
Enemigo (Jiro Taniguchi) (Schreiber & Leser)
Nach dem Gourmet, der mit seiner ruhigen, fast nachdenklichen, introvertierten und fast schon poetischen Art ein typischer Vertreter für einen „späteren“ Taniguchi war, hier mal wieder ein „früher“ Vertreter, aus einer Zeit, als der Meister noch härtere Register zog.
Ein südamerikanischer Staat, gebeutelt von Diktatur und Bürgerkrieg, will unter der neuen Regierung das Land wieder auf Vordermann bringen, wozu neue Wege gefunden werden sollen, um Dschungelflächen urbar zu machen. Es entbrennt ein Investoren-Wettstreit, den ein japanisches Unternehmen gewinnt. Der junge jedoch brillante Firmenpräsident Yuji Seshimo wird allerdings schon bei einer ersten Inspektionsreise in den Urwald Opfer einer Entführung. Das ruft seinen Bruder auf den Plan, der ganz besondere Fähigkeiten besitzt.
Wer steckt hinter der Entführung? Die konkurrierenden Amerikaner? Die Guerilla-Armee, die dem alten Regime anhängt? Die neue Regierung, oder gar ein Komplott innerhalb der eigenen Firma? Vor der Kulisse dieses Wirtschaftskrimis entfaltet sich ein Dschungelkampf, der so manchem Kriegsfilm zu Ehre gereichen würde. Irgendwo zwischen „Rambo“, „96 hours“ und „Lebenszeichen – Proof of life“ wird die Schraube in Richtung Spannung und Action massiv angezogen, bis hin zum Großstadt-Finale.
Ich mag beide Seiten von Jiro Taniguchi wirklich sehr und bin immer dankbar, dass sich Schreiber und Leser auch seinen früheren Werken widmet, so wie diesem äußerst starken Pageturner.
VG, God_W.

