Das war der Lieblingsroman einer Freundin von mir. Was mich aber nicht dazu bewegt hat, mich damit auch mal näher auseinanderzusetzen. Sogar die Verfilmung von „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (1990) von Brian de Palma habe ich glaube ich nur aufgenommen, aber niemals angesehen – bis jetzt. Der Film ist eine Satire auf die Communitys in New York, auf Manipulationen in Politik und Justiz und nicht zuletzt auf die Medienmaschinerie. Romanautor Tom Wolfe war selbst Journalist und wußte, worauf er abzielte. Irgendwie erscheint mir der Film mißlungen, was aber nicht so einfach zu begründen ist, weil ihm nicht direkt Fehler nachgewiesen werden können. Ich nehme mal an, daß de Palma den Roman zwar notgedrungen gekürzt, aber soweit wie möglich originalgetreu verfilmt hat. Vielleicht ist das ein Stoff, der sich für eine Verfilmung nicht gut eignet.
Börsenbroker Tom Hanks, der stets von Erfolg zu Erfolg eilte (sein Beiname ist „Master of the Universe“), macht kurz hintereinander drei Fehler, die seine Karriere augenblicklich ruinieren: Er verrät seiner Frau versehentlich, daß er eine Geliebte (Melanie Griffith) hat. Er setzt ein Geschäft im Umfang von 600 Millionen Dollar in den Sand. Und er wird in der Bronx in einen Unfall verwickelt, bei dem ein schwarzer Junge ins Koma fällt. Was später noch bedeutsam wird: Dabei ist nicht er, sondern Griffith gefahren. Der Junge konnte auf dem Weg ins Krankenhaus nur zwei Buchstaben des Autokennzeichens nennen, und daß es ein silberfarbener Mercedes war. Ein Staatsanwalt erkennt die Chance, zum Bürgermeister gewählt zu werden, denn in dem Mercedes kann nur ein Weißer gesessen haben, und wenn er den ins Gefängnis bringt, wird ihn zum Dank die gesamte Bronx wählen. Etwa 200 Autos in NY kommen in Frage, aber obwohl es nicht einmal Zeugen gibt, läßt er den Wagen suchen.
Hanks verhält sich verdächtig, als die Polizei bei ihm auftaucht. Ihm droht Untersuchungshaft. Doch der Richter (Morgan Freeman) hält sich allein ans Gesetz und läßt ihn gegen eine Kaution von 10 000 Dollar frei. Der Staatsanwalt und ein Reverend, der ebenfalls nach größerem Einfluß strebt, bedienen sich eines abgehalfterten Journalisten (Bruce Willis), um einen klar vorverurteilenden Zeitungsartikel zu lancieren. Jeder in NY kennt nun Tom Hanks. Und jetzt holen ihn seine drei Fehler ein: Seine Frau verläßt ihn, seine Firma feuert ihn, und er kann sich, obwohl auf freiem Fuß, nirgendwo mehr blicken lassen, ohne angepöbelt und angespuckt zu werden. Willis denkt jedoch – keineswegs uneigennützig -, daß aus seiner Story noch mehr zu machen ist. Er hilft Hanks, sich zu verstecken, und erfährt dabei, daß Hanks nicht der Fahrer des Unfallwagens war. Außerdem findet er heraus, daß Griffiths Luxusapartment vom Vermieter abgehört wurde. Er kommt an ein Tonband mit einem aufgezeichneten Gespräch von Hanks und Griffith, in dem sie ihn davon abhält, zur Polizei zu gehen, weil sie ja am Steuer saß.
In der Gerichtsverhandlung spricht zunächst alles gegen den Angeklagten Hanks. Auch Griffith sagt gegen ihn aus. Dann spielt er unvermittelt das Band ab (auch wenn es vor Gericht gar nicht verwendet werden darf), und die fast ausschließlich schwarzen Prozeßbesucher rasten aus. Jetzt schlägt die Stunde von Freeman, der selbst eine Art Plädoyer für Wahrheit und Anständigkeit hält. Dann spricht er Hanks frei, der jetzt allerdings vor den Trümmern seiner Existenz steht. Gewinner der ganzen Sache ist letztlich Willis, der die Geschichte in einem Buch verarbeitet, das zum Bestseller wird und ihm viele Preise einbringt.
Ich finde, in dieser Geschichte fehlt es an handelnden Personen. Alle – außer Richter Freeman – sind Getriebene von politischen Winkelzügen und der öffentlichen Meinung. Das mag sich in einem Roman gut darstellen lassen, in einem Film wirkt es meist unbefriedigend. Es gab bei Erscheinen des Films Diskussionen, ob Hanks und Willis fehlbesetzt seien – sogar, ob Griffith und die Ehefrau (Kim Cattrall) nicht die Rollen hätten tauschen sollen. Willis war nur nach dem Willen des Produzenten gecastet worden; Hanks ist sicher gegen sein Image besetzt, hat aber nur wenige Szenen als karrieregeiler Finanzhai. Aber das alles ist in meinen Augen unerheblich. De Palma ist mühelos in der Lage, die Hauptdarsteller wirken zu lassen. Die Nebendarsteller sind ohnehin fast alle vorzüglich. Vielleicht hätte man ein paar von ihnen aus dem Drehbuch streichen sollen, dann hätte die Satire stärker herausgearbeitet werden können. Man mußte allerdings davon ausgehen, daß viele den Roman kennen und entsprechend enttäuscht gewesen wären. Nicht außer Acht lassen sollte man, daß die Witze in diesem Film alle auf Kosten von angesehenen Amerikanern gehen; verständlich, daß das nur wenige sehen wollten.
„Fegefeuer der Eitelkeiten“ spielte seine Kosten nicht ein. Und das Werk war für fünf Goldene Himbeeren nominiert: schlechtester Film, Regisseur, schlechtestes Drehbuch, schlechteste Haupt- und Nebendarstellerin (Griffith, Cattrall). Zugesprochen wurden die Anti-Preise dann aber anderen.