Erlangen 2026 Rückblick

  • Ich eröffne mal einen Thread zu den Erlangen-Erfahrungen und hoffe auf rege Teilnahme. Was war gut, was war nicht so gut, welche Vergleiche zieht Ihr mit der Vergangenheit?

    Anfangen möchte ich mit einem Zitat aus dem Thread von 2024:

    Mal sehen was 2026 zu bieten hat.

    Das konnte zwergi leider nicht mehr sehen, und das finde ich immer noch unbegreiflich. :heul:

    Wegen diverser anderer Aufgaben konnte ich mir nur den Samstag freischaufeln. Nachdem ich das Vortragsprogramm studiert hatte, fand ich das gar nicht so schlimm. Meine Salon-Erlebnisse 2026:

    Samstag, 6.6.26, 12:30 h – Ankunft

    An den Kassen ist keine Schlange, ich kaufe meine Karte und starte in Zelt A. Durch die Gänge zu schlendern ist leider nicht möglich; es ist ziemlich voll, vor den meisten Ständen steht schon eine dichte Kette von Leserinnen und Lesern; in zweiter Reihe stehen zu blieben, würde alle anderen blockieren. Ich breche daher ab und gehe aus nostalgischen Gründen in den Redoutensaal, wo 1984 alles anfing. Ich erinnere mich noch, wo im Saal Hansrudi Wäscher meinem 14jährigen Ich ein Gespenster-Geschichten-Heft signiert hat und wo ich völlig verschüchtert Norbert Hethke angesprochen hatte, ohne dann zu wissen, was ich eigentlich mit ihm reden sollte. In der Gegenwart bietet der Redoutensaal für mich leider wenig: hier gibt es viele Zeichnungen, einigen Krimskrams, aber kaum etwas, was mich wirklich interessiert. Aber ich treffe ein paar Forenmitglieder: Foxy-Lady, Kollege Blech, Peter L. Opmann. Hat sich der Redoutensaal also doch gelohnt; schön, mal ein paar Sätze mit Euch geplaudert zu haben. :wink:

    13:30 h - José Muñoz in der Orangerie

    Vom Redoutensaal eile ich zur Orangerie, wo ein Gespräch mit José Muñoz angekündigt ist. Das Duo Sampayo/Muñoz mit den düsteren, in schwarz-weiß gehaltenen Geschichten habe ich schon vor Jahrzehnten wahrgenommen, ich habe aber kein Buch von ihnen im Regal stehen. Egal: hier sitzt eine Comic-Legende, schon 83 Jahre alt, aber noch sehr vital. Erstaunlicherweise gibt es im Saal noch viele freie Plätze, ich hatte mich schon auf einen Stehplatz eingerichtet, jetzt sitze ich komfortabel in der zweiten Reihe. Muñoz ist Argentinier und spricht Spanisch, das Gespräch mit Christian Gasser wird von Myriam Alfano übersetzt. Während Muñoz redet, ärgere ich mich wiederholt, dass ich nie Spanisch gelernt habe; einige im Saal lachen an manchen Stellen, ich fühle mich wie bei einer Fußball-Übertragung, wenn Radiohörer schon "Tor" schreien, während das Signal am TV 10 Sekunden zeitverzögert eintrifft. Spannend wie Fußball ist auch Muñoz‘ Leben. Er ist in Buenos Aires geboren, hat bei Pratt und Breccia studiert, war Assistent von Solano Lopez (an den letzten Seiten des Eternauta hat er nach eigener Aussage mitgearbeitet), kam dann Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre nach Europa, wo er viel arbeitete, aber auch 14 Jahre (bis zur Hochzeit mit seiner italienischen Frau) ohne Papiere lebte. Zunächst hat er für englische Agenturen gearbeitet, wo er im Stil von Solano Lopez zeichnen sollte; diese Sachen haben ihn nur aus finanziellen Gründen interessiert. Mit Carlos Sampayo entstand dann die große Serie der beiden: Alack Sinner.

    14:30 h, neuer Versuch in Zelt A. Überall Schlangen für Signaturen, immer noch sehr voll. Detlef Lorenz (oder ist es sein jüngerer Bruder?) signiert am Stand der Edition Alfons (offenbar gibt es sein Robinson-Buch noch), ebenso Christian Blees (Phantom, Der absolute Horror), bei Egmont zeichnet Ulrich Schröder, der genauso aussieht wie vor dreißig Jahren. Manche haben offenbar den Jungbrunnen tatsächlich entdeckt. Die Masse an feilgebotenen Comics überfordert mich etwas, ich blättere hier und lese da, nehme aber vor allem Informationen und keine Bücher mit (der Platz im Regal zu Hause ist endlich).

    15:30 h, rüber in Zelt B: Muñoz soll um 16 Uhr signieren, dann nehme ich doch noch einen Ziegelstein mit den Alack-Sinner-Geschichten mit. Dort angekommen, erfahre ich, dass die Signierstunde ausfällt; ok, kein neuer Ziegelstein für mein Regal, es wird es mir danken. Bei avant signiert zu dieser Zeit gerade Posy Simmonds, die Sonderpreisträgerin (für das Lebenswerk) des diesjährigen Max-und Moritz-Preises. Schlechtes Gewissen überkommt mich; ich hatte tatsächlich ihren Namen vor der Bekanntgabe des Preises noch nie gehört. Immerhin habe ich den Titel eines ihrer Werke (Tamara Drewe) schon irgendwann aufgeschnappt, aber die Autorin dahinter habe ich nie wahrgenommen. Spontane Entscheidung: ich will diese Bildungslücke schließen und mir Tamara Drewe von ihr signieren lassen. Die Schlange ist nicht sehr lange, aber Posy Simmonds nimmt sich für jede(n) sehr viel Zeit, plaudert mit den Leuten und fügt ihrer Signatur eine kleine Zeichnung hinzu. Dauert dann gut 10 Minuten pro Buch. Was mich ärgert: manche Leute lassen sich mehrere Bücher "signieren" und verbrauchen daher mehr als 15 Minuten Signierzeit. Finde ich unfair gegenüber den Leuten in der Schlange; wie wäre es mit: jeder nur ein Kreuz? Oder nach jedem Buch neu anstellen? Immerhin hegen alle in der Schlange denselben Ärger, und so kommt man ins Gespräch; mit einem Schlangennachbarn erinnere ich mich daran, wie wir dereinst erzürnt waren, als Comic-Alben von 3,80 DM auf 4 DM verteuert wurden, unvorstellbar angesichts der heutigen Preisgestaltung für Comic-Bücher. Na ja, eigentlich stehe ich ja zum Signieren an, und irgendwann komme ich doch noch dran; Ms Simmonds entschuldigt sich, dass sie aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur ein "einfacheres" Bild zeichnen kann, aber das macht mir überhaupt nichts aus, ich freue mich über alles, über ihre persönliche Widmung und darüber, dass ich ein paar Worte mit ihr wechseln kann. Von Werner Schmidbauer gibt es das schöne Lied "Momentensammler", und genau das bin ich auch: ich will in Erlangen Momente sammeln, die man nicht kaufen kann: Momente mit schönen Gesprächen, Zeichnern beim Zeichnen zusehen, Künstlergesprächen lauschen. Danke, Ms Simmonds, und nie wieder werde ich Ihren Namen vergessen.

    16:30 h: nochmal in das Hauptzelt A. An manchen Ständen ist etwas mehr Platz, ich kann ein paar Worte mit den neuen Sprechblase-Machern wechseln (die ich hoffentlich nicht zuviel gelobt habe) und noch ein paar Sätze mit Eckart Sackmann (wo ich mir das zweite und letzte Buch des Tages kaufe, nämlich den 2026-Band der Deutschen Comicforschung, wieder einmal sehr informativ und gründlich recherchiert, sehr schön bebildert, sehr meinungsstark im Vorwort :zwinker:).

    17:00 h: Rüber ins Kunstmuseum zur Ausstellung von Christoph Niemann. Absolut großartig! Keine Comics, aber tolle Grafiken. Niemann ist z.B. ein Meister darin, fotografierte Alltagsgegenstände mit ein paar Pinselstrichen völlig zu verfremden; aus einer Avocado-Hälfte mit Kern wird dann z.B. ein Baseball-Handschuh, mit dem eine dynamisch gezeichnete Figur gerade den Ball fängt. Zu sehen sind auch viele Cover, die Niemann für den New Yorker gezeichnet hat. Manche Leute können einfach was!

    17:45 h: Schnell zurück in die Orangerie zum Künstlergespräch mit Posy Simmonds. Jetzt habe ich schon ein signiertes Buch, jetzt will ich auch mehr über sie erfahren. Auch sie ist schon 80, wirkt aber ebenfalls sehr vital im Gespräch (wieder eine tolle Gesprächsführung von Christian Gasser). Nach einem Graphik-Design-Studium fing sie mit Illustrationen für englische Zeitschriften an. Es folgten mehrere Comic-Strips, ehe sie sich überwiegend Kinderbüchern widmete. Dann kam eine Anfrage des Guardian für einen Fortsetzungs-Zeitungscomic, daraus wurde "Gemma Bovery", später dann ebenfalls für den Guardian "Tamara Drewe" (beides erschien später als Graphic Novel, und beides wurde verfilmt). Ms Simmonds' erster Comic-Strip hieß übrigens "Bear" und erschien in Rupert Murdoch's "The Sun", was mich zur Frage inspirierte, ob sie wegen des alten englischen Comic Strips "Rupert the Bear" dazu kam, für Rupert Murdochs Zeitung einen "Bear"-Charakter zu erschaffen. Sie war ob dieser Frage ziemlich verdutzt, meinte, über diesen Zusammenhang hätte sie ja noch nie nachgedacht, aber mit Rupert Murdoch wolle sie sich eigentlich nicht weiter beschäftigen. (Sicher denkt sie jetzt: diese Deutschen stellen aber seltsame Fragen. :kratz:)

    19:00 h: Schluss, ich würde jetzt noch mit jemandem ein Bier trinken und sogar eine Runde ausgeben, aber ich sehe gerade niemanden, den ich kenne; alle eilen in Grüppchen in unterschiedliche Richtungen davon. Also allein zum Bahnhof und zurück nach Hause. (Wer in zwei Jahren von mir ein Bier spendiert bekommen möchte, muss sich nur rechtzeitig melden.) Meine Eindrücke muss ich dann eben ins Forum schreiben, um sie loszuwerden. Hiermit erledigt!

    War ein schöner Nachmittag, das Salon-Gefühl aus der Vergangenheit kam nicht auf, dazu ist der Salon mittlerweile zu groß geworden, es sind auch zu viele Themen, die mich nicht mehr interessieren (Vorträge über postkoloniale Tendenzen in europäischen Comics oder über häusliche Gewalt im Comic addressieren mich, der ich in den siebziger Jahren mit Comics sozialisiert wurde, ja vermutlich auch gar nicht). Vermisst habe ich im Programm mehr Beiträge zur Comicgeschichte, aber das ist vielleicht für das Mainstream-Publikum zu uninteressant. Macht nichts, ich hatte nur einen Nachmittag Zeit, dafür hat das Programm gereicht. Dann bis München 2027.

  • Laut dem Thema für die Comic-Börse muss es super gelohnt haben die Börse von Sonntag wieder auf Samstag zurück zu verlegen. Leider konnte ich dieses Jahr überhaupt nicht vor Ort sein.

  • Phantom Sehr schöner Bericht. Meiner wird nicht so lang. :D

    Nachdem die letzten beiden mal das Wetter einen guten Vorwand für Nichtbesuch bot, gab es diesen Samstag keine Ausrede. Also auf‘s Rad und los. Da die Schlange an Pavillion B bis kurz vor 10.00 Uhr recht überschaubar war, dort als erstes rein.

    Da es meine erste Messe war, ist die Masse an Ständen schon beeindruckend. Manche Verlage sagten mir natürlich was, bei anderen war zumindest der Name ein Begriff. Aber es gab trotzdem noch totales Neuland. Das „hintere Drittel“ war dann aber nicht mehr so meins.

    War beeindruckend, die einzelnen Verlagspaletten so nebeneinander zu sehen. Manche luden zum Blättern ein, bei anderen war auf den ersten Blick klar, daß mich das nicht ansprach. Ich bin kein Jäger von Signierungen oder Sketchen und stöbere am liebsten ungestört in den Auslagen. Darum auch nur mal ein kurzes Gespräch am ICOM-Stand über das dort ausliegende Hegen-Tribut-Buch.

    Als nächstes dann in Saal C aber da war ich dann ganz rasch wieder draußen und dann, da schon mit Bändchen ohne Anstehen, auf in den Kampf in Pavillion A. Hier drängten sich die Massen. Manchmal mußte man schon genauer Hinschauen, ob das nun nur „normales“ Gucken oder Anstehen an irgendeinem Signierstand war. Manchmal waren die Grenzen auch fließend.

    Nach einer Stunde auch hier wieder raus. Ausstellungen oder Vorträge hatte ich von vornherein nicht eingeplant. Also weiter zur Börse. Hier dann auch einiges Geld losgeworden und dann gemütlich wieder nach Hause.

    Fazit: Muß man mal gesehen haben. Aber ob ich beim nächsten mal wieder hinfahre oder nur die Börse besuche, dürfte wieder eine eher spontane Entscheidung werden.

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • Dann will ich auch mal, in aller Kürze.

    Es war mein erster Besuch auf dem Comicsalon und es hat mir ausnehmend gut gefallen. Das lief alles total entspannt ab, war nicht zu voll und man konnte sich für alles Zeit nehmen. Ich hatte natürlich auch mehr als einen Tag Zeit, das hilft natürlich. Aber verglichen mit manch anderen Messen, auf denen ich sonst so unterwegs bin, war Erlangen eine richtige Wohlfühloase.
    Das meiste, was mich interessiert hat, gab es in Zelt/Halle A zu finden, aber auch in den anderen Hallen gab es reichlich schönes zu sehen. Und dann natürlich noch die Ausstellungen, die in der Stadt verteilt waren, ganz vorne mit dabei: Die Walter-Moers-Ausstellung im Stadtmuseum. :top:
    Aber auch die Simpsons-Ausstellung und die Ausstellung von Florian Satzinger (Enten, die sich in Raketen retten) waren echt Klasse. Von Satzinger würde ich gern den ein oder anderen Druck erwerben, die Bilder haben mir richtig gut gefallen.
    Erworben habe ich dann aber vor allem Comics. Bei Egmont gab es einen Disney Band (Ente Dank!) in den ich mir einen Donald von Cynthia P. Pineda habe zeichnen lassen und spontan, weil's gerade so gut passte, noch den neuen Lucky Luke von Flix & Kleist, in den beide zusammen noch eine Zeichnung erstellt haben. Und wo ich dann schon dabei war, bin ich noch schnell zu Carlsen, den neuen Blake & Mortimer holen, ebenfalls mit Zeichnung von Peter Van Dongen.
    Bei der D.O.N.A.L.D. habe ich auch vorbeigeschaut, waren ja einige bekannte Gesichter dort. Kurzentschlossen einen Mitgliedsantrag ausgefüllt, schadet ja nichts. :zwinker: Paco Rodriguez, der am Samstag & Sonntag dort am Stand war, hat mich dann auch noch erkannt und nach kurzem Gespräch habe ich von ihm noch die letzte Zeichnung des Tages bekommen. Zu guter letzt bin ich noch Sarah Burrini über den Weg gelaufen, was mich besonders gefreut hat, denn wir "kennen" uns schon seit 2012 und sie hat mir damals meinen ersten Coverdesigner empfohlen. Außerdem habe ich schon mal einen Cameo in einem ihrer Comics absolviert, aber persönlich haben wir uns vorher noch nie getroffen.

  • Hier der letzte Pressetext von Erlangen. (Er kam nicht über fb und wurde von mir ent*gendet)

  • 35 000? Respekt, das sind ja fast halb so viele wie beim gleichzeitig stattgefundenen Rock im Park. Da muß ich ja Samstag vormittag noch regelrecht Glück gehabt haben, denn wenn sich da jeden Tag ca 9000 Besucher durch die Pavillons gequetscht haben...

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • Doch, das ist schon eine respektable Steigerung. Soweit ich das mitbekommen habe, drängelten sich da sonst so 20.000 bis 25.000 Leute, und das wurde als guter Zuspruch gewertet.

  • Du wolltest sicher schreiben "nicht entgendert", weil du etliche sternchen übersehen hast.

    Da hat mir die Software einen Streich gespielt. Nachdem ich alles komplett entgendert hatte und den Text ins Zitat setzen wollte, hat sich einfach der Original*innen-Text wieder eingemogelt. :aergern4:

    Gut, dass es dir aufgefallen ist! :tatschel:

    Die Technikwelt ist schlecht geworden.
    Man kann niemandem mehr trauen! Auch nicht (mehr) der eigenen Tastatur. :bier:

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