Beiträge von Servalan

    Yves Schlirf (irgendwann in den 1950ern - 12. September 2026)

    Obwohl Schlirf eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der frankobelgischen Comicbranche gewesen ist, existieren über seine Herkunft nur Gerüchte. Er soll in den 1950er Jahren in Brabant geboren worden sein, vielleicht 1950, vielleicht am 13. September.
    Zusammen mit Éric Coune von der Buchhandlung The Skull organisierte er schon in jungen Jahren Comicbörsen. 1972 eröffnete im Brüssler Stadtteil Uccle mit Schlirf Book eines der ersten Comicfachgeschäfte, das später um eine kleine Galerie erweitert wurde und 2002 seine Pforten schloß.
    Der Comicfan schrieb für sein Fanzine Tip-Top, 1980 kam eine Kolumne im Spirou-Magazin dazu. Er brachte eine Reihe von inzwischen legendären Sachbüchern heraus und hatte seit den 1970er Jahre eine Leidenschaft für Manga. Ab 1989 unterstützte er Numa Sadoul als stellvertretender Chefredakteur bei dem Fachmagazin Les Cahiers de la bande dessinée.
    Durch seinen Freund Jean Van Hamme erhielt er seine ersten Stellen in der Verlagsbranche, bei Glénat und Dupuis. Bei Dargaud stieg er als künstlerischer Leiter ein und wurde 2018 Stellvertretender Generaldirekteur für Dargaud Benelux.
    1997 gründete er den Verlag Kana, der Jirô Taniguchi und Taiyō Matsumoto in Europa bekannt machte. Seit 2007 engagierte er sich im Verlag Blake et Mortimer.
    Didier Pasamonik schließt seinen Nachruf mit der Klage, dass die frankobelgische Comicszene ohne Yves Schlirf nicht mehr dieselbe sei.

    Quellen: actuabd.com, Stripspeciaalzaak.be,
    Wikipdédia. L'encyclopédie libre

    Das Auktionshaus BD Enchères in Lüttich hat das Cover zu Asterix bei den Briten (1965) von Albert Uderzo zu einem Rekordpreis verkauft. Das Mindestgebot lag bei 150.000 bis 200.000 Euro. Inklusive aller Kosten fiel bei 1.474.000 Euro der Hammer.
    Ursprünglich war er ein Geschenk von Goscinny und Uderzo an ihren Verleger Georges Dargaud. Nach dessen Tod 1990 erbte ihn seine Tochter Corinne, die seit 2002 den Verlag leitete. Danach kam die Grafik in die Hand desjenigen, der das Bild jetzt verkauft hat.
    Das Cover von Asterix Tour de France liegt auf Platz zwei mit 1.400.000 Euro (2017).
    Auf Platz drei folgt das Cover von Asterix und der Arvernerschild mit 1.197.000 Euro.

    Quelle: Stripspeciaalzaak.be

    Sonntag, 13. September 2026
    Tatort "König in Gelb" (Hannover) - 7,41 Millionen (30,7 Prozent Marktanteil)

    Primetime-Check: Sonntag, 13. September 2026
    Der «Tatort» ist aus der Sommerpause zurück - und dominiert sofort den Sonntag. Privat überrascht ProSieben mit dem Film-Sieg. Insgesamt holt sich VOX mit…
    www.quotenmeter.de

    Dazu muß ich einiges loswerden:
    1) Die Meldung mit dem Freischalten in der Mediathek zwei Tage vorher, halte ich für eine unverschämte Augenwischerei. In der Presse kam das so herüber, als wäre das auch ein Angebot, das sich an das Publikum richtet, dass dem Krimi skeptisch bis ablehnend gegenübersteht. Das wirkte auf mich wie eine Maßnahme, um neues Publikum zu werben, doch eher ist das Gegenteil der Fall. Bis Sonntag, 20.15 Uhr dürfen nur Leute mit ARD-Konto auf das Angebot zurückgreifen.
    2) David Hain hat auf seinem youtube-Kanal BeHaind ein Video mit dem Titel veröffentlicht: Warum moderne Filme und Serien immer hässlicher aussehen (24:21 min). Obwohl die technischen Möglichkeiten immer besser werden, so Hain, wagen es immer weniger Filmemacher, künstlerische Entscheidungen zu treffen. Schließlich soll das Produkt jederzeit und überall gestreamt werden können. Diese Folge hat das in meinen Augen bestätigt. Vom ästhetischen Standpunkt war das eine optische Grütze, bei der ich mich gefragt habe, ob da jemand die Automatik im Blindflug hat durchlaufen lassen. Den Augenkrebs konnte ich nur portionsweise ertragen.
    3) Der Cold Case-Serienmörder wirkt auf mich wie ein Rip-off der gerade in Frankfurt am Main neu gestarteten Kollegen.
    4) Unterste Schublade: Lindholm goes Schlefaz.

    Der französische Philosoph Gaspard Kœnig (Jahrgang 1982) stammt aus einem 68er-Elternhaus, vertritt aber den klassischen Liberalismus. Nach seiner Ausbildung arbeitete er zwei Jahre als Ghostwriter für die Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. 2013 gründete er in Paris den Thinktank GenerationLibre; im Mai 2021 gründete er die politische Bewegung Simple, heute eine Splitterpartei. Im Januar 2022 kandidierte er für sie zur Wahl des französischen Präsidenten, doch letztlich fehlten ihm die Stimmen, um als Kandidat anerkannt zu werden.
    Von ihm liegen neben zahlreichen Essays mittlerweile fünf Romane vor, von denen er sich mit einem für Shortlist des Prix Goncourt qualifizierte. Zudem fällt er auf, weil er Ted Kennedy unheimlich ähnlich sieht, den er 2016 in einem Spielfilm über Jackie Kennedy in eine Nebenrolle verkörperte.

    Gaspard Kœnig (Szenario) / Étienne Appert (Zeichnungen): La Désobéissance du radis (Pictavita 2026), 160 Seiten

    Jean-Baptiste Dardier, Clémentine Hustin und Laurent Duroche: Enki Bilal x Philippe Druillet – Des Dieux et des Hommes. Catalogue d'exposition (Éditions Jean-Baptiste Barbier und Fonds Enki Bilal mit Ulule 2026), 256 Seiten

    Während Enki Bilal auch hier zu Meistern seiner Zunft zählt, ist Philippe Druillet trotz seiner maßgeblichen Beiträge zum epochemachenden Magazin Métal hurlant im deutschsprachigen Raum ein Geheimtipp geblieben. Vor Ewigkeiten erschienen einige Alben von ihm im Volksverlag. Dass Comics in der Regel verkleinert werden, dürfte den meisten bekannt sein, aber Druillet ist legendär für seine monumentalen Originale.
    Das Artbook ist zugleich der zweisprachige Katalog (Französisch und Englisch) zu einer Ausstellung im Fonds Enki Bilal, die Ende des Jahres öffnet.

    Quelle: actuabd.com

    • David Hine (Szenario) / Shaky Kane (Zeichnungen): The Bulletproof Coffin (Image Comics 2010), 6 Hefte, 200 Seiten
    • David Hine (Szenario) / Shaky Kane (Zeichnungen): The Bulletproof Coffin: Disinterred (Image Comics 2012), 6 Hefte, 200 Seiten
    • David Hine (Szenario) / Shaky Kane (Zeichnungen): Bulletproof Coffin: The Thousand Yard Stare (Image Comics 2017), 31 Seiten
    • David Hine (Szenario) / Shaky Kane (Zeichnungen): The Bulletproof Coffin: Giant! Cease to Exist (Oni Press für 2027 angekündigt), 72 Seiten


    Seit 2010 gestalten der Szenarist David Hine und der Zeichner Shaky Kane, bürgerlich Michael Coulthard, ihr metafiktionales Ficto-Verse. Die Hommage an die Silver Age Comics beginnt in der ersten Miniserie mit dem Comicsammler Steve Neymann, der erkennen muss, dass es eine Verbindung zwischen den Golden Nugget Comics des Wishbone Studios und der Wirklichkeit gibt. In dem One-Shot Bulletproof Coffin: The Thousand Yard Stare wurden Hine und Kane selbst zu Figuren ihres Ficto-Verse.
    Der Abschlussband soll im Januar 2027 erscheinen. Für 2028 kündigt Oni Press eine Gesamtausgabe an.

    In der Comicszene ist der niederländische Künstler Tim Enthoven (Jahrgang 1985) kein Unbekannter, obwohl er den meisten hier nicht geläufig sein dürfte. Beiträge über ihn finden sich nur in der niederländischen und französischen Wikipedia sowie in der Lambiek Comiclopedia. Zu seinen Fans gehören die weltbekannten Comicautoren Brecht Evens, Charles Burns, Seth und Chris Ware.
    Seine Karriere als Bildender Künstler und Grafiker startete 2009 mit seinem Abschlußprojekt an der Design Academy Eindhoven, dass er nicht nur mit summa cum laude (der Bestnote) absolvierte, sondern zudem mit dem René Smeets Prijs ausgezeichnet wurde. Dabei handelt es sich um die autobiographische Graphic Novel Binnenskamers, die 2011 gleichzeitig bei den Verlagen Bries in Belgien und De Harmonie in den Niederlanden aufgelegt wurde. Die bislang einzige fremdsprachige Ausgabe stammt aus dem spanischen Kolumbien. Zu dem Projekt gehörte eine Ausstellung, deren Tournee bei der Dutch Design Week in Eindhoven begann und über das Warenhaus Selfridges in London, The Frozen Fountain in Amsterdam und The Bries Space in Antwerpen bis zur Internationalen Buchmesse in Peking führte.
    Enthoven bewundert Alte Meister wie Balthasar van der Ast, Albrecht Dürer, Hans Holbein der Jüngere, Lucas van Leyden und Tizian, wird jedoch auch zeitgenössischen Künstlern wie Gilbert & George, Anselm Kiefer, Martin Kippenberger, Leanne Shapton und Cy Twombly beeinflusst. Desweiteren regen ihn die Filme von Michelangelo Antonioni sowie die Literaten Knut Hamsun und David Foster Wallace an.
    Er nutzt (auto)biografisches Material, betont aber dessen Fiktionalität. In seinem Stil steht das grafische Design im Vordergrund, wobei häufig der Plot vernachlässigt wird. Komposition, Rhythmus und der räumliche Eindruck interessieren ihn mehr. Sein Naturalismus fußt auf dem intensiven Studium von Anatomiebüchern, schweift jedoch ins Absurde ab.
    2011 veröffentlichte das Magazin Zone 5300 seinen kurzen Comic "Pastorale" über seinen Onkel Jos, einen funktionellen Analphabeten.

    Tim Enthoven: Binnenskamers (Bries und De Harmonie 2011), 112 Seiten, spanische Ausgabe: Puertas adentro (Cain Press 2018), 142 Seiten

    Thierry Groensteen: Catherine Meurisse, sur le pont des Arts (Glénat BD Les Cahiers de la Bande Dessinée 2026), 272 Seiten

    Am 16. September kommt ein umfangreicher Interviewband über eine der interessantesten Stimmen der zeitgenössischen frankobelgischen Comics: Catherine Meurisse in den Handel. Hier spricht sie über ihre Einflüsse von Marcel Proust bis Henry David Thoreau sowie Claire Bretécher, Delacroix und Hockney. Zudem berichtet sie über ihre Jahre bei Charlie Hebdo.
    Am 18. September erscheint bei Dargaud ihr nächster Comic: Le Clan de Walden über den oben erwähnten Henry David Thoreau.

    Quellen: Glénat, Toutenbd.com

    Peter L. Opmann Du verkennst den kulturellen Impact, den Buch und Film gehabt haben. Das hat Generationen geprägt wie zuletzt zum Beispiel Harry Potter oder Hunger Games. Das klingt im Rückblick vielleicht bizarr, aber Scarlett O'Hara war ein Idol für junge Mädchen und Frauen: in dieser Kategorie das erste Bad Girl, mit dem sich die Fans identifizieren. Die junge Generation der Frauen wollte nicht mehr nett und harmlos sein, sondern ihr eigenes Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten.

    Filmhistorisch würde ich ihn mit Camerons Titanic vergleichen, denn Vom Winde verweht löste D.W. Griffiths Birth of a Nation als Box Office Hit mit dem größten Einspielergebnis ab. Kalkuliertes Studio- und Starkino trifft es ganz gut, aber der Film war in gewisser Hinsicht ein Pionier wie später Der weiße Hai von Spielberg.
    Der Film ist in vielfacher Hinsicht brisant und offenbart meiner Ansicht finstere Aspekte der Mentalität der USA. Ich bin keine Amerikanistin, aber soviel ich weiß, ist das Margaret Mitchells einziger Roman, der wie Birth of a Nation vom Amerikanischen Bürgerkrieg handelt und sich deutlich auf dieses Vorbild bezieht. Was du in deiner Rezension arg verharmlosend "Bürgermiliz" nennst, das ist der rassistische, proto-faschistische Ku-Klux-Klan, dessen Wüten in Roman und Film beschönigt wird.
    Extra zu dem Film wurde damals ein Dokumentarfilm gedreht, in dem es um Sklaverei ging, übrigens von keinem Geringeren als Fred Zinnemann. In der (weißen) Presse und in der Öffentlichkeit galt die Doku als sachlich und korrekt. Heute wissen wir, das dass Kokolores ist!
    Außerdem ist der Film ein Referenzwerk für zahlreiche Filmemacher geworden, die sich immer wieder explizit oder subtil auf ihn beziehen. Ein Meilenstein in der Hinsicht sind die Anspielungen in David Lynchs Twin Peaks.

    Sorry, das glaube ich nicht. Ich vermute, dass die beiden Westler sind und eine mangelhafte Quelle genutzt haben. Sicher bin ich mir hingegen, dass sie des Tschechischen nicht mächtig sind. Die beiden waren vor dem Fall der Mauer minderjährig und erwecken keineswegs den Eindruck, aus den neuen Bundesländern zu stammen. Wie gesagt, wegen ihres Faibles für Hollywood vermute ich, dass sie eine englischsprachige Quelle genutzt haben.
    P.S.: Außerdem vermute ich, dass ihre Schlampigkeit auf die Bequemlichkeit der PISA-Generationen zurückzuführen ist, die schon zufrieden sind, wenn sie eine Quelle haben. Besonders an der Uni in den Referaten und Hausarbeiten habe ich gemerkt, dass das Wissen, das ich öffentlich vortrage, bloß die Spitze des Eisbergs ist, meistens waren das 10 bis 15 Prozent. Mich hat der Kontext interessiert, deshalb habe ich meine Daten gegengecheckt und zumindest eine zweite Quelle benutzt. Aber so eine aufwändige Arbeitsweise ist heutzutage wohl oldschool. :rolleye:

    Als Kind war ich ein Fan des Filmstudios Barrandov, natürlich in erster Linie wegen ihrer hervorragenden Kinderserien, aber auch in anderen Genres haben die ihre Duftmarke gesetzt. In Erinnerung geblieben ist mir da vor allem Das Krankenhaus am Rande der Stadt, das trotz des Eisernen Vorhangs auch im Westen sein Publikum fand - und das war vor der Schwarzwaldklinik. Aber schlicht genial und bis heute unübertroffen finde ich die Science-Fiction-Serie Die Besucher, die einige hier sicher eher unter dem Titel Expedition Adam '84 kennen. Ich finde sie um Klassen besser als die Back to the Future-Trilogie.
    Gewürdigt dieses Juwel des Kinderfernsehens, also der All Age Klassiker, zuletzt von dem youtube-Kanal Flipps: Filme Serien Games, bei dem ich mir häufig das Spotlight herauspicke, in dem ein Thema intensiver beleuchtet wird. Der Batz und Manniac präsentieren fundiert und locker aufbereitet ihr Medienwissen, das für meinen Geschmack eine deutliche Unwucht zugunsten Hollywoods und der USA hat. Dennoch schätze ich ihre historische Perspektive, und ihr Clip zu Die Besucher beweist, dass sie für Überraschungen gut sind, aber bei genauerer Recherche wurde ich stutzig.

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    Als kuriose Randnotiz präsentieren sie den Sachverhalt, dass Dagmar Veškrnová, die Adams Mutter Alice Bernau gespielt hat, später den Schriftsteller Václav Havel geheiratet hat, was bei den beiden wirkt, als wäre die Schauspielerin urplötzlich in die High Socity aufgestiegen. Das ist weniger als die halbe Wahrheit, sondern schlicht Mumpitz. Andersrum wird daraus eine Wahrheit daraus, denn der Präsident Tschechiens nach der Samtenen Revolution muss seine First Lady schon sehr früh kennengelernt haben. Denn ebenso wie der berühmte Lucerna-Vergnügungskomplex am Prager Wenzelsplatz wurde das Barrandov Studio (ab 1945 Filmové továrny AB na Barrandově, ab 1991 Filmové studio Barrandov) von seinem Vater Václav Havel sen. (1897–1979) und seinem Onkel Miloš Havel (1899–1968) in den 1930er Jahren gegründet. Havel wuchs also in den berühmten Studios auf und erhob in den 1990er Jahre Ansprüche darauf.
    Warum unterschlagen die beiden diesen Zusammenhang? Ich werde nicht schlau daraus.

    Der Verdacht des Mr. Whicher (ARD Mediathek)

    Weil es sich um eine historische Krimiserie handelt, dachte ich zunächst, dass die ganze Sache fiktiv ist, zumal Mr. Whicher in diesem Zusammenhang ein sprechender Name ist. Doch da habe ich mich getäuscht, reality is stranger than fiction. Denn Inspector Jack Whicher ist nicht nur eine historische Persönlichkeit, sondern war als Kriminalist in einen Mordfall verwickelt, der im viktorianischen England Furore gemacht hat: Der Mord von Road Hill House 1860 in Wiltshire.
    Inspector Jack Whicher zählte zu den ersten prominenten Kriminalisten des 1842 gegründeten Scotland Yard, auch bekannt als Metropolitan Police (kurz Met). In Europa war er hoch angesehen, weil er eigentlich immer richtig lag. Durch die öffentliche Meinung, also durch den Druck von Presse und Parlament, wurde Whicher 1860 voreilig zu einer Festnahme gedrängt, weshalb er vor Gericht grandios scheiterte. Das kostete ihn letztlich die Karriere. Allerdings bestätigte sich sein Verdacht fünf Jahre später, weil die Verdächtige eine Beichte abgelegt hatte. Die britische Journalistin Kate Summerscale brachte den Fall 2008 mit ihrem Sachbuch The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House wieder ins Bewußtsein zurück, wofür sie den Samuel Johnson Prize for Non-Fiction erhielt.
    Schon zu seinen Lebzeiten wurde Whicher in literarischen Alter Egos verewigt, zum Beispiel als Inspector Bucket von Charles Dickens und Sergeant Cuff von Wilkie Collins. Sein Echo zieht sich im Krimigenre bis in die Gegenwart und reicht beispielsweise bis zu Colin Dexters Inspector Morse. Deshalb verwundert es nicht, dass Summerscales Buch zügig für das Fernsehen verfilmt wurde, mit Paddy Considine in der Hauptrolle. 2011 lief die spielfilmlange Adaption bei dem Privatsender ITV. Bis 2014 folgten drei weitere, um die 90 min lange, allerdings fiktive Fortsetzungen, unter anderem mit Olivia Colman, Peter Capaldi, Richard Lintern, Alexandra Roach, Shaun Dingwall und Elora Torchia.
    Offiziell wird das Werk als Serie in 4 Staffeln angesehen, wobei in den fiktiven Fortsetzungen stetig Motive aus dem historischen Fall aufgegriffen werden. Das ist Fernsehen des 21. Jahrhunderts, das zwar historisch korrekt ist, aber progressiv heute moderne Ansichten aufgreift. So gibt es einen Schauspieler mit Down Syndrom, der positiv eine Rolle spielt und als Mensch ernstgenommen wird; in einem anderen Fall wird der Sepoy-Aufstand in Indien als Familiendrama kritisch aufgearbeitet - natürlich mit Happy End.
    Die Stories sind ebenso verwickelt erzählt wie bei Inspector Morse. Mir gefällt's!

    Pe'l Schlechter (20. April 1921 – 2. September 2026)

    Mit Gab Weis und Felix Mersch zählt Schlechter zu den Gründervätern des Comics in Luxemburg. Mit 105 Jahren war er der letzte Überlebende der Pioniergeneration.
    Schlechter stammt aus einer Künstlerfamilie, besuchte ab 1933 das Athenäum und von 1937 bis 1939 die Handwerkerschule in Luxemburg, darunter die Dekorationsmalerklasse von Josy Meyers. Er begann in der Architekturbranche, bevor er vom Reichsarbeitsdienst zwangrekrutiert wurde. Nach 1945 zeichnete er für die Architekturbüros von Léon Loschetter, Pierre Reuter und Pierre Gilbert. Danach machte er sich mit einem Grafikatelier selbständig, das er zehn Jahre betrieb. Von 1972 bis 1986 wurde er Chef des Services techniques und Hausgrafiker bei der Société des foires internationales de Luxembourg.
    Der vielseitige Grafiker verfaßte auch Gedichte und Kurzgeschichten. Sein Comic De Bim an de Jopi erschien ab 1948 in der Zeitschrift Revue in 49 Fortsetzungen und besteht aus den beiden Geschichten "De ve'ereckege Rondel" (1948-1949) und "De bloen Hari" (1949).

    Quellen: actuabd.com, Luxemburger Autorenlexikon, Wikipedia. Déi fräi Enzyklopedie (luxemburgische Version)

    Shin'ichi Abe (7. April 1950 - 4. September 2026)

    Mit Abe verlässt uns einer der Pioniere des watakushi manga (~ Manga des Ich), also des autobiographischen Manga. Berühmt wurde er für seine Beiträge für die Zeitschriften Garo, Big Comic und COM. Ende der 1970er Jahre zog er sich als Mangaka zurück, um ein konventionelleres, religiös geprägtes Leben zu führen. Anfang der 2000er meldete er sich dann mit neuen Comics im AX Magazine zurück.
    Auf deutsch liegt seit kurzem Die Jahre in Asagaya bei Reprodukt vor.
    Abgesehen von der japanischen Wikipedia finden sich Beiträge über ihn nur in der italienischen und der französischen Wikipedia.

    Quellen: Fumettologica, Wikipedia. L'encyclopedia libera

    Die Rosenheim-Cops Staffel 10 Episode 9 (Folge 193) "Die strafende Hand Gottes" (Deutschland 2010, Bavaria Fiction), Drehbuch: Nikolaus Schmidt, Regie: Gunter Krää, 44 min, FSK: 6

    Für die Gemeinde Ganting gestaltet der Bildhauer Ferdinand Kollmann in seinem Atelier eine riesige Christusstatue, höher als in Rio de Janeiro, als Touristenattraktion. Eines Morgens wird er tot in seinem Atelier aufgefunden, wie es aussieht, erschlagen von einer riesigen Hand. Gefunden wurde er von Anna Schretzmayr, der Frau des Bürgermeisters von Ganting, und seinem Modell, dem Schauspieler Antonio Moser, der zudem als Zweitbesetzung bei den Oberammergauer Festspielen tätig ist.
    Zu den Verdächtigen zählt Roswitha Schober, eine ehemalige Rathausangestellte, die ausdauernd mit ihrem Plakat gegen die Blasphemie protestiert, mit Christus Geld zu verdienen. Als weitere Zeugen werden die Initiatoren des Projekts vorgeladen: Der Bauunternehmer Volker Feiler und der Bürgermeister von Ganting, Karl Schretzmayr, sowie der Bildhauer Benedikt Gasser, der das Projekt jetzt vollenden soll.

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    Anna Schretzmayr schleicht sich in das Atelier, dass sie verlassen glaubt, um nach einer Rolle mit Zeichnungen zu suchen, wobei sie erwischt wird.
    Bei seiner Befragung sagt Gasser, die Statue wäre seine Idee gewesen, aber Schretzmayr hätte die Skulptur seinen Spezln zugeschanzt. Aus Rache habe er zweimal Feuer gelegt.
    In dem gesicherten Material finden sich Hinweise, dass Kollmann am historischen Jesus interessiert war, der entgegen üblichen Vorstellungen größer und muskulöser gewesen sein soll. Benedikt Gasser schätzt den schlanken Antonio Moser als römisch-antikes Modell.
    Die Forensik stellt fest, dass das Opfer zunächst niedergeschlagen und dann erst unter die Hand geschleift wurde.

    Spoiler anzeigen

    Bei den Zeichnungen, die Frau Schretzmayr verschwinden lassen wollte, handelt es sich um Aktzeichnungen von ihr. Zudem hatte sie eine Affäre mit Kollmann. Weil ermittelt wird, dass der Bürgermeister davon wusste und am Tatort zugegen war, wird er erneut als Verdächtiger verhört. Aber auch das Alibi von Antonio Moser platzt.
    Letztlich wird der Täter durch ein neuartiges Kameraverfahren überführt.

    „Das Blake und Mortimer Lexikon“

    Mich würde ebenfalls interessieren, wie es dir gefallen hat.
    Soweit ich weiß, ist das französische Original von 2024, und in den letzten Jahren ist bei der Serie einiges erschienen. Ist die Ausgabe aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht worden?

    Harvey Specter
    17. Februar 2026 um 22:55

    Der französische Journalist Aymeric Mantoux (Jahrgang 1976) setzt eine familiäre Tradition fort, denn schon sein Großvater war Chefredakteur der Zeitschrift Le Technicien du film und sein Vater, der Universitätsprofessor Thierry Mantoux, verfaßte den Bestseller Le guide du BCBG. Schon während seines Studiums, unter anderem an der Sorbonne, verfaßte er Beiträge für eine Reihe von Reiseführern; später arbeitete er für La Chaîne info (LCI), Nouvel Économiste und Radio Classique.
    2001 gründete er mit Luc Dubanchet und Marc Esquerré die Agentur Tapas Presse. Dabei hat sich Mantoux auf politische und ökonomische Essays spezialisiert, insbesondere über Jean-Pierre Raffarin, Nicolas Sarkozy und Dominique de Villepin. Seit 2015 leitet er als Generaldirektor den Kunstbuchverlag Cercle d'art. 2019 war er an der Organisation der Olympischen Spiele in Paris 2024 (COJO) als Berater mitbeteiligt.
    Immer wieder nutzt er Comics zur Vermittlung seines Wissens, zunächst in humoristischen Bänden, wobei er schon mit prominenten Künstlern wie Philippe Bercovici und Pascal Rabaté zusammengearbeitet hat.

    • Aymeric Mantoux und Emmanuel Rubin (Szenario) / Marco Paulo und Bonaventure (Zeichnungen): La guerre des étoilés (Glénat BD 12bis 2011), 56 Seiten
    • Aymeric Mantoux und Benoist Simmat (Szenario) / Philippe Bercovici und Isabelle Lebeau (Zeichnungen): La Gauche bling-bling (Glénat BD 12bis 2012), 58 Seiten
    • Aymeric Mantoux (Szenario) / Pascal Rabaté (Zeichnungen): L'enfant qui rêvait d'étoiles. Dans les pas de Yannick Alléno (Glénat BD 12bis 2013), 104 Seiten
    • Aymeric Mantoux (Szenario) / Clément C. Fabre (Zeichnungen): Les Revolutionnaires: Lénine, Mao, Che Guevara et tous les autres en BD (Hachette RobinSon 2018), 136 Seiten
    • Aymeric Mantoux (Szenario) / Tomek Heydinger (Zeichnungen): Voyage au pays des ultrariches (Editions du Faubourg 2026), 128 Seiten

    Noch einmal Sekundärliteratur:

    Jörn Ahrens und Arno Meteling (Hrsg.): Comics and the City: Urban Space in Print, Picture and Sequence (Continuum 2010), 288 Seiten

    ... und Primärliteratur:

    Alberto Díaz: Bo tempo (Demo Editorial Castelao 2020), 104 Seiten [der Comic ist auf Galizisch] - Über Jackson Pollock (1912 - 1956)

    Cos (Szenario) / Miguel (Zeichnungen): Historia de la Fotografia en cómic (Foto Sistema 1994), 40 Seiten - über die Geschichte der Fotografie

    Hanns Zischler (Szenario) / Friederike Gross (Zeichnungen): Aus der Nachwelt (Alpheus Verlag 2010), 86 Seiten
    Yorba, Winter 1971. Um den (fiktiven) Maler Leonid Kusmin ist es schon lange still geworden. Eines Morgens wacht er in seinem Atelier auf und erfährt mit Entsetzen, dass er nach seinem Tod berühmt sein wird.

    Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil, 1958)
    Regie: Orson Welles; Darsteller: Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles

    [...]

    Der Film hat eine sehr spezielle Machart, die mich mehrmals aus der Handlung gerissen hat. Ist sehr schwierig zu beschreiben, es waren einfach immer mal wieder Dinge, die ich als ungeschickt oder unrealistisch inszeniert/dargestellt empfand und anders gemacht hätte.

    Orson Welles geht schon sehr eigenwillig an die Dinge heran und das von Beginn an. Auch als junges Wunderkind im Theater und im Radio hat er seine Spuren hinterlassen und Mediengeschichte geschrieben. Wenn du von Welles Realismus erwartest, bist du auf dem falschen Dampfer. Welles gestaltet die Wahrnehmung seines Publikum schon auf eine artifizielle Weise, die - jedenfalls für mich - eine faszinierende Qualität besitzt.

    Massimo Mattioli: Pinky 1973-1974 (Nona Arte und ReNoir Comics 2026), 136 Seiten

    Der Undergrundzeichner Massimo Mattioli ist in Deutschland leider ein Geheimtipp geblieben, während der 2019 von uns Gegangene in Italien zu den Ikonen seiner Zunft zählt. Grafisch bietet von Tex Avery inspirierte freche Comics für Erwachsene, irgendwo zwischen bissiger Satire, blutigen Metzeleien und Pornografie. Auf deutsch liegen nur zwei Bände Squeak the Mouse vor, die die Edition Kunst der Comics 1991 und 1993 herausbrachte.
    Zu seinen Hauptwerken zählt Pinky, der von 1973 bis 2014 ununterbrochen in Il Giornalino lief. Jetzt erscheint der erste Band der Gesamtausgabe im Hardcover um den Fotoreporter Pinky der Zeitung La notizia, ein rosa Kaninchen, das von seinen Sidekicks begleitet wird: dem Bären Giorgione und dem hasserfüllten Joe Cornacchia ...

    Quellen: Fumettologica, Wikipedia. L'encyclopedia libera