Franko-belgische Comics (allgemein, verlagsübergreifend)

  • Versteh‘ ich das richtig, dass es bei der Diskussion heute ursprünglich um die Genre-Bezeichnung ging und dann eskalierte das irgendwie? :kratz:

    Schade!

    Ich hatte „Semi-Funnies“ jetzt nicht so direkt auf dem Schirm wie „Funnies“ und war erfreut, dass ich bei bedetheque da eine fundierte Lösung gefunden habe. Das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und man kann über alles diskutieren. Ob und wann bedetheque ein neueres, älteres, besseres oder schlechteres Rad erfunden hat, möchte ich mir nicht anmaßen zu bewerten.

    Nochmals: Schade! :nonono:

  • Bei den Comics hat es quer über den Erdball schon die wildesten Konstellationen gegeben, Harvey Specter . Gut, Cosey, Derib und Zep stammen aus der Suisse Romande, weshalb sie mir keine Kopfschmerzen bereiten und ich sie eindeutig dem frankobelgischen Comic zurechne.
    Komplizierter wird das zum Beispiel bei Hugo Pratts Klassiker Corto Maltese. Der lief jahrelang in der Zeitschrift Pif Gadget und der Zeitung France-Soir, hat also recht auffällige Bezüge zur frankobelgischen Comictradition. Hätte die Serie hier einen Platz? Oder siehst du sie eher international oder bei den Italienern?

  • Servalan Oh! Du stellst Fragen??? :zwinker:

    Auch wenn das nicht höflich ist, möchte ich dies nicht beantworten, weil
    a) ich kein Mod bin
    b) mir teilweise tiefer Kenntnisse fehlen
    c) ich sehr selten Sekundärliteratur lese
    d) ja, und jetzt schäme ich mich womöglich und suche selbstbestimmt die schönste Ecke aus - ich nicht wirklich ein Fan von Hugo Pratt/Corto Maltese bin (es gibt größere Drucke, die ich ganz gut finde)

    Aber meine unbedeutende Meinung wäre, dass das völlig in Ordnung ist, wenn er in dem Bereich auftauchen würde. :top:

    Ähnlicher Fall: "Enrico Marini"
    1) Der hat "Batman" gezeichnet - Nie!
    2) Der hat bei "Tatjana K." coloriert - Klar! (ich liebe Comics von Felix Meynet)
    3) "Skorpion" war toll, aber ist das nicht italienisch?
    4) Hat der nicht "Die Adler Roms" gemacht und gilt das nicht als (typisch) franko-belgisch?
    etc. pp.

    Wer will so etwas entscheiden? :weissnix:

    Ganz trivial und abstrakt: Weil er mir gefällt, weil er in bedetheque.fr aufgelistet ist und damit nachweislich auch im französisch sprachigen Raum veröffentlich, gelesen und damit auch gemocht wird, würde ich ihn nicht ausschließen wollen. Dabei würde ich meine Meinung nie gegen Fachleute oder eine tobende Horde vermeintlicher Comicpuristen vertreten wollen. :floet:

    Edith:
    Servalan So wie es aussieht, magst Du leider keine Konversationen. :rolleye: Daher kurz hier: Wenn Du Belgier und Niederländer direkt neben Dir hast, kann das auch schon ein Hemmnis für die Sprache sein, weil man die als Jugendlicher da nebenan (unbegründet und unverständlicherweise) irgendwie blöd findet.
    Ja, ich war öfter schon in Brüssel, weil das so 1,5 Stunden plus sind. Für mich war das aber immer eine Suche nach „serigraphie“ (den Begriff habe ich mir mal von einer freundlichen Bedienung beim Frühstück im Hotel in Paris erklären lassen), weil es tolle und große Drucke gab. Leider sind viele kleine Galerien in Brüssel verschwunden, die Drucke weniger geworden (und hier spreche ich nicht von kleinen Exlibris!) und ich nicht nach Sekundärliteratur gesucht habe, so dass das Interesse weniger geworden ist. Zudem ist mein Brüssel-Copilot beruflich auch sehr eingespannt, von Köln nach Frankfurt gezogen und hat eine Familie gegründet.
    Aber die Drucke sind schon toll! Im Wohnzimmer schaue ich gerade auf „A La Coupole“ von Ted Benoît. Leider nur ein Offset-Druck und nicht limitiert, aber signiert und der einzige Druck, den meine Frau selbst gekauft hat. Im Flur hängen dafür von mir die vier Jahreszeiten von Floc‘h.

  • In den 70ern hatte ich ein MM Abo und kaufte mir auch noch die übrigen TB und Sonderhefte.

    Nebenbei besorgte ich mir auch die FF Taschenbücher und kam so mit den Frankobelgiern in Kontakt.
    Besonders die Harry und Platte (Tif ét Tondou) Geschichten fand ich immer spannend.
    Da kam mir die neue GA von Salleck gerade recht.
    Leider tut sich da seit Band 6 vor ca. 2 Jahren nichts mehr.

    Auch bei Dupuis gibt es derzeit noch keinen Band 7.

    Habt ihr da mehr Infos dazu?

  • Durch einen Tipp aus diesem Forum bin ich vor einer halben Ewigkeit über den youtube-Kanal des Musikers und Science Fiction-Autors Aleš Pickar gestolpert, der sich mittlerweile mehrfach umbenannt hat. Der Grund war natürlich Comics.

    Damals liefen die ersten Beiträge seiner Reihe Saprist! - Tintinologische Betrachtungen über Tintin | Tim und Struppi. Zwischen 2017 und 2022 entstanden insgesamt 26 Artikel sowie ein kurzer Prolog zur Einführung, die fundiertes Hintergrundwissen zu Hergé und seiner klassischen Comicserie liefern und von der Qualität her auf dem Niveau der besten Beiträge des Öffentlich-Rechtlichen sind.
    Leider hat es inzwischen einige Copyrightstrikes gegeben, sodass Pickar teilweise Zitate aus seinen Videos herauskürzen musste, was ich ärgerlich finde. Die plötzlichen Sprünge und Lücken sind diesem Umstand geschuldet.

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    Diesen Ansatz hat Pickar mit weiteren Comics fortgesetzt, soweit ich das mitbekommen habe, häufig aus dem frankobelgischen Bereich, aber nicht ausschließlich. Er ist zum Beispiel auch ein Fan der Serie Love & Rockets von Los Bros Hernandez aus den USA.
    Eine weitere Playlist mit ebenfalls 26 Beiträgen gibt es zu Hugo Pratts Corto Maltese, die zwischen 2023 und 2025 entstanden sind: Zu fremden Gestaden - Anemoia mit Corto Maltese.

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    Ein besonderer Leckerbissen dürfte die Auseinandersetzung mit Claude Auclairs postapokalyptischer Science Fiction-Serie Simon du Fleuve | Simon - Zeuge der Zukunft (Carlsen) bzw. Simon vom Fluss (Cross Cult) sein: Simon du Fleuve - Auf den Spuren des Endzeit-Wanderers.

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  • Harvey Specter Natürlich freue ich mich, wenn Sekundärliteratur auf deutsch erscheint, wie zum Beispiel das Blake und Mortimer Lexikon bei Carlsen. Vermutlich hat mich mein Studium in der Hinsicht verdorben, weil ich am liebsten zum Original greife. Wenn ich wie du so dicht an der Quelle wäre, läge meine Priorität bei der aktuell erhältlichen Sekundärliteratur, denn zum einen sehe ich da selbst online ein breiteres Angebot als hierzulande, und zum anderen sind da weniger Filter dazwischengeschaltet wie zum Beispiel die Übersetzer.
    Einmal bin ich in Brüssel gewesen, und dort habe ich mich bis Oberkante Unterlippe mit Sekundärbänden versorgt. Davon findet sich kaum etwas auf dem deutschen Markt. Wenn ich mir das leisten könnte, würde ich das jederzeit wiederholen. Denn dort finden die Debatten über Comics auf einem anderen Level statt als im deutschsprachigen Raum.

  • Ähnlich ist es mir ergangen wo ich vor 7 Jahren kurz vor Corona mal für 7 Tage in Wien gewesen bin. Dort habe ich gefühlt kiloweise seltene Piccolos bekommen die man hier in Deutschland nur sehr schwer oder überhaupt nicht bekommen hat.

  • Letztes Wochenende im Januar

    Mit Bastien Vivès habe ich persönlich so meine Schwierigkeiten, weshalb ich lange gezögert habe, mir etwas von ihm zuzulegen. Weil es in diesen Comics um Comics geht, habe ich ihm eine Chance gegeben.
    Schon als ich damals seine ersten Seiten aus Polina gesehen habe, war ich von seinen Qualitäten als Zeichner überzeugt. Auf dieser Ebene legt er mit diesem Album einen Nachweis vor, dass er grafisch allererste Sahne ist. Von der Anzahl der Panels hätte das wohl auch ein handelsübliches Album werden können, aber durch das kleine Format ähnelt der Band mehr einen Roman, und durch die wenigen Panels pro Seite entsteht eine kurzatmige, stressige Atmosphäre. Mit seinen stummen Seiten, die für mich das Highlight sind, nimmt das Tempo heraus und vertraut vollauf seiner Zeichenkunst. Durch das Schwarzweiß kommt das Grafische seiner Sicht auf den Comicsalon gut zur Geltung.
    Was mich 2023 zurückgeschreckt hat, war der Titel von Denis Choupins Comicserie: Operation Hitler. Denn Vivès habe ich als einen von sich überzeugten Mann wahrgenommen, der gern mit dem Feuer spielt und sich schon mal verbrannt hat. Doch als Szenarist hat er durchaus seine Stärken und kann sich auf die Schippe nehmen, wie der Dialog auf Seite 26 zeigt: "Kann ich ein Hitler-Bild haben?" - "Ja, aber ich zeichne ihn nur von hinten." - "Warum das denn? Ist es verboten, Hitler zu zeichnen?" - "Das nicht, aber je weniger ich den sehe, desto besser geht's mir." Die auf ihre Weise unnachahmlich französische Liebesgeschichte hat mir gefallen.
    Aber den Comicsalon von Angoulême stellt er für meine Begriffe zu provinziell und zu piefig dar, denn ich vermisse die internationale Atmosphäre. Wo die Kollegen aus Übersee mit ihren Disney-Figuren, ihren Superhelden, ihren Graphic Novels, ihren Mangas? Ich erkenne zwar den Bahnhof und das Vaisseau Moebius des CNBDI wieder, doch da fehlt das weltoffene Flair. Schon Moebius hat sowohl mit Stan Lee als auch mit Jirō Taniguchi zusammengearbeitet, von den Gringos Locos und Hergé ganz zu schweigen. Vivès schildert hier eine frankobelgische Szene, die im eigenen Saft schmort. Deshalb ich den Verweis auf Seite 33 auf die mehrtägigen, regionalen Festivals in Frankreich wie Saint-Malo und Blois für einen Insidergag halte. Dass Choupin eine App benutzt, hat mich irritiert, weil ich zunächst angenommen hatte, der Comic spiele in den 1990ern. Verglichen mit dem, was ich in den letzten Jahrzehnten vom Comicsalon in Angoulême mitbekommen, wirkt Vivès' Darstellung schräg und befremdlich.
    Ein guter Comic, wenn auch mit dicken Kratzern im Lack.

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