Opern und Klassik

  • Mit Opern habe ich gefremdelt, weil ich zum einen nicht verstanden habe, was da gesungen wurde, und andererseits fand ich das alles andere als schön. Klassische Musik habe ich hintenrum über die Filmmusik alter Schule kennengelernt. Allmählich habe ich mir da soviel Wissen angeeignet, dass mir klar war, wovon die Rede ist.
    Insofern habe ich mich bewußt auf einen Meilenstein des Operngenres eingelassen, als der über eine Kooperation mit den Festspielen in Bayreuth direkt im Kino übertragen wurde. Damit meine ich Richard Wagners monumentalen Zyklus Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Patrice Chéreau zum 100 Jahre Jubiläum der Festspiele 1976, der von Pierre Boulez dirigiert wurde und als Jahrhundertring bezeichnet wird. Meine Feuertaufe dauerte vier Tage, und für die Obertitel zum Mitlesen des Gesungenen war ich dankbar. Den Stoff fand ich faszinierend, aber mich irritierte das ständige Pathos, weshalb ich das Gefühl hatte, mich einem 1000-Seiten-Roman in Capslock und Fettdruck gegenüber zu befinden. Enttäuscht war ich nicht, doch den Bann für Opern konnte das Werk nicht brechen.
    Kurz danach habe ich mir im Kino noch Die Entführung aus dem Serail (1782) von Wolfgang Amadeus Mozart gegönnt, um der Oper eine zweite Chance zu geben. Damit kam ich noch weniger zurecht, und dieses Kapitel war für mich beendet.
    Unter den Filmkomponisten schätze ich Ennio Morricone besonders. Die Version seiner Musik für Sergio Leones Dollar-Trilogie durch das DNSO empfinde ich als Hochgenuß. Von daher kann ich die Leistungen von Sopranen wie Tuva Semmingsen ehrlich anerkennen, aber den richtigen Zugang zu Opern habe ich bis heute nicht gefunden.

  • Schade und ich dachte gerade, hier bekommst du jetzt den Türöffner.
    Klassische Musik ist in Teilen schon etwas für mich, für diese Art von Musik braucht man aber Zeit und Ruhe, auch innere, und die habe ich seltenst.
    Oper hingegen ist für mich nach wenigen Versuchsminuten schon wieder vorbei, des gleichen gilt für Operette und die meisten Musicals, wenn das Gesinge ansetzt wird es meist wenig erträglich für mich.
    Mit Wagner komme ich da interessanter Weise noch am weitesten.

  • Mit der Oper als Medium zum Geschichtenerzählen kann ich auch nicht viel anfangen. Da habe ich bisher die Zauberflöte, sowie vielleicht ein/zwei andere, die ich schon wieder vergessen habe, gesehen. Die Musik weiß aber vereinzelt zu gefallen.

    Klassische Musik (gerankt: Barock > Klassik > Romantik) hingegen finde ich meistens gut.

  • Nach der Schulzeit, wo ich der "Hochkultur ausgesetzt" war, war für mich auch erst mal fast 20 Jahre Schluss mit Oper. Zwischen dem Tod meiner beiden Eltern habe ich dann den Vater fast vier Jahre lang einmal monatlich zum "Anrecht" ins Landestheater begleitet. Neben Ballet und Theater gab es in der Zeit sicher auch 15-20 x Oper. Darunter auch einige, die ich noch aus Schulzeiten kannte. Da merkt man teilweise, was die Sänger aber auch das Orchester für Unterschiede machen. Einige Stücke natürlich "gehen immer" z.B. Die Zauberflöte oder Don Giovanni. Andere waren teilweise eine Qual. ("Tristan und Isolde" z.B.)

    Wenn das noch ein paar Jahre weiter gegangen wäre, hätte ich mich vielleicht damit auf Dauer angefreundet. Aber bist dahin hat der Funke nicht gezündet und es ist mir nie so wertvoll geworden, daß ich die (hier in Nbg nicht ganz unbeträchtlichen) Kartenpreise bezahlen würde.

    Aber bei allem, was mich der Klassik skeptisch gegenüber stehen läßt; - vor die Wahl zwischen ihr und der "neuen" Ernsten Musik (Extrembeispiel ist für mich immer Arnold Schönberg) gestellt, würde ich immer die erste bevorzugen. :D

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • Natürlich bin ich durch meine Lieblingscomics vorbelastet. Hergé hat Bianca Castafiore zunächst als Figur eingeführt, um sich über Edgar P. Jacobs lustig zu machen, aber spätestens mit Die Juwelen der Sängerin gewann die Operndiva bei mir Sympathien.
    Ennio Morricone hat 1958 an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teilgenommen, was ich als Hinweis verstehe, dass er als Komponist zeitgenössischer E-Musik anerkannt wurde. Das habe zu der Zeit aufgeschnappt, als ich regelmäßig den Deutschlandfunk gehört habe, der in der Nachtschiene tiefgründige Beiträge zur Musikgeschichte geliefert hat. Dadurch fühle ich mich in meiner Bewunderung bestätigt.
    Über den Film bin ich auf den Episodenfilm Aria (1987) gestoßen, bei dem ich mich für das Segment von Bruce Beresford über Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt (1920) begeistern konnte. Also ein dünner Faden verbindet mich noch mit der Oper.

    Bei der Klassik wird es etwas komplizierter. Zum einen bin ich sehr wählerisch, was mir gefällt und das in zweierlei Hinsicht. Klassik kann ich nicht nebenbei hören, ich muß mich darauf einlassen können. Deshalb ist es mir auch wichtig, wer welches Stück interpretiert. Für die Fassung von Dmitri Schostakowitschs "Walzer Nr. 2" aus Stanley Kubricks Eyes Wide Shut schwelge ich in den höchsten Tönen; wenn ich dasselbe Stück jedoch in einer weichgespülten Interpretation höre, werde ich vergrault.

  • Opern sind mein Ding nicht. Zu den wenigen Ausnahmen gehört tatsächlich Wagners "Ring des Nibelungen" sowie Zimmermanns "Soldaten", sonst schwelge ich lieber in klassicher Musik :zwinker:

    _______________________
    Grüße aus der Bibliothek

  • Als Comicfan stehen bei mir selbstverständlich die Comicadaptionen von P. Craig Russell, durch die ich mir einen groben Eindruck verschaffen konnte. Neben Wagners Der Ring des Nibelungen könnte mich heute noch Mozarts Zauberflöte locken. Doch anders als im Kino, wäre es für mich ausgeschlossen, mich blind in eine Opernaufführung zu setzen und mich überraschen zu lassen.

    Interessant finde ich, wie bestimmte Opern in Filmen eingesetzt werden. In einem James Bond-Film mit Daniel Craig wird auf Tosca angespielt; ebenso wie in einem anderen Film, an dessen Titel ich mich nicht mehr erinnere, der aber auf einer politischen Schiene lief.
    Fest eingeprägt hat sich mir Pietro Mascagnis Oper Cavalleria rusticana (1890), auf die Francis Ford Coppola in seiner Der Pate-Trilogie anspielt.

  • Als Student bin ich damals mit einer Freundin die größten Klassiker durchgegangen (7 Euro Tickets gab es da), es hat mir damals sehr gefallen, diese Bildungslücke zu schließen, aber heute habe ich keine Muße dafür und es wäre mir das Geld als Vollzahler auch nicht wert.

  • Früher waren wir sehr gerne in der Kölner Oper. Bis heute, liebe ich verschiedene Verdi Opern. Besonders angetan hat es mir die La Traviata. Wenn Violetta am Ende stirbt, muß ich jedes mal ein paar Tränen verdrücken. Das geht mir jedes mal unter die Haut.

  • Klassische Musik bevorzuge ich auch ohne Gesang. Gerade bei Opern und Operetten könnten die Hochdeutsch singen, aufgrund der Tonlage verstünde ich kein Wort. Was ging mir beim König der Löwen die Seherin damals auf den Zeiger. Da bluteten mir die Ohren.

  • Ohne Gesang gefällt mir Musik am besten, denn mit Musicals und Operetten kann ich ebensowenig anfangen wie mit Schlager. Mein Lieblingsstück in jungen Jahren war Jean-Michel Jarres Oxygène.
    Was mich abschreckt, ist der Gesang im Kanon, und gerade an dem hatte meine Lehrerin im Gymnasium einen Narren gefressen, weshalb sie die Klasse damit gequält hat. Musikunterricht hatte ich nur wenige Jahre, denn das wurde mitsamt dem Kunstuntericht nach einem oder zwei Jahren wegen finanzieller Kürzungen ersatzlos gestrichen.
    Ich bin erstaunt, wieviel bei mir trotz alledem hängengeblieben ist. Über die Schule habe ich bloß zwei Musikstücke kennengelernt: Wie ein Orchester funktioniert, haben wir durch Sergei Prokofjews Musikmärchen Peter und der Wolf gelernt. Aber so richtig gefunkt, hat es mir bei erst kurze Zeit später, als Peter Ustinov das Werk im Fernsehen vorgestellt hat. Der zweite Klassiker war Bedřich Smetanas sinfonische Dichtung Die Moldau.
    Als ich irgendwann Disneys Fantasia sichten durfte, war mein Favorit Igor Strawinskis Le Sacre du Printemps. Allerdings muß ich gestehen, dass ich mir nie ein Ballett antun würde.

    Mit meinen Schulkameraden aus der Oberstufe bin ich zweimal bei klassischen Konzerten gewesen.
    Das erste Mal in einem denkmalgeschützten Gebäude in Flensburg. Was dort gegeben wurde, weiß ich beim besten Willen nicht mehr, aber der Klang hat mir gefallen.
    Dagegen entpuppte sich das zweite Mal als Fiasko. Das Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals fand am späten Abend in einer Kirche statt, wogegen ich prinzipiell nichts einzuwenden habe. Aber mein Platz befand sich auf einer Empore, und ich starrte die ganze Zeit auf eine dämliche Säule. Ich spürte direkt, wie sich der Schall brach, um an meine Ohren zu gelangen. Je länger das Konzert dauerte, umso mehr malträtierte die miserable Akustik meine Trommelfelle. Durch die fürchterliche Klangqualität fühlte ich mich auf dem billigen Platz beleidigt, weil ich das Stück nicht genießen konnte. Irgendwann hat es mir gereicht, und ich habe mitten im Konzert die Kirche verlassen, weil ich die Geräusche der Natur als angenehmer empfand. Soweit ich das mitbekommen habe, hat Justus Frantz das SHMF gegründet, um klassische Musik populärer zu machen. Ehrlich gesagt, ich fühlte mich auf den Arm genommen. Dem SHMF schien die akustische Qualität schnurz zu sein, Hauptsache, es werden genug Karten verkauft. Meine Schulkameraden haben mir eine Szene gemacht und weigerten sich, mich zu verstehen.
    Vielleicht bin ich voreingenommen, aber Klassik wird teuer genug verkauft, insofern verlange ich, dass gewisse Ansprüche eingehalten werden. Falls nicht, ziehe ich die Konsequenzen.

  • Kanon, ja, der ist hassenswert.
    Und das wo ich so ein friedlebiger Mensch bin.

    Klassische Musik konsumiere ich nur daheim, auf dem Markt sind zuviel "Hobbymusiker" unterwegs.

  • Bei meiner Aufzählung gestern habe ich noch "Den Freischütz" vergessen. Speziell die Wolfsschluchtszene ist ganz großes Kino. ( Und Selbst LaLe würde den Text verstehen. :D)

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Manchmal habe ich Klassiker auch in ihrer Popversion kennengelernt. In Erinnerung geblieben sind mir zwei Stücke, erstens Sky mit ihrer Fassung von Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, die damit 1980 die Charts stürmten, sowie Wendy Carlos' Debütalbum Switched-On Bach, die 1968 Johann Sebastian Bach auf dem Moog-Synthesizer hoffähig machte.

    Das Danish National Symphony Orchestra ist ja kein Einzelfall, wenn es Filmmusik von Ennio Morricone oder Scores aus Games für ein großes Orchester arrangiert. Heute locken überall auf dem Globus Orchester ihr Publikum mit einem breiten Repertoire, das bis in die Gegenwart reicht und für so manche Überraschung gut ist. Denn Metal zum Beispiel kann auch komplexe Kompositionen aufweisen, die ab und zu auch unplugged von Orchestern zum besten gegeben werden.

  • Externer Inhalt www.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Maria Callas kannte ich dem Namen nach, aber die erste Operndiva, die bewußt gehört habe, war Montserrat Caballé bei ihrem gemeinsamen Auftritt mit Freddie Mercury, die 1992 zu den Olympischen Spielen die Stadt Barcelona besungen haben.

    Mit meiner Kindheit verbinde ich noch ein weiteres klassisches Stück, Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns. Allerdings weiß ich heute nicht mehr, wo und bei welcher Gelegenheit ich die zoologische Fantasie gehört habe. Das kann schon im Kindergarten oder in der Grundschule gewesen sein, jedenfalls ziemlich früh.

  • Barcelona war G R A U E N H A F T !
    Sorry, nur meine Meinung.

    Ach ja, und was Sky da mit dem Bach macht ist bestenfals interessant aber dem grandiosem Orgelwerk unwürdig.

  • Mein Verständnis ( und wohl auch das Gehör) waren und sind bei mir vielleicht noch gut genug um eine gute von einer schlechten Darbietung (egal ob Gesang oder konzertant) zu unterscheiden; - aber nicht einmal annähernd ausreichend, um eine gute von einer Weltklasse-Darbietung zu unterscheiden.

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • :D Ich glaube ich sollte meinen Holzhammerkommentar nochmal erklären.

    Montserrat Caballé so wie auch Freddie Mercury sind Könner ihrer Fächer, nur Oper geht halt bei mir nicht und die Vermischung beider Musikwelten quält mich. Mercury selber schätze ich sehr für sein Schaffen.

    Die Sache mit Bach, was Sky da bietet ist durchaus virtuos und die Band zählt nun wirklich nicht zu den schlechten, aber, was Bach da geschrieben hat ist eines der Orgelwerke schlechthin und wenn das von einem Organisten gespielt wird der sein Handwerk beherrst, was nicht selbstverständlich bei diesem Wahnsinnsinstrument ist, dann ist das unbeschreiblich.

    Aber ich habe kein Problem damit wenn andere die beiden Stücke abfeiern.

  • Wie gesagt, das waren meine ersten Begegnungen, an die ich mich erinnere; aber ich feiere die beiden Stücke nicht ab. Johann Sebastian Bach war ja Thomaskantor, doch ich kann mit Kirchenmusik persönlich nichts anfangen. Die Versionen von Sky und Wendy Carlos haben mir auf ihre eigene Weise klargemacht, dass der Komponist jenseits seiner religiösen Vorstellungen musikalische Qualitäten hat, die auch mir einen Genuß bieten können.
    Sagt euch Douglas R. Hofstadters Buch Gödel Escher Bach – ein Endloses Geflochtenes Band etwas? Auf einer abstrakten Ebene weiß ich Bach wegen seiner Ästhetik zu schätzen, zumal er mit mathematischer Präzision vorgeht, sodass ich nachvollziehen kann, warum mich seine Musik fasziniert. Allerdings kenne ich mich in der Musikwelt kaum aus, weshalb ich nicht weiß, wo ich eine gute Aufnahme finden könnte.

    Barcelona verbuche ich unter Eventmusik, die ich zur Kenntnis genommen habe.

  • Das Buch kenne ich nicht, vermute aber es geht um die Mathematik hinter dem Schaffen.

    Der größte Feind der "Kirchenmusik" ist der Musiker der im Gottesdienst die Orgel malträtiert. Es gibt da durchaus ausnahmen von Menschen die das können, aber die meisten beherrschen nur grundsätzliches, was für Standardgottesdienste völlig ausreicht. Ich gebe aber zu es ist etwas länger her das ich einen landeskirchlichen Gottesdienst besucht habe.

  • Mein Zugang zur klassischen Musik und Opern war der Film. In einigen Fällen fiel beides ineinander, und aus dieser Perspektive eröffnet sich mir eine historische Dimension.

    • Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn (Großbritannien 1970), Regie: Ken Russell
      Den Film habe ich während meines Studiums gesehen, als ich mich mit Ken Russell beschäftigt habe. Dass darin Peter Tschaikowskys Homosexualität thematisiert wurde, kam bei der damaligen Kritik nicht gut an.
    • Amadeus (USA 1984), Regie: Miloš Forman
      Das war jenseits der Sonntagskonzerte meine erste Begegnung mit der höfischen Musik des 18. Jahrhunderts. Wolfgang Amadeus Mozart habe ich durch Tom Hulces Spiel weniger als Genie wahrgenommen, sondern als jemanden, der gerne derbe Sprüche klopft und Obszönitäten von sich gibt. F. Murray Abraham gibt hier als Antonio Salieri den schillernden Bösewicht, was meines Wissens nicht (mehr) historisch korrekt ist.
    • Kinski Paganini (Italien / Frankreich 1989), Drehbuch und Regie: Klaus Kinski
      Eine ziemlich eigenwillige Sicht auf den Teufelsgeiger und Komponisten Niccolò Paganini, finde ich, weil Kinski sich selbst inszeniert und zelebriert, wodurch er zu seinem Klischee wird.
    • Farinelli (Italien / Frankreich / Belgien 1994), Regie: Gérard Corbiau
      Historischer Spielfilm über den Sänger Carlo Broschi, der als Farnelli, der Kastrat, berühmt war.
  • Farinelli war damals glaube ich, das erste mal, daß man sich mit der Bedeutung und dem (traurigen) Schicksal der Kastraten-Tenore beschäftigt hat. Wenn ich mich recht erinnere, hat man ja bei den Gesangsaufnahmen eine Sopranstimme und einen Countertenor gemixt, um möglichst nahe an die realen Stimmern heran zu kommen.

    Ja, Amadeus war schon ein Kracher. Bis heute prägend geblieben ist er mir durch die für mich damals noch ungewohnte Aussage, daß ein Genie nicht zwangsläufig in allen Bereichen perfekt sein muß. Das mit dem Vergiften war eigentlich damals schon als falsch bekannt, aber es war ja keine Doku.

    Die anderen beiden habe ich nicht gesehen aber über Paganini gab es in den 80ern mal eine vierteilige (italienische?) Fernsehserie. (Den Begriff Biopic gab es damals noch nicht. :D) Wahrscheinlich nicht so dämonisch wie Kinski aber daß er kein 08/15-Stehgeiger war, kam auch gut rüber.

    Jeder Idiot kann eine Krise meistern. Es ist der Alltag, der uns fertig macht.

  • Mit der klassischen Musik habe ich mich erst im Laufe meines Studiums eingehender beschäftigt. Nachdem ich ausgezogen bin, habe ich komplett auf einen Fernseher verzichtet und bin stattdessen regelmäßig ins Kino gegangen; informiert habe ich über Deutschlandfunk und Deutschlandradio, vor allem über die Nachtschiene. Dann war es still und mein Gehör war sehr empfindlich.
    Außerdem lief im Kino ein passendes Programm. Durch die Filme von Peter Greenaway ist mir da besonders Michael Nyman aufgefallen, der von der Minimal Music kommt, aber beispielsweise in Der Kontrakt des Zeichners ausgiebig die Barockmusik zitiert hat, also Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und andere. Kann sein, dass ich mich täusche, weil ich mich mit der Materie nicht auskenne: Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass die alte Musik in besonderer Blüte stand, denn zum einen gab es historisch rekonstruierte Konzerte mit alten Instrumenten wie Cembalo und Viola da Gamba, die schon deutlich anders klangen als heutige Orchestermusik. Und zum anderen wurde damals betont, dass sich allgemein das Tempo der Konzerte beschleunigt hatte, weil heute doppelt so schnell musiziert wird wie zur Zeit der Uraufführungen.
    In dem Zusammenhang habe ich auch zum ersten Mal von Countertenören gehört.

    • Johann Sebastian Bach (Deutsche Demokratische Republik / Ungarn 1985), Regie: Lothar Bellag
      Während meiner Schulzeit habe ich eine Miniserie über Bach im Fernsehen gesehen. Soweit ich das rekonstruieren kann, muss das dieses Biopic gewesen sein. Mir ist besonders in Erinnerung geblieben, wie der Thomaskantor seinen Namen zur Grundlage einer Komposition gemacht hat, also die Noten B-A-C-H. Hofstadter hat diese Anekdote in Gödel Escher Bach wieder aufgegriffen, was mich beeindruckt hat.
  • Für Opern muß man sich anfangs schon Zeit nehmen, später kann man die meisten Opern, Avantgarde mal ausgenommen, auch nebenbei laufen lassen.

    In meiner Sammlung habe ich praktisch alles von Wagner, gerade seine frühen Opern sind sehr eingängig, noch mehr der klassischen Romantik verhaftet.

    z.B. Die Feen oder Rienzi.

    Von den modernen Komponisten mag ich nur John Adams und Philipp Glass (minimal music), die noch sehr viele Melodien anbieten.

    Experimente sind zwar auch interessant, aber wer hört sich zur Unterhaltung gerne Stockhausen oder Zimmermann an ?

    Als Einstiegstip würde ich "Die Feen" von Wagner empfehlen, für Wagner recht kurz, viele eingängige Melodien, noch keine Klangteppiche wie in seinen späteren Werken.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!