Nope...da hat der Manu alles richtig gemacht. ![]()
![]()
Nope...da hat der Manu alles richtig gemacht. ![]()
![]()
Noch ein Kaufvideo: „I Robot“ (2004) von Alex Proyas (ich weiß, erst 22 Jahre alt). Das war eher ein günstiger Flohmarktkauf; jemand hat wohl von Video auf DVD umgestellt. Ich hatte nur noch in Erinnerung, daß mich der Film ziemlich an „Blade Runner“ erinnert hat. In mancher Hinsicht war das jedoch im Vergleich zu 1982 ein Rückschritt. Die Buchvorlage von „Blade Runner“ war von 1968, die von „I Robot“ (das berühmte Buch von Isaac Asimov) von 1950. Wiederum entwickeln künstliche Wesen menschliche Gefühle und greifen nach der Weltherrschaft, aber hier sind es schnöde Roboter, die inzwischen niemanden mehr aufregen. Will Smith spielt eine ähnliche Rolle wie in „Men in Black“. Der Film ist trotzdem ganz passabel – ich habe mich ganz gut unterhalten.
Von Asimov wird nur die Grundannahme seines Werks übernommen, die legendären drei Robotergesetze:
Dem reichsten Mann der Welt gehört eine Roboterfabrik, „US Robotics“, denn im Jahr 2035 sind Roboter als Helfer im Alltag unverzichtbar geworden. Der leitende Roboterentwickler stirbt mysteriöserweise durch einen tiefen Sturz, offensichtlich ein Selbstmord. Kriminalermittler Will Smith nimmt sich dennoch des Falls an. Wir erfahren später, daß der Wissenschaftler ihm nach einem schweren Unfall einen Roboterarm und ein paar künstliche Organe appliziert hatte – Smith verdankt ihm sozusagen sein Leben. Er hat schwere Vorbehalte gegen Roboter, weil er bei seinem Unfall durch Triage von einem gerettet wurde, ein junges Mädchen dagegen sterben mußte. Wegen seinem Roboter-Haß findet er bei USR tatsächlich einen („Sonny“), der sich nicht strikt an die Robotergesetze hält, sondern einen eigenen Willen zu haben scheint. Er entwischt ihm jedoch. Smith bittet eine Mitarbeiterin des toten Wissenschaftlers (Bridget Moynahan) um Hilfe, sie hält es freilich für ausgeschlossen, daß ein Roboter hinter dem Todesfall stecken könnte.
Allmählich kommt Smith darauf, daß sein toter Freund ihm eine Reihe von versteckten Hinweisen hinterlassen hat, durch die er den Fall aufklären kann. Zuerst denkt er, der USR-Unternehmer habe die neueste Robotergeneration aus Profitgründen so umprogrammiert, daß sie die Schutzregeln ausschalten kann, und dann einen Mitwisser beseitigt. Die Roboter beginnen jedenfalls, Mordanschläge auf ihn und Moynahan zu verüben, denen sie jedoch immer wieder mit Glück und Kampfkraft entgehen. Dann fällt der USR-Chef selbst einem Attentat zum Opfer – er scheidet also als der Schuldige aus. Vielmehr gerät der Zentralcomputer des Konzerns („Virtuelle interaktive kinetische Intelligenz“ oder VIKI) ins Blickfeld, und wirklich: Dieser Computer ist zu der Überzeugung gelangt, daß die Menschheit es nicht wert ist, geschützt zu werden. VIKI hat veranlaßt, daß den Robotern neben den Asimov-Gesetzen eine zweite Steuerung eingebaut wird, mit der sie die Gesetze bei Bedarf außer Kraft setzen können. Die Roboter werden ausgesandt, um die Vereinigten Staaten in eine Techno-Diktatur zu verwandeln – natürlich nur zum Besten der Menschen.
Smith und Moynahan dringen in USR ein, um VIKI den Stecker zu ziehen, und erhalten unerwartet Hilfe von Sonny, der sich als moralisches Wesen entpuppt. Es gibt eine Menge Action, die Amerikaner stellen sich mit Dreschflegeln und Mistgabeln den Robotern entgegen, und Smith kann VIKI letztlich deaktivieren (sowie Moynahan vor einem tiefen Sturz bewahren). Die Diktatur ist abgeblasen, die Roboter sind wieder ergebene Diener ihrer menschlichen Herren.
Ich habe nichts gegen den Film, auch wenn die Spezialeffekte, obwohl viel teurer, mich nicht so überzeugen wie in „Blade Runner“. Proyas, der vor allem für seinen Cyberpunk-Film „Dark City“ bekannt ist, hat bei weitem nicht so viele Ideen investiert wie Ridley Scott. Die ganze Roboter-Geschichte kommt mir eher angestaubt vor als Scotts Androiden- oder Replikanten-Fabel. Es war aber wohl unvermeidlich, auch mal Asimovs grundlegenden „I Robot“ auf die Leinwand zu bringen. Es handelt sich freilich um eine Sammlung von Kurzgeschichten und ist von daher eigentlich insgesamt unverfilmbar. Auf der Plus-Seite des Films würde ich vermerken, daß das Kriminalrätsel nicht ungeschickt aufgezogen ist, daß Will Smith immer noch einen originellen Cop abgibt und man tatsächlich ein wenig mit den Robotern, die auch Bewußtsein und Entscheidungsfreiheit haben wollen, mitfühlt. Trotz der hohen Produktionskosten (120 Millionen Dollar) spielte „I Robot“ mit Leichtigkeit das Dreifache ein (vermutlich sind das wieder nur die US-Einnahmen). Daß es sich doch nur um unbeschwerte Unterhaltung handelt, sieht man daran, daß es nur eine Oscar-Nominierung (beste visuelle Effekte) und eine für den Saturn-Award (bester Science Fiction-Film) gab.
Solider Film, gute Unterhaltung, klasse Optik, nur fehlt irgendwas um wirklich zum Klassiker zu werden.
Es gibt viele alte Filme die ich mal wieder schauen möchte, der hier gehört nicht dazu, obwohl er in meiner Sammlung steht. Wobei, alt ist der Film nach meiner Einordnung auch noch nicht, das macht wohl mein Alter.
Das beste am Film war für mich der Audi, wen wundert es bei mir, bin ich doch großer Autounion Fan.
Interessanter Weise bin ich aber insgesamt kein Fan von modernen Autos, was daran liegt das moderne Autos mir erzählen wollen wie ich fahren soll und das durch ständiges blinken und piepen kundtun.
Ja, den Audi mit den Kugeln statt Rädern habe ich vergessen zu erwähnen. Aber irgendwie ist das auch dreistes Product Placement. Um Will Smith herum sieht man dauernd die vier Ringe...
Ja, so war es gedacht, Audi war damals groß im Geschäft, auch mit dem Marvel Cinematic Universe hatten sie einen Deal und ständig wurde da Audi gefahren, ich habe das gefeiert. ![]()
Filmfirmen haben halt schon immer durch solche Deals Geld reingeholt.
Dies ist mein letzter Kubrick-Film auf Video: „Uhrwerk Orange“ (1971). Der lief damals witzigerweise auf RTL2 – da waren die Privatsender sicher noch in ihrer Findungsphase. Auch wenn hier das Thema Gewalt, oft frauenfeindliche Gewalt, sehr zynisch dargeboten ganz im Vordergrund steht, fällt es nach mehr als 50 Jahren doch schwer, das mit den Augen des damaligen Publikums zu sehen; vieles davon ist inzwischen in Filmen fast normal geworden, wenn auch nicht so kunstvoll stilisiert, wie Stanley Kubrick das macht. Die Aussage des Films ist dagegen immer noch extrem, und es fällt schwer, dazu Stellung zu beziehen. Sie stammt direkt aus der Buchvorlage von Anthony Burgess: Ein Mensch ist nur frei, wenn er sich mit der gleichen Konsequenz entscheiden kann, etwas Böses oder etwas Gutes zu tun. Nichts anderes will der Film vor Augen führen. Man kann die Frage stellen, ob man dafür einen zwei Stunden langen Film ansehen muß, aber „Uhrwerk Orange“ (Buch und Film) warf zuerst diese Frage so plakativ auf.
Kubrick suchte laut dem Filmkritiker Peter W. Jansen immer nach einem Stoff, der etwas beinhaltete, was er bisher noch nicht gemacht hatte, der noch einen Schritt weiterging. So kam er auf diesen Roman, den er mit wenigen Abweichungen beinahe eins zu eins umsetzte. Malcolm McDowell ist Anführer einer vierköpfigen Clique gelangweilter Jugendlicher, die Vergnügen nur noch in sinnloser Gewalt (etwa Verprügeln eines Obdachlosen) und Vergewaltigungen finden können. Etwa das erste Drittel des Films illustriert das. McDowells Eltern sind hilflos; sein Sozialarbeiter warnt ihn immerhin vor den Folgen. Zwischendurch begehren die drei Kumpel mal gegen die Führung von McDowell auf, doch wie er sie zur Räson bringt, zeigt, daß er der skrupelloseste und abgebrühteste von ihnen ist. Als sie kurz darauf in das Haus einer esoterischen Katzenfrau eindringen (sie war vorsichtig und hat sie nicht reingelassen), werden sie jedoch von der Polizei überrascht, und die Kumpane rächen sich, indem sie abhauen, aber McDowell dem Zugriff der Ordnungshüter überlassen.
Hier beginnt der zweite Teil des Films, der seine Entwürdigung im Gefängnis und bei einem anschließenden medizinischen Experiment zeigt. McDowell wird der Aufenthalt im Knast so zur Hölle gemacht, daß er schließlich zustimmt, sein Gehirn so konditionieren zu lassen, daß er künftig keine Straftaten mehr begehen wird. Immer wenn er zuschlagen oder sich einer Frau nähern will, ja sogar wenn er seine Lieblingsmusik (Sinfonien von Ludwig van Beethoven) hören will, wird ihm augenblicklich speiübel, und er kann die Tat nicht ausführen. „Er wird zum Guten getrieben, sobald ihn böse Absichten bewegen“, beschreibt das der verantwortliche Wissenschaftler. So wird er bald darauf als „geheilt“ aus dem Gefängnis entlassen. Nur der Gefängnisseelsorger wendet ein: „Aber er ist zu keiner freien Entscheidung mehr fähig.“
Die Folgen bekommt McDowell schnell zu spüren. Er kehrt zu seinen Eltern zurück, aber die haben sein Zimmer inzwischen einem anderen Jungen gegeben und ihn als Sohn gewissermaßen verstoßen. Er ist nicht fähig, sich dagegen zu wehren. Der Obdachlose erkennt ihn wieder und vermöbelt ihn – wiederum ist McDowell nicht imstande zu kämpfen. Die Polizei schreitet ein, aber es stellt sich heraus, daß das seine alten Kumpels sind, die ihm jetzt nochmal eine ordentliche Abreibung verpassen. Übel zugerichtet kommt er in ein Haus, das er jedoch, wie sich herausstellt, mal überfallen hat. Der Hausherr ist zunächst hilfsbereit, erkennt ihn aber dann wieder und quält ihn – besonders perfide – mit Beethoven-Musik. Schließlich landet McDowell im Krankenhaus, wo sich sein Geschick ironischerweise noch einmal wendet. Der Innenminister besucht ihn, denn die öffentliche Meinung hat sich gegen die Regierung gekehrt und die Partei des mißhandelten McDowell ergriffen. Der Minister bietet ihm einen sicheren und gut bezahlten Job an, um die Stimmung wieder umzukehren. McDowell blickt nun froh einem Leben als braver Bürger entgegen.
Das erste Drittel des Films besteht fast nur aus Gewalt, und zwar nicht einer ästhetisierten Gewalt, sondern – wenn auch stilisiert – in ihrer ekelerregendsten Form. Autor Burgess wollte ja zeigen, daß man sogar das hinnehmen muß, wenn man die freie Entscheidung eines Menschen ernst nimmt. Der Rest des Films ist mir zu lehrhaft. Man zweifelt keine Sekunde, daß hier nicht etwas Realistisches inszeniert, sondern beinahe im Sinne von Brecht die Botschaft überdeutlich vorgeführt wird. Hinzu kommt, daß wir noch nicht in der Punk-Ära sind, sondern eine pop art-disco-mäßige Welt sehen, in der die Menschen auch noch barock reden. Der Soundtrack besteht aus klassischer Musik. Das paßt irgendwie nicht zusammen. Dennoch muß die ostentativ in den Vordergrund gerückte, grundsätzlich durchaus schockierende Gewalt für das Publikum damals schwer verdaulich gewesen sein. Es gab eine lange Diskussion, ob man so etwas im Kino zeigen sollte. „Uhrwerk Orange“ erhielt in USA ein x-rating und wurde stark gekürzt, in England zog ihn Kubrick zurück, so daß er 27 Jahre lang nicht öffentlich zu sehen war. Trotzdem erhielt der Film neben vier Oscarnominierungen eine Menge Auszeichnungen und taucht in zahlreichen Bestenlisten auf. Er war auch geschäftlich erfolgreich.
Ich erinnere mich, daß in meiner Schulzeit – gut zehn Jahre nach der Filmpremiere – „Uhrwerk Orange“ noch einflußreich war. Er und Burgess machten mir erstmals klar, daß es eine eigene Jugendsprache gibt. Der Autor hatte sie erfunden, aber Worte wie „droogs“. „tollschocken“ oder „Horrorshow“ haben wir mit Begeisterung eine Zeitlang übernommen. Zu diesem Zweck habe ich das Buch gelesen; der Film war ja zu dieser Zeit noch nicht immer und überall verfügbar. Wann ich den zum ersten Mal gesehen habe, weiß ich leider nicht mehr.
Ein Kultfilm.
Kein Unterhaltungsfilm.
Ich habe ihn mittlerweile mehrfach gesehen um mich ihm anzunähern.
Gelungen ist mir das bisher nur teilweise.
'Hey, hier kommt Alex', war auch ein erfolgreiches Lied von den Toten Hosen.
Die Toten Hosen hatten an einer Bühnenfassung von "Uhrwerk Orange" mitgewirkt und setzten das in ihre Platte "Ein kleines bißchen Horrorschau" um.
Bei mir war die Reihenfolge: Das Album der Toten Hosen - Buch - Film. Und irgendwie ist das auch die Reihenfolge, wie ich es heute noch genieße kann. Der Film hat ein paar Szenen, die für mich eher schwer erträglich sind.
Irgendwie merkt man auch, daß zwischen Buch und Film nicht nur fast ein Jahrzehnt sondern eine ganze Jugendbewegung liegen. Was Burges noch als Utopie schildert, ist nun eigentlich schon fast normal. Und obwohl McDowell sehr gut spielt; - als Teenager hat er mich nun wirklich nicht mehr überzeugt. Und natürlich kommt die Ironie der "barocken" Sprache der Jungs im Buch besser rüber als in einem Film. Alleine schon das verballhornte Russisch funktioniert eigentlich nur in schriftlicher Form.
Natürlich hat der Film auch großartige Momente, die über das Buch hinausgehen. Das ist einmal die bizarre Ausstattung und natürlich auch die teilweise ballettartige Inszenierung gerade der brutalen Szenen. Keine Ahnung, ob Tarantino durch ihn beeinflusst wurde aber die Folterszene in "Reservoir Dogs" scheint da meiner Meinung nach Anleihen genommen zu haben.
Verballhorntes Russisch ist mir gar nicht aufgefallen - oder gibt's das nur bei Burgess?
z.B:
"Drug" (Ru: Freund) - Droog,
"Charoscho" (Ru: Gut) - Horrorshow (eigentlich müßte man es "Chorroshow" aussprechen, weil es im russischen kein H gibt)
Okay, da muß man Russisch können, um das zu entschlüsseln.
Meine Russischkenntnisse beschränken sich auf "Gospodin" - damit ich die Soldaten ansprechen kann, wenn Putin die mal herschickt...
Man zweifelt keine Sekunde, daß hier nicht etwas Realistisches inszeniert, sondern beinahe im Sinne von Brecht die Botschaft überdeutlich vorgeführt wird.
Übrigens ist heute der 70.ste Todestag von Berthold Brecht.
Ah, ich wußte nur, daß der 100. Geburtstag von Rene Goscinny ist.
Jetzt hab' ich's auch gehört. Das heißt, die Rechte an Brechts Werken werden frei (gemeinfrei). Allerdings gilt das nur für die Werke, die er selbst geschrieben hat...
Bei mir war es erst der Film und dann das Buch. (Die Toten Hosen sind nicht meins) Das Buch ist klar besser, aber der Film gefiel mir auch sehr gut. Einer der Filme die ich immer wieder gucken kann. Das Geraufe und geknuffe mit anderen Gruppen ruft Erinnerungen an die Jugend hervor. ![]()
Und wie Nante schon erwähnte, einige Wörter sind mir auch Vertaut, weil sie im Kroatischen ähnlich lauten. z.B. "Britva" = Rasiermesser usw.
![]()
Nun zu einem Film mit Überlänge: „Die Firma“ (1993) von Sydney Pollack – zweieinhalb Stunden lang. Ich muß einen Moment überlegen, in welches Genre er einzuordnen ist, vielleicht: Wirtschafts-Krimi-Polit-Verschwörungs-Thriller. Aber ich kann es mir ganz einfach machen: Es ist ein Grisham-Film, und John Grisham führte zu dieser Zeit die Bestsellerlisten an. Zugleich ist es ein hochglanzpoliertes Hollywood-Produkt, was nicht unbedingt abwertend gemeint ist. Dennoch sind mir ein paar Schwächen aufgefallen, die aber das Vergnügen nur wenig mindern. Die Hauptrollen spielen Tom Cruise, Jeanne Tripplehorn, Holly Hunter und Gene Hackman. Der übrige Cast ist sorgfältig ausgewählt; es gibt viele markante kleinere Rollen.
Spitzenjurist Cruise wird von einer großen Anwaltskanzlei eingestellt, die ihren Sitz etwas abseits in Memphis hat. Die Firma lebt offenbar davon, für ihre Mandanten Steuersparmodelle hart am Rande der Legalität zu entwickeln. Sein Mentor ist ein erfahrener Anwalt (Hackman), mit dem er sich ein wenig anfreundet. Man zahlt ihm nicht nur ein exorbitantes Gehalt, sondern kauft auch für ihn und seine Frau Tripplehorn ein Haus und einen dicken Mercedes. Allerdings erwartet die Kanzlei, daß er Überstunden ohne Ende macht, so daß er die Gattin vernachlässigen muß. Cruise hat einen Bruder, der wegen Totschlags im Gefängnis sitzt und den er irgendwie auf Bewährung rausholen will. Aber bald bekommt er ganz andere Probleme: Das FBI interessiert sich für die Firma, auch weil gerade eben zwei ihrer Anwälte bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, der möglicherweise gar kein Unfall war.
Das FBI bringt Cruise darauf, daß die Anwaltskanzlei in Wahrheit hauptsächlich für die Chicagoer Mafia Geldwäsche betreibt, und bittet ihn, dazu belastende Unterlagen zu beschaffen. Cruise lehnt ab: Würde er das tun, würde er gegen das Anwaltsgeheimnis verstoßen und wäre beruflich erledigt. Er offenbart also seinen Chefs seinen Kontakt zum FBI. Gleichzeitig versucht er aber weiter, Licht in die Sache zu bringen. Er sucht nach Dokumenten, die die Mafia-Verstrickungen belegen. Dabei stößt er auf einen vorgeblich banalen Sachverhalt: die Kanzlei rechnet mit ihren Mandanten regelmäßig zu viele Arbeitsstunden ab. Da die Rechnungen in viele Bundesstaaten gehen und sich unzählige Vergehen angehäuft haben, ist nicht der Staat Tennessee, sondern die Bundesebene zuständig, und die Verantwortlichen in der Kanzlei können auch so ins Gefängnis wandern.
Cruises Vorgesetzte haben sich jedoch abgesichert: Sie können ihn mit einem angeblichen Seitensprung erpressen (er ist von einer Frau, die hilfsbedürftig wirkte, hereingelegt worden). Doch Cruise nimmt eine Ehekrise in Kauf und bietet dem FBI nun gegen 1,5 Millionen Dollar und die Freilassung seines Bruders Beweise an. Da seine Wohnung und sein Büro jedoch von der Firma abgehört wurden, hat er kurz darauf zwei Killer auf dem Hals. Mit Hilfe von Hunter, der Sekretärin eines zuvor engagierten Privatdetektivs, kopiert Cruise die falschen Stundenabrechnungen und schmuggelt sie aus dem Büro. Weitere sind bei Hackman zu finden. Es gelingt Cruise, den Killern zu entkommen und den Deal mit dem FBI perfekt zu machen. Am Ende kommen zwei besorgte Mafiabosse nach Memphis, um herauszufinden, was in der Kanzlei eigentlich los ist. Cruise macht ihnen klar, daß seine Verschwiegenheitspflicht ihn lebenslang daran hindert, sie zu verraten. Sollte ihm aber etwas passieren, so hat er vorgesorgt, daß die Geschäftsverbindung sofort hochgeht. Er versöhnt sich mit seiner Frau, und sie reisen ab, um irgendwo ein kleines Anwaltsbüro zu eröffnen, mit dem sie sicher glücklich werden…
Der Film ist solide gemacht. Die zweieinhalb Stunden sollen sicher die Bestsellerqualität der Vorlage unterstreichen, aber ausgeprägte Längen habe ich nicht festgestellt. Grisham ist bekanntlich selbst Jurist und verarbeitet in seinen Romanen Insiderkenntnisse. Trotzdem kaufe ich dem Film nicht alles ab. Cruise bekommt den brisanten Job, weil er Einserjurist ist, aber warum versichert sich die Firma nicht, daß er entweder ihre krummen Geschäfte gutheißt und mitträgt oder von ihnen nichts mitbekommt? Das FBI agiert in meinen Augen auch ziemlich naiv – warum bohrt man nicht eine Führungskraft an, die über die Mafiakontakte genau Bescheid weiß? Die Spannung bezieht der Film allein aus persönlichen Beziehungen – zwischen Cruise und seiner Frau, ihm und Hackman, und ihm und den FBI-Beamten. In einer so großen Kanzlei, in der schätzungsweise mehrere 100 Leute arbeiten, erscheint das aber wenig glaubwürdig. Anders kann freilich ein Hollywood-Thriller nicht funktionieren – es muß menscheln. Leider weiß ich nicht, inwieweit der Film vom Roman abweicht. Wenn man den aber stark vereinfachen mußte, wäre es vielleicht gescheiter gewesen, einen kleinen Film daraus zu machen. „Die Firma“ war einer der umsatzstärksten Filme des Jahres, wofür sicher schon die Namen Grisham, Cruise und vielleicht auch Pollack bürgten. Bei Preisen hatte er eher das Nachsehen.
Leider weiß ich nicht, inwieweit der Film vom Roman abweicht.
Schon ewig her dass ich den Roman gelesen habe und hab nicht mehr alles in Erinnerung. Vom Gefühl bin ich über einige Löcher im Plot gerumpelt, die sich aber in Spannung aufgelöst haben. Grishams Romane sind ja Lesefutter, da ist mir dann vieles bei spannender Lektüre völlig egal.
Großer Unterschied von Roman zu Film ist der Schluß der Story. Im Roman klaut Mitch Millionen Gelder von der Kanzlei, also eigentlich die Kohle der Mafia und taucht im Ausland unter. Aber weder die Kanzlei noch die Mafia sind hinter ihm her. Das ist absolut unlogisch. Wenn du mit Mafia-Millionen verschwindest, jagen die dich bis zum Friedhof.
Im Film wurde das Ende komplett umgeschrieben um diesen fetten Logikfehler zu beseitigen. Da klaut Mitch keine Mafia-Gelder und behält so auch seine Anwalts-Lizenz.
Danke für den Hinweis.
Ich hätte eher vermutet, daß der Roman realitätsnäher ist. Daß der Schluß umgeschrieben wurde, habe ich auch gelesen, aber es klang so, als wäre Grishams Schluß besser gewesen.
Natürlich ist der Schluß im Roman für die Leserin und den Leser besser, weil die Kanzlei und die Mafia eins auf die Mütze bekommen und das Gute siegt. Aber dieser Schluß ist eben nicht realistisch da er ohne Reaktion der Mafia bleibt. Da hätte Grisham eine Fortsetzung anhängen können in der Mitch um die halbe Welt gejagt wird und es trotzdem schafft Gewinner zu bleiben.
Generell zu Grisham – von ihm habe ich einiges gelesen. Vor allem seine Jugend-Krimi-Reihe 'Theo Boone' finde ich gut. 'Theo Boone' ist der 13jährige Sohn eines Anwalts und löst in den Südstaaten schwierige Fälle die auch mit der Arbeit seines Vaters verknüpft sind.
Die Theo-Boone-Serie ist bei uns völlig untergegangen weil für die Zielgruppe eigentlich falsch vermarktet. Die Romane hätte man optisch so gestalten müssen wie 'Die drei ???' bzw. 'Die drei ??? Kids'. Dazu sind sie allerdings textlich zu umfangreich. Ob die Boone-Serie im englischsprachigen Raum gut lief, weiß ich nicht.
Aber ich schweife ab. Grisham hat generell das Problem, dass er oft in Details zu wenig recherchiert und seine Geschichten dann logische Risse bekommen. Da kann ein Wasserflugzeug schon mal tausende Meilen fliegen ohne aufzutanken und ähnliches mehr. Das tut der spannenden Story keinen Abbruch, aber technisch einfach falsch.
Vermutlich traut sich dann auch kein kritischer Lektor drüber, weil Grishams Romane ja Geldmaschinen sind.
Übrigens gefällt mir Grishams Roman 'Die Farm' (englischer Titel: A Painted House) am besten. Ist allerdings kein Justiz-Thriller sondern eine autobiografisch angehauchte Geschichte über einen Jungen im ländlichen Arkansas der frühen 1950er Jahre. Meines Wissens noch unverfilmt.
Und um die Kurve zum 'Die Firma'-Film wieder zu kriegen, vielleicht war die Mafia ja mit diversen Geldwaschanlagen an der Produktion des Filmes beteiligt und deshalb wurde der Schluß eben geändert.
Only The Shadow Knows!
Sehr interessant.
Ich habe nur insoweit auf die Logik der Story geachtet, als ich mich gefragt habe: Ist das wirklich die Firmenkultur eines größeren Konzerns (wenn man eine Anwaltskanzlei so bezeichnen will)? Ich denke, ein frisch eingestellter Jungspund würde nie die Chance bekommen, krummen Geschäften so auf die Spur zu kommen - es sei denn, er wäre von vorneherein eingeweiht.
Ja genau – das ist auch so ein Knackpunkt, aber tut eben der spannenden Story keinen Abbruch.
Ich hab mir die Verfilmung nur partiell (war glaub ich im TV) angeschaut, weil ich Cruise einfach als miserablen Schauspieler empfinde. Mit z.B. Tom Hanks wär's besser besetzt gewesen, aber der hätte vermutlich keine Lust auf den Stoff gehabt.
Tom Hanks hatte ich ja neulich in "Fegefeuer der Eitelkeiten" - da wurde er wiederum als Fehlbesetzung betrachtet.
Ich fand Tom Cruise nur in "Rain Man" schlecht - aber im Vergleich zu Dustin Hoffman hätten viele schlecht ausgesehen. Es ist auch schwer, sich einen Schauspieler in einer Rolle vorzustellen, die er nicht gespielt hat. Cruise war in meinen Augen schon okay in "Die Firma".
Cruise ist für mich ein klasse Schauspieler. Gerade in Rain Man hat er seine Sache meines Erachtens top gemacht. Die Firma, eine Frage der Ehre, Jerry Maguire, Barry Seal... Alles top Leistungen.
Alles top Leistungen.
Die Einen sagen so, die Anderen so.
Nix für ungut.
Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!