Kunst machen in Filmen und Serien

  • Dalíland (USA / Großbritannien 2022, Edward R. Pressman Productions, David O. Sack Productions, Bankside Films, Lavender Films, Popcorn Group, Burger Collection, Zephyr Film und Serein Productions SAS), Drehbuch: John C. Walsh, Regie: Mary Harron, 107 min bzw. 97 min, FSK: 16

    Der katalonische Künstler Salvador Dalí (1904 - 1989) wird als einer der Hauptvertreter des Surrealismus zu den bedeutendsten Malern des 20. Jahrhunderts gezählt. Der erfolgreiche Künstler unterhielt eine umfangreiche Entourage, die ihn begleitete und aus der er seine Musen rekrutierte. Die einflussreichste Persönlichkeit seines Hofstaats war seine Ehefrau Gala Éluard Dalí (1894 - 1982), eine russische Emigrantin, die als Jelena Dmitrijewna Djakonowa geboren wurde. Seinen kommerziellen Erfolg unterstützten dabei seine Sekretäre, die Provisionen erhielten; von 1960 bis 1975 managte ihn Captain John Peter Moore (1919 - 2005), dem bis 1981 der Fotograf Enrique Sabater (1936 - 2013) nachfolgte, den schließlich der Fotograf und Dalí-Biograf Robert Descharnes (1926 - 2014) ersetzte.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Dalí als der berühmteste lebende Maler. Weil er einen verschwenderischen Lebenswandel führte, befand er sich trotz seines Reichtums regelmäßig in finanziellen Nöten, von denen er durch Gala geschützt wurde. Als ich studierte, waren Poster seiner Gemälde in WGs und Studentenbuden allgegenwärtig. Weil er ab 1965 zehntausende Druckbögen blanko signierte, kursieren unter seinen Grafiken etliche Fälschungen, was der Kunstmarkt aufmerksam registrierte.

    Das Drehbuch verfasste John C. Walsh, der Ehemann der Regisseurin Mary Harron, die jedoch Vorbehalte gegen das Filmprojekt hegte. Denn dessen Vorgänger I Shot Andy Warhol befasste sich mit dem Attentat von Valerie Solanas auf Andy Warhol (1928 - 1987), weshalb sie kein weiteres Biopic über einen Künstler drehen wollte. Weil der Fokus auf einer zeitlich begrenzten Epoche lag, sagte Harron zu.
    Die Produktionskosten werden unter Verschluss gehalten; allerdings gilt das Werk als kleiner Film. Seine Weltpremiere fand als Abschlussfilm des Toronto International Film Festival im September 2022 statt. Bei durchwachsenen Kritiken brachte er am Box Office nur bescheidene 476.275 US-Dollar ein.
    Die surrealistischen Gemälde im Film stammen von Philip Colbert (Jahrgang 1979).

    Eingerahmt wird das Geschehen Szenen, die 1989 spielen. Der fiktive James Linton, der sein Kunststudium abgebrochen hat, wird als Identifikationsfigur gesetzt. Zu Beginn verfolgt er die Todesmeldung Dalís im Fernseher, die mit Dalís Auftritt 1952 in der Quizshow What's my line eingeleitet wird. Dort lacht das Publikum in Studio, weil der jede Frage mit "Ja" beantwortet, wodurch er zum Tausendsassa in etlichen Kunstsparten avanciert. Letztlich verrät ihn sein gezwirbelter Schnurrbart.
    Im New York von 1974 assistiert Linton dem Galeristen Christoffe in der Dufresne Gallery, die Dalìs Originale vertreibt. Die Vernissage der nächsten Ausstellung soll in drei Wochen stattfinden, während Gala laufend Geld einfordert, das Linton ihr überbringen soll. Dalí samt Gefolge residiert in der Suite 1610 des St. Regis Hotel, was monatlich 20.000 Dollar kostet. Captain Moore führt Linton ins Dalíland ein, in dem Partys und Orgien gefeiert werden. Linton überreicht Dalì in der Galerie seine Broschüre mit sämtlichen Signaturen des Künstlers und schwärmt ihn an, daraufhin tauft ihn der Katalane nach dem Gemälde "Saint Sébastian" (1870 - 1875) des Symbolisten Gustave Moreau (1826 - 1898) San Sebastián. Um Geld einzutreiben, schickt Christoffe in die Desmond Carter Gallery, die Drucke von Dalí verkauft.
    Drei Tage vor der Vernissage zieht Gala die Reißleine und verdonnert den Künstler zur Produktion von Gemälden im Akkord. Dass die Ausstellung in der Tageszeitung gelobt wurde, verstimmt Christoffe, denn der Galerist ärgert sich, dass keiner der wichtigen Kritiker von der New York Times oder vom Artforum erschienen ist; außerdem wurde kaum etwas auf der Vernissage verkauft. Kurzerhand wird Linton gefeuert, weil der zum Jünger Dalís geworden ist.

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    Weil er sich Linton gegenüber verpflichtet fühlt, bietet ihm Captain Moore eine Stelle in Europa an. Konspirativ soll Linton für ihn bei Gilbert Hamon in Paris spezielles Papier abholen und im Kofferraum transportieren. Dieses Papier wird in einem vergitterten Raum aufbewahrt und in Packpapier auf Regalen gelagert. Linton hatte bei Christoffe gelernt, wie sich höherwertige Lithographien von Offsetdrucken unterscheiden, so dass er bei Hamon eine Mauschelei entdeckt. Auf offener Strecke fängt Moore Linton ab, um aus dem Kofferraum ein mit "x" markiertes Pack aus der Ladung herauszuziehen, das offensichtlich Geld enthält.

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    Linton ist von der geschäftlichen Fahrlässigkeit Dalìs schockiert, der in seiner eigenen Welt wie ein Kind lebt. Am Strand von Figueres klärt Moore ihn auf: Durch Dalì sei er Millionär geworden. Dass Dalì Blankobögen signiert, sei kein Zufall. Was denke denn Linton, was in der Carter Gallery ablaufe. Natürlich gebe es Fälschungen von Dalì zuhauf, aber das gehöre zum Kunstmarkt dazu; das sei der Preis dafür, der berühmteste lebende Künstler zu sein.
    Im Finale besucht Linton mit Amanda Lear den verbrannten Dalì im Krankenhaus. Linton bedrängt den Arzt, weil er ein persönliches Verhältnis zu dem Künstler gehabt habe, denn der habe ihn San Sebastián genannt. Lakonisch entgegnet der Mediziner, Linton sei nicht der Einzige, er kenne drei junge Männer, die von Dalì auch San Sebastián genannt wurden.

  • SOKO Wismar Staffel 22 Episode 13 (Folge 510) "Die Kirchenmalerin" (Deutschland 2025, Real Film Berlin GmbH), Drehbuch: Marek Helsner, Regie: Susanne Boeing, 44 min, FSK: 12

    Bis spät in die Nacht restauriert die Kirchenmalerin Anna Peterson in einer Wismarer Kirche das Deo Gracias Fresko, das 1326 geweiht wurde. Als der Kunsthistoriker Carl Isenbeck am nächsten Morgen das Wandgemälde, eines der ältesten in Mecklenburg-Vorpommern, der Öffentlichkeit präsentiert, fehlt die Restauratorin. Denn ihr Freund Max Artner, Personaler auf einem Recyclinghof, hatte sie leblos im Bett entdeckt und den Notruf gewählt. Die Rechtsmediziner finden heraus, das sie durch Fentanyl in ihrem Einschlafspray ermordet wurde.
    Vor 30 Jahren war sie ihrer Mutter und ihrer Schwester Maris aus Schweden eingewandert. Die betreibt jetzt ein mobiles Café. Natürlich gerät zuerst ihr Freund in Verdacht. Routinemäßig wird Isenbeck befragt, der in einer Villa residiert und an der Akademie der Professor seiner damaligen Studentin gewesen ist. Er verhalf der Malerin zu einem Stipendium.
    Max Artner sagt aus, Anna Peterson sei mit Herzblut Kirchenmalerin und Restauratorin gewesen, denn sie habe von mageren 30.000 Euro brutto jährlich gelebt. Als die Ermittler die Finanzen der Ermordeten überprüfen, finden sie bei einer Bank in Stockholm ein Konto mit 250.000 Euro. Laut Angabe seien das Honorarzahlungen für Gemälderestaurierungen mit Summen bis zu 10.000 Euro. Isenbeck erklärt, er kenne viele private Kunstsammler und habe Peterson immer wieder Aufträge zur Restaurierung vermittelt.

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    Zudem sagt der Kunsthistoriker, er habe eine Affäre mit ihr gehabt, als sie noch studierte. Rechtlich ist Maris Peterson die Alleinerbin ihrer Schwester, und die kann Isenbeck nicht ausstehen, denn der manipuliere und zerstöre Leute.
    Im Atelier der Kirchenmalerin finden die Ermittler eine Madonna, die dem Lübecker Sammler Henri Siebert gehört, in doppelter Ausführung. Außerdem weisen Daten darauf hin, dass sie wieder nach Schweden ziehen wolle, denn sie hat sich dort bei einer Maklerin ein Haus für 5.000 Euro Gebühr reservieren lassen, für das noch 195.000 Euro ausstehen. Max Artner gesteht verwundert, dass er von diesen Plänen nicht wisse.

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    Die Kunstexperten des LKA Schwerin finden heraus, dass dem Lübecker Sammler eine gefälschte Madonna von 1880 zurückgeschickt werden sollte. Ein weiteres Indiz liefern anderthalb Millionen Euro, die allein in den letzten zwei auf Isenbecks Konto eingegangen sind. Der Kunsthistoriker druckst zunächst herum, er habe mit Anna Peterson nach Schweden emigrieren wollen, aber dann lässt er die Katze aus dem Sack. Die Kirchenmalerin sei die Beste ihres Fachs gewesen, und das Kopieren von Gemälden habe als Spiel begonnen ...

  • Watzmann ermittelt Special "Die Tränen der Madonna" (Deutschland 2026, Lucky Bird Pictures), Drehbuch: Paul Milbers, Lars Albaum und Laura Haufe nach einer Idee von Jochen Greve und Martin Walch, Regie: Sabine Derflinger, 89 min

    Im Mai 2019 startete diese Vorabendserie mit einer vergleichsweise hohen Einschaltquote. Das Special in Spielfilmlänge lief vor Folge 61 und stellt den Auftakt der Staffel 6 dar.

    Kommissar Jerry Paulsen fällt auf, wie Tarek Kristo, ein Mitglied der serbischen Mafia, in einem Hotel in Berchtesgaden eincheckt. Am selben Morgen wird der Kunst- und Antiquitätenhändler Hubertus Weissinger erschossen in seinem Geschäft aufgefunden. Gegen Kristo, der für den Kunsthändler Victor Gajic arbeitet, liegt zwar kein Haftbefehl vor, doch das BKA hat die Mafia unter dem Codenamen "Blau" im Visier.
    Die Witwe Weissinger kann die Verluste nicht benennen, erinnert sich aber an den Onlineverkauf des Gemäldes "Die Tränen der Madonna" für 500 Euro an einen Dr. Daniel Lerner aus Wien, denn kurz darauf bot ein anderer Interessent das Doppelte.
    Weissinger hatte das Gemälde von Anton Hauser, der bei seiner Großmutter Maria in der ehemaligen Pension Hauser wohnt. Der ältere Kommissar Benedikt Beissl verdächtigt ihn als Mörder, zumal schon sein Vater Alois Hauser notorisch kriminell gewesen ist. Paulsen, der bei seinem Dienst in Hamburg schon gegen Kristo ermittelte, durchsucht dessen Hotelzimmer und stößt auf den Vermerk "AR 134".
    Zur selben Zeit wird Maria Hauser von Dr. Lerner, der von seiner Großmutter Ellen Lerner begleitet wird, ihm zwei Zimmer in der nicht mehr existierenden Pension Hauser zu vermieten, zum Preis von 400 Euro je Zimmer pro Nacht. Wenig später kreuzt der Kunstexperte und Galerist Dr. Holger Stalz auf dem Hauserhof auf, muss jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil Maria Hauser ihn nicht weiterhelfen kann.

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    In einer Jagdhütte gesteht Anton Hauser Beissl, dass er das Gemälde aus dem Zimmer seiner Oma geklaut habe. Weissinger habe ihm dafür 50 Euro gezahlt; als er gemerkt hat, wie begehrt das Bild ist, wollte er es ihm für 100 Euro wieder abkaufen, doch zu dem Zeitpunkt sei Weissinger schon tot gewesen.
    Stalz verabredet sich mit den Lerner im Gasthaus und sagt, er hätte ähnliche Interessen wie die beiden, wofür ihm Ellen Lerner angewidert ihr Getränk in sein Gesicht schüttet. Als Stalz gehen will, fangen ihn zwei grobe Kerle ab, Handlanger der serbischen Mafia.

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    Auf der Wache wird unterdessen der rätselhafte Vermerk als Hinweis auf das ARL entschlüsselt, das Art Loss Register, das die verschollene Raubkunst des Dritten Reiches dokumentiert. Im Dokumentationszentrum Obersalzberg wird der Kennziffer die Privatsammlung Jakob Rosenthal zugeordnet. Der Sammler war mit den Künstlern der Gruppe "Der blaue Reiter" befreundet, vor allem mit Wassily Kandinsky (1866 - 1944) und Franz Marc (1880 - 1916). Rosenthals Frau konnte mit den Kindern 1941 gerade noch rechtzeitig in die USA flüchten. Danach befand sich die Sammlung im Haus von Hermann Göring in Berchtesgaden.
    Vor Kriegsende beauftrage Göring den SS-Obersturmbannführer Georg Stalz, in dem Göring Train die Kunstwerke dem Zugriff der Alliierten zu entziehen. Durch die Fotos im Dokumentationszentrum wird klar, dass es sich bei Ellen Lerner eigentlich um Helena Rosenthal handelt, eine Tochter des Sammlers.

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    Holger Stalz ist der Enkel des SS-Obersturmbannführers und arbeitete der serbischen Mafia zu, wofür er fünf Prozent Provision bekam. Weil er zehn Prozent verlangt, wird er von den Mafiosi zusammengeschlagen.
    Kommissar Beissl und Anton Hauser finden der Verletzten, der zugibt, Weissinger mit der Pistole seines Großvaters erschossen zu haben. Jetzt wird klar, dass das Gemälde mit der Madonna lediglich als Hinweis auf "die anderen" Gemälde der verschollenen Sammlung verstanden worden ist. Alle Beteiligten finden sich in der Pension Hauser ein, wo es zum Showdown kommt.

  • Krótki film o zabijaniu | Ein kurzer Film über das Töten bzw. Dekalog "pięć | Fünf" (Polen / Bundesrepublik Deutschland 1988, Telewizja Polska, Studio Filmowe „Tor” und Sender Freies Berlin), Drehbuch: Krzysztof Piesiewicz und Krzysztof Kieślowski, Regie: Krzysztof Kieślowski, 84 min bzw. 57 min, FSK: 16

    Der zehnteilige Filmzyklus über die Zehn Gebote des Tanach verhalf seinem Regisseur Krzysztof Kieślowski zum internationalen Durchbruch und machte ihn bei einem breiten Publikum bekannt. Kooperationen zwischen dem Fernsehen und dem Kino bestimmen seit Jahrzehnten den Alltag vieler Filmemacher, und dennoch ist diese Serie sowohl ein filmgeschichtlicher Solitär als auch ein Vorreiter anspruchsvoller Anthologieserien. Die Serie hat heute einen festen Platz im Pantheon des Autorenkinos, zumal es zu den Episoden fünf und sechs Langfassungen gibt, die als Spielfilme vor allem auf internationalen Filmfestivals und in Programmkinos liefen. Der Spielfilm über das fünfte Gebot: "Du sollst nicht töten" wurde 1988 bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Jurypreis und dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet. 1995 wurde Dekalog in der Kategorie Werte in die Filmliste des Vatikans aufgenommen.
    Ursprünglich wollte der Drehbuchautor und Regisseur Kieślowski zum Theater gehen, bewarb aber wenig später an der renommierten Staatliche Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Łódź, wurde aber erst im dritten Anlauf angenommen. Seine Karriere begann in einer Phase der künstlerischen Freiheit im kommunistischen Polen mit Dokumentarfilmen. Dabei wird er dem Kino moralnego niepokoju | Kino der moralischen Unruhe zugerechnet, das gesellschaftliche Unzufriedenheit dokumentierte, die 1980 zur Gründung der Gewerkschaft Solidarność führte. Die Einführung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 schlug sich in einem restriktiven Umgang nieder. Als Kieślowski die damit verbundenen Gerichtsprozesse filmen wollte, spürte er zum einen, wie eine anwesende Kamera das Geschehen verändert, zum anderen empfand er das dokumentarische Genre als unzulänglich.
    Zu seinen Freunden gehörte der Rechtsanwalt Krzysztof Piesiewicz, der ihm vorschlug, die Zehn Gebote zu verfilmen. Das Projekt entwickelte sich über Jahre, wobei Kieślowski darin der Frage nachgehen wollte, was in einem menschlichen Leben Notwendigkeit, was freier Wille und was Zufall ist. Die beiden Autoren waren sich darin einig, dass die Handlung zwar in der Gegenwart angesiedelt sein sollte, der mühselige Alltag wurde jedoch ausgeklammert. Der Fokus lag auf gewöhnlichen Menschen, mit denen sich das Publikum anderswo identifizieren konnte. Kieślowski wollte zunächst jede Episode von einem anderen jungen Regisseur und einem anderen jungen Kameramann umsetzen lassen, um den Nachwuchs zu fördern; änderte seine Meinung jedoch rasch. Das Konzept sah für die neunte Episode ebenfalls eine Langfassung vor, die nicht zustande kam; der zweite Spielfilm Krótki film o miłości | Ein kurzer Film über die Liebe variiert Episode sechs.
    Gedreht wurde vierzehn Monate im Warschau, wobei sämtliche Episoden durch den gemeinsamen Wohnblock der wechselnden Protagonisten in der Plattenbausiedlung verbunden werden. Darüber hinaus erscheint in allen Episoden ein namenloser junger Mann, der das Geschehen beobachtet und nie ein Wort sagt; eine ähnlich konzipierte Figur tritt im Comiczyklus Légendes d'aujourd'hui | Legenden der Gegenwart (1975 - 1988) von Pierre Christin und Enki Bilal auf. In Polen erreichte die Serie 15 Millionen Zuschauer, insgesamt wurde sie in 75 Länder verkauft. Soweit ich mich erinnere, wurde die deutschsprachige Fassung in der Bundesrepublik in den Dritten Programmen ausgestrahlt, die regional organisiert waren.
    Die Episode stellt drastisch einen Mord und die damals in Polen noch gültige Todesstrafe gegenüber: Der 19jährige Jacek Łazar lässt sich zunächst ziellos durch die Straßen treiben und treibt dabei üble Scherze. Irgendwann kreuzt er den Weg des Taxifahrers Waldemar Rekowski, der im Wohnblock zuhause ist, und erdrosselt ihn hinterrücks, während der idealistische junge Rechtsanwalt Piotr Balicki gerade sein Examen ablegt. Ein Jahr später verteidigt Balicki den Mörder, der zum Tode verurteilt wird. Als Jacek Łazar durch den Strang hingerichtet wird, ist sein Anwalt als Zeuge anwesend. Später sitzt Balicki im Auto, angewidert von der abscheulichen Strafe.
    Kieślowski und Piesiewicz setzten ihr gemeinsames Filmschaffen später in Frankreich erfolgreich mit der Drei-Farben-Trilogie fort. (1988 erschienen die Drehbuchvorlagen in Polen, die deutsche Übersetzung kam 1994 im Verlag Antje Kunstmann heraus, wobei die Rechte bei Rogner & Bernhard liegen.)

  • Verbrannte Erde | Scorched Earth (Deutschland 2023, Schramm Film Koerner Weber Kaiser, WDR und arte), Drehbuch und Regie: Thomas Arslan, 101 min, FSK: 12

    Der deutsch-türkische Regisseur und Drehbuchautor Thomas Arslan wird der Berliner Schule zugerechnet, die abseits des Mainstreamkinos alltägliche Geschichten in den Mittelpunkt stellt. In dieser Hinsicht stellt seine Kriminaltrilogie um den Einbrecher Trojan eine Ausnahme dar, denn hierbei handelt es sich um Genrekino reinsten Maßes, wobei Arslan gern mit Jean-Pierre Melville verglichen wird, während er sich in der Tradition von Don Siegel sieht. Die Trilogie begann 2010 mit dem Krimi Im Schatten; Verbrannte Erde feierte seine Premiere im Februar 2024 bei der 74. Berlinale; der abschließende Teil der Trilogie steht noch aus.
    Den MacGuffin liefert Caspar David Friedrichs (1774 - 1840) Gemälde "Frau vor der untergehenden Sonne" (1818), das im Museum Folkwang in Essen hängt.

    Trojans Raub einer Uhrensammlung erweist sich als Desaster, denn sein Hehler haut ihn zunächst übers Ohr, dann erweisen sich seine 50.000 Euro als leeres Papier. Also wendet er sich an einen anderen Hehler, der ihm nur widerwillig einen Freundschaftspreis von 10.000 Euro bietet.
    Weil er dringend einen Job sucht, wendet er sich an die Vermittlerin Rebecca, die offiziell eine Unternehmensberatung hat. Am liebsten stellt Trojan sein eigenes Team zusammen, doch Rebecca bietet ihm einen dringenden Job an, bei dem drei der vier Beteiligten schon feststehen. Es handelt sich um den Auftrag eines anonymen Sammlers, der 1,4 Millionen Euro für den Raub des Gemäldes bietet; von der Summe behält Rebecca zehn Prozent Provision ein, so dass 315.000 für jeden im Team bleiben. Vorab gibt es eine Anzahlung von 20.000 pro Person, der Rest erfolgt bei Lieferung.
    Das Gemälde wurde an ein Museum in Berlin ausgeliehen, wird jetzt jedoch in einem anderen, stillgelegten Museum in Dahlem für den Rückversand vorbereitet, wo es im Depot liegt. Der Handlanger des Auftraggebers, Victor, ist äußerst neugierig und möchte mehr über die Diebe wissen, doch Rebecca hält dicht.

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    Der Diebstahl gelingt, doch der Auftraggeber hat Victor schon mitgeteilt, dass er nie vorhatte, etwas für das Gemälde zu bezahlen. Weil das vereinbarte Treffen zwischen Victor und Trajan fehlschlägt, ändern auch die Diebe ihre Taktik. Der Auftraggeber nutzt diese Verzögerung, damit Victor die Diebe jagen kann.
    Die Diebe fordern von dem Museum, aus das Gemälde gestohlen wurde, ein Lösegeld von 1,7 Millionen. Die Anwältin des Museums, Claire, erklärt, dass sie höchstens 500.000 Euro bieten könne; während die Schmerzgrenze der Diebe bei einer Million liegt.
    Victor kreuzt erneut bei Rebecca auf und setzt sie unter Druck, indem er ihr eine Anzahlung von 30.000 Euro und weitere 70.000 Euro für weitere Informationen zum Gemälde bietet. Die nächste Szene zeigt, wie Victor den ersten Dieb aufgespürt hat.

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    Claire und Trajan als Stellvertreter der Diebe werden sich bei 800.000 Euro handelseinig. Vor der Geldübergabe zweigt Claire jedoch im Hotelzimmer 100.000 Euro für sich ab. Nach dem Austausch wird Claire von Victor verfolgt, der ihr das Gemälde und ihr unterschlagenes Geld abnimmt.
    Victor weiß, wo sich die Diebe mit dem Geld treffen. Er erwartet sie dort, erschießt sie und nimmt den Geldkoffer mit. Trajan hat jedoch eine schutzsichere Weste getragen und nimmt mit der Fahrerin des Fluchtwagens die Verfolgung auf. Ein Unfall mit einem Van setzt Victors Wagen außer Gefecht.

  • Plunderer: The Life and Times of A Nazi Art Thief | Le marché des nazis pilleurs d'art - Le cas B. Lohse | Der Plünderer - Das Geschäft mit der Nazi-Raubkunst (Großbritannien / USA / Deutschland / Frankreich 2024, Living Memory Productions, BR, The WNET Group und arte), Drehbuch und Regie: Hugo Macgregor, 108 min

    Am Beispiel des Kunsthändlers Bruno Lohse (1911 - 2007) beleuchtet der Dokumentarfilm die Raubkunst im Dritten Reich bis in die Gegenwart hinein. Den Ansatz dazu lieferte der Historiker Jonathan Petropoulos (Jahrgang 1961), der nach dem Fall der Mauer Lohse kennenlernte und ihm auf die Schliche kommen wollte. Petropoulos ist Experte für Nazi-Raubkunst, trat in mehreren Prozessen als Sachverständiger auf und wurde 2008 vom Art Loss Register in London, dem Verzeichnis verschollener Kunstwerke, engagiert.
    Seine Expertise ergänzen im Film der Kunstfahnder Marc Marzurowski, die Historiker Jean-Marc Dreyfus, Willi Korte, Wendy Lower und Emmanuelle Polack, die Investigativkournalisten Phillipe Sprang und Hector Feliciano, Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe (CLAE) | Kommission für Raubkunst in Europa, die Kunsthistoriker Lynn H. Nicholas und Christian Fuhrmeister sowie der Fachanwalt für die Rückgabe von Kunst Raymond David.

    Seine Karriere begann Lohse zwischen 1936 und 1939 als Kunsthändler in Berlin. 1937 trat er in die NSDAP ein; 1941 wurde er als SS-Obersturmbannführer in das besetzte Frankreich nach Paris versetzt. Unter Kurt von Behr (1890 - 1945), dem Leiter des Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR), beteiligte er sich am Raub jüdischer Kunstsammlungen in Frankreich, die im Musée du Jeu de Paume gehortet wurden. Dabei stieg Lohse rasch zum Beauftragten Hermann Görings auf. Auf seinen Raubzügen wurde Lohse von der Gestapo, der Geheimen Feldpolizei, dem Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und der Mafia unterstützt.
    Nach Kriegsende wurde er von der OSS-Einheit Monument's Men verhört; das Tribunal aus Lt. James S. Plaut (1912 - 1996), Lt. Cor. Samson Lane Faison, Jr. (1907 - 2006) und Lt. Theodore Rousseau Jr. (1912 - 1973) sprach ihn frei. Daraufhin wurde er 1950 in Paris vor ein Militärtribunal gestellt, denn der spätere Direktor des Metropolitan Museum of Art, James Rorimer (1905 - 1966), und Rose Valland (1898 - 1980) hatten seine verlassene Wohnung in Paris und das Büro des ERR durchsucht. Valland verstand deutsch, war Mitarbeiterin der Résistance und hatte das, was sie über den Kunstraub mitbekommen hat, aufgezeichnet und dokumentiert. Auch hier wurde Lohse freigesprochen.
    Nach dem Krieg ließ er sich in München nieder. Er verzichtete auf eine Galerie, nannte sich jetzt Kunstberater und setzte seine Geschäfte fort. Zu diesem Zweck nahm er Kontakt zu seinen ehemaligen Feinden auf, insbesondere Theodore Rousseau Jr., der mittlerweile zum Kurator für Gemälde am Metropolitan Museum of Art avanciert war. 94 Prozent der Kunstmuseen in den USA wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, denn Kunst eignete, um die hohen Steuern zu sparen. Thomas Hoving (1931 - 2009) bezeichnet die 1950er und 1960er Jahre deshalb als Zeit der Piraterie.
    Lohse arbeitete dabei nicht nur mit Exilhändlern wie Frederick Mont und Rosenberg & Stiebel zusammen, sondern auch mit den milliardenschweren Wildensteins, der wichtigsten Kunsthändler-Dynastie der Welt. Obwohl die jüdischen Wildensteins 1940 aus Paris flüchten mussten und selbst zu den Opfern der Raubzüge gehören, wird Lohse in Briefen aus den USA als Jahrzehnte alter Freund bezeichnet.
    Nach dem Fall der Mauer wurde die Situation für Lohse kritisch, denn mittlerweile wurden selbst hochbetagte Kriegsverbrecher in minderen Rängen verurteilt, beispielsweise im Demjanjuk-Prozess. Er fürchtete selbst als Mörder verurteilt zu werden und starb zwei Tage nach seiner Einweisung in ein Krankenhaus.

    An mehreren konkreten Beispielen belegt der Film Lohses Verbrechen und zeigt auf, wie Lohse den Historiker Petropoulos hinters Licht geführt hat, um sein Wirken zu verschleiern. Neben den Sammlungen von Adolphe Schloss (1842 - 1910) und Friedrich Gutmann (1886 - 1944) steht vor allem das Gemälde "Le Quai Malaquais et l’institut, Printemps" (1903) von Camille Pissarro (1830 - 1903) im Mittelpunkt, das sich zuletzt rechtmäßig in der Sammlung des Verlegers Samuel Fischer befunden hatte.
    Einen Teil seiner Bilder lagerte Lohse in der Zürcher Kantonalbank und nutzte zum Handel die Galerie SchönArt in Liechtenstein.

  • Die Rosenheim-Cops Staffel 25 Episode 15 (Folge 593) "Zwei Koffer aus Berlin" (Deutschland 2026, Bavaria Fiction), Drehbuch: Julie Fellmann, Regie: Werner Siebert, 44 min, FSK: 6

    Rosenheim feiert die Partnerschaft mit der französischen Stadt Briançon mit einem Konzert und einer Ausstellung. Zu diesem Zweck fördert die Mäzenin Lioba von Strellwitz mit ihrer Stiftung den Bildhauer Antoine Dumont aus Briançon als Artist in Residence in ihrer Villa, die er drei Wochen lang als Atelier nutzen darf. Dort wird der Künstler tot aufgefunden, erschlagen mit einer Skulptur aus Travertin. Bei der Leiche wird ein Schlüssel gefunden, der sich zunächst nicht einordnen lässt.
    Obwohl sich Dumont mit einem Diplom der Kunstakademie in Briançon online beworben hatte, ergeben sich mehrere Ungereimtheiten, denn in Briançon verlaufen die Spuren im Sande. Die Mäzenin ist mit dem internationalen Kunsthändler Philipp von Strellwitz verheiratet, der die Stiftung finanziert. Als letzte Zeugin präsentiert sich Beate Bommers, eine Fotografin aus Rosenheim, die von der Stiftung beauftragt wurde, Dumont im Atelier für einen Flyer abzulichten.

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    Der Schlüssel gehört zu einem Schließfach, in dem sich 80.000 Euro, ein verschlüsselter USB-Stick sowie ein Ausweis befinden. Laut Ausweis handelt es sich bei dem Toten um Anton Berger aus Krems an der Donau, einen Steinmetz für Grabsteine.
    Insgeheim hatte Berger der Fotografin Bommers den Auftrag erteilt, seine Affäre mit seiner Mäzenin zu dokumentieren. Berger erpresste Lioba von Strellwitz mit dem Versprechen, die kompromittierenden Fotos für 100.000 Euro zu vernichten. 20.000 Euro davon erhielt Bommers.

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    Durch das Foto im Flyer wird klar, dass Berger schon eine Skulptur aus Travertin erstellt hatte, die jetzt fehlt. Unterderhand hatte Philipp von Strellwitz diese Skulptur für 250.000 Euro an einen Kunstsammler in Dubai verkauft. Daraufhin verlangte Berger die Hälfte des Kaufpreises, ansonsten wollte er auffliegen lassen, dass der Kunsthändler auf ihn hereingefallen ist, wodurch der Erpresste seinen Ruf verloren hätte und ruiniert gewesen wäre.

  • La Linea della Palma | The Palm Line | Le complot Caravaggio | Das Caravaggio-Komplott Staffel 1 Episode 1 bis 6 (Folge 1 bis 6) (Schweiz / Italien 2025, hugofilm features GmbH, RSI Radiotelevisione svizzera, SRG SSR und Arte G.E.I.E.), Creators: Mattia Lento, Thomas Ritter und Maria Roselli, Drehbuch: Thomas Ritter, Drehbuchmitarbeit: Amina Grenci, Regie: Fulvio Bernasconi, 258 min, FSK: 12

    Zu den spektakulärsten Kunstdiebstählen zählt der Raub des Altarbildes "Natività con i santi Lorenzo e Francesco d'Assisi | Christi Geburt mit den Heiligen Laurentius und Franziskus" (1609) von Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571 - 1610). Das zuletzt 1951 restaurierte Gemälde wurde in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1969 im Oratorio di San Lorenzo in Palermo von Unbekannten gestohlen und ist seither nicht wieder aufgetaucht. Laut FBI hat es einen Marktwert von 20 Millionen Dollar.
    Über den Raub kursieren zahlreiche Gerüchte: Es soll von einem Mafiaboss gestohlen worden sein; zum anderen gibt es eine Spur in Schweiz; andere Quellen behaupten, es wäre zerschnitten worden.

    Seit 1989 wurde der Raub mehrfach in der populären Kultur in Erzählungen, Filmen und Dokumentationen behandelt. Der Titel der Fernsehserie bezieht sich auf ein Zitat des Anti-Mafia-Schriftstellers Leonardo Sciascia, das besagt, dass durch den Klimawandel die Palmen jedes Jahr höher im Norden wachsen - und die Mafia wächst ebenso.

    Drei Diebe rauben 1969 den Caravaggio in der Nacht aus dem Gebetshaus des Franziskanerkonvents und transportieren ihre Beute in die Villa eines Mafiabosses, wo sie umgehend erschossen werden.
    2025 arbeitet die Journalistin Anna Romero als freie Mitarbeiterin für die Zeitung Il Corriere Internazionale in Mailand. Beruflich steckt sie in einer Krise, als ihre Familie nach Lugano ruft, wo sie aufgewachsen ist. Denn der Wagen ihres Vaters, des 1959 in Palermo geborenen Malers Antonio Romano, wurde aus dem See geborgen; mit einer Leiche am Steuer. Seit 1994 war ihr Vater verschwunden, und sie glaubte wie ihr Bruder Francesco, er habe sich ins Ausland abgesetzt. Ihre Mutter Caterina wird vom besten Freund ihres Vaters, dem Galeristen Saro Savoca, getröstet. Um die verweste Leiche zu identifizieren, wird Anna um eine DNA-Probe gebeten. Weil Reste von zwei Patronen gefunden wurden, geht die Polizei von Mord aus.
    Im Atelier ihres Vaters erwischt sie zunächst Savoca; nachdem der gegangen ist, entdeckt sie in einem Versteck die zerschnittenen Teile eines Fotos des gestohlenen Caravaggio. Bei der Leiche wurde ein Schlüssel mit dem Emblem der privaten Banca Vela gefunden, der zu einem Schließfach gehört, in dem sich ein schwarzes Notizbuch befindet. Anna ermittelt jetzt für ihre große Story, den Kunstraub. Zu diesem Zweck sucht sie einen alten Geschäftspartner ihres Vaters auf, den Antiquitätenhändler Marco Paolo Fontana, dessen Laden in Lugano jetzt von seiner Enkelin Ornella Fontana geleitet wird. Der alte Fontana versucht vergeblich, die Journalistin einzuschüchtern.

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    Weil 1993 der Mafiaboss Totò Riina gefasst wird, beauftragt der Mafiaboss U' Nicu seinen Handlanger Andaloro, den Caravaggio, versteckt in einem Teppich, von Sizilien nach Lugano zu bringen. Dort wird er von Antonio Romano, dem Maestro, und Saro Savoca erwartet.
    Anna hat herausgefunden, dass Fontana seit 1993 ein Depot im Zollfreilager besitzt, und vermutet, dass dort die Fotos des Caravaggio entstanden sind. Indessen wird Familie Romano großzügig von der Herzogin Maria unterstützt, eine reiche Sammlerin, die in einem Palazzo am See residiert. Savoca macht sich Sorgen um Caterina Romano, die behauptet, ihren Mann gesehen zu haben. Unterstützt durch den IT-Spezialisten Luca Zürcher kann Anna nachts heimlich in das Depot eindringen. Es ist leer, denn gerade räumen Francesco Romano und Ornella Fontana die Kunstwerke in einen Van. Dennoch fotografiert Anna die leeren Gitter.

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    Andaloro entdeckt im Atelier die frische Fälschung des Maestro und verlangt seinen Anteil. In Panik fordern Antonio Romano und Savoca von ihren Komplizen Fontana und Fabio Vela mehr Geld, werden jedoch abgewiegelt. In ihrer Verzweiflung erschießen die beiden Andaloro.
    Bei ihren Recherchen findet Anna zahlreiche Fotos, die die Herzogin mit Fontana und dem Bankier Vela zeigen. Sie verfolgt diese Spur, indem sie sich in eine Soiree im Palazzo hereinschleicht, eigentlich eine geschlossene Gesellschaft. Gleichzeitig kann der Ermittler der Herzogin Maria Anne von Düsseldorf-Homburg ein Kürzel im Notizbuch zuweisen. Nachdem die Gäste gegangen sind, zieht sich die Herzogin in einen geheimen Raum zurück. Anna folgt ihr und sieht, wie sie vor dem Caravaggio sitzt.

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    Savoca sucht den Mafiaboss U' Nicu auf, übergibt das Geld und erzählt, dass der Maestro Andaloro als unerwünschten Nebenbuhler umgebracht hat. U' Nicu missbilligt die Tat und verlangt von Savoca, den Maestro zu töten. Savoca und der Maestro verfrachten Andaloros Leiche in den Wagen des Maestro und versenken ihn im See, um Antonio Romanos Tod vorzutäuschen.
    Anna wird im geheimen Raum niedergeschlagen, unter Drogen gesetzt und eingeschlossen. Als sie wach wird, setzt sie das Gemälde in Brand. Der Kommissar sieht den Rauch und befreit Anna, die mit ihrer Story zur gefeierten Reporterin wird. Die Herzogin wird verhaftet und bald wieder freigelassen, nur um vom Killer der Mafia in den Tod geschleudert zu werden. Die Forensik hat herausgefunden, dass die Annas DNA nicht mit der der Leiche übereinstimmt.

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    Der Caravaggio der Herzogin wird im Labor als Fälschung enttarnt. Anna und der Kommissar untersuchen die Verdächtigen Fontana und Fabio Vela, der sich ins noble Pflegeheim Villa Monte Brè zurückgezogen hat. Sie verfolgen jetzt eine Spur, nach der das Gemälde zerschnitten, verteilt und verkauft wurde. Das hat auch der Killer der Mafia mitbekommen, der für U' Nicu die einzelnen Teile finden und zurück in dessen Villa bringen soll.

  • SOKO Köln Staffel 24 Episode 20 (Folge 483) "Forever Young" (Deutschland 2026, Network Movie), Drehbuch: Andreas Fuhrmann und Oliver Philipp, Regie: Till Müller-Edenborn, 44 min, FSK: 12

    Als der Galerist Carl Henke in das noble Seniorenheim Forever Young einzieht, macht sich der sehr von sich Überzeugte kaum Freunde. Zwölf Wochen später erliegt der 72jährige einem Herzinfarkt. Weil der mit einem Elektroschockgerät herbeigeführt wurde, ermittelt die Polizei.
    Zunächst gerät der Sohn des Atheisten, Pastor Max Henke, in Verdacht, weil er dabei ertappt wurde, wie er eine Zeichnung von Pablo Picasso (1881 - 1973) verkaufen wollte, die er aus dem Zimmer seines Vaters im Heim gestohlen hat. Dabei handelt es sich um ein Werk, das 2005 aus dem Nordic Museum of Arts gestohlen wurde.
    Unterdessen werden sämtliche Bewohner des Heims und die Leiterin, Dr. Anne Kaml, befragt. Dabei stellt sich heraus, dass jeder Heimbewohner ein eigentlich verbotenes Elektroschockgerät besitzt, die die Leiterin als Satz wegen zahlreicher Einbrüche beschafft hatte. Alle werden zur forensischen Untersuchung eingesammelt.
    Es wird ermittelt, dass Carl Henke den Picasso von Susanne Ortmann eingefordert hatte. Ortmann malt als Hobby und unterrichtet andere Bewohner im Zeichnen. Sie sagt, ihr Mann habe den Picasso damals mitgebracht, als das Ehepaar in Finnland lebte.

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    Verdächtig macht sich Richard Bartz, denn von ihm existiert eine Aufnahme, wie er den Galeristen angreift, weil der ihm seine Freundin Yvette Krantz ausgespannt hat. Im Verhör bestreitet Bartz jedoch, dass der identifizierte Elektroschocker ihm gehört; seiner sei beschädigt.
    Ein weitere Spur liefert ein Zeitungsbild einer Vernissage von 1999. Auf dem ist neben dem Galeristen Henke die Ehefrau des ausstellenden Künstlers abgebildet, Regina Selin, die selbst als Künstlerin reüssieren will. Henke lehnt es ab, Selin zu vertreten. Selin ähnelt Susanne Ortmann auffällig.

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    Die Überführte will sich der Polizei entziehen, indem sie in der Badewanne Selbstmord begeht. Polizei und Dr. Kaml versuchen, das zu verhindern; währenddessen gesteht Selin ihre Tat. Nicht Henke habe sie sofort erkannt, sondern sie ihn; sie habe sich von seiner scharfen Kritik gedemütigt gefühlt. Später habe sie bei der reichen Frau Ortmann auf Ibiza als Haushälterin gearbeitet; als diese ohne Angehörige verstorben sei, habe sie deren Identität angenommen. Sie habe den Besitz der Ortmann verkauft und sei ins Heim gezogen. Zuletzt meint Selin, der Galerist habe wohl recht behalten, denn ihr Talent hätte für den Kunstmarkt nicht ausgereicht.
    Selins Suizid wird verhindert, und sie wird festgenommen.

  • Le tableau volé | Auction | Das gestohlene Bild (Frankreich 2023, SBS Productions), Drehbuch: Pascal Bonitzer und Iliana Lolic, Regie: Pascal Bonitzer, 91 min

    Egon Schiele (1890 - 1918) hat 1906 ein Gemälde von Vincent van Gogh (1853 - 1890) gesehen: "Les Tournesols" (1889). Das beeindruckte ihn so sehr, dass er 1914 "Welke Sonnenblumen" malte, die wegen des Weltkriegs verblüht waren. Seit 1942 galt es als verschollen. 2003 tauchte es dann auf und konnte als Raubkunst der Nazis klassifiziert werden. Die Finder gaben es der Familie des Kunsthändlers zurück. 2003 schätzte das Auktionshaus Christie's den Wert auf 4 bis 6 Millionen Pfund Sterling, 2005 erzielte es bei der Auktion 11,7 Millionen Pfund Sterling.

    Die Autoren des Spielfilms betonen die Fiktion ihres Werks. Uraufgeführt wurde der kleine Film mit einem geschätzten Budget von 100.000 Euro am 7. März 2024 beim Luxembourg City Film Festival. Der französische Kinostart war der 1. Mai 2024. Am Box Office spielte er 3.289.524 US-Dollar ein.

    Bei einer Sitzung mit einer reichen Verkäuferin eines Gemälde von Edgar Degas (1834 - 1917), die sich rassistisch äußert, bringt der Auktionator André Masson seiner Praktikantin Aurore bei, dass Kunsthändler manchmal gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Aurore widert die Heuchelei an, während Masson seine Praktikantin für unfähig hält. Beide arbeiten für das internationale Auktionshaus Scottie's, das im Vorjahr einen Umsatz von einer Milliarde Euro gemacht hat und Filialen in Paris und New York besitzt.
    Mit einem Brief meldet sich die Rechtsanwältin Maître Suzanne Egerman aus Mühlhausen, weil ein Klient von ihr ein Gemälde von Egon Schiele gefunden hat. Masson ist sich ziemlich sicher, dass es sich um eine Fälschung handelt; fragt aber telefonisch noch bei seiner Ex-Frau Bertina in Lausanne an, die ihm zustimmt, denn seit 30 Jahren gäbe es keine neuen Schieles.
    Als sich Maître Egerman telefonisch meldet, lässt sich der Uhrensammler und Oldtimerfan Masson zunächst verleugnen. Egerman erklärt, das Gemälde sei auf einen Keilrahmen genagelt und trage auf der Rückseite das Etikett Kunstmuseum Basel 1928. Neugierig geworden, lässt sich Masson ein Foto schicken. Dann fährt er mit Bertina und Maître Egerman in die Wohnung des Chemiearbeiters Martin Keller, um es in Augenschein zu nehmen.
    Keller wohnt mit seiner Mutter Sine in einem Haus, das dem Polizisten Rudolf Kemp gehörte und dem sie zur Miete eine Leibrente zahlten. Vor einem Monat ist Kemp mit 98 Jahren gestorben. Die beiden Spezialisten für moderne Kunst, Bertina und André Masson, können kaum fassen, dass das Gemälde echt ist, das sie auf 10 bis 12 Millionen Euro schätzen.

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    Auf der Suche nach Unterlagen findet sich im Keller ein verschlossener Koffer mit Dokumenten. Aus denen geht hervor, dass Kemp mit der Sicherheitspolizei der Besatzer kollaboriert hat. Vermutlich habe er es bekommen, weil sogenannte entartete Kunst für die Nazis wertlos gewesen sei. Ursprünglich habe das Gemälde Schieles jüdischem Mäzen und Kunstsammler Stefan Wahlberg gehört, der es 1928 erworben hatte und vor 30 Jahren in den USA gestorben ist.
    Martin Keller möchte mit dem gestohlenen Gemälde nichts zu tun haben. Doch Scottie's weigert sich, die möglichen Erben in den USA zu suchen. Da meldet sich über Maître Rochebourg, den französischen Anwalt der Familie Wahlberg, der Enkel Bob Wahlberg. Er möchte dem Finder danken, indem Keller zum zehnten Erben der Familie Wahlberg macht.

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    Masson startet bei Scottie's eine Werbekampagne, um finanzkräftige Käufer anzulocken, für die das Gemälde fotografiert wird. Als besonderer Gast darf sich der Sammler Samson Körner, der Chef der Körner Foundation und des Körner Museums, exklusiv eine Meinung bilden. Körner lästert, das Gemälde sei minderwertig und schlecht erhalten, höchstens 8 Millionen Euro wert.
    Scottie's gerät in Panik. Dann meldet sich Maître Rochebourg, der die Auktion absagen möchte. Als Aurore Masson ihre Hilfe anbietet, wiegelt der sie rüde ab; besinnt sich aber eines Besseren und sucht Aurore, die Tochter eines Antiquars, in ihrer Wohnung auf. Nur mühsam gelingt es Masson, Bob Wahlberg am Telefon zu überzeugen, dass er übers Ohr gehauen werden soll.

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    Als Käufer hatte sich Samson Körner angeboten, der über Maître Rochebourg 8 Millionen Euro dafür zahlen wollte. Masson erklärt ihm, dass Wahlbergs Anwalt von Körner dafür eine Provision bekomme und ihn so ausboote.
    Aurore erklärt Masson, ihr Vater sei auf diese Weise von seinem Geschäftspartner betrogen worden: der habe alles schlechtgeredet, um den Preis zu drücken.
    Auf der Auktion von Scottie's in Paris, die André Masson leitet, erzielt der Schiele 25 Millionen Euro.

  • Sommerdahl | Dan Sommerdahl - Tödliche Idylle Staffel 6 Episode 3 (Folge 23) "Kunstigt | Der Patriarch" (Dänemark / Deutschland 2025, TV2, Sequioa Global Alliance, ZDF, Dynamic Television und Neue deutsche Filmgesellschaft), Drehbuch: Lolita Bellstar, Christine Exner, Lars K. Andersen und Bastian Laigaard nach der Romanserie Den skaldende detektiv von Anna Grue, Regie: Annika Appelin, 89 min, FSK: 12 min

    Die dänische Krimiautorin Anna Grue begann ihre Karriere als Journalistin. Ihre erfolgreiche Krimiserie um den Polizeiermittler Dan Sommerdahl aus Helsingør hat sie bewusst als idyllischen Gegenentwurf zum Nordic Noir angelegt. Die deutsch-dänische Fernsehserie lief 2020 an und kommt inzwischen auf 8 Staffeln. In Dänemark wird bei TV 2 Charlie jede Folge in zwei Teilen ausgestrahlt, während das ZDF Doppelfolgen sendet. 2025 erhielt die Serie den Publikumspreis bei den Series Awards.

    Bei der Präsentation seiner neuen Skulptur lässt der Bildhauer Thor Rossing sein Publikum auf sich warten, wodurch seine Galeristinnen Pernille Ryder und Petra Holm unruhig werden. Als er endlich erscheint, bricht der 64jährige, der seinen Wohnort in Lausanne hat, vor aller Augen tot zusammen.
    Zunächst geraten seine Witwe Daniella Rossing, die aus Flensburg stammt und sich um den gemeinsamen, sechs Monate alten Sohn Felix kümmert, sowie Rossings ältester Sohn Charley in den Fokus. Der 30jährige Charley Rossing ist ebenfalls Künstler, der sich jedoch auf Performances und Land Art spezialisiert hat, weshalb ihn sein Vater nicht ernstgenommen hat.
    Bevor sich die Polizei näher mit dem Mord befassen kann, werden aus der Galleri P nur die Werke von Thor Rossing gestohlen. Zeitgleich lenkt die Aktivistin Renée Mogensen durch ihren Internetauftritt den Verdacht auf sich, weil sie Thor Rossing als sexistisch und frauenfeindlich anklagt. Der Verdacht löst sich in Luft auf.

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    Die gestohlenen Kunstwerke, insgesamt neun, werden im Internet bei einer konspirativen Auktion angeboten. Eine verdeckte Ermittlerin wird als Verkäuferin D63 eingeschleust. Für Rossings "Patriarch" werden 260.000 dänische Kronen als Startgebot aufgerufen. Die Ermittlerin ersteigert das Werk schließlich für 1,2 Millionen Kronen und bietet an, sämtliche Werke von Rossing kaufen zu wollen.
    Der Kunstkritiker der Regionalzeitung, Ole David Nielsen erklärt, Rossing habe ihn beauftragt, seine Biographie zu schreiben, weshalb ihm dieser 84.000 Kronen schulde. Beiläufig schwärzt er die Galeristinnen an, den Diebstahl nur vorgetäuscht zu haben.

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    Ryder und Holm entpuppen sich als Diebe von Rossings Kunstwerken. Seit 30 Jahren hätten sie treu den Künstler unterstützt, dem sie einen Auftritt auf der Biennale vorfinanzieren sollten. Sie haben die Werke unterschlagen, weil sie wegen Rossings Launen 3,5 Millionen Kronen Schulden haben.
    Die Ermittler finden heraus, dass Charley Rossing seinen Vater als letzter lebend im Atelier gesehen haben muss. Doch dann wird endlich der lang gesuchte Zeuge O.O. in Schweden aufgetrieben, der Bronzegießer Oliver Oxfeldt ...

  • Notre Dame | Notre Dame - Die Liebe ist eine Baustelle (Frankreich / Belgien 2019, Rectangle Productions, Scope Pictures, Les Films de Françoise, SOFICA, Cinécap 2, Cinémage 13, Indéfilms 17, Palatine Etoile 17 und France 2 Cinéma), Drehbuch: Valérie Donzelli und Benjamin Charbit, Regie: Valérie Donzelli, Design der Architekturprojekte: Arthur Hoffner und Alice Van Biesbroeck, Virtual Reality-Video: Ana Vega und Ignacio Vega, 89 min

    Die romantische Komödie dreht sich um Kunst im öffentlichen Raum, hier die Gestaltung des Vorplatzes der Kathedrale Notre-Dame de Paris, die aber abgelehnt wird. In diesem Rahmen wird auf historische Beispiele referiert, die seinerzeit vehement auf Protest gestoßen sind, die aber mittlerweile nicht nur als Denkmale akzeptiert sind, sondern Teil der eigenen Identität geworden sind.
    Zuerst wird auf die Pamphlete verwiesen, die sich über die Errichtung des Eiffelturms (1887 - 1889) echauffierten, insbesondere auf den Artikel "Les artistes contre la tour Eiffel", der am 14. Februar 1887 in der Zeitung Le Temps abgedruckt wurde. Zu den über 50 Unterzeichnern zählten renommierte Schriftsteller, Maler, Komponisten und Architekten, darunter Maupassant, Dumas und Prudhomme.
    Ein weiteres Beispiel liefern die Proteste gegen Glaspyramide im Innenhof des Louvre (1985 - 1989), die von dem Architekten Ieoh Ming Pei (1917 - 2019) und dem Ingenieur Roger Nicolet (1931 - 2020) errichtet wurde.
    Es kommt zu einem Prozess beim Amtsgericht, bei dem die Architektin Maud Crayon ihren Entwurf durchsetzen will. Dabei wird Archivmaterial im Film zitiert. Die Aufnahmen zeigen Proteste gegen die Installation "Les Deux Plateaux" (1985) vor dem Palais Royal von Paris, die Daniel Buren (Jahrgang 1938) im Auftrag von Präsident François Mitterrand und Kulturminister Jack Lang als Feld von 260 Säulen gestaltete. Das Kunstwerk wurde am 30. Juli 1986 enthüllt, aber die juristischen Querelen endeten erst im Dezember 1992.

    Nachdem der Film gedreht und geschnitten war, brannte am 19. April 2019 die Kathedrale Notre-Dame de Paris nieder, was weltweit durch die Presse ging (siehe auch Post # 203 in diesem Thread). Trotz eines Budgets von 4.360.174 US-Dollar spielte die RomCom weltweit nur 1.703.578 US-Dollar ein; sie lief sieben Wochen in den französischen Kinos, wobei bloß 227.409 Tickets verkauft wurden.

    Seit 2004 arbeitet die diplomierte Architektin Maud Crayon für den Pariser Architekten Greg Koubir in dessen Firma GK Architecture SARL. Die alleinerziehende Mutter mit ihrem chaotischen Privatleben sieht wie ihre Kollegen ihre Chance im Wettbewerb zur Gestaltung des Vorplatzes von Notre-Dame im Dezember 2018. Auf wundersame Weise gewinnt sie den Wettbewerb, den sie bis zum Juni 2023 umsetzen muss. Dafür erhält sie ein Budget von 121 Millionen Euro, von denen 7 Prozent ihr Honorar sind.
    Durch den lukrativen Auftrag gelockt, drängt sich ihr Chef Koubir als Partner auf. Doch Crayon gründet lieber mit ihrem Kollegen Didier Piemont, der kein Diplom hat, ihre eigene Firma Crayon et Cie. Dafür nimmt sie einen Kredit auf und bringt ihr Modell auf den neuesten Stand, das im Rathaus mittels Virtual Reality der Öffentlichkeit präsentiert wird. Presse und Publikum fassen den neuen Metroausgang als gigantischen Phallus auf, so dass der Bauplatz von Protesten blockiert wird.
    Crayon wehrt sich, indem sie Maître Monique Delatour engagiert und vor Gericht zieht. Letztlich verliert sie, macht sich aber als Architektin mit eigener Firma selbständig.

  • Tatort Folge 1193 "Schattenkinder" (Schweiz 2022, Contrast Film und SRF), Drehbuch: Stefanie Veith und Nina Vukovic, Regie: Christine Repond, 89 min, FSK: 12

    Der Schönheitschirug Beat Gessner erhält über einen Link einen Hinweis auf seinen verschwundenen Sohn Max, der ihn in eine verlassene Fabrikhalle bestellt. Dort findet er ein in Nylon gewickeltes Gebilde, das an der Decke baumelt und sich als der in Formalin konservierte Leichnam seines 26jährigen Sohnes entpuppt. Im Lagerhaus finden sich eng beschriebene Tagebücher sowie der Hinweis auf einen Cosmo.
    Die Spuren führen die Ermittlerinnen zur Künstlerin Kyomi, die im Künstlerhaus einer Stiftung wohnt, die sie als WG mit ihren Objekten teilt. Objekte nennt sie die Menschen, die sie in ihre Kunstwerke verwandelt und ihnen neue Namen gibt. Nachdem sie im September 2017 mit Max Gessner ein mehrstündiges Interview geführt und aufgezeichnet hat wurde aus ihm Cosmo. Ihren Objekten schert sie die Kopfhaut und schmückt sie mit Tattoo, auch mit Hornhaut-Tattoos.
    Kyomi hat an der Kunstakademie Zürich studiert und ist dann lange in Japan gewesen, bis sie 2017 ein Stipendium erhalten hat. Ihr Galerist Bruno Escher sieht die kontroverse Künstlerin, deren Werke aus Asche für 100.000 Euro und mehr gehandelt werden, auf der nächsten Biennale. Kyomi und ihr Galerist teilen sich den Umsatz fifty-fifty.
    Max Gessners Verschwinden hängt mit einem Prozess gegen den Schwimmtrainer Konrad Fassbind zusammen, der 2006 wegen Kindesmissbrauchs zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Max Gessner war einer der missbrauchten Jungen, der jedoch seine Aussage vor Gericht zurückzog. Seit 2018 erhielt Fassbind Bewährung, verschwand jedoch und bleibt ohne Meldeadresse unauffindbar.

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    Die langwierige Suche nach Fassbind führt zu einem Pflegeheim, wo der demente Mann von seiner Frau und seiner Tochter redet. Dort ist er als Vincent Pauli bekannt.
    Kyomi erzählt einer Kommissarin, dass sie eine Erfahrung in ihrer Pubertät mit der Insel Schönenwerd im Zürichsee geprägt hat. In ihrer Kunst beschäftigt sie sich unentwegt mit Schmerz, denn auch ist Kyomi ist ihr neuer Name, bürgerlich heißt sie Bianca Teichmann. Beim Abschiedsfest für Cosmo schmuggelt sie Spyware auf das Handy einer Kommissarin.

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    Die Puzzleteile fallen zusammen, als die Ermittlerinnen die Ursache des Streits zwischen Kyomi und Max Gessner herausfinden. Der hatte in ihr die Tochter von Konrad Fassbind erkannt und sie enttäuscht verlassen.
    Durch die Spyware spürt Kyomi ihren Vater im Pflegeheim auf, um sich an ihm zu rächen. Sie kidnappt ihn und fährt mit ihm sowie ihren zwei Objekten Indira aka Anna Bachmann und Shin aka Philipp Rademacher zur Insel Schönenwerd. Dort fesselt sie ihren Vater an einem Baum, betäubt ihre beiden Objekte und plant einen erweiterten Suizid durch Feuer.

  • Die Akademie (Deutschland 2024, Schiwago Film, Standing Ovations Production, Penned Pictures und SuperCine), Drehbuch und Regie: Camilla Guttner, 104 min, FSK: 16

    Die Tochter des österreichisch-deutschen Filmemachers Hans A. Guttner, dessen Spezialität lange Dokumentarfilme für das Kino waren, bereitete ihren ersten abendfüllenden Spielfilm langfristig und gezielt vor. Zunächst studierte Camilla Guttner an der Akademie der Bildenden Künste München bei Sean Scully (Jahrgang 1945) Malerei. Im Rahmen ihres Regiestudiums an der Hochschule für Fernsehen und Film München porträtierte sie 2015 den Bildgestalter Luca Bignazzi in dem Dokumentarfilm Luca Bigazzi – The Life of a DOP. 2020 konnte sie für ihren Kurzfilm Die Akademie den internationalen Schauspielstar Jean-Marc Barr gewinnen. Die abendfüllende Neuauflage ihrer autobiographisch unterfütterten Erlebnisse eine Kunststudentin feierte 2024 seine Weltpremiere beim Filmfest München und war 2025 der Abschlussfilm des Raindance Film Festival 2025 in London. Hauptdarstellerin Maja Bons wurde 2025 mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

    Die 19jährige Johanna Benz, kurz Jojo, schwebt auf Wolken, weil sie sich in einem Probejahr in der Klasse des international renommierten Malers Prof. Robert Copley bewähren darf. Den Tipp hatte sie von dem Kunsthistoriker Prof. Werner König bekommen, und vor drei Monaten bekam sie die Zusage von Copley. Die andere Malklasse der Akademie wird von Prof. Norbert Roeg geleitet, der wegen seines übergriffigen Verhaltens Proteste erntet. Jojo freundet sich mit Roegs Studentin Siri Grün an, die mit ihrer künstlerischen Performance viral geht, dann vom Galeristen Rauch protegiert und schließlich vom Kunstkritiker Danilo Danzer beiläufig vernichtet wird. König vermittelt Jojo Benz den Auftrag, für 5000 Euro eine Familie aus dem Geldadel zu porträtieren, was nach hinten losgeht. Denn trotz des größten Kunstmarkts der Geschichte können nur zweim Prozent der Absolventen von Kunsthochschulen von ihren Werken leben. Mit ihren unklaren Codes wird die Kunstszene zum Härtetest für Jojo Benz, die aufopfernd von ihrer Großmutter Erna Benz unterstützt wird. Copley haßt Events, für König ist die Kunstwelt nur ein Spiel, und Jojo Benz fragt: "Does painting come from pain?"
    Der Spielfilm steht eher in der österreichischen als in der deutschen Tradition und erinnerte mich in seinem Slipstream aus diversen Genres, durchsetzt mit rätselhaften Elementen und seltsamen Figuren stark an das Kino des Südkoreaners Bong Joon-ho. Guttner krönt ihr Gesellenstück im Abspann mit dem Disclaimer: "Die Akademie der Bildenden Künste München (AdBK München) distanziert sich von diesem Film, da er nicht das aktuelle Kunst- und Lehrverständnis der AdBK München zeigt und weist darauf hin, dass die dargestellten Figuren und Ereignisse fiktiv sind. Eventuelle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig."

  • SOKO Wismar Staffel 19 Episode 4 (Folge 426) "Das größere Übel" (Deutschland 2022, Real Film Berlin GmbH), Drehbuch: Stefan Weigl, Regie: Oren Schmuckler, 44 min, FSK: 12

    Auf einer Baustelle am Westhafen finden bulgarische Bauarbeiter die Leiche des Architekten Juri Müller-Hansen in einem Container mit Bauschutt. Dort errichtete der 62jährige für die Stadt Wismar ein neues Gebäude, wobei die Bauleitung durch Gunnar Schäfer vertreten wird. Eigentlich sollte der in Lübeck geborene Architekt einen Vortrag in Rostock halten, weshalb seine Witwe, die pensionierte Grundschullehrerin Dörte Müller-Hansen (62), seine Todesnachricht zunächst für einen Scherz hält.
    Müller-Hansen hatte in München, Zürich und Kopenhagen Architektur studiert. 1993 gründete er in Wismar das Architekturbüro Müller-Hansen GmbH, wobei er von seinem langjährigen Mitarbeiter Jörn Conradi (59) unterstützt wurde. Dem wurde zunächst die Baustelle am Westhafen anvertraut, wobei es immer wieder zu Scherereien kam. Deshalb vertraute Müller-Hansen diese seiner neuen Mitarbeiterin Marlene Richter an. Erst seit einem Jahr in der Firma will sie dennoch Karriere machen, obwohl sie nach Engagements in Sydney, Tokio und Paris genug hat von selbsternannten Architekturgurus mit ihren Visionen.

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    Als Rentnerin vertreibt sich Dörte Müller-Hansen, die 33 Jahre verheiratet war, ihre Zeit mit Daytrading; obwohl das Geschäft risikoreich ist, konnte sie im letzten Jahr 220.000 Euro versteuern. Aus dem Tresor im Haus des Architekten fehlen 50.000 Euro; zudem stellt die Forensik fest, dass der Architekt mit einer Skulptur aus seinem Haus erschlagen wurde.

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    Bauleiter Schäfer wird mit seinem Anwalt ins Kreuzverhör genommen. Er verdächtigt Conradi und führt dessen Unzuverlässigkeit auf eine Alkoholsucht zurück. Bei seinem Alibi druckst er herum und schickt seinen Anwalt vor die Tür, denn es ist ihm peinlich, dass er in Schwerin bei einem Seminar für Achtsamkeit gewesen ist; was er lieber kleinhält, weil in der Machobranche sonst ein rüder Ton herrscht.

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    Durch Überwachungsvideos wird Conradi als Täter überführt. Zunächst hatte er sich als Kronprinz Hoffnungen auf die Nachfolge von Müller-Hansen gemacht; doch zu lange hat er seine Ausfälle geleugnet, die auf eine Demenz zurückzuführen sind.

  • Die Rosenheim-Cops Staffel 10 Episode 9 (Folge 193) "Die strafende Hand Gottes" (Deutschland 2010, Bavaria Fiction), Drehbuch: Nikolaus Schmidt, Regie: Gunter Krää, 44 min, FSK: 6

    Für die Gemeinde Ganting gestaltet der Bildhauer Ferdinand Kollmann in seinem Atelier eine riesige Christusstatue, höher als in Rio de Janeiro, als Touristenattraktion. Eines Morgens wird er tot in seinem Atelier aufgefunden, wie es aussieht, erschlagen von einer riesigen Hand. Gefunden wurde er von Anna Schretzmayr, der Frau des Bürgermeisters von Ganting, und seinem Modell, dem Schauspieler Antonio Moser, der zudem als Zweitbesetzung bei den Oberammergauer Festspielen tätig ist.
    Zu den Verdächtigen zählt Roswitha Schober, eine ehemalige Rathausangestellte, die ausdauernd mit ihrem Plakat gegen die Blasphemie protestiert, mit Christus Geld zu verdienen. Als weitere Zeugen werden die Initiatoren des Projekts vorgeladen: Der Bauunternehmer Volker Feiler und der Bürgermeister von Ganting, Karl Schretzmayr, sowie der Bildhauer Benedikt Gasser, der das Projekt jetzt vollenden soll.

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    Anna Schretzmayr schleicht sich in das Atelier, dass sie verlassen glaubt, um nach einer Rolle mit Zeichnungen zu suchen, wobei sie erwischt wird.
    Bei seiner Befragung sagt Gasser, die Statue wäre seine Idee gewesen, aber Schretzmayr hätte die Skulptur seinen Spezln zugeschanzt. Aus Rache habe er zweimal Feuer gelegt.
    In dem gesicherten Material finden sich Hinweise, dass Kollmann am historischen Jesus interessiert war, der entgegen üblichen Vorstellungen größer und muskulöser gewesen sein soll. Benedikt Gasser schätzt den schlanken Antonio Moser als römisch-antikes Modell.
    Die Forensik stellt fest, dass das Opfer zunächst niedergeschlagen und dann erst unter die Hand geschleift wurde.

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    Bei den Zeichnungen, die Frau Schretzmayr verschwinden lassen wollte, handelt es sich um Aktzeichnungen von ihr. Zudem hatte sie eine Affäre mit Kollmann. Weil ermittelt wird, dass der Bürgermeister davon wusste und am Tatort zugegen war, wird er erneut als Verdächtiger verhört. Aber auch das Alibi von Antonio Moser platzt.
    Letztlich wird der Täter durch ein neuartiges Kameraverfahren überführt.

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