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Alt 07.11.2014, 09:54   #26  
Servalan
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Standard Comicmagazine heute

Eines der letzten Comicmagazine im frankobelgischen Raum gibt der Zeichner Siné heraus, Siné Mensuel, und gerät deswegen wie im vergangenen Jahr in finanzielle Schwierigkeiten. Deshalb hat er in Ausgabe 36 sein Publikum gebeten, ihn durch Spenden zu unterstützen. "Wenn nichts passiere, sei das die vorletzte Ausgabe gewesen", warnt er seine Leser. Um zukünftig vor solchen Bredouillen gefeit zu sein, bräuchte er mindestens 85.000 €. Nach zwei Aufrufen in den vergangenen Monaten hat er bis zum 5. November nur 18.500 € sammeln können.
Dabei schwankt die Auflage zwischen 15.000 und 19.000 Exemplaren. Um langfristig profitabel zu sein, wäre jedoch eine Auflage von 37.000 verkauften Exemplaren notwendig.
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Alt 10.11.2014, 11:45   #27  
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Standard The Hero Initiative

Zitat:
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Die amerikanische Szene hat sich anders organisiert.
Aber sie hat sich organisiert: Seit Ende 2000 gibt es The Hero Initiative (gegründet als A.C.T.O.R., A Commitment To Our Roots) in Los Angeles, die Comickünstlern beispringt, wenn sie finanziell in Not geraten. Meist geht es um medizinische Notfälle oder andere Verluste, die ersetzt werden, damit das Leben der Veteranen weitergehen kann.
Zitat:
The Hero Initiative creates a financial safety net for comic creators who may need emergency medical aid, financial support for essentials of life, and an avenue back into paying work. Since inception, the Hero Initiative has been fortunate enough to benefit over 50 creators and their families with over $500,000 worth of much-needed aid, fueled by your contributions! It's a chance for all of us to give back something to the people who have given us so much enjoyment.
Auf der Seite finden sich vier Videos: Drei enthalten Statements von Ed Hannigan, Steve Perry und Stan Lee.

Unter den Nutznießern der Hero Initiative finden sich illustre Namen wie Gene Colan, Steve Gerber, Russ Heath, Ralph Reese und Josh Medors.
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Alt 22.11.2014, 09:52   #28  
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Standard SnacAttack in Montreuil

Zitat:
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Der französischen Comicbranche scheint es mittlerweile (trotz aller Bestseller) dermaßen mies zu gehen, daß sich die Unruhe der letzten Monate zu einem wahren Aufstand hochgeschaukelt hat, der mittlerweile die Spitzen in Wirtschaft und Politik erreicht hat.
Die ersten größeren Aktionen plant die Comicgewerkschaft BD Snac zusammen mit dem Verband der Jugendbuchautoren und -illustratoren (La Charte) bei der Buchmesse in Montreuil, die vom 26. November bis zum 1. Dezember geht.
Für die Eröffnung wird eine gemeinsame Fotosession geplant, bei der alle Demonstanten im selben T-Shirt erscheinen sollen. Wer dazu keine offizielle Einladung besitzt, kann sich direkt an BD Snac wenden.
http://www.syndicatbd.org/category/actus/
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Alt 29.11.2014, 14:35   #29  
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Standard "(Auf-)Marsch der Comicautoren" in Angoulême

Im Fokus der Mobilisation der Comicgewerkschaft BD Snac befindet sich natürlich der 42. Comicsalon in Angoulême (29. Januar bis 1. Februar 2015): Unter dem Motto "Ohne Autoren keine Comics. Macht mit!" lautet das Planziel, durch den Aufmarsch von 1200 Autoren die bestehende Kritik in die Medien (jenseits der Comicfachpresse und der Medienkritik) zu bringen, um öffentliche Unterstützung in einem allgemein gesellschaftlichen Rahmen zu finden.
Zu diesem Zweck haben sie sich Bill Wattersons Plakat für das Großereignis angeeignet und zeigen bloß dessen leere Panels.
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Alt 26.12.2014, 18:25   #30  
Servalan
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In den Tagen zwischen den Jahren erscheint der Jahresbericht über die frankophone Comicbranche, herausgegeben vom ACBD. Je nach Lage der Werktage findet die Pressekonferenz dazu entweder kurz vor Weihnachten oder in den letzten Tagen des Jahres statt. Speerspitze des Verbandes ist der meinungsfreudige Gilles Ratier, der sicher auch diesmal eine Meinung vertreten wird. Meines Erachtens wird er sich vor dem gespannten Verhältnis zwischen den einzelnen Gruppen (Kreative, Verlage, Handel und Presse) nicht drücken können. Ich bin gespannt, welche Position er vertreten wird.
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Alt 29.12.2014, 13:17   #31  
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Da ist er!

http://bdzoom.com/82014/meilleures-v...ontradictions/
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Alt 03.01.2015, 14:55   #32  
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Die niederländisch-flämische Sicht des Comicmarktes 2014 von Stripspeciaalzaak. Dabei berücksichtigen sie den Rapport Ratier des ACBD über den frankophonen Markt.

http://www.stripspeciaalzaak.be/Stri...hp#Jaarrapport

Der Belletristik-Verlag De Bezige Bij (eine Abteilung des Medienkonzerns WPG, zu dem auch der Comicverlag Standaard Uitgeverij gehört) teilt mit, daß die durchschnittliche Auflage eines Romans bei 700 bis 800 Exemplaren liegt. Für Standaard Uitgeverij werden Comics erst ab einer Auflage von 20.000 Exemplaren rentabel.

Geändert von Servalan (03.01.2015 um 15:07 Uhr)
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Alt 04.01.2015, 01:16   #33  
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Im Januar 2010* wurde die Crowdfunding-Plattform Editions Sandawe (Lasne, Brabant in Belgien) für den frankophonen Markt gegründet, deren eingeworbene Beträge seither deutlich gestiegen sind:
24. Dezember 2012 - 500.000 €
29. Dezember 2014 - 1.245.530 €

Die erste gedruckte Veröffentlichung erschien am 24. August 2011: Jean-Marc Allais / Serge Perrotin: Il Pennello.
Nach einer anderen Quelle erschien als erstes Album von E411 / Zidrou: Maître Corbaque", n°1: Que Justice soit (mal) faite ! schon im Februar 2011.

*Laut der französischen Wikipédia im November 2009.
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Alt 04.01.2015, 13:54   #34  
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Standard Einer für alle, alle für einen

Unter Druck befindet sich hingegen ein Bereich des Merchandising, nämlich die kleinen Firmen, die Resin-Figuren nach Comicfiguren gestalten. Im frankophonen Bereich sind das die Firmen Artoyz in Paris und Leblon-Delienne in Neufchâtel en Bray, Normandie. So sagt Michel Rouah, der Geschäftsführer von Artoyz:
Zitat:
«Le marché de la figurine de BD franco-belge est moribond», tranche Michael Rouah.
2010 verspekulierte sich Leblon-Delienne mit einem größen Dom Pérignon-Geschäft und steht seit dem Fiasko unter finanzieller Aufsicht. Die Situation verschlimmerte sich, so daß die Firma vor drei Monaten Konkurs anmelden mußte. Am 23. Dezember 2014 wurde den 14 Angestellten mitgeteilt, sie seien zum 31. Dezember des Jahres gekündigt. Dabei ging es um Lizenzen ("geistiges Eigentum"), die der Firma den internationalen Vertrieb untersagten.
Laurent Buob, der Geschäftsführer, legte sofort Widerspruch ein.
Artoyz sprang in die Bresche und legte als Vermittlungsangebot einen Businessplan über drei Jahre vor, bestehend aus 50.000 € Löhnen für die Angestellten und 150.000 € Investitionen im vorgeschlagenen Zeitraum. Rouah veröffentlichte sein Kommuniqué auf dem Artoyz-Blog und wies darauf hin, daß der Kleinbetrieb zum Kulturellen Erbe gehöre und entsprechenden Schutz genießen solle.

Am 27. Dezember 2014 schlug das Handelsgericht in Dieppe das Angebot aus unerfindlichen Gründen aus und ordnete die Liquidation an. Noch am selben Tag startete Rouah eine Petition, für die er mindestens 5.000 Unterschriften benötigt - der Stand momentan: 1552.

Quellen: Artoyz
Le Figaro (2. Januar 2015)
actuabd
AVAAZ.org - Pétitions Citoyennes
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Alt 06.01.2015, 15:05   #35  
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Standard Der Jahresbericht aus Québec

Sogar für den übersichtlichen Comicmarkt im kanadischen Québec existiert ein Marktreport nach dem Vorbild des Rapport Ratier des ACBD: Rapport Viau de la BD québécoise.
Die akutelle Ausgabe heißt 2014 : L’année de la diversité (Mém9ire), die 22 Seiten lassen sich online lesen.
Danach erschienen in Québec 168 Comics, 23 weitere von Autoren aus Québec wurden anderswo herausgebracht (Frankreich, Belgien, USA).
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Alt 02.02.2015, 17:17   #36  
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Standard Wie groß ist die frankobelgische Comicszene?

Wie viele Kreative sind aktiv beteiligt, wenn es um das Angebot des Marktes im französischsprechenden Europa geht? Je nach Bericht, je nach Verband schwanken die Zahlen nämlich erheblich. Das Familientreffen in Angoulême liefert jedoch gewisse Hintergründe, durch die sich statistische Material gewichten läßt.

Die Preisträger in Angoulême werden in zwei Durchgängen ermittelt. Das Verfahren läuft dabei so ähnlich ab wie beim berühmteren "Oscar" (eigentlich Academy Award) der Filmbranche. Hier wie dort können Leute abstimmen, die sich professionell organisiert haben.
Im ersten Durchgang wird die Shortlist der möglichen Preisträger ermittelt, also jene Werke, die die meisten Stimmen bekommen haben. An dieser Runde haben sich beim 42. Comicfestival in Angoulême 2014/2015
Zitat:
seit Mitte Dezember [2014] mehr als 3.500 professionelle Comicautoren beteiligt.
Bei der zweiten Abstimmung, die am 28. Januar 2015 geschlossen wurde,
Zitat:
haben mehr als 1.600 Autoren teilgenommen.
Große Furore hat der oben angekündigte "Marsch der Autoren" durch die Stadt gemacht, bei der gegen die prekären Arbeitsverhältnisse protestiert wurde. Motto: "Ohne Autoren keine Comics!"
Je nach Quelle liefen dabei um die 400, 500 oder 600 (nach Polizeiangaben) teilweise prominente Comicautoren mit.

Geändert von Servalan (02.02.2015 um 17:57 Uhr)
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Alt 03.02.2015, 19:19   #37  
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Standard Volkstribun JC Menu hat den Feind ausgemacht

Der meinungsstarke Jean-Christophe Menu, einer der Gründerväter von L'Association, der beim großen Krach zum 20jährigen Jubiläum kräftig mitgemischt hat, bevor er im Groll gegangen ist, hat den Feind der Comicbranche ausgemacht. Der radikale Streiter für künstlerische Freiheit, der sich seit 2012 mit seiner Neugründung L'Apocalypse abgesetzt hat, verflucht die Graphic Novels.
Für das Comicfachmagazin KaBoom n°8 hat er sich seinen Frust von der Seele geschrieben, und der Feuilletonteil des NouvelObs, BibliObs, präsentiert seine Abrechnung "10 Jahre Platitüden" der breiten Öffentlichkeit.
Er gehörte zu einer Gruppe junger, wilder Comiczeichner, die zwischen 1990 und 2003 die verkrusteten Strukturen von Papas Comic aufbrachen und das Spektrum dessen erweiterten, wozu sich Comics nutzen lassen. Zu hat der Zeit konnte fröhlich herumexperimentiert werden, weil niemand den Comic so richtig ernst genommen hat. Die kleine Familie der Künstler und Fans wurstelten im Ghetto vor sich hin, Spaß an der Freude und die Lust am Medium bedeuteten mehr als wirtschaftlicher Erfolg.
Der große Bruch kam, als Literaturverlage die Graphic Novels entdeckten und der alternativen Comicszene allmählich die Lebensgrundlage entzogen. Eigentlich haben diese Hochkulturverlage die richtigen Stärken der Comicsprache bis heute nicht verstanden, und daraus resultiert nach Menu das Unheil: Der wahre Comic ist sterbenskrank, weil die comicfremden Verlage ihre Produktionen nach literarischen Maßstäben beurteilen, die überhaupt nicht angemessen sind. Damit das Feuilleton die Produktionen bespricht, werden die Werke auf einen Pitch reduziert, einen knackigen Werbespruch, eine Art Slogan für einen Leitartikel. Dabei bleibt das Comicspezifische auf der Strecke, und die Graphic Novel erweist sich als Totengräber.
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Alt 03.02.2015, 22:09   #38  
underduck
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Ähem ... meinereiner liebt die die verkrusteten Strukturen von "Papas Comic".

Aber weder Manga noch Graphic Novel erweist sich mMn bei meinen Comics als Totengräber.
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Alt 03.02.2015, 22:16   #39  
Servalan
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Ich glaube, bei einigen Leuten in der Comicszene gilt JC Menu auch als Querulant. Das ist seine Meinung.

Gerade Serien wie LastMan oder Die alten Knacker von Lupano und Cauuet zeigen ja die lebendige Widerspenstigkeit des Comics.
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Alt 03.02.2015, 23:27   #40  
Peter Schaaff
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Standard Allez enfants!

Ich bin ja mal gespannt, ob die Autoren & Zeichner etwas bewegen können in Frankreich. Als selbständig Kreative wird es eher unmöglich für sie sein, so etwas wie feste (Mindest-) Seitenpreise bei den Verlegern durchzusetzen. Ohne solche Richtwerte hat man aber keine Grundlage für gar nichts.

Das ist bei uns genauso (nur das wir gar keine Gelegenheit groß haben, uns mit Verlegern über Seitenpreise streiten zu können aus Mangel an Projekten). Ich bin bei meinen Comic- Jobs für freie und öffentliche Träger immer froh, daß ich meine Kostenvoranschläge mit den Angaben im ICOM- Ratgeber belegen kann. Und das diese Jobs für den Kunden unter 'Werbung' laufen. Und da haben Werbeagenturen & diverse Designer- Vereinigungen schon für ein lebensunterhaltfähiges Honorargefüge gesorgt.

Denn grundsätzlich gilt wohl in der Belletristik- Branche: nimm` es oder lass` es! Und kein Comic in Deutschland oder sogar in Frankreich wie es scheint (von den nächsten Asterix und Lucky Luke mal abgesehen) verspricht genügend Umsatz & Lizenzen & Prestige, daß Verleger den unbedingt realisiert sehen wollen und dadurch vom 'Geiz ist geil' in den Vertragsverhandlungen lassen.
Gefühlt 90% der Buchautoren und -illustratoren können davon in Deutschland schon länger und lauter ein Lied singen.

In den USA, so man sich dort nicht zum 'Hauszeichner' bei einem der großen Verlage hochgearbeitet hat(te), brachte eigentlich nur der Selbstverlag so etwas wie adäquaten Gewinn und 'echten' Erfolg. Beispiele dafür sind Eastman & Lairds Teenage Mutant Ninja Turtles, Smiths Bone, Richard & Wendi Pinis Elfquest oder die Autoren & Zeichner des Image- Verlags.
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Alt 04.02.2015, 05:44   #41  
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Endlich mal einer, der die Wahrheit erkennt! So einen Fürsprecher bräuchten wir auch in Deutschland. Genauso wie der Mangaboom schaden die Graphic Novels zu einen beträchtlichen Teil dem Medium Comic. Auch die Verlage mischen da mit ihren hochpreisigen Hardcover-Luxusbänden mit. Ich frag mich, wie bei einer solchen Vermarktungsstrategie eine neue Lesergeneration nachwachsen soll? Mir fehlt da eindeutig der Spaß am Comic. Heute wird nur noch für ein zahlungswilliges Sammlergrüppchen produziert.

Ich stelle mir natürlich auch gern schicke Luxusbände ins Regal und lese Graphic Novels, aber ich bin ja auch erwachsen und meine Generation stirbt irgendwann aus.
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Alt 04.02.2015, 10:12   #42  
Servalan
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Standard Die guten alten Handwerker

Der Haken dürfte der fehlende Kioskmarkt sein: In den Niederlanden und in Italien gibt es billige Lektüre für ein junges Publikum. Handwerklich sind die Comics in Ordnung, nutzen die Stärken des Mediums, ohne große Barrieren zu unterrichten. Kinder und Jugendliche können selbst entscheiden, ob sie sich Jommeke, Kiekebos oder Suske & Wiske, ob sie Dylan Dog, Diabolik oder eine andere Serie von Bonelli kaufen wollen - weil das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Und die alte Garde der klassischen Comiczeichner - von Carl Barks über Hergé und Franquin bis hin zu Osamu Tezuka - hat sich eher als Handwerker verstanden, weniger als Künstler.

Handwerker dürften besser gewappnet sein, wenn sie ihre Rechnungen einfordern, als Künstler.

Solange ein Publikum nachwächst, dürfte der Markt robust sein.
JC Menu hält die Verantwortlichen der Literaturverlage für Comicanalphabeten, die keine Ahnung haben, welchen Schaden sie anrichten. Er fürchtet wohl zurecht, daß das Wissen, wie Comics funktionieren, verloren geht. Ich habe das Gefühl, auch bei den Graphic Novels wächst der Anteil, der anderswo als Trash bezeichnet wird.

Der Lackmustest für jeden Comic ist die Frage: Nimmst du ihn, wenn du ihn geschenkt bekommst?
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Alt 04.02.2015, 11:46   #43  
Peter Schaaff
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... wobei natürlich auch die Verleger von Comics für den Pressegrosso/ der Massenware aus Italien, Japan und den USA in den letzten Jahren vermehrt klagen über Umsatzeinbußen und Auflagenrückgang. Doch solche 'dunklen Zeiten' gab es z.B. in den USA schon vorher - und auch dort haben sich Comics als Massenmedium wieder etablieren können.

Solange diese großen Märkte zusammen mit dem franko- belgischen weiter funktionieren (und produzieren) wird auch der - zu gefühlt aus 90% Lizenzen bestehende - deutsche Comics- Markt weiter bestehen.
Und (vielleicht überteuerte/ sterbenslangweilige) Graphic Novels in den Regalen der Buchhandlungen sind bestimmt nicht der Untergang der Comics in Deutschland ...
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Alt 04.02.2015, 11:55   #44  
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Einen großen Teil der Graphic Novels könnte man verkaufen, indem man nur über Thema und Inhalt spricht. Ohne ein einziges Bild davon zu zeigen.
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Alt 04.02.2015, 12:47   #45  
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Das nennt JC Menu den Pitch: Wer darüber redet oder schreibt, kann die gesamte graphische Ebene unter den Tisch fallenlassen - trotzdem geht nichts verloren.
Er hält diese Tatsache für schädlich.

Ich habe eine Zeitlang im Kinobereich gearbeitet, in einem Kommunalen Kino. Als die hiesige Filiale des Cinemaxx eröffnet wurde, gab es natürlich die alten Muster: das böse Kommerzkino gegen das gute alternative Kino. Aber diese Klischees sind ausgemachter Blödsinn. Im Kino muß es eine Bandbreite geben, vom Popcorn-Blockbuster bis zum abgedrehten Autorenfilm oder einer obskuren Produktion aus einem Land, das die meisten erst einmal im Atlas suchen müssen.
Die beiden Seiten der Medaille gehören zusammen, sie ergänzen sich etwas gesundem Ganzen. Wenn eine Hälfte etwas verbockt, bekommt das auch die andere Hälfte zu spüren.
Das gilt für jedes Medium - Comics inklusive.

Nichts gegen Trends. Marketing-Abteilungen und Buchhaltung haben selbstverständlich ihre Berechtigung, aber die können immer nur Trends fortschreiben. Jedes Medium muß eine gewisse Narrenfreiheit besitzen und sich irgendwo austoben können. Wenn die großen Verlage diese Wildcard einkassieren und jegliches Risiko vermeiden, obwohl sie sich das wegen ihres Umsatzes bzw. Gewinnes leisten könnten, fehlt dieser Anteil.

In einem gesunden Markt kommt dann irgend jemand mal auf die Idee, all den Juniorversionen der klassischen Helden (Gastoon, Lucky Kid etc.) mal einen All-Age-Comic entgegen zu setzen, in dem die drei Helden keine Pennäler aus der Grundschule sind - sondern drei alte Knacker mit Kodderschnauze, eben 70somethings ...
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Alt 04.02.2015, 14:03   #46  
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Zitat:
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Das nennt JC Menu den Pitch: Wer darüber redet oder schreibt, kann die gesamte graphische Ebene unter den Tisch fallenlassen - trotzdem geht nichts verloren.
Er hält diese Tatsache für schädlich.
Menu hat da etwas sehr Richtiges beobachtet.

Um die Diskussion in Deutschland zu führen, sollte man aber ein besseres Wort als "Pitch" finden. Denn als "Pitch" bezeichnet man eine Präsentation um einen Auftrag zu bekommen, und da gehören Bilder natürlich dazu.

Wahrscheinlich meint Menu eigentlich "Elevator pitch", also ein Projekt, das man dem Chef in der kurzen Zeit erklären kann, in der man neben ihm im Fahrstuhl steht.
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Alt 04.02.2015, 14:51   #47  
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Den Dünkel der Hochkultur sollte dabei niemand vergessen.

Mit dem Kunstanspruch verbinden sich ja weitere Denkmuster, die mit der echten Qualität des Werken überhaupt nichts zu tun: Kunst soll am besten von einem einzelnen Künstler kommen und möglichst frei im Raum schweben, also wenig mit dem Leben der gewöhnlichen Menschen zu tun haben. Vielleicht ein bißchen intellektuell, vielleicht ein wenig experimentell und der eine oder andere Skandal kann auch werbeträchtig ausgeschlachtet werden. Letztlich wird da fleißig am Mythos des einsamen Künstlergenies gebastelt, und das Werk ist bloß Mittel zum Zweck. Wenn sich der Künstler noch rar und nur alle Jubeljahre mal ein Bändchen vorgelegt (wie Ransmayr im Literaturzirkus), dann funktionieren die eingefahrenen Routinen.

Wer sich mit der Comicgeschichte beschäftigt, wird aber häufiger Leute entdecken, die in rascher Folge ein umfangreiches Werk vorlegen: Vielzeichner und Vielschreiber, aber die gelten für gewöhnlich eher als mittelmäßige Fabrikarbeiter. Wobei der Begriff "Fabrik" an sich wertfrei betrachtet werden sollte, ohne blöde Vorurteile. Denn schon die alten Meister, die mit ihren Fresken die italienischen Bauwerke seit dem späten Mittelalter verschönert haben, über Rembrandt und die Flamen bis hin zu Andy Warhols Factory zeigen ja, daß eine Schule oder Studio nützlich sein kann und nichts über die Qualität aussagt.
Einige der besten Werke sind solche Schnellschüsse, die quasi am Fließband produziert worden sind: Will Eisner war sich dessen bewußt. Nachlesen läßt sich das in seinem autobiographischen Comic über seine Anfänge als (Teenager-)Unternehmer im Eisner/Iger-Studio in Der Träumer. Eine gewisse Routine gehört dazu, damit die Seiten locker von der Hand gehen. Verkrampfte und steife Sachen hemmen den Lesefluß. Diese Regel gilt sowohl für Zeichner wie auch Szenaristen.
Bei Jean Van Hamme drückt sich das in seinem Spitznamen aus: "Monsieur 10%". Im Comic ist das eher die Regel. Auf Anhieb fallen mir da heute über jeden Verdacht erhabene Namen wie Stan "The Man" Lee, Alan Moore, Jack Kirby, René Goscinny, Albert Uderzo, Morris, Franquin, Jijé, Moebius, Jiro Taniguchi, Naoko Urusawa usw. usf. ein. Und wenn ich an jüngste Generation denke, gibt es Lewis Trondheim, Bastien Vivès, Wilfrid Lupano ... In Deutschland gehören Stephan Hagenow und Levin Kurio eher zu diesem Kreis als all die Absolventen der Kunsthochschulen.
Die probieren mal was aus und sind sich für nichts zu schade.
Sicher, der eine oder andere Comic darunter ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber was soll's? Über kurz oder entstehen auf diese Weise die Klassiker von morgen und übermorgen, wenn die Kreativen ihre Betriebstemperatur halten können. Solange es genügend Titel mit langer Backlist gibt, die ständig lieferbar sind und quer durch die Generationen gelesen werden, möglichst zu einem Preis, der nicht den Rahmen (von z.B. 10 €) sprengt - solange leben die Comics.
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Alt 04.02.2015, 18:45   #48  
Servalan
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Die Basis für eine breite Comickultur haben wir nur in Ansätzen.

Wer den Beruf von der Pike auf lernen will, und zwar unter realen Bedingungen, der muß entweder ins europäische Ausland gehen (die Disney-Filialen in Dänemark, den Niederlanden oder Italien beispielsweise) oder gleich in die USA bzw. für den US-Markt arbeiten - wie Horus, David Boller und Mirko Djordjevic.
Insofern halte ich das altbewährte Mosaik für die einzige Kaderschmiede hierzulande, bei der der Nachwuchs Feuerproben wie eine obligatorische Deadline bestehen muß. Eine Lehrzeit oder Phase von einigen Jahren trainiert die zeichnerischen oder erzählerischen Fähigkeiten auf eine Weise, die in Fleisch und Blut übergeht. Besonders in den Skizzen zeigt sich das bei deutschen Comicgrößen wie Jan Suski, Ivo Kircheis und Schwarwel.
Karl Nagel und Lutz Mathesdorf haben mit der Alligator Farm in Hamburg ja einen Versuch gestartet, der in diese Richtung ging. Leider ist der Versuch gescheitert.

Dagegen sehen die meisten Graphic Novels eher blaß, blutleer und steif aus. Den Absolventen fehlt die Unverfrorenheit, mal so richtig daneben zu greifen. Ich glaube, das Publikum spürt ganz genau, ob ein Autor Comics liebt oder bloß brav eine Fleißarbeit für den Abschluß geliefert wird.
Wenn etwas gut gemacht ist (und nicht nur gut gemeint!), dann kann sich der Comic fast alles erlauben. Auf die Dauer funktioniert halbherziges Wursteln nicht, das schadet eher.
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Alt 05.02.2015, 10:48   #49  
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Zitat:
Zitat von Servalan Beitrag anzeigen
(...) In einem gesunden Markt kommt dann irgend jemand mal auf die Idee, all den Juniorversionen der klassischen Helden (Gastoon, Lucky Kid etc.) mal einen All-Age-Comic entgegen zu setzen, in dem die drei Helden keine Pennäler aus der Grundschule sind - sondern drei alte Knacker mit Kodderschnauze, eben 70somethings ...
Vielleicht sollte ich 'Opa Schmoller' und seinen Kumpel 'Thadäus Tatter' wieder auf die Piste schicken?! Ihr letztes Abenteuer ist auch schon wieder seit 1979 (oder so) her.
G.Nem. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.02.2015, 10:49   #50  
G.Nem.
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Zitat:
Zitat von Servalan Beitrag anzeigen
(...)Insofern halte ich das altbewährte Mosaik für die einzige Kaderschmiede hierzulande, (...)
Du meinst alle haben dann einen einheitlichen Strich, oder wie darf man Kaderschmiede für Comic-Zeichner verstehen?
G.Nem. ist offline   Mit Zitat antworten
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