. Wenn das doch so einfach wäre mit diesen Strahlen.

Die Russen sind die Bösen, werden aber nicht so genannt. Chruschtschow (im Englischen mit K geschrieben) ist auf einem Bild zu sehen, wird aber nur "Comrade K" genannt. Es wird von "reds" und "iron curtain" geschrieben, aber nirgendwo explizit von Russians oder Soviets.

Die Verwandlung Banner-Hulk erfolgt durch Sonnenlicht bzw. fehlendes Sonnenlicht. Das heißt, den Hulk gibt es nur nachts. Wenn das so bliebe, würde es in der Zukunft eigentlich keinen grünen, sondern nur einen schwarzen Hulk geben können.

Hulk #2: Diese Toadmen sind so lächerlich, dass es schon wieder Spaß macht. Die Inks von Ditko über Kirbys Pencils sind auch gut, der Hulk sieht bedrohlicher aus als in Heft #1. Banner baut die unterirdische Grotte, in der er sich bzw. den Hulk nachts einsperren wird. (Frage: Wenn die Umwandlung am Sonnenlicht hängt, es in der Grotte aber auch tagsüber kein Sonnenlicht gibt, würde sich der Hulk dann überhaupt jemals zurückverwandeln?)

Hulk #3: Jetzt ist aufgefallen, dass diese regelmäßige nächtliche Verwandlung für die Geschichten ein Problem werden. Deshalb gibt es eine erneute Dosis Radioaktivität im Weltraum, die dafür sorgt, dass sich der Hulk nicht mehr in Banner verwandelt. Und zusätzlich dafür, dass der Hulk Rick aufs Wort folgt.

Hulk #4: Hulk wird immer stärker: ein Klatschen führt dazu, dass von der Druckwelle alle zu Boden geschleudert werden. Er kann nicht nur hoch springen, sondern anscheinend auch fliegen. Wir erfahren von einer Maschine, die Gammastrahlen auf einen Menschen richten kann und die in einem Bunker steht. Das hat Bruce Banner alles ganz allein im Geheimen gebaut. Na, glauben wir es mal. Mit dieser Maschine beschießt Rick den Hulk erneut mit Gammastrahlen, und zack, er verwandelt sich wieder in Banner. Danach nochmal bestrahlen, und zack, er ist wieder Hulk, jetzt aber mit dem Gehirn von Banner. (Und Rick muss er auch nicht mehr aufs Wort folgen.) Er rettet eine Familie vor dem Flammentod, ist aber erstaunt und wütend, dass der Hulk als Bedrohung gesehen wird, und lässt sich wieder zu Bruce Banner "zurückschießen".

Hulk #5: Jetzt geht's in den Grand Canyon, wo ein vermeintlich Außerirdischer die Erde bedroht. Banner verwandelt sich in den Hulk und - nein, hüpft nicht hin, sondern chartert ein Flugzeug. Der Außerirdische entpuppt sich wieder als böser Russe - halt nein, wieder wird darauf geachtet, keine Nationalität zu nennen. Es geht um reds, comrades, communists, sogar um "vodka-land", aber es wird kein Name des Landes genannt. Momentan kann sich Banner mit der Gammastrahlen-Maschine in den Hulk verwandeln, wie und wann er will (auch wenn die Umwandlung zurück ihn immer mehr zu schwächen scheint), er behält dann seinen Banner-Verstand. Quasi Superheld auf Knopfdruck.

Hulk #6: Jetzt ist alles anders, ohne Erklärung (auch in den von Williams ausgelassenen Heften gab es die Strahlenmaschine zum Umwandeln): Rick ist weg, der Hulk verwandelt sich "einfach so" zurück in Banner; Banner beklagt, dass er immer wieder unfreiwillig zum Hulk wird. Ein klarer Retcon. Für zukünftige Handlungsfäden und Konfliktpotentiale sicher ein Gewinn. Wie interessant ist ein brillanter Wissenschaftler, der sich bei Bedarf auch noch in einen Superhelden verwandeln kann? (Siehe Thor.) Und Banner kommt auch darauf, woran die Umwandlung hängt: immer, wenn sich eine Figur besonders aufregt, wandelt sie sich zur anderen Figur. Die Zeichnungen, vor allem die Hulk-Figur, sind aber teilweise furchtbar. Keine Dynamik, ausdruckslose Gesichter, das muss am Inker liegen, Ditko kann das doch besser.

Hulk #7: Komische Sache, wir starten mit einer Rückblende: die Gefahrensituation im Splashpanel wurde schon im letzten Heft aufgelöst. (Ein Splashpanel war ja ursprünglich immer ein Blick in die Zukunft der Story, jetzt ist es ein Blick in die Vergangenheit.) Die Zeichnungen werden besser, obwohl wieder Ditko/Bell genannt sind. Auf dem Cover ist ein Panzer der US-Army zu sehen; der fünfzackige Stern, das Army-Symbol, ist bei Williams in eine Art Schneeflocke geändert.

Crackajack Jackson 17.12.2020 18:52

Wirklich sehr gut zusammengefasst. Die Wissenschaft bzw. Radioaktivität ist hier Mittel zum Zweck.

Hier werden viele Sachen sehr vereinfacht dargestellt und es wird auch nur von "hinter dem eisernen Vorhang" gesprochen.

Horatio 17.12.2020 19:32

Ich möchte kurz auf mein letztes Posting zu Hulk 6 und PLOP-Manns Entgegnung zurückkommen:

Zitat:

Zitat von Peter L. Opmann (Beitrag 671364)
Icfh finde, Crackajack liest sehr genau und beschreibt gut, was in den jeweiligen Episoden passiert.

Das stimmt.

Mich interessieren halt in erster Linie die spezifischen Details der Williams-Ausgaben, wie gekürzte Seiten, Eigenheiten bei der Übersetzung, grafische Veränderungen z. B. der Sprechblasen, Lettering, Druckqualität, Papier, Fehlfarben usw.

An Williams’ Hulk Nr. 6 ist das Besondere, dass durch die Veröffentlichung gleich einen Monat nach der 5 hier die „Hulk-Pause“ mit den zwischenzeitlichen Entwicklungen fehlt. Sind die inhaltlichen „Sprünge“ damals wohl vielen Lesern aufgefallen? Mir nicht, aber ich habe 1974 nur sporadisch Marvels gekauft. (Mein erstes Hulk-Heft war die Nr. 4.* Die 5 habe ich nicht gekauft, die 6 vermutlich schon, aber diese Williams-Ausgabe habe ich nicht mehr.) Damals habe ich auf Zusammenhänge gar nicht geachtet.


* Mein erstes Marvel-Heft war Rächer Nr. 4, aber das habe ich im Rächer-Thread schon geschrieben.


Und zum Thema "damalige Superhelden-Filme":
Ich habe seinerzeit alle drei Spider-Man-Filme gesehen und auch Hulk und Superman (Ich habe mir sogar die Filmplakate geholt).

Für mich war und ist Nicholas Hammond tatsächlich noch heute der beste Film-Peter-Parker, einfach weil er meiner Meinung nach dem von John Romita gezeichneten Studenten Peter Parker sehr ähnlich sah, und das waren die Williams-Hefte, die etwa zur Zeit des ersten Films herauskamen.

Und der Hulk-Film hat mir auch sehr gefallen, obwohl mir auffiel, dass es zwei getrennte Geschichten waren (Der absolut tolle Pilotfilm und die Flugzeug-Episode).

Aber ich schrieb dazu schon anderswo: Ich war damals total begeistert, überhaupt einen Superhelden-Realfilm zu sehen zu kriegen, die waren damals eine absolute Rarität – weil es in Deutschland damals nur ein Nischenpublikum dafür gab.

Crackajack Jackson 18.12.2020 08:32

Der gewaltige Hulk #8

https://www.comicguide.de/pics/medium/24670.jpg

Titel: Das Chamäleon tritt auf

US: Enter...the chameleon!

Williams, August 1974 (Tales to astonish #62, Dezember 1964)
Autor: Stan Lee
Zeichner: Steve Ditko
Tusche: George Roussos

Kurzfassung

Das Chamäleon, ein Schurke der jede Gestalt annehmen kann, wird vom mysteriösen Leader auf die Militärbasis geschickt, um mehr über den Verbleib des Spions (Hulk #7) herauszufinden.

Auf der Basis kidnappt er Betty Ross und versucht geheime Dokumente zu stehlen, wird aber vom Hulk gestoppt.



Langfassung

Der Leader beauftragt das Chamäleon nach dem Verbleib des Spions in der Militärbasis zu suchen.
Auch Rick Jones, der von der Festnahme des Hulks gehört hat, macht sich auf den Weg zur Basis.
Das Chamäleon verkleidet sich als General Ross und verlangt Gehorsam von dem Hulk, wenn er ihn befreit. Er schickt alle Wachmänner hinaus. In dieser Zeit verwandelt sich der Hulk in Bruce Banner zurück, kann aus den großen Fesseln schlüpfen und entkommt von selbst, ohne dass ihn jemand sieht. Auf seiner Flucht trifft er auf Rick Jones, der ihn rechtzeitig zur Seite zieht und ihm neue Klamotten gibt.
So kann Bruce einfach wieder auftauchen und vorgeben, dass er sich in der Wildnis verlaufen hat. Talbot glaubt ihm das nicht, kann aber auch nicht beweisen, dass Bruce lügt.
Auf seinem Weg ins Laboratorium wird Bruce vom Chamäleon überfallen und es nimmt seine Rolle ein um geheime Forschungsergebnisse zu stehlen. Glücklicherweise findet das Chamäleon sofort die Formel für die Gamma Bombe und einen handlichen Prototyp. Dabei wird er von Betty gestört,
die ins Laboratorium kommt, um Bruce zu sehen. Sie merkt aber dank ihrer weiblichen Intuition sofort, dass es sich bei dem Mann nicht um Bruce Banner handelt, sondern um den Spion, der auch schon ihren Vater gedoubelt hatte.

Chamäleon nimmt sie als Geisel um aus dem Lager zu fliehen.

Das bekommt Bruce mit, der im Nebenraum gefesselt liegt. Klar, dass er sich sofort in den Hulk verwandelt und Betty retten will, aber Chamäleon droht damit, den Prototyp zu zünden.

Auch ein Trupp Soldaten nähert sich dem Labor. Um Betty nicht zu gefährden, springt der Hulk zu den Soldaten und lenkt sie ab. Chamäleon schnappt sich Betty und verfrachtet sie in ein neuartiges Schienenfahrzeug, das er anschaltet. Damit glaubt er Zeit zu gewinnen.

Der Hulk rettet Betty und stellt Chamäleon, nicht ohne vorher die Explosion der handlichen Gammabombe abzubekommen. Dadurch verwandelt er sich wieder in Banner.

Da mit der Explosion eine starke Rauchentwicklung einhergeht, bekommt die Verwandlung jedoch niemand mit. Auch kann Betty Ross die ganze Geschichte aufklären und Bruce von jedem Verdacht reinwaschen.

Der Status Quo ist wieder hergestellt.



Hier ist eine der frühen Verwechslungsgeschichten mit dem Chamäleon. Ein ernstzunehmender Gegner für den Hulk ist es jedoch nicht.

Wir erhaschen einen kurzen Blick auf den Leader, der der Auftraggeber von Chamäleon und dem Spion aus dem letzten Heft ist.

Stan Lee hat es später bei Spider-Man und anderen Serien oft so gemacht, dass ein Schurke langsam aufgebaut wurde und immer mal in ein oder zwei Panels gezeigt wurde, lange bevor der eigentliche Hauptkampf kam.

Rick Jones erscheint hier kurz, rettet Bruce und gibt gleichzeitig die Erklärung für sein Fehlen im letzten Heft ab. Er ist jetzt bei Captain America und Bruce schickt ihn auch gleich wieder dorthin, da es in der Nähe des Hulk zu gefährlich ist.

Der Hulk selbst ist hier weiterhin intelligent. Er redet und denkt in ganzen Sätzen.
Viele kleine Panels. Insgesamt bleiben die Körper, besonders die Gesichter eher starr und leblos.

Phantom 18.12.2020 12:46

Zitat:

Zitat von Horatio (Beitrag 671680)
Mich interessieren halt in erster Linie die spezifischen Details der Williams-Ausgaben (...)

Geht mir auch so. Aber die inhaltliche Veränderung im Lauf der Serie ist doch auch interessant. Wenn jeder hier die Sachen beiträgt, die ihm am interessantesten erscheinen, entsteht doch ein umfassendes Bild, aus dem sich dann wiederum jeder Leser des Threads seinen Teil rauspicken kann.

Mir macht am meisten Spaß, die Originalausgaben mit den Williams-Heften zu vergleichen - Kürzungen, Retuschen, Übersetzung (die z.B. den "Leader" aus naheliegenden Gründen nicht wörtlich überträgt, sondern zum "Spiritus Rector" macht). Bald kommen ja auch die selbst gebastelten Titelbilder, weil es zu manchen Hulk-Geschichten kein Original-Titelbild gab. Ich kann erst ab Heft 13 vergleichen, die früheren Williams-Hefte habe ich nicht.

Weiß eigentlich jemand, warum Williams die beiden letzten Hulk-Hefte ausgelassen hat?

jakubkurtzberg 18.12.2020 13:03

Zitat:

Zitat von Phantom (Beitrag 671817)
Weiß eigentlich jemand, warum Williams die beiden letzten Hulk-Hefte ausgelassen hat?

In diesem Fall ist es merkwürdig. Zwar wurden alle Sowjet-Hinweise bereits im englischen "Mighty World Of Marvel" ausgemerzt (Hulk #4), aber sämtliche Stories mit Ausnahme der kurzen Origin sowohl in UK als auch in den USA in "Marvel Collector's Item Classics" nachgedruckt. Von daher müsste REMO eigentlich Vorlagen dafür gefunden haben...

Laut WJF gab es allerdings einen Disput mit der Agentur Ewald Baluch, der im Anschluss angeblich Druckvorlagen nicht herausgerückt haben soll. Es hält sich auch das Gerücht, dass danach bei ihm eingebrochen und der Safe mit den Vorlagen aufgebrochen wurde. Nichts Genaues weiß man leider nicht und es ist heute auch nicht mehr nachvollziehbar. Der Streit soll auf einer Weihnachtsfeier eskaliert sein, was beim Vorlauf von 6 Monaten durchaus hinkommen könnte. Und man bedenke den Druckereiwechsel nach der 5. Produktion, sowie das geänderte (globige) Maschinenlettering...

Peter L. Opmann 18.12.2020 13:51

Mein Freund äußerte die Vermutung, daß der Hulk in Ausgabe 6 zu böse wirkt - sowohl vom Aussehen her als auch seinen Handlungen. Bei Band 5 nimmt er an, daß er wegen den Kommunisten ausgelassen wurde, wie das bei Williams ja auch sonst gelegentlich vorkam.

Phantom 18.12.2020 14:45

Die Erwähnung des englischen "Mighty World of Marvel" bringt mich zu einer anderen Frage. In den Williams-Heften (etwa beim Eisernen) gab es mehrmals Retuschen bei Militärabzeichen oder allzu üblen Gesichtsausdrücken, die im Original Kommunisten gehören sollten. Weiß man, ob solche Retuschen überhaupt jemals von Williams selbst gemacht wurden oder ob diese Änderungen stets schon in den Vorlagen waren, die man bekommen hat?

Die letzte Geschichte aus Hulk #1 ist z.B. vor Williams in England in "Mighty World of Marvel" #2 erschienen. Der GDC sagt zu dieser Story:
Zitat:

References to "comrade", the "Iron Curtain" etc. are removed/rewritten throughout, in an attempt to eliminate the Cold War anti-Soviet tone. A fine example of this attempt is story page 23, final panel, where the Gargoyle addresses a portrait of (presumably) Nikita Khrushchev - in this reprint, the portrait is given a moustache
Ich habe Williams Hulk #1 nicht. Weiß jemand, ob Chruschtschow bei Williams auch einen Schnurrbart hat? Und kommt der "eiserne Vorhang" bei Williams vor oder nicht?

Peter L. Opmann 18.12.2020 15:22

Mir ist noch etwas zu US-"Hulk" # 6 in den Sinn gekommen: Denkbar, daß er nichts ins Konzept des Magazins paßte. Die letzte lange Hulk-Story, wenn auch mit Kapiteln, war die # 3. Vielleicht wurde dann entschieden: Wir machen eine "Hulk"-Story mit zehn bis zwölf Seiten und eine "X-Men"-Story mit zehn bis zwölf Seiten. Plus eine Füll-Story. Dann hätte man "Hulk" # 6 in zwei Teilen bringen müssen, und der erste Teil hätte ein offenes Ende gehabt.

Nur eine Mutmaßung.

Horatio 18.12.2020 16:46

@ Phantom:
Wenn hier keiner die betreffenden Williams-Ausgaben hat, ist es natürlich schwierig, überhaupt etwas zu deren Besonderheiten zu sagen.

@ Peter L. Opmann:
Interessante Mutmaßung. Aber waren die Williams-Macher nicht angetreten, um dieses Mal die Originalabfolge zu verwenden? Da wäre es doch kurios, eine Ausgabe freiwillig auszulassen, oder?
Edit: Obwohl – sie haben ja, glaube ich, auch eine Ausgabe ausgelassen, in der der maskierte Bösewicht sich als Hitler oder so entpuppte. Weiß grad nicht mehr, welche das war.


*

Übrigens: Eine Besonderheit bei Williams-Hulk Nr. 8 ist, dass das Heft auf dem Titel diesmal "Der unglaubliche Hulk" heißt.

Crackajack Jackson 18.12.2020 17:40

Ist schon interessant, dass Williams den "Leader" nicht eins zu eins ins Deutsche übersetzt hat, sondern statt dessen den lateinischen Begriff "Spiritus Rector", also Kopf bzw. treibende Kraft nahm. Ich dachte bei dem Namen immer ans Grillen oder an Brennspiritus.

Peter L. Opmann 18.12.2020 20:01

Hier nun die erste meiner beiden Besprechungen:

The Incredible Hulk # 5 (Januar 1963)
Marvel Klassik, Marvel Deutschland (Panini) 1999
Titel: Die Schöne und das Biest / Die Horden des General Fang!
US: Beauty and the Beast! /The Hordes of General Fang!
Autor: Stan Lee
Zeichner: Jack Kirby
Tusche: Dick Ayers

Ziemlich gewöhnungsbedürftig, dieser intelligente Hulk. Das entspricht dem Vorbild von Dr. Jekyll und Mr. Hyde – Hyde hat nur einen anderen Charakter als sein Alter Ego, aber er ist nicht naiv und dumm.
Beginnen wir mit der ersten Story: General Ross verlangt von Bruce Banner, den Hulk dingfest zu machen. Aber er hält nicht viel von dem Zivilisten. Betty, die Bruce liebt, ist im Zwiespalt: Nicht nur fürchtet sie, daß ihr Vater diesen Heiratskandidaten nicht akzeptieren wird, sie ist sich auch nicht sicher, ob ihre Liebe erwidert wird. Nachdem dieser Konflikt angedeutet ist, kommt unvermittelt Tyrannus in den Blick, ein Herrscher über die unterirdische Welt (wie der Maulwurf, nur erscheint Tyrannus eher wie ein römischer Feldherr). Der blonde Schönling verfügt über eine Quelle ewiger Jugend, aber er ist damit nicht zufrieden. Er will Banner benutzen, um die Weltherrschaft zu erringen, und dazu muß er Betty kidnappen (klingt nachvollziehbar, aber wieder mal konzentriert sich die Weltgeschichte auf ganz wenige Figuren, die zufällig auch die Helden unserer Comicserie sind). Als angeblicher Archäologe führt Tyrannus Betty in eine tiefe Höhle, doch Banner schöpft Verdacht. In seinem Labor verwandelt er sich in den Hulk und nimmt Rick mit, als er in die Höhle eindringt. Er wird allerdings durch ein Betäubungsgas überwältigt. Tyrannus macht ihn auf römische Art zu einem Gladiator und läßt ihn in einer Arena gegen einen großen Roboter antreten („Jetzt kommt der Unterhaltungsteil.“). Hulk schlägt die Maschine in Stücke, aber Tyrannus hat noch die Geisel und betäubt ihn erneut mit einer nicht näher bezeichneten Pistole. Nun muß der Hulk im unterirdischen Reich Sklavendienste leisten. Aber Rick hat sich unbemerkt davongemacht und befreit Betty. Nun kann der Hulk unbehelligt zuschlagen. Es kommt zur letzten Konfrontation mit Tyrannus, bei der sich Lee und Kirby ein Motiv aus der Bibel ausborgen. Wie der Richter Simson bringt der Hulk zwei tragende Säulen zum Einsturz. Die Trümmer seines Palasts begraben Tyrannus unter sich. Das Happy End hat nur einen Schönheitsfehler: Betty hat einen Schock erlitten, und der Hulk fürchtet, daß sie nun Bruce Banner nicht mehr lieben kann.
Nun zur zweiten Story: Sie ist von der ersten weitestgehend unabhängig. Thunderbolt Ross will nun den Hulk selbst zur Strecke bringen, mit einer Eisbombe… äh, also er wird von einem Projektil getroffen und vereist, aber das kann den grünen Goliath nur kurzzeitig aufhalten. Hulk und Rick treffen sich in der Höhle, und der Leser wird diesmal Augenzeuge, wie sich der Hulk in Banner zurückverwandelt. Problem: Der Hulk leistet dagegen zunehmend Widerstand – Banner fürchtet, er werde es vielleicht bald nicht mehr schaffen, „normal“ zu werden. Wie zuvor Tyrannus werden auch Hulks neue Gegner übergangslos eingeführt. In Tibet macht ein Diktator von sich reden: General Fang. Banner hört von ihm im Radio, fürchtet um den Weltfrieden und macht sich als Hulk auf den Weg, als guter Amerikaner Recht und Ordnung wiederherzustellen. Dazu reist er – wie schon erwähnt – im Flugzeug und erschreckt eine Stewardess. Zuerst läuft er in Taiwan einer US-Einheit über den Weg, die sich dort bereit hält. Die GIs sehen in Hulk einen Feind, können ihn aber nicht aufhalten. Mit einem Sprung erreicht er China und verkleidet sich als Yeti (die Entfernungen zwischen Taiwan, der chinesischen Küste und Tibet werden hier – nun, sagen wir: vernachlässigt). Fang faßt jedoch das Auftauchen des Yeti ganz richtig als versuchten Angriff auf und mobilisiert seine Truppen, die der Hulk aber mühelos aufmischt. Auch Rick darf helfen. Hulk greift sich Fang und springt mit ihm zurück nach Taiwan, wo sich die US-Truppen weiter mit ihm befassen sollen. Im Schlußpanel zeigt sich der Hulk als unberechenbar und stößt düstere Drohungen gegen die Menschheit aus.

Lee und Kirby probieren hier Verschiedenes aus. Im ersten Teil wird eine melodramatische Liebesgeschichte von Bruce und Betty aufgetischt, denen der Hulk im Weg steht. Das ist das gleiche Muster wie bei Spider-Man und anderen Marvel-Helden. Im zweiten Teil geht es eher um das Ringen von Banner und dem Hulk um die geistige Führung. Wenn ich mich recht erinnere, spielen beide Themen im Folgenden weiter eine Rolle. Nur der Hulk, der über eine ansehnliche Bibliothek verfügt und nahezu so klug wie Banner ist, wird dann bald ad acta gelegt. General Ross nimmt hier mit seinem fanatischen Haß auf den Hulk J. Jonah Jameson voraus. Die Plots der beiden kurzen Episoden selbst sind einfach gestrickt und bieten wenig Interessantes. Trotz seiner geistigen Fähigkeiten löst der Hulk Probleme weitgehend durch Zuschlagen. Und dabei ist es ja auch geblieben. Auffällig ist, daß beide Storys einem Muster folgen: In der Einleitung geht es um Ross und seine vergeblichen Versuche, den Hulk zu schnappen. Dann kommt der eigentliche Gegner ins Blickfeld. Hulk springt hin und räumt gründlich auf. So simpel konnte es eigentlich auf Dauer nicht weitergehen. Gut hat mir die Grafik gefallen. Praktisch ansatzlos und innerhalb weniger Ausgaben hat Jack Kirby eine Hulk-Ikonografie entwickelt, die lange das Maß der Dinge bleiben wird. Dick Ayers inkt ihn sorgfältig – die beiden hatten bei Marvel durch zahlreiche Monster-, Western- und Kriegscomics schon viel Routine entwickelt.

jakubkurtzberg 19.12.2020 05:07

Thor Nr. 5 von Williams war extrem retuschiert. Alle Sowjet-Referenzen entfernt, ein Fantasie-Land erfunden, Baskenmützen, Bärte hinzugefügt oder wegretuschiert, den Kreml umgezeichnet... Und in FV Nr. 11 war der "Geist" auch nicht "rot" und das Symbol mit Hammer und Sichel wurde ebenfalls umgezeichnet.

Bei Thor könnte ich mir vorstellen, dass die Vorlage bereits so aussah. FV Nr. 11 (Fantastic Four #13) dürfte ein Williams-"Eigenbau" gewesen sein.

Crackajack Jackson 19.12.2020 05:47

Der Hulk in einem Linienflugzeug ?

Das zeigt auch, dass der Hulk damals nicht viel größer gewesen ist, als ein normaler Mensch.

Diente wahrscheinlich eher einer Comedyeinlage.

Bei den Dienern von Tyrannus dürfte es sich um den ersten Auftritt der Moloids handeln. Der wird in der Marvel Database mit Fantastic Four #22 (Januar 1964) angegeben, aber Hulk #5 kam bestimmt früher heraus.

Wahrscheinlich wurden sie hier nur noch nicht direkt benannt.

Phantom 19.12.2020 13:39

Zitat:

Zitat von Peter L. Opmann (Beitrag 671897)
Das Happy End hat nur einen Schönheitsfehler: Betty hat einen Schock erlitten, und der Hulk fürchtet, daß sie nun Bruce Banner nicht mehr lieben kann.

Im Original geht es nicht um Bruce Banner, sondern darum, dass Betty den Hulk weiterhin fürchtet. Lee und Kirby wollten wohl nicht an der Konstellation rütteln, dass der Hulk zwar Gutes im Sinn hat, aber trotzdem von allen gehasst und gefürchtet wird (ein immer wiederkehrendes Motiv bei vielen Marvels damals). In der Höhle hat Betty aber ja gemerkt, dass der Hulk auf ihrer Seite war. Also braucht man einen Gedächtnisverlust, um wieder zum alten Zustand zurückzukehren. The easy way out für die Autoren.

Die zweite Story finde ich ziemlich lächerlich, nicht nur wegen der zurechtgebogenen Geographie. Der Hulk bekommt jetzt immer noch mehr Stärken; er kann tausende Meilen durch ein paar Sprünge überwinden, schon sein Ausatmen kann eine Druckwelle erzeugen, die alle in der Umgebung niederwirft, er kann mehrere abgefeuerte Raketen in einem einzigen Sprung "einsammeln" und - offenbar immer noch im Laufe dieses einen Sprungs - auf selber gewählte Ziele abwerfen, er steigt mitten im Flug aus dem Notausgang eines Flugzeugs, das danach einfach weiterfliegt usw. Klar, kleine Jungs fragen nicht nach der Logik. Aber wo hätte das noch hinführen sollen, wenn der Hulk immer noch mehr Fähigkeiten erhielte?

Kal-L 19.12.2020 14:09

Der gute Gedächtnisverlust, das hat man z.B. bei Norman Osborn ausführlich genutzt. :D

:party: Der 2.222 Beitrag!

Peter L. Opmann 19.12.2020 14:36

Hier noch ein Kommentar meines Freundes:

Zitat:

Die Grundidee vom Hulk war noch instabil. Anfangs verwandelt er sich, wenn es dunkel wird (ein Werwolf?), das mit der Wut kommt erst um einiges später ins Spiel.
Die "Tyrannus"-Episode hatte ich erfolgreich verdrängt. Anstößig ist sie nun nicht, aber recht unbedeutend. Wahrscheinlich waren wirklich einfach die Folien nicht zu finden...
Den Hulk-Film (eigentlich der TV-Pilotfilm und eine daran montierte TV-Episode, in der Form nicht mehr zu kriegen) finde ich bis heute gut, auch wenn dieser Hulk viel schwächer ist als das Comic-Pendant. Ich fand nur schade, dass er nie sprach. Mit genauem Hingucken, kann man immer wieder mal erkennen, dass der Darsteller nicht gerne barfuß lief, dann hat er Espadrillos an!

Horatio 19.12.2020 17:04

Dass der TV-Hulk mitunter grüne Espadrillos trägt, ist mir auch schon aufgefallen.

Kann natürlich sein, dass Lou Ferrigno nicht gerne barfuß lief, aber auf dem New Yorker Times Square würde ich das auch nicht unbedingt machen wollen.

Wenn der Hulk in Lauf-Szenen Schuhe trägt, dann wahrscheinlich hauptsächlich aus Sicherheitsgründen, um eventuelle Verletzungen zu vermeiden. Ich denke, so etwas sind eigentlich übliche Sicherheitsvorkehrungen. Wegen der schnellen Bewegungen sieht man sowas beim ersten Mal ja meist gar nicht.
Bei genauem Hinsehen bei Kampfszenen, wenn die Kämpfenden über Möbel fallen oder stürzen, kann man manchmal auch erkennen, dass die Schauspieler (wenn sie es selbst machen) und die Stuntmen z. B. unter den Hosen Knieschoner tragen. Wie gesagt, sowas fällt meist erst bei wiederholtem Ansehen auf.

Horatio 19.12.2020 18:02

Da es grade wieder um Comicverfilmungen geht:

"Peter Parker" Nicholas Hammond spielt mit in Quentin Tarantinos "Once Upon A Time In Hollywood".
Tarantino ist Spider-Man-Fan und wollte Hammond unbedingt in seinem Film haben.

In diesem Interview für eine australische Fernsehsendung erzählt Nicholas Hammond selbst davon:
https://www.youtube.com/watch?v=jRa05M9-nTU

Peter L. Opmann 19.12.2020 23:11

The Incredible Hulk # 6 (März 1963)
Marvel Klassik, Marvel Deutschland (Panini) 1999
Titel: Der unglaubliche Hulk gegen… Metal Master!
US: The Incredible Hulk vs. the Metal Master!
Autor: Stan Lee
Zeichner: Steve Ditko

Stan Lee und der neue Zeichner Steve Ditko schwingen sich noch einmal zu einer heftlangen („full-length“) Hulk-Story auf, in der einiges an Motiven und Ideen steckt. „Heftlang“ bedeutet hier 24 Seiten, doch das heißt letztlich nur, daß noch nicht so viele Anzeigenseiten verkauft werden konnten. Die Motive und Ideen sind leider nicht alle überzeugend, manche auch inzwischen nicht mehr zeitgemäß.
Schauen wir uns die Story näher an: Wie üblich ist General Ross auf der Jagd nach dem Hulk. Seine Truppen haben eine merkwürdig phallusförmige Kanone dabei. Der Hulk hält sich hier vor den Truppen lieber verborgen und gelangt ungesehen in seine geheime Höhle, wo er sich nicht ohne Mühen in Bruce Banner zurückverwandelt. Die Truppen waren jedoch auch abgelenkt, denn Metal Master erscheint und zerschmilzt zunächst die Kanone, die nun wie ein abgeschlaffter Phallus aussieht. Wie seiner eigenen Vorstellung zu entnehmen ist, kommt er vom Planeten Astra (klingt weltraummäßig) und hat die Kontrolle über die Atome jedes Metalls (eine gewisse Ähnlichkeit weist er mit Magneto auf, der auch alles Metall kontrolliert). Weil er despotische Anwandlungen hat, ist er auf die Erde verbannt worden; hier will er nun die Herrschaft übernehmen. Ross kann nichts machen. Rick, der an seiner Seite war, beschließt, den Hulk zu Hilfe zu holen.
Banner, der den Feind auf einem großen Bildschirm gesehen hat, hat sich inzwischen bereits wieder verwandelt, aber sein Kopf ist menschlich geblieben. Diese Kalamität kenne ich nur aus dieser Ausgabe. Damit seine Janus-Existenz nicht auffliegt, zieht Banner eine Hulk-Maske über. Dann tritt er dem Metal Master gegenüber. Durch Metall ist Hulk nicht in die Knie zu zwingen, aber Metal Master bietet ihm zum Schein an, mit ihm zusammenzuarbeiten. Hulk ist nicht abgeneigt, da die Menschen ihn ablehnen. Aber es war nur ein Ablenkungsmanöver; auf irgendeine Weise – man kann nicht genau erkennen, wie – schlägt Metal Master den grünen Goliath bewußtlos. Dann schwebt er davon, um sich Metall schmelzend und umherwerfend die Erde untertan zu machen. Soldaten finden den Hulk, erkennen die Maske und wollen sein wahres Gesicht sehen. Es stellt sich aber heraus, daß die Verwandlung inzwischen abgeschlossen ist – unter der Hulk-Maske erscheint die Hulk-Visage. Immerhin kann die Armee-Einheit ihn in ein offenbar ausbruchsicheres Gefängnis schaffen. Hulk, wieder erwacht, fühlt sich von Rick Jones verraten (obwohl der unschuldig ist) und kündigt ihm die Freundschaft. Rick beschließt enttäuscht, sich freiwillig zum Militär zu melden, aber General Ross lehnt ihn ab: zu jung. Dem Jungen kommt eine andere Idee: Er gründet die Teen Brigade, gewissermaßen eine frühe Facebook-Gruppe. Mit anderen Jugendlichen in ganz Amerika tritt er durch CB-Funk in Kontakt.
Hulk befreit sich aus seinem Gefängnis und verwandelt sich wieder in Banner. So trifft ihn Rick an. Banner versichert dem Jungen, er sei ihm eine wertvolle Hilfe. Gemeinsam wollen sie nun den Metal Master stoppen. Unterstützt von der Teen Brigade baut Hulk eine Art Bazooka und tritt so dem Metal Master gegenüber. Der ist siegesgewiß und will sofort Hulks Waffe zerschmelzen, aber es geht nicht (der naheliegende Grund: sie besteht nur aus Plastik und Pappmache). Er gerät in Panik. Hulk packt ihm am Schlafittchen und zwingt ihn, all seine Zerstörungen rückgängig zu machen. Dann steigt Metal Master in seine Rakete und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Ross muß zähneknirschend eingestehen, daß der Hulk und die Teen Brigade gesiegt haben. Wir treffen das grünhäutige Kraftpaket wieder in seiner Höhle. Es scheint, als würde nun die Rückverwandlung nicht mehr funktionieren. Hulk gerät darüber so in Aufregung, daß er dadurch zu Banner wird. Der Wissenschaftler taucht bei General Ross auf – nun, da die Gefahr vorbei ist. Er schwindelt ihm vor, er sei krank und zur Erholung auf Hawaii gewesen. Ross dreht durch, aber Betty ist überaus erfreut, ihn wiederzusehen. Bruce bleibt zurückhaltend; er weiß, daß der Hulk zwischen ihm und Betty steht. Rick blickt neuen Abenteuern entgegen – eine Vorschau gibt es allerdings nicht.

Man sieht, die Handlung ist recht verwickelt und bietet neue Aspekte. Die Verwandlung des Hulk zu Banner wird erstmals durch Aufregung ausgelöst – künftig wird freilich Banner zum Hulk werden, wenn er sich aufregt. Die Teen Brigade, die auch bei den Rächern eine Zeitlang gute Dienste leistete, tritt erstmals auf. Hulk ist hier ambivalent: Er will zwar die Menschheit retten, ist aber auch schnell bereit, mit dem Bösewicht gemeinsame Sache zu machen. Dahinter steckt das alte Monster-Motiv: Es schlägt zurück, weil es von den Menschen verstoßen wurde. Sowohl Bruce Banner als auch Rick Jones tragen hier in meinen Augen Züge von Peter Parker: Seine zweite Identität steht zwischen Bruce und seiner Geliebten. Auch daß Banner erst erscheint, wenn die Gefahr schon gebannt ist, kommt uns bekannt vor. Daß Betty Angst vor dem Hulk hat, ist eher nachvollziehbar als Gwen Stacys Horror vor Spider-Man, denn der ist jedenfalls kein Monster. Rick wird nicht ernst genommen und ähnelt Peter in dieser Hinsicht. Ein junger Mann, der von Erwachsenen abschätzig behandelt wird, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Kurz nach Erscheinen dieses Hefts setzte sich die Revolution der Jugend durch Rock- und Beatmusik und Jugendkultur durch. Peter Parker unterscheidet sich von Rick zumindest durch seine exzellenten Schulleistungen und seine wissenschaftliche Begabung. Daß General Ross Züge von Jonah Jameson trägt, habe ich schon erwähnt. Bruce wird von Betty ebenso bemuttert wie Peter von seinen Freundinnen. Die nichtssagendste Figur ist der Metal Master, der nur dazu dient, den Hulk in Bewegung zu bringen. Mehr ist an ihm nicht dran.
Steve Ditko arbeitet mit vielen kleinen Panels, und obwohl er auch einen ökonomischen Stil verwendet, um sein Pensum zu schaffen, gelingt ihm fast jedes Bild ausdrucksstark und actiongeladen. Ich hatte schon erwähnt, daß der Hulk bei ihm abstoßender und wilder wirkt als bei Kirby, obwohl der sich damit auch bereits große Mühe gegeben hat. Später sieht Hulk, soweit ich mich erinnere, nur noch dann so aus, wenn er wirklich wütend ist. Entwicklungen (die Verwandlung oder die Befreiung des Hulk aus dem Gefängnis) zeigt Ditko gern in vier oder fünf Panels in einer Reihe; auch das gelingt ihm meiner Ansicht nach sehr gut. Betty erscheint mir zu schablonenhaft; sie ist eine Frau alter Schule, die sich nur emotional ausdrücken kann. Aber so war wohl die Zeit. Der Metal Master sieht für damals angemessen futuristisch und auch grausam aus. Heute beeindruckt diese Figur natürlich niemanden mehr. Alles in allem eine interessante Ausgabe, die die Serie ein Stück weiterbringt, über die die Zeit allerdings hinweggegangen ist. Wie sagt man doch: „nur noch von historischem Wert“.

Crackajack Jackson 20.12.2020 07:42

Zitat:

Zitat von Peter L. Opmann (Beitrag 672056)
Durch Metall ist Hulk nicht in die Knie zu zwingen, aber Metal Master bietet ihm zum Schein an, mit ihm zusammenzuarbeiten. Hulk ist nicht abgeneigt, da die Menschen ihn ablehnen. Aber es war nur ein Ablenkungsmanöver; auf irgendeine Weise – man kann nicht genau erkennen, wie – schlägt Metal Master den grünen Goliath bewußtlos.

Man kann nicht genau sagen, ob der Metal Master dem Hulk die Zusammenarbeit nur zum Schein anbietet.

Der Hulk überlegt sich das Angebot und erwiedert dann, dass der Hulk niemanden braucht. Metal Master erwiedert "So sei es" und greift ihn dann von hinten an.
Es kann natürlich sein, dass sein Angebot eine Finte war. Mit Bestimmtheit kann man das aber nicht sagen.


Hier habe ich die Letter Page des Heftes gefunden. Da stehen viele interessante Informationen über die Entwicklung der Figur drin, z.B. dass viel Entwicklungen der Figur von den Zuschriften der Leser stammen und dass auch früher sich die Leser schon Gedanken um die Flugkräfte des Hulk in Heft 3 gemacht haben, dies aber von Stan beiseite geschoben wurde.

http://www.marvelmasterworks.com/mar..._hulk006_1.jpg

Rick Jones und Betty Ross sehen hier genauso aus wie Peter Parker und Betty Brant, zumindest von der Gestalt.

Peter L. Opmann 20.12.2020 08:19

Ich denke, das kann offen bleiben. Was den Metal Master antreibt, bleibt ziemlich unklar.

Eins habe ich vergessen: Die Demaskierung des Hulk ist ein Motiv, das wir gut aus "Spider-Man" kennen. Es läuft immer darauf hinaus, daß die Maske tatsächlich fällt, aber man die Doppelidentität doch nicht enttarnt hat. So ist es auch hier.

Crackajack Jackson 20.12.2020 08:26

Ein Überraschungsmoment.

Der Leser hält den Atem an, aber irgendwie geht es dann doch gut aus.

Wird heute noch so gemacht. Ein ganz zentraler Kniff bei "Breaking Bad".


Eingentlich hätte die Szene mit der Entscheidung des Hulk eine sehr wichtige Schlüsselszene sein können. Hier entscheidet er sich gegen das Monster und für die Menscheheit.

So entscheidet er sich nur gegen die Zusammenarbeit mit dem Metal Master, nicht weil er pro Menschheit ist , sonder weil der Hulk sich selbst genügt.

Die zentrale Aussage auch in späteren Heften: Der Hulk will nur in Frieden gelassen werden.

Crackajack Jackson 20.12.2020 13:17

Der gewaltige Hulk #9


https://www.comicguide.de/pics/medium/24671.jpg

Titel: Ein Titan nimmt den Intercity

US: A titan rides the train!


Williams, September 1974 (Tales to astonish #63, Januar 1965)
Autor: Stan Lee
Zeichner: Steve Ditko
Tusche: George Roussos



Kurzfassung
Beim Transport einer Erfindung von Banner, die der Spiritus Rector stehlen will, besiegt der Hulk den Humanoiden. Dieser ist eine Maschine, die vom Rector kontrolliert wird.

Langfassung

Ein einfacher Arbeiter hat einen Unfall mit Gammastrahlung. Der Unfall verändert sein Gehirn. Dieses wird viel aufnahmefähiger und er dürstet nach Wissen. Innerhalb weniger Wochen eignet er sich unglaublich viel Wissen an. Auch sein Körper verändert sich. Der Kopf wird größer und seine Haut grün.
Der Spiritus Rector ist geboren.
Auf der Militärbasis wird der Transport von Bruce Banners neuester Erfindung vorbereitet.
Banner soll den Zug begleiten, auf dem die nukleare Waffe transportiert wird. Talbot soll auch mitfahren und ein Auge auf Bruce haben. So will es General Ross.
Auch Chamäleon, der noch unerkannt auf der Basis weilt, erfährt von dem Transport und gibt die Nachricht an den Spiritus Rector weiter. Dieser hat einen Humanoiden geschaffen, mit dem er die Erfindung stehlen will. Den Humanoiden kann er mit Headset und Bildschirm steuern.
Mit einem Hubschrauber fliegt Spiritus Rector den Humanoiden über den Zug und lässt ihn dann an einem Seil ab. Die Wachposten bemerken das natürlich und es gibt eine Schießerei.
Major Talbot sperrt vorsichtshalber Banner in einen Waggon und verteidigt mit den anderen Männern den Zug.
Als der Humanoide auf dem Zug gelandet ist, koppelt er den Waggon mit Banners Erfindung ab. Nur Banner, der sich inzwischen zum Hulk verwandelt hat und aus seinem Gefängnis entkommen ist, springt zu dem Humanoiden auf den abgekoppelten Waggon.
Dort bekommt der Hulk zu spüren, dass sein Gegner Stromstöße verteilen kann und sein Körper wie Gummi ist. Sein Glück ist jedoch, dass die beiden Kontrahenten vom Zug stürzen und der Spiritus Rector den Kontakt zu seiner Schöpfung verliert. Somit kann er ihn nicht mehr steuern.
Auch der Hulk verwandelt sich gleich nach dem Sieg wieder in Banner.
Talbot erscheint mit seinen Männern und stellt Bruce unter Arrest.

Hier beginnt der Kampf zwischen dem Hulk und dem Spiritus Rector/ Leader, einem Erzfeind des Hulk.
Es ist der Kampf Geist vs Körper. Der Spiritus Rector ist sehr intelligent und der Hulk sehr stark. Beide wurden durch die Gammastrahlen verändert. Die Origin des Spiritus Rector ist eine etwas abgewandelte Version der Origin des Hulks.
Storytechnisch ist die Handlung eigentlich nichts Besonderes und auch der Kampf gegen den Humanoiden ist, wohl aufgrund der Seitenzahl, eher kurzgehalten.
Es verdichtet sich hier jedoch der Verdacht sehr stark, dass der Hulk und Banner etwas miteinander zu tun haben. Andererseits kann man das auch ewig so weiterlaufen lassen, wie die Clark Kent/Superman Geschichte.


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