Beiträge von Nafi ibn Azraq

    Hallo Mitlesende,

    ich konnte heute auch schon das neue Heft in Empfang nehmen. Das Cover finde ich auch etwas fad ... die Variante in der App mit dem "Schlamm Califax" hätte dem Titel entsprechend in meinen Augen besser gepasst.

    Weiterhin gefallen mir beim ersten Überblick wieder die detailreichen und farblich gut abgestimmten Panels. Auch das abwechselnde Auftreten der bekannten Personen (und sogar kurz der Ratten und Mäuse) gefällt. Mal sehen was beim intensivem Studium noch interessantes entdeckt werden kann.

    Was mir beim ersten Sichten noch aufgefallen ist, dass in der aktuellen Serie die Nase des Don irgendwie sehr unförmig wirkt. Da ich gerade die Eldorado Serie noch einmal lese ... fällt mir die nun wieder besonders auf. In den alten Heften fand ich sie irgendwie markanter und unterstrich seine gerissenen Gesichtsausdrücke mMn deutlich besser. Vielleicht hatte er in der Vergangenheit mal einen Nasenunfall? Weiß da jemand etwas genaueres? Oder liegt es einfach am neunen Zeichner? Eigentlich sollte die alte Figurine doch sicher Pate gestanden haben.

    VG

    Dass ihn das Bienlein steche! Das Cover weckt schöne Erinnerungen an das Ende der Runkel-Serie. Bin gespannt auf das das Heft.

    Mir hat das Heft außergewöhnlich gut gefallen. Es ist dynamisch, dramatisch. Und ich finde es stark, dass die Redaktion das Thema psychische Krankheit im Innenteil thematisiert. Die Tiergeschichte verbindet sich schön mit der Abrafaxegeschichte, es liest sich wie eine Art Finale, wo fast alle Handlungsstränge zusammenlaufen.

    Ja...

    ..., vielleicht kein "Überheft" - aber in dieser Serie auch eher ein besseres. Dass nun aber weiteres Tiergequatsche um sich greift und auch (weitere) Menschen das verstehen, ist für jemanden, der der Zielgruppe bereits seit geraumer Zeit entwachsen ist, zumindest bedenklich...

    UNVEU:D

    Dem stimme ich zu. Endlich steht Don Ferrando nicht mehr in der Abstellkammer. Meine Hoffnung ist, dass die Tiergeschichte irgendwann auserzählt ist, aber ich fürchte, sie bleibt ein zentraler Teil der Serie.

    Die Abrafaxe kommen mir immer. Ehr (in den letzten Serien) als werktätige Familie vor. Morgens geht jeder aus dem Haus und getrennter Wege, um seiner Profession nachzugehen. Abends trifft man sich zum Abendessen wieder und erzählt sich vom Tag. Aber die Abenteuer werden weniger zusammen erlebt. Und ihnen ist der Humor abhanden gekommen. Der letzte letzte Spaßvogel, der sie begleitet hat, war ... Wido?

    In der Literaturgeschichte ist seit Homer alles irgendwie "geklaut", oder man könnte sagen, bekannte Motive neu arrangiert und weitergedacht. Solche Anspielungen und Adaptionen finde ich super. Trotzdem fehlt mir abgesehen von der Rattengeschichte noch die Dramatik und Spannung in der Geschichte, grundsätzliche Konflikte, die die Protagonisten gegeneinander stellen, Bedrohungssituationen, die uns mit unserem Helden mitfühlen lassen. Abgesehen vom Rattenprinzen ist das momentan vor allem Don-can-you-hear-the-drums-Ferrando, mit dem ich immer mehr mitfiebere, weil ihm so übel mitgespielt wird. Erst das Treffen mit Philipp Lang weggeschnappt, dann der Brief geklaut und jetzt auch noch im Gefängnis verrotten gelassen - die Figur wird auf einmal zum Mitleidsobjekt, dem man endlich mal eine Revanche wünscht.

    Eine Episodengeschichte kann funktionieren, wenn eine Episode in einer, maximal zwei Heften erzählt wird. Wir hatten das bei Hodscha Nasreddin in der Don-Ferrando-Serie. Was mE nicht git funktioniert, ist, wenn man Episoden parallel nebeneinander her durch mehrere Hefte laufen lässt. Da geht die Kohäsion flöten. Besser hätte ich gefunden: eine übergreifende Handlung, und dann mehrere kleine eingeflochtene Episoden.

    So, jetzt habe ich das Heft auch endlich. Die Zeichnungen gefallen mir sehr gut. Man merkt Jens Fischers dynamischen Zeichenstil, auch die Vielfalt der Perspektiven fällt sehr positiv auf. Die Slapstick in der Küche ist auch sehr lustig und tröstet etwas über die ansonsten zerfaserte Handlung.

    Das ist einer der Wermutstropfen des Heftes: keine zentrale Story mit Motivation, eher ein Dahinleben der Protagonisten. Dann die handlungsmäßige Amputation Don Fernando in der Abstellkammer. Und schließlich die orientalistischen Klischees im redaktionellen Teil. Da bin ich ehrlich gesagt vom Mosaik enttäuscht, wo die Recherche sonst besser ist.

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    Das neue Annabellen-Mosaik kam gleichzeitig mit den Abrafaxen.

    Es ist wieder wirklich gut geworden: die Zeichnunen, die Story, die Figuren, Dynamik, viele Anspielungen und Reminiszenzen. Ein einflussreicher Kaufmann ist fast pleite und seine Tochter will neue Kleidung? Familie Luneborg, ick hör dir trapsen! Das Stadtbild Amsterdams erinnert an die Hegensche Erfinderserie.Der Holzverschlag auf S. 13 ist ein schönes Detail Die Segelschiffe im Hafen erinnern stark an die Karacken der Spanier in der Digedags-Amerika-Serie oder die in der Don-Ferrando-Serie. Ein Augenschmaus! Gegen Ende des Hefts schwerer Seegang, wer erinnerte sich da nicht an die Szene in der Amerika-Serie mit der Seeblockade der Südstaaten oder an die raue See vor Villamare? Gerade solche Übertreibungen machen ein gutes Comic aus.
    Vom Charakter her sind die Annabellas im Vergleich zu den Digedags noch etwas brav und eher den Abrafaxen ähnlich.

    Alles in allem ein sehr schönes Heft!

    Ja, man sollte als Autor schon einen Plan für die Serie haben, was ist das treibende Motiv, was soll am Ende stehen, warum handeln die einzelen Protagonisten so, wie sie es tun. Also eine Geschichte, die erzählt werden soll wie eine Suche nach etwas, ein Auftrag der zu erledigen ist. Dann können Elemente wie die Rattengeschichte ein retardierendes Element sein oder ein Gleichnis für die Machtverhältnisse der Menschen, die erst noch erzählt werden sollen. Die Templergeschichte hat so gut funktioniert, auch die Reise mit dem Elephanten hatte auf diese Weise ein Ziel. Möge die Pragserie auch ein solches Ziel haben, auf den alles hinführt.

    Mir gefällt das Heft auch. Prag als Kulisse ist wunderbar getroffen und bietet Atmosphäre. Die Figuren sind auch mehr aus einem Guss. An der einen und anderen Stelle meine ich den Zeichenduktus von Jens Fischer zu erkennen, z.B. wie Kepler auf S. 49 aus Brahes Haus wegläuft. Die Katzen-Ratten-Geschichte stört mich nicht so, ich hoffe aber, dass sie nicht den Hauptteil der Geschichte ausmachen wird. Don Ferrando ist hier eher das Opfer der Handlung, so richtig kommt seine Gemeinheit und Scharfsinn noch nicht raus - wo ist sein Überredungstalent bei der Interaktion mit den Wachen? Er war doch sonst der Meister darin, aus einer verfahrenen Situation geschmeidig und oben auf herauszukommen! Ich hätte eher vermutet, dass er den Philipp Lang ausmanövriert und sich selbst als kaiserlicher Berater einschleimt oder gar selbst intrigiert, um Kaiser zu werden. Gefreut haben mich wieder die kleinen versteckten Anspielungen auf frühere Serien, vor allem die alte Don-Ferrando-Serie.

    Ich hoffe, dass im Verlauf der Serie noch mehr von Kaiser Rudolfs II. Hofentourage gezeigt wird, also Künstler wie Giuseppe Arcimboldo, der ehrgeizige Erzherzog Matthias, der Uhrmacher Josti Bürgi.

    Hallo zusammen,

    jüngst bin ich auf ein Kinderbuch gestoßen, "Islamische Kunst für junge Leser. Eine Reise durch die Geschichte", das 2012 vom Museum für islamische Kunst in Berlin herausgegeben wurde. Das Buch ist eine Begleitpublikation zu einer Ausstellung über die archäologischen Funde von Samarra, einer Kalifenresidenz im Irak aus dem 9.Jhdt. Eine Berliner Künstlerin, Karen Bartram, hat stimmungsvolle Illustrationen zu den einzelnen Kapiteln gemalt.

    Ein Kapitel, Von runden Sachen: Harun, Karl und Abu-l-Abbas, beschäftigt sich mit der Gesandschaft Harun al-Raschids an Karl den Großen und vor allem mit dem mitgeführten Elefanten. Der gezeichnete rundliche Kalif hat durchaus Ähnlichkeiten mit unserem Mosaik-Harun. Auch die Kaiserpfalz Karls sieht man ähnlich im Mosaik. Die auf einer Karte abgebildete Reiseroute führt zwar nicht über Konstantinopel, dafür aber über Tunesien und Genua. Harun schreibt auch einen lustigen Brief an Karl. Ich habe mich gefragt, ob dieses Buch und die Ausstellung die Inspiration für die Orient-Okzident-Serie des Mosaik gewesen sein könnte. Statt Samarra spielt zwar zu von Anfang in Bagdad, aber auch weitere Kapitel im Buch lassen evtl. Bezüge zur Mosaikhandlung erkennen: ein byzantinischer Gesandter spricht beim Kalifen vor; ein mythischer Vogel, Simurgh, wird vorgestellt (ähnlich zum Vogel Roch), es geht um Karawanenreisen; das Teppichknüpfen wird vorgestellt.

    Kennt ihr das Buch? Was haltet ihr von der Provenienzvermutung?

    Na, jetzt holst du aber die große Keule raus. Dass die Wissenschaft, vor allem im Bereich der Heilkunde, im Arabischen Raum im Mittelalter bzw. kurz danach führend war, ist doch ein alter Hut und auch bekannt. Auch in Deutschland.

    Hallo Chouette,

    das war nicht als Unterstellung ggü. gbg gemeint, mein Eindruck ist generell, dass wissenschaftliche Leistungen aus der Region NACH dem sogenannten Goldenen Zeitalter (bis ca. 1100) in unseren Breiten nicht sehr bekannt sind, außer man hat ein Spezialinteresse dafür. Zur Zeit davor gibt es einiges, stimmt (arabische Mathematiker, Avicennas Qanun, Optik Ibn al-Haythams). Aber für die Zeit danach habe ich wenig Populärwissenschaftliches gelesen. Die alte Erzählung, dass der Islam ab 1200 Philosophie, Technik und Wissenschaft ade gesagt hat, lese ich aber immer noch hier und da. Wenn ich damit bei dir Eulen nach Athen trage, umso besser, dann täuscht mein Eindruck.

    Ehrlich Tycho Brahe und Keppler sagen mir was, den Wiki-hervorgezauberten Taqi ad-Din ibn Maruf bis heute nicht. Ich denke, das wird der Mehrheit auch so gehen? Um das Jahr 1600 kann ich mich auch an keine Belagerung Prags erinnern, also geschichtlich gesehen?

    Mir ging es darum, dass die Präsenz der algerischen Gesandschaft kein Zugeständnis an die PC oder dem Zeitgeist geschuldet ist, sondern in der Zeit historische Bezüge hat. Und dass einem immer wieder Neues begegnet, was wir noch nicht wussten, ist doch toll, oder? Dass Taqi ad-Din wirklich auftritt, glaube ich auch nicht, aber ein Bezug auf Astronomie im islamischen Kulturraum in der Zeit ist nicht zu weit hergeholt. Intellektuelle Leistungen von Arabern und Persern aus der Zeit sind in Deutschland einfach nicht sehr bekannt, das passt nicht ins Bild des Orients als rückständig und von einem rigiden Islamverständnis bestimmt. Ich werde auch immer wieder überrascht, was ich noch nicht kenne.

    In Deutschland hat übrigens Fuat Sezgin die Wissenschaftskultur im islamischen Kulturraum erforscht und dazu einiges publiziert.

    Die "Sarazenen", um den alten Begriff hier zu verwenden, spielten eine große Rolle in der Zeit. Die Osmanen standen zweimal vor den Toren Wiens, im benachbarten Ungarn gab es mehrere Kriege. Die Barbareskenstaaten (Dey von Algier) in Nordafrika waren mal mehr mal weniger enge Vasallen der osmanischen Sultane, setzten dem Schiffsverkehr im westlichen Mittelmeer sehr zu und überfielen die angrenzenden Küstengebiete. Neben dem Sklavenhandel war die Geiselnahme und die Auslösung von reichen Geiseln eine wichtige Einkommensquelle. Ich würde mich nicht wundern, wenn die algerische Gesandschaft angereist ist, um über den Auslösepreis eines Gefangenen zu verhandeln. Wissenschaft und Kunst kamen nicht mehr aus dem Maghreb, aber zumindest der osmanische Hof zeigte Interesse am Austausch und an Wissenschaft. Europäische Künstler und Architekten waren durchaus gefragt.
    Ich zitiere mal aus der Wikipedia:

    Zitat

    "Taqi ad-Din ibn Maruf (1526–1585), ein bedeutender Astronom am osmanischen Hof um 1570, nutzte seine neue „Beobachtungsuhr“, um einen Zij (genannt „Kulmination of Thoughts in the Kingdom of Rotary Spheres“) zu erstellen, der genauer war als die seiner Vorgänger Tycho Brahe und Nikolaus Kopernikus. Taqi ad-Din war auch der erste Astronom, der in seinen Beobachtungen die Dezimaldarstellung anstelle der von seinen Zeitgenossen und Vorgängern verwendeten Sexagesimalzahlen einführte. Er nutzte außerdem Al-Birunis Methode der „Drei-Punkte-Beobachtung“. In „Der Höhepunkt der Gedanken im Reich der rotierenden Sphären“ beschrieb Taqi ad-Din die drei Punkte als „zwei davon in Opposition auf der Ekliptik und der dritte an einer beliebigen Stelle auf der Ekliptik“. Er benutzte diese Methode, um die Exzentrizität der Sonnenbahn und die jährliche Bewegung des Apogäums zu berechnen, ebenso wie Tycho Brahe und Kopernikus kurz darauf, obwohl Taqi ad-Dins Werte aufgrund seiner Beobachtungsuhr und anderer genauerer Instrumente genauer waren." https://en.wikipedia.org/wiki/Constanti…_of_Taqi_ad-Din

    Auch der ein Jahrhundert ältere Ali Qushji sollte hier erwähnt werden.

    Vielleicht will der Don dem Kaiser Rudolf ja Geld für eine neuerliche Expedition nach Eldorado oder zur Suche nach einem weiteren Inkaschatz abschwatzen. Mit ein bisschen Astrologiegeschwätz rennt er bei ihm sicher offene Türen ein. Oder er wandelt sich ob des Einflusses der Juden zu einem Vorreiter der Inquisition am Kaiserhof.